Gefangene der Tiefe - José Ulloa (1974)

Moderator: jogiwan

Antworten
Benutzeravatar
nocgi
Beiträge: 55
Registriert: Sa 8. Mär 2014, 15:04

Gefangene der Tiefe - José Ulloa (1974)

Beitrag von nocgi »

Gefangene der Tiefe

01.jpg
01.jpg (70.44 KiB) 138 mal betrachtet
Originaltitel: El Refugio del miedo

Alternativtitel: Gefangene der Tiefe - Nuklear / Creation of the Damned

Herstellungsland: Spanien 1974

Regie: José Ulloa

Darsteller: Patty Shepard, Craig Hill, Teresa Gimpera, Fernando Hilbeck, Fernando Millet u.a.

Story:
Amerika nach dem Atomschlag. In einem privaten Atombunker haben sich drei Männer (zwei Erwachsene und ein junger Stiefsohn) sowie deren beide Ehefrauen Carol (Patty Shepard) und Margie (Teresa Gimpera) mehr oder weniger wohnlich eingerichtet. Die Situation ist Anfangs noch ziemlich entspannt, da jeder denkt, es würde nur noch wenige Tage dauern bis man gesund und munter wieder an die Oberfläche kann. Doch die Fünf eingeschlossenen warten von Tag zu Tag vergebens auf den sehnlichst erwarteten Entwarnungsmeldung aus der alten Welt. Chris, der jüngste, sitzt täglich an seinem Funkgerät um irgendein Lebenssignal von der Welt da draußen zu erlangen. Doch außer monotonen gefiepse ist nichts zu hören.

Die Isolation und Ausweglosigkeit im Bunker fordert schon bald ihren Tribut und die ersten Abnutzungserscheinungen machen sich bemerkbar. Die Nerven liegen bei allen Blank und jedes Wort, jede Bewegung wird als persönlicher Angriff gewertet. Carol versucht mit einem Wandgemälde die bedrückende Atmosphäre des Bunkers aufzuhellen, aber so einfach lässt sich die angespannte Situation nicht übertünchen. Die Männer üben sich in Machtdemonstrationen und mißtrauen ihren eigenen Frauen. Der junge Chris steht zwischen beiden Frauen und weiß nicht so recht wo er hingehört.

Die Tage im Bunker werden immer nervenzerreibender und die erlösende Entwarnung scheint niemals zu kommen. Einer aus der Truppe wagt sich nach oben und wird nicht mehr zurückkehren. Unter den anderen vier kommt es zu immer aggressiveren Übergriffen. Man schreckt auch vor Waffengewalt nicht mehr zurück. Das Schicksal scheint endgültig besiegelt.

José Ulloas "Gefangene der Tiefe" verspricht zunächst einen äußerst interessanten Film mit postapokalyptischem Hintergrund. Aber so gut und spannend das Grundthema ist, so langweilig und zäh wurde der Film umgesetzt. Es ist einfach nur schade, wie wenig Ulloa aus dem Thema herausholt. Schon nach kurzer Zeit langweilt das Szenario, das an eine Seifenoper in billiger Studiokulisse erinnert. Die Darsteller sind allesamt unterfordert und hätten bei mehr Charakter- und Tiefenzeichnung wesentlich mehr Interesse und Spannung erzeugen können, was bei einem Kammerspiel enorm wichtig ist. So aber sieht man nur fünf Menschen in einer Studiokulisse, deren Zusammenbruch einen nur wenig berührt. Auch kameratechnisch ist das alles viel zu beliebig und brav. So leid es mir auch tut, und so gerne ich diesen seltenen und ziemlich unbekannten Spanier gut finden möchte, der Film kommt einfach nicht aus dem Knick. Nur sehr wenige Szenen können überzeugen (z.B. als einer es wagt an die verstrahlte Oberfläche zu gehen) und hinterlassen ein lachendes und weinendes Auge, da in diesen kleinen Szenen gezeigt wurde, wie man eine stimmige Atmosphäre erzeugt. Jammerschade :cry:

4/10
„Guter schlechter Geschmack blickt zu seinem Objekt auf und macht sich nicht darüber lustig“. John Waters
Benutzeravatar
jogiwan
Beiträge: 41136
Registriert: So 13. Dez 2009, 10:19
Wohnort: graz / austria

Re: Gefangene der Tiefe - José Ulloa (1974)

Beitrag von jogiwan »

spanische Filme und postapokalyptisches Szenario geht doch immer! Klingt jedenfalls spannend. Kennst du auch "People who own the dark"?
it´s fun to stay at the YMCA!!!



