
Die beiden unzertrennlichen Freundinnen Marie und Marie2 beschließen eines Tages keine braven Mädchen mehr zu sein, sondern sich der aktuellen Lage der Welt anzugleichen um fortan so verdorben wie nur möglich zu sein. Sie treffen sich mit älteren Männern um diese auszunehmen, stören eine Tanzaufführung in dem sie die ganze Aufmerksamkeit des Publikums auf sich ziehen, trinken und schlemmen etwas zu ausgiebig um danach wieder über den Lauf der Dinge zu philosophieren und neuen Schabernack zu planen. Als sich die beiden auch nicht wirklich wahrgenommen fühlen und entdecken, wie beschränkt ihre Möglichkeiten im Grunde doch sind, versuchen die Beiden ihren Plan noch radikaler zu betreiben und steuern so einem tragischen Höhepunkt entgegen.
Liest man die Inhaltsangabe von Vera Chytilovás „Tausendschönchen“ so klingt das erst einmal nicht nur spannend, sondern durchaus auch etwas düster. Zwei Mädchen, die gegen das System rebellieren und der Gutbürgerlichkeit den Stinkefinger zeigen ist auch reichlich provokant und es ist wenig verwunderlich, dass dieser Pop-Art-Streifen nicht nur für lange Gesichter gesorgt hat, sondern vorsichtshalber auch gleich einmal verboten wurde. Doch „Tausendschönchen“ ist alles andere als ein trauriges oder gar niederschmetterndes Drama, sondern so ziemlich das genaue Gegenteil davon. Ein zum Teil recht albernes Werk voller Lebensfreude, in dem Humor und infantiles Verhalten seiner Protagonisten auf subversiven Kritik und beißenden Humor trifft und nebenher auch mittels Form, Farbe und Inhalt so ziemlich alles über den Haufen geworfen wird, was man sich als Zuschauer so erwarten würde.
Chytilovás Werk ist inhaltlich zwar sicherlich nicht gänzlich gelungen und hat neben etwas nervigen Protagonisten auch durchaus seine langweiligen Momente, ist dann aber gleichzeitig wieder so grandios in Szene gesetzt und voller Anspielungen gespickt, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr rauskommt. Experimentalfilm trifft auf Fotokunst trifft auf Drogentrip trifft auf Gesellschaftskritik trifft auf Feminismus trifft auf noch so vieles mehr, dass eine Aufzählung hier den Rahmen sprengen würde. Allen aufgeschlossenen Filmfreunden sei "Tausendschönchen", dem wohl buntesten Film der "Czech New Wave" dann auch schwerstens empfohlen. Ein Bilderrausch, der einen unvorbereitet überfährt und dann ratlos und dennoch mit einem Lächeln zurücklässt.










