Nachts, wenn das Skelett erwacht
Die beiden Halbbrüder und Wissenschaftler Emmanuel (Peter Cushing) und James Hildern (Christopher Lee) sind aus unterschiedlichen Beweggründen dem Bösen im Menschen auf der Spur und während James als Leiter einer Irrenanstalt in grausamen Testreihen die Gewaltbereitschaft seiner Insassen testet, findet Emmanuel überraschende Antworten bei einem Skeletts eines menschenähnlichen Urwesens, welches der beherzte Mann bei einer seiner Forschungsreisen in Papua Neu Guinea entdeckt. Als ein Teil des Skeletts nach seiner überraschenden Rückkehr in seinem Labor in der Nähe von London mit Wasser in Berührung kommt, entwickelt sich vor den überraschten Augen des Wissenschaftlers durchblutetes Körpergewebe, das von dunklen und aggressiven Blutkörperchen durchsetzt ist.
Emmanuel ist durch eine überlieferte Legende davon überzeugt, dass es sich dabei um Keimzellen des Bösen handelt, dass die Menschheit seit Anbeginn ihrer Entstehung begleitet und es gelingt dem Forscher in einer Versuchsreihe, diese zu isolieren und mittels eines Serums unschädlich zu machen. Doch Emmanuels Forschungen sind nicht ganz uneigennützig und mit seiner Entdeckung versucht der Wissenschaftler auch seiner Tochter Penelope (Lorna Heilbron) zu helfen, von der er vermutet, dass sie die Geisteskrankheit ihrer Mutter geerbt hat. Diese war einst ein gefeiertes Revue-Girl, bevor sie den Verstand verlor und in James Nervenheilanstalt elendig vor die Hunde ging und als auch Penelope einen Nervenzusammenbruch erleidet, injiziert der Mediziner aus Verzweiflung seiner Tochter das neuartige Serum, dessen Erfolg jedoch nur von kurzer Dauer ist und schon bald weitere Neider auf den Plan ruft…
Das Gespann Peter Cushing und Christopher Lee in britischen Horrorfilmen bürgt ja gemeinhin für eine besondere Qualität und auch „Nachts, wenn das Skelett erwacht“ ist da natürlich keine große Ausnahme. Unter der Regie von Genre-Veteran Freddie Francis agieren die beiden vielseitigen Darsteller in dem 1973 entstandenen Werk als konkurrierende Wissenschaftler und ungleiche Halbbrüder in einem unvorhersehbaren und auch überraschend düsteren Gruselstreifen, der mit seinen Versatzstücken aus „Mad Scientist“, Evolutions-Lehren, klassischem „Gothic-Horror“ der alten Hammer-Schule, Familien-Drama und seiner „Film Noir“-artigen Erzählweise den Zuschauer gleich von Beginn an neben zahlreichen Handlungssträngen mit einem ungewöhnlichen und zugleich auch sehr fantastischen Szenario konfrontiert.
Dass dieser interessante Streifen im Bewusstsein der deutschen Genre-Fans im Gegensatz zu internationalen Horrorfans bislang aber eher ein Schattendasein fristete, liegt neben der mangelnden Verfügbarkeit auch an den bisherigen Vermarktungsstrategien, die den eher dramatischen Streifen auch auf das titelgebende Skelett reduzierten, so die Zuschauererwartung enttäuschten und dabei übersehen wurde, wie überraschend vielschichtig der Rest der Handlung ausgefallen ist. Statt dem ominösen Skelett, dass die meiste Zeit auch nur regungslos auf einem Labortisch zu sehen ist, konzentriert sich „The Creeping Flesh“ auch wesentlich mehr auf seine beiden ungleichen Hauptcharaktere, die sich getrieben von familiären Schuldgefühlen und Gier nach wissenschaftlicher Anerkennung gegenseitig immer weiter ins Verderben reiten. Vor allem Peter Cushings Darstellung als getriebener Wissenschaftler, der sich zu einer Verzweiflungstat hinreißen lässt, ist schlichtweg sensationell und der Streifen präsentiert sich dabei auch nur vordergründig als klassischer Horrorfilm im Stil von Hammer und Amicus, der inhaltlich aber wesentlich düsterer und dramatischer ausgefallen ist und am Ende auch noch mit einer besonderen Überraschung aufwarten kann.
„Nachts wenn das Skelett erwacht“ ist dabei auch einer dieser Streifen, der seine ganzen Qualitäten nicht schon bei der ersten Sichtung zur Gänze offenbart und dank der schicken DVD aus dem Hause „Wild Coyote“ hat man jetzt ja auch den Möglichkeit, diesen bislang unterschätzten Streifen in würdiger Qualität und so oft wie möglich in den Player zu stecken. Zwar hat die Scheibe außer dem Trailer kein weiteres Bonusmaterial an Bord und dennoch überwiegt die große Freude, dass sich endlich ein deutsches Label diesem wunderbaren und unvorhersehbaren Streifen angenommen hat, der dank seiner darstellerischen Leistungen von Peter Cushing und Christopher Lee, hübscher Ausstattung und vielseitiger Interpretationsmöglichkeiten seiner unkonventionellen und unvorhersehbaren Geschichte auch in keiner gepflegten Sammlung fehlen sollte.
