Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Shaun of the Dead

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auch mit 10 Jahren am Buckel noch immer großartig!

Spaced

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Folge 1 & 2
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Hot Fuzz

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Wie kann es sein, dass so ein genialer Streifen noch keinen Fred hat? Die humorvolle Persiflage auf Big-Budget-Bruckheimer-Action, „Culture-Clash“-Komödie und Slasher in einer beschaulichen Kleinstadt im letzten Zipfel von England ist ja nichts weiter als einer der besten Action-Komödien aller Zeiten, die wie schon sein Vorgänger „Shaun of the Dead“ gekonnt Klischees und Szenen aufs Korn nicht, ohne sich dabei auf verächtliche Weise über die zahlreichen Vorbilder lustig zu machen. Viel mehr ist „Hot Fuzz“ eine ganz große Verbeugung vor dem Genre, dass nebenher und vor allem in der englischen Sprachfassung ein pointiertes, absurdes und herrlich ironisches Gag-Feuerwerk der Sonderklasse abfeuert und neben jeder Menge Action und Explosionen auch noch die schrulligsten Bösewichte der Filmgeschichte auf die Leinwand zaubert, die man als Filmfan jemals gesehen hat. Unglaublich witzig und durchdacht, Top-besetzt und vor allem: auch für nicht so große Action-Fans unglaublich unterhaltsam!

The World's End

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Gestern erneut gesichtet hat mit "The World's End" noch etwas besser gemundet, als bei der Erstsichtung. Was gleich einmal auffällt, ist der wesentlich ernstere Grundton, den "The World's End" begleitet und die Gag-Dichte und Unbeschwertheit, die im Vergleich zu den beiden Vorgänger-Filmen deutlich heruntergeschraubt wurde. Die Geschichte über die Wiederholung einer "legendären" Pub-Tour ist ja auch eine Art Abgesang auf die Neunziger und Feierei einer bestimmten Zeit und jeder kennt wohl so eine Person, die irgendwann einmal in einem bestimmten Verhaltensmuster und verklärten Erinnerungen "steckengeblieben" ist und nicht wahrnehmen will, dass sich Menschen und die Welt ständig ändern. Natürlich ist "The World's End" aber nicht nur dramatisch, sondern auch sehr turbulent und humorvoller ist eine Alien-Invasion a la "Bodysnatchers" und andere unschöne Wahrheiten über die erste Lebenshälfte der Menschen ins Szene gesetzt worden. Großartig ist auch der Soundtrack, der gleichzeitig auch den Soundtrack meiner eigenen Jugend darstellt: Suede, Soup Dragons, 808 State, Happy Mondays, Primal Scream und zum Finale hin dann noch die unvermeidlichen Sisters of Mercy, deren Intro zu "This Corrossion" für eine Gänsehautmoment herhalten darf.

Severance

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purgatorio hat geschrieben: "In Ungarn gibt es keine Bären!"
Ja, genau! Gestern wieder geguckt und für gut befunden, auch wenn ich den seltsamerweise wesentlich lustiger in Erinnerung hatte. Bei den unterschiedlichen Leutchen, die für ein Teambildungs-Wochenende in die Pampa geschickt werden, kann man sich ja nie so recht vorstellen, was die tatsächlich bei der Rüstungsfirma machen sollen, aber angesichts des turbulenten Treiben ist das ja auch irgendwie egal. Das Finale ist ja immer noch recht spaßig und der Film ideal nach einem anstrengenden Tag im Büro.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Forentreffen-Spezial: Deliria över Nürnberg

Lolita am Scheideweg

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Der wohlhabende Alberto lebt gemeinsam mit seiner Stiefschwester Alba ein zügelloses Leben voller erotischer Obsessionen und wilder Fantasien. Als er eines Tages am Strand von Alicante die junge und unschuldige Lolita erblickt ist es um ihn geschehen und er hat nur noch Augen für das blutjunge Mädchen, das der wesentlich ältere Mann auf jeden Fall besitzen möchte. Um den Plan in die Tat umzusetzen verführt Alba den Vater von Lolita, macht ihn sexuell hörig und bringt ihn auch dazu, seine Tochter für ein Wochenende in die Obhut der beiden Geschwister zu überlassen. Alberto sieht sich am Ziel seines Plans und verführt gemeinsam mit seiner Schwester und jeder Menge Alkohol und bewusstseinserweiternden Drogen die junge Lolita, die sich schon bald in einem erotischen Alptraum wiederfindet…

