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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: So 1. Mär 2026, 20:11
von jogiwan
Il Medium

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Der amerikanische Komponist Paul und sein Sohn Alan beziehen ein geräumiges Haus in der Nähe von Rom, in dem eine neue Oper entstehen soll. Kurz nachdem die hübsche Privatlehrerin Laura ebenfalls auf das Anwesen kommt, geschehen im Umfeld des Musikers seltsame Dinge. Er hört Geräusche, sieht eine mysteriöse Frau auf dem Grundstück und wird von einem Hund angefallen, obwohl hinterher keine Spuren davon zu finden sind. Zuerst denkt Paul noch an eine einmalige Sache, doch als auch Paul seltsam erkrankt und mit einer unsichtbaren Person spricht, wird rasch klar, dass hier übernatürlich Mächte im Spiel sind, denen auch nur mir parapsychologischen Experten beizukommen ist.
Routiniert gefilmter, aber leider nicht sonderlich prickelnder Horror über unnatürliche Vorgänge im Umfeld eines Komponisten. Mit seinem wissenschaftlichen Prolog wird versucht, der ganzen Sause eine seriöse Komponente zu geben, aber was die Drehbuchautoren inklusive Claudio Fragasso erdacht haben, ist doch wieder mal nur die übliche Geisterbahnfahrt mit Gothic-Horror-Anleihen, welches zumindest im Finale aber noch eine nette Überraschung für den Zuschauer bereithält. Ansonsten sind es die üblichen plakative Effekte, die man schon in vielen anderen Filmen so gesehen hat und Ähnlichkeiten mit Bavas "Shock" sind ebenfalls nicht von der Hand zu weisen und insgesamt betrachtet ist das schon alles wenige nachhaltig. Es knarrt am Dachboden, eine Figur huscht durchs Bild und bei der Seance fliegt den Protagonisten die halbe Inneneinrichtung um die Ohren. Der Cast besteht aus bekannten Gesichtern wie Martine Brochard, Phillipe Leroy und Sherry Buchanan und auch Hauptdarsteller Guido Mannari macht seine Sache recht gut, aber so richtig zündet die Mischung bekannter Versatzstücke aber dennoch nie. Mit der neuen Blu-Ray aus dem Hause Treasured-Films kann man diese Lücke dankenswerterweise nun auch schließen, aber mehr als die üblichen Genre-Standards sollte man sich hier besser nicht erwarten.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Mo 2. Mär 2026, 19:33
von jogiwan
Im Netz der Spinne

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Doch arg konstruierter Hollywood-Thriller mit sympathischen Darstellern und seltsamen Zufällen, bei dem man auch nie wirklich weiß, wer gerade wen an der Nase herumführt. Irgendwie hatte ich ständig das Gefühl, dass hier immer etwas passiert, was so überhaupt nicht logisch erscheint und auch wenn sich das am Ende wieder etwas relativiert, empfand ich das doch etwas störend. Darunter auch die ständigen Zufälle, die die dünne Handlung am Laufen halten, wie auch die Tatsache, dass ein Lehrer mit Latex-Maske zwei Jahre an einer strenge überwachten Elite-Schule ein Verbrechen vorbereiten soll und dieser wiederum…aber lassen wir das. Lustig auch das ständige Bild ermittelnder Beamten, die in großen Gruppen um einen Computer stehen und der oder die Computer-Expertin dann das sagt, was ohnehin alle sehen. Das analytische Böse wird wie das frühe Internet geradezu glorifiziert und wie die Wahrheit aussieht, wissen wir ja mittlerweile alle. So waren eben die Neunziger ähm… frühen Nuller-Jahre mit ihrer sympathischen Naivität. Der Unterhaltungswert ist aber definitiv gegeben, die Figuren halbwegs okay, ständig passiert irgendwas und ein paar nette Twists gibt es eben auch, selbst wenn diese doch eher haarsträubend um die Ecke biegen. Sicherlich nicht Hollywood-Oberklasse, sondern eher das andere Ende der Fahnenstange, aber immer noch kurzweilige Popcorn-Unterhaltung für zwischendurch.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Di 3. Mär 2026, 18:42
von jogiwan
Kill me again

