After Midnight - Jeremy Gardner & Christian Stella (2019)

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jogiwan
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After Midnight - Jeremy Gardner & Christian Stella (2019)

Beitrag von jogiwan »

After Midnight

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Originaltitel: Something Else

Alternativtitel: After Midnight - Die Liebe ist ein Monster

Herstellungsland: USA / 2019

Regie: Jeremy Gardner & Christian Stella

Darsteller: Henry Zebrowski, Brea Grant, Justin Benson, Jeremy Gardner

Story:

Hank und Abbys Beziehung steckt in der Krise und eines Tages ist die Barbesitzerin verschwunden und hinterlässt lediglich eine kurze Nachricht in der Küche. Zurück bleib ein zerstörter Hank, der seinen Verlust in Zweifel, Selbstmitleid und Alkohol ertränkt. Doch dann stehen neben den Dämonen der Vergangenheit auf einmal ein echtes Monster auf der Veranda und der Mann hat alle Hände voll zu tun um sich vor dem nächtlichen Angriff zu schützen. Doch wer glaubt schon einem Mann, der gerne zu tief ins Glas schaut, soeben von seiner Freundin verlassen wurde und auch sonst gerade mitten in er tiefen Lebenskrise steckt…
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jogiwan
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Re: After Midnight - Jeremy Gardner & Christian Stella (2019)

Beitrag von jogiwan »

Mit „Ben & Mickey vs. The Dead“ haben die beiden Regisseure einen spannenden Indie-Streifen fabriziert, der die Freundschaft zweier Männer in einer Ausnahmesituation beschreibt. Mit „After Midnight“ kehrt das Team zurück und portraitiert die Beziehung eines Pärchens in der Krise. Deren gemeinsame Perspektiven haben sich über die Jahre verschoben haben und während Hank mit seinem Leben zwischen Suff, Kumpels und der Jagd zufrieden ist, sehnt sich die Freundin Abby nach Kunst und Kultur, der großen Stadt, Ehering und Kind bzw. generell etwas Abwechslung in tristen Alltag. Dann ist Abby eines Tages verschwunden und ein Monster steht auf der Veranda, dass die Tür zerkratzt und Hank attackiert. Was sich in der Grundidee durchaus spannend anhört ist aber eher etwas dröge in Szene gesetzt und so richtig wollen die Elemente aus Drama, Horror und unreflektierter Kleinstadtbefindlichkeiten der Generation X nicht zueinander passen und auch die Musik und Gesangseinlagen wirken seltsam uninspiriert. Irgendwie will alles nicht zueinander passen und als aufmerksamer Zuschauer erwartet man sich auch irgendwie eine bessere Auflösung, als die einem letzten Endes präsentiert wird. Die Figuren fand ich eher schlecht gezeichnet, das Szenario banal, die Handlung kommt nicht vom Fleck und auch das vielgepriesene Ende fand ich ebenfalls etwas plump und uninspiriert. Nichts gegen einen ungewöhnlichen Genre-Mix, aber der hier hat mich leider nicht sonderlich begeistern können.
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Arkadin
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Re: After Midnight - Jeremy Gardner & Christian Stella (2019)

Beitrag von Arkadin »

Puuhhh... in letzter Zeit habe ich immer etwas Angst, wenn Jogi einen Film rezensiert, der mir gut bis sehr gut gefallen hat. Es hagelt da ja fast immer Verrisse.

Daher zur Ehrenrettung des von mir sehr gemochten "After Midnight" mal meine Gedanken.

