Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Black Shampoo

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Eigentlich hätte "Black Shampoo" das Zeugs zu einem ganz, ganz großen Film und die Ausgangslage um den stadtbekannten Friseur/Gigolo ist ja schon zum Schreien, die Darsteller toll und auch das eigentlich recht derbe Finale hat viel Potential, aber in der Mitte geht Greydon Clarks Streifen leider ziemlich die Puste aus und holpert dramaturgisch recht uninspiriert dahin, ohne das etwas nennenswertes passiert. Statt seine etwas haarsträubenden Ereignisse augenzwinkernd zu präsentieren, was aufgrund der Story durchaus auf der Hand liegen würde, ist "Black Shampoo" etwas zu ernst inszeniert, bietet Füllmaterial und kommt nicht so recht vom Fleck. John Daniels ist aber ein richtiger "Hunk" und auch Tanya Boyd sehr hübsch anzsusehen, die Musik ist natürlich groovy und am Ende kommt sogar eine Kettensäge zum Einsatz. Klingt alles gut und doch überzeugt das Endergebnis nur bedingt und so bietet "Black Shampoo" zwar die richtigen Zutaten, die wohl aber leider vom falschen Koch zusammengerührt wurden.

Boys in the Sand

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Der Meilenstein der schwulen Filmgeschichte von Regisseur Wakefield Poole, der dank ungewohnte Marketing-Kampagne nicht nur künstlerisch und kommerziell sehr erfolgreich war und ein Jahr vor (!) "Deep Throat" als Wegbereiter des sogenannten "P.orn Chics" zu werten ist, sondern auch seinen Regisseur und Darsteller zu Underground-Stars machte und Fire Island als schwule Reisedestination einen gehörigen Popularitätsschub verhalf. Die drei Episoden mit Musik und ohne Dialoge sind auch recht hübsch anzusehen und während "Bayside" noch eher blümchenhaft daherkommt, geht es in "Poolside" und "Inside" schon etwas heftiger zur Sache.Trotzdem verliert Poole nie die Natürlichkeit der Sache aus den Augen und präsentiert seine vier Darsteller, sowie auch Fire Island von seiner besten Seite. Mann darf zufrieden sein!
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Mein Bruder Kain

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Keine Ahnung, warum dieser interessante, kleine Thriller nicht bekannter ist und dass er bislang nicht einmal hier einen eigenen Fred hat, ist eigentlich auch bezeichnend. "Mein Bruder Kain" ist ja ein durchaus sehr spannender und schwarzhumoriger, wenn auch etwas "tricky" erzählter Psychothriller über einen Kinderpsychologen mit gespaltener Persönlichkeit, bei dem Brian de Palma inhaltlich ausgiebig seinem Idol Alfred Hitchcock huldigt und sich auch selber brav zitiert. Leider hat "Raising Cain" aber irgendwie auch eine furchtbar beige, furchtbar trenchcoatige und furchtbar lambswollige Frühneunziger-Optik, braucht etwas, bis er in die Gänge kommt und auch die Darstellerriege ist abseits von John Lithgow eher unbekannt, aber nach der ersten halben Stunde wird der Streifen dann doch sehr spannend und überrascht den Zuschauer mit unvorhersehbaren Wendungen am laufenden Band und das Finale ist ja wieder einmal sowas von typisch Brian de Palma. Toll!

Wakefield Poole's The Bible

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Nach seinen erfolgreichen Werken "Boys in the Sand" und "Bijou" drehte Wakefield Poole seine recht freie Interpretation dreier Geschichten aus der Bible und landete damit auch gleich seinen größten Flop. Nach zwei künstlerisch und kommerziell sehr erfolgreichen HC-Filmen für das männliche Publikum, wollte wohl niemand seine softerotische Hommage an die goldenen Zeiten des Stummfilms sehen, der noch dazu drei Geschichten aus der Bibel aus feministischer Sichtweise erzählt. "Adam und Eva" ist auch eher etwas unspektakulär und präsentiert das erste Aufeinandertreffen zweier Menschen, während "Bathseba" (who?) mit Georgina Spelvin eher augenzwinkernd und slapstikhaft inszeniert ist. "Samson & Delilah" hingegen ist dann aber ganz großes Kino und präsentiert seine beiden Darsteller in einem wunderbar entrückten Setting mir tollen Kostümen und die Chemie der beiden Darsteller stimmt ebenfalls. Dennoch ist der wiederum fast Dialog-lose Streifen aufgrund falscher Zuschauererwartung seinerzeit im Kino gefloppt und Herr Poole verlegte sich wieder auf HC, was angesichts der künstlerischen Qualität des schön inszenierten Episodenwerks eigentlich sehr schade ist.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

