Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Night Train to Terror

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"Everybody's got somthin' to do - everybody but you!"

Meine Fresse, ich wusste ja gar nicht mehr, wie schludrig das Teil wirklich zusammengekleistert wurde. Gott und Satan diskutieren im Trockeneis-vernebelten Disco-Rock-Aerobic-Train auf dem Weg nach Las Vegas über die Schöpfung und zwischendurch gibt es drei haarsträubende Zusammenschnitte von Filme, die es leider und aus mir unerfindlichen Gründen nicht als Langfilm geschafft haben. Alles bunt, laut und lustig und irgendwie muss man während der Sichtung entweder an der eigenen Zurechnungsfähigkeit zweifeln oder den Machern neidlos zugestehen, dass diese ein Werk geschaffen haben, das den Zuschauer scheinbar mühelos nur durch seine lückenhafte Handlung geplättet zurücklässt. Da tauchen Figuren auf und verschwinden wieder, Körperteile fliegen durch die Gegen, tansanische Todesfliegen und Abrissbirnen werden für russisches Roulette zweckentfremdet und am Ende hat der Teufel (der ja eigentlich im Zug sitzen sollte) gar noch einen Auftritt als „Stop-Motion“-Monster. Alles ohne Sinn und Verstand und mittels dürftiger Rahmenhandlung und einem Song zusammengehalten, zu dem sich ein paar Komparsen abstrampeln. Auf Blu-Ray natürlich ein absolutes Freudenfest, auch wenn das bereits einen Sitzplatz weiter komplett anders gesehen wurde.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Lessons of the Evil

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demnächst mehr!
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

The Returned

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eine positive Überraschung - demnächst mehr!
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Foxes

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Das junge Paar Ellen und James lebt in einer fast schon entrückt erscheinenden Siedlung an fast durchgehend unbewohnten Eigentumshäusern und während James irgendwo in der Stadt einen Job hat, versucht die Ellen mit wenig Erfolg von zuhause aus als Fotografin zu arbeiten. Ellens zunehmende Isolation von der Gesellschaft bewirkt eine Veränderung und die junge Frau beginnt zunehmend ein manisches Interesse an den Füchsen und deren Verhalten zu entwickeln, die nachts in den Mülltonnen des Hauses nach Essbarem durchwühlen. Eines Nachts ist Ellen verschwunden und bleibt trotz intensiver Suche auch für längere Zeit verschwunden, bis James eines Tages von Geräuschen im Hinterhof geweckt wird...

Schön gemachter Kurzfilm aus irischer Produktion, der vor allem durch seine (vermutlich am Computer getricksten) Locations an scheinbar endlosen und leer stehenden Reihenhäusern überzeugt, der hier als Kulisse für seine Geschichte an Entfremdung innerhalb einer Beziehung und der Suche nach Veränderung dient, die im Fall von Ellen durchaus ungewöhnliche Konsequenzen hat. „Foxes“ ist von dem Label Marctopolis ja als Kurz- und Eröffnungsfilm für Lorenzo Bianchinis „Across the River“ auf die entsprechende Scheibe gepresst und die beiden Filme passen mit ihren isolierten Charakteren und unheilvoller Stimmungen auch ganz hervorragend zueinander. Wer Kurzfilme mag, macht mit „Foxes“ sicher nicht viel falsch und bekommt hier sicher einen der interessanteren Vertreter aus der Kiste präsentiert, der wie mein Haupthaar etwas „fuchselt“ und mir naturgemäß gut gefallen hat.

Across the River

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Der Naturforscher ist mit seinem klapprigen Wohnmobil an der italienischen Grenze zu Slowenien unterwegs um dort mit neuesten, technischen Mitteln den Wildtierbestand zu bestimmen. Er wertet das Material aus Wildtierfallen aus und verpasst einem gefangenen Fuchs einen Peilsender, dessen Kamera wenig später wenig Erfreuliches zeigt. Grauenvoll zugerichtet Tierkadaver in einem verlassen Dorf machen Marco stutzig und der Forscher macht sich auf dem Weg um diese eher ungewöhnlichen Vorfälle genauer zu kontrollieren. In dem Dorf angekommen findet er weitere Kadaver und weitere Hinweise, dass das Dorf überraschend von seinen Bewohnern verlassen wurde. Als auch sein Wohnmobil verschwindet und der Regen nicht mehr aufhört, sieht es so aus, als würde ihn eine Macht gefangen halten wollen und Marco macht sich auf die Suche nach den Ursachen…

