Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Moderator: jogiwan

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karlAbundzu
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Beitrag von karlAbundzu »

Tatort Wien: Unten
Eisner und Fellner ermitteln im Obdachlosenmillieu. Da haben wir einen Ex-Jornalisten mit Hang zur Verschwörung (klar, die Leiche), eine alleinerziehende Mutter, die gerade erst obdachlos wurde, ein Paar aus dem Drogenmillieu, eine Verwirrte im typischen look, ein Obdachlosenheim mit Beziehungen zur internationalen Medizinszene.
Und die beiden machen das gut, Fellner leicht persönlich betroffen, Eisner wird immer mehr zum empatischen Freund, der zur richtigen Zeit das richtige sagt. Auch die Obdachlosen werden different gezeigt und so gar nicht im TV-Klischee als Opfer, die nix mehr gebacken kriegen. Was das alles mit der internationalen Medizinindustrie zu tun hat, ahnt der erfahrene Tatort-Krimi-Zuschauer schon, obwohl es doch ein wenig konstruiert und plötzlich kommt.
Ach der Score ist gut gemacht, auch eher Geräusche-Soundscape den Filmmusik.
Trotz der holprigen Story spannend, gut gespielt und mit einem wunderschönen Ende fast weihnachtlichen Geistes!
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.

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karlAbundzu
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Beitrag von karlAbundzu »

Polizeiruf Magdeburg: Der Verurteilte.
Nach einem Tinderoderso Date verschwindet eine Frau, Vater und Freundin machen sich Sorgen und kümmern sich ums Kind. Doreen Brasch bekommt den Fall nach Tagen auf den Tisch, ein Verdächtiger wird gefunden und gibt auf Druck zwei Taten zu, für den älteren Fall sitzt ein anderen hinter Gittern, bei der auch Doreen Brasch ermittelte.
Ganz schön vil drin: Erst die "Hinterbliebenden machen Polizisten und sich selbst" - Vorwürfe, die intensive Suche nach einer Vermissten mit ein wenig Hoffnung und dann kommt noch ein Paar am Rande der Gesellschaft hinzu, bei der unklar ist, wer da noch Opfer ist. Die Kommissarin ermittelt viel alleine, verrennt sich, ist natürlich durch den alten Fall tief persönlich involviert, verhört wieder großartig aber am Rande, gibt zwischenzeitlich die Marke ab, und erlebt diesmal das, was beinahe jede weibliche Sonntagabendkrimipolizistin durchmachen muss: Entführung mit heftiger sexueller Konnotation.
Claudia Michelsen wieder viel allein, hat ja kein ebenbürtigen Partner mehr, der Assistent hat nicht viel zu tun, und der Chef ist dies mal mahnende Stimme. Das spielt sie gewohnt toll und intensiv. Die anderen Schauspieler High Lights sind das whitetrashige Paar , gespielt von Laura Tonke und Sascha Alexander Geršak. Wie die beiden um Kontrolle gegenüber anderen und sich selbst ringen ist das wenig Klischee und sehr intensiv.
Sowieso gelingt das alles gut, trotz der Aneinanderreihung so vieler Krimistandards, so dass man nicht das Gefühl bekommt, etwas käme zu kurz und ob der Entwiclung überrascht ist.
Heftig, todernst, gut gefilmt. Empfehlung.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.

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buxtebrawler
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Beitrag von buxtebrawler »

Tatort: Der feine Geist

„Ich seh‘ einen Geist…“

Der Weimarer „Tatort“ ums ermittelnde Kripo-Duo Dorn (Christian Ulmen) und Lessing (Nora Tschirner) begann einst als an Feiertagen ausgestrahlte Besonderheit. Eine Übersättigung wie beim Münsteraner „Tatort“, der zweiten komödiantisch ausgerichteten Subreihe, stand nicht zu befürchten. An diese Tradition knüpft auch der im Februar und März 2020 – also kurz vor dem ersten pandemiebedingten Shutdown hierzulande – gedrehte und am Neujahrstag 2021 erstausgestrahlte elfte Fall des Teams an. Und doch bedeutet dieser von Stammautor Murmel Clausen geschriebene und wie der Vorgänger „Der letzte Schrey“ von Regisseurin Mira Thiel inszenierte Fall eine Zäsur, wenn nicht gar das Ende des Weimarer „Tatorts“.