The Hearse

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Netter und eigentlich gut gemachter 80er-Grusel ohne nennenswerte Höhepunkte über eine geschiedene Frau, die nach einem Nervenzusammenbruch Erholung am Lande sucht und neben allgemeiner Ablehnung in ihrem geräumigen Haus von Visionen und später auch von einem ominösen Leichenwagen verfolgt wird. Die Geschichte über Geistererscheinungen und einem mysteriösen Tagebuch ist dabei zwar nur mäßig originell und lebt auch lediglich von kleinen Schreckmomenten und der sympathischen Leistung von Trish van Devere, die in "The Changeling" ja auch passenderweise in einem ähnlichen Haunted-House-Grusler mitgewirkt hat. Andererseits hat man das Gefühl, alles irgendwo schon mal gesehen zu haben und auch die Auflösung wird jeder Genre-Fan schon von der Weite erkennen können. Trotzdem ist "The Hearse" schon sehr solide, auch wenn der Streifen sicherlich nicht zu den Highlights gezählt werden kann. Nett, unterhaltsam und routiniert gemacht - nicht mehr, nicht weniger!
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

I Am Divine

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Liebevoll gestaltete Dokumentation mit ehemaligen Weggefährten, Freunden und Familie, sowie tonnenweise Archivmaterial über den Aufstieg von Harris Glenn Milstead vom gemoppten Schüler aus Baltimore hin zu John Waters' Muse, den ersten Erfolgen als Schauspieler, seiner nationalen Theater- und internationalen Discokarriere bis hin zu seinem überraschenden Tod im Alter von 42 Jahren am Zenit seines Erfolgs. Jeffrey Schwarz‘ "I Am Divine" zeichnet dabei nicht nur das Leben und den Aufstieg der grellen Drag-Queen nach, sondern blickt auch hinter die Fassade eines Mannes, der als Schauspieler ernstgenommen werden wollte und von seiner Umgebung als fürsorglich, humorvoll und vor allem sehr talentiert beschrieben wird.

"I Am Divine" ist einfach eine wunderbare, sowie unterhaltsame, temporeiche und informative Dokumentation, wie man sie sich als Fan eigentlich nur wünschen kann und bietet neben jeder Menge Szenen aus Divines Filmen auch jede Menge bekannter Gesichter ehemaliger Freunde und Weggefährten, die sich auch alle sehr wohlwollend über die Person Harris Glenn Milstead und seiner Kunstfigur Divine äußern. Über die Karriere als Drag Queen mit Punk-Attitude, die mit allen Regeln bricht und sich für nichts zu schade ist, muss man ja auch nicht mehr viel Worte verlieren. Neu waren mir jedoch seine Erfolge als Theaterschauspieler und der versuchte Wechsel in Fach der ernstzunehmenden Schauspieler und seine männliche (!) Rolle in "Eine schrecklich nette Familie" zu der es im letzten Moment leider nicht mehr gekommen ist. Ein wunderbare Hommage an einen wunderbaren Menschen, der sich gegen jede Widerstände durchsetzte, nichts ausließ und dabei sein Ding durchzog und dabei ganz anders als seine grelle Kunstfigur stets liebenswert, fürsorglich und großzügig zu allen war.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

The Body

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Als ein verschreckter Wachmann von einem Auto überfahren wird und gleichzeitig der Leichnam einer reichen und überraschend verstorbenen Frau aus der Pathologie verschwindet ist das ja nur der Auftakt für einen der spannendsten Thriller der letzten Jahre. Als Zuschauer wird man in Oriol Paulos Streifen ja ganz schön an der Nase herumgeführt und obwohl der Streifen anfänglich in Richtung Horror und Mystery geht, lebt "The Body" im Grunde davon, dann man häppchenweise Indizien und Rückblenden vorgesetzt bekommt, die ständig ein neues Bild einer bestimmten Sache ergeben. Zu viel will man ja nicht verraten, aber es ist alles stets überraschend, sehr spannend und auch sehr gelungen inszeniert, sodass man "The Body" sicherlich zu den besten und atmosphärischsten Thriller der letzten Jahre zählen kann, der dank seiner Darsteller, seiner Erzählweise und stimmigen Locations komplett überzeugt. Hat mir sehr gut gefallen.

