horror's Reise durch die große Welt der Filme

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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Communion - Messe des Grauens
(Alice Sweet Alice)
mit Linda Miller, Mildred Clinton, Paula E. Sheppard, Niles McMaster, Jane Lowry, Rudolph Willrich, Michael Hardstark, Alphonso DeNoble, Gary Allen, Brooke Shields, Louisa Horton, Tom Signorelli
Regie: Alfred Sole
Drehbuch: Rosemary Ritvo / Alfred Sole
Kamera: M. Edward Salier
Musik: Stephen Lawrence
FSK 18
USA / 1976

Hat die 12-jährige Alice wirklich ihre jüngste Schwester Karen am Tag ihrer Kommunion umgebracht? Niemand kann und will das glauben, was an diesem Tag passiert sein soll. Doch die Beweislage ist erdrückend. Alles deutet darauf hin, dass Alice schuldig ist...


Zwei vollkommen unterschiedliche Schwestern, zwischen denen eine offenkundige Ablehnung steht die letztendlich eventuell zum Mord führt? Eine Thematik, die sicherlich nicht sonderlich neu daher kommt, aber in Alfred Sole's Werk aus dem Jahr 1976 sehr gut bearbeitet wird und zudem auch noch diverse Wendungen bietet, auf die man zu Beginn der Geschichte nicht unbedingt wetten würde. Zugegebenermaßen braucht die Geschichte ein wenig Zeit um so richtig in die Gänge zu kommen und so wird der Zuschauer bis dahin mit einigen offensichtlichen Seitenhieben gegen die katholische Kirche konfrontiert. Desweiteren kann man sich einen recht guten Einblick in das doch ziemlich angespannte Verhältnis der beiden Schwestern verschaffen, von denen das spätere Opfer eines Mordes von der damals noch blutjungen Brooke Shields dargestellt wird. Sämtliche Hinweise und Indizien lassen in Sole's Geschichte im Prinzip gar keinen Zweifel daran, das es sich bei der Mörderin von Karen um deren ältere Schwester Alice handelt und so ist man eine geraume Zeit wirklich hin-und her gerissen zwischen dem allzu Offensichtlichen, oder der Möglichkeit einer Wendung, die das Geschehen doch noch in einem vollkommen anderen Licht erscheinen lässt.

Genau aus diesem Aspekt bezieht der Film dann auch seinen ganz besonderen Reiz, denn das Geschehen baut zwar recht gemächlich dafür aber doch recht intensiv eine konstante Spannung auf, unter deren Einfluss sich auch nach und nach der subtil aufkommende Horror bemerkbar macht, der dem Ganzen eine wunderbar mysteriöse Note verleiht. Sole gelingt es dabei ganz hervorragend, mit der Ungewissheit des Zuschauers zu spielen, der sich seiner aufkommenden Ahnungen eigentlich nie sicher sein kann und mit diversen falschen Fährten immer wieder auf eine falsche Spur gelockt wird. Hinzu kommt der Aspekt, das sehr geschickt alltägliche Probleme wie beispielsweise das Verhältnis des geschiedenen Eltern-Paares in den Fokus gerückt werden, um den Betrachter von der eigentlichen Suche nach dem Mörder abzulenken. So bekommt dann auch die katholische Kirche ordentlich ihr Fett weg, werden doch diverse Abläufe ziemlich offensichtlich angeprangert, was dem Szenario auch eine bedingt kritische Komponente verleiht. Dennoch verliert man zu keiner Zeit vollkommen das Wesentliche aus den Augen und ist umso überraschter, als das Szenario nach gut 70 Minuten auf einmal mit einem Aspekt aufwartet, der den wunderbar aufgebauten Spannungsbogen erst einmal für einen Moment vollkommen in sich zusammenbrechen lässt.

Wie aus dem Nichts und vollkommen ohne jegliche Vorwarnung wird im Prinzip absolut unnötig die Identität des Killers preisgegeben, der mittlerweile nicht lediglich nur die kleine Karen getötet, sondern auch ihre Tante Annie mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt hat. Als Zuschauer weiß man erst gar nicht wie man reagieren soll, denn hat der Film immerhin noch eine Restlaufzeit von knapp über 30 Minuten. Nachdem man jedoch den ersten Schock überwunden hat muss man erfreut feststellen, das es Alfred Sole erstklassig gelungen ist, auch mit der vorgezogenen Preisgabe der Identität des Mörders dem Ganzen nicht jegliche Spannung zu nehmen, denn die Geschichte entpuppt sich doch bis zur letzten Minute als absolut sehenswert und hält noch die ein-oder andere kleine Überraschung parat. Für einen Film der 70er Jahre beinhaltet die Geschichte einige doch recht blutige-und harte Passagen, so wird beispielsweise die Messer-Attacke auf Tante Annie sehr detailliert gezeigt, wobei insbesondere die blutigen Einstiche gut zur Geltung kommen. Nicht umsonst kann man "Alice Sweet Alice" wie der Film im Original heißt, durchaus gewisse Anlehnungen an einen waschechten Slasher attestieren, wobei sich die Geschichte aber doch zum Großteil durch ihre gruselige Grundstimmung definiert und in einigen kleinen Passagen sogar Ähnlichkeiten mit Nicolas Roeg's Meisterwerk "Wenn die Gondeln Trauer tragen" erkennen lässt, wobei allerdings ein wirklicher Vergleich der beiden Werke nicht ganz zulässig wäre.

Letztendlich präsentiert sich hier ein wirklich stimmiger Film, dessen ganz große Qualitäten sicherlich in der hervorragenden Atmosphäre zu suchen sind. Die zu Beginn kaum merkliche, aber mit der Zeit immer stärker werdende Entfachung des subtilen Horrors im Zusammenspiel mit dem extrem gelungenen Score sorgt hier in etlichen Passagen für eine wohlige Gänsehaut und hinterlässt eine äußerst nachhaltige Wirkung beim Zuschauer. Die etwas zu frühe Bekanntgabe der Identität des Mörders stellt sich im Endeffekt gar nicht mal unbedingt als negativer Kritikpunkt heraus, auch wenn man im ersten Moment unter einer Art Schockzustand steht, den man kurzzeitig überwinden muss. Alfred Sole hat mit "Communion - Messe des Grauens" sicher kein filmisches Meisterwerk, aber einen absolut sehenswerten Thriller kreiert, der teilweise auch Anlehnungen an den Slasher erkennen lässt. Sehenswert ist dieser Film allemal, auch wenn er auf manch einen im ersten Moment eventuell einen etwas eingestaubten Eindruck hinterlässt.


Fazit:


"Alice Sweet Alice" ist ein insgesamt gesehen sehr stimmiger Film, der durch seine hauptsächlich ruhige-und bedächtige Erzählweise eine hohe Intensität erzeugt und überraschenderweise mit diversen blutigen Passagen aufwartet. Im Mittelpunkt steht jedoch ganz eindeutig der Aspekt des subtilen Grauens, das hier phasenweise mit einer erschreckenden Vehemenz durchschlägt, die sich im Kopf des Betrachters festsetzt.


