Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Black Out - Anatomie einer Leidenschaft / The Dark Inside / Bad Timing

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01.jpg (18.95 KiB) 397 mal betrachtet
Die junge Milena wird mit einer Überdosis in ein Wiener Krankenhaus eingeliefert, nachdem der Psychologie-Professor Alex die Rettungskräfte informiert hat. Dort wird dieser von Inspektor Netusil zu dem Selbstmordversuch der jungen Frau befragt und stellt sich zuerst nur als Bekannter der Patientin hin. Während um das Leben von Milena gekämpft wird, verfängt sich Alex jedoch in Widersprüchlichkeiten und weitere Befragungen offenbaren das Bild einer leidenschaftlichen, wie toxischen Beziehung der Beiden, in der Lebenslust, Offenherzigkeit, sowie zunehmend besitzergreifendes Verlangen, Sex, Drogen und Alkohol geradewegs auf ein tragisches Ende zusteuerten.

„Black Out“ erzählt die abgründige, wie leidenschaftliche Geschichte zweier unterschiedlicher Menschen, die von Nicolas Roeg jedoch auf recht ungewöhnliche Weise erzählt wird. Wien als multikultureller Handlungsort für den amerikanischen Professor und die tschechische Studentin präsentiert sich als kunstvoll-musealer, wie kalter Ort und bietet den Schauplatz für eine Achterbahnfahrt der Gefühle, in der am Ende, wie auch zu Beginn des Filmes ein Selbstmordversuch steht. Dabei ist der Streifen einerseits Beziehungsstudie im Arthouse-Stil andererseits auch Krimi-artig, wobei die Beziehung der Beiden in einem Puzzle-artigen Schnittmassaker präsentiert wird. Die Handlung springt wild hin und her und ist auch eher Bruchstück-haft, sodass man als Zuschauer eigentlich nie so recht weiß, wo die Figuren herkommen, was ihre Beweggründe sind und warum gewisse Dinge passieren und vom jeweils anderen akzeptiert werden. Liebe und Leidenschaft sind auch nicht mit rationalen Maßstäben messbar und das zeigt „Black Out“ auch recht eindringlich, selbst wenn der Film doch auch etwas anstrengend zu schauen ist und in seinem Verlauf nicht viele Fragen beantwortet, sondern noch mehr solcher aufwirft. Trotz sperriger Figuren, die man eigentlich nicht mögen kann, der verworrenen Erzählweise, den wenigen Antworten ein überraschend stimmiger Film über toxische Menschenbilder und dysfunktionale Beziehungen, dessen Gesamtbild jedoch der aufmerksame Zuschauer fast im Alleingang zusammensetzen muss.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Suicide Kings

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01.jpg (9.86 KiB) 382 mal betrachtet
Bei einer abendlichen Lokalrunde trifft die Unterweltgröße Carlo scheinbar zufällig auf eine Gruppe von Männern aus gutem Hause, mit denen er ins Gespräch kommt. Man ist sich sympathisch und beschließt gemeinsam um die Häuser zu ziehen. Wenig später sitzt Carlo gefesselt und mit abgeschnittenem Finger in einer abgelegenen Villa und die jungen Männer offenbaren ihre wahren Absichten. Die Freundin eines der Männer ist ebenfalls entführt worden und es werden zwei Millionen Dollar Lösegeld gefordert, die die jungen Männer nicht auftreiben können. Mit Carlo als Opfer und seinen Kontakten in die Unterwelt soll nun eine Gegenerpressung stattfinden und das Geld aufgetrieben werden. Carlo ist jedoch nicht das einfache Opfer und obwohl er anfänglich das Spiel mitzuspielen scheint, beginnt er schon wenig später die Männer zu manipulieren und auch sonstige Ereignisse sorgen dafür, dass sich die Entführung nicht so wirklich nach Plan entwickelt...