Here comes the devil

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Fast schon ungewohnt ruppiger und grimmiger Horrorstreifen in bester Exploitation-Tradition und einer Zeit, in der Filmemacher und Publikum man auch vor unbequemen und kontroversen Themen und nackter Haut nicht zurückschreckten. Die Geschichte über zwei verschwundene Kinder, die später verstört und verändert wieder auftauchen ist ja schon etwas herber und noch dazu recht "kostengünstig" inszeniert, was den mexikanischen Streifen aber noch bedrückender und authentischer wirken lässt. Generell etwas gegen den Strich gebürstet verliert Herr Bogliano aber manchmal sein Ziel etwas aus den Augen und präsentiert auch zwei gorige Momente, die ich in dem ansonsten recht atmosphärischen Werk als etwas störend empfunden haben, da "Here comes the Devil" ja gerade davon lebt, dass man eben nicht weiß, was genau geschehen ist. Insgesamt fand ich den eher kompromißlosen Streifen inklusive seinem Ende aber schon gelungen, auch wenn "Here comes the Devil" sicherlich ein Geschmacksspalter ist, der nicht überall auf Gegenliebe stoßen wird. Ich weiß auch nicht, ob ich den geordert hätte, wenn ich im Vorfeld gewusst hätte, dass Bogliano auch für den furchtbar grottigen "I'll never die alone" verantwortlich ist. So hat sich der gute Mann ja fast gänzlich rehabilitiert. Eingeschränkt empfehlenswert.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Les Miserables

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Nachdem ich jetzt über ein Jahr von der schlechteren Hälfte teils massiv bedrängt worden bin, mir "Les Misérables" anzuschauen, war es gestern soweit und wie erwartet ist die überlange Mischung aus Schmalz, Bombast und Pathos nicht wirklich gut bei mir angekommen. Die Geschichte bei der fast alle Beteiligten eins auf den Deckel bekommen fand ich ja ziemlich doof und da fast nur gesungen wird und aufgrund zweier mächtiger Zeitsprünge, ist es auch nicht immer ganz klar, warum sich bestimmte Dinge so entwickeln. Optisch ist "Les Miserables" hingegen ganz gelungen und zeigt schön-abgefuckte Locations und Darsteller, die sich auch hübsch abmühen, den Inhalt der gar so schwülstigen Texte auch schauspielerisch zu verkörpern. Es wird also hübsch gelitten und geträllert und dazwischen gibts ein bisschen Revolution, "I dreamed a dream" und eine zarte Liebesgeschichte zweier Nebendarsteller. Ich hab mich jedenfalls tapfer durch die 160 Minuten gekämpft nur um dann ein "eiskaltes Stück" genannt zu werden. Naja, das Leben ist halt ungerecht... ;)

The Return

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In einer sternenklaren Nacht haben zwei zufällig einander begegnende Kinder Kontakt mit einem Alien-Raumschiff und ein Vierteljahrhundert später treffen Jennifer und Wayne am selben Ort wieder aufeinander. Wayne ist mittlerweile der örtliche Sheriff, während Jennifer sich als Wissenschaftlerin für obskure Gesteinsformationen interessiert, die in der Nähe des verschlafenen Ortes gesichtet wurden. Als sich in dem beschaulichen Ort verstümmelte Tierkadaver häufen und die aufgebrachten Landwirte drohen, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen, wird zunehmend klar, dass mehr hinter der ganzen Sache steckt. Als auch noch Menschen ermordet werden und sich Jennifer wieder an die Begebenheit aus ihrer Kindheit wird auch klar, dass das erneute Aufeinandertreffen der Beiden ebenfalls nicht aus Zufall geschehen ist…