8/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitrag von horror1966 »

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Der Blaue Max
(The Blue Max)
mit George Peppard, James Mason, Ursula Andress, Jeremy Kemp, Karl Michael Vogler, Anton Diffring, Harry Towb, Peter Woodthorpe, Derek Newark, Derren Nesbitt, Loni von Friedl, Friedrich von Ledebur
Regie: John Guillermin
Drehbuch: Ben Barzman / Basilio Franchina / David Pursall
Kamera: Douglas Slocombe
Musik: Jerry Goldsmith
FSK 12
Großbritannien / 1966

Die letzten Monate des ersten Weltkriegs, Westfront: Das Schlachtenglück wendet sich zunehmend gegen das deutsche Kaiserreich, dennoch kämpfen die Piloten der Jagdgeschwader aufopferungsvoll. Besonders hervor tut sich der ehrgeizige Leutnant Bruno Stachel aus einfachen Verhältnissen, dessen Geltungssucht jedoch nicht nur ihn, sondern auch seine Kameraden in tödliche Gefahr versetzt.


Basierend auf dem Roman von Jack D. Hunter aus dem Jahr 1964 erschien nur zwei Jahre später die filmische Umsetzung einer Thematik, die sich hier über gut 150 Minuten äußerst spannend und interessant präsentiert. Mit George Peppard (Das A-Team) in der Hauptrolle als ehrgeiziger Kampfflieger Bruno Stachel hat man dabei eine absolut perfekte Wahl getroffen, interpretiert er doch den Karriere-süchtigen und aus einfachen Verhältnissen stammenden Piloten mit einer Vehemenz, die das gesamte Geschehen unglaublich realistisch erscheinen lässt. Zwar steht der fast schon als krankhaft zu bezeichnende Ehrgeiz des Mannes definitiv im Vordergrund der Geschichte, doch das Szenario hat seine absoluten Höhepunkte wohl dennoch definitiv in den erstklassigen Flugschlachten, die sich dem Zuschauer hier in rauer Menge offenbaren. Dabei ist es den imponierenden Kamerafahrten geschuldet, das hier durchgehend ein sehr glaubhafter Eindruck des Geschehens entsteht, was den Gesamteindruck sichtlich positiv beeinflusst.

Insbesondere in der ersten Filmhälfte bekommt man einen äußerst guten Einblick in das Bestreben eines Mannes, der mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln den "Blauen Max" erhalten will, dabei handelt es sich um den höchsten Orden, mit dem ein Kampfpilot nach 20 erfolgreichen Abschüssen ausgezeichnet wird. Stachel schreckt dabei auch nicht davor zurück, die Mitglieder des eigenen Flug-Geschwaders immer wieder in Gefahr zu bringen, denn seine waghalsigen Manöver bedrohen nicht nu einmal die gesamte Truppe. So ist er auch nicht sonderlich gut angesehen unter seinen Kameraden, wobei ganz besonders sein Verhältnis zu Flieger-As Willi von Klugermann eine zentrale Bedeutung im ersten Teil der Geschichte einnimmt. An dieser Stelle kommt auch sehr gut der Aspekt der unterschiedlichen Herkunft zum Ausdruck, denn der aus gutem Hause stammende Willi schickt immer wieder diverse Giftpfeile in Richtung von Bruno, wobei dieser die ständigen Provokationen auch nur zu gern annimmt. Die beiden liefern sich aber nicht nur verbale Auseinandersetzungen, denn letztendlich kommt es auch in der Luft zur absoluten Katastrophe.

Peppard brilliert hier durch eine wirklich außergewöhnlich gute Performance, wobei besonders seine eingesetzte Mimik den vorhandenen Fanatismus exzellent zum Ausdruck bringt. Nicht selten hat man als Zuschauer sogar das Gefühl, aufkommenden Wahnsinn in den Augen des Mannes zu erkennen, der sogar nicht vor einer Befehlsverweigerung zurückschreckt, um sein angestrebtes Ziel zu erreichen. Interessant erscheint hier auch der Aspekt, wie auf diese Dinge von Seiten der Vorgesetzten reagiert wird, denn während Stachel's direkter Vorgesetzter ihn vor das Kriegsgericht bringen will, kommt von General Klugermann die Order, diese Absicht nicht weiter zu verfolgen. Wurde Bruno doch mittlerweile als Held des Volkes aufgebaut und ein Gerichtsverfahren würde dem Ansehen des gesamten Offizier-Corps schaden. Man sieht also, das die Geschichte nicht lediglich gelungene Kampfszenen beinhaltet, auch typisch politische Aspekte werden immer wieder in den Vordergrund gerückt, wodurch das Szenario meiner Meinung nach auch durchaus eine gewisse inhaltliche Tiefe erlangt. Auch der dezente Neben-Erzählstrang einer Liebes-Affäre erscheint hier keinesfalls störend, da er zu keiner Zeit die eigentliche Thematik verwässert und zum Ende hin sogar hauptverantwortlich für den gewählten Showdown ist, der dem Ganzen auch noch einen ordentlichen Schuss Tragik verleiht.

So kann man im Endeffekt festhalten, das "Der Blaue Max" ein wirklich in allen Belangen hervorragender Kriegsfilm mit Tiefgang ist, denn die erzählte Story kann sich jederzeit sehen lassen. Regisseur John Guillermin hat eine erstklassige Mixtur gefunden, um nicht nur ausschließlich durch sehr gelungene Flugszenen und auch ansonsten gut dargestellte Kampfhandlungen zu überzeugen, eine richtig gut besetzte-und agierende Darsteller-Riege, hervorragende Dialoge und ein überragender Hauptdarsteller lassen hier ein Gesamtpaket entstehen, das sich in Sachen Qualität auf jeden Fall im oberen Drittel ansiedelt und so absolut sehenswert erscheint.


Fazit:


"Der Blaue Max" ist ein richtig gelungener Kriegsfilm, der weitaus mehr zu bieten hat als nur gelungene Action-Passagen. Trotz seiner Länge von gut 150 Minuten lässt das Werk zu keiner Zeit das Gefühl von Langatmigkeit entstehen und bietet so ein extrem kurzweiliges film-Erlebnis, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


8/10
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Vinz Clortho
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitrag von Vinz Clortho »

horror1966 hat geschrieben:Mit George Peppard (Das A-Team) in der Hauptrolle
Armer George. :? ;)

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Noch Sand und schon warm drauf.
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitrag von horror1966 »

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Possession
(The Possession)
mit Jeffrey Dean Morgan, Kyra Sedgwick, Natasha Calis, Madison Davenport, Matisyahu, Grant Show, Rob LaBelle, Nana Gbewonyo, Anna Hagan, Brenda Crichlow, Jay Brazeau, Iris Quinn, Graeme Duffy
Regie: Ole Bornedal
Drehbuch: Juliet Snowden / Stiles White
Kamera: Dan Laustsen
Musik: Anton Sanko
keine Jugendfreigabe
USA / 2012

Bei einem Flohmarktsbesuch ersteht die kleine Em ein antikes Kästchen. Das Mädchen ist begeistert von ihrem neuen „Schatz“. Ihre Eltern Clyde und Stephanie Brenck schenken der neuen Obsession zunächst keine große Beachtung, bis Em sich zunehmend sonderbar verhält und immer aggressiver wird. Bei seinen Nachforschungen, was es mit dem geheimnisvollen Kästchen auf sich hat, stößt Clyde auf einen alten, jüdischen Volksglauben, nach dem in dem Kästchen ein Dibbuk gefangen sein soll. Ein Totengeist, der von den Seelen der Lebenden zehrt. Es besteht keine Gefahr, so lange der Dibbuk in seiner Kiste gefangen ist. Doch Em hat den Deckel geöffnet und einem Parasiten gleich, hat sich der teuflische Insasse bereits tief in seinen unschuldigen Wirtsorganismus gebohrt …