„70 Prozent aller Morde werden innerhalb der Familie verübt.“

Am helllichten Tag wird ein Weimarer Juweliergeschäft überfallen und der für den Geldtransport zuständige Sicherheitsmann Ludgar Döllstädt kaltblütig ermordet. Die Kripobeamten Kira Dorn und Lessing verfolgen den zu Fuß in die Parkhöhle fliehenden Täter, es kommt zu einem Schusswechsel: Lessing wird von einem Streifschuss erwischt. Der Täter ist über alle Berge. Während Lessing sich verarzten lässt, ermittelt Dorn in alle Richtungen, wenngleich Kommissariatsleiter Kurt Stich (Thorsten Merten) von einem Raubmord ausgeht und nicht glaubt, dass mehr dahinterstecken könnte. Döllstädt war Angestellter des ausschließlich aus ehemaligen Strafgefangenen bestehenden Unternehmens „Geist Security“, dessen Inhaber John Geist (Ronald Zehrfeld, „Polizeiruf 110: Cassandras Warnung“) sich ein exquisites Hobby leistet: das Sammeln und die Zucht seltener Papageienarten, offenbar nicht immer ganz legal. Während Dorn noch sinniert, ob Döllstädt seinem Chef eventuell gefährlich wurde – immerhin hatte Lessing wenige Tage zuvor die Verwaltungsangestellte Maike Viebrock (Inga Busch, „Tatort: Verlorene Töchter“) zusammen mit Döllstädt und einem solchen Papagei im Zuge einer Verkehrskontrolle angehalten –, muss ein weiterer Geist-Angestellter sterben…

Die ersten Dialoge dieser Kriminaldramödie, in der man erstmals das gemeinsame Kind Dorns und Lessings sieht, sind leider etwas vernuschelt, was sich jedoch glücklicherweise schnell bessert – wenngleich es diesmal eher die Bildsprache dieses Who’n’whydunit? ist, die einen gefangen nimmt: Die Weimarer Parkhöhle avanciert – zunächst ungeahnt – zum Mittelpunkt dieses Falls, und sie sorgt nicht nur für beklemmende Szenen im Zuge der Verfolgungsjagd, sie umgibt auch eine geheimnisvolle, düstere Aura, die später zum Tragen kommen wird. Die häufig leicht der Realität entrückt wirkende Stimmung dieses Falls ist dann auch weniger dem Humoranteil geschuldet, sondern erklärt sich gegen Ende. Der zwischen Dorn und Lessing stattfindende Sprachwitz wurde heruntergefahren, die meiste Zeit ermittelt Dorn allein bzw. zusammen mit ihrem Vorgesetzten Stich, der aufhören will und einen Nachfolger sucht.

Dies wird zum Anlass für Situationskomik, wenn sich der einfältige Lupo (Arndt Schwering-Sohnrey) Hoffnung auf den Posten macht, sowie für ein paar spaßige, aber auch bizarre Dialoge zwischen Dorn und Stich. Ein Teil der etwas schräg anmutenden Gespräche erklärt sich mit einer Wendung im letzten Drittel, die aus „Der feine Geist“ einen Mindfuck-Film macht, der die bisherige Erzählinstanz als unzuverlässig entlarvt und Teile des zuvor Geschehenen zum Einsturz bringt. In Kombination mit der Erörterung des Tatmotivs und damit der Täterüberführung wird nachvollziehbar, was zunächst irritierte, nicht richtig eingeordnet werden konnte oder gar verdächtig nach Drehbuchschwäche roch. Dass manch Populismus- und Lokalblatt diese Wendung bereits im Vorfeld verraten hatte, ist ein Unding und weiterer Tiefpunkt bestimmter Journaillen im Kampf gegen die eigene Bedeutungslosigkeit.

Dass er damit keinen Originalitätspreis gewinnt, dürfte Clausen klargewesen sein, weshalb er das Ganze mit ein wenig Augenzwinkern als eine Art Hommage an die Vorbilder konzipierte. Nichtsdestotrotz überwiegt in „Der feine Geist“ der ernste Grundton, im finalen Showdown ist dann auch Schluss mit lustig. Umso unpassender albern erscheint daher eine klamaukige Nebenhandlung wie die um Chef Stich, der zu selbigem bei der Viebrock kommt, und zwar bis zur Erschöpfung, da man – weshalb auch immer – wann immer man sich sieht, übereinander herfallen muss. Unverständlich, dass ausgerechnet ein solch müder Gag zu den Ermittlungen beiträgt, indem Dorn in Ruhe Hausfriedensbruch begehen kann, während ihr Chef mit Frau Viebrock knattert.

