Liquid Sky
Die androgyne Margret ist ein Model im New Yorker Underground und lebt gemeinsam mit der Konzeptkünstlerin, Drogendealerin und Musikerin Adrian in einer schicken und Neon-durchfluteten Dachgeschoßwohnung. Also dort eines Tages auf der Terrasse ein kleines UFO landet, ahnt Margret nicht, dass sich binnen kürzester Zeit ihr Leben auf den Kopf stellen wird und sie unwissentlich auch ihr Umfeld in größte Gefahr bringt. Ihre unterschiedlichen Sexualpartner sterben beim Akt und verschwinden anschließend und das Model gerät ins Visier eines deutschen Wissenschaftlers, der die Theorie aufgestellt hat, dass sich der außerirdische Organismus von Endorphinen ernährt, die bei Sexkonsum auf Heroin freigesetzt werden und die junge Frau in größter Gefahr ahnt...
„Liquid Sky“ ist ja nicht nur eine der zahlreichen Bezeichnungen für Heroin, sondern auch der Titel eines sehr schrägen Underground-Filmchen aus dem Jahr 1982, dass von dem russisch-stämmigen Regisseur Slava Tuskerman, der Designerin Nina V. Kerova und der Kunststudentin Anne Carlisle inszeniert wurde. Dabei ist der Streifen weniger der angekündigte Sci-Fi-Film, als viel mehr ein existenzielles Low-Budget-Underground-Drama über ein Model und ein interessantes Zeitdokument der New-Wave und Punk-Szene, das sich auch einer ungewöhnlichen Bild- und Ton-Ästhetik bedient, die mich irgendwie in der Machart an den deutschen Streifen „Kalt wie Eis“ erinnert hat. Die Geschichte über Aliens, die auf der Suche nach Botenstoffen sind, die von Drogensüchtigen beim Sex ausgeschüttet ist dabei eher nebensächlich und der Streifen konzentriert sich auch eher auf die androgyne Figur der Margret, die zwischen Penthouse-Wohnung und Underground-Club vom eigenen künstlerischen Anspruch, Drogenkonsum ihres Umfelds und Gleichgültigkeit ihrer Zeit zerrieben wird. Alles hochgradig speziell und künstlerisch in Szene gesetzt dürfte „Liquid Sky“ mit minimalistischen Synthie-Score auch eher ein Publikum ansprechen, dass sich an unkonventioneller Konzept-Kunst, theatralischen Darbietungen, Neon-Optik und derartigen Zeitdokumenten aus dem Underground erfreuen kann. Ich zum Beispiel!
Aria
"Un ballo in maschera"/Giuseppe Verdi - Regie: Nicolas Roeg
"La virgine degli angeli"/Giuseppe Verdi - Regie: Charles Sturridge
"Armide"/Jean- Baptiste Lully - Regie: Jean-Luc Godard
"Rigoletto"/Giuseppe Verdi - Regie: Julien Temple
"Die tote Stadt"/Erich Wolfgang Korngold - Regie: Bruce Beresford
"Les Boréades"/Jean-Philippe Rameau - Regie: Robert Altman
"Liebestod"/Richard Wagner - Regie: Franc Roddam
"Nessun Dorma"/Giacomo Puccini - Regie: Ken Russell
"Desuis le jour"/Gustave Charpentier - Regie: Derek Jarman
"Vesti la giubba"/Ruggero Leoncavallo - Regie: Brill Bryden
Britischer Episodenfilm aus dem Jahr 1987 von Produzent Don Boyd, der zehn Regisseure für sein Projekt begeistern konnte, die für ein Budget von jeweils 50.000 Pfund eine Opern-Arie aus dem Back-Catalogue von RCA verfilmen sollten, ohne dabei auf die eigentliche Geschichte zurückzugreifen. Herausgekommen ist jedoch ein etwas zwiespältiges und Dialog-armes Werk, bei dem es große Gewinner gibt, aber auch ein paar Verlierer bzw. Episoden, die ziemlich unspektakulär ausgefallen sind. Der große Abräumer ist natürlich Regie-Exzentriker Ken Russell, der aus „Nessum Dorma“ eine abgründige Augenweide zaubert, dass der Zuschauer nur so mit den Ohren schlackert. Auch Godard ist sehr originell und entführt den Zuschauer in ein Pariser Fitnesscenter und lässt zwei Facility-Managerinnen nackt durch die Geräte und schwitzenden Leiber tanzen. Gänzlich unspektakulär und auch ziemlich mau sind jedoch der Beiträge von Robert Altman, sowie die Verwechslungskomödie-Episode von Julien Temple und auch die Rahmenhandlung mit John Hurt als trauriger Clown löst sicher keine Begeisterungsstürme aus. Franc Roddam präsentiert in seinem herausragenden Beitrag mit Bridget Fonda in ihrer ersten Rolle und verlegt den „Liebestod“ von Tristan und Isolde kurzerhand in die Glitzerwelt von Las Vegas, während Derek Jarman mit der jungen Tilda Swinton einen eher handelsüblichen Musik-Clip mit viel Strandfeeling in Slow-Motion, bastelt. Insgesamt gesehen ein interessantes Episodenfilm-Experiment, dass neben Opern-Arien und einer Handvoll eindrucksvollen und origineller Beiträge, aber auch ein paar ziemliche Rohrkrepierer und zu konventionelle Musicclips zu bieten hat. Mittelprächtig!