Angeblich soll auch dieser Exorzismus-Horrorfilm zu 100% auf einer wahren Begebenheit beruhen und ob man das nun glaubt oder auch nicht, bleibt wohl jedem selbst überlassen. Es ist auch nicht unbedingt neu, was Regisseur Ole Bornedal dem Zuschauer hier präsentiert, nur das es sich dieses Mal um einen nach jüdischem Volksglauben bösen Totengeist (Dibbuk) handelt, der sich im Körper der kleinen Em einnistet. Nun hat man ja gerade in letzter Zeit so einige Verfilmungen zu Gesicht bekommen, die sich mit der Exorzismus-Thematik beschäftigen und in irgendeiner Art und Weise gleichen sich die Szenarien dabei manchmal sogar auf frappierende Weise. Dennoch sollte man aber nicht alle diese Filme über einen Kamm scheren, denn im Bezug auf ihre vorhandene Qualität gibt es doch so manches Mal ganz entscheidende Unterschiede. Bornedal's Geschichte zählt dabei meiner Meinung nach ganz eindeutig zu den besseren Vertretern, denn auch wenn sich das Geschehen sicherlich nicht unbedingt durch eine innovative Note auszeichnet, so sind die handelsüblichen Zutaten doch äußerst gut in Szene gesetzt worden und garantieren für einen teils intensiven-und durchgehend interessanten Genre-Vertreter.

Die Stärken des Szenarios liegen bestimmt in der erstklassigen Grundstimmung, denn beginnt die Story in den ersten Passagen noch wie ein stinknormales Scheidungs-Drama, so kann sich doch schon nach einer relativ kurzen Laufzeit eine sehr dichte-und an etlichen Stellen auch sehr bedrohliche Atmosphäre aufbauen, die sich dann auch konstant bis zum Ende aufrecht erhält. Dabei hat Bornedal seiner Geschichte auch einige wirklich gelungene Schockmomente beigefügt, von denen der Zuschauer allerdings ruhig noch einige mehr hätte vertragen können. denn gerade in den wirklich gruseligen Momenten entfalten die Ereignisse ein Höchstmaß an Intensität. Es kann einem schon eine leichte Gänsehaut verpassen, wenn der bösartige Dibbuk aus der kleinen Em spricht und ihr Aussehen sich dabei auch wunderbar in eine bösartige Fratze verwandelt. Nun ist "Possession" mit einer 18er Freigabe versehen, was ich persönlich für ein wenig übertrieben halte, denn so richtig harte Phasen offenbart das Szenario eigentlich nicht.

Vielmehr wird auf das typische Grusel-Feeling gesetzt, was auch über weite Strecken der Geschichte ganz ausgezeichnet funktioniert. Da kann man nun auch vortrefflich über mangelnde Neuerungen diskutieren und ob man es nicht langsam müde wird, immer wieder Exorzismus-Filme präsentiert zu bekommen, die sich doch phasenweise erschreckend ähnlich sind, so lange das Szenario so herrlich stimmig, spannend-und atmosphärisch wie in vorliegendem Fall verpackt ist, macht es einfach Spaß, sich diese Werke anzuschauen. Das dabei natürlich nicht annähernd die Qualität des wohl unumstritten besten Vertreter "Der Exorzist" herankommt dürfte sich von selbst verstehen, aber ein Werk wie "Possession" gestaltet sich doch in seinem Gesamteindruck als richtig gelungener Vertreter vorliegender Thematik. Zum Ende hin bekommt man dann auch noch den Dibbuk einmal richtig zu sehen und ganz ehrlich gesagt erinnert einen das Wesen vom Optischen her doch ein klein wenig an "Gollum" aus "Der Herr der Ringe", denn gewisse Ähnlichkeiten sind nicht von der Hand zu weisen.

Und so kann man im Endeffekt festhalten, das Ole Bornedall hier einen durchaus sehenswerten-und auch spannenden Beitrag abgeliefert hat, der aber durch keinerlei innovative Ansätze auf sich aufmerksam macht. Eine gute, aber durchaus vorhersehbare Geschichte, eine dichte Atmosphäre, eine gut aufgelegte Darsteller-Riege und einige gelungene Schockmomente ergeben einen Gesamteindruck, der sich in meinen Augen oberhalb des üblichen Durchschnitts ansiedelt. Freunde solcher Werke können auf jeden Fall einen Blick riskieren, sollten jedoch keinen gesteigerten Wert auf eventuelle Neuerungen hegen.


Fazit:


Ich selbst habe eine Vorliebe für solche Filme, weswegen meine Beurteilung eventuell auch etwas höher ausfällt wie bei anderen. "Possesion" zählt aus meiner Sicht definitiv zu den besseren Vertretern seiner Art und kommt mit einer wunderbaren Atmosphäre daher, die einen für sich einnehmen kann. Solides Schauspiel und etliche Spannungsmomente sorgen für ein gelungenes Film-Erlebnis, dem man ruhig eine Chance geben sollte.


7/10
Zuletzt geändert von horror1966 am Do 20. Jun 2013, 18:55, insgesamt 1-mal geändert.
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitrag von horror1966 »

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Cold Sweat
(Sudor frio)
mit Facundo Espinosa, Marina Glezer, Camila Velasco, Omar Musa, Omar Gioiosa, Noelia Vergini, Daniel de la Vega, Victoria Witemburg, Rolf García, Diego Cremonesi, Nicolás Marotta, Pablo Pawlowicz
Regie: Adrián García Bogliano
Drehbuch: Adrián García Bogliano / Ramiro García Bogliano / Hernán Moyano
Kamera: Ernesto Herrera
Musik: Facundo Espinosa / Andres Martinesi / Fernando Monteleone
keine Jugendfreigabe
Argentinien / 2010

Als Romans Freundin verschwindet, vermutet er sie in den Armen eines anderen Mannes wiederzufinden. Er findet sie tatsächlich, jedoch nicht bei einem neuen Liebhaber, sondern bei einem Paar verrückter Rentner, das sie im Kellergeschoss ihrer heruntergekommenen Villa eingeschlossen hat. Bewaffnet mit verworrenen politischen Idealen und kistenweise jahrzehntealtem und höchst instabilem Sprengstoff, führt das kriminelle Duo illegale Experimente an jungen Frauen durch, die sie über das Internet in ihr Haus locken. Falls es Roman nicht gelingt, seine junge Liebe zu befreien, wird es sie wahrscheinlich zerreißen - dank einer großzügigen Schicht aus Nitroglycerin...


Schaut man sich einmal die Filmografie von Regisseur Adrián García Bogliano an, dann findet man doch einige Werke, die sich in Sachen Qualität doch grundlegend unterscheiden. So steht einem wirklich misslungenen Film wie "Bloody Birthday" beispielsweise ein recht gelungener Beitrag wie "I'll Never Die Alone" gegenüber und vorliegender "Cold Sweat" reiht sich irgendwo dazwischen ein. Die hier erzählte Geschichte beinhaltet dabei einige gelungene Ansätze, krankt aber andererseits am zu oft schwächelnden Drehbuch, das doch stellenweise ziemlich unausgegoren erscheint. So bekommt der Zuschauer dann auch beispielsweise eher karge Erklärungsversuche für die Beweggründe der beiden alten Männer im Bezug auf das ständige Foltern junger Frauen. Zwar wird im Vorspann versucht, einige Indizien in den Raum zu stellen und auch diverse Dialoge lassen die Motivlage dezent erkennen, aber wirklichen Aufschluss über die Motive der Peiniger sucht man vergebens. Dennoch entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit ein durchaus bedrohliches Szenario und diverse Folterungs-Passagen lassen beim Zuschauer die Hoffnung aufkeimen, das man in der Folge eventuell ein intensives Film-Erlebnis mit einem ansehnlichen Härtegrad präsentiert bekommt, was sich jedoch letztendlich als ziemlicher Trugschluss erweisen soll.