„Lollita am Scheideweg“ ist eigentlich ein typischer Franco-Film aus den Achtzigern, in dem der spanische Regisseur wieder ausgiebig der weiblichen Anatomie huldigt und eine etwas fragwürdige und auch wenig geschmackssichere Geschichte voller erotischer Obsessionen erzählt. Am Strand von Alicante werden aber nicht nur weibliche Körper und männliche Fantasien zelebriert, sondern mit ausgeborgten und sehr schmissigen Soundtrack auch die beiden Bauwerke „La Muralla Roja“ und „Xanadu“ von Architekt Ricardo Bofill, ins beste Licht gerückt. Die Geschichte ist dabei wie üblich eher Nebensache und hat einen etwas unschönen Beigeschmack, wenn man das Alter der sehr jungen Katja Bienert bedenkt. Frau Bienert agiert aber dennoch sehr solide als eine der wenigen Sympathieträgerin in einem Kaleidoskop der Perversionen, in dem auch fleißig Filmmaterial aus „Die Insel der 1000 Freuden“ integriert wurde. Der ganze Streifen ist dabei eher unspektakulär und mit seiner fiebrigen Diskont-Entrücktheit auf eine eher skurrile Weise unterhaltsam, ehe „Lolita am Scheideweg“ am Ende etwas zu unbedarft ins Thriller-Genre kippt. Als nicht so großer Franco-Fan kein wirkliches Highlight, aber ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich den Streifen nicht dennoch in dem präsentierten Umfeld sehr genossen hätte.

Nackt und zerfleischt

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Auch wenn man einen Streifen wie „Cannibal Holocaust“ sicher nicht sympathisch finden muss, so zählt er doch zu den ganz wenigen Streifen, der auch Jahrzehnte nach seiner Entstehung noch sehr schockierend rüberkommen und kaum etwas von seinem kontroversen Potential eingebüßt hat. Mit dem Vorwand einer dokumentarischen Berichterstattung über primitive Naturvölker im unzivilisierten Dschungel entlarvt Deodato im zweiten Teil seines Filmes ein Kamerateam als Handlanger sensationsgeiler Konsumenten als eigentliche Bestien und hält dem Zuschauer so auch einen Spiegel vor, der aus der sicheren Distanz heraus auch immer nach härteren, wilderen und blutigeren Bildern giert. „Cannibal Holocaust“ trifft dabei eine sehr empfindsame Stelle des Publikums und wirft Fragen auf, inwieweit der Zuschauer, Produktionsfirmen und Sender für das präsentierte Leid mitverantwortlich gemacht werden können bzw. sogar müssen. Diskussionen über Tiersnuff sind im Zusammenhang mit Deodatos kompromisslosen Streifen aus vielerlei Gründen müßig, aber diese beispiellose und sehr effektive Abwärtsspirale von einem Film funktioniert wohl auch nur genau so, wie sie hier dem Publikum präsentiert wird, dass sich dabei durchaus angesprochen fühlen darf...

Die Rückkehr der Zombies

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Für mich was „Die Rückkehr der Zombies“ ja schon so etwas wie das überraschende Highlight des diesjährigen Foren-Treffens und die unkonventionelle Einleitung des werten Salvatore hat mich ja dazu verleitet, diesen vielfach selbst von Italo-Fans gescholtenen Film nun in einem etwas anderem Licht zu sehen. Dieser hat zwar noch immer keine nennenswerte Handlung, aber zweifelsfrei doch eine Vielzahl von erinnerungswürdigen Szenen und Momenten, die Bianchis Streifen zu einem ganz besonderen Erlebnis machen. Weder hatte ich den Beginn so humorvoll in Erinnerung, noch das Ende, das sich mit seiner Ausweglosigkeit und atonalem Moog-Gefiepse auch im Vergleich zum unbeschwerten Beginn sehr düster präsentiert. Auch das Make-Up eigentlich ganz großartig und der spontane Szenenapplaus für Peter Bark ist ebenfalls ein Indiz dafür, dass „Die Rückkehr der Zombies“ seinen ganz eigenen Platz tief im Herzen eines jeden Zombie-Fans gefunden hat.