» Es gibt 1 weitere(n) Treffer aus dem Hardcore-Bereich (Weitere Informationen)
Benutzeravatar
nocgi
Beiträge: 55
Registriert: Sa 8. Mär 2014, 15:04

Re: Gefangene der Tiefe - José Ulloa (1974)

Beitrag von nocgi »

People who own the dark - kenne ich noch nicht. Habe aber eben in der OFDB geschaut und der Film hat schonmal mein Interesse geweckt. Gefangene der Tiefe klingt wirklich spannend, aber ich habe ihn mir mit Mühe und Not schon viermal versucht am Stück anzuschauen, aber der Funke springt nicht über. Das verschenkte Potential merkt man einfach sehr unangenehm (vom gepflegten Trash und Dilettantismus weit entfernt).

Selbst als cineastisch mit allen Wassern gewaschener Trashologe hat man an Ulloas Beitrag zu knabbern. Die wenigen gelungenen Szenen hauen da leider nicht mehr viel raus. Ich knüppel nur selten auf alte Eurokost aus den 70ern ein, aber hier dominiert einfach der Leerlauf ohne irgendeinen kuscheligen 70er Flair (die Screenshots lassen den Film einfach viel besser aussehen als er ist). Vielleicht nervt mich auch nur dass ich jahrelang nach dem Tape gesucht habe, bis ich es für 5,- endlich gefunden habe. Meine Erwartungen hatte ich da schon in Bodennähe geparkt aber die wurden nochmal gesenkt :shock:
„Guter schlechter Geschmack blickt zu seinem Objekt auf und macht sich nicht darüber lustig“. John Waters
Benutzeravatar
jogiwan
Beiträge: 41136
Registriert: So 13. Dez 2009, 10:19
Wohnort: graz / austria

Re: Gefangene der Tiefe - José Ulloa (1974)

Beitrag von jogiwan »

Irgendwo in der Nähe von New York treffen wir in einem geräumigen Apartment von Bob und Margie, ihrem fast erwachsenen Sohn Chris, sowie das befreundete Paar Carol und Arthur. Man lebt zusammen, spielt zusammen Billard, vertreibt sich die Zeit mit Lesen und Video schauen, während Chris die meiste Zeit vor dem Funkgerät verbringt oder Carol beobachtet. Erst später wird klar, dass die fünf ihre Zeit nicht freiwillig miteinander verbringen und das Zusammenleben auch zunehmend von Problemen und Paranoia geprägt ist, welche später auch in handfeste Konflikte steigern…

Spanischer Low Budget-Streifen mit gerade mal sechs Darstellern, der zu 90 Prozent in einem Apartment bzw. Studiokulisse spielt, dass der Zuschauer aufgrund des Beginns nach Nordamerika verortet. Zuerst wirkt auch alles recht normal, ehe man aufgrund des Verhaltens der Protagonisten merkt, dass bei der Szenerie etwas nicht stimmt. Die Wohnung ist ein Bunker unter der Erde, die Umgebung Atom-verseucht und die Eingeschlossenen warten über Funk auf weitere Instruktionen, die nur spärlich eintrudeln und auch wenig positiv sind. So kommt eines zum anderen und als auch noch das Essen ausgeht und einer nach dem anderen am Rad dreht, führt alles zur Eskalation. „Creation of the Damned“ lässt sich dabei viel Zeit und ist in der ersten Hälfte zugegeben auch etwas lahmarschig, während die zweite Hälfte wieder mehr Tempo aufnimmt und wesentlich stimmiger wirkt. Vor allem gegen Ende kommen auch ein paar Garstigkeiten ins Spiel, die aber immer eher subtil behandelt werden. Die Angst vor einem Atomschlag war in den Siebzigern ja präsent und wurde auch in „The People who own the Dark“ aufgegriffen, der aber in eine andere Richtung geht. „Gefangene der Tiefe“ ist dagegen eher ein über weite Strecken etwas unspektakuläres Kammerspiel mit grimmigen Ende, dass die klaustrophobische Stimmung nicht ganz so gelungen rüberbringt, aber dank der Darsteller, allen voran Craig Hill und Patty Shepard und ein paar Ruppigkeiten gegen Ende dem geneigten Fan dennoch zu gefallen weiß. Gesehen in der spanischen Fassung mit englischen UT in der jetzt schon empfehlenswerten "Exorcismo"-Box, die auch die englische Fassung an Bord hat. "Creation of the Damned" ist auch wie angekündigt codefree.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



» Es gibt 1 weitere(n) Treffer aus dem Hardcore-Bereich (Weitere Informationen)
Antworten