„Suicide Kings“ ist auch einer dieser Filme, die es ohne „Pulp Fiction“ wohl nicht gegeben hätte und hier treffen eine Unterwelt-Größé auf Yuppies und Gangster-Pathos auf Humor und Gewalt, ohne dabei die Coolness aus den Augen zu verlieren. Die Geschichte ist zwar arg konstruiert und manche Figuren wirken angesichts der doch recht drastischen Ereignisse arg unbedarft, aber das kammerspiel-artige Drama in der abgelegenen Villa mit Christopher Walken und aufstrebenden Jung-Darsteller funktioniert auch recht gut und wird mit allerlei Wendungen am Laufen gehalten. Nach einem eher turbulenten Start wird ja das Tempo wieder rausgenommen und man konzentriert sich auf die Figuren, wobei sich recht schnell herauskristallisiert, dass einer der Beteiligten wohl mehr weiß, als er zugibt. Dazu kommt noch ein zweiter Handlungsstrang mit einem anderen Kriminellen, der ziemlich unberechenbar agiert und nicht lange fackelt. Herausgekommen ist ein überraschend kurzweiliger Streifen mit gut aufgelegten Cast und einem Christopher Walken, der ebenfalls Spaß an seiner Rolle gehabt hat. „Suicide Kings“ mag zwar gegen Ende ein oder zwei Wendungen zuviel haben, aber insgesamt betrachtet ist er schon schwer unterhaltsam.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Doppelmord

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01.jpg (51.82 KiB) 367 mal betrachtet
Libby liebt ihren Sohn, das Segeln und ihr Leben an der Seite eines erfolgreichen Mannes. Nach einem romantischen Segeltörn ist dieser spurlos verschwunden und Libby wird zur Tatverdächtigen, die zwar unschuldig ist, aber aufgrund zahlreicher Indizien zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wird. Um ihren Sohn zu schützen, adoptiert ihre beste Freundin den Sohn, doch auch hier bricht der Kontakt rasch ab und in Libby keimt der Verdacht, dass sie Opfer einer Intrige geworden ist und ihr Mann noch lebt. Nach sechs Jahren im Knast wird Libby auf Bewährung entlassen und landet in der Obhut des Bewährungshelfers Travis, doch der Drang ihren Sohn zu sehen, verleitet Libby bald entgegen jeglicher Vernunft zur Flucht, während sich Travis auf ihre Fersen heftet…

„Doppelmord“ ist ein reichlich konstruierter Hochglanz-Thriller für die breite Masse, der zu allem Übel auch noch auf einem juristischen Gedankenexperiment bzw. einer Fehlinterpretation basiert. Natürlich ist eine abgesessene Strafe für einen vermeintlichen Mord kein Freibrief, diesen dann tatsächlich auszuführen und somit bewegt sich auch das Grundgerüst der Handlung und Motivation der Protagonistin stets auf sehr dünnen Eis. Außerdem scheint es für Ex-Sträfling Libby im Verlauf der Handlung auch nie ein Problem zu sein, an personenbezogene Daten und Wohnorte zu kommen, die ihre Schnitzeljagd durch die Bundesstaaten am Laufen hält. Auch die Tatsache, dass sich ein Bewährungshelfer hinter ihr hermacht und sich auf ihre Seite schlägt, während Libby munter weitere Straftaten ohne Konsequenzen begeht, ohne dass ihr irgendwas passiert, wirkt ebenfalls mehr als haarsträubend. Irgendwie wirkt „Doppelmord“ in jeder Sekunde arg konstruiert, bemüht und auch bei den Figuren so künstlich, dass so etwas wie Spannung gar nicht erst aufkommt, sondern man sich eher fragen muss, wer den Machern diesen Mumpitz eigentlich abkaufen soll. Leider Mist!
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Die Frau im Nebel

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01.jpg (31.66 KiB) 358 mal betrachtet
Polizist Hae-Joon ist ein korrekter, eigentlich übergenauer Mensch mit einer guten Spürnase für Verbrechen und seine Aufklärung. Eines Tages stürzt ein Hobbysportler von einem Felsen und Jang trifft auf Seo-Rae, seine chinesische Witwe, die über den Tod ihres wesentlich älteren Mannes nicht sonderlich bestürzt zu sein scheint. Diese gerät auch rasch in den Fokus der Ermittlungen und Hae-Joon, der während er die Frau beschattet auch immer mehr Verlangen nach ihr entwickelt. Doch Seo-Rae scheint dieses Spiel ebenfalls zu gefallen und die beiden verstricken sich immer mehr in einem Netz aus gegenseitigem Verlangen, Mord und weiteren Rätseln, die schon bald weitere Kreise ziehen, als neuerlich ein Mord geschieht…