Die Geisterstadt der Zombies

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Einen Lieblingsfilm auf großer Leinwand zu sehen ist natürlich immer ein besonderes Erlebnis und „Geisterstadt der Zombies“ ist neben seinen Gialli auch sicherlich ein ganz großes Highlight in Fulcis Filmografie. Allerdings war meine erstmalige Sichtung in deutscher Sprache doch auch etwas ernüchternd, da die deutsche Synchro und wenig subtile Tonfassung im Vergleich zur englischen klar verliert: da werden Dialoge abgeändert, Flüster-Stimmen hinzugefügt und in den Splatterszenen die Schmatz-Geräusche so verstärkt, dass man sich glatt bei einem Ritter-Essen vermutet. Aber das ist Meckern auf hohen Niveau und „The Beyond“ ist einfach ein, wenn nicht DAS Highlight des europäischen Zombie-Films, selbst wenn ich persönlich den Streifen ohnehin nur bedingt dem Zombie-Genre zuordnen würde und mittlerweile subjektiv nur noch auf seine Atmosphäre reduziere, in dessen Gesamtwertung Dinge wie Logik, Sinn und Schmodder nur begrenzt Einzug finden. Dass ich den Streifen auf großer Leinwand inmitten filmbegeisterter Menschen sichten durfte, ist auch die Erfüllung eines persönlichen Traums und ein würdiger Film-Abschluss eines ganz großartigen Wochenendes mit nicht minder großartigen Menschen. Thanks!
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Die Farben der Nacht

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Irgendwie ist „Die Farben der Nacht“ von allen Martino-Gelblingen derjenige, der mich trotz schicker London-Locations und tollem Cast am wenigsten begeistert. Für die Geschichte, die für mich auch eher die Kriterien eines Mystery- und Paranoia-Thrillers, als die eines Giallos erfüllt kann mich nicht so wirklich begeistern und irgendwie scheint Martino hier der Spannungsaufbau etwas misslungen zu sein. Zwar gibt’s ein bisschen „Who-dunnit“-Atmosphäre, aber meistens bewegt sich die zerbrechliche Figur, die von Edwige Fenech imho etwas zu opferlastig inszeniert wird, ständig so nah am Rande des Nervenzusammenbruchs, dass mir auch hier eine stimmige Entwicklung ihrer Figur fehlt, die der Film aber benötigt hätte. Neben durchaus hübschen Szenen und flotter Musik ist leider auch die deutsche Synchro sehr mau und irgendwie ist es für doch etwas komisch, wenn die Darsteller mit den gleichen Stimmen der Darsteller in „Das Labyrinth des Schreckens“ sprechen und ich die Figuren auf der Leinwand mit anderen Stimmen in Verbindung bringe. Die zu erwartende Auflösung ist auch eher mau und selbst wenn der Streifen immer noch gut zu gucken ist, muss er sich doch im Kontext der Übermacht stimmigerer und sympathischerer Filme aus dem Hause Martino unterordnen.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Insidious: Chapter 2

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Ich fand ja den ersten Teil schon nicht sonderlich originell, aber Teil 2 ist leider noch um eine Ecke schlechter und schließt nahtlos an den ersten Teil an, was auch zu Verständnisproblemen führt, wenn man den nicht unmittelbar zuvor gesehen hat. Die Geschichte wird aber quasi mit den gleichen Figuren nochmals wiederholt und reiht einen Möchtegern-Gruselmoment an den anderen, ohne sonderlich darauf zu achten, ob die Geister-Besessenheitssause in der Gesamtheit dann noch überhaupt stimmig ist. Da klimpert das Klavier, Türen öffnen und schließen sich, böse Geister trippeln durchs Bild und irgendwann ist alles vorbei und natürlich auch wieder einmal der Grundstein für noch einen Teil gelegt. Zwar ist in „Insidious: Chapter 2“ schon auch alles irgendwie gut gemacht, aber halt auch so unoriginell wie nur möglich und eine gruselige Atmosphäre kreiert man nun mal nicht mit Jump-Scares am laufenden Band. Der ideale Film für Leutchen, die sich gerne erschrecken und neu im Horror-Genre unterwegs sind – allen anderen wird der überladene Mix aus ausgelutschten Geisterfilm-Klischees ja weit weniger munden.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Liquid Sky

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Die androgyne Margret ist ein Model im New Yorker Underground und lebt gemeinsam mit der Konzeptkünstlerin, Drogendealerin und Musikerin Adrian in einer schicken und Neon-durchfluteten Dachgeschoßwohnung. Also dort eines Tages auf der Terrasse ein kleines UFO landet, ahnt Margret nicht, dass sich binnen kürzester Zeit ihr Leben auf den Kopf stellen wird und sie unwissentlich auch ihr Umfeld in größte Gefahr bringt. Ihre unterschiedlichen Sexualpartner sterben beim Akt und verschwinden anschließend und das Model gerät ins Visier eines deutschen Wissenschaftlers, der die Theorie aufgestellt hat, dass sich der außerirdische Organismus von Endorphinen ernährt, die bei Sexkonsum auf Heroin freigesetzt werden und die junge Frau in größter Gefahr ahnt...