Nachdem Hank von (Jeremy Gardner) seiner langjährigen Freundin Abby (Brea Grant) verlassen wurde, sucht ihn jeden Abend kurz nach Mitternacht ein Monster heim, welches in den Wäldern um sein abgelegenes Haus herum lebt und versucht in Hanks Heim einzudringen. Natürlich will niemand Hank seine Geschichte glauben, doch Hank hält unerschütterlich daran fest, dass dieses Monster existiert, und das nächtliche Geschehen nicht auf seinen derangierten Zustand nach Abbys Verschwinden zurückzuführen ist…

Horrorfilm? Oder doch Beziehungsdrama? Beides? Ja und doch wieder nicht. Co-Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Jeremy Gardner gelingt das Kunststück in „After Midnight“ beides unter einen Hut zu bekommen, ohne dass das eine das andere schwächen würde. Der Monster-Horror ist handfest und gruselig, das langsame Auseinanderleben und die kleinen Dinge, die eine Beziehung über die Jahre scheitern lassen aber auch. Dass das Ding, welches dort draußen immer kurz nach Mitternacht versucht ins Haus zu kommen eine Metapher auf die Angst Hanks ist, sein bisheriges, recht bequemes Leben aufgeben zu müssen und die Furcht vor dem Ende seiner Beziehung zu Abby ist, wird nicht neunmalklug mit dem Finger gezeigt. Das Vieh ist da und macht Angst. Vor allem, da die beiden Regisseure Jeremy Gardner und Christian Stella die „Weiße-Hai“-Lektion gelernt hat und erst einmal nicht zeigt, was da des nächstens Hanks Tür zerkratzt. Gerade in diesen Monsterszenen zeigt sich ihr Geschick eine ungemein packende und herzschlagerhöhende Stimmung zu schaffen.

Doch auch im anderen Erzählstrang wissen Gardner/Stella genau, wie er sie Spannung aufrecht erhält und durch eine raffinierte Rückblendenstruktur zu intensivieren. Wobei es sicherlich hilfreich ist, selber schon mal in einer solchen langjährigen Beziehung gesteckt zu haben, in der man sich bequem eingerichtet hat und den anderen mehr und mehr aus den Augen verloren hat. Hank hat dies zu Beginn des Filmes sogar wortwörtlich, denn seine geliebte Abby ist weg. Scheinbar weiß er nicht wohin sie verschwunden ist. Alles was ihm bleibt ist eine Notiz auf dem Kühlschrank und ihre Mailbox. Auch dem Zuschauer ist nicht klar, was hier vorgeht. Eine erste Rückblende auf das erste Treffen vor 10 Jahren, zufällig an Abbys Geburtstag, könnte einen Hinweis geben. Ob er sie in sein „Texas Chainsaw Massacre“-Haus gelockt habe möchte sie wissen und ob er das mit seinen Ex-Freundinnen auch getan hätte. Die sind noch alle hier grinst er. Und ein Mix-Tape für eine Verflossene lässt Hank ein wenig nervös werden. Wurde die verschwundene Abby als vielleicht Opfer eines Verbrechens? Der derangierte Hank der Gegenwart, welcher in der Nacht angeblich gegen Monster kämpft macht zumindest einen suspekten Eindruck.

Doch weitere Rückblenden zeigen ein verliebtes, ausgelassenes, glückliches Paar. Immer wieder kehren Hanks Gedanken an diese Zeit zurück. Immer wieder erinnert er sich an einen weiteren Geburtstag seiner Abby. Und dem aufmerksamen Zuschauer entgehen die kleinen Hinweise nicht, die Gardner und Stella streuen. Die heile Welt bekommt Risse. Ohne, dass Hank es bemerkt. Während einer weiteren Geburtstagsfeier fragt eine schwangere Freundin, wann Hank und Abby denn endlich heiraten und Kinder bekommen würde, was Hank mit einer lustig gemeinten Bemerkung wegwischt. Subtil fängt die Kamera dabei das Gesicht der krampfhaft lächelnden Abby ein und man spürt, dass genau in diesem Augenblick etwas in ihr zerbricht. So sezieren Gardner und Stella Stück für Stück mit viel Fingerspitzengefühl das schleichende Ende einer Liebe. Kontrapunktiert wird dies in der tristen Gegenwart mit Hanks Jagd nach dem Monster, von dem man nicht weiß ob es wirklich existiert oder doch nur ein Hirngespinst ist. Verdrängte Schuld, weil Hank weiß, dass er ein gutes Stück weit schuld am Tod der Beziehung ist? Gerade diese Ambivalenz macht „After Midnight“ spannend. In wie weit zahlt die Beziehungsgeschichte auf die Horrorstory ein? Wie ist beides verbunden? Ist es überhaupt miteinander verbunden? Was zum Teufel geht hier vor?