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Die hübsche Fay ist mit einem Koffer geklauten Geldes auf der Flucht vor der Mafia und ihrem cholerischen Freund Vince, den sie ebenfalls ums Ohr gehauen hat. Nun steht sie im Büro des abgebrannten und verwitweten Privatdetektives Jack und bittet diesen mit einer erlogenen Story ihren eigenen Tod vorzutäuschen. Entgegen jeglicher Vernunft willigt Jack in den Plan ein und verschafft ihr mit gefälschten Dokumenten eine neue Identität. Fay betrügt jedoch auch Jack um die Hälfte seines stolzen Honorars und so macht sich dieser auf die Suche nach der jungen Frau, die zwischenzeitlich in Las Vegas untergetaucht ist. Dort ist ihr bald nicht nur Jack, sondern auch die Mafia und Vince auf der Spur und als sich Jack auch noch in seine durchtriebene Klientin verliebt und mit ihr gemeinsam durchbrennen möchte, steuert alles einem blutigen Höhepunkt entgegen.
John Dahls „Kill me again“ wirkt auf den ersten Blick wie ein Rohentwurf zu dessen 1994 veröffentlichten „Die letzte Verführung“, der ja eine ganz ähnliche Ausgangssituation hat. Hier geht es auch um eine „Femme Fatale“, ein Koffer voller Geld und Männer, die gern beides hätten. Jedoch wirkt das Ganze hier inklusive seiner Figuren wesentlich bodenständiger und weniger überzeichnet, auch wenn es natürlich um die üblichen Noir-Themen geht. Ein Koffer voller Geld, zwielichtige Charaktere und jede Menge Verwicklungen, bei denen man sich nie sicher sein kann, was so im Schilde geführt wird. Doch der Streifen mit Val Kilmer und seiner damaligen Gattin ist kurzweilig und flott inszeniert, bietet nette Locations von Reno bis Las Vegas und in seinem Verlauf auch immer wieder Überraschungen, sodass es nicht viel zu meckern gibt. „Kill me again“ erfindet das Rad zwar nicht neu, ist aber ein sympathisches Update von Noir-Filmen vergangener Jahrzehnte, dass mir auch überraschend gut gemundet hat.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Mi 4. Mär 2026, 19:39
von jogiwan
Jade

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Hochglanz-Thriller mit Linda Fiorentino und David Caruso als ambitionierter Staatsanwalt, der einem Mordfall an einem Millionär untersucht, der in Kalifornien bald elitärste Kreise erschüttert. Im Zuge dessen tauchen komprimierende Fotos auf und auch der engste Freundeskreis scheint in den Fall involviert. Dabei erinnert „Jade“ etwas an „Basic Instinct“, was auch wenig verwundert, da Joe „Showgirls“ Estzerhas wieder seine Finger im Spiel hatte und hier wieder einmal seine etwas seltsam anmutende Vorstellung von weiblicher Selbstbestimmung präsentiert. Auch die Erotik kommt nicht zu kurz, wobei diese wieder amerikanisch-züchtig und eher angedeutet daherkommt. Ein großer Anteil des Streifens ist auch eher Action-orientiert und da haben sich die Macher nicht lumpen lassen, wenn eine Verfolgungsjagd kurzerhand einen chinesischen Umzug aufmischt und auf den Piers in San Francisco sein spektakuläres Ende findet. Ernsthaft betrachtet wirkt das alles bemüht, konstruiert und macht auch wenig Sinn, ist aber gleichzeitig ein großer Spaß für Fans, die dem Ganzen nicht mit völliger Ernsthaftigkeit begegnen. Es rummst und scheppert an allen Ecken, Autos werden haufenweise geschrottet, zwischendurch wird theatralisch geknattert, honorige Personen erpresst und die Axt geschwungen. Mit knapp 90 Minuten ist „Jade“ auch sehr knackig inszeniert, pendelt zwischen überambitioniert, routiniert und trashig, macht Laune und ehe man sich versieht, ist auch alles wieder vorbei. Ich hatte definitiv meinen Spaß!
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Do 5. Mär 2026, 19:46
von jogiwan
Under the Shadow

