Liebesspiele junger Mädchen
Wenn junge Menschen die Liebe erforschen wollen stehen oftmals die Eltern im Wege. Der einzige Weg ist dann darauf zu warten, dass diese ins Kino gehen, auf Urlaub fahren oder auf Geschäftsreise begeben. Dummerweise besteht jedoch auch da immer die Gefahr, dass diese unvorhergesehen zu früh nach Hause kommen und den Nachwuchs im Bettchen erwischen. „Liebesspiele junger Mädchen“ erzählt fünf heitere Episoden über liebestolle Schüler und besorgte Eltern und zeigt augenzwinkernd bis dramatisch die Entwicklungen im Leben junger Leute, die ihre eigene Sexualität erforschen wollen und zeigt eindringlich zwischenmenschliche Komplikationen, die im Zusammenhang damit auftreten können…
Eigentlich recht lustiger Report- und Episodenfilm über junge Menschen und besorgte Eltern, der recht augenzwinkernd daherkommt und wohl weniger aufklärerisch, als unterhaltsam daherkommt. Die fünf Episoden sind ja eher zum Fremdschämen und vor allem die Geschichte von Kurt mit gleichgeschlechtlichen Tendenzen, der mittels Prostituierten und eingefädelter Übernachtung wieder auf den Pfad der Tugend geführt werden soll, ist ja eigentlich schon der absolute Kracher und die Bildsprache, die Herr Gottlieb in dieser Episode auffährt ist ganz großes Kino. Auch der Rest macht Spaß und präsentiert neben der gesamten Tapeten-Kollektion aus dem Jahr 1972 und flockiger Musik auch so manch bekanntes Gesicht aus der deutschen Fernseh-Landschaft und jede Menge nackter Haut. „Liebesspiele junger Mädchen“ ist jedenfalls entgegen anders lautender Stimmen eine spaßige Angelegenheit und wer bei dem Thema „Reportfilm“ und „zotige Sexkomödie“ nicht gleich mit Ablehnung und Unverständnis regiert, bekommt hier ein kurzweiliges und unterhaltsames Filmchen präsentiert, dass auch aufgrund seiner antiquierten Moralvorstellungen auch ein lustiges Zeitdokument deutscher Spießigkeit und Doppelmoral geworden ist.
Operation Dead End
Wieder mal ein Streifen aus Deutschland, von dem ich bis vor kurzen noch nie etwas gehört habe und bei dem sich aber ein Blick durchaus lohnt. Nikolai Müllerschöns Streifen entpuppt sich ja als ungewöhnliches und durchaus gelungenes Psycho-Kammerspiel mit drei Darstellern, die für Geld und zwei Monate auf engsten Raum in einem Bunker auf einer atomar verseuchten Insel verbringen sollen. Natürlich läuft irgendwann mal alles aus dem Ruder und auch die empathielosen Wissenschaftler tun ohne Rücksicht auf ihre „Versuchskaninchen“ ihr übriges um die Konditionen noch zu verschärfen und zu ihren gewünschten Ergebnissen zu kommen. Dabei hat der Streifen auch eine hübsch trostlose Sci-Fi-Endzeit-Atmosphäre und auch die drei Darsteller Hannes Jaenicke, Uwe Ochsenknecht und Isabelle Willer machen ihre Sache sehr gut, auch wenn der Streifen nicht so richtig in die Exploitation-Ecke geht und für den Genre-Fan so vielleicht auch etwas zu harmlos bleibt. Wem das nichts ausmacht, bekommt aber einen gut inszenierten Streifen aus der Zeit atomarer Ängste serviert, der die Skrupellosigkeit der Wissenschaft anprangert, auch ansonsten überzeugt und Herr „Oxenknecht“ darf im Abspann des gelungenen Werks sogar noch den Song zum Besten geben. Herr Müllerschön hat meines Erachtens jedenfalls ein interessantes Werk abgeliefert, dass durchaus einen höheren Bekanntheitsgrad verdienen würde und die neu erschienene DVD von Pidax trägt da nun hoffentlich dazu bei.
Sacred Flesh - Der Sünde verfallen
Nigel Wingroves Versuch das Genre des Nunploitation-Films wiederzubeleben ist leider ein kompletter Schuss in den Ofen und „Sacred Flesh“ ist nicht nur eine komplett langweilige Angelegenheit mit Fremdschäm-Charakter, sondern ist auch in allen sonstigen Belangen so grottig ausgefallen, dass man sich wirklich fragen muss, ob Herr Winegrove überhaupt jemals einen italienischen Vertreter aus diesem Genre gesehen hat. Die Zwiegespräche einer zweifelnden Mutter Oberin mit dem Abbild des Bösen in Form eines diabolischen Trios über lüsterne Nonnen ihres Konvents ist der lose Aufhänger für eine episodenhafte Inszenierung unterschiedlichster Gelüste, die in ihrer Harmlosigkeit und Peinlichkeit an das frühere Nachtprogramm diverser Sportsender erinnert, in denen sich unterschiedlichste Damen ausziehen und selbst befummeln durften. Dazwischen wird ein bisschen ausgepeitscht, pseudophilosophisch gequatscht und mit religiöser Symbolik gespielt um vielleicht noch etwas Aufmerksamkeit zu erregen. „Sacred Flesh“ wirkt dabei wie das Abschlussprojekt eines Anfängerkurses für Videoschnitt und Tricktechnik und dass die stark geschminkten Nonnen im Mittelalter lackierte Fußnägel und Silikonbrüste haben und im verstreuten Sand Converse-Abdrücke zu sehen sind, steht da sinnbildlich für die Lieblosigkeit und Schludrigkeit der gesamten Inszenierung. So etwas kommt wohl dabei raus, wenn man ein Genre nur auf Titten und Gestöhne reduziert und „Sacred Flesh“ ist trotz kurzer Laufzeit von 75 Minuten eine lähmend-lahme Angelegenheit mit Fetisch-Optik und einschlägigen Zielpublikum, deren Macher man selbst als atheistischer Zuschauer ohne mit der Wimper zu zucken schleunigst die Inquisition an den Hals wünscht.