Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Unschuldig durch die Hölle

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Mit „Teufelscamp der verlorenen Frauen“ bzw. „Unschuldig durch die Hölle“ hat sich Hubert Frank wohl nicht gerade mit Ruhm bekleckert und liefert einen Film ab, der sich vor allem durch ein sehr wackliges und dramaturgisches Grundgerüst auszeichnet. Die Geschichte einer jungen Frau, die durch ein teuflisches Komplott und einen noch blöderen Zufall in den Händen von zwei weiblichen und zwei männlichen Gangstern gerät bietet zwar viel Potential, welches aber größtenteils gnadenlos verschenkt wirkt. Eine Polizei-Offensive findet da gleich vollkommen im Off statt und offensichtlich reichte das schmale Budget ja nicht einmal für Klamotten, sodass die weiblichen und männlichen Darsteller die meiste Zeit spärlich bekleidet bis nackt herumlaufen müssen. Neben einem sehr kreativen Umgang mit der deutschen Sprache und einem sehr lustigen und hochdramatischen Monolog über einen Aasfresser bietet „Unschuldig durch die Hölle“ aber auch zwei größere und eigentlich unerwartete Wendungen, die den Trash-affinen Zuschauer dann wieder aus seiner Lethargie reißen. Die weiblichen Darstellerinnen heißen Susi, Brit und Silvia und sehen auch genauso aus, während José Antonio Ceinos als Henno wie eine Kreuzung aus Rene Weller und einer haarigen Bestie daherkommt. Der große Höhepunkt kommt kurz nach einer Stunde und danach wurde noch ein weiterer Handlungsstrang hinzu getackert, der aber nochmals zwanzig Minuten dauert. Teufelscamp hab ich jedenfalls keine gesehen und die Hölle stellt man sich wohl auch anders vor. Insgesamt herrlich obskur und nicht wirklich gut, vermischt sich hier Soft-Sex mit Exploitation, viel nackte Haut mit noch mehr Nonsens und lustige Dialoge mit einem stets sehr fragwürdigen Handlungsverlauf. Wer sich für kuriose Filme aus deutscher Produktion interessiert bekommt bei dem offensichtlich nach wie vor indizierten Werk aber die volle Breitseite serviert.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

A Candle for the Devil

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Zwei alte Jungfern spielen Sittenpolizei in einem kleinen spanischen Dorf und ermorden junge Frauen, die in ihrer Pension absteigen, sich ihrer Meinung nach zu freizügig präsentieren oder es sich ihrer Meinung nach auf andere Weise mit dem Herrgott verscherzen und die englische Schauspielerin Judy Geeson macht sich als internationales Gesicht in der spanischen Produktion auf die Suche nach ihrer verschwundenen Schwester. Alles hübsch routiniert und mit spanischem Flair in Szene gesetzt überzeugt „A Candle for the Devil“ vor allem durch seine beiden Hauptdarstellerinnen Aurora Bautista und Esperanza Roy, die zwar vordergründig die bigotten Gastronominnen mimen, hinter deren Fassade sich aber Krater-tiefe Abgründe auftun. Dabei ist „Die Saat der Angst“ aber inhaltlich bei weitem nicht so radikal wie „Die Teuflischen der Insel“, und statt breit ausgewalzter Gewalt wird der Fokus eher auf dramatische Ereignisse und seelische Verzweiflung gelegt und entlarvt dabei hübsch die Doppelmoral, die in vielen ländlichen Gemeinden ja auch heute noch Programm ist. Die englische DVD dauert 90 Minuten, bietet die ein- oder andere Schmodderei und Nackedei und ist vielleicht im Finale einen Ticken zu lang ausgefallen. Insgesamt ist Eugenio Martin aber schon ein interessanter und nicht ganz alltäglicher Streifen über zwei Frauen am Rande des Nervenzusammenbruch und erhöhter Gewaltbereitschaft gelungen, die für die Verteidigung ihrer Ideale auch schon einmal etwas über die Stränge schlagen.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Nachts, wenn das Skelett erwacht

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demnächst mehr!