„Liquid Sky“ ist ja nicht nur eine der zahlreichen Bezeichnungen für Heroin, sondern auch der Titel eines sehr schrägen Underground-Filmchen aus dem Jahr 1982, dass von dem russisch-stämmigen Regisseur Slava Tuskerman, der Designerin Nina V. Kerova und der Kunststudentin Anne Carlisle inszeniert wurde. Dabei ist der Streifen weniger der angekündigte Sci-Fi-Film, als viel mehr ein existenzielles Low-Budget-Underground-Drama über ein Model und ein interessantes Zeitdokument der New-Wave und Punk-Szene, das sich auch einer ungewöhnlichen Bild- und Ton-Ästhetik bedient, die mich irgendwie in der Machart an den deutschen Streifen „Kalt wie Eis“ erinnert hat. Die Geschichte über Aliens, die auf der Suche nach Botenstoffen sind, die von Drogensüchtigen beim Sex ausgeschüttet ist dabei eher nebensächlich und der Streifen konzentriert sich auch eher auf die androgyne Figur der Margret, die zwischen Penthouse-Wohnung und Underground-Club vom eigenen künstlerischen Anspruch, Drogenkonsum ihres Umfelds und Gleichgültigkeit ihrer Zeit zerrieben wird. Alles hochgradig speziell und künstlerisch in Szene gesetzt dürfte „Liquid Sky“ mit minimalistischen Synthie-Score auch eher ein Publikum ansprechen, dass sich an unkonventioneller Konzept-Kunst, theatralischen Darbietungen, Neon-Optik und derartigen Zeitdokumenten aus dem Underground erfreuen kann. Ich zum Beispiel!

Aria

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"Un ballo in maschera"/Giuseppe Verdi - Regie: Nicolas Roeg
"La virgine degli angeli"/Giuseppe Verdi - Regie: Charles Sturridge
"Armide"/Jean- Baptiste Lully - Regie: Jean-Luc Godard
"Rigoletto"/Giuseppe Verdi - Regie: Julien Temple
"Die tote Stadt"/Erich Wolfgang Korngold - Regie: Bruce Beresford
"Les Boréades"/Jean-Philippe Rameau - Regie: Robert Altman
"Liebestod"/Richard Wagner - Regie: Franc Roddam
"Nessun Dorma"/Giacomo Puccini - Regie: Ken Russell
"Desuis le jour"/Gustave Charpentier - Regie: Derek Jarman
"Vesti la giubba"/Ruggero Leoncavallo - Regie: Brill Bryden

Britischer Episodenfilm aus dem Jahr 1987 von Produzent Don Boyd, der zehn Regisseure für sein Projekt begeistern konnte, die für ein Budget von jeweils 50.000 Pfund eine Opern-Arie aus dem Back-Catalogue von RCA verfilmen sollten, ohne dabei auf die eigentliche Geschichte zurückzugreifen. Herausgekommen ist jedoch ein etwas zwiespältiges und Dialog-armes Werk, bei dem es große Gewinner gibt, aber auch ein paar Verlierer bzw. Episoden, die ziemlich unspektakulär ausgefallen sind. Der große Abräumer ist natürlich Regie-Exzentriker Ken Russell, der aus „Nessum Dorma“ eine abgründige Augenweide zaubert, dass der Zuschauer nur so mit den Ohren schlackert. Auch Godard ist sehr originell und entführt den Zuschauer in ein Pariser Fitnesscenter und lässt zwei Facility-Managerinnen nackt durch die Geräte und schwitzenden Leiber tanzen. Gänzlich unspektakulär und auch ziemlich mau sind jedoch der Beiträge von Robert Altman, sowie die Verwechslungskomödie-Episode von Julien Temple und auch die Rahmenhandlung mit John Hurt als trauriger Clown löst sicher keine Begeisterungsstürme aus. Franc Roddam präsentiert in seinem herausragenden Beitrag mit Bridget Fonda in ihrer ersten Rolle und verlegt den „Liebestod“ von Tristan und Isolde kurzerhand in die Glitzerwelt von Las Vegas, während Derek Jarman mit der jungen Tilda Swinton einen eher handelsüblichen Musik-Clip mit viel Strandfeeling in Slow-Motion, bastelt. Insgesamt gesehen ein interessantes Episodenfilm-Experiment, dass neben Opern-Arien und einer Handvoll eindrucksvollen und origineller Beiträge, aber auch ein paar ziemliche Rohrkrepierer und zu konventionelle Musicclips zu bieten hat. Mittelprächtig!