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Gelungener Horrorstreifen mit dem historischen Background des ersten Golfkrieges in den Achtzigern bzw. einer jungen Frau, die in einem Mietshaus in Teheran zwischen den Gräuel des Krieges, der politischen und religiösen Lage und einem unerklärlichen Geisterangriff zerrieben wird. Dabei ist es dem Zuschauer überlassen, wie er die übernatürlichen Phänomene deuten möchte, die hier über eine junge Mutter und deren Tochter hereinbrechen und egal wie, der Streifen ist dabei höchst funktional und funktioniert auch super. Mich triggert diese Unterdrückungsthematik und religiöse Komponente ja sowieso arg und hier sieht man auch sehr eindringlich, was die iranische Zivilbevölkerung schon seit Jahrzehnten und erdulden muss, ohne dass es dabei eine Hoffnung auf Besserung geben könnte. Neben dem eher ungewöhnlichen Setting überzeugt auch die Hauptdarstellerin, die ja auch immer wieder in deutschen Produktionen zu sehen und macht auch die Verzweiflung ihrer Figur sehr spürbar. Man spürt zwar die Nähe zu Werken wie „Babadook“, aber Regisseur Babak Anvari kocht hier schon sein eigenes Süppchen mit seinen iranischen Wurzeln. World-Horror, wie ich ihn mag.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Fr 6. Mär 2026, 19:35
von jogiwan
Wild Things

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jogiwan hat geschrieben: ↑Do 9. Apr 2020, 16:36
Mit „Wild Things“ ist Regisseur John McNaughton wirklich ein spaßiger Thriller gelungen, der mit dem Zuschauer hübsch Katz und Maus spielt und bei dem man sich auch nie sicher sein kann, wer jetzt gerade die Fäden in der Hand hat. Keine Ahnung, warum der Streifen bislang nie den Weg in meinen Player gefunden hat, aber im Rahmen meiner Erotik-Thriller-Retrospektive hat es ja nun perfekt gepasst. Ich mag ja derart präsentierte Filme recht gern, auch wenn diese natürlich haarsträubend konstruiert erscheinen und hier nach knapp der Hälfte seiner Laufzeit auch eine Wendung nach dem anderen auf den Zuschauer hereinprasselt. Im Falle von „Wild Things“ ist das aber alles gut gemacht und hübsch anzusehen und als Zuschauer ist man ja auch gleich einmal mit vollen Vorurteilen bei der Sache. Die Darsteller sind allesamt sehr ansprechend anzusehen und haben auch sichtlich Spaß am sexuellen Verwirrspiel, dass für amerikanische Verhältnisse auch recht freizügig daherkommt. Schade nur, dass der Lehrer nicht auch noch mit dem Polizisten in der Kiste gelandet ist, aber das wäre für ein Mainstream-Publikum im Jahre 1998 dann wohl doch zu viel gewesen. Ich hätte das ja als Überdrübe-Pointe ja recht spaßig gefunden, aber auch so macht „Wild Things“ Laune und funktioniert bestens, auch wenn der Streifen im Grunde genommen nur mit unsympathischen, schmierigen und habgierigen Charakteren aufwarten kann. Ein schwer unterhaltsamer Film.
Auch die erneute Sichtung bestätigt meine positiven Eindrücke und man kann noch immer gut nachvollziehen, wie sehr John McNaughton mit seinem Werk den Nerv der Zeit getroffen hat. Casting, Story, Settings, Twists - alles richtig gemacht!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Sa 7. Mär 2026, 20:22
von jogiwan
Knight Moves - Ein mörderisches Spiel

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Schöner, wenn auch etwas lang geratener Neunziger-Thriller mit exzentrischen Morden, Schach-Hintergrund und bekannten Gesichtern, bei dem mit vielen Jahren Abstand vor allem zwei Sachen auffällig sind: warum läuft Christopher Lambert ständig mit nacktem und feucht glänzenden Oberkörper durchs Bild und wer um Himmels Willen castet so jemanden wie Daniel Baldwin, dessen dämliche Rolle an Fragezeichen nicht zu überbieten ist. Schach-Weltmeister gelten ja gemeinhin imho eher nicht so als Sex-Symbole und daher wirkt es doch etwas seltsam, dass Herr Lambert als fürsorglicher Vater einer Tochter die Frauen-Herzen nur so zufliegen und auch Diane Lane – wie im wahren Leben auch – seinem Charme nicht widerstehen kann. Der Rest ist solide Krimi-Ware mit einem spannenden Katz-und-Maus-Spiel und einer Auflösung, die mir ebenfalls zugesagt hat. Auch sonst lässt sich Carl Schenkel nicht lumpen und bietet alles, was man sich in einem derartigen Film erwartet. Nur das Finale im überfluteten Hotel-Keller war dann doch etwas zu viel des Guten und statt Logik eher der Optik geschuldet. Sonst gibt es nicht viel zu meckern und „Knight Moves“ zählt meines Erachtens auch durchaus zu den besseren Werken aus der Kiste. Und hab ich schon erwähnt, wie sexy mein Christopher in diesem Film ist?
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: So 8. Mär 2026, 19:38
von jogiwan
Malice - Eine Intrige