The Other Hell

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Unter dem Pseudonym Stefan Oblowsky drehte Bruno Mattei im Jahr 1981 zwei Filme mit Nonnen nach von Claudio Fragasso verfassten Drehbüchern, die sich aber inhaltlich stark unterscheiden. Während „Das süße Leben der Nonne von Monza“ eher in Richtung Historien-Drama geht und deren „ganz wahre“ Geschichte erzählen möchte, wandelt „The Other Hell“ eher auf Horrorpfaden und bietet eine seltsame Mordserie in einem Kloster, bei der ganz offensichtlich übernatürliche Mächte im Spiel sind. Dabei hat sich Fragasso wohl auch von Dario Argento inspirieren lassen und neben der Musik von Goblin gibt es gleich mehrere Szenarien, die an „Suspiria“ und „Inferno“ erinnern. Alles natürlich eine Stufe kleiner ausgefallen macht „The Other Hell“ aber durchaus eine gute Figur und Mattei schafft es aus Dingen, die auf den ersten Moment nicht zusammenpassen wollen, wieder einmal eine ganz eigene Atmosphäre zu kreieren, die auch dank der tollen Leistung von Franca Stoppi sehr gut funktioniert. Alles in allem ein Film, der sich auch beim wiederholten Male gut gucken lässt und sich bis zum infernalischen Ende auch keine allzu großen Durchhänger erlaubt.

Die sündigen Nonnen von St. Valentin

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Nunploitation-Streifen von Sergio „Der Tollwütige“ Grieco, der hier einen durchschnittlichen Genre-Streifen geschaffen hat, der lediglich die üblichen Zutaten hat, die es für einen derartigen Streifen braucht, aber sonst wenig herausragend ausgefallen ist: ein paar lasterhafte Nonnen in einem Kloster, die Inquisition und dazwischen gibt es jungen Paolo Malco und der hübschen Jenny Tamburi eine Art „Romeo und Julia“. Letzterer wird ein kurzerhand ein Mord in die Schuhe geschoben und die Gute landet in der Klapse, während sich die lüsterne Äbtissin hinter dem holden Jüngling hermacht. Alles aber eher unspektakulär in Szene gesetzt lässt „Die sündigen Nonnen von St. Valentin“ aber Schauwerte jeglicher Art vermissen und die nicht sonderlich interessante Story plätschert gemütlich vor sich hin, ehe sie am Ende dann noch etwas Fahrt aufnimmt. Dennoch ist alles irgendwie viel zu brav und zu zurückhaltend ausgefallen und lediglich die Darbietung von Françoise Prévost lässt erahnen, was hier mit etwas mehr Mut zum Exploitation-Film so alles möglich gewesen wäre. So bleibt lediglich ein lahmer Streifen mit Nonnen und historischem Umfeld, bei der lediglich die zu hoch angesetzte FSK-Freigabe aus der Reihe tanzt.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Nachts, wenn das Skelett erwacht

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Die beiden Halbbrüder und Wissenschaftler Emmanuel (Peter Cushing) und James Hildern (Christopher Lee) sind aus unterschiedlichen Beweggründen dem Bösen im Menschen auf der Spur und während James als Leiter einer Irrenanstalt in grausamen Testreihen die Gewaltbereitschaft seiner Insassen testet, findet Emmanuel überraschende Antworten bei einem Skeletts eines menschenähnlichen Urwesens, welches der beherzte Mann bei einer seiner Forschungsreisen in Papua Neu Guinea entdeckt. Als ein Teil des Skeletts nach seiner überraschenden Rückkehr in seinem Labor in der Nähe von London mit Wasser in Berührung kommt, entwickelt sich vor den überraschten Augen des Wissenschaftlers durchblutetes Körpergewebe, das von dunklen und aggressiven Blutkörperchen durchsetzt ist.