Ben & Mickey vs. The Dead [Netflix]

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Überraschend gelungener Film mit Zombies, der seinen Fokus aber nicht auf die Untoten legt, sondern auch seine zwei höchst unterschiedlichen Protagonisten legt, die in einer postapokalyptschen und menschenleeren Welt für gegenseitige Überleben eine Art Zweckgemeinschaft gründen müssen. Dabei sind Ben und Mickey höchst unterschiedliche Charaktere und während Ben eher pragmatisch versucht das Beste aus der angespannten Situation zu machen, kommt Mickey mit der Einsamkeit und dem ständigen Leben auf der Flucht weniger gut zurecht. Was dabei ohne näherer Erklärung doch auch etwas dröge beginnt, wandelt sich spätestens dann, wenn man die beiden gar nicht mal so sympathischen Kerle dennoch in sein Herz geschlossen hat. Das Finale des eher dramatischen Films mit guten Indie-Soundtrack ist dann wirklich fesselnd und trotz sehr beschränkten Schauplatzes mehr als funktional. Für einen Low-Budget-Independent-Film ist „Ben and Mickey vs. The Dead“ jedenfalls sehr gelungen und beweist, dass man für einen funktionierenden Zombie-Film mit guten Ideen und interessanten Ansatz auch keine Ausweidungen und gorigen Momente braucht.

Raw Force

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Auf einer entlegenen Insel namens „Warrior Island“ leben kannibalistische Mönche, die von einem Verbrechersyndikat mit jungen Mädchen als Nahrung versorgt werden und sich im Gegenzug mit wertvoller Jade für die Gangster revanchieren. Als eine illustre und Martial-Arts erprobte Reisetruppe just einen Trip auf die ominöse Insel plant, versucht das Verbrechersyndikat dieses mit allen Mitteln zu verhindern und schreckt auch nicht davor zurück, das Boot zu versenken. Dennoch schafft es eine Handvoll Überlebender mit einem Schlauchboot auf die besagte Insel, wo es wenig später nicht nur zur Konfrontation mit den Verbrechern und den Mönchen, sondern noch viel unheimlicheren Wesen kommt…

Meine Fresse, was ist denn das? Mönchs-Kannibalen? Kung-Fu-Zombies? Und zwischendrin eine abgeklärte Reisetruppe mit Kung-Fu-Kämpfern und -innen, die sich mit einem Mädchenhändler- und Verbrecher-Syndikat anlegt, deren Obermops wohl auch nur rein zufällig Ähnlichkeiten mit einem gewissen Diktator aufweist. Alles so haarsträubend wie nur möglich ist „Raw Force“ auch keine Trash-Granate, sondern ein Trash-Flächenbrand, der im Nonsens-Finale auch so richtig aufdreht und wohl jeden Zuschauer trotz aller Durchschnittlichkeit fassungslos zurücklässt. Ein paar Kämpfe da, ein paar Titten hier und zwischendrin gibt’s Zombies – langweilig wird es jedenfalls nie, auch wenn man zwischenzeitlich das Gefühl hat, das der Film ein einziger Angriff auf die Zurechnungsfähigkeit des Zuschauers ist. Lange nicht mehr so viel Spaß gehabt, auch wenn man „Jäger des tödlichen Jade“ an einem falschen Tag und ohne richtiger Getränke-Begleitung auch in den falschen Hals bekommen könnte, bleibt ein lustiger und schwer unterhaltsamer, wenn auch etwas harmloser Genre-Cocktail mit viel obskuren Ideen, der Grenzen sprengt, Hirnzellen zerstört und Leben verändert.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Liebe und Tod im Garten der Götter