Am Ende muss sich Hank stellen. Seiner Abby, seiner eigenen Bequemlichkeit, seinem Leben. Denn Abby hat einst alles für ihn aufgeben. Ist in eine Kleinstadt in der Provinz gezogen, in der sie nie leben wollte. Hat ihre Träume aufgeben. Kultur, Freunde, die große Stadt. Alles für ihre große Liebe Hank. Und was hat er getan? Ist auch er bereit Kompromisse einzugehen? Sich aus seiner Komfortzone zu bewegen, um Abby Luft zum Atmen zu geben? Sich aus der Sicherheit der langweiligen Kleinstadt, in der jeder jeden kennt hinaus in die Welt bewegen. Oder hält ihn ein inneres Monster zurück? Die Antwort gibt ein Film, der sich Zeit nimmt, seine Schauwerte nicht ausstellen muss, sondern gerade dadurch, dass er sie mehr andeutet als zeigt seine Kraft gewinnt. Hierin ist er den Werken des tollen Gespanns Justin Benson und Allen Moorhead nicht unähnlich, die kürzlich u.a. mit „The Endless“ begeistern konnten und die – Überraschung – hier als Produzenten agieren, wobei Benson sogar auch eine größere Nebenrolle innehat. Selbst die Tagline, die Meteor dem Film in Deutschland verpasst hat „Liebe ist ein Monster“ ist direkt vom „deutschen“ Untertitel von Benson/Moorheads „Spring“ geklaut: „Love is a Monster. Wobei das natürlich Quatsch ist. Nicht die Liebe ist hier das Monster, sondern die Furcht vor dem Verlust derselben und die davor für die Liebe Kompromisse eingehen zu müssen.
Früher war mehr Lametta
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jogiwan
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Re: After Midnight - Jeremy Gardner & Christian Stella (2019)

Beitrag von jogiwan »

Arkadin hat geschrieben: Mo 18. Jan 2021, 10:37 Gerade diese Ambivalenz macht „After Midnight“ spannend. In wie weit zahlt die Beziehungsgeschichte auf die Horrorstory ein? Wie ist beides verbunden? Ist es überhaupt miteinander verbunden? Was zum Teufel geht hier vor?
Verriss ist es ja keiner - ich fand es mäßig gelungen. Was du schreibst stimmt ja auch, allerdings fand ich das dann insgesamt schlecht aufgelöst. Ich weiß aber auch nicht, wie man es hätte besser machen können, also bleibt für mich irgendwie ein unbefriedigendes Gefühl. Ich muss aber generell sagen, dass mir alle Filme in die Richtung wie z.B. "Babadook" oder "Hole in the Ground" allesamt nicht so wirklich zugesagt haben. Und "After Midnight" ist ja dann doch wieder etwas anders.
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Maulwurf
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Re: After Midnight - Jeremy Gardner & Christian Stella (2019)

Beitrag von Maulwurf »

Jetzt habt ihr es geschafft, jetzt bin ich neugierig geworden! Der Film ist auf die Leihliste gewandert, und so wie ich Videobuster kenne, schicken die mir den recht bald zu. Aber dass mir das hier nicht einreisst, mit diesem modernen Zeugs ... Ein Film von 2019 - Das aktuellste, was ich dieses Jahr bislang gesehen habe, war von 1999 ...
Der Sieg des Kapitalismus ist die endgültige Niederlage des Lebens.
(Bert Rebhandl)
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