Maulwurfs Hör-Bar

Moderator: jogiwan

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Maulwurf
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Re: Maulwurfs Hör-Bar

Beitrag von Maulwurf »

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Winter fish testosterone

CD - 1996 - Reissue

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So sehr ich DEINE LAKAIEN liebe, aber mit diesem Album hatte ich schon immer meine Probleme, und daran hat sich auch bei diesem Hören nichts geändert. Ob es daran liegt, dass mir das dritte Album, Forest enter exit, fehlt, und mir damit ein Schritt der Entwicklung fehlt? Ich weiß es nicht. Wissen weiß ich, dass mir Winter fish testosterone zu kopflastig ist. Dass der tanzbare Drive fehlt, und dass ich das Bauchgefühl in der Musik vermisse. Selbst der Tanzflächenknaller Testosterone ist eher avantgardistisch als irgendwas anderes. Als ob die Musiker unbedingt beweisen wollten, dass sie auch anders können als Synthie-Pop. Mir fehlt ein wenig die Seele in der Musik, und selbst Alexander Veljanovs Gesang wird irgendwann eintönig und ... zweidimensional.

Nein, das ist nicht ihr bestes Album. Zu viel Experiment und zu wenig aus dem Bauch heraus ...


Deine Lakaien - Manastir baroue
Der Sieg des Kapitalismus ist die endgültige Niederlage des Lebens.
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Maulwurf
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Re: Maulwurfs Hör-Bar

Beitrag von Maulwurf »

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Kasmodiah

CD - 1999

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Zwischen Winter fish testosterone und Kasmodiah muss irgendetwas passiert sein. Diskussionen, musikalisches Ausprobieren, was auch immer, aber Kasmodiah ist ein fast perfektes Album vor dem Gott der elektronischen Musik. Sanfte Balladen wie Return, knackige Tanzstücke wie Kiss the future mit der schönen Reminiszenz an den 80er-Wave, wo in jeder Zeile Anspielungen an die Szene dieser Jahre gemacht werden, EBM-lastiges Kracher wie Lass mich, und nach all den herrlichen Spielereien noch ein paar richtige Stücke in der Tradition des Vorgängeralbums. Mit all den knuffigen Geschichten, die Alexander Veljanov erzählt, all den romantischen Liebesschwüren, mit der Hommage an Reincarnation vom Dark star-Album, und mit dem deutschsprachigen Lass mich ist das Album sowohl textlich wie auch musikalisch sehr abwechslungsreich, und wirkt trotzdem wie aus einem Guss. Ein liebevoll gestaltetes Stückchen Popmusik mit hohem und ernsthaftem Anspruch sowie einer Instrumentierung zum Niederknien: Ich liebe diese CD, ich habe sie hundertmal gehört, und trotzdem entdecke ich immer wieder Neues. Aufregendes. Andere Töne und Klänge. Neue Stimmungen.

Wer mit DEINE LAKAIEN starten möchte, hier wäre ein guter Einstiegspunkt. (Der noch bessere Start wäre aber das Nachfolgeralbum, in dem die Band sich selbst übertrifft ...)


Deine Lakaien - Into my arms


Deine Lakaien - Overpaid
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Maulwurf
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Re: Maulwurfs Hör-Bar

Beitrag von Maulwurf »

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White lies

CD - 2002

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Das Album, mit dem ich DEINE LAKAIEN kennen und lieben lernte. Eine perfekte Mischung aus Dark Wave und Popmusik. Liebevoll und mit viel Sinn fürs Detail instrumentiert und produziert. Die Stimme Alexander Veljanovs abwechslungsreich wie nie. Der Einsatz von Streichinstrumenten und einer Drehleier, die aus Ernst Horns Session für HELIUM VOLA noch im Studio stand (Horns Mittelalterprojekt, dazu mehr unter dem Buchstaben H). Ein wenig Horn'sches Klanggewitter. Mächtige Balladen. Dummes Zeug ("Stupid, stupid, I´m really Ding-Dong"). Ein Liebeslied an eine Straßenlaterne, an die Veljanov besoffen mit dem Kopf geknallt ist. Und über allem das Thema der Gentechnik und des Klonens. White lies lässt glaube ich, wenn man darkwavig-anspruchsvoller Popmusik gegenüber aufgeschlossen ist, glaube ich überhaupt keine Wünsche übrig. :knutsch:


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Maulwurf
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Re: Maulwurfs Hör-Bar

Beitrag von Maulwurf »