So ist es dann auch in der Hauptsache die recht dichte-und dreckige Grundstimmung dieser Low Budget Produktion, die zumindest einige Pluspunkte sammeln kann, wohingegen sich der aufkommende Spannungsbogen in einem eher überschaubaren Rahmen bewegt. Zu vorhersehbar gestalten sich die Ereignisse, zudem ist das Geschehen mit extrem dämlichen-und unlogischen Verhaltensweisen einiger Protagonisten behaftet, wobei ich in erster Linie auf den Haupt-Charakter Roman anspielen möchte. So beobachtet der gute Mann doch erst einmal in aller Ruhe wie eine junge Frau zu Tode gefoltert wird, bevor er überhaupt einen Gedanken daran verschwendet, in irgendeiner Art aktiv zu werden und eventuell sogar hilfreich einzugreifen. Ganz besonders absurd erscheint das Ganze vor allem darum, weil es sich bei seinen Gegnern um zwei alte Männer handelt, von denen sich einer sogar ohne Gehhilfe gar nicht vorwärts bewegen kann.

Wer nun erwartet, das sich das Szenario nun zumindest durch einige nette Folterszenen auszeichnet muss im Endeffekt eine kleine Enttäuschung hinnehmen, denn bis auf ganz dezente Ausnahmen hält sich "Cold Sweat" in dieser Beziehung doch äußerst vornehm zurück. Die entsprechenden Szenen werden zumeist lediglich angedeutet und es wird der Fantasie des Betrachters überlassen, sich die Folgen auszumahlen. Natürlich entsteht dadurch ein gewisser Grad an Härte im eigenen Kopf, doch insgesamt gesehen kann auch dieser Aspekt die anderen offensichtlichen Mankos der Geschichte nur bedingt ausgleichen. Das Gesamtbild präsentiert sich leider recht unrund und unausgegoren, aus der vorhandenen Thematik hätte man sicherlich weitaus mehr herausholen können, so das hier ein richtig guter Film hätte entstehen können.

Letztendlich bleibt dann ein Szenario übrig, das leider nur bedingt überzeugen kann und sich maximal im normalen Durchschnittsbereich ansiedelt. Nun könnte man als Grund dafür das recht niedrige Budget von geschätzten 430.000 $ zu Grunde legen, aber auch mit wenig Geld hätte man hier durchaus mehr bewerkstelligen können. Etwas mehr Fantasie der Macher und ein besseres Drehbuch wären da schon einmal recht hilfreich gewesen, wobei auch die versammelte Darsteller-Riege nicht unbedingt durch sensationelles Schauspiel aufwartet. Insbesondere der Haupt-Charakter Roman ist hier einmal mehr zu nennen, denn der gute Mann agiert doch in den meisten Passagen wie eine typische Fehlbesetzung und verleiht dem Ganzen dadurch eine teils unfreiwillig komische Note, die irgendwo so gar nicht in das Geschehen hineinpasst.


Fazit:


Trotz vieler offensichtlicher Defizite ist "Cold Sweat" ein Film, den man sich durchaus einmal anschauen kann, einen nachhaltigen Eindruck wird das Werk aber wohl nur bei den wenigsten hinterlassen. Zu unausgegoren kommt die Story daher, die zudem auch nichts Überraschendes beinhaltet, das man besonders hervorheben könnte.


5/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitrag von horror1966 »

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James Bond 007 jagt Dr. No
(Dr. No)
mit Sean Connery, Ursula Andress, Joseph Wiseman, Jack Lord, Bernard Lee, Anthony Dawson, Zena Marshall, John Kitzmiller, Eunice Gayson, Lois Maxwell, Peter Burton, Yvonne Shima, Michel Mok
Regie: Terence Young
Drehbuch: Richard Maibaum / Johanna Harwood / Berkely Mather
Kamera: Ted Moore
Musik: Monty Norman / John Barry
FSK 16
Großbritannien / 1962

Nachdem auf der Karibik-Insel Jamaica ein MI6-Agent und seine Sekretärin ermordet wurden, schickt der britische Secret Service seinen besten Agenten James Bond. Er findet heraus, dass der Agent vor der Insel Crab Key Radioaktivität gemessen hat. Bond freundet sich mit CIA-Agent Leiter und Bootfahrer Quarrell an, segelt nach Crab Key, wo er auf Muscheltaucherin Honey Rider trifft. Sie werden von Dr. No gefangen. Der will das US-Raketensystem zerstören. 007 tötet ihn im Wasser des Kernreaktors, entkommt mit Honey. Die Insel fliegt in die Luft.


Aller Anfang ist schwer und das merkt man auch bei diesem ersten Abenteuer von James Bond, dessen filmische Premiere nun schon knapp über ein halbes Jahrhundert her ist. Zu diesem Zeitpunkt ahnte wohl noch niemand, das hier die langlebigste Filmreihe aller Zeiten ihren zugegebenermaßen etwas holprigen Start hatte, sollten doch bis zum heutigen Tag noch 22 weitere Abenteuer des britischen Agenten folgen. Mit Sean Connery in der Hauptrolle ist wohl auch gleichzeitig der beste Bond-Darsteller aller Zeiten am Start, obwohl die Geschmäcker bei diesem Punkt ja bekanntlich stark auseinander gehen. Etwas gewöhnungsbedürftig erscheint hier der Umstand, das Connery in diesem Abenteuer noch nicht die bekannte Synchronstimme von G.G Hoffmann verfügt, dafür jedoch durch einen absolut durchtrainierten Körper ins Auge fällt. Von nicht gerade wenigen Leuten wird "Dr. No" ja als einer der besten Filme der Reihe benannt, wobei ich persönlich diese Einschätzung nicht so ganz zu teilen vermag. Im Gegensatz zu späteren Filmen gestaltet sich dieser Erstling doch eher recht unspektakulär, von den geliebten technischen Spielereien und den unzähligen Gadgets ist hier noch keine Spur zu finden.

Doch auch im Bezug auf die Action-Anteile gestaltet sich das Szenario doch äußerst bieder, die wenigen Nahkämpfe und Verfolgungsjagden bieten noch längst nicht den hohen Unterhaltungswert, der später ein absolutes Markenzeichen dieser erfolgreichen Reihe werden sollte. Nun möchte ich den Film aber auch nicht schlechter machen als er im Endeffekt ist, handelt es sich doch sehr wohl um einen durchaus sehenswerten Agenten-Film, zudem ist es natürlich auch reine Geschmackssache, ob man lieber den eher unspektakulären James Bond bevorzugt, oder mehr Freude an den später folgenden und so manches Mal sehr überzogenen Szenarien hat. Connery agiert aber auch schon in seinem ersten Fall recht routiniert, wobei ihm aber noch ein wenig die danach an den Tag gelegte Lässigkeit abhanden kommt. Coole Sprüche und der berühmte Bond-Humor vermisst man auch noch ein wenig, lediglich einige kleinere Andeutungen lassen darauf schließen, das diese Figur noch immenses Potential beinhaltet, das hier lediglich leicht angekratzt, aber nicht annähernd ausgeschöpft wurde.

