Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Das Haus der langen Schatten

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Schöner und auf die schönste Weise altmodischer Grusler über einen sympathischen Autor, der mit seinen Verleger wettet, binnen 24 Stunden in einem abgelegenen Haus einen Roman fertigstellen zu können und dabei Zeuge eines ominösen Familientreffens wird. Der ganze Streifen aus der Cannon-Schmiede erinnert dabei wohl nicht ungefähr an britische Horror-Filme vergangener Jahrzehnte und bietet dann auch gleich vier Genre-Größen inklusive Vincent Price, Christopher Lee, Peter Cushing und John Carradine, sowie eine nette Geschichte mit nettem Twist, die den Zuschauer auch immer bei Laune hält. Ehe man sich versieht ist man ja wie der Schriftsteller und seine hübsche Begleitung mittendrin in einen Familienaufstellung der etwas anderen und der erste Mord lässt ebenfalls nicht lange auf sich warten. Da gibt es dann auch nicht viel zu meckern und wer oldskoolige Filme mag, sollte mit der respektvollen Hommage namens „Das Haus der langen Schatten“ auch voll und ganz auf seine Kosten kommen. Die neue Blu-Ray-Disc aus dem Hause „Black Hill“ ist zwar okay, hat aber ein Bild, das nicht über das einer guten DVD hinausgeht.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Meat

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Experimenteller und nicht einfach zu konsumierender Erotik-Thriller, dem noch dazu die Erotik und der Thrill fehlt. „Meat“ will den Zuschauer gleich auf mehreren Ebenen verstören und präsentiert seine schweigsamen Protagonisten in einem Fleischerei-Ambiente, dass nicht für weiche Mägen konzipiert ist und lässt auch seiner Geschichte so viel Luft, dass man das Interesse daran auch genauso wie die Übersicht leicht verlieren kann. Was tatsächlich geschieht oder sich nur in der Fantasie der von der der im doppelten Sinn von Fleischeslust getriebenen Charaktere abspielt, bleibt die meiste Zeit unklar und dass die zwei Hauptrollen mit dem gleichen Darsteller besetzt sind, macht die Sache ebenfalls nicht einfacher. Wer als aufgeschlossener Zuschauer ungewöhnlichen Werken generell aufgeschlossen ist, kann ja mal einen Blick riskieren, während sich alle anderen wohl eher nicht so angesprochen oder sogar provoziert fühlen werden. Mir persönlich war das Ganze dann trotz interessanter Ausgangslage etwas zu bewusst auf kontrovers, verwirrend und „arty-farty“ gebürstet und was uns die Macher mit ihrem Werk sagen möchten, hat sich mir ebenfalls nicht so wirklich erschlossen. Die durchwegs negativen Kritiken kann man jedenfalls nachvollziehen, auch wenn ich mit „Meat“ sicher nicht so hart ins Gericht gehen würde.

„Sherlock“ Staffel 2, Ep. 3 „Der Reichenbachfall“

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Mit der dritten Episode ist dann auch die zweite Staffel zu Ende und wie schon Staffel 1 endet natürlich auch hier die ganze Sache eher unbefriedigend mit einem Mega-Cliffhanger. Davor ist der Fall bzw. der Fall sehr interessant und kurzweilig inszeniert und das Duell mit Moriarty bzw. zweier ebenbürtiger und brillanter Soziopathen ist wirklich sehr packend inszeniert. Ein Katz- und Mausspiel mit viel Hin- und Her, dass dann auch in eine eher unerwartete Richtung geht. Wie üblich ist die ganze Geschichte sehr haarsträubend und nach Logik sollte man die ganze Sache nicht abklopfen, aber aufgrund des hohen Tempos macht auch „Der Reichenbachfall“ gehörig Spaß.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Cannibal Holocaust II - The Catherine Miles Story ;)