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Live in concert

Doppel-CD - 2003

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Besetzung auf der Bühne: Synthesizer/Klavier/Schlagzeugcomputer, Gesang, zweimal Violine, Cello, Gitarre. Eine wilde Mischung, die perfekte Musik erzeugt. Beim Hören dieser CD frage ich mich oft, wie solch diffizile und vielschichtige Musik live überhaupt erzeugt werden kann, und irgendwie klappt es ja doch. DEINE LAKAIEN sind die letzte Band, die ich gerne mal live gesehen hätte. Und am liebsten so, wie sie 2002 auf dieser Tournee waren, mit dem Repertoire von 1986 bis 2002, und keine Schaffensphase wird ausgelassen. Live in concert bildet dabei ein komplettes Konzert ab, November 2002 in Potsdam, und als Bonus Tracks zwei Stücke aus Berliner Konzerten. Alle Ansagen sind dabei, und der unglaublich dynamisch und vorwärtsdrängende Sound zieht den Zuhörer sogar auf der CD in seinen Bann. Wie mag das vor Ort gewesen sein ...? :cry:

Keine Ahnung, warum ich um dieses Album bei Hören immer einen weiten Bogen mache. Vielleicht, weil über anderthalb Stunden halt schon eine Nummer sind, die man erstmal Zeit haben muss. Aber jetzt gerade ist Live in concert eine echte und wertvolle Wiederentdeckung. Und bei dem ausgewählten Stück in dieser Fassung kommen mir regelmäßig die Tränen vor so viel musikalischer Schönheit (ernst gemeint!).


Deine Lakaien - Coulour-Ize
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Maulwurf
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Re: Maulwurfs Hör-Bar

Beitrag von Maulwurf »

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April skies

CD - 2005

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Aah, nach drei Jahren Pause endlich ein neues Studioalbum - Damals war ich ganz begeistert, als ich April skies im Laden gefunden habe. Aber das erste Hören ließ mich etwas ratlos zurück, und bei den nächsten Versuchen wurde die Enttäuschung dann immer grösser. Vielleicht kam noch dazu, dass die CD auf einem Computer nicht abgespielt werden kann, ich damals aber kaum eine Möglichkeit hatte, das Teil auf einer Anlage zu hören. Irgendwann wurde das dann in die Richtung Fehlkauf einsortiert und gut war.

Heute, nach rund 20 Jahren, also ein erneuter Versuch. Schöne Melodien, ein größtenteils recht ruhiger Grundton, der ein paar Mal mit Gitarren oder größeren Beats etwas aufgemischt wird, Alexander Veljanovs Stimme wird immer vielseitiger und ausdrucksstärker, hübsche Lieder - Aber der Funke springt nicht über. Ist da überhaupt ein Funke? Die Songs sind gefällig, sind sanft, und lassen jedweden Haken, jede Rauheit vermissen. Sie seichteln vor sich hin, und vielleicht ist es das, was mich an dem Album auch heute noch stört: Es ist langweilig. Hochwertige Langeweile, aber Langeweile.

April skies erschien zu einer Zeit, wo ich mich aus der dunklen Szene allmählich zurückzog. In erster Linie, weil die Clique zerbrach, aber auch, weil mir die Musik nichts mehr gab. Ich merkte immer häufiger, dass das, worauf die Jüngeren abfuhren, dass das in meiner Sammlung schon seit 20 Jahren oder länger stand, und dass da einfach nichts Neues mehr kam. Wenn ich heute in Playlists wie "20 hits of the dark wave scene 2020" reinhöre, kommt mir schon nach wenigen Minuten das große Gähnen - Das ist hochgradig ödes Zeug, das jegliche Aufregung schon lange hinter sich gelassen hat, und nur noch auf Welle Samtpfote versucht, kein Aufsehen mehr zu erregen. Und genau so klingt in meinen Ohren auch April skies: Bloß nicht auffallen. Hintergrundmusik. Lieder, die ich auch meiner Schwiegermutter hätte vorspielen können. Und so sehr ich meine Schwiegermutter liebte, DAS ist für die Künstler kein Kompliment ...