Emmanuel ist durch eine überlieferte Legende davon überzeugt, dass es sich dabei um Keimzellen des Bösen handelt, dass die Menschheit seit Anbeginn ihrer Entstehung begleitet und es gelingt dem Forscher in einer Versuchsreihe, diese zu isolieren und mittels eines Serums unschädlich zu machen. Doch Emmanuels Forschungen sind nicht ganz uneigennützig und mit seiner Entdeckung versucht der Wissenschaftler auch seiner Tochter Penelope (Lorna Heilbron) zu helfen, von der er vermutet, dass sie die Geisteskrankheit ihrer Mutter geerbt hat. Diese war einst ein gefeiertes Revue-Girl, bevor sie den Verstand verlor und in James Nervenheilanstalt elendig vor die Hunde ging und als auch Penelope einen Nervenzusammenbruch erleidet, injiziert der Mediziner aus Verzweiflung seiner Tochter das neuartige Serum, dessen Erfolg jedoch nur von kurzer Dauer ist und schon bald weitere Neider auf den Plan ruft…

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Das Gespann Peter Cushing und Christopher Lee in britischen Horrorfilmen bürgt ja gemeinhin für eine besondere Qualität und auch „Nachts, wenn das Skelett erwacht“ ist da natürlich keine große Ausnahme. Unter der Regie von Genre-Veteran Freddie Francis agieren die beiden vielseitigen Darsteller in dem 1973 entstandenen Werk als konkurrierende Wissenschaftler und ungleiche Halbbrüder in einem unvorhersehbaren und auch überraschend düsteren Gruselstreifen, der mit seinen Versatzstücken aus „Mad Scientist“, Evolutions-Lehren, klassischem „Gothic-Horror“ der alten Hammer-Schule, Familien-Drama und seiner „Film Noir“-artigen Erzählweise den Zuschauer gleich von Beginn an neben zahlreichen Handlungssträngen mit einem ungewöhnlichen und zugleich auch sehr fantastischen Szenario konfrontiert.

Dass dieser interessante Streifen im Bewusstsein der deutschen Genre-Fans im Gegensatz zu internationalen Horrorfans bislang aber eher ein Schattendasein fristete, liegt neben der mangelnden Verfügbarkeit auch an den bisherigen Vermarktungsstrategien, die den eher dramatischen Streifen auch auf das titelgebende Skelett reduzierten, so die Zuschauererwartung enttäuschten und dabei übersehen wurde, wie überraschend vielschichtig der Rest der Handlung ausgefallen ist. Statt dem ominösen Skelett, dass die meiste Zeit auch nur regungslos auf einem Labortisch zu sehen ist, konzentriert sich „The Creeping Flesh“ auch wesentlich mehr auf seine beiden ungleichen Hauptcharaktere, die sich getrieben von familiären Schuldgefühlen und Gier nach wissenschaftlicher Anerkennung gegenseitig immer weiter ins Verderben reiten. Vor allem Peter Cushings Darstellung als getriebener Wissenschaftler, der sich zu einer Verzweiflungstat hinreißen lässt, ist schlichtweg sensationell und der Streifen präsentiert sich dabei auch nur vordergründig als klassischer Horrorfilm im Stil von Hammer und Amicus, der inhaltlich aber wesentlich düsterer und dramatischer ausgefallen ist und am Ende auch noch mit einer besonderen Überraschung aufwarten kann.

„Nachts wenn das Skelett erwacht“ ist dabei auch einer dieser Streifen, der seine ganzen Qualitäten nicht schon bei der ersten Sichtung zur Gänze offenbart und dank der schicken DVD aus dem Hause „Wild Coyote“ hat man jetzt ja auch den Möglichkeit, diesen bislang unterschätzten Streifen in würdiger Qualität und so oft wie möglich in den Player zu stecken. Zwar hat die Scheibe außer dem Trailer kein weiteres Bonusmaterial an Bord und dennoch überwiegt die große Freude, dass sich endlich ein deutsches Label diesem wunderbaren und unvorhersehbaren Streifen angenommen hat, der dank seiner darstellerischen Leistungen von Peter Cushing und Christopher Lee, hübscher Ausstattung und vielseitiger Interpretationsmöglichkeiten seiner unkonventionellen und unvorhersehbaren Geschichte auch in keiner gepflegten Sammlung fehlen sollte.