Hoffnungslos unspektakulärer und auch ziemlich unlogischer Sci-Fi-Horrorstreifen von Regisseur Greydon Clark, der im selben Jahr mit „Das Geheimnis der fliegenden Teufel“ einen wesentlich bekannteren Beitrag zum Genre abgeliefert hat. „The Return“ hingegen ist ja eher etwas beschaulich inszeniert und überzeugt neben seinem uncharismatischen und vollkommen lustlos agierenden Hauptdarsteller Jan-Michael Vincent und einer sehr jungen Cybill Shepherd durch herrlich naiv getrickste Effekte inklusive eines Mini-Laserschwerts (!) und ein bissl Gore in Form verstümmelter Weideviecher. Dem Zuschauer aber eine Dorfdisko-Trockeneis-Lasershow als die Verbindung zu anderen Welten zu verkaufen ist aber schon etwas dreist und auch am Ende bleiben auch irgendwie mehr Fragen offen, als beantwortet werden. Ist ja auch egal und "The Return“ macht als trashiges Filmchen aus der Achtziger-Kiste dank furios verkackten Finale auch wieder Spaß, selbst wenn man sich als Sci-Fi- und als Horrorfan sicher nicht zu viel erwarten sollte.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Phantom of Paradise

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Brian De Palmas grellbuntes und hysterisches Rock-Musical über einen begabten Musiker, der an einen ominösen Produzenten gerät ist ja schon eine sehr originelle Angelegenheit, die mit bitterbösen Humor seiner Zeit wohl auch etwas voraus war. Die Mischung aus "Faust" und "Phantom der Oper" rechnet ja nebenher hübsch mit den Mechanismen des Pop-Business aus und zeigt neben skrupellosen Managern, divenhaften Stars auch Fans, die nach immer wilderen Inszenierungen ihrer Idole geifern. "Phantom of Paradise" bietet dabei neben seinen ansprechenden Look und temporeicher Inszenierung auch zahlreiche schmissige Songs aus der Feder von Paul Williams, bei denen von rockig, Beach-boyig, Motownig bis hin zu Glam-Rock auch alles dabei ist. Immer hübsch anarchisch und etwas arg neben der Spur war "Phantom of the Paradise" im Jahre 1974 wohl dennoch etwas zu viel des Guten, an den Kinokassen ein veritabler Flop und auch heutzutage ist der nicht ganz erstngemeinte Streifen immer noch so etwas wie ein Geheimtipp unter Freunden der etwas abseitigeren Unterhaltung.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Death Bed: The Bed that eats

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Am Rande eine verlassenen Anwesens steht ein kleines Häuschen, in dem sich ein Raum befindet, dass lediglich mit einem Bett, einem Gemälde und einem Ofen eingerichtet ist. Dennoch finden sich immer wieder arglose Besucher ein, die nichts davon ahnen, dass das Bett von einem bösen Dämon besessen ist und über einen ungeheuren Blutdurst verfügt. Ist man erst einmal in die Nähe des Bettes gekommen, gibt es auch kein Entrinnen und während weiter Menschen verschwinden, wartet eine der verdammten Seelen darauf, die Schreckensherrschaft des Dämon zu brechen, was jedoch nur einmal in hundert Jahren und in einer ganz besonderen Nacht möglich ist...

Immer wenn man glaubt, schon alles gesehen zu haben, biegt ein Werk wie "Death Bed: The Bed That Eats" um die Ecke und belehrt dem Filmfan eines Besseren. Was George Barry hier geschaffen hat, lässt sich wirklich nur schwer in Worte fassen und ist eine Mischung auch El-Cheapo-Horror, Arthouse, bizarren Märchen und surrealistischen Kammerspiel, welches auf eine ganz spezielle Weise faszinierend ausgefallen ist. Wer sich einen durchschnittlichen Low-Budget-Horrorstreifen amerikanischer Machart erwartet wird zweifelsfrei enttäuscht werden, denn alles in "Death Bed" wirkt eher in europäischer und experimenteller Tradition entrückt, unwirklich und seltsam und auch inhaltlich orientiert sich George Barrys Streifen nicht an den Terror-Filmen aus derselben Entstehungszeit, was offensichtlich auch zur Folge hatte, das sich niemand für sein Werk interessierte. Herausgekommen ist auch ein teils poetischer, teils grotesker und trashiger Streifen über ein menschenfressenden Bett, der sich auch eher an ein aufgeschlossenes Publikum richtet, dass hier dann auch einen der obskursten Beiträge der Filmlandschaft zu sehen bekommt, bei dem sich die Frage nach dem "gut" oder "schlecht" auch gar nicht mehr stellt.

