bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Euer Filmtagebuch, Kommentare zu Filmen, Reviews

Moderator: jogiwan

Benutzeravatar
buxtebrawler
Forum Admin
Beiträge: 43209
Registriert: Mo 14. Dez 2009, 23:13
Wohnort: Wo der Hund mit dem Schwanz bellt.
Kontaktdaten:

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitrag von buxtebrawler »

Bild
Gegen die Wand

„Ich will leben, ich will tanzen, ich will ficken!“

Das Migrations- und Liebesdrama „Gegen die Wand“ aus dem Jahre 2004 bedeutete den Durchbruch für den Hamburger Regisseur Fatih Akin („Solino“). Akin vermischte europäisches und Hollywood-Erzählkino miteinander, sorgte für Hamburger Lokalkolorit und verfilmte sein eigenes Drehbuch, das eine sehr individuelle und doch in gewisser Hinsicht universelle Liebesgeschichte zwischen Emanzipation vom Zuhause und dessen Erwartungen, Selbstzerstörung und Selbstfindung ist, in einem Drama in fünf Akten.

Der verwitwete 40-jährige Deutschtürke Cahit (Birol Ünel, „Duell – Enemy at the Gates“) ist fertig mit sich und seinem Leben, liegt nach Alkohol- und Drogenexzessen und einem Selbstmordversuch in einem Hamburger Krankenhaus. Sibel (Sibel Kekilli, „Kebab Connection“) ist eine ebenfalls in Hamburg aufgewachsene Deutschtürkin, aber nur halb so alt wie Cahit. Sie versuchte, das Leben in vollen Zügen zu genießen, verzweifelt jedoch an der Erwartungshaltung ihrer erzkonservativen, gläubigen Familie – was sie ebenfalls in einen Suizidversuch trieb. Nun lernen die beiden sich auf der Krankenhausstation kennen. Sibel sieht eine Chance, ihrer Familie zu entkommen, darin, dass Cahit sie ehelicht. Nach einigen Überlegungen willigt Cahit ein, beide ziehen zusammen. Sibel genießt die Freiheiten, die ihre Scheinehe für sie mit sich bringt – bis Cahit sich eingestehen muss, tatsächlich zärtliche Gefühle für Sibel zu entwickeln…

Seinen vornehmlich in „seinem“ Hamburg spielenden Film eröffnet Akin mit einer Musikeinlage der türkischen Folkloregruppe Selim Seslers, die sie in Istanbul unter freiem Himmel zum Besten geben. Dies ist offenbar bewusst kitschig visualisiert, das musikalische Thema wird den Film hindurch wiederholt aufgegriffen werden. Ein abrupter Szenenwechsel führt nach Hamburg-Altona zum Veranstaltungszentrum „Fabrik“, bevor es ins Krankenhaus nach Ochsenzoll geht. Sibel steht unter dem Zwang ihrer Familie, ihr ehrloser Bastard von Bruder (gespielt von Fatih Akins Bruder Cem), droht ihr gar mit „Ehrenmord“. Ihre Familie verabscheut alles Westliche, außer dessen Geld. Fatih Akin scheut sich also ganz und gar nicht, der eigenen „Community“, wenn man es so nennen will, ans Bein zu pinkeln. Auch bei Sibel und Cahit handelt es sich um ambivalente Charaktere; Akins Verständnis für Menschen ohne festen Halt im Leben führt zu einer differenzierten Figurenzeichnung.

Damit, dass eben diese sich nach ihrer Heirat doch noch ineinander verlieben, beginnen andere Probleme. Die grobe Struktur des Films kennt die Phase der Emanzipation Sibels und ihrer Scheinhochzeit – und alles danach. Sibels Entscheidung, sich eine Kurzhaarfrisur zuzulegen, markiert diesen Übergang. Sie fungiert auch als Sprecherin aus dem Off und ist die Hauptfigur eines Films, der viel männliche, sexistische Übergriffigkeit und Gewalt zeigt und damit verdammt wütend macht. Nachdem sich die Handlung nach Istanbul verlagert hat, wird Sibel im Suffkoma vergewaltigt und beinahe umgebracht. Meine Dozentin sagte dazu, Sibel verhalte sich wie ein Mann und provoziere dadurch aufs Äußerste. Dies sei überall auf der Welt tödlich. Womit sie vermutlich Recht hat. Dies sind die heftigsten Szenen des Films, die zugleich vermitteln, dass es sich um eine Art perverser Normalität handelt. „Gegen die Wand“ ist hart und nervt damit, stört, rüttelt auf. Gut so.

Und „Gegen die Wand“ ist inszenatorisch dabei sehr gut gemacht, entwickelt eine Sogwirkung auf sein Publikum, auch auf ein möglicherweise zunächst skeptisches. Die Kamera ist sehr nah an den Figuren und arbeitet mit Zooms, die Musik kann stets als Kommentar zur Handlung verstanden werden. Der Film ist urban, realistisch und spröde, zeigt Frau und Mann in natürlicher Nacktheit, sowohl körperlich als auch emotional. Ihr Hang zur Selbstzerstörung wird in einen Kontext eingebettet, der ein typischer des migrantischen Films ist, dem Akin damit aber neue Facetten hinzufügt und so weit geht wie vermutlich kein deutscher bzw. deutsch-türkischer Filmemacher zuvor – ohne es dabei auf einen Krawallfilm anzulegen. Die ehemalige Pornodarstellerin Sibel Kekilli wechselte mit „Gegen die Wand“ ins seriöse Fach, was sich als absoluter Glücksgriff erwies. Vermutlich ermöglichte ihr die eine oder andere Parallele zwischen ihr und ihrer Rolle ein besonders glaubwürdiges Spiel. In Birol Ünel (R.I.P.) fand sie einen Schauspielpartner, bei dem es sich offenbar ähnlich verhielt. Das halboffene Ende kann unterschiedlich aufgefasst werden – ob es sich um ein Happy End handelt oder nicht, bleibt Auslegungssache.

Fatih Akins Drama ist ein intensiver, beeindruckender Film, der auf der Berlinale sogar mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde, womit er in Volker Schlöndorffs Fußstapfen trat. Dieser Film hat den Blick auf Deutschland als Filmland zum Positiven verändert.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
Benutzeravatar
buxtebrawler
Forum Admin
Beiträge: 43209
Registriert: Mo 14. Dez 2009, 23:13
Wohnort: Wo der Hund mit dem Schwanz bellt.
Kontaktdaten:

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitrag von buxtebrawler »

Bild
L.S.D.

Lévitte, zur Titte, zum Sack, zack zack

„Na, meine Taube, gehen wir Pflaumen pflücken?“ (Nein.)

Nach der sexuellen Revolution waren Erotik- und Sexfilme möglich geworden, ohne dass die Macher hätten befürchten müssen, rechtlich dafür belangt zu werden. Bekanntermaßen machten die Deutschen von diesen neuen sich bietenden Möglichkeiten regen Gebrauch – und auf eine gelungene Produktion kamen locker zehn halbgare bis unausstehliche. Unseren französischen Nachbarinnen und Nachbarn sagt man nach, wesentlich mehr von Liebe und Erotik zu verstehen, oh l’amour… Dass dieses positive Vorurteil einer näheren Betrachtung längst nicht immer standhält, beweist Jean Lévitte („Die Sex-Klinik“) mit seinem im Jahre 1971 veröffentlichten „L.S.D.“.

„Unglückselige, bedauernswerte Geschöpfe!“ (Gemeint sind die Zuschauer.)

Der Titelsong „I Believe“ wird in verschiedenen Sprachen gesungen. Renée (Christine Fersen, „Der große Bruder“) steht irgendwo in einer französischen Stadt herum und erzählt irgendetwas, zusammenhanglos werden dann Oben-ohne-Mädels gezeigt sowie ein Lustmolch, der auf der Straße junge Frauen belästigt. Renée zieht eine Konservendose an einer Schnur hinter sich her. Sie mietet einen jungen Mann (Edgar Baum, „Sklavin der Wollust“), der sich Kiss nennt, aber eigentlich Jimmy heißt, für eine Konservenbüchse pro Stunde. Dafür könne er Mundharmonika spielen und „Liebe machen“.