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Andy ist Vertrauenslehrer an einer Uni, auf der ein Serienvergewaltiger sein Unwesen treibt und Schülerinnen umbringt. Dafür läuft privat fast alles nach seinen Vorstellungen und er ist mit seiner Frau Tracy glücklich verheiratet und renoviert ein altes Haus. Alles ändert sich als der Jugendbekannte Jed in sein Leben tritt, der als angesehener Arzt am örtlichen Krankenhaus eine Stelle antritt. Als Tracy mit Unterleibsschmerzen ins Krankenhaus eingeliefert wird, begeht Jed einen Kunstfehler mit drastischen Auswirkungen. Tracy kann keine Kinder mehr bekommen, trennt sich von Andy und verklagt Jed auf mehrere Millionen Dollar. Vor den Trümmern seines Lebens beginnt Andy jedoch mit Nachforschungen und kommt schon bald einigen Ungereimtheiten auf die Spur, die auch die Ereignisse der vergangenen Monate in ein neues Licht rücken.
Auch wenn „Malice“ irgendwie nach weiblichen Vornamen aus dem Englischen klingt, so bedeutet es weniger Schönes und beschreibt boshaftes Verhalten, dass hier in diesem Werk von Harold Becker auch von einigen Protagonisten betrieben wird. Der Thriller aus dem Jahr 1993 dreht sich um einen sympathischen Vertrauenslehrer, dem gleich auf mehreren Seiten Ungemach droht. Zum einen durch einen Serienkiller auf dem Campus und auch durch einen Kunstfehler eines Freundes, der sein privates Leben auf den Kopf stellt. Die Hauptdarsteller spielen groß auf und vor allem Alec Baldwin als Arzt, darf hier hübsch aufdrehen, während Nicole Kidman in der zweiten Hälfte groß aufspielen darf. Die Geschichte selbst wirkt oft etwas arg konstruiert und auch die Serienkiller-Nummer verpufft irgendwann eher nebensächlich, aber im letzten Drittel und nach einigen Aha-Erlebnissen ist auch die Spannungsschraube so weit angezogen, dass man gebannt und mit angehaltenem Atem vor dem Fernseher sitzt. Inhaltlich vielleicht kein absoluter Spitzen-Thriller, aber dank Darsteller und dem Drumherum schon ein sehr doppelbödiger Krimi im oberen Bereich.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Mi 11. Mär 2026, 19:56
von jogiwan
Kacken an der Havel