Atmosphärischer Low-Budget-Horror aus Italien, dessen Verweis zu „Evil Dead“ auf der Hülle der DVD natürlich totaler Quatsch ist. Vielmehr steht „Across the River“ in der Tradition von „Blair Witch Projekt“ und J-Horror-Werken wie „Dark Water“ und Regisseur Lorenzo Bianchinis unaufgeregt erzählter Streifen überzeugt eher durch eine von Beginn an unheilvolle Stimmung die sich bis zum Finale verstärkt und von den winterlichen und farbarmen Naturbildern und dem verlassen Dorf entsprechend unterstützt wird. Zwar könnte man den Streifen schon auch unterstellen, dass er inhaltlich eher auf Sparflamme fährt, zu kräftig die Farbfilter in Richtung S/W dreht und die Sache mit den Fluch ist jetzt auch nicht gerade voller Innovationen, aber ansonsten holt der Regisseur wirklich das Bestmöglichste aus seiner Darstellern, Budget und Locations heraus. Insgesamt ein ruhiger Horrorstreifen mit stetig steigender Spannungskurve und ganz wenig Gewaltspitzen, der auch durchaus gelungen und empfehlenswert ist und sich selbst durch die stets etwas unpassend erscheinende und deutsche Billig-Synchro nicht ruinieren lässt.

Sex Wish

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Das Leben des Angestellten Ken gerät völlig aus den Fugen als eines Tages seine Verlobte Faye in der Wohnung von einem Psychopathen überfallen, vergewaltig und mit durchschnittener Kehle zurückgelassen wird. Obwohl Ken den Mörder sogar kurz gesehen hat und einen Hinweis darauf hat, dass sich der Killer in einem ominösen Schwulen-Club aufhalten könnte, bleiben die Ermittlungen der Polizei erfolglos. Ken nimmt daraufhin das Schicksal selbst in die Hand und besorgt sich auf dem Schwarzmarkt eine Waffe um sich auf die Fersen des Frauen-hassenden Killers zu heften. Wenig später geschehen weitere Morde im näheren Umfeld von Ken und obwohl Ken keine Ahnung hat, wer der Killer sein könnte, scheint dieser in besonderer Verbindung mit ihm zu stehen…

Der berühmt-berüchtige HC-Roughie mit Harry Reems, der sich nach dem Tod seiner Verlobten selbst auf die Suche nach dem Mörder macht um die grausige Tat entsprechend zu rächen ist natürlich nicht nur aufgrund des Titels klar in der Tradition der „Death Wish“-Serie mit Charles Bronson. Vielleicht hat sich auch Gaspar Noe von Tim McCoy für dessen „Irreversible“ ein bisschen inspirieren lassen und neben der Suche nach dem Killer bietet vor allem das Ende bietet doch eine mittlere Überraschung für unseren Titelhelden und dem Zuschauer. Der Thriller-Anteil ist zwar klar in den Hintergrund gerückt und auch die Quälereien zumeist eher harmloser Natur und dennoch ist „Sex Wish“ auf der anderen Seite nicht nur auf Körperakrobatik reduziert, sondern bietet auch eine kleine Prise Dramatik und jede Menge Szenen auf den Straßen von New York. Alles in allem ein durchaus guckbarer Film und ein nicht ganz so nettes Kuriosum für aufgeschlossene Filmfreunde, der auch die Erkenntnis bringt, dass die Rolle des Helden auch eindeutig besser zu Harry Reems passt, als die des Psychopathen und Vietnam-Heimkehrer, den er in dem wesentlich öderen „Forced Entry“ verkörperte.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Deadlock

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Roland Klicks Ode an die männliche Unentschlossenheit präsentiert dem Zuschauer wieder einmal das altbekannte und dutzendfach durchgenudelte Western-Szenario, dass entweder ein heimtückischer Mord, eine Frau oder eine große Menge an Geld das Schlechteste im Manne hervorbringt und danach in unterschiedlichen Machtverhältnisse um die betroffene Sache gerangelt wird. Im Falle von „Deadlock“ ist es die Beute aus einem Überfall und drei Klischee-lastige Figuren (abgrundtief Böse/ambivalent Gut-Böse/Gut-aber-leider-auch-etwas-doof), die sich einen furchtbar langatmigen und unlogischen Kampf und unterschiedlichen Machtverhältnissen um Beute liefern, die ein schwer verletzter Mann in eine aufgelassene Minenstadt bringt. Außer der stimmungsvollen Landschaft und Mario Adorf konnte ich auch absolut nichts Herausragendes an dem Streifen erkennen, der wieder einmal meine hier doch etwas unpopuläre Vermutung bestärkt, dass man Westernfans anscheinend wirklich alles vorsetzen kann und diese immer noch hellauf begeistert sind. Männer sind hier halt auch richtige Männer und laufen bereitwillig aus Habgier oder falsch verstandenen Ehrverständnis bereitwillig ins Verderben, Frauen entweder Schlampen oder noch besser stumm, damit sie gleich die Klappe halten und am Ende sind ohnehin alle Verlierer, weil die Welt ja eine Schlechte ist. Ein Hoch auf diese originelle Erkenntnis...