Lurkers

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Die junge Cathy leidet unter ihrer strengen Mutter, dem gruseligen Wohnhaus in dem sie heranwächst und auch an seltsamen Visionen, in denen furchtbare Kreaturen aus den Wänden steigen. Als sie auch noch mitansehen muss, wie die Mutter ihren Vater ersticht, kann das Kind im letzten Moment fliehen und wächst trotz der traumatischen Erlebnisse zu einer hübschen Frau heran, die auch als Musikerin erfolgreich ist. Als auch noch die Hochzeit mit ihrem Freund und Fotografen Bob ins Haus steht, scheint das Glück perfekt, als auf einmal die Visionen zurückkehren und Cathy an den Rand der Verzweiflung treiben. Auch bei Bob findet sie keine Hilfe und als sich auch noch herausstellt, dass dieser sein Atelier und Büro in dem ehemaligen Wohnhaus hat, beginnt für Cathy erneut ein grauenvoller Alptraum...

Hört man den Namen Roberta Findlay, weiß der geneigte Fan ja schon ungefähr, auf was man sich einlässt und auch "Lurkers" ist natürlich ein kleiner, wenn auch nicht wirklich herausragender Genre-Beitrag, der sich auch nahtlos in die Riege ihrer Werke wie "Das Orakel" und "Game of Survival" aus dieser Schaffensperiode einreiht. Ein bisschen Gore, ein bisschen nackte Haut und viele Außendrehs im alten New York machen aber auch "Lurkers" zu einem durchaus lohnenden Vergnügen, selbst wenn man die gar nicht mal so schlechte Story über die geplagte Cathy sicherlich wesentlich spannender hätte erzählen können. Die Mischung aus Haunted-House, Horror und Psycho-Thriller hat ja im letzten Dritteln einen netten Twist und besticht nebenher auch mit ein paar netten Alptraumsequenzen, die durchaus gelungen sind. Die neue DVD im Rahmen von "Katharinas Nightmare Theatre" bringt "Lurkers" im Double-Feature mit "Die Sister, die!", hat ein recht schönes Bild und bringt den Streifen wohl erstmals auch im richtigen Bildformat, was sich ebenfalls positiv auf das Sehvergnügen auswirkt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Die Sister, Die!

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Nach einem missglückten Selbstmordversuch seiner Schwester Amanda, heuert der habgierige Edward die ehemalige Krankenschwester Ester an, damit diese ein Auge auf seine Schwester wird. Aber nicht, um dieser durch schwierige Zeiten zu helfen, sondern eher um dieser zum erfolgreichen Suizid zu verhelfen. Doch Amanda ist nicht nur mindestens genauso schlau wie ihr Bruder, sondern erweist sich auch noch als interessante und liebenswerte Person, die auch ahnt, welche Pläne ihr Bruder hegt. Während die beiden Frauen sich immer besser verstehen und Esther auch dem Grund von Amandas Depressionen immer näher kommt, regt sich jedoch der Unmut von Edward, dem es mit dem Ableben seiner verhassten Schwester nicht schnell genug gehen kann und er beschließt, das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen...

Eigentlich recht interessant gemachter Psychothriller mit tollen Darsteller über eine ältere Frau mit suizidalen Tendenzen, einem habgierigen Bruder und einer eigentlich herzensguten Krankenschwester, die in einem geräumigen Haus mit düsteren Geheimnis zwischen die Fronten gerät. Der Streifen, der nichts in der Horror-Ecke zu suchen hat, lebt dabei davon, dass der Zuschauer und auch die Protagonisten eigentlich immer wissen, was der jeweils andere vorhat und sich "Die Sister, Die!" trotzdem immer irgendwie anders entwickelt und spannend bleibt. Leider verbockt Randall Hood seinen Streifen mit einem denkbar unspektakulären Ende, dass nach knapp 85 interessanten Minuten den Zuschauer auch eher etwas ratlos zurücklässt und so gar nicht zum Rest des Thriller passt. Insgesamt ein netter, gut zu guckenden und auch etwas unterschätzter Genre-Beitrag mit drei interessanten Darstellern, der sich jedoch mit seinem unnötig lahmen Ende selbst ein Bein stellt.

Blood of Dracula's Castle

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Der Fotograf Glen erhält während einer Foto-Session in Maryland überraschend die Nachricht, dass er von seinem verstorbenen Onkel ein Schloss in der Wüste geerbt hat, in dem seit über sechzig Jahren das Ehepaar Townsend eingemietet ist. Der Erbe beschließt jedoch gemeinsam mit seiner Verlobten Liz nach der anstehenden Hochzeit selbst in dem Schloss zu wohnen und als er bei dem Besuch das Ehepaar die schlechten Nachrichten überbringt, ahnen die beiden noch nicht, dass es sich bei dem älteren Ehepaar mit seltsamen Dienstboten um den Grafen Dracula handelt, der im Keller des Anwesens junge Frauen gefangenhält und dessen gewaltbereiter Sohn sich zu allem Überfluss in Vollmondnächten auch noch in einen Werwolf verwandelt...

