horror's Reise durch die große Welt der Filme

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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Man - Eater (Der Menschenfresser)
( Antropophagus)
mit Tisa Farrow, Saverio Vallone, Serena Grandi, Margaret Donnelly, Mark Bodin, Bob Larsen, Rubina Rey, Simone Baker, Mark Logan, George Eastman, Zora Kerova, Susan Spafford
Regie: Joe D' Amato
Drehbuch: Joe D'Amato / George Eastman
Kamera: Enrico Biribicchi
Musik: Marcello Giombini

Ein Mann und seine Familie erleiden Schiffbruch. Sie treiben tagelang ohne Nahrung auf dem Meer, bis der immer stärker werdende Hunger kannibalische Neigungen bei dem Vater auslöst. Schließlich wird er zum Menschenfresser und hält sich mit dem Fleisch seiner Familie am Leben. Er erreicht eine Insel und taucht dort unter. Als eine Gruppe von jungen Leuten eines Tages einen Ausflug auf diese Insel machen, müssen sie feststellen, das alle Einwohner verschwunden sind und ihr Dorf völlig ausgestorben ist. Die Urlauber ahnen nichts von dem Schrecken, der sie erwartet...


Regisseur Joe D'Amato wird ja insbesondere von seinen Kritikern fast ausschließlich auf seine Hardcore-Produktionen reduziert und nicht selten als Schmuddel-Filmer betitelt. Dabei hat der gute Man auch einige durchaus sehenswerte Horrorfilme in seiner Filmografie, von denen "Man-Eater" wohl eines der umstrittensten Werke überhaupt darstellt. Zu seiner Zeit ganz bestimmt einer der härtesten Filme, erscheint die hier erzählte Geschichte mittlerweile zwar ein wenig angestaubt und kann meiner Meinung nach auch nicht die Klasse des ein Jahr zuvor erschienenen "Sado - Stoß das Tor zur Hölle auf" erreichen, wartet dafür jedoch mit einigen recht derben Passagen auf, die sich vor allem durch einen gesteigerten Ekelfaktor zu erkennen geben. Bis zum heutigen Tag macht man dabei meistens den Fehler, das Geschehen auf eben diese Einstellungen zu reduzieren, was dem Gesamtwerk jedoch nicht gänzlich gerecht wird.

Vollkommen bewusst provoziert D'Amato hier mit einem beim Zuschauer aufsteigenden Ekelgefühl, das an diversen Stellen der Geschichte absolut unvermeidbar ist, doch in erster Linie überzeugt das Geschehen durch eine unglaublich dichte-und bedrohliche Atmosphäre, die fast durchgehend vorherrscht und lediglich von einigen kleineren Längen unterbrochen wird, die man leider erkennen muss. Nach einer neuerlichen Sichtung des Werkes musste ich jedoch erstaunt feststellen, das diese sich in einem doch äußerst überschaubaren Rahmen zu erkennen geben, was ich vor einigen Jahren noch vollkommen anders empfunden habe. Auch die an diversen Stellen etwas unlogischen Verhaltensweisen einiger Akteure erscheinen dabei nicht mehr so störend wie noch bei meiner letzten Sichtung, so das ich "Man-Eater" mittlerweile als richtig gelungenen Horrorfilm ansehe, der von etlichen Leuten gnadenlos unterschätzt wird und teils relativ schlechte Kritiken erhält, die über die wahre Qualität des Filmes hinwegtäuschen. Dabei ist es ganz besonders die hervorragende Grundstimmung die einen in ihren Bann zieht, denn ab dem Zeitpunkt an dem die Urlauber die verlassene Insel betreten entfaltet das Geschehen extrem starke Momente, die durch ein Gewitter in der ersten Nacht zusätzlich untermalt werden.

Man vermeint die bis dahin unbekannte Bedrohung förmlich spüren zu können und merkt sofort, das hier irgend etwas Grauenvolles passiert sein muss. Wenn man den Film noch nicht kennen sollte wäre es vorteilhaft, wenn man sich erst gar nicht die Inhaltsangabe durchliest, denn die dort geschilderten Ereignisse rund um den "Man-Eater" bekommt man erst ziemlich spät innerhalb der Story geliefert. Das sorgt ganz automatisch dafür, das sich das zu erkennende Unheil lange Zeit im Verborgenen hält, was für die aufkommende Spannung sicherlich sehr zuträglich ist. Wenn man sich einmal auf das Szenario einlässt entsteht im Prinzip eine durchgängige Gänsehaut beim Zuschauer, gleichzeitig entstehen etliche Phasen, in denen man kaum die nötige Luft zum Atmen findet, da die aufkommende Beklemmung einem phasenweise die Kehle zuschnürt. Erst als sich dann im letzten Drittel der Geschichte der Großteil der visuellen Härte zu erkennen gibt weicht dieses Gefühl ein wenig von einem ab und wird durch das nackte Grauen ersetzt, das man bei den gezeigten Handlungen des "Man-Eater" verspürt. Obwohl man dabei immer stärkeren Ekel verspürt und sich am liebsten angewidert abwenden möchte kann man den Blick unmöglich vom Bildschirm abwenden, denn zu stark ist die vom Geschehen ausgehende und sehr grausame Faszination.

