Wir - Jordan Peele (2019)

Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Wir - Jordan Peele (2019)

Beitrag von jogiwan »

Wir

Bild

Originaltitel: Us

Herstellungsland: USA / 2019

Regie: Jordan Peele

Darsteller: Lupita Nyong'o, Kara Hayward, Winston Duke, Anna Diop, Elisabeth Moss

Story:

Familie Wilson ist eine durchschnittliche schwarze Familie in Amerika, bestehend aus Mutter und Vater, einer Tochter in der Pubertät und einem introvertierten Jungen. Als diese eines Sommers in ihrem Ferienhaus ein paar Tage Urlaub verbringen, ist das der Beginn von seltsamen Zufällen, die sich im Umfeld der psychisch etwas angeschlagenen Mutter Adelaide ereignen. Alle Bedenken werden jedenfalls von Ehemann Gabe zerstreut, der sich auch rührend um seine Gattin sorgt. Eines Nachts erscheint eine vierköpfige Familie mit roter Bekleidung auf der Auffahrt, die den jeweiligen Familienmitgliedern zum Verwechseln ähnlich scheinen. Im Gegensatz zu den sympathischen Wilsons sind die nächtlichen Besucher jedoch aggressiv und beginnen die Familie zu terrorisieren und schon wenig später sind die Wilsons mitten in einem Überlebenskampf mit einem Gegner, der sie genau zu kennen scheint…
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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jogiwan
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Re: Wir - Jordan Peele (2019)

Beitrag von jogiwan »

Mit „Get Out“ hat Jordan Peele ja schon ordentlich vorgelegt und mit „Wir“ setzt er meines Erachtens sogar noch einen drauf. Ein düsterer, surrealer Home-Invasion-Alptraum mit gesellschaftskritischer Komponente, der sein Ambiente von unbeschwerten Familienurlaub auf sehr drastische Weise kippen lässt, als eine Familie Besuch von identisch aussehenden Menschen bekommt. Dabei spielt der Film abermals geschickt mit Urängsten und Jordan Peele hat sichtlich Spaß daran, vieles was Erholung, Zerstreuung und Sicherheit verspricht mit einer bedrohlichen Atmosphäre und Doppelgänger-Mythos zu versehen. Sicherlich ist „Wir“ dabei natürlich kein Film für Leutchen, die für alles eine durchgehende Erklärung brauchen und der Film lässt auch offen, wie die Invasoren aus dem ominösen Untergrund tatsächlich zu werten sind. Sind diese unserer dunklen Seite entsprungen, oder ein personifiziertes, schlechtes Gewissen – jedenfalls ist es klar, dass unsere westliche Lebensweise auf Kosten anderer existiert und wir gut daran sind, alles Negative auszublenden und dafür lieber die Geldbörse aufzumachen, als Missstände tatsächlich zu ändern. Hier kommt jedenfalls so vieles zusammen und ergibt einen spannenden und alptraumhaften Film voller Symbolik und unbequemer Thematik, den man ebenfalls nicht so einfach vergessen wird.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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sergio petroni
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Re: Wir - Jordan Peele (2019)

Beitrag von sergio petroni »

Die vierköpfige Familie Wilson fährt zum Kurzurlaub an den Strand, wo sie sich ein exklusives Mietshaus
gegönnt haben. Mutter Wilson hat ungute Jugenderinnerungen an den Ort, hatte sie doch als Kind ein
unschönes Erlebnis im direkt am Strand gelegenen Rummel. Und bald schon scheinen sich ihre Gefühle
zu bestätigen, stehen doch eines Nachts vier rotgekleidete Personen vor der Tür der Wilsons und verlangen
Einlaß. Und diese Vier sehen aus wie ein atavistisches Ebenbild der Familie Wilson.

Jordan Peele inszeniert seinen zweiten Film als Home-Invasion-Horror mit Doppelgänger-Motiv und
Anleihen bei den Körperfressern. Dabei beweist er große Liebe zum Genre mit unzähligen kleinen
Hinweisen und Gimmicks. Daneben ist hier aber auch ein Meister im Inszenieren von Spannungsszenen
am Werk. Überaus gelungene Setpieces und eine Schattenfotografie a la "Katzenmenschen" wissen
ebenso zu gefallen. Die Darsteller in ihren Doppelrollen toben sich erstaunlich variantenreich aus.
Auch läßt das Ganze munter eine wohlstandskritische Lesart a la Romero zu.
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Insgesamt ein sehr sehenswertes Genrewerk!
7/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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karlAbundzu
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Re: Wir - Jordan Peele (2019)

Beitrag von karlAbundzu »

Ich schrieb direkt nach dem Kinobesuch:
"Jordan Peeles zweiter Horrorfilm, wieder mit politischen sozialen Untertönen, aber subtiler und versteckter als in GET OUT. Eine Familie (Frau, Mann, Tochter, Sohn) wird in ihrem Sommerurlaub von ihren Doppelgängern bedroht. Die Ursachen liegen in einer 30 Jahre alten Begegnung. Mehr erst mal nicht wegen Spoilergefahr.
Sehr, sehr atmosphärisch und wirksam, die ganze Zeit hat man Angst oder es brodelt unheimlich im Hintergrund. Effektiv gefilmt, gespielt und gescored. Die Doppelgänger-Familie ist creepy as hell. Die Hintergrundgeschichte wird nicht vollkommen aufgelöst, sondern nur so weit, wie sie auch die Doppelgängerfamilie versteht. OK, der finale Twist ist vorhersehbar, wird immer wieder angedeutet, das ist aber auch nicht schlimm. Ein bisschen nervte ein biologistischer Ansatz, im Gegensatz zu einen ansonsten soziologischen Ansatz. Dafür schön: Die Rich White Trash Familie. Satire pur.
Hübsch: Oft werden BLACK FLAG Shirts getragen. Es gibt überdeutliche Alice im Wunderland - Anleihen.
Sehr guter und vielleicht auch intelligenter Horror, ich muss noch drüber sinnieren."
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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