So gut Tschirner diesen „Tatort“ auch im Quasi-Alleingang meistert, so fraglich ist es, wie bzw. vielmehr ob es mit dem Weimarer Ableger nach derart radikalen Einschnitten überhaupt weitergehen wird. Sein besonderes Konzept um schräge Individuen, mit denen man mitfiebern und -sympathisieren konnte, während ein ewig Literatur zitierender Klugscheißer und seine schnippische Partnerin ihnen auf Spur kamen, schien sich zuletzt ohnehin abgenutzt zu haben oder aber man wollte in eine andere Richtung steuern. Mit „Der feine Geist“ hat man jedenfalls bewusst Brücken verbrannt. Sollte es das gewesen sein, ist ein würdiger, aber auch trauriger Abschied gelungen.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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sid.vicious
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Beitrag von sid.vicious »

POLIZEIRUF 110 - THANNERS NEUER JOB
Kein Whodunnit, aber fortwährend spannende Kost um Neonazismus und dessen fatale Folgen. Ist momentan noch in der MediathekViewWeb abrufbar.
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Reinifilm
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Beitrag von Reinifilm »

"Tatort: Der Tod der Anderen" - den fand ich echt gut. Nicht nur dass das Thema Wendeverbrechen für einen Kölner Tatort ungewöhnlich war, hier war auch die Story echt gut (ein paar diskussionswürdige Kleinigkeiten hat man da gerne beiseite geschoben) und Ballauf & Schenk waren mal nicht zum einschlafen (passierte in der Vergangenheit gerne mal...). Ach ja, den Täter hatte ich so gar nicht auf dem Schirm... 08/10
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karlAbundzu
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Beitrag von karlAbundzu »

Tatort Köln: Der Tod der Anderen
Mord im Hotel, Politik und alte Stasiseilschaften stecken mit drin. Dann wird erst Jütte, der neue Assistent entführt. Und auch noch Freddy von der Tatverdächtigen Numero 1. Er soll ihr helfen, den Mord aufzuklären, sonst verhungert / verdurstet Jütte. Ballauf ermittelt mit einer anderen Assistentin. Schenk bekommt ein wenig Stockholm.
Spannender Tatort. Eine überzeugnde Ulrike Krumbiegel als ehemalige Top-Stasi-Agentin mit Sonderaufträge, kampfstark, mal ironisch, dann wieder hochernst. Gute Songauswahl. Nur die Leidensgeschichte von Jütte hat mich gestört, einerseits heftig, andererseits beinahe Slapstickhaft in seinem Vertun. Passte weder in sich noch zum Rest.
Aber trotzdem gut alles in allem.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.

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buxtebrawler
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Beitrag von buxtebrawler »

Tatort: Kressin und der tote Mann im Fleet

„Mich kotzen Partys an!“

Der dritte Beitrag zur öffentlich-rechtlichen Krimireihe „Tatort“ überhaupt datiert auf den 10.01.1971 (Erstausstrahlung) und etablierte eine neue Hauptfigur: den Zolloberinspektor Kressin, gespielt vom Österreicher Sieghardt Rupp („Bübchen“). Das Drehbuch verfasste niemand Geringerer als Wolfgang Menge, mit der Regie betraute man Peter Beauvais („Ein Mann namens Harry Brent“) – dessen einzige „Tatort“-Inszenierung „Kressin und der tote Mann im Fleet“ leider blieb.

„Ich saufe nun mal!“

Der Kölner Zollfahnder Kressin steuert im Zuge seines Urlaubs zusammen mit seinen Gespielinnen Tatjana (Eva Renzi, „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“) und Ulrike (Sabine Sinjen, „Die Ratten“) die Hansestadt Hamburg an, als er an Bord des Reiseschiffs beobachtet, wie der Reiseleiter Ben Canitz (Siegfried Flemm) mehrere Handbälle ins Wasser wirft, welche von der Bestatzung des Motorboots „Judith 3“ aufgelesen werden. Nachdem Canitz offenbar auch noch Kressins Kabine durchwühlt hat, stellt Kressin ihn zur Rede, jedoch ohne Ergebnis. Angelegt am Hafen sieht Kressin noch, wie sich Canitz mit zwei Männern trifft. Diese bringen Canitz zum Drogenschmuggler Aram (Günther Heising, späterer NDR-„Tatort“-Kriminalhauptmeister Henkel), doch aus weiteren Geschäften wird nichts: Canitz wird ermordet. Als Kressin das Foto des aus dem Kanal gefischten „unbekannten Toten“ am nächsten Morgen in der Tageszeitung identifiziert, informiert er telefonisch seine Abteilung, die ihm aufträgt, sich bei Kommissar Trimmel (Walter Richter) zu melden. In der Folge ermitteln beide unabhängig voneinander in diesem Fall, wobei sich die Wege mehrmals kreuzen – und der nassforsche Kressin in Gefahr gerät…