Park Chan-wook galt ja lange Zeit eher als Mann fürs Grobe, wobei seine Filme wie die Trache-Trilogie inklusive „Oldboy“ oder auch Werke wie „Durst“ und „Snowpiercer“ seinen Anteil hatten. Dazwischen gab es aber auch ruhigere Filme und auch „Die Frau im Nebel“ wirkt wesentlich subtiler und ruhiger als die Filme, die ich sonst von ihm kenne. Hier geht es zwar anfänglich auch um einen Mordfall, der sich jedoch relativ rasch in eine Art Katz-und-Mausspiel zwischen den ermittelnden Beamten und der mysteriösen Frau entwickelt, in dem nicht nur Sprachbarrieren, sondern auch viele andere Dinge mitgenommen werden. Die Figuren sind vielschichtig und das Verlangen spürbar, während auf plakative Elemente oder drastische Bilder nahezu gänzlich verzichtet wird. Viel mehr sind es hier die Dinge zwischen den Zeilen oder auch das Unausgesprochene, dass hier mehr wiegt, als die Bilder, die man zu sehen bekommt. Die sind übrigen wunderschön, meisterlich montiert und ergänzen perfekt die vertrackte Erzählweise, die mir ebenso ausnehmend gut gefallen hat. Die 138 Minuten vergehen fast wie im Flug, während man immer mehr hineingezogen wird in einen hypnotischen Sog aus Pflichtbewusstsein, sexuellen Begehren und auch dem Wunsch aus seinem alltäglichen Leben ausbrechen zu können und die Vernunft und Erwartungen anderer hinter sich zu lassen. Aber auch das sind wieder nur Dinge, die vielleicht nur ich so wahrgenommen habe, in einem vielschichtigen, verwirrenden, spannenden und vor allem sehr guten Streifen, den man nur jeden ans Herz legen kann. Tipp!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Anatomie eines Falls

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Nach einem Streit und einem Tag angespannter Stimmung liegt der Autor Vincent tot vor seinem abgelegenen Haus in den französischen Alpen. Gefunden von seinem sehbehinderten Daniel Sohn und seiner ungleich erfolgreicheren Autoren-Gattin Sandra gibt es bald Unstimmigkeiten bei den Beweisen und statt eines unglücklich verlaufenen Arbeitsunfalls steht bald vorsätzlicher Mord im Raum. In einem aufsehenerregenden Indizienprozess wird durch einen forschen Staatsanwalt die komplizierte Beziehung der Beiden durch Momentaufnahmen und Einblicke von außen aufgedröselt und Sandra gerät immer mehr in die Defensive, während auch Daniel Dinge erfährt, die das Bild seiner Eltern in ein anderes Licht rücken.

„Anatomie eines Falls“ ist eine Mischung aus Beziehungsdrama und Gerichtsaal-Krimi, in dem es vor allem darum geht, wie sehr sich Wahrnehmungen und partnerschaftliche Ziele in einer Beziehung unterscheiden können, und wie sich diese auch für andere darstellt. In Social-Media-Zeiten, in denen Beziehungen nach außen gerne nahezu perfekt gezeigt werden, geht Justine Triet einen anderen Weg und zeigt wie eine Beziehung kaputt gehen kann und eine Frau, die sich Freiräume nimmt, die ihr andere nicht zugestehen wollen. Dann gibt es einen Unfall, Selbstmord oder Mord und die Frau gerät in die Defensive und die eher toxische Beziehung der Beiden steht auf einmal im Scheinwerferlicht und auf dem medialen Prüfstand. Dabei gibt es im Falle von Triet kein schwarz-weiß, kein eindeutig gut oder böses, sondern eine Beziehung, die in die Brüche geht, weil man sich ab einem Punkt von einem gemeinsamen Ziel entfernt und eigene Bedürfnisse über die des anderen stellt, weil sich auch Geschlechterrollen, äußere Umstände und die Zeiten ändern. Die Figuren sind facettenreich gezeichnet und mit jeder spannenden Minute des mit 150 Minuten auch recht langen Filmes kommen neue Fragen dazu, die zeigen, wie komplex doch die ganze Materie ist und wie so oft im Leben, der Wunsch nach einer einfachen Antwort oder Lösung nicht möglich ist. Sehr gut gespielt, sehr spannend erzählt - etwas zu lange, aber dennoch sehenswertes Arthouse-Drama, welches natürlich perfekt auf die Hauptdarstellerin zugeschnitten ist. Mein Lieblingsfilm mit Sandra Hüller bleibt aber dennoch „Intrépidos Punks“
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Die letzte Verführung

