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Darsteller(innen): Helmut Alimonta, Elke Boltenhagen, Johannes Buzalski, Sissi Engl, Mike Erras, Stefan Grey, Kurt Großkurth, Karin Götz, Miriam Moor, Josef Moosholzer, Sandra Reni, Rinaldo Talamonti u. A.
Softsex-Komödie über einen Gigolo, der die Frauen nicht zuletzt durch seine außergewöhnliche Potenz begeistert. Eines Tages erhält er von einem Arzt das Angebot, sich für viel Geld von seinem besten Stück zu trennen, damit es einem impotenten, adligen Greis implantiert werden kann.
Quelle: Amazon
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Der dritte Spielfilm des deutschen Sexploitation-Filmemachers Alois Brummer (nach „Graf Porno bläst zum Zapfenstreich“ und „Beichte einer Liebestollen“) ist die Sexklamotte „Obszönitäten“ aus dem Jahre 1971. Also Fliegenklatsche bereitlegen und mal gucken, was er diesmal so fabrizierte.
„Die sexuelle Befriedigung, die manche Frauen bei den Männern nicht finden können, schaffen sie sich selbst durch Masturbation.“
Johannes „Johnny“ Meier (Stefan Grey), ein menschliches Wunder an sexueller Potenz, verfügt über einen Riesenpimmel und verdingt sich als Callboy. Der irre Prof. Dr. Vogelsang (Johannes Buzalski, „Hexen bis aufs Blut gequält“) hat einen Patienten (Kurt Großkurth, „Der letzte Mohikaner“), der impotent, reich und scharf auf Johnnys bestes Stück ist. Wie gut, dass Vogelsang eine Expertise in Geschlechtstransplantation hat. 100.000 DM würde sein Patient sich Johnnys Pimmel kosten lassen. Doch Johnny lehnt dankend ab – zunächst…
„Das Loch müsste gestopft werden!“
Dass Johny sich eigentlich vor nichts fies ist, zeigt man uns gleich zu Beginn, als er auch seine dicke alte Vermieterin in Naturalien entlohnt. Der unvermeidliche Rinaldo Talamonti („Eros-Center Hamburg“) ist einmal mehr als notgeiler italienischer Gastarbeiter dabei, diesmal mimt er einen Tankwart. Der Name ist zumindest die Dialoge betreffend Programm, denn ein obszön aufgeladenes Wortspiel jagt das nächste. Johnnys ach so opulenten Schwanz hingegen bekommt man nie zu Gesicht, nicht einmal, als ein Fotograf ihn ablichtet – im Gegensatz zu weiblichen nackten Tatsachen. Klar, Brummer will natürlich keine Minderwertigkeitskomplexe bei seiner Zielgruppe auslösen. Wer weiß, wie dieser Film ausgesehen hätte, hätte er erahnt, dass einmal „Megacock“-Pornos en vogue werden würden…
„Tatsächlich hat es niemals an männlichen Weibern und noch weniger an weibischen Männern gefehlt.“
Ein paar Nackedeis in einem Wohnwagen bekommen es jedenfalls mit Politessen zu tun, die Johnny ebenfalls als Kundinnen gewinnt. Für eine Orgie präsentiert er sich als menschlicher Obstkorb, es folgt das große Fressen. Nach all diesem Klamauk ist der Besuch eines alten Gemäuers hingegen wie in einem Horrorfilm inszeniert. Und Brummer hat einen weiteren Stilwechsel parat: Bebildertes Doktorgequatsche über die sexuelle Revolution und Masturbation erinnert an pseudoaufklärerische Dokus und „Report“filme. Die eigentliche Alibihandlung scheint unvermittelt beendet. Ebenso unvermittelt installiert Brummer eine Lesbenszene im Büro, die gegen Ende von Doc Vogelsang aus dem Off kommentiert wird. Im gleichen Stil geht's weiter zum Thema außereheliche Beziehungen. Der dazugehörige Softsexclip endet damit, dass der Ehemann seinen Nebenbuhler von seiner Frau zerrt (wobei man erstmals in diesem doch eigentlich so schwanzfixierten Film einen Piephahn zu sehen bekommt), aus dem elften Stock des Hotels wirft und seine Frau schlägt. Na prächtig.
Vogelsang und sein Patient sind inzwischen bei Zigarren und Schnaps angelangt. Der Doc schwafelt weiter über die weibliche Sexualität und die Handlung macht einen Salto rückwärts, beim italienischen Tankwart landend. Der vögelt gerade die Verschmähten Johnnys, denn – hört, hört: Johnny sei impotent geworden. Die Damenwelt reagiert entsetzt. Johnny versucht‘s noch mal, reagiert aber angeekelt aufs Muschilecken und zieht von dannen. Der reiche Patient ist noch immer scharf auf Johnnys Stoßstange, der Doc attestiert Johnny aber, nicht mehr zu können, weil er sich verliebt habe. Während der Doc ein unbekleidetes Mädchen untersucht, versuchen hinter der Wand zwei weitere Mädels, Johnny mittels Lesbeleien wieder aufzumuntern. Dies gelingt ihnen jedoch nur mit Geld. Ist Johnny also doch nicht verliebt, sondern nur besonders geldgeil geworden? Wie auch immer, er kann‘s nun wieder mit seiner Freundin Monika und sein Prügel bleibt dran.
Die Darsteller(innen)riege entspricht bis auf den zuvor und danach nirgends mehr aufgetauchten Stefan Grey weitestgehend dem damaligen Standard, sprich: hübsche, zeigefreudige Mädels und weniger attraktive Kerle in einer schwachsinnigen, albernen Handlung, die ihren Inhalten zum Trotz umso verklemmter wirkt, je klamaukiger es zur Sache geht. Was der Film einem mit seinem widersprüchlichen Ende sagen will, wusste vermutlich nicht mal Brummer selbst. Seine Konzentration dürfte vielmehr der Ausrichtung auf die Zielgruppe gedient haben, die sich wahlweise mit Sexprotz Johnny, Lustgreis Großkurth oder dem unterprivilegierten Italiener identifiziert haben dürfte – sofern diesen idiotischen Film überhaupt jemand auch nur ein Stück weit auf diese Weise rezipiert hat. Die deutsche DVD nervt ein bisschen mit zahlreichen, auch mitten im Satz auftretenden Jumpcuts, jedoch nicht so sehr wie der Film an sich…
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)