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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Streetwalkin

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Als es die junge Cookie zwischen alkoholkranker Mutter und übergriffigen Vater nicht mehr aushält, flüchtet sie gemeinsam mit ihrem Bruder Jason nach New York und landet dort verzweifelt und ohne Geld in einem Busbahnhof. Dort lernt sie den Zuhälter Duke kennen, der den beiden zu einer Wohnung verhilft und landet wenig später auf dem Straßenstrich. Obwohl es das Leben mit ihr nicht gut gemeint hat, macht sie das Beste aus ihrer Situation und Cookie ist aufgrund ihrer lebensfrohen und unbekümmerten Art auch bei ihren Kolleginnen beliebt. Als Duke jedoch eines Tages ihre Wohnungskollegin Heather krankenhausreif prügelt und Cookie die Hilfe eines anderen Zuhälters sucht, der das Problem auf seine eigene Weise lösten möchte, verursacht dieses eine Reihe von weiteren gewalttätigen Ereignissen…

„Teenie-aufm-Strich“-Milieu-Filme erfreuten sich ja in den Achtzigern anscheinend großer Beliebtheit, was auch die Produktionsschmiede von Roger Corman dazu bewegte, eine Reihe von kleineren Produktionen zu finanzieren. „Streetwalkin“ der Regisseurin Joan Freeman punktet neben der Hauptdarstellerin Melissa Leo vor allem dadurch, dass in New York „on Location“ gedreht wurde, auch wenn die Geschichte über das junge Mädchen vom Lande, welche in der großen Stadt am Straßenstrich landet nicht wirklich bahnbrechend neu ist. In der deutschen Fassung wurde der Streifen wohl auch ratzefatz zusammengekürzt, was wohl an der - vor allem in diesen Kontext - nicht leicht zu konsumierenden Gewalt gegenüber Frauen zu tun hat und die Regisseurin hat hier ein Werk geschaffen, dass in Punkto Gewalt sicher das Level eines reinen Unterhaltungsfilms überschreitet und den Zuschauer auch nicht schont. „Streetwalkin“ hat aber auch humoristische Momente und pendelt auch ständig zwischen Drama, Milieu-Filmchen, Disco-Dancing und B-Trash, während das Finale durchaus herb um die Ecke biegt und der Body-Count in die Höhe schnellt. Insgesamt ein Streifen, der es einem nicht wirklich leicht macht und Prostiploitaton ist wohl auch nicht ganz so meine Baustelle.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Pepi, Luci, Bom und die anderen Mädchen vom Haufen

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jogiwan hat geschrieben:Aber dennoch eher nur für Fans interessant :)
Blödsinn! "Pepi, Luci, Bom und die anderen Mädchen vom Haufen" ist ein lustiges und trashiges Zeitdokument mit dem Geist von Punk, John Waters und der Kunstströmung "Movida Madrilena" für alle und präsentiert sich dem Zuschauer als teils etwas geschmackloses Werk, dass alles auf die Schippe nimmt, was Spanien nach Ende der Franco-Ära so beschäftigte. Neben Carmen Maura und Almodovar himself haben auch Kiti Manver, Cecilia Roth und Julieta Serrano kurze Auftritte, die den spanischen Regisseur in späteren Filmen immer wieder besetzte, als seine Filme bereits international Beachtung fanden. Hier ist aber alles noch ein bisschen kleiner, schriller, schräger und auf spanische Verhältnisse zugeschnitten, aber auch immer schwer unterhaltsam, unvorhersehbar und vom Mut der kulturellen Veränderung geprägt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Post Tenebras Lux