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Ein namhaftes Institut mietet für einen älteren Ornithologen eine bereits seit längerer Zeit verlassene Villa, damit dieser in der Abgeschiedenheit seine Forschungen betreiben und Vogelstimmen auf Band aufnehmen kann. Als der Wissenschaftler im anliegenden Park ein paar alte Tonbänder findet, die sich nach der Reinigung als Aufzeichnungen einer psychologischen Sitzung entpuppen, erfährt der interessierte Forscher auch von der Tatsache, dass die geräumige Villa bis vor kurzem noch von einer hübschen Frau Azzurra und ihrem Gatten bewohnt war, die mit ihrem Bruder Manfredi inzestuöse Beziehung führte, die in einem Selbstmordversuch endeten. Doch mit fortschreitender Laufzeit der Bänder entdeckt der Ornithologe zunehmend Ungereimtheiten und kommt schließlich auch einem Verbrechen auf die Spur, dass auch den Wissenschaftler in größte Gefahr bringt.

Interessantes Drama von Sauro Scavolini mit Erika Blanc als abgründige Schönheit, die mit ihrem von Peter Lee Lawrence dargestellten Bruder eine inzestuöse Hassliebe führt, die nach einseitigen Provokationen schon wenig später auf alle Anwesenden einer abgelegenen Villa furchtbare Auswirkungen hat. . Der Zuschauer gleitet förmlich in der Rolle des Zuhörers von fremden Tonbandaufnahmen in eine Geschichte, die sich mit zunehmender Laufzeit auch immer spannender wird und sich immer wieder anders präsentiert. Dabei ist „Liebe und Tod im Garten der Götter“ mit seinem poetischen Titel, eher günstiger Produktions- und interessanter Erzählweise sicherlich auch ein typisches Produkt seiner Zeit, welches Frauen reihenweise am Rande des Nervenzusammenbruchs portraitierte und verbindet Giallo, Familiendrama, Psychoanalyse und das Tabu-Thema Inzest in einem idyllischen Umfeld und viel nackter Haut zu einem gut mundenden Genre-Cocktail, der für mich persönlich schon jetzt zu den schönsten Entdeckungen des Jahres gezählt werden kann.

The Broken [Netflix]

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Ich fand "The Broken" sehr speziell, aber auch sehr interessant und obwohl sich die Sichtung bisweilen etwas zieht kreiert der Streifen doch eine ganz spezielle, steril-düstere und unheimliche Atmosphäre, bei der der Zuschauer mindestens genauso hilflos wie die Hauptdarstellerin durch seltsame Ereignisse schlittert. Die Sichtung eines Doppelgängers gilt ja gemeinhin als Todesbote und irgendwie hätte ich mir auch eine Auflösung in diese Richtung erwartet. Am Ende kommt es aber dann doch anders und wenn man die Ereignisse am Bildschirm so deuten kann, wie sie sich dem Zuschauer präsentieren, könnte „The Broken“ auch genauso gut das Remake eines sehr bekannten Sci-Fi-Films sein, dessen Titel an dieser Stelle aber nicht verraten wird. Dass Sean Ellis die Deutung seines Werkes aber irgendwie in mehrere Richtungen offen lässt, kann dabei als Stärke oder Schwäche des Streifens gesehen werden. Ich fand den gut und dass ich in der Nacht gleich einen ähnlichen Traum hatte ist auch ein eindeutiges Indiz, dass mich der Streifen doch nachhaltig beschäftigt hat.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Dread [Netflix]

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Ehrlich gesagt, konnte mich „Dread“ nicht sonderlich überzeugen. Die Geschichte mag zwar im Ansatz interessant klingen, aber irgendwie kommt der Streifen nie so richtig in Fahrt und wirkt bisweilen mehr als konstruiert. Das Zufallsbekanntschaft Quade gröber einen an der Waffel hat, ist ja gleich von Beginn an klar und warum man mit einem Typen, mit dem man nicht einmal ein Bier trinken gehen möchte, gemeinsam eine ominöse Seminar-Arbeit startet, erschließt sich mir ja nicht so ganz. Auch ansonsten bleibt vieles im Dunkeln und die diffuse Ängste vor Fleisch, Autofahren und sonstigen Dingen hilft dem Film ja auch nicht unbedingt eine bestimmte Glaubwürdigkeit zu entwickeln. Zwar gibt es darstellerisch und optisch nicht viel zu bemängeln und der Streifen hat auch seine blutigen Momente, aber die Geschichte fand ich einfach viel zu konstruiert und bemüht, als dass ich mich dafür auf Dauer begeistern könnte. Das unsympathische Ende dient – wie Bux bereits anmerkte – ja auch nur dazu, den Zuschauer noch einen vor den Latz zu knallen und für eine erstzunehmende Auseinandersetzung mit (Ur-)Ängsten ist „Dread“ einfach zu überzogen, oberflächlich und insgesamt zu wenig glaubhaft.