Ben & Mickey vs. The Dead [Netflix]
Überraschend gelungener Film mit Zombies, der seinen Fokus aber nicht auf die Untoten legt, sondern auch seine zwei höchst unterschiedlichen Protagonisten legt, die in einer postapokalyptschen und menschenleeren Welt für gegenseitige Überleben eine Art Zweckgemeinschaft gründen müssen. Dabei sind Ben und Mickey höchst unterschiedliche Charaktere und während Ben eher pragmatisch versucht das Beste aus der angespannten Situation zu machen, kommt Mickey mit der Einsamkeit und dem ständigen Leben auf der Flucht weniger gut zurecht. Was dabei ohne näherer Erklärung doch auch etwas dröge beginnt, wandelt sich spätestens dann, wenn man die beiden gar nicht mal so sympathischen Kerle dennoch in sein Herz geschlossen hat. Das Finale des eher dramatischen Films mit guten Indie-Soundtrack ist dann wirklich fesselnd und trotz sehr beschränkten Schauplatzes mehr als funktional. Für einen Low-Budget-Independent-Film ist „Ben and Mickey vs. The Dead“ jedenfalls sehr gelungen und beweist, dass man für einen funktionierenden Zombie-Film mit guten Ideen und interessanten Ansatz auch keine Ausweidungen und gorigen Momente braucht.
Raw Force
Auf einer entlegenen Insel namens „Warrior Island“ leben kannibalistische Mönche, die von einem Verbrechersyndikat mit jungen Mädchen als Nahrung versorgt werden und sich im Gegenzug mit wertvoller Jade für die Gangster revanchieren. Als eine illustre und Martial-Arts erprobte Reisetruppe just einen Trip auf die ominöse Insel plant, versucht das Verbrechersyndikat dieses mit allen Mitteln zu verhindern und schreckt auch nicht davor zurück, das Boot zu versenken. Dennoch schafft es eine Handvoll Überlebender mit einem Schlauchboot auf die besagte Insel, wo es wenig später nicht nur zur Konfrontation mit den Verbrechern und den Mönchen, sondern noch viel unheimlicheren Wesen kommt…
Meine Fresse, was ist denn das? Mönchs-Kannibalen? Kung-Fu-Zombies? Und zwischendrin eine abgeklärte Reisetruppe mit Kung-Fu-Kämpfern und -innen, die sich mit einem Mädchenhändler- und Verbrecher-Syndikat anlegt, deren Obermops wohl auch nur rein zufällig Ähnlichkeiten mit einem gewissen Diktator aufweist. Alles so haarsträubend wie nur möglich ist „Raw Force“ auch keine Trash-Granate, sondern ein Trash-Flächenbrand, der im Nonsens-Finale auch so richtig aufdreht und wohl jeden Zuschauer trotz aller Durchschnittlichkeit fassungslos zurücklässt. Ein paar Kämpfe da, ein paar Titten hier und zwischendrin gibt’s Zombies – langweilig wird es jedenfalls nie, auch wenn man zwischenzeitlich das Gefühl hat, das der Film ein einziger Angriff auf die Zurechnungsfähigkeit des Zuschauers ist. Lange nicht mehr so viel Spaß gehabt, auch wenn man „Jäger des tödlichen Jade“ an einem falschen Tag und ohne richtiger Getränke-Begleitung auch in den falschen Hals bekommen könnte, bleibt ein lustiger und schwer unterhaltsamer, wenn auch etwas harmloser Genre-Cocktail mit viel obskuren Ideen, der Grenzen sprengt, Hirnzellen zerstört und Leben verändert.