Szenenwechsel: Ein Chef will mit seiner Tippse Jacqueline (Françoise Arouet), bei der es sich um Renées Schwester handelt, eine Kathedrale besuchen und schneidet erst ihren Rock und dann ihre Haare ab. Sie rennt panisch davon, Cheffe hinterher. In einem Hauseingang trifft Jacqueline auf ihre Schwester mit Kiss. Sie jammert herum und ist sexuell noch unerfahren, doch statt sie zu trösten oder ihr zu helfen, zwingt Renée sie, sich bei ihrem Chef zu entschuldigen. Dort bricht sie in Tränen aus. Es stellt sich heraus, dass Jacqueline das Studium ihrer Schwester finanziert!?

Nächster Szenenwechsel: Der Chef geht mit Jacqueline Essen, faselt wieder von der Kathedrale und reißt ihr das Kleid vom Leib, sodass sie erneut flieht – diesmal auf einem Boot, Cheffe auf anderem Boot hinterher, dazu dudelt nervige Flötenmusik. Die reinste Schmierenkomödie. Man stolpert über einen Homosexuellen, den Cheffe mundzumundbeatmet und der daraufhin den Chef verfolgt, weil er geil geworden ist usw... Auf diesem Niveau geht's weiter. Mon Dieu!

Nun platzt man in die Szenerie mit den Oben-ohne-Mädels vom Beginn, Blasmusik oder so was ähnliches ertönt im Hintergrund. Nackedeis stiehlt man die Kleidung, alle rennen herum, auf Godards Spuren (haha…) vergreift sich der Regisseur (bzw. die Postproduktion) an Jumpcuts. Diese Scheiße kann man sich echt nicht angucken.

Es folgen ein schlecht zusammengeschnittener Catfight und ein Typ mit Hahnenmaske, der eine Frau wie ein Grillhähnchen am Spieß dreht und andere auf ihre Hintern peitscht. Was soll das? Dann haben plötzlich alle solche Masken auf, eine Art Nacktmaskenball mit Rollenspiel. Kiss und Jacqueline planen ein krummes Ding mit Medikamenten. Erhält der Film nach nun über einer halben Stunde doch noch eine Handlung?

Nein, aber dafür überrascht er mit tatsächlich erotischen Bildern einer sich auf einem Gummisessel räkelnden Blondine. Mit dem Film hat dies indes nichts zu tun. Ein Typ mit seinem nervigen Blechblasinstrument kommt ins Bild. Er soll sich verpissen und seine Scheißmusik mitnehmen! Plötzlich befindet man sich auf einer lahmen Hippieparty. Der Pfaffe (Rellys, „Die Familienschande“) kommt schimpfen und schnorren, die Blondine macht auf dem Gummisessel nun mit irgendwem rum, die Musik ist mittlerweile ein worst of Jazz. Doch die Party kommt zumindest ein wenig in Gang: Ein bisschen allgemeines Gefummel, nackte Oberkörper und Hintern, hier und da ist ein Mü Schamhaar zu sehen. Es wird sogar so etwas wie künstlerisch: Eine Schwarze befummelt eine auffallend Blasse, was einen netten Kontrast ergibt. Ansonsten sieht das aber alles eher unbeholfen aus und auf einer der Darstellerinnen krabbelt eine Fliege.

Der Pfaffe schimpft über Marihuana und empfiehlt Beten als Alternative. Der Titelsong („I Believe“) wird nun von den Hippies gesungen – schlimm. Die Kamera wackelt sich immer wieder einen ab, als habe der Kameramann Parkinson. Cheffe gibt’s auch noch, der ist mittlerweile endlich mit Renée zur Kathedrale gefahren. Er ist scharf auf Renée, muss aber erst mal Kartenlegen und Handlesen über sich ergehen lassen. Dann pennt sie einfach weg. Kiss wiederum ist jetzt scharf auf Jacqueline, die nun die Medikamente stiehlt. Dies geht schief, Kiss haut mit dem Fluchtwagen ab und sie wird von einem Bullen erwischt. Renée erwischt Kiss, wie er sich gegen deren Willen auf Jacqueline stürzt und reagiert erbost – auf Jacqueline! Täter-Opfer-Umkehr beherrscht sie ausgezeichnet. Zur Strafe versohlt sie ihrer Schwester den Hintern.

Im Anschluss versucht man sich an Slapstick-Einlagen, die in Zusammenhang mit Erotik eigentlich immer völlig unangebracht sind, sich in diesen Film aufgrund des übrigen Schwachsinns aber perfekt einfügen. Eine Freundin Jimmys präsentiert ihre Oberweite innerhalb einer Duschszene. Jacqueline wird zwecks Medikamentenschmuggels zum Bahnhof gebracht, Renée denunziert sie aber bei der Polente. In der Bahn trifft Jacqueline den Pfaffen. Am Zielort erwarten die Bullen Jacqueline und durchsuchen ihre Tasche, haben aber ihre mit der der zugestiegenen Nonne verwechselt, die hat nämlich zufällig das gleiche Modell. Kiss alias Jimmy klaut der Nonne die Tasche, eine ca. dreisekündige „Verfolgungsjagd“ auf Fahrrädern gilt es ungläubig zu bestaunen. Erst wird an der Küste mit den Taschen herumgerannt, anschließend auf einem Rummelplatz und ein paar Titten gibt's noch zu sehen. Eine Wahrsagerin schaut in eine Kristallkugel und ahnt Renée Ankunft. Dort erwischen sie die Bullen, finden aber nix bei ihr, dafür aber beim Chef. Vertauschte Taschen, gelle?

Das war’s zum Glück weitestgehend. Im Epilog zehrt zum wiederholten Male das schwülstige „I Believe“ an den Nerven. Die Zuschauerschaft lässt man abschließend noch wissen, dass Jacqueline nunmehr auf Kiss alias Jimmy scharf ist und mit ihm zusammen eine Wiese bis in einen Swimmingpool hinunterkullert.

Weshalb der deutsche Verleih aus dem Originaltitel „Kisss.....“ nun ausgerechnet „L.S.D.“ machte, lässt sich nur damit erklären, dass er der – nachvollziehbaren – Ansicht gewesen sein muss, der Film sei unter Drogeneinfluss entstanden. Inhaltlich kommt der bewusstseinserweiternde Stoff jedenfalls nicht vor oder aber ich habe irgendeinen pappefressenden Hippie übersehen. Renée ist sexy und Jacqueline ist süß, in Erotikszenen sind beide aber so gut wie gar nicht zu sehen. Die „Story“ um den Medikamentendiebstahl bzw. -schmuggel ist aufgesetzter Humbug und der Rest Müll an der Grenze zur Unguckbarkeit, der wohl nur die Allernotgeilsten mit seinen nackten Tatsachen bei der Stange hält. Es gibt natürlich auch gelungene Momente, ich habe sie beide genannt. „L.S.D.“ lässt den Schluss zu, dass man seinerzeit auch in Frankreich mit dem größten Müll durchkam, wenn nur ein paar Nackedeis zu sehen waren. „Der Idiotenzwinger“ ist dagegen anspruchsvolles Kunstkino.

Bewertung: 1,5 von 10 um den Hals des Musizierenden gewickelte Blechblasinstrumente.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
Benutzeravatar
buxtebrawler
Forum Admin
Beiträge: 43209
Registriert: Mo 14. Dez 2009, 23:13
Wohnort: Wo der Hund mit dem Schwanz bellt.
Kontaktdaten:

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitrag von buxtebrawler »

Bild
Pornografie illegal

„Kurvenreiche Strecke, die da vor mir liegt...“

Der deutsche Fummel- und Bumsfilm-Produzent und -Regisseur Alois Brummer („Graf Porno bläst zum Zapfenstreich“) nahm sich aus dem US-amerikanischen Roughie „A Taste of Hot Lead“ aus dem Jahre 1969 des Regisseurs William Rotsler („Laila – Vampir der Lust“) diejenigen Sequenzen, die er gebrauchen konnte, drehte in Hamburg und München spielende Szenen dazu und veröffentlichte das zusammengestückelte Ergebnis im Jahre 1971 als „Pornografie illegal“.