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Mario Gariazzos Kannibalenfilm-Nachzügler verzichtet fast zur Gänze auf die titelgebenden Menschenfresser, sondern präsentiert einen durchaus soliden Dschungel-Abenteuerfilm mit jeder Menge fremdartiger Riten, Flora und Fauna und einer kleinen Krimi-Geschichte, die sich auch dank stark reduziertem Tiersnuff und ein paar wenigen Gore-Einlagen auch gut gucken lässt. Die „Culture-Clash“-Geschichte über die 18jährige Catherine, die nach dem brutalen Tod ihrer Eltern in die Hände eines Eingeborenenstamms im Amazonas fällt, erinnert ja auch an die noch eher harmlosen Filme aus den Anfängen des Genres mit Mondo-Einschlag und gröbere Grausam- und Geschmacklosigkeiten werden dem Zuschauer auch erspart. Dennoch wirken manche Riten doch etwas seltsam und dass die „Wildnis“ auf oft einmal zu gepflegt aussieht, mag man „Cannibal Holocaust II – Die Catherine Miles Story“ genauso wie die schlechten Perücken der Kopfjäger aber gerne verzeihen. Insgesamt eine durchaus ansprechende Sache von Herrn Gariazzo mit viel Wildnis, nackter Haut und nett aufgerollter Kriminal-Geschichte mit Doku-Charakter, die allen italophilen Abenteuerfilmfans auch gut munden sollte.

Birdman

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Alejandro González Iñárritu Ode und Abrechnung an die Schauspiel- und Theaterbranche ist natürlich ein sehr origineller Film, der nicht nur optisch interessant gemacht ist, sondern auch voller interessanter und vielschichtiger Figuren und Ideen steckt, die man in seiner Fülle auch fast nicht beschreiben kann. Kurzum „Birdman“ ist einfach großartig. Arthouse-Kino, das wie von Geisterhand die perfekte Balance zwischen Humor und Tragik, zwischen Leichtigkeit und Schwere, Anspruch und Gaga findet und dabei auch noch verdammt unterhaltsam ist. Mehr gibt es da dann eigentlich auch gar nicht zu sagen.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Tango of Perversion

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Der schüchterne Joachim ist ein Sohn aus reichem Hause und verkehrt in dem Nachtclub „Tango“, wo sich der impotente junge Mann mit dem zwielichtigen Callboy, Drogendealer und Zuhälter Stathis anfreundet, dem er für seine erotischen Abenteuer immer wieder sein Haus zur Verfügung stellt. Doch diese noble Geste ist nicht ganz uneigennützig, da Joachim voyeuristisch veranlagt ist und Stathis bei seinen erotischen Eskapaden von einem geheimen Raum aus für seine eigene Sammlung filmt. Als es eines Tages in Joachims Schlafzimmer zu einem folgenschweren Streit zwischen Stathis und der lesbischen Gelieben seiner Freundin Johanna kommt, setzt das eine Kette von schicksalshaften Ereignissen in Gang, die schon wenig später unaussprechliche Ausmaße annehmen…

Herrlich reißerisches Einzelgänger-Drama von Regisseur Kostas Karagiannis, der in Form eines billig heruntergekurbelten Schmuddelfilmchen über so ernste Themen wir Impotenz, Drogensucht und Nekrophilie berichtet und das Ganze in einem ausgesprochen groovigen Setting präsentiert. Die Geschichte, die im titelgebenden Nachtclub seinen Ausgangspunkt nimmt, fängt ja eigentlich sehr harmlos an, läuft irgendwann mal komplett aus dem Ruder und mit einem Aufwischen wird auch gleich alles präsentiert, mit dem man das staunende Publikum des Entstehungsland im Jahr 1973 schocken konnte. Natürlich hat der oftmals unfreiwillig komische „Tango of Perversion“ heute nicht mehr diese schockierende Wirkung von damals und überzeugt dennoch durch seine ausgewogene Mischung aus Lokalkolorit, flockiger Musik und ungewöhnlicher Geschichte, die bis zum Schluss unvorhersehbar bleibt. Ein wunderbar ernstgemeinter Film über böse Menschen mit einer sehr eindeutigen Botschaft, dass in seiner Naivität im Umgang mit sehr ernsten Themen wohl auch heutzutage noch mühelos die Kinnladen reihenweise runter klappen lässt. Die DVD aus dem Hause Mondo Macabro hat ein ausgesprochen schönes Bild mit knalligen Farben und wer diese Art von moralischen Exploitationwerken mag, sollte sich diesen Euro-Leckerbissen keinesfalls entgehen lassen.