Ein Markenzeichen ist definitiv die berühmte-und unverwechselbare Titelmusik, die man hier des Öfteren zu hören bekommt und die einem auch sofort in die Ohren geht. Einmal gehört, kann man die Melodie jederzeit problemlos zuordnen und weiß so ganz genau, wann wieder einmal "Bond - Time" ist. Für mich persönlich ist die größte Schwäche dieses ersten Filmes die Figur des Bösewichtes "Dr. No", dauert es doch fast geschlagene 85 Minuten, bis man den größenwahnsinnigen Chinesen überhaupt einmal zu Gesicht bekommt. Fast ebenso lange muss man auf die Sichtung einer der schönsten Frauen der damaligen Zeit warten, denn mit der jungen-und bildhübschen Ursula Andress wird einem hier das allererste Bond-Girl präsentiert, eine Bezeichnung, die im Laufe der Jahre zu einer absoluten Auszeichnung wurde, denn die Rolle der Bond-Gespielin zählt wohl zu den begehrtesten Rollen in der Filmwelt.

Letztendlich ist "James Bond 007 jagt Dr. No" in meinen Augen nicht zu den besten Filmen der Reihe, aber das liegt selbstverständlich im Auge des jeweiligen Betrachters. Und dennoch nimmt der Film auf jeden Fall eine Art Sonderstatus ein, handelt es sich eben um den Erstling einer Film-Reihe, die bis zum heutigen Tag unzählige Fans um sich geschart hat, wobei es im Bezug auf die Machart der Filme sowie auf den besten Bond-Darsteller immer wieder für heftige Diskussionen sorgt. Im Endeffekt liegt hier aber auch der besondere Reiz dieser Filme, die definitiv in 50 Jahren nichts von ihrem Charme und ihrer Faszination eingebüßt haben und immer wieder sehenswert sind. Und so verhält es sich auch mit "Dr. No", der trotz wenig Action und eines eher ruhigen Erzähl-Tempos als Start einer echten Ära anzusehen ist.


Fazit:


James Bond steckt hier definitiv noch in seinen Kinderschuhen, denen er erst später entschlüpfen soll. Ein junger-und noch entwicklungsfähiger Sean Connery und eine blendend aussehende Ursula Andress trösten den Zuschauer über einige andere Mankos hinweg, aber insgesamt gesehen präsentiert sich dieser Film immer noch als absolut sehenswerter Agenten-Thriller mit einiger Luft nach oben.


6,5/10
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitrag von horror1966 »

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Liebesgrüße aus Moskau
(From Russia with Love)
mit Sean Connery, Daniela Bianchi, Pedro Armendáriz, Lotte Lenya, Robert Shaw, Bernard Lee, Eunice Gayson, Walter Gotell, Francis De Wolff, George Pastell, Nadja Regin, Lois Maxwell, Aliza Gur, Martine Beswick
Regie: Terence Young
Drehbuch: Richard Maibaum / Johanna Harwood / Berkely Mather
Kamera: Ted Moore
Musik: John Barry
FSK 16
Großbritannien / 1963

Die Verbrecherorganisation Phantom will MI 6 und KGB gegeneinander ausspielen, um an die Dechiffriermaschine Lector, Lockmittel für die Briten, zu gelangen. M schickt James Bond nach Istanbul, wo er sich mit Kerim Bey, Chef des türkischen Geheimdienstes, anfreundet und Kontakt mit Russin Tatjana Romanova aufnimmt, die nach England fliehen will. Sie stehlen die Lector. Im Orientexpress ermordet Grant, Killer von Phantom, Kerim Bey. Bond tötet Grant. Mit Tatjana und der Lector erreicht er Venedig, wo er gegen Phantom-Planerin Rosa Klebb antritt.


Lediglich ein Jahr nach dem Erstling "James Bond 007 jagt Dr. No" durfte Regisseur Terence Young mit doppeltem Budget den nächsten Film der Reihe drehen und schuf mit "Liebesgrüße aus Moskau" einen der wohl besten Bond-Filme überhaupt. Wirkte der Vorgänger an diversen Stellen noch etwas unrund und holprig, so präsentiert sich dem Zuschauer in vorliegendem Fall doch eine Geschichte, die erfolgreich die in "Dr. No" noch vorhandenen Defizite zu bereinigen. So erscheint die Story doch weitaus stimmiger und beinhaltet doch etliche der wunderbaren Aspekte, die diese Reihe in der Folge so besonders auszeichnen sollen. Zuerst einmal sollte man Hauptdarsteller Sean Connery lobend erwähnen, der schon in diesem zweiten Abenteuer merklich in die Rolle des britischen Super-Agenten hinein gewachsen ist. Sein Schauspiel wirkt längst nicht mehr so hölzern wie im ersten Teil der Reihe und schon hier ist die berühmte Lockerheit zu verspüren, die sich im Laufe der Jahre zu einem absoluten Markenzeichen der Figur James Bond entwickeln sollte. Lockere Sprüche, der typische Charme und teils auch witzige Dialoge zeichnen dieses Werk ganz besonders aus und verleihen ihm so den unverwechselbaren Touch, den die Fans doch so sehr lieben. Es ist jedoch nicht nur das Schauspiel, auch spricht Connery hier das erste Mal mit der Synchronstimme von G.G Hoffmann, so das man sich als Betrachter nun auch richtiggehend heimisch fühlt und die deutsche Synchronisation genießen kann.

Terence Young ist mit "From Russia with Love" eine absolut erstklassige Inszenierung gelungen, in der man die zuvor vorhandenen Kinderkrankheiten ausgemerzt hat, so erscheint der Plot viel stimmiger und rund, wobei sich eine wunderbare Dreiecks-Geschichte präsentiert, in der England und Russland gnadenlos gegeneinander ausgespielt werden sollen. Bond trifft hier auch das erste Mal auf seinen Gegner Ernst Stavro Blofeld, der allerdings nicht im Bild zu sehen ist, sondern lediglich im Hintergrund agiert. Damit wird man mit dem Gegenspieler des Agenten konfrontiert, der ihm noch in so manchem weiteren Abenteuer das Leben erschweren soll, treffen die beiden Kontrahenten doch noch oft genug aufeinander. Der Aspekt, das sich Bond immer auf einen Haupt-Gegenspieler trifft ist hier keinesfalls neu, doch in vorliegendem Fall hält auch noch eine andere Tradition Einzug in die Film-Reihe, denn neben den zumeist größenwahnsinnigen Hintermännern bekommt es der britische Agent nun auch mit einem weiteren Gegner zu tun, der für das Grobe verantwortlich ist und eigentlich immer die Aufgabe hat, den smarten Briten zu eliminieren. Wird dieser Part in späteren Werken von Darstellern wie beispielsweise Kabir Bedi, Famke Janssen oder auch Grace Jones übernommen, so handelt es sich in diesem Fall um ein hünenhaftes Muskelpaket, das von Robert Shaw (Der weiße Hai) dargestellt wird und sich mit Connery wohl die bekannteste Film-Schlägerei in einem Zug liefert.