„Na los, ausziehen! AUSZIEHEN!“

New York: Die Einbrecher Johnny und Jimmy (Dee Howard und James Brand) verstecken sich im Schrank vorm heimkommenden Pärchen. Während die rothaarige Eve sich betont langsam auszieht, reißt ihr Stecher Taylor einen dämlichen Spruch nach dem anderen. Dann steigen auch noch die Einbrecher in diese Kakophonie ein. Überraschenderweise ziehen sie ihn während des Vorspiels von ihr herunter und bezahlen sie: Sie diente ihnen als Lockvogel. Sie foltern Taylor (dargestellt als Schatten an der Wand), damit er ausspuckt, wo sich die Juwelen befinden. Er schweigt und wird dafür erschossen. Eve gibt sich davon angeregt der brünetten Joan zu lesbischem Gefummel hin. Die Gangster überfallen Carl, der die Juwelen hat, und erschießen ihn, als er seinen Revolver zückt.

Hamburg: Zwei andere Gangster namens Joe und Paul kommen an den Landungsbrücken der Hansestadt an, wo auch gleich die Polizei auf sie aufmerksam wird. Sie suchen Helene auf, eine Bekannte Joes. Deren Verlobter ist gerade da, ein offenbar Homosexueller, der nur mit einer Schürze bekleidet staubsaugt. Die Gangster schmeißen ihn raus, woraufhin er nackt mit seinem Staubsauger über den Kiez zur Davidwache läuft und die Kamera ihm folgt. Prostituierte am Straßenrand präsentieren derweil ihre Auslagen. Paul, der ältere der beiden, badet mit langer Unterhose, während Joe und Helene sich für eine Softsexnummer im Bett wälzen. Das Sprücheklopfen dabei hat sich Brummer bei seinem US-Kollegen abgeguckt. Polizisten stören den Beischlaf und sehen sich in der Wohnung um; Joe und Paul verstecken sich aber erfolgreich.

Ein kleinwüchsiger Zuhälter postiert und instruiert seine Bordsteinschwalben. Die Gangster sehen sich in einem Sexshop um, in dem die Bedienung oben ohne hinter der Kasse steht, und sich ein Sexkino von außen an. Dann gönnen sie sich zwei Damen des horizontalen Gewerbes. Brummer versucht offenbar, so viele schlüpfrige Kiez-Impressionen wie möglich unterzubringen. Dass diese beiden US-Gangster perfekt Deutsch sprechen: geschenkt. Der Kleinwüchsige ohrfeigt sein Personal, wenn es nicht korrekt mit ihm abrechnet – oder „Gage“ verlangt. Joe und Paul sind mit ihm befreundet, die Wiedersehensfreude ist groß.

Derweil in den USA: Johnny und Jimmy überfallen zwei lesbische Frauen in deren Zuhause. Camilla befindet sich gerade nackt im Bad und freut sich darüber, gibt sich willig dem Vorspiel hin, während er sie mit seiner Pistole bedroht. Der Geschlechtsakt in der Badewanne ist als Softsexszene inszeniert. Mittlerweile werden Johnny und Jimmy auch per Radiodurchsagen gesucht. Ihre zweite weibliche Geisel will keinen Sex, aber zwei weitere Mädels stoßen hinzu, darunter eine sofortgeile Blondine. Es beginnt ein Umtrunk und die Mädels tanzen auf Befehl. Die andere Neue, die rothaarige Carol, aber wendet eine List an und verschmorrt ein Handtuch im Backofen. Sie kann in der Verwirrung darüber entkommen, wird aber gleich eingeholt. Ihre Brüste werden freigelegt, in der Wohnung soll sie vergewaltigt werden. Die Gangster zwingen nun alle, sich ihrer Kleidung zu entledigen. Die Kamera filmt den Oben-ohne-Tanz Carols sehr nah von unten. Zwischendurch tastet sie immer wieder die Oberweiten der anderen ab. Als sich Jimmy auf Carol stürzt, geht ihre Freundin dazwischen, woraus sich sogleich lesbisches Gefummel inklusive Anschlussfehlern entwickelt. Nun schlägt der Fiesling die Freundin nieder und fesselt sie ans Bett, vergewaltigt sie. Danach nimmt er sich die noch immer willige Camilla vor, die schon sein Komplize hatte. Er behält alle Klamotten an, sie ist komplett nackt – wie albern. Die üppig von der Natur bedachte Blondine schaut lüstern zu, gibt sich ihm ebenfalls hin und lässt sich von ihm mit dem Gürtel zwecks Lustgewinns peitschen. Beim Sex will sie weiter geschlagen werden. Mittlerweile ist er immerhin oberkörperfrei, seine Hose behält er aber noch immer an. Camilla beschließt jedoch zusammen mit der Vergewaltigten, dem Treiben ein Ende zu bereiten. Sie ziehen Johnny mit einer Flasche eins über und erschießen Jimmy. Im Todeskampf erschießt dieser wiederum die Vergewaltigte, als sie noch einmal auf ihn losgeht.

Zurück in Hamburg flieht der Kleinwüchsige halbnackt vor der Steuerfahndung, während die Gangster einen Mann überfallen, um ihm das Auto zu stehlen. Nun fahren sie nach München, wo sie sich im Kofferraum des Autos einer heißen, italienisch anmutenden Schwarzhaaren verstecken. Diese und ihren Partner überfallen sie anschließend. Geld bekommen sie keines, wollen dafür Sex haben. Sie fesseln den Partner der Frau und wollen sie vergewaltigen. Sie zeigt sich jedoch recht angetan und kommt der Aufforderung zum Tanz nach, was unter Brummers Regie unfreiwillig ungelenk aussieht. Joe liebkost sie, Paul guckt zu und labert dabei unentwegt dummes Zeug – wie zur Hölle soll man da können?! Die soeben Beglückte hat die Schnauze von ihrem Partner voll und schließt sich den Gangstern an, die sie zum Bahnhof bringen.

Eine Falschparkerin hat ihren Führerschein nicht dabei und versucht, den Politessen zu verführen. Der ziert sich, will dann aber nicht als Schlappschwanz dastehen. Er zieht sich aus und hängt die Dienstmütze über sein offenbar erigiertes Glied, denn sie lässt sich daran nun drehen wie an einem Stab. Dieser Exkurs hat mit der eigentlichen Handlung nicht das Geringste zu tun.

Die Gangster suchen ein Haus im Wald auf, wo eine Blondine nur mit Handtuch bekleidet öffnet. Sie heißt Brigitte und hat einmal mehr eine gleichgeschlechtliche Freundin, die sie aufweckt, um den beiden sofort eine Lesbennummer zu bieten. Paul zieht sich bis auf die lange Unterhose aus, albert mit seinen löchrigen Socken herum und sabbelt wieder unentwegt – kann ihn nicht bitte endlich jemand erschlagen? Joe begibt sich zu den Damen, die das alles völlig normal finden, ins Bett. Als die Gangster schlafen, erfahren die Lesbierinnen aus der Zeitung, um wen es sich bei ihren Besuchern handelt, und fesseln sie ans Bett. Die Polizei wird ihrer endlich habhaft und der Tonfall des Films ist mittlerweile komplett albern, womit Brummers Szenen endgültig nicht mehr zum US-Roughie passen.

Unterm Strich ist dieses Flickwerk für ein ohne Vergewaltigungsfantasien und anderen frauenverachtenden Mist auskommendes Publikum ein abtörnender Kackfilm mit teils erbärmlichen darstellerischen Leistungen und wenig Verständnis für wirkliche Erotik. Warum der im Trailer als Report angekündigte Film seinen reißerischen Titel trägt, erschließt sich (außer aus kommerziellen Erwägungen) nicht, denn weder geht es um Pornografie noch handelt es sich um einen Reportfilm – immerhin aber auch ausnahmsweise einmal nicht um eine Komödie, auch wenn er gegen Ende doch arg ins Klamaukige abdriftet. Dass beide Filme überhaupt nicht miteinander korrespondieren, auch wenn sich Brummer noch so sehr am Plagiat des US-Streifens versucht, scheint Brummer nicht die Bohne interessiert zu haben. Die daraus entstehende unfreiwillige Komik macht den Film für Hartgesottene, die den vor allem in den US-Szenen dargestellten Terror ertragen, eventuell zu einem trashigen Vergnügen, der Großteil dürfte sich aber entsetzt abwenden. Filmhistorisch ist „Pornografie illegal“ als Beispiel für die dreiste und dilettantische Machart vieler damaliger Produktionen interessant.