The Wife Killer

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Der Erfolg von italienischen Giallos hat ja seinerzeit auch andere, europäische Produktionsländer zu derartigen Werken inspiriert und neben Spanien versuchte sich auch Griechenland sehr erfolgreich an derartigen Werken. „The Wife Killer“ von Kostas Karagiannis ist dabei ein schmuddeliger Reißer über ein Mordkomplott an einer wohlhabenden Frau, bei dem die Täter und der Plan auch gleich von Beginn an offensichtlich sind. Trotz der für den Giallo-Fan eher ungünstigen Ausgangslage lässt sich der Streifen aber gut gucken und nimmt in der Mitte einen netten Twist, auch wenn man die ganze Sache aufgrund seiner betont frauenverachtenden Darstellung wohl nicht allzu erstnehmen sollte. Sicherlich ist „The Wife Killer“ auch eher als ein Film aus der dritten Giallo-Reihe und als Kuriosum zu sehen, dass auch eher ein einschlägiges Publikum mit entsprechenden Vorkenntnissen anspricht, aber die bekommen den Streifen dank der neuen Scheibe aus dem Hause „Mondo Macabro“ in der bestmöglichen Qualität serviert und erfahren im halbstündigen Bonusmaterial auch noch viel Wissenswertes über griechische Genre-Filmproduktion und weiteren Werken, die hierzulande bislang noch immer ein Schattendasein fristen.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Furious

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Nach dem gewaltvollen Tod seiner Schwester Kim Lee verfällt Martial Arts-Kämpfer und -Lehrer Simon der Sinnkrise und schwört wenig später auf bittere Rache um so auch der Seele seiner Schwester die entsprechende Ruhe zu verschaffen. Von seinem ehemaligen Mentor Master Chan erhält der erfahrene Kämpfer einem Tipp, wer hinter dem Mord stecken könnten und gerät mit seinen Freunden prompt an eine Truppe von gewaltbereiten Gastronomen. Doch das ist erst der Anfang einer sehr seltsamen Reise, in dessen Verlauf Simon mit seiner unvergleichlichen Kampfkunst auch die ganze Welt vor feindseligen Invasoren aus dem Weltall, bösen Zauberern mit eindrucksvollen Mächten und weiteren, zwielichtigen Gesellen befreien muss...

Simon und Phillip Rhee sind ja anscheinend im Business sehr bekannte Martial-Arts-Helden, Regisseure und Stunt-Koordinatoren und gemeinsam mit „Special-Effect“-Künstler Tim Everitt entstand im Jahr 1984 der wohl schrägste Martial-Arts-Streifen aller Zeiten, der den Zuschauer einer 73minütigen Gehirn-Verweichung unterzieht. Die Geschichte in dem Dialog-armen Streifen kann man ohnehin nur erahnen und irgendwie geht es um außerirdische Mächte, flüsternde Buddha-Statuen, Hühner-Zauberei und Größenwahn, sowie einem gutherzigen Kämpfer, der sich dem ganzen Gesocks in den Weg stellt. Dazu düdelt unbarmherzig klassische Musik und es wird im Minutentakt gekämpft, ehe der Streifen im letzten Drittel dann auch effekttechnisch in die Vollen greift. Zwar hat man die Verwandlung von einem Menschen in ein Schwein, auch schon in einem Barry Prima-Streifen gesehen, aber die unbedarften Macher haben das in „Furious“ ja ähm… fast genauso gut hinbekommen. 73 Minuten ungläubiges Staunen, bizarre Einfälle und jede Menge Karate-Fights ohne Rücksicht auf Verluste sind dann wohl auch dafür verantwortlich, dass um das Low-Budget-Werk in den Staaten auch der absolute Kult entstanden ist und auch wenn das normalerweise so gar nicht meine Baustelle ist, muss man doch neidlos zugestehen, dass „Furious“ zwar nicht wirklich gut, aber sich dank haarsträubendem Verlauf doch gut gucken lässt.

