Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Swingers

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01.jpg (14.41 KiB) 27 mal betrachtet
Der eher erfolglose Komiker Mike hat sich vor sechs Monaten von seiner Freundin getrennt und kommt trotz seiner Übersiedelung von New York nach Los Angeles irgendwie nicht darüber hinweg. Sein Freund Trent versucht ihn auf andere Gedanken zu bringen und fährt mit ihm nach Las Vegas um Frauen abzuschleppen, doch Mike ist gedanklich immer bei seinem Anrufbeantworter und wartet sehnsüchtig auf eine Nachricht seiner Ex. Zwischen Casting, Absage und der Suche nach dem Sinn des Lebens bleibt aber für den Komiker und seine Freunde immer genug Zeit für angesagte Partys und Clubs und eines Tages trifft er auch auf eine junge Frau, die ihn seine Vergangenheit vergessen lässt.

Nach dem spaßigen Episodenfilm „Go“, der mir ausnehmend gut gefallen hat, war ich umso mehr auf den Vorgänger „Swingers“ gespannt, der ja allgemein sehr gut anzukommen scheint und Doug Liman ins Licht der Indie-Filmszene katapultierte. „Swingers“ entpuppt sich aber leider als typischer Neunziger-Laber-Film mit männlichen Protagonisten, der heutzutage leider so gar nicht mehr cool oder gar zeitgemäß erscheint. Die männlichen Figuren sind eigentlich allesamt Loser und Blender und ihr Selbstwertgefühl wird hier vor allem durch die Abwertung weiblicher Figuren und dem männlichen Mitbewerb erreicht. Dazwischen wird Party gemacht und die Protagonisten leben unbeschwert in den Tag, wie es in den Neunzigern so in Erinnerung hat. Dass in Los Angeles der Neunziger von jungen Leuten aber Swing- und Jazz-Lokale besucht wurden, während sich in Europa längst eine lebendige Rave- und Techno-Kultur entwickelt hat, wirkt etwas seltsam und auch das Menschenbild und der Humor wirkt antiquiert und nicht gerade am Puls der Zeit. Eher wie ein etwas selbstverliebtes Portrait über toxische Männlichkeit und einer Stadt, die in den Neunzigern auch schon etwas den Status als Sehnsuchtsort eingebüßt hatte. „Swingers“ ist weder sonderlich lustig, noch spannend, bietet inhaltlich wenig Mehrwert und scheitert irgendwie auch in Punkto Zeit- und Lokalkolorit. Eigentlich handelt der Streifen von uninteressanten Figuren, die man nicht kennen möchte, Selbstüberschätzung, Jazz, nervigen Dialogen und darf auch gerne „kapital“ in seiner Entstehungszeit belassen werden.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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