Deine Lakaien - Supermarket (My angel)
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Maulwurf
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Re: Maulwurfs Hör-Bar

Beitrag von Maulwurf »

Desmond Dekker and The Aces
Israelites

7"-Single - 1969

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Kennt jemand hier dieses Lied NICHT? Setzen, sechs. Israelites dürfte mit seinem Riesenerfolg einer der Gründe des Siegeszuges des Reggae in Europa gewesen sein. 1969 in England und Deutschland Platz Nummer 1 in den Charts, hat das Lied im Jahr 2026 nichts von seinem Groove und seiner Ausstrahlung verloren, trotz des düsteren Themas. Nach dieser üblen und extrem harten Woche habe ich jedenfalls beim Hören heute Vormittag tanzen können wie ein junger Skinhead ...

Noch mehr überrascht hat mich aber die B-Seite. Ein cooler und lässiger Soul-Instrumental, den ich in Schleife ewig hören könnte. Spannend-entspannte Musik für ruhige Tage. Ernstgemeinte Frage in die Runde: Kann mir jemand Musik im Stil von The man empfehlen? Ich würde gerne mein Geld in solcher schönen Musik anlegen!


Desmond Dekker and The Aces - Israelites


Desmond Dekker and The Aces - The man
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karlAbundzu
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Re: Maulwurfs Hör-Bar

Beitrag von karlAbundzu »

Spontan würde ich die Debut LP von UB 40 empfehlen, die so gar nichts mit dem schmierigen Pop Reggae der Mitt-Achtziger zu tun hat, sondern eher Soul-beeinflusster Dub Roots Reggae ist.
Oder von dem originalen Stoff das, was Lee Perry in den 70ern so rausbrachte.
Bei Lee Perry kann man von den Anfängen mit den Upsetters bis zu seinem letzten verkifften Solo -Alben kaum etwas falsch machen.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Maulwurf
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Re: Maulwurfs Hör-Bar

Beitrag von Maulwurf »

karlAbundzu hat geschrieben: Fr 23. Jan 2026, 15:19 Spontan würde ich die Debut LP von UB 40 empfehlen, die so gar nichts mit dem schmierigen Pop Reggae der Mitt-Achtziger zu tun hat, sondern eher Soul-beeinflusster Dub Roots Reggae ist.
Oder von dem originalen Stoff das, was Lee Perry in den 70ern so rausbrachte.
Bei Lee Perry kann man von den Anfängen mit den Upsetters bis zu seinem letzten verkifften Solo -Alben kaum etwas falsch machen.
Vielen Dank! Ich werde mal eintauchen. Während ich dies schreibe läuft im Kopfhörer Prince Buster ... :thup:
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Re: Maulwurfs Hör-Bar

Beitrag von Maulwurf »

Desmond Dekker and The Aces
Israelites

LP - 1969

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Letztes Jahr auf einem Flohmarkt gefunden, und wegen der Single war die Neugierde eh schon da. Was soll ich sagen - Das "Titelstück" Israelites ist natürlich(?) unübertroffen, aber auch der Rest ist ganz feiner Rocksteady. Gelegentlich mal ein wenig schneller, ab und an mit leichten Souleinflüssen (Die instrumentale Single-B-Seite The man ist mit drauf, genauso wie die Vokalversion My precious love), aber durch die Bank herrlich entspannte Musik mit diesem speziellen swingenden Background, der die Musik dieser damaligen Zeit und Region so unnachahmlich machte. Mir gefällt's, und da wird sicher noch mehr in die Sammlung wandern. Oder wie es einer der YT-Kommentare zu Rude boy train schreibt: Tchoo tchoo lets skank :D


Desmond Dekker and The Aces - Rude boy train
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karlAbundzu
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Re: Maulwurfs Hör-Bar

Beitrag von karlAbundzu »

Maulwurf hat geschrieben: Sa 24. Jan 2026, 10:05
karlAbundzu hat geschrieben: Fr 23. Jan 2026, 15:19 Spontan würde ich die Debut LP von UB 40 empfehlen, die so gar nichts mit dem schmierigen Pop Reggae der Mitt-Achtziger zu tun hat, sondern eher Soul-beeinflusster Dub Roots Reggae ist.
Oder von dem originalen Stoff das, was Lee Perry in den 70ern so rausbrachte.
Bei Lee Perry kann man von den Anfängen mit den Upsetters bis zu seinem letzten verkifften Solo -Alben kaum etwas falsch machen.
Vielen Dank! Ich werde mal eintauchen. Während ich dies schreibe läuft im Kopfhörer Prince Buster ... :thup:
Prince Buster geht natürlich auch immer. Ich bin ja durch die frühen two tone Ska Sachen drauf gestoßen, da war der Prince ja auch ein wichtiger Einfluss. Gibt da einiges zu entdecken.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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