Curse of the Queerwolf

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Obwohl Larry eigentlich glücklich mit seiner Freundin zusammenlebt, lässt sich der Mann eines Tages von seinem besten Freund Richard dazu breitschlagen, in einer Bar auf Aufriss zu gehen. Tatsächlich finden sich zwei hübsche und willige Frauen, doch im Gegensatz zu Richard verläuft Larry Schäferstündchen nicht als Plan, als sich dessen Aufriss als vermeintlicher Transvestit entpuppt und den hoffnungslos überforderten Mann in den Hintern beißt. Als auch noch vier Männer mit Fackeln und silbernen Dildo vor der Türe stehen, die sich auf der Suche nach dem sogenannten „Queerwolf“ befinden, ist die Stimmung endgültig im Keller und Larry kehrt reumütig zu seiner Freundin zurück. Doch der Fluch des „Queerwolfs“ hat sich bereits auf den jungen Mann übertragen, was in den kommenden Vollmondnächten auch ungeahnte Auswirkungen auf dessen Körper und sexuelles Verlangen hat…

Herrlich überdrehte und liebenswert originelle Horror-Komödie von Mark „Nudist Colony of the Dead“ Pirro, der hier auf lustige Weise Werwolf-Mythen und große Genre-Vorbilder persifliert. Der Start des Low-Budget-Werks ist ja eher etwas mau, aber nach ein paar Minuten entwickelt sich „Curse of the Queerwolf“ zu einer überraschend unverklemmten Angelegenheit, mit einem erfrischend bösartigen Humor, das auch stets die Lacher auf seiner Seite hat. Nach dem Biss des „Queerwolfs“ kommt der sympathische und sehr „straighte“ Larry ja in Teufels Küche und als er das erste Mal ohne Erinnerung mit schmerzenden Hintern in der Herrensauna aufwacht, ist auch bei dem besonnenen Mann ordentlich Feuer am Dach. Alles hübsch augenzwinkernd und ohne Vorurteile in Szene gesetzt überzeugt auch die erste große Verwandlung, die in bester „American Werewolf“-Manier daherkommt und am Ende gibt es sogar ein richtiges Werwolf-Massaker mit Schenkelklopfer-Garantie. Schade nur, dass die Qualität des Low-Budget-Streifens so bescheiden daherkommt, denn mit etwas mehr Budget wäre der Streifen wohl der ganz große Partykracher geworden. Aber auch so ist „Curse of the Queerwolf“ eine überraschend kurzweilige und witzige Angelegenheit, der wohl auch als Inspiration für die Chillerama-Episode „I was a Teenage Werbear“ herhalten musste.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

I, Madman

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„I, Madman“ ist ja hierzulande wirklich schwer untergegangen und dabei ist Tibor Takacs Streifen ja durchaus eine lohnende Sache und einer der ungewöhnlicheren Horrorfilme aus der Achtzigerkiste. Die Geschichte über eine junge Schauspielschülerin und Büchermaus, die durch das Lesen von schundig-trivialer Horrorliteratur den geistesgestörten Killer aus ihrem Buch ins reale Leben holt, der dort dann frisch und fröhlich weitermordet, ist zwar ziemlich hanebüchen, aber mit mehreren Ebenen zugleich recht spannend, atmosphärisch und überraschend funktional gemacht. Der 1989 entstandene Streifen verfügt auch über einen hübsch altmodischen Look und wirkt manchmal wie ein Genre-Film aus vergangenen Jahrzehnten, hätte sich dabei nicht durchaus krasse und Rasiermesser-scharfe Momente eingeschlichen, die ihre Wirkung beim Zuschauer auch nicht verfehlen. Alles in allem ein durchwegs solider Horror-Streifen mit viel Fantasy-Einschlag für ein einschlägiges Publikum, der stets etwas augenzwinkernd um die Ecke biegt und mit entsprechender Offenheit beim Zuschauer auch 90 Minuten bestens zu unterhalten weiß.