Ganz generell sind die Fortschritte in diesem zweiten Abenteuer mehr als deutlich zu erkennen, die Erzählweise des Geschehens gestaltet sich weitaus rasanter-und temporeicher als im Vorgänger "Dr. No" und auch im Bezug auf die vorhandenen Action-Passagen hat sich eine ganze Menge getan. Das Szenario nimmt bei diesem Aspekt nämlich ordentlich an Fahrt zu und präsentiert dabei Nahkämpfe, Verfolgungsjagden und auch jede Menge Explosionen. Dabei wirken die Ereignisse aber zu keiner Zeit überladen oder gar unglaubwürdig, wie es in diversen später erscheinenden Bond-Filmen der Fall sein soll. Terence Young hat hier die genau richtige Mixtur aus Action-und spannender Agenten-Story geschaffen, die auch in der heutigen Zeit immer wieder sehenswert erscheint und in Sachen Qualität so manch anderes Abenteuer von James Bond locker in den Schatten stellt. So stellt man sich nämlich den fast perfekten Film vor, in dem auch das erste Mal zarte Anflüge der so beliebten Gadgets zu erkennen sind, wobei sich das Szenario auch bei diesem Punkt in einem äußerst glaubwürdigem Rahmen bewegt und nicht vollkommen überzogene technische Spielereien offenbart.

Insgesamt gesehen ist "Liebesgrüße aus Moskau" als nahezu perfekter Bond-Vertreter zu bezeichnen, in dem wirklich sämtliche Zutaten unglaublich harmonisch ineinander übergehen. Der dadurch gewonnene Gesamteindruck ist absolut hervorragend und hinterlässt beim Betrachter zudem einen sehr nachhaltigen Eindruck. Eine gelungene Dramaturgie, wunderbar ausgewählte Schauplätze und exzellent agierende Darsteller lassen diese auch in atmosphärischer Hinsicht grandiose Inszenierung mit zum Besten aufsteigen, was die Bond-Reihe je hervor gebracht hat. Die jüngere Generation mag das eventuell ein wenig anders sehen und gerade die 60er Jahre Filme als zu antiquiert und angestaubt ansehen, doch in ihrer Gesamtheit sind diese Werke meiner Meinung nach unübertroffen und immer wieder sehenswert.


Fazit:


"From Russia with Love" beinhaltet sämtliche Zutaten, die ein gelungener Bond-Film haben sollte und lässt diese zudem auch extrem stimmig erscheinen, so das sich ein letztendlich überragendes Gesamtbild ergibt. Die teils vorhandenen Defizite des Erstlings wurden beseitigt und ein glänzend aufgelegter Hauptdarsteller ist innerhalb kürzester Zeit perfekt in seine Rolle hinein gewachsen, so das es im Prinzip nichts an diesem Film auszusetzen gibt.


9/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Rurouni Kenshin
(Ruroni Kenshin)
mit Emi Takei, Yû Aoi, Takeru Satô, Teruyuki Kagawa, Yôsuke Eguchi, Munetaka Aoki, Kôji Kikkawa, Taketo Tanaka
Regie: Keishi Ohtomo
Drehbuch: Nobuhiro Watsuki / Kiyomi Fujii / Keishi Ohtomo
Kamera: Takuro Ishizaka
Musik: Naoki Sato
FSK 16
Japan / 2012

Japan, 1878: Das Land öffnet sich nach jahrhundertelanger Isolation dem Westen. In diesen Zeiten des Aufruhrs zieht der einsame Samurai Kenshin durch das Land, geplagt von einem dunklen Geheimnis: Als gnadenloser Killer namens "Battosai" löschte er unzählige Leben aus. Jetzt greift der ausgezeichnete Schwertkämpfer nur noch zu seiner Waffe, um Unschuldige zu schützen. Seine Vergangenheit holt ihn wieder ein, als er erfährt, dass in Tokio ein unheimlicher Mörder unter seinem alten Decknamen reihenweise Menschen exekutiert! Auf seiner Suche nach dem wahren Täter stößt er auf alte Feinde und kommt einem Komplott auf die Spur, das ihn in tödliche Gefahr bringt ...


Ohne jegliche Vorkenntnisse bin ich an diese Real-Verfilmung herangegangen, die auf der Anime-Serie und den anscheinend berühmten Mangas basiert. Wenn man diversen anderen Kritiken vertraut dann kann man wohl davon ausgehen, das sich vorliegende Verfilmung ziemlich nah an den Vorlagen bewegen soll, was ich persönlich jedoch nicht beurteilen kann. Dafür kann ich jedoch diesen Film als eigenständiges Werk beurteilen und ganz ehrlich gesagt bin ich begeistert, welch imposantes-und teilweise episch anmutendes Szenario sich hinter dieser Produktion verbirgt. Dabei überzeugt das Szenario nicht nur durch seine absolut hervorragend ins bild gesetzten Kampf-Choreografien, die größtenteils eine wahre Augenweide darstellen, es verbirgt sich zudem eine zumeist sogar recht tiefgründige Geschichte hinter dem Ganzen, die eine ganze Menge Substanz erkennen lässt. Zudem ist hier eine Darsteller-Riege versammelt, die dem Zuschauer wirklich sehr ansprechendes Schauspiel anbietet und insbesondere der junge Hauptdarsteller Takeru Satô ist glänzend aufgelegt und verkörpert die Figur des ehemaligen Killers Battosai absolut vortrefflich. Aber auch der Rest der Schauspieler liefert durch die Bank tolle Performances ab, so das es bei diesem Aspekt überhaupt keinen Grund zur Beanstandung gibt.

In der Jugend der Hauptfigur liegt aber auch gleichzeitig der vielleicht einzige kleine Wermutstropfen, denn für einen ehemaligen Killer, der zehn Jahre später reumütig nach Tokio zurückkommt, sieht der gute Takeru Satô ein wenig zu jugendlich aus, was die Glaubwürdigkeit in diesem einen Punkt doch ein wenig einschränkt. Hier handelt es sich jedoch um die einzige negative Kritik wenn man es überhaupt so nennen möchte, denn ansonsten hat Regisseur Keishi Ohtomo hier eine absolut tadellose Arbeit abgeliefert. Die Schauplätze erscheinen äußerst stimmig und ganz generell merkt man dem Film die Liebe zum Detail in jeder Phase an. Zudem ist es ganz vortrefflich gelungen, den Spagat zwischen actionreichen Passagen und inhaltlichem Tiefgang zu bewältigen, da sich beide Komponenten jederzeit die Waage halten. Dabei geht es stellenweise schon recht blutig zur Sache, doch die entsprechenden Szenen sind dabei nicht so gestaltet worden, das eine höhere Alterseinstufung nötig gewesen wäre. In meinen Augen ist das auch gut so, definiert sich das Ganze doch so nicht durch einen übermäßigen Härtegrad, sondern punktet durch ein rundum gelungenes Gesamtbild, das man diesem Werk durchaus attestieren kann.

Auch in atmosphärischer Hinsicht kann "Rurouni Kenshin" durchgehend überzeugen, man kann sich jederzeit in die unruhige Zeit in Japan im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts hineinversetzen, was der gesamten Inszenierung einen äußerst authentischen Anstrich verleiht. Teilweise hinterlassen die Ereignisse dabei auch einen fast schon epischen Eindruck beim Zuschauer und man hat eigentlich zu keiner Zeit das Gefühl, das man es hier mit einer Manga-Verfilmung, sondern vielmehr mit einem fantastischen Historienfilm zu tun hat. Das wertet das Ganze meiner Meinung nach noch einmal ganz erheblich auf, zudem man auch auf eine kitschige-und überzogene Note verzichtet hat, was dem Gesamtwerk erheblich zu Gute kommt.

Letztendlich handelt es sich hier um einen rundum gelungenen Film, den man sich auch gern mehrmals anschauen kann. Statt eines wilden-und sinnbefreitem Gemetzel bekommt der Betrachter eine Story geboten, die durch erstaunlich viel Tiefgang ins Auge fällt und so in wirklich allen Belangen hervorragend funktioniert. Mann kann Keishi Ohtomo nur zu dieser Verfilmung gratulieren und auch wenn man die jeweiligen Vorlagen nicht kennt, wird man hier mit einer herausragenden Produktion konfrontiert, die sämtliche in sie gesetzten Erwartungen erfüllt.