„Wenn Sie James Bond spielen wollen, passen Sie ja auf! Hier in Hamburg gibt’s nämlich Leute, die sind schon als Babys in die Boxschule gegangen!“

Kressin als machohafter Dandy und Womanizer, der es sich mit gleich zwei hübschen jungen Damen im Urlaub gutgehen lässt und quasi im Vorbeigehen auch noch einen Fall löst – einen solchen „Tatort“, eigentlich eine Art Crossover mit dem Hamburg Hauptkommissar Trimmel, dem Ermittler im allerersten „Tatort: Taxi nach Leipzig“, muss man natürlich mit reichlich Augenzwinkern schreiben und inszenieren, denn eigentlich kann man sich Kressin gar nicht als Zöllner vorstellen. Menge und Beauvais schien dies bewusst zu sein, wenngleich dieses Sujet zugleich stark an den damaligen jungen Zeitgeist im Zuge der sexuellen Revolution angelehnt ist. So frönt Kressin offenbar der Polyamorie, stellt infrage, ob Marihuana überhaupt gefährlich sei (hier jedoch geht es um mit Opium gestrecktes Zeug) und gibt einen ungebundenen, freiheitsliebenden Lebemann, der einen Kontrast zum etwas knittrigen, älteren Trimmel bildet – was wiederum in köstlich komödiantischen Dialogen aufgegriffen wird.

„Man kann auch auf der Elbe schmuggeln!“ – „Von Buxtehude nach Blankenese, oder wie?“

Ein Gerichtsmediziner erklärt die Bedeutung von Fingerabdrücken auch Toter, deren Identität bereits feststeht, und erläutert seine Methoden so detailliert, als gebe er Kochrezepte. Einerseits wird dieser „Tatort“ damit seinem Bildungsauftrag hinsichtlich Einblicken in die Arbeit von Polizei und Justiz gerecht, andererseits arbeitet man auch hier mit einer subtilen humoristischen Konnotation, um die Angelegenheit nicht zu trocken werden zu lassen. Das frivole Trio cruist anschließend mit dem Cabrio durch die Hansestadt, bevor sich Kressin auf eine gefährliche Schnüffelaktion begibt, die Beauvais schön im Dunkeln mit Wackelkamera hat filmen lassen und damit für Authentizität sorgt. Zu Besuch geht’s zum Bootsbesitzer (Ivan Desny, „Anastasia, die letzte Zarentochter“) der „Judith 3“, Herrn Sievers, der eine riesige Carrera-Bahn in seiner Wohnung aufgebaut hat. Jene Wohnung wird später zum Schauplatz einer lebensbedrohlichen Situation für Kressin werden. Viel Hamburger Wasserstraßenfolklore durchzieht die gesamte Handlung, die Originaldrehorte sorgen für ein norddeutsches Ambiente zwischen herausgeputzten touristischen Zielen und kriminellen Schmutz im Verborgenen. Gesoffen und geraucht wird bei den Beamten indes mehr.

„Der Kressin bringt einen völlig durcheinander!“

Erzählerisch und ermittlungstechnisch ist den Zuschauerinnen und Zuschauern wahrscheinlich eher als Kressin vermeintlich klar, dass der Tote sich absetzen wollte, doch in Bezug auf den Libanon als Reiseziel Canitz‘ nimmt der Fall eine Wendung – weshalb genau Canitz sterben musste, blieb mir zumindest aber auch nach der Zerschlagung des Drogenrings (oder zumindest seiner Hamburger Dependance) ein Rätsel. Möglicherweise ist mir da im oftmals leider etwas verhallten Ton etwas entgangen, eventuell ist dies aber auch Absicht, denn eine entscheidende Figur kann entkommen und sich somit dem Zugriff durch die Justiz entziehen. Wesentlich interessanter ist letztlich aber auch die Hauptfigur Kressin und ihre eigenwillige Vermengung von Privatem mit Dienstlichem.

Dieser dritte „Tatort“ ist ein sehr unterhaltsames Zeitgeistprodukt, das es mit den Moralvorstellungen eines Großteils seines Publikums aufnahm und kräftig provoziert haben dürfte, der heutzutage allerdings auch keinen Sexismusdetektor mehr passieren könnte, ohne dass dieser Alarm schlüge. „Gibt’s denn in dieser Stadt nichts Normales?“ – Doch, aber Hamburgs langweilige Seiten blieben Kressin und damit dem Publikum glücklicherweise erspart. Ein bisschen verrückt ist’s aber schon: Nachdem der erste „Tatort“ es einen Hamburger Kommissar in die DDR verschlagen ließ, machte im dritten ein Kölner ein Fass in Hamburg auf…
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
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