Rituals

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Ich kann mich der Lobeshymne von Sergio nur anschließen: „Rituals“ ist ein sehr gelungener Streifen über eine als Abenteuer geplante Reise einer Handvoll Ärzte, die in einem menschenleeren Gebiet in das Visier eines ominösen Killers geraten. Dabei ist „Rituals“ genauso schroff inszeniert, wie das unwegsame Gelände, in dem die Protagonisten herumirren und durch die unbekannte Bedrohung liegen bei den Freunden auch bald die Nerven blank. Dabei wirkt der Streifen eher wie ein Outdoor-Drama als ein handelsüblicher Backwood-Slasher und „Rituals“ legt seinen Fokus auch eher auf die vermeintlich selbstbewussten Alpha-Männchen und wie diese in dem für sie ungewohnten Szenario reagieren. Für die Darsteller war das wohl alles kein Zuckerschlecken und auch das düstere Ende fand ich sehr gelungen und statt irgendeiner Genre-typischen Aufklärung der ganzen Ereignisse verweigert sich der Film auch hier den üblichen Strickmuster. „Rituals“ ist eine Tour-de-Force für seine Protagonisten inklusive dem Zuschauer, dem selbst die bescheidene Qualität und miese Synchro der deutschen DVD keinen großen Abbruch tut.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

From Dusk till Dawn

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Unterhaltsames, aber auf der anderen Seite auch etwas unausgegorenes Werk, das wie ein düsteres Road-Movie beginnt und dann schwuppsdiwupps in der Mitte in eine völlig andere Richtung driftet. Kann man gut finden – muss man aber nicht und zwischen bemühter Coolness, Blut und Beuschel und schlechten CGI-Verwandlungen fehlt so etwas wie ein roter Faden und/oder eine Geschichte. Gut gucken lässt sich „From Dusk til Dawn“ aber auf alle Fälle und neben Stars wie John Saxon, Fred Williamsen und Tom Savini gibt es auch noch jede Menge andere Reminiszenzen aus dem Genre-Bereich für den Fan zu entdecken. Trotzdem bleibt „From Dusk til Dawn“ meines Erachtens ein Film, bei dem die Summe aber nicht besser ist, als die jeweiligen Einzelteile und wenn man düsteres „Natural Born Killer“-Roadmovies und splattrige Vampir-Action nicht gleichermaßen mag, hat man als Zuschauer wohl ein Problem. Und wenn Quentin Tarantino in einer von ihm mit-verfassten Geschichte auf vermeintlicher Schauspieler macht um die Zehen von Salma Hayek lecken zu können, ist das in Wirklichkeit gruseliger als der ganze Rest. ;)

Deathrow Gameshow

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Chuck Toedan ist der schmierige Moderator der gefeierten TV-Sensation „LIve or Die“ in der Verurteilte aus dem Todestrakt vor laufender Kamera um ihre Begnadigung spielen können. Schaffen sie jedoch nicht die Fragen oder Aufgaben zu lösen, können diese jedoch nochmals kurz vor der ebenfalls übertragenen Exekution kleinere Preise für ihre Hinterbliebenen gewinnen. Das zynische Konzept der Show macht Toedan naturgemäß zur Zielscheibe diverser Gruppierungen und als er nach einer kontroversen Talkshow mit seiner größten Kritikerin Gloria gemeinsam das Studio verlässt, gerät diese ebenfalls ins Visier von gewaltbereiten Menschen. Doch das ist erst der Auftakt zu einigen sehr turbulenten Tagen, in denen sich wenig später auch noch ein Berufskiller auf die Fersen des Moderators und seiner vermeintlichen Komplizin macht, die sich in Folge dessen wohl oder übel mit dem verhassten Toedan verbünden muss, um wieder heil aus dem ganzen Schlammassel zu kommen…

Ein Jahr vor dem Low-Budget-Gruselspaß „Curse of the Queerwolf“ realisierte Regisseur Mark Pirro nach seinem Achtungs-Erfolg mit der Genre-Persiflage „A Polish Vampire in Burbank“ mit dem „Crown International“-Studios im Rücken seine bislang wohl größte Produktion „Deathrow Gameshow“, die hierzulande sogar unter dem Titel „Death Game – Das Spiel mit dem Tod“ veröffentlicht wurde. Leider wird das gesellschaftskritische Potential der Geschichte über die ultimative Gameshow-Erfahrung und grenzenlose Sensationsgier nur anfänglich genutzt und statt bösartigen und beißendem Witz konzentriert sich Pirro leider eher auf mauen Slapstick-Humor und hoffnungslos überzeichnete Charaktere, was im Verlauf des Streifen aber dann sie so richtig zünden mag. Nach einem guten Start flaut „Deathrow Gameshow“ dann auch ziemlich schnell ab und obwohl vereinzelt ein paar großartige Momente und ein paar Lacher eingestreut sind, konnte mich Pirros Werk im Gegensatz zu dem wesentlich kostengünstiger entstandenen „Curse of the Queerwolf“ nicht überzeugen. Interessanterweise kam „Deathrow Gameshow“ übrigens nur zwei Wochen nach Paul Michael Glasers „The Running Man“ im Dezember 1987 in die amerikanischen Kinos, der aber dann auch gleich das 135fache gekostet hat.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Pulp Fiction