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Juan, der wohlhabende Sohn einer reichen, mexikanischen Industriellenfamilie, hat sich mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in ein abgeschiedenes Haus aufs Land zurückgezogen. Dort wachsen die Kinder zwischen Hunde, Katzen und sonstigen Tieren in einer nahezu unberührten Idylle heran, die jedoch trügerisch ist. Die Ehe von Juan liegt in Trümmern und während er seine aufgestaute Wut bei seinen Hunden auslebt und auch Ausflüge in den Swingerclub keine Besserung bringen, sind auch die restlichen Bewohner der Gegend, die größtenteils aus ärmlichen Verhältnissen stammen, der nach außen hin sehr glücklichen Familie gegenüber eher misstrauisch bis feindselig gestimmt und alle Faktoren führen eines Tages zu einem tragischen Ereignis…

Carlos Reygadas Familiendrama aus dem Jahr 2012 ist in mehrfacher Hinsicht ein Film, der aus der Masse heraussticht. In 4:3 und besonderer Weitwinkel-Linse gedreht, die sich nur auf die Mitte fokussiert und den Rand verschwimmen lässt, erzählt der Regisseur in einem stetigen Bilderfluss die fragmentarische und zeitlich nicht geordnete Episoden aus dem Leben einer Aussteigerfamilie und eines Arbeiters in Mexiko und vermengt dieses mit teils wunderbaren und spektakulären Naturbildern und präsentiert so auch ein Statement zu einem Land und einer Gesellschaft voller Widersprüche, die wohl selbst ihr größter Feind ist. Dabei geht es um Themen wie Schuld und Sühne, Macht und Geld, Liebe und Verantwortung und in mehreren Szenen bricht Carlos Reygadas auch mit seinen ansonsten eher nüchternen und realistischen Stil und schwenkt kurzerhand in surrealistische Gefilde um den Zuschauer in einen ohnehin nicht einfachen Werk zusätzlich zu fordern. Irgendwie war ich während der Sichtung auch von Beginn an ständig auf das Schlimmste gefasst und selbst wenn man zwischendrin die Orientierung verliert und manche Szenen auch nach Sichtung noch nicht so wirklich Sinn ergeben wollen, so ist „Post Tenebras Lux“ doch ein außergewöhnliches Erlebnis für aufgeschlossene Menschen, das wie im Flug vergeht und dabei rätselhaft, sperrig, faszinierend und packend zugleich ist.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Venus Flytrap

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Während der Punk Turk, seine Freundin B.B. und sein bester Kumpel Danny gerade den Besitzer eines kleinen Schallplattenladens ausrauben, betreten zwei Jugendliche aus reichem Hause den scheinbar menschenleeren Laden und stehlen vor den Augen der drei Räuber ebenfalls eine Musikkassette. Als Turk die beiden darauf amüsiert zur Rede stellt, sind diese so verlegen, dass sie die drei Punks zu einer Party in ihrem Haus einladen. Dort angekommen läuft die Party trotz Champagner und Schnittchen rasch aus dem Ruder und die sehr offen angesprochene Feindschaft der Punks mit den wohlsituierten Kids aus reichem Haus treibt im Verlauf einer gewaltvollen Nacht immer bizarrere Blüten…

Du meine Güte, was ist denn das? Ein inoffizielles Remake von Deodatos „Der Schlitzer“ auf dem Niveau einer Schulaufführung in einer Direct-to-Video-Produktion aus dem Jahr 1987? Alles eigentlich ganz grottig und von einem seltsamen Humor durchzogen überrascht „Venus Flytrap“ den Zuschauer aber immer wieder mit kleinen Überraschungen und das geht vom „Strip-Dart“ bis hin zu Nekrophilie und jeder Menge nackter Haut auf beiden Seiten der Geschlechter. Dennoch ist T. Michaels Streifen natürlich alles andere als ein schockierender oder gar gelungener Streifen, sondern eher ein kurzweiliges – weil auch sehr kurzes – Vergnügen der sehr haarsträubenden Art für den Freund obskurer Streifen, die sich auch an Video-Optik, seltsamen Dialogen, unlogischen Momenten und einer großen Portion „Over-Action“ nicht stören. Das zynische Ende ist ja für die Produktionsumstände auch ganz ordentlich und eigentlich läuft hier alles so herrlich den Bach runter, dass es schon wieder eine Freude ist.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Mako

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demnächst mehr!