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Überzogen wirkender Neo-Noir-Streifen mit Figuren frisch aus der Klischeekiste und Entwicklungen, die an der Mündigkeit der Macher zweifeln lassen. Eine resolute, völlig skrupellose und unfreundliche Ego-Bitch aus New York kommt mit einem Koffer voll gestohlenem Geld und einen durchtriebenen Plan in die ein Kaff, bezirzt einen jungen Mann mit großem Schwanz, der daraufhin als Testosteron-gesteuerter Gockel bereitwillig in sein Verderben läuft. Soweit so gut bietet „Die letzte Verführung“ eigentlich nur völlig seltsam erscheinende Menschen, die dann auch vorwiegend sehr unvernünftige Dinge tun, die dann in weiterer Folge auf ein dramatisches Finale hinauslaufen, dass weit besser funktionieren könnte, würden die eindreiviertel Stunden davor nicht eher in Richtung Kleinstadt-Befindlichkeits-Komödie tendieren. John Dahl schafft es nicht seine unterschiedlichen Richtungen harmonisch zu kombinieren und herausgekommen ist ein Film, der eher irritiert, als begeistert, wenn hier die weibliche Hauptdarstellerin ihr völlig manipulatives Programm durchzieht und alle herum stets so bereitwillig mitmachen, ohne auch nur ansatzweise irgendwas zu hinterfragen. Die längere Fassung bietet zwanzig Minuten mehr Material, dass man getrost in die Tonne kippen kann und den Film imho eher noch schlechter erscheinen lassen, als er meines Erachtens ohnehin schon ist und auch sonst ist „Die letzte Verführung“ eher kein Noir-Geheimtipp, sondern ein Paradebeispiel einer völlig falschen Vorstellung von Feminismus aus männlicher Sicht und eine Kleinstadt-Groteske, die man mit seinem völlig unreflektierten Menschenbild und seinem haarsträubend-konstruierten Verlauf getrost in den Neunzigern hätte belassen können.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Fatale Begierde

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Eines Nachts bricht ein Mann in das Haus von Investor Michael und der Lehrerin Karen ein und bedroht vor seiner Flucht durch den Garten die Ehefrau mit einem Messer. Die herbeigerufenen Polizisten sind rasch zur Stelle, empfehlen als zusätzlichen Schutz eine Alarmanlage und vor allem Officer Pete wirkt freundlich um bemüht, wenn es um die Sicherheit der Eheleute geht. Ein paar Tage später nimmt Pete eines Abends Michael sogar mit auf Streife und offenbart dort aber seine eher dunkle Seite. Pete wird zunehmend aufdringlich und drängt sich in das Leben der Beiden und taucht an Orten auf, wo er nichts verloren hat. Karen wird zum Objekt seiner Begierde und um Michael als Nebenbuhler aus dem Weg zu räumen greift der Polizist auch zu drastischen Mitteln, während Michael nur hilflos mitansehen kann, wie durch die fehlgeleiteten Mühlen des Gesetzes sein Leben auf den Kopf und seine Existenz zerstört wird.