Fazit:


Freunde qualitativ hochwertiger Filme aus Asien kommen hier voll auf ihre Kosten und werden eine Menge Freude an "Rurouni Kenshin" haben. Dieser Film ist weitaus mehr als eine Manga-Verfilmung und kann insbesondere als absolut stimmiges Gesamtwerk punkten.


8/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Goldfinger
(Goldfinger)
mit Sean Connery, Honor Blackman, Gert Fröbe, Shirley Eaton, Tania Mallet, Harold Sakata, Bernard Lee, Martin Benson, Cec Linder, Austin Willis, Lois Maxwell, Bill Nagy, Michael Mellinger, Peter Cranwell
Regie: Guy Hamilton
Drehbuch: Richard Maibaum / Paul Dehn
Kamera: Ted Moore
Musik: John Barry
FSK 16
Großbritannien / 1964

James Bond wird auf die Fährte eines verbrecherischen Genies gesetzt, das die Goldreserven von Fort Knox in seinen Besitz bringen will. Bonds Gegner Goldfinger ist der Mann, der seine abtrünnig gewordene Geliebte einem tödlichen Veredelungsprozess auszusetzen pflegt, indem er sie mit Goldlack überzieht. Männliche Rivalen "barbiert" Odd-Jod, der Leibwächter des exzentrischen Multimillionärs, mit seiner rasiermesserscharfen Hutkrempe aus Metall. Mit Hilfe von Pussy Galore will Bond den Raub des Goldes vereiteln.


Best of the Best


Die Frage nach dem besten Bond-Film aller Zeiten spaltet ja oft genug die Meinungen der Fans, doch die Mehrheit nennt immer wieder diesen dritten Film der Reihe und ich bin durchaus auch dieser Meinung. "Goldfinger" bietet das absolut perfekte Szenario und der Film ist innerhalb der letzten gut 50 Jahre längst zu einem absolut zeitlosen Klassiker aufgestiegen. Auf dem Regie-Stuhl nahm dieses Mal nicht mehr Terence Young sondern Guy Hamilton Platz und präsentiert dem Zuschauer eine jederzeit packende Geschichte, die ihren absoluten Höhepunkt aber im Schauspiel der Akteure erkennen lässt. In diesem dritten Abenteuer bekommt es der britische Geheimagent nämlich mit dem Inbegriff des bösen Gegenspielers zu tun, denn Gert Fröbe in der Rolle des Auric Goldfinger ist wohl definitiv der brillanteste Bösewicht, mit dem es James Bond je zu tun hatte. Allein die Mimik der deutschen Schauspiel-Legende sticht dabei ganz besonders hervor und verleiht dem Mimen eine fast diabolische Ausstrahlung, wobei er nach Außen hin eine sagenhafte Eiseskälte an den Tag legt, die einen spürbar beeindruckt. Die Passagen in denen Connery und Fröbe aufeinander treffen sind dann auch mit größtenteils brillanten Dialogen angefüllt, in denen sich auch eine ordentliche Portion schwarzer Humor zu erkennen gibt und beide Figuren zudem eine gewisse Arroganz erkennen lassen, die absolut perfekt in das Gesamtbild hineinpasst. "Goldfinger" besticht jedoch nicht ausschließlich durch das teils hervorragende Schauspiel seiner Akteure, denn die Geschichte an sich ist äußerst interessant und zudem mit einer Menge Tempo umgesetzt worden.

Guy Hamilton hat eine ganze Menge sehenswerter Action aufgebaut und außerdem bekommt man auch das erste Mal einen Einblick in die berühmte Gadget-Schmiede des MI6, in der "Q" ( der hier übrigens noch K genannt wird) seine neuesten Erfindungen auf den Prüfstand stellt. So wird Bond mit einigen legendären Utensilien ausgestattet, wobei der Aston Martin als Gefährt das erste High-Tech Auto der Bond-Ära darstellt. Wilde Verfolgungsjagden, etliche Schießereien und Harold Sakata in der Rolle von Goldfingers stummen Leibwächters ein würdiger Mann für die groben Dinge sind lediglich drei Zutaten für eine temporeiche-und extrem rasante Inszenierung, die mit hervorragend ins Bild gesetzten Action-Passagen aufwartet, so das eigentlich jedem Bond-Fan das Herz im Leibe lachen müsste. Und natürlich dürfen auch die hübschen Damen der Schöpfung nicht fehlen, wobei mit Honor Blackman, Shirley Eaton oder auch Tania Mallet gleich mehrere Schönheiten am Start sind, die dem Tausendsassa Bond den Kopf verdrehen.

Waren im Vorgänger "Liebesgrüße aus Moskau" schon etliche Steigerungen zu erkennen, so wurde mit "Goldfinger" noch einmal eine weitere Entwicklungsstufe hinzugefügt. Immer mehr kristallisiert sich schon zu diesem noch frühen Zeitpunkt ein prägendes Schema heraus, das die Reihe bis heute begleiten soll und von den unzähligen Fans geliebt wird. Daran ändert auch die Tatsache nichts, das man mit den letzten drei Filmen mit Daniel Craig eine neue Richtung eingeschlagen wurde, die sicherlich nicht jeden Geschmack trifft. "Goldfinger" festigt jedenfalls die zuvor schon erkennbaren Muster und legte insbesondere im Bezug auf den obligatorischen Gegenspieler Bond's mit Gert Fröbe eine Messlatte an, die bis zum heutigen Tag nicht getoppt werden konnte. Fröbes' Interpretation des Superschurken war dermaßen perfekt, das sich nun einmal jeder weitere Gegenspieler daran messen lassen muss, doch trotz etlicher starken Gegner in der Film-Reihe wird der große deutsche Schauspieler wohl immer das Maß aller Dinge darstellen. Auch die in "Liebesgrüße aus Moskau" angedeutete Figur des zweiten Gegenspielers (Robert Shaw) die Bond das Leben schwer macht, bekommt hier durch Harold Sakata bekommt hier festere Konturen und soll in der Folge ein wichtiger Bestandteil des festen Bond-Schemas werden, das diese Filme allesamt so absolut unverwechselbar erscheinen lässt.

Und so kann man letztendlich festhalten, das der Regie-Wechsel sich hier keinesfalls als negativ herausstellt, denn Guy Hamilton ist es ganz hervorragend gelungen, die sehr guten Ansätze von Terence Young zu festigen und der Reihe damit ihren ganz persönlichen Stempel aufzudrücken, der sich durch ein halbes Jahrhundert Filmgeschichte ziehen soll, bevor mit "Casino Royale" ein neuer Weg eingeschlagen wird, an den man sich erst einmal gewöhnen muss. "Goldfinger" jedoch stellt meiner persönlichen Meinung nach den perfektesten Bond-Film aller Zeiten dar, denn die Kombination aus satter Action, jeder Menge Thrill, exzellentem Schauspiel und einem dramaturgisch perfekten Spannungsbogen ist so dermaßen gelungen, das sich jeder weitere Film der Reihe zwangsläufig mit diesem Klassiker des Agenten-Thrillers messen lassen muss.