Am Ende ist es dann auch vollkommen egal wie man zu einem Film wie "Man-Eater" und seinem Regisseur stehen mag, die Geschichte beinhaltet genügend Qualität um zu einem überdurchschnittlich guten Gesamteindruck zu gelangen. Man sollte das Werk also nicht ausschließlich auf diverse Szenen reduzieren, denn insgesamt gesehen ergibt sich ein äußerst stimmiges Gesamtbild, das lediglich von kleinen Längen etwas getrübt wird. Zwar hat dieses Werk seinen berühmt-berüchtigten Status wohl hauptsächlich durch die bekannte "Embryo-Szene" erreicht die auch heute noch manch einem sauer aufstoßen wird, doch ehrlich gesagt beinhaltet das Geschehen eine ganze Menge mehr, was es letztendlich zu einem absolut sehenswerten-und extrem atmosphärischen Horrorfilm macht, den eigentlich jeder Genre-Freund kennen sollte.


Fazit:


Ekelfaktor hin-oder her, D'Amato hat hier innerhalb kürzester Zeit den zweiten absolut gelungenen Horror-Schocker abgeliefert, der bis in die heutige Zeit immer wieder heiß diskutiert wird. Dies geschieht hauptsächlich wegen einiger weniger Szenen, wobei die Story doch eine ganze Menge mehr zu bieten hat. Mir persönlich hat das Werk jedenfalls mittlerweile weitaus besser gefallen als noch vor ein paar Jahren, was in erster Linie in der grandiosen Grundstimmung zu begründen ist.


8/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Blutige Seide
(Sei donne per L'assassino)
mit Cameron Mitchell, Eva Bartok, Thomas Reiner, Ariana Gorini, Dante DiPaolo, Mary Arden, Franco Ressel, Claude Dantes, Luciano Pigozzi, Lea Lander, Massimo Righi, Francesca Ungaro
Regie: Mario Bava
Drehbuch: Marcello Fondato / Giuseppe Barilla / Mario Bava
Kamera: Ubaldo Terzano / Mario Bava
Musik: Carlo Rustichelli
FSK 16
Italien / 1964

In einem Modesalon, in dem sich die Reichen, die Schönen und die Verruchten der Oberschicht treffen, sorgt eine Handtasche für erhebliche Aufregung. Offenbar enthält diese ein Geheimnis, das den feinen Damen und Herren zum Verhängnis werden könnte. Schon bald treibt ein maskierter Killer sein Unwesen unter den Mannequins...


Mit "Blutige Seide" präsentierte Regisseur Mario Bava 1964 wohl den Ur-Giallo schlechthin und präsentierte dem Zuschauer dabei ein farbenprächtiges Meisterwerk, das vor Ästhetik nur so strotzt. Rein von der Geschichte her gibt es sicherlich so manchen Vertreter der durchaus spannender gestaltet ist, doch wenn man den Film einmal als Gesamtwerk betrachtet dürfte es äußerst schwierig erscheinen, die vorhandene Klasse zu toppen. Inhaltlich offenbart sich die handelsübliche Mordserie, die dieses Mal die Modells eines Modesalons betrifft, so das innerhalb kürzester Zeit eine nach der anderen das Zeitliche segnet. Dabei setzt der Virtuose Bava weniger auf blutige Gewaltdarstellungen, denn die einzelnen Morde sind zumeist nur in Ansätzen zu erkennen und beinhalten auch nicht die oft in anderen Filmen verwendete reißerische Note, um das Szenario künstlich härter erscheinen zu lassen. Auch als Zuschauer konzentriert man sich eigentlich weniger auf die Taten des Killers, ist man doch viel zu sehr vom kräftigen Farbenspiel angetan, das einem der Ausnahme-Regisseur hier präsentiert. Ganz generell ist "Blutige Seide" ein visueller Hochgenuss und man verspürt nicht selten das Gefühl, hier von einem wahren Bilderrausch gnadenlos überrollt zu werden. So ist es dann auch nicht immer leicht sich auf die eigentliche Handlung des Geschehens zu konzentrieren, wobei diese es natürlich auf jeden Fall verdient hat, da sich eine durchgehend interessante-und spannende Story entpuppt, in der die Identität des Mörders und auch dessen Motive schon nach knapp 65 Minuten preisgegeben werden.