Herrlich billiger, aber nicht uncharmanter Mix aus bekannten Horror-Elementen aus der Hand von Al Adamson, der uns ja noch so manch anderen Trash-Klassiker wie "Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein" und "Die Sadisten des Satans" geschenkt hat. Hier passt auch wieder einmal nichts zusammen und von der modernen Dracula-Variante, der dummerweise so aussieht wie Ned Flanders von den Simpsons (und ungefähr so gruselig wirkt) über monströse Dienstboten und gequälte Jungfrauen gibt es auch noch einen gewaltbereiten Werwolf, der als zusätzliche Bedrohung alle platt machen möchte. Statt einem gruseligen Schloss wurde der überraschend ernstgemeine Streifen auf einer Schloss-artigen Ranch in der Wüste gedreht, die auch nicht unbedingt authentisch wirkt und mit Tages- und Nachtzeiten hat man es auch nicht so genau genommen. Für sein Entstehungsjahr bietet "Blood of Dracula's Castle" im Finale und der ungekürzten Fassung aber überraschend herbe Momente und auch ansonsten kann man sich das Teil im richtigen Moment schon gut geben. "Dracula und seine Opfer" erinnert mich auch sehr an die Werke von Ted V. Mikels und würde daher auch in der Trash-Collection ein gutes Bild abgeben. Genre-Puristen seien aber schon im Vorfeld ausdrücklich gewarnt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Deathbed

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Filmischer Murks aus der Full-Moon-Schmiede von Charles Band, der hierzulande als Produkt des Regisseurs Stuart Gordon vermarktet wird, obwohl dieser nur seine Hände als Produzent im Spiel hatte. Die Kohle hätte Herr Gordon wohle ohnehin besser anderweitig verwendet, da "Death Bed" eigentlich in allen Punkten nicht zu überzeugen vermag. Als Softsex-Filmchen zu verklemmt, als Psychodrama über verdrängte Kindheitserinnerungen zu doof und als Horrorstreifen taugt die lahme Sause um ein mysteriöses Metallbettchen inklusive Dämonen aus vergangenen Tagen trotz düsterem Ende ebenfalls nur bedingt. Hier hat sich wirklich niemand mit Ruhm bekleckert und die ganze Optik von "Deathbed" ist so derart billig ausgefallen, dass man diesen Streifen wohl kaum ohne Hilfe von alkoholischen Getränken und/oder Nebenbeschäftigung durchstehen kann. Wenn schon dämonisches Bett, dann lieber die psychedelische Variante von Regisseur George Barry aus dem Jahr 1977, der zwar noch weniger gekostet hat, aber dafür ungleich besser ausgefallen ist. Danny Dravens trashiger Diskont-Beitrag hingegen ist wie die deutsche Marketing-Masche eindeutig ein Fall für die Tonne.

Cry Baby

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John Waters erste, große "Studioproduktion" ist zwar ein hübscher Musikfilm mit Spießer und Außenseiter, bei denen die Sympathien auch wieder klar verteilt sind, aber irgendwie vermisst man als Fan schon Divine und den anarchistischen Witz seiner früheren Filme. Bei „Cry Baby“ gab es ein großes Budget mit der Vorgabe, dass der Streifen jugendfrei ausfallen muss. Waters hat die Aufgabe zwar hübsch gelöst und teilt auch auf subtile Weise gegen das Establishment aus und verleiht auch der Jugendstrafanstalt seinen ganz persönlichen Charme, aber irgendwie bleibt doch alles etwas zu brav und hinter den eigentlichen Möglichkeiten zurück. Das Geld wurde ich hübsche Klamotten und Locations investiert und der Streifen bietet neben der ersten Hauptrolle für Johnny Depp auch das Wiedersehen mit alten Bekannten wie Iggy Pop, Willem Dafoe, Tracy Lords und Susan Tyrell. Die Rockabilly-Musik ist ja eher nicht so prickelnd und ehe man sich versieht, ist der kurze aber unterhaltsame Streifen auch schon wieder vorbei.
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