Fazit:


Natürlich hat jeder seinen ganz eigenen Favoriten unter den mittlerweile 23 Abenteuern des britischen Top-Agenten, doch die Mehrheit der Fan-Gemeinde nennt bei der Frage nach dem besten Teil immer wieder den Namen "Goldfinger". Ob so viele Menschen sich irren können lasse ich dahin gestellt, liegt die Einschätzung des Ganzen doch wie immer im Auge des jeweiligen Betrachters. Die Tendenz kann man jedoch keinesfalls verleugnen, so das sich der Film definitiv jedes Mal aufs Neue für eine erneute Sichtung anbietet, wenn man erstklassig-und kurzweilig unterhalten werden möchte.


10/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Feuerball
(Thunderball)
mit Sean Connery, Claudine Auger, Adolfo Celi, Luciana Paluzzi, Rik Van Nutter, Guy Doleman, Molly Peters, Martine Beswick, Bernard Lee, Desmond Llewelyn, Lois Maxwell, Roland Culver, Earl Cameron
Regie: Terence Young
Drehbuch: Kevin McClory / Richard Maibaum / John Hopkins
Kamera: Ted Moore
Musik: John Barry
FSK 16
Großbritannien / 1965

Coup für SPECTRE: Die Verbrecherorganisation bringt einen Vulcan-Bomber mit zwei Nuklearraketen an Bord in ihre Gewalt und droht der britischen Regierung: Wenn man nicht binnen sieben Tagen eine Summe von 100 Millionen Pfund berappt, soll eine Großstadt der westlichen Hemisphäre vernichtet werden. Vier Tage Zeit bleiben James Bond, den Irrsinn zu stoppen. Auf den Bahamas gerät er an den diabolischen Emilio Largo, zweiter Mann bei SPECTRE, und dessen Gespielin Domino, die sich tatsächlich mit Racheplänen trägt.


Nachdem Guy Hamilton mit "Goldfinger" wohl den besten Bond aller Zeiten präsentiert hat lag es auf der Hand, das der Nachfolger "Feuerball" es schwer haben würde, den gleichen Qualitäts-Standard aufrecht zu erhalten. Und obwohl es sich um den zur damaligen Zeit an den Kinokassen erfolgreichsten Teil der Reihe handelt, war hier doch ein kleiner Rückschritt zu erkennen. Die Regie übernahm wieder einmal Terence Young und insgesamt gesehen hat er auch einen wirklich guten Vertreter der Reihe auf die Beine gestellt, doch den Vergleich mit dem genialen Vorgänger kann "Feuerball" meiner Meinung nach nicht standhalten. Zum mittlerweile zweiten Mal trifft James Bond hier auf die Verbrecher-Organisation SPECTRE (Das Phantom) und bekommt es dabei mit dem direkten Gegenspieler Emilio Largo (Adolfo Celi) zu tun. Der gute Mann macht seine Sache dann auch wirklich gut, muss sich aber als Nachfolger im Bereich des Schurken immerhin an Gert Fröbe messen lassen, gegen den er leider keine Chance hat. Dennoch entwickelt sich hier eine durchgehend spannende Geschichte, die mit einer Laufzeit von knapp über zwei Stunden auch die bisher längste in der Bond-Historie darstellt. Malerische Schauplätze vermitteln dem Zuschauer dabei streckenweise ein echtes Urlaubs-Feeling, das jedoch durch die kriminellen Machenschaften der Verbrecher-Organisation nicht wirklich zu genießen ist.

Ich mag mich täuschen, aber phasenweise erscheint es so, als wenn bei Sean Connery die ersten leichten Abnutzungs-Erscheinungen zu erkennen sind, denn sein Schauspiel wirkt zwar gewohnt routiniert und gut, aber es kommt beispielsweise nicht die in "Goldfinger" erkennbare Lockerheit und Spielfreude an den Tag, die der Figur des James Bond doch ihren unverwechselbaren Stempel aufdrückt. Die ansonsten witzigen Dialoge hinterlassen streckenweise einen eher künstlichen Eindruck, so das die Inszenierung manchmal ein wenig aufgezwungen wirkt. Manch einer mag das sicherlich vollkommen anders sehen, aber nach meinem persönlichen Eindruck fehlt hier ein wenig der nötige Esprit, der das gesamte Geschehen ein wenig auflockert. Dafür kann man sich jedoch im Bezug auf die vorhandene Action überhaupt nicht beschweren, denn Terence Young schöpft in dieser Beziehung aus dem Vollen und verwöhnt den Zuschauer mit etlichen Nahkämpfen, Verfolgungsjagden und einem wunderbaren Unterwasserkampf, der ein absolutes Highlight darstellt.

Was dem Szenario ein wenig abgeht ist der Aspekt, das der britische Agent in vorliegendem Fall keinen einzelnen direkten Gegner für das Grobe hat, so wie es in "Liebesgrüße aus Moskau" oder auch "Goldfinger" der Fall war, hier sind es nämlich mehrere Untergebene von Largo, die dem smarten Agenten das Leben schwer machen. Das erscheint ein bisschen ungewohnt, ändert aber nichts an der Tatsache, das Bond mehr als nur einmal in eine äußerst brenzlige Lage gerät, in der sein eigenes Leben nur noch am seidenen Faden hängt. Natürlich ist auch wieder für weibliche Reize gesorgt und dieses Mal ist mit Claudine Auger einmal mehr ein optischer Leckerbissen in der Rolle des berühmten Bond-Girls zu sehen. Im Prinzip beinhaltet "Feuerball" also sämtliche nötigen Zutaten, die ein echter Bond-Film enthalten muss und das Gesamtpaket weiß auch durchaus zu überzeugen, die erkennbaren kleinen Defizite ergeben sich zudem auch hauptsächlich aus dem Vergleich mit dem direkten Vorgänger "Goldfinger", den sich das Werk zwangsläufig gefallen lassen muss.

Insgesamt gesehen handelt es sich also auf jeden Fall um einen der besseren Filme der gesamten Reihe, zudem ist es gleichzeitig auch das einzige Werk, dem bisher eine Neuauflage zu Teil wurde (Sag niemals nie, 1983). Wie immer liegt es im Auge des Betrachters wie man dieses Szenario einordnet, doch meiner persönlichen Meinung nach siedelt sich der Film auf jeden Fall in der oberen Bewertungs-Skala ein. Dennoch kann man schon zu diesem Zeitpunkt leicht erahnen, das Sean Connery nicht mehr allzu lange in der Rolle des britischen Agenten zu sehen ist, denn dezente Abnutzungserscheinungen sind unübersehbar. Und dennoch steht "Feuerball" in der Gunst der Fans ziemlich weit oben und wird sogar von einigen Leuten als bester Film der Reihe genannt, wobei ich selbst diese Meinung nicht teilen kann. Letztendlich sollte man auch erst im Laufe der Zeit den Stellenwert dieses Werkes so richtig zu schätzen wissen, sollen doch noch einige Abenteuer von James Bond folgen, die qualitativ weitaus niedriger einzustufen sind.


Fazit:


Trotz kleinerer Schwächen hat Terence Young immer noch einen überdurchschnittlich guten Bond-Film auf die Beine gestellt, der auch heute noch immer wieder sehenswert erscheint. Und gerade aus heutiger Sicht wird das Werk noch zusätzlich aufgewertet, wenn man einige schwächere Vertreter der letzten 20 Jahre betrachtet. Auch wenn Connery hier nicht mehr allzu glänzend agiert, ist und bleibt er meiner Meinung nach der beste Bond-Darsteller aller Zeiten und ist so auch untrennbar mit der Figur des britischen Agenten verbunden.


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