Zu den Darstellerinnen und Darstellern der deutschen Abschnitte zählen Elke Boltenhagen, Karin Hofmann, Waltraud Schäffler, Monica Marc, Johannes Buzalski, Wolfgang Scherer, Bertram Edelmann und Josef Moosholzer. Wer wen genau spielte, bekomme ich aber nicht mehr zusammen.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
Benutzeravatar
buxtebrawler
Forum Admin
Beiträge: 43209
Registriert: Mo 14. Dez 2009, 23:13
Wohnort: Wo der Hund mit dem Schwanz bellt.
Kontaktdaten:

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitrag von buxtebrawler »

Bild
Ebola Syndrome

„Disgusting.“

Der von Regisseur Herman Yau („The Untold Story“) inszenierte und im Jahre 1996 veröffentlichte „Ebola Syndrome“ ist einer der berüchtigtsten Hongkong-Schocker.

„I have to vomit.“

Kai San (Anthony Wong, „Hard-Boiled“) ist als Koch in Hongkong tätig und treibt es mit der Ehefrau seines Chefs Kwan (Fui-On Shing, „God of Gamblers 2“). Dieser will ihm daraufhin ans Leder, doch Kai wehrt sich nicht nur, sondern veranstaltet ein regelrechtes Massaker, das nur die kleine Tochter der Eheleute überlebt. Daraufhin flieht er nach Südafrika, wo er nach einiger Zeit in Johannesburg wieder in der Gastronomie arbeitet. Um an billiges Fleisch zu gelangen, sucht Kai zusammen mit seinem neuen Chef einen Zulu-Stamm auf. Dabei vergewaltigt er eine im Sterben liegende Zulu, die an Ebola erkrankt ist, und ermordet auch sie. Er infiziert sich mit dem Virus, entwickelt jedoch eine Immunität dagegen – und verbreitet es auf ekelhafte Weise erst in Südafrika und dann in Hongkong…

„How dare you bully me?!”

Zu Beginn wehrt Kai sich gegen seinen Chef, der ihn kastrieren will – soweit erst einmal verständlich. Im Zuge des brutalen Blutbads, das Kai dabei anrichtet, will er aber nicht einmal vor der unschuldigen Tochter Halt machen. Damit wäre Kai bereits zu Beginn ausreichend charakterisiert: ein Soziopath und Kernasi. In Afrika zerhackt er zudem einen Frosch bei lebendigem Leibe, später werden Hühnern onscreen die Köpfe abgeschlagen, einem sogar abgerissen. Da es sich dabei um echte Tiertötungen handelt, scheint Regisseur Yau ähnlich verkommen zu sein wie Kai und dessen Darsteller Wong, der seine Rolle als komplettes Ekelpaket und Verlierer auslegt. Kai formt sich aus rohem Fleisch eine Ersatzmuschi zum Onanieren, während er seinem Chef beim Sex belauscht. Das Stück Fleisch legt er anschließend zurück. Das Mädchen vom Beginn ist inzwischen erwachsen und erkennt ihn in einem Restaurant wieder. Es wird von Flashbacks ans Massaker geplagt. Dies ist der Auftakt für eine Art Krimianteil des Stoffs.

Auf ihrer Fahrt zu den Zulus werden sie von einem Gepard angegriffen und anschließend Zeuge des Hühnergemansches der Eingeborenen. Sein Vergewaltigungsopfer tötet Kai, indem er ihm den Schädel mit einem Stein zertrümmert. Da Kai sich illegal im Land aufhält, kann er besonders gut ausgebeutet werden, was in manch Dialog Erwähnung findet und dem Film somit wenigstens etwas Sozialkritik verleiht. Überwiegend handelt es sich jedoch um niveaulose vulgäre Dialoge. Inklusive rassistischem Gequatsche. Kai erschlägt seinen neuen Chef und vergewaltigt und tötet auch dessen Frau, weil sie ihn hasste. Er verarbeitet beide sowie noch jemanden zu Mettgut: „African Buns“. Insofern spielt auch Kannibalismus eine Rolle.

Die Krankheitsausbrüche kommen ganz plötzlich und haben nicht viel mit Ebola zu tun, sehen vielmehr aus wie epileptische Anfälle. Eine Autopsie ist zum Film passend unappetitlich, aber gut getrickst. Die Handlung jedoch wird immer absurder. Kai nimmt eine andere Identität an und ist durch das Geld seines Chefs nun selbst vermögend. Dennoch jagt die Polizei ihn jetzt. Also geht er zu einer alten Liebschaft (Miu-Ying Chan, „Hongkong Powerman“) nach Hongkong zurück. Diese ist mittlerweile mit einem drogenabhängigen Vollidioten verheiratet. Den werfen sie kurzerhand heraus und leben wieder miteinander. Ungewöhnliche Aufnahmen aus seinem Mund heraus zeigen die Viren und ihre Verbreitung. Bis auf den deftigen Showdown hat der zweite in Hongkong spielende Teil aber weitweniger Schauwerte zu bieten als das vorausgegangene Geschehen.

Diese bestanden, von der einen oder andere weiblichen Oberweite innerhalb von Sexszenen einmal abgesehen, vor allem aus ekelerregenden Bildern, die bewusst jegliche Geschmacksgrenze überschreiten. Einerseits schwächen die comicartige Überzeichnung und chargierenden Darsteller den Effekt ab, andererseits wird er durch die realen Tiermorde verstärkt. Zeitlupen sollen etwas Drama einbringen, „Ebola Syndrome“ ist aber weder Fisch noch Fleisch. Ein besserer Film wäre er wohl geworden, hätte man ihn konsequent als schwarzhumorige Komödie inszeniert, statt dämlicherweise aufs Ebola-Virus zu referenzieren eine fiktionale Krankheit herangezogen und Spezialeffektkünstler ihrem Handwerk nachgehen lassen, statt sich an Tieren zu vergreifen. So handelt es sich unterm Strich leider um ein ziemlich unsympathisches Machwerk.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
Benutzeravatar
buxtebrawler
Forum Admin
Beiträge: 43209
Registriert: Mo 14. Dez 2009, 23:13
Wohnort: Wo der Hund mit dem Schwanz bellt.
Kontaktdaten:

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitrag von buxtebrawler »

Bild
Robot Maniac

„Das Verfahren funktioniert, begreifen Sie doch!“

Der neuseeländische Regisseur David Blyth („A Woman of Good Character”) wagte sich im Jahre 1984 mit „Robot Maniac“ alias „Death Warmed Up” an einen harten Genrefilm, der in neuseeländisch-australischer Koproduktion entstand und zu den ersten ozeanischen Filmen mit beträchtlichem Horroranteil, der sich hier aus Mad-Scientist-Motiven speist, zählen dürfte.

„Wir sind der neue Messias!“

Dr. Archer Howell (Gary Day, „Raw Deal“) und Professor Tucker (David Weatherley, „Jack Holborn“) sind Gehirnforscher, die in einen erbitterten Streit miteinander geraten. In dessen Folge missbraucht Dr. Howell den Sohn seines Kollegen, Michael (Michael Hurst, Iolaus aus „Xena“ und „Hercules“!), indem er dessen Hirn derart manipuliert, dass er seine Eltern (und damit den unliebsamen Kollegen) umbringt. Als Michael nach sieben Jahren aus der Klapse entlassen wird, bereist er zusammen mit Lebensgefährtin Sandy (Margaret Umbers, „Fahrt ins Grauen“) und einem befreundeten Paar eine Insel. Was weder seine Freunde noch Sandy wissen: Dort will er Rache an Dr. Howell nehmen, der auf dem Eiland eine Klinik eröffnet hat, in der er seine ethisch mehr als fragwürdigen Experimente weiterführt…

„Das ist die letzte Fähre, ihr Pisser!“

Im Prolog zeigt uns Regisseur Blyth brutalistische Architektur, durch die Michael ins Sanatorium rennt. Dessen Vater streitet gerade mit Dr. Howell, welcher Michaels Dad sogar droht, ihn umzubringen. Während Michael duscht (Nacktszene), jagt Dr. Howell ihm eine überdimensionale Spritze in den Hintern (homoerotische Symbolik). Dass Dr. Howell offenbar nicht ganz dicht ist, wird endgültig deutlich, als er sogar im Fernsehen damit prahlt, den Tod zu überwinden. Der von ihm manipulierte Michael erschießt wie ferngesteuert seine Eltern mit einer Pumpgun und landet daraufhin in der Gummizelle. Ein amtlicher Auftakt!