Der Tatortreiniger [Netflix]

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Netflix sei Dank gestern die erste Folge von "Der Tatortreiniger" der ersten Staffel geguckt und wenn das so weiter geht, ist die Serie ist ja absolut göttlich. Ist die "SpuSi" erst mal weg, kommt Heiko von der "SpuBe" und putzt den letzten Rest vom Schützenfest von den Fließen und kümmert sich redselig auch gleich noch um die Hinterbliebenen von Mordopfern. In der ersten Folge in Form einer Prostituierten, die statt dem erwarteten Kunden auf einen blutigen Tatort und Reinigungsfachmann Heiko trifft und ehe man sich versieht, kommt es zwischen den beiden "Spezialisten" auf ihrem Gebiet auch zu einem regen Erfahrungsaustausch mit jeder Menge Situationskomik. Ich bin ja vermutlich der Letzte, der die Serie zu Gesicht bekommt, aber immerhin hab ich ja die Möglichkeit jetzt alles auf einmal nachzuholen. :popcorn:
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Six Graves [Netflix: One-Star-Collection]

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Ein Satz mit X – das war wohl (eher) nix und was als etwas seltsame Momentaufnahme des alltäglichen Lebens als internet- und Handy-süchtige Jugendliche beginnt, wandelt sich zu einer etwas drögen „Saw“-Variante aus „Down-Under“, als sechs von sieben Freunden nach einer Party in einer Holzkiste aufwachen und gemeinsam via Handy-Verbindung um ihr Leben kämpfen müssen. Statt Spannung oder gar Kritik am sorglosen Umgang mit persönlichen Daten im Netz gibt es in dem eher harmlosen Streifen mit nach oben gepushter Freigabe-Bescheinigung aber eher dämliche Dialoge, viel Over-Acting und willkürlich Wendungen am laufenden Band, die man Regisseur Leigh Sheenan auch nur bedingt abkaufen möchte. Zwar ist „Six Graves“ kein gänzlicher Rohrkrepierer, aber auf der anderen Seite wäre in der Hand von etwas mutigeren Menschen das Ergebnis wohl nicht ganz so beliebig, lahm und unspektakulär ausgefallen und irgendwie wussten die Macher am Ende wohl selber nicht so genau, wie man die mühsam zusammengezimmerte Sause harmonisch enden lassen kann. Herausgekommen ist ein Film, den man an unspektakulären Tagen des Lebens zwar gucken kann, den aber auf der anderen Seite auch niemand vermissen würde.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Obsession - Tödliche Spiele [Netflix One-Star-Collection]

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Englischer Episodenhorror mit sexueller Komponente und aus der Hand dreier Regisseure, dass mit doch recht wilden Themen auch sicherlich nicht den Geschmack der breiten Masse trifft. Ein Upper-Class Pärchen, dass Obdachlose vergewaltigt, ein verrückter Wissenschaftler der mutiertes Sperma als Medikament verkauft und eine Sado-Maso-Beziehung mit unglücklichem Verlauf sind wohl auch keine Themen für Teenie-Mainstream-Horror und so ist es auch wenig verwunderlich, dass sich der eher schlecht bewertete Streifen auch eher an ein aufgeschlossenes Publikum richtet. Während die erste Folge wenig überraschend auf eine erwartete Auflösung hinausläuft, fand ich Episode zwei vom Ansatz interessant, aber etwas zu dick aufgetragen und wirr präsentiert, während Episode drei dann fast schon ernüchternd und dramatisch ausgefallen ist und von allen drei am meisten überzeugt. Insgesamt gesehen schon ein überraschend unkonventioneller Ausflug auf die dunkle Seite sexueller Spielarten mit mehr oder weniger Horror-Anteil und unerwartet düsterer Herangehensweise, die dem Low-Budget-Indie-Horror-Streifen auch einen unangenehmen Beigeschmack verleihen und dem Zuschauer drei unterschiedliche Szenarien bieten, die man auch nicht so schnell vergisst.
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