Don't go in the woods... alone!

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jogiwan hat geschrieben:Was hat man über "Don't go in the woods... alone" nicht schon alles Schlechte gehört und gelesen. Und was soll ich sagen - eigentlich vollkommen zu recht. Dieser dröge Backwood-Slasher ist ja wirklich nicht das Gelbe vom Ei und außer ein paar Kills und jede Menge Herumgeirre in der Gegend bietet James Bryans Streifen ja nicht sonderlich viel. Der psychopathische Killer erinnert in seinem Outfit etwas an die extravaganten Bühnenkostüme einer gewissen Gaga und was dem Streifen inhaltlich, schauspielerisch und technisch fehlt, wird mit der Gorekeule wieder etwas wettgemacht. Trotz recht billig getrickster Effekte sprudelt der rote Lebenssaft jedenfalls in Strömen, aber große Freude wollte sich bei meiner Sichtung dennoch nicht einstellen. Preiswert heruntergekurbelte Exploitationware mit der künstlerischen Strahlkraft eines Dieter Bohlen-Albums, dass man auch nicht unbedingt gesehen haben muss und wohl auch nur lediglich für die Gore-Fraktion von - wenn auch geringem - Interesse sein dürfte.
"Don't go in the woods... alone" und ich werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr. Auch die Sichtung der neuen Blu-Ray-Disc aus dem Hause Vinegar Syndrome brachte den Funken nicht zum Überspringen und James Bryans Streifen ist immer noch eine dröge, sehr eindeutig von "TCM" inspirierte Sache irgendwo in den amerikanischen Bergen, dass einfach nicht in die Puschen kommen und eher durch zahllose vegetative Anschlussfehler unfreiwllig erheitert. "Ausflug ins Grauen" trifft es dann zwar sehr gut, aber ich hätte nicht gedacht, dass hier der Zuschauer gemeint ist, der hier wirklich das Grausen bekommen könnte. Jedenfalls wird noch immer viel gewandert, während ein wilder Waldfuzzi Jagd auf arglose Erholungssuchende macht. Kann man gut finden, muss man aber nicht und nö, der hat mir doch schönerer Darreichungsform abermals keinen großen Spass gemacht.

Das Beste ist noch der Theme-Song:

[BBvideo][/BBvideo]
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Profondo Rosso

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Gestern anlässlich des 40-Jahr-Aufführungs-Jubiläum spontan im Player gelandet ist und bleibt "Profondo Rosso" einfach ein durch und durch wunderbarer Streifen, der mich in der langen Fassung auch jedes Mal wieder begeistert. Von wegen zu lange - von mir aus könnte das noch eine Stunde so weitergehen. Wenn man den Streifen so oft gesehen hat, verkommt der Inhalt ohnehin zur Nebensache und man lässt sich nur noch durch die durchkomponierten Bilder von einer Lieblingsszene zur nächsten treiben. Derzeit ist das auch die Szene am großen Platz vor dem von Edward Hoppers Bild "Nighthawks" inspirierer Bar vor dem Mord von Helga "Mache dir keine Sorge" Ullman. Wäre "Profondo Rosso" nicht gewesen, wäre ich heute vermutlich auch gar nicht hier und daher wird dieser Streifen auch immer einen ganz besonderen Stellenwert haben, den ich auch gar nicht mehr nach einem objektiven Zahlenmuster bewerten mag. Da ist selbst 10 von 10 noch viel zu wenig und ich liebe "Profondo Rosso" wie man einen Film nur lieben kann...
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