„Ich bringe dich direkt in die Hölle, mein Junge!“

Eine Texttafel informiert im Anschluss darüber, dass sieben Jahre vergangen sind, Michael wieder auf freiem Fuß ist – und Dr. Howell auf einer abgelegenen Insel seine Experimente an Menschen fortführt, was der Film sogleich mit expliziten Bildern einer dort erfolgenden Schädelöffnung belegt. Michaels Schädel hingegen ist noch ganz, aber wasserstoffblondiert. Der Kapitän des Schiffs, mit dem er, Sandy und die Freunde rübermachen, rät vom Camping ab. Das befreundete Paar will ficken, was Blyth willkommener Anlass ist, seinen Film um etwas Sleaze zu erweitern. Beobachtet werden sie von notgeilen Voyeuren, die aussehen wie aus „The Hills Have Eyes“ entsprungen. Ein weiterer Kaputter stört das Liebespaar und kotzt anschließend unter Deck, woraufhin eine Schlägerei entbrennt. Die etwas andere Art der „Klinik unter Palmen“ sieht futuristisch aus und der Kaputte entpuppt sich als Mr. Monroe, den untoten Beweis für Dr. Hallows Theorie. Und weil Monroe ausgedient hat, bringt man seinen Kopf zum Platzen. Sprotz!

„Ich bin gottähnlich. Ich greife in die Schöpfung ein!“

Das lüsterne Pärchen erkundet derweil die alten Bunker der Insel, wo sie mit einer erhängten Leiche konfrontiert werden. Die Spanner vom Schiff haben ihre Böcke gesattelt und jagen die beiden durch die Gänge – ausgesprochen stilvoll inszeniert! Michaels Kumpel tötet einen von ihnen, nachdem sie das Mädchen verletzt haben. Sie stellen sich wenig überraschend als Handlanger des irren Docs heraus. Dieser will sogleich auch den zweiten Spanner liquidieren, doch dieser wehrt sich und revoltiert. Michael und Co. versuchen, medizinische Hilfe für die Verletzte zu bekommen. Zwischenzeitlich gerät die Schose zum Dreikampf zwischen den Pärchen, den Handlangern und dem Klinikpersonal. Die Verletzte macht aus einem der Hiwis eine brennende Fackel, fängt dabei aber selbst Feuer und verursacht eine Explosion – das nenne ich mal eine Kettenreaktion!

Das letzte Drittel gerät ziemlich actionreich und hält eine weitere explizite Hirn-OP bereit. Nur was sollen die seltsamen OP-Masken bewirken, die aussehen wie aus Fischernetzen gefertigt? Muss man nicht verstehen, der Doc ist ja eh mad wie Sau. Der Showdown, der zunächst zwischen Michael und Howell angedeutet wird, dann aber vielmehr gegen den verbliebenen Voyeur stattfindet, ist leider enttäuschend unspektakulär. Und der Epilog mutet reichlich schräg an, wenn (Achtung, Spoiler!) Michael zum Verdruss seiner Freundin wahnhaft wirkt und schließlich einer Hochspannungsleitung zum Opfer fällt.

Nichtsdestotrotz ist Blyth mit seinem mit gerade einmal knapp 80 Minuten Spielzeit knackig kurzen Film ein wunderbar unpoliertes, krudes Mad-Scientist-Horror/Action-Vehikel gelungen, das irgendwie typisch Ozploitation ist und bei mir die richtigen Knöpfe drückt. Man darf sich nur nicht von Michaels New-Wave-Erscheinungsbild, der einen oder anderen etwas eigenartigen Idee und der zwischen Alte-Schule-Frankenstein und Futurismus changierenden Atmosphäre irritieren lassen, sondern sollte sich zurücklehnen und es genießen, wie man auf Neuseeland zahlreiche Genre-Einflüsse miteinander vermengte. Wäre zum Ende hin nicht das Budget ausgegangen (oder was auch immer da los war), hätte „Robot Maniac“ sogar ein richtiger Kracher werden können.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
Benutzeravatar
buxtebrawler
Forum Admin
Beiträge: 43209
Registriert: Mo 14. Dez 2009, 23:13
Wohnort: Wo der Hund mit dem Schwanz bellt.
Kontaktdaten:

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitrag von buxtebrawler »

Bild
Control – Du darfst nicht töten

„Das ist die letzte Gelegenheit, etwas Gutes in Ihrem Leben zu tun, Mr. Oliver – die Chance, der Gesellschaft etwas zurückzugeben.“

Von US-Regisseur Tim Hunter („Das Messer am Ufer“) stammt die Thriller/Drama-Mischung „Control – Du darfst nicht töten“, eine US-amerikanisch-deutsche Produktion aus dem Jahre 2004.

„Scheiß auf die Gesellschaft!“

Lee Ray Oliver (Ray Liotta, „GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia“) ist wegen Mordes zum Tode verurteilt, erhält aber die Möglichkeit, am Leben zu bleiben, wenn er sich einem Experiment zur Verfügung stellt: Lässt er sich das von Dr. Michael Copeland (Willem Dafoe, „Der blutige Pfad Gottes“) neuentwickelte Präparat „Anagress“ injizieren, soll dieses bewirken, dass aus dem Gewalttäter und Kapitalverbrecher ein friedliebendes Mitglied der Gesellschaft wird. Lee Ray willigt ein und das Medikament scheint tatsächlich anzuschlagen. Oder macht Lee Ray nur allen etwas vor…?

„Der Typ ist ein Bilderbuch-Soziopath!“

Die fingierte Hinrichtung per Giftspritze zu Beginn ist starker Tobak, die Lee Rays Tätowierungen abfahrende Kamera hingegen wühlt tief im Klischee: Tattoos – gefährlich – Knacki. Als er die Spritze bekommt, läuft sein Leben in Form visualisierter Flashbacks vor ihm ab, nicht frei vom nächsten Klischee: eine (später im Dialog vertiefte) schwere Kindheit, die in zahlreiche brutale Straftaten inklusive Morde mündet. Zwischenzeitlich scheint auch Dr. Copeland ein Gewaltproblem zu haben, was der Film aber zunächst nicht mehr aufgreift. Man verändert Lee Rays Aussehen und entfernt seine Tattoos. Und tatsächlich scheint er erstmals Reue zu zeigen, als er an sein Opfer Gary Caputo (Mark Pickard, „Gothic“) denkt, der „zur falschen Zeit am falschen Ort“ war. Ein auf seine Schulter fallender Bluttropfen Caputos ist ein wiederkehrendes Bild, das ihn verfolgt. Man legt Lee Ray elektronische Fußfesseln an und entlässt ihn unter neuer Identität und unter ständiger Überwachung in ein normales Leben.

Lee Ray findet sofort einen ersten Aushilfsjob, scheint aber ein falsches Spiel zu spielen und etwas im Schilde zu führen: Er bunkert seine Pillen und besorgt sich eine Waffe. Während man sich noch wundert, hält die Handlung eine Überraschung parat: Gary Caputo ist gar nicht tot, er wurde seinerzeit lediglich angeschossen. Der Film hatte einen bewusst aufs Glatteis geführt, zumindest ein bisschen, denn Folgeschäden hat Caputo in jedem Falle davongetragen: Seit dem Kopfschuss ist er ein geistig behinderter Simpel. Lee Ray, der jetzt Joe heißt, besucht ihn und ist überaus nett zu ihm. Die sich noch rätselhaft entwickelnde Dramaturgie wird urplötzlich von einer Charakterisierung Doc Copelands unterbrochen, der, wie wir jetzt erfahren, geschieden ist und seinen kleinen Sohn durch eine Revolverkugel verlor.

Dies zögert aber lediglich die eigentliche Essenz des Films hinaus: Gary Caputos Bruder Bill (Tim DeKay, „Passwort: Swordfish“) sinnt auf Rache, sucht Lee Ray alias Joe und findet ihn schließlich. Auf eine leichte Actioneinlage auf einem Rummelplatz folgt eine deftige Actionsequenz, in der Joe von Bill Caputo entführt wird. Bill erschießt dabei einen Wächter und nimmt Joe die Fußfesseln ab. Da alles danach aussieht, als habe Joe den Wächter erschossen, wird er zum Abschuss freigegeben, Nun ist der Film in seinem Element, setzt verstärkt auf Action, die sich in Schießereien, Kfz-Verfolgungsjagden, Crashs und Unterwasser-Stunts bahnbricht.

