Raw - Julia Ducournau (2016)
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Re: Raw - Julia Ducournau (2016)
Raw
(Grave)
(Frankreich 2016)
Regie: Julia Ducournau
Mit: Garance Marillier, Ella Rumpf.
Ungewöhnlicher Coming-of-Age-Horrorfilm.
Ich hatte die Blu-ray vor längerer Zeit geschenkt bekommen, mich aber doch noch nicht `getraut´den Film anzuschauen.
Ich kann nicht unbedingt sagen, dass das Thema bei mir ganz oben auf der Agenda stand, aber jetzt war die Sichtung doch mal an der Reihe.
Ein Film über das Sprengen von Konventionen und Tabus, wobei die gezeigten Konventionen (studentische Aufnahmeriten) auch nicht besonders empfehlenswert sind. Vergleiche zu WILD von Nicolette Krebitz kommen einem da in den Sinn, aber auch zu BLU MY MIND, der übrigens sehr empfehlenswert ist.
https://www.ofdb.de/film/303215,Blue-My-Mind
Herausragend sind natürlich auch die beiden Hauptdarstellerinnen in RAW.
(Grave)
(Frankreich 2016)
Regie: Julia Ducournau
Mit: Garance Marillier, Ella Rumpf.
Ungewöhnlicher Coming-of-Age-Horrorfilm.
Ich hatte die Blu-ray vor längerer Zeit geschenkt bekommen, mich aber doch noch nicht `getraut´den Film anzuschauen.
Ich kann nicht unbedingt sagen, dass das Thema bei mir ganz oben auf der Agenda stand, aber jetzt war die Sichtung doch mal an der Reihe.
Ein Film über das Sprengen von Konventionen und Tabus, wobei die gezeigten Konventionen (studentische Aufnahmeriten) auch nicht besonders empfehlenswert sind. Vergleiche zu WILD von Nicolette Krebitz kommen einem da in den Sinn, aber auch zu BLU MY MIND, der übrigens sehr empfehlenswert ist.
https://www.ofdb.de/film/303215,Blue-My-Mind
Herausragend sind natürlich auch die beiden Hauptdarstellerinnen in RAW.
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"Das ist nicht möglich!"
"Aber notwendig!"
(Interstellar)
"J&B straight and a Corona!"
(Patrick Bateman, American Psycho)
https://www.latenight-der-fussball-talk.de
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Re: Raw - Julia Ducournau (2016)

Raw
„Wollen Sie auch Fleisch?“
Im Jahre 2016 machte ein Spielfilm von sich reden, weil bei dessen Aufführung auf dem Toronto International Film Festival Teile des Publikums mit Übelkeit und sogar Ohnmachtsanfällen aufs Gezeigte reagierten. Dabei handelte es sich um keinen Marketing-Stunt, die sensationsheischende Berichterstattung aber rückte den Film in ein falsches Licht. Die Rede ist von „Raw“, nach einem Kurzfilm das Debüt der französischen Filmemacherin Julia Ducournau („Titane“), die ihr eigenes Drehbuch inszenierte: eine Coming-of-age-Geschichte, die sich grafisch expliziter Versatzstücke des Kannibalenhorrors bedient.
„Alle machen das hier!“
Die 16-jährige Justine (Garance Marillier, „Ad Vitam – In alle Ewigkeit“) möchte Tierärztin werden, weshalb sie sich an der Saint-Exupéry-Veterinärschule einschreibt, die auch ihre ältere, aus der Art geschlagene Schwester Alexia (Ella Rumpf, „Tiger Girl“) besucht. Dort muss sie befremdliche Initiationsrituale über sich ergehen lassen und Mutproben absolvieren. Als die mit konsequent vegetarischer Ernährung aufgewachsene Justine genötigt wird, eine rohe Hasenniere zu verspeisen, kostet sie dies viel Überwindung. Ihr Körper reagiert zunächst mit Erbrechen und fiesem Ausschlag, kurz darauf jedoch mit unbändiger Fleischeslust – im Wortsinne. Dabei ist es ihr gleich, ob es von einem Tier stammt oder von einem Menschen, wie beispielsweise ihrer eigenen Schwester…
„Du schmeckst nach Curry.“
Hier sind es also keine exotischen Eingeborenen auf verwunschenen Inseln und auch keine psychopathischen Serienmörder oder gar fiktionale, übernatürliche Wesen, die Menschenfleisch verzehren, sondern ist es ein zarter, unschuldig, schüchtern und schutzbedürftig anmutender Backfisch. Ducournau eröffnet ihren Film mit einem Autounfall, gefolgt von bizarren Ritualen für die „Erstis“ und enthemmten Partys. Justine frisst plötzlich wie ein Scheunendrescher, sogar ihre Haare, die sie wieder erbricht. Neben Ekel- und schockierenden Mampfszenen – Justine verspeist den Finger ihrer Schwester, den sie sich versehentlich absäbelt – hält Ducournau auch in anderen Momenten drauf, wo andere abblenden oder ganz aussparen würden: Die Geschwister beim Stehpinkeln, bei der Intimrasur usw.
Kriminell wird’s, als der Nachschub gesichert werden muss und Alexia einen Auffahrunfall provoziert, um an Menschenfleisch zu gelangen. Dennoch ist „Raw“ überwiegend ruhig und atmosphärisch inszeniert, mehr Jugenddrama denn Horrorfilm. Justines Heißhunger dient als Metapher auf ihren Abnabelungsprozess vom Elternhaus und auf ihr sexuelles Erwachen, kann jedoch ebenso gut als Allegorie auf Drogenkonsum und -sucht verstanden werden – was für die Parallelen zwischen Sex und Drogen spricht. Weitere interessante Aspekte der Handlung sind ein Mitbewohner, der sich als dann doch gar nicht mehr so schwul entpuppt, geschwisterlicher Zwist, wenn Alexia die betrunkene Justine vorführt und sich beide ineinander verbeißen, und die Reaktionen eines gerade 16-jährigen Mädchens auf die massive Konfrontation mit Herrschaftsstrukturen und Druck.
Der Film ist, insbesondere von der debütierenden Marillier, hervorragend geschauspielert und beeindruckt als ebenso radikales und provokatives wie feinfühliges und poetisches Debütwerk einer Regisseurin, die offenbar antrat, ein paar Dinge anders zu machen, statt sich dem Mainstream anzudienen. Auch für etwas makabren Humor findet sich Raum, nur für ein all das mit einer passenden Pointe versehendes Ende reichte es leider nicht. Was Ducournau einem am Schluss auftischt, fühlt sich unpassend, fast doof an und wird dem Vorausgegangenen nicht gerecht.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Diese Filme sind züchisch krank!