Durchaus spannend gemachter Thriller über eine „Bad Cop“ der sich in das Leben eines Paares mischt und eine ungesunde Obsession für die Ehefrau von Michael entwickelt, der daraufhin die Härte des Gesetzes auf ungesunde Weise zu spüren bekommt. Dabei beginnt mit einem nächtlichen Einbruch als Ereignis, der das Leben des Paares grundlegend erschüttert. Doch die Polizei als „Freund und Helfer“ ist zu Stelle und entwickelt eine Obsession für Karen und beschließt diese für sich zu gewinnen. Dabei sind die Ereignisse nachvollziehbar und vor allem Ray Liotta als psychotischer Polizist schafft den Wechsel von „zuvorkommend und freundlich“ auf „völlig durchgeknallt“ auch recht gekonnt und spielt Kurt Russell auch etwas gegen die Wand, während Madeline Stowe wie immer bezaubernd ist. Eigentlich alles gut, wäre da nicht das Finale, dass mir dann ein bisschen zu sehr ausgetretenen Hollywood-Pfade beschreitet und genau so ausgeht, wie es wohl dem größten Teil der Zuschauererwartung entspricht. Etwas mehr Ecken und Kanten oder auch eine subtilere Note hätten „Fatale Begierde“ meines Erachtens nicht geschadet und so schmälert das erwartbare und doch arg konventionelle Finale meine Gesamtnote etwas, obwohl der Film insgesamt vor allem dank Herrn Liotta immer noch empfehlenswert bleibt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Porno

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01.png (199.32 KiB) 283 mal betrachtet
Im Jahre 1992 arbeiten eine Gruppe Jugendlicher in einem Kino und bekommen die Erlaubnis nach ihrer abendlichen Schicht noch einen Film zu schauen. Die Wahl fällt aber nicht auf „Einstein Junior“ oder „Eine Klasse für sich“, sondern auf eine ominöse Filmrolle, die kurz zuvor in einem geheimen Raum im Keller gefunden wird. Diese entpuppt sich jedoch als verflucht und durch das Abspielen wird ein Sukkubus beschwört, der als sexbesessener Dämon auf die unbedarften Jugendlichen Jagd macht und nebenher auch die Doppelmoral, der nur scheinbar christlich gefestigten Menschen in ihrem Umfeld aufdeckt. Bald verschwimmen auch Realität und Fiktion und bei dem Versuch den Dämon wieder zurückzuschicken, begeben sich die jungen und durchaus hormongetriebenen Menschen in größte Gefahr.

Natürlich entpuppt sich der Streifen mit seinem plakativen Titel als zumeist eher etwas biedere Shudder-Produktion aus dem Jahr 2019, der zwar ein paar nackte Tatsachen, aber auch jede Menge Langeweile und Füllmaterial bietet. „Porno – Dämonische Verfühung“ kann sich nicht zwischen Komödie und Horror entscheiden und ist trotz respektablen Looks weder das eine noch das andere. Nur manchmal blitzt in kurzen Momenten auf, was hier mit mehr Kreativität oder Mut hätte entstehen können, hätte man sich nicht stets auf die uninteressantesten Aspekte der Geschichte konzentriert. Die bibelfesten Jugendlichen nerven und labern größtenteils uninteressantes Zeugs und auch wenn mal geschmoddert wird, dann ist es eher eklig als sonst was. Insgesamt hat sich hier niemand mit Ruhm bekleckert und die Sause kommt nie richtig in Gang und der Versuch europäische Freizügigkeit zu imitieren geht von den Machern natürlich eher in die Hose. Da hilft auch kein Schwanz, der kurz in Großaufnahme gezeigt wird oder eine Fake-Schambehaarung, die auch stets als solche erkennbar ist. Unterm Strich kein sonderlich spannender Film, der auch nur durch eine Szene nachhaltig in Erinnerung bleibt und ansonsten schon am nächsten Tag wieder vergessen ist.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Kap der Angst

