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Darsteller(innen): Mario Carotenuto, Carlo Giuffrè, Franco Franchi, Ciccio Ingrassia, Mario De Simone, Fanfulla, Genny Levis, Eleonora Vivaldi, Franco Ressel, Joanne Claire, Gilda, Kalinka, Renato Morazzani, Goffredo Pistoni, Mario Ravasio, Carmen Teheran, Vicky Ludovici u. A.
In einem kleinen kalabrischen Dorf will ein Theaterdirektor sein Theater mit einer Striptease-Show junger, einheimischer Schönheiten eröffnen. Deren Ungeschicklichkeit und die Eifersucht seiner Frau Rosalia treiben ihn nach Rom, um erfahrenere Tänzerinnen zu engagieren. Doch während der Proben wird er von den Dorfbewohnerinnen angegriffen, die ihn schließlich umstimmen.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
„Das ist ja, als ob ein Mähdrescher Walzer tanzt!“
Auch wenn es Ende des Jahrzehnts so richtig losgehen solle: Das Kinojahr 1963 ist nicht unbedingt für seine erotische Freizügigkeit bekannt. Umso überraschter war ich von Enzo Di Giannis „Scandali Nudi – Anfassen verboten“, eine italienische Striptease-Revue-Komödie aus besagtem Jahr, die zwei Jahre später sogar in bundesdeutschen Kinos aufgeführt wurde.
„Wer sich anziehen lässt, muss damit rechnen, ausgezogen zu werden!“
Ein Voice-over-Erzähler führt zu hochsommerlichen Landschaftsbildern und denen einer Schafherde in den Film ein und wirbt für Kalabrien als touristisches Ziel für Deutsche. Eine Stripshow ist geplant, doch die Frauen des Dorfs erscheinen ungewaschen und unrasiert zur Probe – eine hat sogar einen Bart –, bewegen sich sehr unbeholfen und ergreifen die Flucht, sobald der Dorfpfaffe auf der Bildfläche erscheint. Also sucht man nach neuem Personal in der Hauptstadt Rom. Hektische, stakkatoartige Dialoge dringen an unser Ohr, Tanz- und Gesangseinlagen verbleiben im italienischen Originalton. „Scandali Nudi” reiht mehrere Striptease-Tänze verschiedener Damen aneinander, darunter ein Oben-ohne-Tanz mit Feuer und Peitsche. Die Nippel bleiben zunächst abgeklebt, was sich im weiteren Verlaufe jedoch ändern wird. Und auch beinahe nackte Männer werden sich dazugesellen.
„Das ist das Ende der Welt!“
Als Running Gag hält ein mittels reißerischer „Skandal!“-Rufe sein Extrablatt anpreisender Zeitungsverkäufer her. Ein sprechender Esel (!) kommentiert, wie sich eine junge Frau an einem Gebirgsfluss auf dem Boden wälzend entkleidet. Mitunter werden die Darbietungen fast wie im „Mystery Science“-Theater von außen kommentiert. Bisher gibt es kaum eine Handlung, so etwas wie Rahmenerzählung scheint die Nummernrevue zusammenzuhalten. Dies ändert sich ein wenig, als Rosalia, Ehefrau des Showrunners, ihrem Mann nach Rom nachreist – auf der Suche nach ihm und dem dolce vita. Dort wird sie abgezogen und verarscht, zu allem Überfluss treten zwei US-Amerikaner mit übertriebenem Akzent auf den Plan. Der Film gerät zur albernen Klamotte, die kurioserweise Fellinis „La dolce vita“ in Dialogen anspricht.
Nach einer Weile geht es dann doch endlich wieder mit den Auftritten weiter. Man zeigt uns die verschiedensten Stripshow-Stile, was auch abseits seines erotischen Aspekts nicht uninteressant, vielmehr lehrreich ist. Als besonders sehenswert entpuppt sich eine Dunkelhäutige, die eine betrunkene Stripperin spielt. Aber da war ja noch die Rahmenhandlung, also kommen plötzlich die Dorfweiber mit Stöcken bewaffnet zusammen mit dem Pfaffen an und verprügeln das Show-Publikum. Der Stripshow-Initiator wird aufgeknüpft wie in Sandalenfilm. Als Rosalia sich zu dessen Entsetzen ebenfalls ausziehen will, verflucht der Pfaffe alle und verwandelt sie in Schafe, woraufhin Frauen in Schafkostümen auf der Bildfläche erscheinen, die sich – natürlich – auch ausziehen... Und schließlich entlässt der Off-Erzähler aus dem Film.
„Scandali Nudi – Anfassen verboten“ ist zuweilen hartes Humorbrot, zweifelsohne aber ein historisch interessanter Film, bietet er doch lange vor der auch auf der Leinwand durchexerzierten sexuellen Revolution reichlich nackte Haut, ohne dabei in Sleaze- oder Fummelfilm-Fahrwasser zu geraten. Stattdessen bietet er zahlreichen Tänzerinnen eine Bühne, verbindet Striptease als Tanz-, Kunst- und Unterhaltungsform mit Seitenhieben auf religiös verbrämte Prüderie und Spießigkeit sowie ein wenig Dorf-Stadt-Culture-Clash-Humor, für den er jedoch geschmacksverirrt im Bauernklamauk fischt. Das ist umso erstaunlicher, als niemand Geringerer als Ernesto Gastaldi, Garant für hochwertiges Genrekino, als Drehbuchautor angegeben wird…
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Sehr angenehme Vorstellung eines mir völlig unbekannten Films, dessen Titel mich auch spontan eher an einen Sexy-Mondo hätte denken lassen. Wo und wie hast Du den denn gesichtet?
Salvatore Baccaro hat geschrieben: ↑Mi 6. Mai 2026, 16:52
Sehr angenehme Vorstellung eines mir völlig unbekannten Films, dessen Titel mich auch spontan eher an einen Sexy-Mondo hätte denken lassen. Wo und wie hast Du den denn gesichtet?
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Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)