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Über Quentin Tarantino und seinem Schaffen kann man wohl durchaus geteilter Meinung sein, aber „Pulp Fiction“ war im Jahr 1994 wohl popkulturell der richtige Film zur richtigen Zeit und brachte B-Movie zum Mainstream und umgekehrt. Ich hab den seinerzeit wie fast jeder hier im Kino gesehen und war auch geplättet und dennoch ging mir in den Jahren darauf der Hype um seine Figur und die ganzen eher bemüht auf cool gemachten Nachzügler aus aller Welt dann auch ziemlich auf die Nerven. „Pulp Fiction“ ist auch sicher nicht der fünftbeste Streifen aller Zeiten (Stand: August 2015), sondern die Platzierung auf der IMDB lediglich ein Zeichen, dass sich auf den Film auch nach über zwanzig Jahren seines Erscheinens noch immer sehr viele einigen können. Wenn man sich in einem Film aber ausnahmslos an jede Szene und teils sogar an Dialoge erinnern kann, obwohl man ihn in zwei Jahrzehnten gerade zweimal gesehen hat, dann ist das aber wohl auch nicht selbstverständlich und die gestrige Sichtung hat auch neuerlich bestätigt, dass Herr Tarantino einfach (fast) alles richtig gemacht hat. Er präsentiert unvorhersehbare Episoden aus dem Leben von Gangstern, die hier zu Sympathieträgern werden, bringt Schauspieler aus der ersten und zweiten Reihe zusammen, unterlegt sein durchaus interessant erzähltes Zitate-Kino mit einem stimmigen Soundtrack, sprengt Genre-Schubladen und vermengt seine Ansammlung erinnerungswürdigen Momente, Dialoge und Bildern zu einem bunten Tischfeuerwerk, das Arthouse, Mainstream, Nerds und Geeks gleichermaßen anspricht und auch heutzutage noch sehr gut funktioniert. Rückblickend betrachtet ist „Pulp Fiction“ für den Fan unterschlagener Werke auch sicher viel mehr Segen als Fluch und hat mit seiner Strahlkraft vieles an die Oberfläche gespült, dass sonst vielleicht für immer vergessen worden wäre…
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Shakma

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Tierhorror geht ja immer und auch „Shakma“ ist da keine große Ausnahme, auch wenn der „Pavian-goes-mad“-Streifen sicher nicht zur Speerspitze des Genres gehört. Die mäßigen Kommentare in deutschen Breiten liegen zum Großteil wohl auch an der schlechten deutschen DVD mit Billig-Synchro und abgedunkelten Bild. Die Landercode-freie US-Blu bietet da sicher die bessere Alternative, auch wenn die jungen Leutchen bei ihrem Live-Rollenspiel in einer hermetisch abgeriegelten Forschungseinrichtung noch immer etwas dümmlich daherkommen und auch alle vom eindrucksvollen Affen an die Wand gespielt werden. Das Ausgangsszenario ist ja Klaustrophobie-technisch etwas unglücklich umgesetzt und außer dem Zuschauer scheint auch sowieso niemand so richtig die Bedrohung ernst zu nehmen. Die Stärken von „Shakma“ sind dann auch die eindrucksvoll inszenierten Angriffe des titelgebenden und hochaggressiven Äffchens, der auch wie ein Zäpfchen abgeht und dem man wohl nicht in der Form begegnen möchte. Aber auch wenn mit einigen Regeln des Genres gebrochen wird und ohne mit der Wimper zu zucken auch Sympathieträger geopfert werden, ist „Shakma“ auch einen Ticken zu lange und eine kürzere Laufzeit und etwas sympathischere Figuren hätten sicher auch nicht geschadet.