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Nach 18 Jahren in Berlin ist Toni immer noch nicht der Durchbruch als Rapper gelungen und er verdient seine Brötchen als Pizzabäcker. Eines Tages erhält er die Nachricht, dass seine Mutter beim Versuch eine Ente zu retten verstorben ist und Toni kehr widerwillig zurück in seinen Heimatort Kacken an der Havel mit dem Vorsatz, diesen auch so schnell wie möglich wieder zu verlassen. Das Wiedersehen mit seiner Familie ist erwartungsgemäß schräg und noch eine weitere Überraschung wartet auf den Möchtegern-Rapper: Charly, sein dreizehnjähriger Sohn, von dem er nichts gewusst hat und sich an seinen neugewonnenen Vater klammert. Toni ist das jedoch alles zuwider und als er überraschend die Chance zu einem Plattenvertrag erhält, steht er vor der schwierigen Entscheidung sich für seine Familie oder seine Karriere zu entscheiden. Und auch wenn Toni keine Sekunde überlegt und sich für die Rap-Karriere entscheidet, so ist das doch alles nicht so einfach wie gedacht…
Lustige Netflix-Serie aus deutscher Produktion die als nicht nur das HipHop-Business augenzwinkernd beleuchtet, sondern auch gut den Ton zwischen witzig, albern, grotesk und herzerwärmend trifft. Natürlich geht es wieder einmal um Culture-Clash bzw. Großstadt-Befindlichkeiten gegen ländliche Gegebenheiten, wobei „Kacken an der Havel“ auf sehr skurrile Charaktere setzt, die in dem Verlauf der neun Folgen in sehr spaßige Momente, eine Ansammlung aus popkulturelles Zitate-Kino und Situationskomik geschickt werden. Das ist oftmals „cringe“, immer etwas neben der Spur und in jeden überzogenen Gag steckt auch ein Funken Realität, den man als Zuschauer nachvollziehen mag. Im überwiegenden Fall funktioniert das auch sehr gut und die Serie ist vor allem in den ersten Folgen wirklich sehr witzig und sprüht nur so vor Einfällen, die fast schon ein bisschen zu viel des Guten erscheinen. Später wird der Tonfall eine Spur ernsthafter, wenn Themen wie familiäre Loyalität vs. eigene Entfaltung ins Spiel kommen, die aber überraschend vielschichtig abgehandelt werden. Prinzipiell alles super, auch wenn manche Sachen für meinen Geschmack etwas zu lange abgehandelt werden. So taugen die Gags mit dem extravaganten Produzenten und dem seltsamen Restaurant nicht für jeweils eine eigene Episode und auch die Action am Ende empfand ich eher störend, weil es irgendwie nicht zum Ton der Serie passen mag. Aber das sind kleinere Kritikpunkte in einer sonst durchaus empfehlenswerten poppig-bunten Serie mit dem Herz am richtigen Fleck und liebenswerten Figuren, bei der ich mich gerne auf weitere Staffeln freue
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Do 12. Mär 2026, 20:54
von jogiwan
Road Kill

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Der Filmstudent Alex steckt in der Krise und neben Schulden droht er auch seinen Abschluss zu versemmeln, wenn er nicht zeitnah einen Film dreht, der voller Leidenschaft und Herzblut steckt. Als er eines Tages auf seine neue Nachbarin Blue trifft und mit ihr und seinem Mitbewohner Lars einen spaßigen Abend verbringt, spricht diese recht offen über ihre Arbeit als Auftragskillerin. Kurzerhand entsteht die Idee eine Dokumentation über Blue zu drehen und Alex und Lars begleiten Blue auf einem Roadtrip nach Miami, um nicht nur mehr über das Leben und den Gedanken einer Auftragskillerin zu erfahren, sondern auch ihre Taten zu filmen…
Eigentlich gibt es ja mit „Mann beisst Hund“ aus dem Jahr 1992 bereits die ultimative Doku über Auftragskiller und natürlich erreicht „Road Trip“ nicht annähernd den zynischen Ton des belgischen Films, sondern wirkt mit seinen ganzen Bezügen zu Filmen eher wie ein Low-Budget-Abschlussfilm eines Filmstudenten. Schlechte ist „Road Trip“ aber deswegen noch lange nicht, auch wenn der Grundton hier eher leichter ist und die ganze Sache im Falle von Matthew Leutwyler eher in Richtung schwarze Thriller-Komödie pendelt, die gegen Ende dann etwas vom Ton ernster wird. Etwas seltsam wirkt die Selbstverständlichkeit, mit der hier einfach das Treiben einer Auftragskillerin gefilmt wird und natürlich überschreitet Filmmaterial Alex für gutes Filmmaterial auch Grenzen, um dann am Ende wie auch die anderen Beteiligten mit einem doch etwas seltsam anmutenden Happy End belohnt zu werden. Dazwischen gibt es skurrile Figuren und groteske Momente, etwas Road-Movie-Atmosphäre, Medien-Satire und eine tolle Hauptdarstellerin, die auch in den wenigen Action-Sequenzen eine gute Figur macht. Ich empfand den Indie-Streifen als durchaus sympathisch, auch wenn man hier und da mit größerem Budget sicherlich einiges besser hätte machen können.