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01.jpg (12.48 KiB) 263 mal betrachtet
Ich will es nicht unnötig spannend machen, aber ich hätte mir nicht gedacht, dass es noch eine Scorsese/De Niro-Kollaboration gibt, den ich furchtbarer finde als „Taxi Driver“. „Kap der Angst“ hat es aber nun geschafft und ich durfte zwei Stunden schrecklichen Menschen und ihren blödsinnigen Entscheidungen beiwohnen, die alle Beteiligten immer weiter in einen Strudel aus Gewalt manövriert. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, aber der Film steckt voller Momente, wo ich persönlich nur den Kopf schütteln kann. Dass De Niro als ehemaliger Analphabet immer allen Menschen einen Schritt voraus ist, im Haus seines Widersachers kommen und gehen kann wie im beliebt und ihm selbst nach mehrmaligen körperlichen Attacken einfach nicht beizukommen ist, fand ich dabei noch weniger schlimm als die Tatsache, wie wenig ernst der Film seine Figuren nimmt und immer noch einen draufsetzt. Frauen sind hier wieder einmal wahlweise hysterisch oder hoffnungslos naiv, der schulterzuckende Umgang mit Sexualstraftätern verwundert doch gleich mehrfach und am Ende darf es der Mann in einem hoffnungslos überzogenen Finale wieder einmal für alle richten. Heruntergebrochen quasi eine Gewaltfantasie-Märchen, zugeschnitte auf eine toxische Zuschauerschaft. Mir ist durchaus bewusst, dass ich das alles wieder einmal in den sprichwörtlich falschen Hals bekommen habe, aber Scorsese zeigt nebenher mühelos alles, was in den Köpfen der Männer in vergangenen Jahrzehnten falsch gelaufen ist und auch noch immer läuft. Aber das ich mal einen blutroten D’Amato-Himmel in einem Oscar-nominierten Film sehe, hätte ich mir auch nicht gedacht und das war noch das Beste an dem Ganzen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Freeway

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01.jpg (84.42 KiB) 237 mal betrachtet
Die Vorstrafen-Akte von Vanessa ist lange und als ihre Mutter wieder einmal wegen Prostitution und Drogen samt Stiefvater verhaftet wird und Pflegeeltern drohen, nimmt sie ihr Schicksal kurzerhand selbst in die Hand. Sie fesselt die Fürsorgetante ans Bett und macht sich mit deren Auto auf den Weg, um ihre Großmutter zu suchen, die sie nur von Bildern kennt. Kurz darauf bleibt der Wagen auf dem Freeway mit einer Panne liegen und ein freundlicher Mann namens Bob erklärt sich bereit die junge Frau ein Stück mitzunehmen, der ebenfalls mit der Materie der Jugendfürsorge vertraut ist. Das Schicksal meint es aber neuerlich nicht sonderlich nicht gut mit Vanessa, die jedoch zu diesen Zeitpunkt der Geschichte nicht mehr bereit ist, sich von Dingen wie Schicksal, Erwachsenen, Gesetz oder Vernunft irgendetwas vorschreiben zu lassen und so auch immer tiefer in Schlamassel gerät.

Ich dachte eigentlich immer, dass „Freeway“ so der übliche Neunziger-Thriller über ein junges Blondchen und einen bösen Killer ist, bei dem sich dann das übliche Katz-und-Maus-Spiel entwickelt. Tja, falsch gedacht und der Streifen von Regisseur Matthew Bright ist eigentlich eine grelle, völlig durchgeknallte Thriller-Satire über eine junge Frau aus unbehüteten Hause, die beschließt sich nichts mehr vorschreiben zu lassen. Die Motive sind an Rotkäppchen angelehnt, nur dass diese in dieser Geschichte nicht das Opfer ist, sondern genauso skrupellos agiert, wie der böse Wolf, dem hier mitunter übel mitgespielt wird. Zuviel möchte ich nicht verraten, aber im Verlauf des unvorhersehbaren Streifens kommt man ja aus dem Staunen nicht heraus und Vanessa flucht wie ein Rohrspatz und benimmt sich wie die sprichwörtliche Axt im Walde, in einem Film, der ständig völlig neben der Spur erscheint. Die Geschichte ist wild, Symapthieträger sucht man auf beiden Seiten vergebens, die Darsteller beweisen viel Mut zur Hässlichkeit und irgendwie ist der Streifen bis zum Finale auch stets so gestaltet, dass einem der Mund offensteht. Keine Ahnung, wie sich dieser wilde, schwarzhumorige und unkonventionelle Roadtrip in die Hölle so lange vor mir verstecken konnte und eigentlich unvorstellbar so etwas heutzutage noch auf die Beine zu stellen. „Freeway“ ist eine positive Überraschung und eigentlich richtig geil. Tipp!
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