Maniac Cop 3: Badge of Silence

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Während die ganze Welt den „Maniac Cop“ für tot hält, wird dieser von einem ominösen Priester wieder ins Leben zurückgeholt und macht neuerlich die Stassen von New York unsicher. In der jungen Polizisten Kate findet der durchgeknallte Polizist aber ebenfalls eine würdige Vertretung, die sich für ihre Sache auch über bestehende Gesetze hinwegsetzt und auch nicht lange fackelt, wenn es um den Gebrauch ihrer Schusswaffe geht. Als diese bei einem Schusswechsel bei einer Geiselübernahme verletzt wird und ins Wachkoma fällt ist durch ein kompromittierendes Video nicht nur ihre Reputation gefährdet, auch die Polizei hat erhöhten Erklärungsbedarf und sowohl ihr väterlicher Freund McKinney und der „Maniac Cop“ machen sich auf den Weg um die Unschuld von Kate zu beweisen…

Teil 3 der „Maniac Cop“, bei dessen Entstehung wohl alles in die Hose ging und sich alle Beteiligten hinter den Kulissen heillos zerstritten. Lustig lieferte am Ende nur 50 Minuten Film ab und Soisson wurde von den Produzenten beauftragt, die restlichen vierzig Minuten zu drehen und auf die Lauflänge von 90 Minuten zu kommen. Herausgekommen ist dann auch ein ziemliches Flickwerk, dass teils in New York, teils in Los Angeles gedreht wurde und auch inhaltlich nicht großartig viel Sinn ergibt. Statt wie üblich die Straßen unsicher zu machen, sucht sich der „Maniac Cop“ hier kurzerhand eine Braut, macht ein Krankenhaus unsicher und liefert sich am Ende eine beispiellose Verfolgungsjagd, die in den eher dämlichen Streifen auch sicherlich den Höhepunkt darstellt. Der Bodycount ist zwar auch in Ordnung, aber mit den beiden Vorgängern kann der dritte Aufguss meines Erachtens nicht ansatzweise mithalten und das im Vergleich zu den Produktionsbedingungen sehr versöhnlich gehaltene „Making-Of“ auf der US-Blu fand ich dann auch spannender, als den eigentlichen Hauptfilm. Kurzweiliger Nonsens, der feurigen Sorte, aber schon kein sehr würdiges Finale für die ansonsten durchaus stimmige Reihe.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Wrong Turn 5 - Bloodlines

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Hier gibt’s auch gar nichts mehr schönzureden. „Wrong Turn 5“ ist ganz große Grütze und lediglich eine blutige Splatter-Nummernrevue, die durch eine dumm-dümmliche Handlung miteinander verbunden ist, die von Regisseur Declan O‘Brien noch dazu absolut lieb- und lustlos, billig und dürftig in Szene gesetzt wurde. Der Handlungsort in der Kleinstadt ist so offensichtlich eine billige Kulisse, die Story eine Abfolge unlogischer Momente und bei den Handlungen der Protagonisten kann man als Zuschauer kann man endgültig nur noch fassungslos den Kopf schütteln. Hier geht es auch gar nicht mehr um einen halbwegs gleichwertigen Kampf zwischen Gut und Böse in einer abgelegenen Gegend, sondern um die Realisierung fragwürdiger FX-Ideen, bei denen der „guten“ Seite in bester „Saw“-Sequel-Manier auch erst gar keine Chance mehr eingeräumt wird. Wie Sergio schon schrieb taugt das Teil daher weder als Backwood-Slasher, noch macht er sonst irgendwie Spaß und wenn er meint, dass man die Reihe einstellen sollte, kann ich ihm an dieser Stelle auch nur voll und ganz recht beipflichten.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Der lange Tod des Stuntman Cameron

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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Phenomena