„Control – Du darfst nicht töten“ ist ganz gut getimt, wird nicht langweilig und wartet mit einer überraschenden Wendung im Finale auf. Auf dieses folgen ein dramatischer, tragischer Ausgang und ein kitschiger Epilog. Das Erscheinungsbild ist rau; das namhafte Schauspielensemble weiß, was es zu tun hat, und gibt sich kaum eine Blöße. Ein Film über Resozialisierung, wenn man es so nennen will, der bewusst zahlreiche Finten legt und sich bierernst gibt, mit seinen Nebenfiguren aber in erster Linie Zeit zu schinden scheint und dessen Prämisse – Läuterung durch Medikamente – ziemlicher Humbug ist. So etwas kann man in einer Satire à la „A Clockwork Orange“ anbringen, nicht aber in einem Action-Thriller, der ernstgenommen werden will und zuweilen eher unbeholfen wirkend zum Drama umschwenkt. Ein etwaiger Subtext um Aussöhnung und die Fähigkeit zu verzeihen geht dabei völlig unter.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
Benutzeravatar
buxtebrawler
Forum Admin
Beiträge: 43209
Registriert: Mo 14. Dez 2009, 23:13
Wohnort: Wo der Hund mit dem Schwanz bellt.
Kontaktdaten:

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitrag von buxtebrawler »

Bild
Die Mächte des Lichts

Der Letzte macht das Licht aus

„Weib, halte mich nicht zum Narren! Ich habe keine Zeit für Späße!“

Nach dem großen Erfolg von „Conan – Der Barbar“ ließ Roger Cormans Low-Budget-Produktionsschmiede nicht lange auf sich warten und produzierte einen Sword-&-Sorcery-Low-Fantasy-Film in der Discount-Variante. Das Drehbuch stammt von Jim Wynorski, an dem sich auch Regisseur Jack Hill („Foxy Brown“) beteiligte. Wynorski debütierte damit im Autorenfach und Jack Hill war mit dem von ihm in Mexico inszenierten Ergebnis nach Cormans Postproduktion derart unzufrieden, dass er nicht als Regisseur genannt werden wollte und der Branche nach diesem erfolglosen Comeback-Versuch den Rücken kehrte. Sei’s drum.

„Was hat er dort? Das sieht ja lustig aus.“ – „Am Hals?“ – „Nein, zwischen den Beinen!“

Fiesling und Zauberer Traigon (Roberto Ballesteros) will sein Erstgeborenes dem dunklen Gott Caligara opfern, wovon er sich eine Festigung seiner Macht erhofft. Die Mutter der Zwillinge Mira und Mara (die Playmates Leigh und Lynette Harris) hält davon jedoch gar nichts, verrät Traigon nicht einmal, wer von beiden das Erstgeborene ist, und überlässt sie dem Zauberer Krona (Martin LaSalle, „Alucarda – Tochter der Finsternis“), der sie vor Traigon beschützt und sie bei einer Bauerfamilie versteckt. Diese erzieht die beiden als Jungen zu tapferen Kriegern. Doch nach 20 Jahren kehrt Traigon zurück und will endlich seinen Plan in die Tat umsetzen. Die Zwillinge aber sind zu zwei ebenso wehrhaften wie stattlichen jungen Frauen herangewachsen und haben Freunde, mit denen zusammen sie sich zur Wehr setzen…

Töten und verlöten

Auch wenn Conan-Fans das nicht gerne hören: Verfilmte Low-Fantasy ist per Definition Trash – wer sich dies als Filmemacher bewusst macht, bringt gute Voraussetzungen mit, das Barbaren-Pathos Conans abzulegen und einen bekloppten, unterhaltsamen Film zu schnitzen. Traigon meuchelt sich direkt zu Beginn durch die mittelalterliche Szenerie und bekommt es zu seiner Verwirrung mit Zwillingen zu tun. Das Blöde für ihn: Versehentlich das Zweitgeborene zu opfern, hätte verheerende Folgen. Zu allem Überfluss tritt sein alter Lehrmeister Krona auf den Plan und macht Traigons Männer kalt. Und während die Mutter der Kinder schon im Sterben liegt, erledigt sie den Rest und bringt Traigon zur Strecke. Er hat’s einfach nicht drauf.

„Bei Teutates!“

Nach dem 20-jährigen Zeitsprung bringt der Film Schauwerte anderer Art ein, indem er die Zwillies beim Nacktbaden im See zeigt und auch im weiteren Verlauf immer einmal wieder dramaturgisch zwingend notwendige (*hüstel*) Oben-ohne-Szenen integriert. M & M (schmelzen im Mund, nicht in der Hand) bekommen es zunächst mit einem notgeilen Satyr zu tun, den sie beim Spannen erwischen und kurzerhand umhauen. Ihre Pflegefamilie jedoch muss dran glauben, als Traigons Mörder angreifen. Die Zwillinge hingegen erweisen sich äußerst wehrhaft und machen die Angreifer daraufhin platt. Ein Wikinger schaut zusammen mit dem Satyr vorbei und erweist sich als freundlicher Mitmensch. Später wird sich ihnen noch Erlick, ein blondgelockter Barbar, anschließen.

„Zwei, die wie einer sind“ (das Wort Zwillinge war damals noch unbekannt)

Natürlich werden die üblichen Genreversatzstücke abgehakt, seien es Prügeleien, seien es Schwertkämpfe, unterlegt mit James Horners heroischer bis pompöser Musik (die aus „Sador – Herrscher im Weltraum“ gemopst wurde). Eine köstliche Wendung ist der Umstand, dass die Mira und Mara gar nicht wissen, dass sie keine Jungen sind. Auf einen Menschen im Affenkostüm folgt plötzlich eine ganze Schar, die mit Lachgasbomben um sich wirft. Auch nicht schlecht: Mara vögelt mit Erlick, ihre Schwester spürt derweil die Erregung und räkelt sich wollüstig auf dem Fußboden. Gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse: Zombies, eine mit Laserstrahlen Explosionen verursachende Gottheit als Hackfresse am Sternenhimmel und ein fliegender Löwe – das hat auch was von der Augsburger Puppenkiste.

„Mir ist überhaupt nicht an deinem Weltreich gelegen. Ich bin eine Frau. Ich habe ganz andere Sehnsüchte...“ (Man kann es ihnen einfach nicht rechtmachen.)

Im Original heißt der Film schlicht „Sorceress“, wenngleich gar keine Zauberin vorkommt – dafür aber so einige leicht beschürzte oder gleich barbusige Mädels. Zu Softporno-ähnlichem Mumpitz verkommt „Mächte des Lichts“ jedoch nicht. Der mit einem Laienensemble gedrehte und in satten Farben präsentierte Film bietet dennoch viel fürs Auge, kackt bei den Spezialeffekten jedoch ziemlich ab (was einer der Streitpunkte zwischen Hill und Corman gewesen sein soll) und bietet eine wirre und inkonsistente, dafür aber straffe, in knapp 80 Minuten auserzählte Handlung.

Wenn schon Barbaren-Trash, dann bitte so!
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
Benutzeravatar
buxtebrawler
Forum Admin
Beiträge: 43209
Registriert: Mo 14. Dez 2009, 23:13
Wohnort: Wo der Hund mit dem Schwanz bellt.
Kontaktdaten:

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitrag von buxtebrawler »

Bild
Garfield: His 9 Lives

„Garfield: His 9 Lives“ war ursprünglich ein gleichnamiges Comicbuch aus dem Jahre 1984, das es etwas später auch nach Deutschland schaffte und in dem neben Jim Davis auch einmal ganz andere Zeichner Katzengeschichten verfassen durften, die so ganz anders sind als die Garfield-Comics, die man kennt. Die lose Klammer dabei war, dass es sich um Garfields hier nicht nur sprichwörtliche neun Leben handeln sollte, die Geschichten demnach in Vergangenheit und Zukunft spielten.

Der US-Fernsehsender CBS beauftragte die Produktion einer Verfilmung, die als 48-minütiger Episodenfilm im Jahre 1988 erstausgestrahlt wurde. Dabei wurden nur Teile des Buchs übernommen: Vier Geschichten wurden durch neue ersetzt und das Ende abgeändert. „Babes and Bullets“ aus dem Comic wurde ein Jahr später als eigenständiger Kurzfilm produziert und ausgestrahlt. Ich habe mir das US-Original ohne Untertitel angesehen und dabei sicherlich nicht jede Textzeile verstanden. Eine deutsch synchronisierte Fassung ist aber leider unauffindbar.