Das Pendel des Todes

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Wunderbarer Oldskool-Grusler von Regisseur Roger Corman, der den Zuschauer auch ohne viel Umschweife mit einer düsteren und „Film-Noir“-artig erzählten Geschichte über den Tod einer jungen Frau und ein düsteres Familiengeheimnis konfrontiert. Natürlich kommt im Verlauf des kurzweiligen Streifens auch vieles anders als erwartet und am Ende wartet auf den Zuschauer dann auch noch eine besondere Überraschung, wobei hier nicht die eindrucksvolle und titelgebende Apparatur gemeint ist. Der Kammerspiel-artige „Das Pendel des Todes“ bietet neben seinem tollen Cast und eloquenten Wortwahl aber auch atemberaubenden Matte-Paintings, hübsche Farben und ein nicht nur in seinen traumartigen Rückblenden eine angenehm entrücktes Ambiente, dass zu jeder Sekunde sehr zu gefallen weiß. Ein rundum gelungenes und absolut stimmiges Film-Vergnügen mit einer Prise Wahnsinn für Grusel-Connaisseure der alten Schule und die besonderen Momente des Lebens.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Reservoir Dogs

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Taratinos formelhafter und ziemlich misslungener Versuch eines reinen Männerfilms, der so stocksteif und vorhersehbar um die Ecke biegt, dass man sich fragen will, wer dem Regisseur dieses bemüht auf cool getrimmtes Gangster-Nähkränzchen mit seinen nervigen Figuren und dämlichen Dialogen eigentlich abkaufen soll. Gewalt, Gangster-Pathos und der gleiche rechtskonservative Mist, wie in Western mit gerade mal so viel Ironie, wie sie der männliche Durchschnittsnerd verstehen und ertragen kann. Wenn zu 70er-Jahre-Songs über Schwänze, Trinkgelder und Loyalität diskutiert wird, soll das wohl cool wirken und entlarvt doch eher beiläufig männliche Versagens- und Existenz-Ängste. Nebenher ist der Streifen auch nicht sonderlich gut gemacht und trotz neunzig Minuten Laufzeit auch noch ziemlich langweilig und mühsam. Alles was in „Pulp Fiction“ mit Überraschungsmomenten und interessanten Figuren richtig gemacht wurde, wird hier gründlich in den Sand gesetzt, in dem einfach von Anfang bis Ende alles so passiert, wie man es sich in einem derartigen Film vorstellt - auch wenn das hier der Großteil natürlich anders sehen wird.

Dead before Dawn [Netflix 1*-Collection]

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Nachdem wir ja schon länger keinen Streifen aus der „Netflix-One-Star-Collection“ gesichtet haben, gab es gestern mit der etwas lahmen Horror-Komödie „Dead before Dawn“ wieder neues Futter von mies bewerteten Horrorfilmen des Internet-Portals Netflix. Der 2012 entstandene 3D-Film bietet aber auch in 2D eigentlich alles was man sich von einem derartigen Streifen erwarten würde und trotzdem traut sich „Dead before Dawn“ nicht über herkömmliche Teen-Horror-Strickmuster des Genres hinaus und bietet das übliche Figurenkarussell mit sympathischen Loser, dumpfen Football-Bratzen, blonden Dummchen und Gothic-Mädel in den falschen Händen. Die Sache mit dem Fluch, der durch einen bösen Dämon Wirklichkeit wird kann man ebenfalls so akzeptieren, aber bleibt dann auch in Punkto Zombie ähm… Zämonen-Horror ziemlich zahm, was wohl auch an der angepeilten Teenie-Zielgruppe geschuldet ist, die natürlich nicht mit drastischen Bildern, schwarzem Humor oder tieferem Sinn verstört werden soll. Irgendwie ist das schade, da der Streifen durchaus Potential gehabt hätte und dennoch über eine biedere Nummern-Revue mit angedeuteten Splattermomenten nicht hinauskommt und mit eher mäßig gelungenem CGI auch erfahrene Zombie-Heads der älteren Generation auch nicht sonderlich begeistern dürfte.
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