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Mit "Phenomena" stehe ich ja schon seit der Erstsichtung auf Kriegsfuß und irgendwie ist der Streifen mit ein paar Jahren Abstand und auf Blu-Ray nun noch schlechter gealtert und auch inhaltlich überzeugt mich der Streifen nicht sonderlich. Hier hat sich ja Argento irgendwie nur sich selbst kopiert und Versatzstücke und Trademarks seiner früheren Werke in einem neuen Kontext zusammengestellt, der jedoch nicht so recht funktionieren mag. "Phenomena" ist mit knapp zwei Stunden auch viel zu lange ausgefallen und verzettelt sich andauernd in seinen zu zahlreichen Figuren, verklärten Szenen, übernatürlichen Elementen und Nebenhandlungssträngen, die für die Handlung nur beschränkt wichtig sind und das Ende und so vieles zuvor wirkt so derart bei den Haaren herbeigezogen, dass ich mich frage, wer Herrn Argento seine Sache hier ohne Fanbrille überhaupt abkaufen soll. Ganz schlimm wird es aber, wenn in spannenden Szenen auf einmal Heavy Metal-Musik erklingt, die in den Szenen unpassender nicht sein könnten und wohl als eine Art Zugeständnis an den damalig als durchschnittlich empfundenen Horrorfan eingesetzt wurden. Nix gegen Metal, aber hier passt er gar nicht. Insgesamt trotz bekannter Namen nur Horror-Mittelmaß und statt der Originalität, Kreativität und dem Perfektionismus seiner früheren bis mittleren Werke eher ein Ausruhen auf seinen bisherigen Erfolgen und ein zu kommerzielles Zugeständnis an seine Fans.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

The Driller Killer (Abel Ferrara #1)

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Rabiates Underground Kino, in dem neben der Figur des von allen Seiten angepissten Malers in der künstlerischen Krise vor allem das New York am Ende der Siebziger zu einer Zeit eine große Rolle spielt, in dem der Schmelztiegel schon gehörig am Überkochen war. Abel Ferraras düsteres Regie-Debüt zeigt ein allgemeines Szenario aus Drogen, Alkohol, Abgebranntheit und „Mirdochegal“-Attitüde und einem Künstler, der langsam den Verstand verliert und sich ein Ventil gegen das vermeintliche Unrecht und kaputten Lage der Welt verschafft, in dem er Leute ermordet, die in der Gesellschaft noch weniger angesehen sind. Und so zieht der innerlich und äußerlich ausgebrannte Maler eines Nachts mit Akku-Gürtel, Bohrmaschine und einer gehörigen Wut im Bauch los um Löcher in Obdachlose zu bohren. Alles natürlich höchst unbequem und düster ist „The Driller Killer“ aber dabei vor auch ein interessantes Zeitdokument mit viel Musik und interessanten - von realen Figuren inspirierten und verkörperten Amateur-Darstellern, die dem Streifen auch einen ganz rohen, authentischen und deswegen glaubhaften Charme verpassen. Ein kompromissloser Film zwischen Statement, Horror, Drama, Doku, Art- und Grindhouse mit viel Zeit- und Lokalkolorit, bei dem man aber nicht den Fehler begehen sollte, ihn nur auf seine wenigen Gore-Elemente zu reduzieren. Der böse, kleine Bruder von „Taxi Driver“ nur besser, ein dreckiger Streifen genau nach meinem Geschmack und somit auch der ideale Einstieg in meine diesjährige Abel Ferrara-Retrospektive.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Ms. 45 (Abel Ferrara #2)

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Wie auch in dem zuvor entstandenen "Driller Killer" präsentiert Abel Ferrara mit der stummen Thana in "Die Frau mit der 45er Magnum" eine Figur, die in einem ver- und heruntergekommenen New York zweimal unglückliches Opfer männlicher Gewalt wird und beschließt zurückzuschlagen. Mit der Waffe eines in ihrer Wohnung überwältigten Räubers zieht sie nächtlich durch die Stadt und säubert die Straßen der Millionenmetropole vom männlichen Gesocks. Obwohl der Film dabei einen sehr radikalen Ansatz hat, nutzt Ferrara aber weder „Rape“ noch „Revenge“ für die selbstzweckhafte Zurschaustellung von Gewalt, sondern präsentiert das Psychogramm bzw. den Befreiungsschlag einer gequälten Seele. Dass dieses dabei ohne Dialoge auskommen muss und Make-Up und Ledergarderobe als Versinnbildlichung des neu erlangten Selbstbewusstsein und feministischer Zielstrebigkeit herhalten muss ist wohl wieder einmal der männlichen Fantasie und Vorstellung weiblicher Gedankenwelten entsprungen, aber so lockt man die unbedarften Männchen wohl auch am besten in die Falle. Ferraras Werk ist aber auch so sehr gelungen und präsentiert neben seiner ambivalenten Titelfigur und einem finalen Amoklauf auf einer Kostümparty auch ein heruntergekommenes New York und einen Low-Budget-Film, der seinen Status als Kultfilm auch zu recht trägt.
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