In der Rahmenhandlung erschafft (ein absichtlich unscharf und schemenhaft gezeichneter) Gott die Katze und gibt ihr neun Leben, die fortan als Episoden unterschiedlicher Zeichner, Regisseure und Länge zu sehen sind. „Cave Cat“ zeigt einen Säbelzahn-Garfield zur Zeit der ersten Menschen – und wie er sich domestizieren ließ. Ein prähistorischer Odie ist natürlich nicht weit und getreu dem Höhlenmenschen-Klischee wird sich viel mit Keulen auf den Kopf gehauen. In „King Cat“ lebt Garfield im alten Ägypten, wo Katzen verehrt werden und er sich Odie zum Sklaven hält – bis sich das Blatt wendet. Eine sehr spaßige Episode um übertriebenen Herrscherkult und das Für und Wider eines Systems aus Herrschern und Sklaven. Völlig aus dem Rahmen fällt anschließend „The Garden“, wo ein Mädchen namens Cloey mit seinem an Garfield erinnernden Babykätzchen in einem überkitschten Wunderland-Garten spielt und man, offenbar angelehnt an den biblischen Sündenfall, einer Versuchung widersteht, die für beide die Vertreibung aus dem Garten bedeuten könnte. Also passiert hier… nichts, außer der absoluten Überdosis quietschbunten Kitschs. „Alice im Wunderland“ in der besonders frommen Evangelikalen-Variante; vermutlich eine Parodie auf ernstgemeinte, ähnlich aussehende Formate.

Im sich ebenfalls von Jim Davis‘ Zeichenstil gänzlich unterscheidenden „Court Musician“ steht Komponist Georg Friedrich Händel (!) unter dem Druck, ein Konzert für den König fertigzuschreiben, bei dessen Finale seine Katze hilft und damit den Jazz erfindet, der dem König sehr zusagt. Garfields Auftritt in „Stunt Cat“ ist äußerst kurz, denn er ist das Stunt-Double für Krazy Kat – eine tolle, ultrapointierte Hommage an die Comickatzenpionierin in exakt deren Stil. „Diana's Piano“ ist wieder eine längere Geschichte in einem erneut komplett anderen Stil. Es handelt sich um die sentimentale, melancholische Geschichte eines klavierspielenden Frauchens und deren musikbegeisterter Katze, die sehr anrührend, aber auch frei von Humor ist und nicht im Entferntesten an Garfield erinnert – was nicht negativ gemeint ist. Auch „Lab Animal“ sieht anders aus, beinahe wie ein Disney- bzw. vielmehr ein Don-Bluth-Film. Hier entkommt eine Katze einer Tierversuchsstation und mutiert zu einer Art Werwolf. Die schlicht „Garfield“ betitelte Episode wiederum hätte auch ein eigenständiger Garfield-Film sein können, handelt es sich doch in erster Linie um seine Origin-Story um die Geburt im italienischen Restaurant, wie er zu Jon kam und wie er Odie kennenlernte, erweitert um nette Gags und einen Blick in den Altersruhestand Garfields und Odies.

„Space Cat“ orientiert sich schließlich lange an der Buchvorlage, in der ein Raumfahrer-Garfield in der Zukunft eine Schlacht verliert, hat hier aber ein anderes Ende, das zurück zur Rahmenhandlung führt, in der sowohl Garfield als auch Odie neun weitere Leben erhalten und der Verdacht genährt wird, dass Gott vielleicht doch eher die Katzen anstelle der Menschen nach seinem Vorbild geschaffen habe… Mit dieser gelungenen Pointe endet dieser Episoden-Kurzfilm, der neben viel Garfield-Spaß auch sehr prominent zeigt, wie unterschiedlich Zeichentrick aussehen und sein kann und der damit vor allem als Ehrerbietung an die Katze generell zu verstehen ist – nicht nur an Garfield.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
Benutzeravatar
buxtebrawler
Forum Admin
Beiträge: 43209
Registriert: Mo 14. Dez 2009, 23:13
Wohnort: Wo der Hund mit dem Schwanz bellt.
Kontaktdaten:

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitrag von buxtebrawler »

Bild
Stromberg – Wieder alles wie immer

„Ich bin ganz der Alte – nur besser!“

„Stromberg“, die gewissermaßen „eingedeutschte“ Version der britischen Serie „The Office“, die im pseudodokumentarischen Mockumentary-Stil den Büroalltag mitsamt zwischenmenschlichen Befindlichkeiten, Business-Getue und ebenso nutzlosem wie unfähigem, aber umso selbstbewussterem, karrieregeilem, sich in souveränem Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit übendem Vorgesetzten fünf Staffeln lang köstlich aufs Korn nahm und es im Jahre 2014 sogar auf einen gelungenen Kinofilm brachte, war eigentlich auserzählt: Bernd Stromberg verließ die Capitol-Versicherung und ging in die Politik. Im Jahre 2025 – Deutschland wird mittlerweile tatsächlich von einem Stromberg-Verschnitt als Kanzler regiert – meldet sich das bewährte Team aus Autor Ralf Husmann und Regisseur Arne Feldhusen dennoch mit einem weiteren Kinofilm zurück.

„Ich bin wie die Lady Di – nur mit Bart!“

20 Jahre nach Ausstrahlung der „Stromberg“-Doku-Soap will das Fernsehen sowohl zurückblicken als auch die Gegenwart beleuchten, denn Bernd Stromberg & Co. sind mitnichten in Vergessenheit geraten, sondern genießen Kultstatus und verfügen über eine große Anhängerschaft. Für eine von Matthias Opdenhövel moderierte Fernsehshow sollen Stromberg und seine ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Capitol in einem Studio vor der Kamera versammelt werden. Tanja (Diana Staehly) und Ulf Steinke (Oliver Wnuk), die sich während ihrer Arbeit für die Capitol kennen- und lieben lernten, heirateten und eine Familie gründeten, sind nach wie vor für die Versicherung tätig, wobei Tanja im Gegensatz zu ihrem Mann dort sogar die Karriereleiter emporgeklettert ist. Das damalige Dauermobbing-Opfer Berthold „Ernie“ Heisterkamp (Bjarne Mädel) hingegen hat das Unternehmen verlassen, ein Buch über seine Mobbing-Erfahrungen veröffentlicht und bietet sogar Workshops zum Thema an. Jennifer „Schirmchen“ Schirrmann (Milena Dreissig), Strombergs ehemalige Geliebte, ist nunmehr mit dem wesentlich jüngeren Web-Content-Creator Julian (László Branko Breiding, „Start the fck up“) liiert, der seine Anwesenheit bei der Produktion für reichlich Social-Media-Beiträge nutzt. Die junge Produktionsleiterin (Sophia Burtscher, „Die Bachmanns“) sieht sich bei Blicken ins Archiv erstmals mit den frauenfeindlichen und verletzenden Sprüchen des menschlich mehr als fragwürdigen Bernd Stromberg konfrontiert und weigert sich, diese erneut auszustrahlen. Vor den Studiotüren indes treffen Stromberg-Fans, nicht selten als ihr Idol mit Klobrillenbart und Glatze verkleidet, und feministische Aktivistinnen und Aktivisten, die gegen die Sendung protestieren, aufeinander…

Enttäuschenderweise ignoriert dieser Film Strombergs Politikambitionen, mit denen der vorausgegangene Film geendet hatte. Dafür ist schnell die alte Chemie wieder da: Natürlich ist Ernie weiterhin der eher unbeholfene Verlierertyp, der nicht für voll genommen und zum Ziel diverser Spitzen wird, zoffen Tanja und Ulf, die zudem ihren etwas zurückgeblieben wirkenden Adoptivsohn Marvin (Max Kluge) dabeihaben, sich, und scheint Schirmchen in einer weiteren ihr nicht guttuenden Beziehung gefangen. Neu jedoch sind Umfeld und Ambiente: Man befindet sich nicht mehr im Büro und auch nicht auf einem Betriebsausflug, sondern in den Kulissen eines TV-Studios. Dort die Show witzig und pannenreich durchzuziehen, war nicht das Ansinnen Husmanns uns Feldhusens. Statt die verschiedenen Typen Büroangestellter mit ihren Macken und hierarchische Formen der Unternehmensorganisation zu persiflieren, begibt man sich auf die Meta-Ebene und möchte zudem sowohl einen gesamtgesellschaftlichen Kommentar abgeben als auch ein persönlichen Identitätsdrama Bernd Strombergs mit Road-Movie-Anleihen erzählen.

Und daran verhebt man sich leider, schlicht weil man zu viel auf einmal möchte. Das liegt zum einen daran, dass der typische „Stromberg“-Humor damit in weiten Teilen inkompatibel ist, weshalb er in weitaus geringerer Dosis vorkommt. Bricht er so richtig durch, hat er die Lacher noch immer auf seiner Seite und ich würde lügen, behauptete ich, hier nicht den einen oder anderen herrlich absurd-selbstüberschätzenden Bernd-Spruch gehört oder mich nicht über köstliche, aus dem Aufeinandertreffen grundverschiedener Charaktere resultierende Situationskomik amüsiert zu haben. Sie können es, wenn sie denn wollen.

Zum anderen wirkt die Meta-Diskussion erzwungen. Statt zumindest Teilen des Publikums „den Spiegel vorhalten“ zu wollen, hätte man es dabei belassen können, diejenigen Fans, die Stromberg-Zitate aus dem Serienkontext reißen und innerhalb eines vermeintlichen Kultur- oder Sonstwas-Kampfs positiv umdeuten, kurz abzuwatschen, statt sie zu einem Phänomen hochzustilisieren. Der Aspekt der Web-medialen Dauerpräsenz parallel zu den klassischen Medien, der hier in der Figur Julian personifiziert stattfindet, greift die damit einhergehenden Entwicklungen und Konsequenzen auf, setzt dabei aber recht eindimensional auf Krawall und nervt mit Julians Habitus mehr, als dass es amüsieren würde. Der zunehmend melancholische Tonfall, den der Film während Bernd Strombergs Sinnkrise durchläuft, passt wiederum nur leidlich – vor allem, weil er aufgesetzt und nicht ernstgemeint wirkt. Wäre er ernstgemeint, liefe er dem satirischen Konzept entgegen.

Irgendwie ist „Stromberg – Wieder alles wie immer“ nicht Fisch, nicht Fleisch, hat viel von der Leichtigkeit der vorausgegangenen Produktionen verloren und erscheint überambitioniert. Das Ende lässt einen dann auch eher indifferent zurück, statt dass es das Gesehene pointiert abzurunden wüsste. Und wenn dann auch noch echte Politikerfratzen auftauchen, die „Humor beweisen“, indem sie in diesem Film mitmachen – darunter Smithers-Lookalike und Kanzler-Stiefellecker Linnemann – und sich das Sponsoring durch McDonald’s (!) nicht nur in einer nervigen Werbekampagne niederschlägt, sondern sogar in einem Werbe-Epilog manifestiert, überwiegt unfreiwillig, womit die „Stromberg“-Welt so gerne spielt: die Fremdscham.

Bewertung: 5,5 von 10 Bernd-Stromberg-Kostümen
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
Benutzeravatar
buxtebrawler
Forum Admin
Beiträge: 43209
Registriert: Mo 14. Dez 2009, 23:13
Wohnort: Wo der Hund mit dem Schwanz bellt.
Kontaktdaten:

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitrag von buxtebrawler »

Bild
Die Rache des Toten

„Er lebt! Er wird lang leben!“

US-Regisseur Michael Curtiz, der mit „Casablanca“ Weltruhm erlangen sollte, drehte mit Boris Karloff („Frankenstein“) in der Hauptrolle den Science-Fiction-Horrorkrimi „Die Rache des Toten“, der im Jahre 1936 in die Lichtspielhäuser kam.

„Er ist mein Feind.“

John Ellman (Boris Karloff) saß für zehn Jahre Gittern. Kaum auf freiem Fuß, wird er von einer mafiösen Schieberbande ohne sein Wissen benutzt, um Richter Roger Shaw (Joe King, „Wem gehört die Stadt?“) umzubringen – Ellman sollte Shaw lediglich beschatten, doch man schiebt ihm kurzerhand die Tat unter. Perfiderweise übernimmt deren Winkeladvokat Nolan (Ricardo Cortez, „Verbrecherhände“) auch noch Ellmans Verteidigung, der daraufhin zum Tode verurteilt wird. Die Eheleute Nancy (Marguerite Churchill, „1. Preis: Paris“) und Jimmy (Warren Hull, „Miss Pacific Fleet“) hätten Ellman als Zeugen entlasten können, hatten sich jedoch von den Verbrechnern einschüchtern lassen und meldeten sich somit erst zu spät zu Wort. Ellmans Leichnam indes bringen zu Dr. Evan Beaumont (Edmund Gwenn, „Bis aufs Messer“), für den sie arbeiten. Dieser implantiert ihm ein neues Herz, woraufhin Ellman wieder zum Leben erwacht. Seine Erinnerungen kehren nur langsam zurück, doch an je mehr er sich erinnert, desto stärker wird sein Begehren nach… Rache!

„Ich halte seinem Blick nicht stand!“

Curtiz‘ Schwarzweiß-Film beginnt im Gerichtssaal. In einer Abfolge von Zeitungsschlagzeilen und abgerissenen Kalenderblättern wird erzählt, was Ellman seit seiner erneuten Anklage vor Gericht widerfahren ist. Melancholische Bilder im Vorfeld seiner Hinrichtung sorgen für eine bedrückende Atmosphäre. Nicht nur in der Erweckungsszene ist eine gewisse Analogie zu Frankenstein nicht von der Hand zu weisen; Karloff für die Rolle des Untoten auszuwählen, ist wenig originell, aber effektiv. Ein Teil der Geschichte wird in Zeitungsschlagzeilen weitererzählt. Erstaunlich ist es, dass Ellman, der zu Lebzeiten Pianist war, wieder perfekt Klavier spielt. Seit seiner Wiedergeburt hat er eine weiße Strähne im Haar und schlurft, als leide er ein wenig unter Leichenstarre. Auf seinen Anwalt Nolan reagiert er aggressiv, ohne dass er benennen könnte, weshalb. Sein Blick jedoch genügt, um die Mitglieder der Schieberbande zu beunruhigen. Zudem scheint er nun über übersinnliche Kräfte zu verfügen, denn er tötet ohne äußere Gewalteinwirkung. Dr. Beaumont wiederum ist ganz versessen darauf, zu erfahren, was Ellman „im Jenseits erfahren hat“.

„Hier gehen wunderlich Dinge vor!“

Neben Cortez als Mafia-Anwalt bekommen wir Barton MacLane („Wem gehört die Stadt?“) als Bandenboss Loder, Robert Strange („Spezial-Agent“) als Gangster Meritt und Paul Harvey („Der versteinerte Wald“) als dessen Kollegen Blackstone zu sehen. Merritts Leibwächter (John Kelly, „Nach dem dünnen Man“ und James P. Burtis, „Licht im Dunkeln“) fungieren in diesem ansonsten eher humorlosen Film als Comic Reliefs. Dieser Film aus einer Zeit, in der Herztransplantationen noch völlige Science-Fiction waren, wartet mit manch schöner Detailaufnahme und einem zumindest zeitweise gewitzten Schnitt auf, gibt sich zu seiner pessimistischen Ausrichtung passenden noiresken, expressionistischen Schattenspielen hin und schreckt auch vorm typischen Genre-Klischeeunwetter nicht zurück. Die Nachtszenen sind etwas sehr dunkel geraten, der eine oder andere Dialog wirkt ein bisschen überhastet und das Ende ist mir ein wenig zu religiös geprägt.

Als Freund gediegener alter Grusler kann ich Curtiz‘ mit 63 Minuten knackig kurzem Film aber einiges abgewinnen. Zwar ist er kein zweiter „Frankenstein“, aber eine reizvolle Mischung aus Kriminaldrama, Science-Fiction (auch ohne klassischem Mad Scientist, denn so balla balla ist Dr. Beaumont gar nicht) und moralischem Rache-Horror, über dem eine Frage schwebt, die das Dialogbuch auch ganz direkt formuliert: „Was ist der Tod?“

Bewertung: 6,5 von 10 Haarsträhnen
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
Antworten