Bei einer Gesamtspielzeit von gut 85 Minuten mag sich nun manch einer die Frage stellen was in den letzten 20 Minuten noch das Interesse des Betrachters aufrecht erhalten soll, wenn ein Giallo so frühzeitig mit der Lösung des Ratespiels daher kommt. Bei fast jedem anderen Regisseur wäre diese Frage wohl auch nicht ganz ohne Berechtigung, doch Mario Bava zählte nun einmal zu den absoluten Ausnahmeerscheinungen seiner Zunft, so das man an dieser Stelle überhaupt nicht den Gedanken aufkommen lassen braucht, das eventuell Langeweile Einzug in die Geschichte halten würde. Obwohl nämlich die Fronten scheinbar gänzlich geklärt sind gibt sich noch einmal ein Erzählstrang zu erkennen, der für absolut erstklassig inszenierte 20 Schlussminuten garantiert, in denen sich ein finaler Showdown zu erkennen gibt, der das gesamte Szenario absolut perfekt abrundet und diesen Film zu einem wahren Meisterwerk emporsteigen lässt.

"Blutige Seide" als für später folgende Genre-Vertreter maßgebenden Film anzusehen ist sicher nicht übertrieben und an diversen Stellen merkt man auch ziemlich eindeutig, das hier ein Sub-Genre noch in den Kinderschuhen steckt. Das ist jetzt keineswegs als negative Kritik aufzufassen doch insbesondere die recht bieder in Szene gesetzten Tötungen der Opfer deuten ganz eindeutig an, das der Giallo hier die ersten Gehversuche macht. Erst in späteren Jahren als diese Filmart ihre absolute Hochzeit erfuhr wird einem dabei so richtig bewusst, welch wichtige Pionierarbeit ein Mario Bava hier geleistet hat, damit man auch noch in der heutigen Zeit die ganzen wunderbaren italienischen Klassiker bewundern kann, die der Giallo hervorgebracht hat. Das die Filme dabei teilweise viel derber ausfielen und zudem auch in den meisten Fällen mit einer ordentlichen Portion Erotik angereichert wurden ist sicherlich eine fast logische Weiterentwicklung, doch die gesamte Aufbauarbeit dafür ist in diesem hier vorliegendem Film zu erkennen, der zwar auch schon mit etlichen schönen Frauen ausgestattet ist, sich aber im Bezug auf die später folgenden Nacktszenen noch vollkommen geschlossen hält.

Wie dem auch sei, "Blutige Seide" ist definitiv ein visuell berauschendes Erlebnis, denn durch das kräftige Spiel mit den Farben entfachen die gezeigten Bildern eine fast schon hypnotische Wirkung, der man sich unmöglich verweigern kann. Mit einer unglaublichen Liebe zum Detail und seinem Hang zur absoluten Perfektion hat Bava dabei ein ästhetisches-und zeitloses Meisterwerk geschaffen, das jeder Liebhaber des italienischen Kinos kennen sollte. Und auch wenn es sicherlich noch spannendere Geschichten gibt, so lassen doch eher wenige einen dermaßen überzeugenden Gesamteindruck entstehen, wie es hier der Fall ist. Und so präsentiert sich im Endeffekt eine Gesamtkomposition aus Krimi, Thriller und Ästhetik, die einen regelrecht in Verzückung geraten lässt. Eher selten bekommt man einen Film präsentiert, in dem sämtliche Komponenten so stimmig ineinander übergreifen und dabei eine Wirkung auf den Betrachter ausüben, die man ohne Übertreibung als absolut magisch bezeichnen kann. So kann man sich dann auch nur ehrfurchtsvoll vor diesem Werk verneigen, das auch nach fast einem halben Jahrhundert überhaupt nichts von seinem reiz verloren hat.


Fazit:


Nicht umsonst hat ein Mario Bava seinen Werken immer eine ganz persönliche-und eigene Note beigefügt. Dabei kann man in der Regel immer davon ausgehen, das alle seine Werke über einen extrem künstlerischen Ausdruck verfügen, der auch in vorliegendem Szenario mehr als eindrucksvoll zum Ausdruck kommt. So wurde hier auch die Welt der Modells und der dazugehörigen Kreise bewusst etwas überzogen, hochgestochen und manchmal sogar ein wenig arrogant dargestellt, was dem Ganzen aber einen unglaublich glaubwürdigen Eindruck verleiht, der das Szenario noch einmal zusätzlich aufwertet.


10/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Tower of Death
(Si Wang Ta)
mit Bruce Lee (Archiv-Material), Tai Chung Kim, Jang Lee Hwang, Roy Horan, Roy Chiao, Hoi Sang Lee, Cheng-Wu Yang, Hou Li-Jen, Miranda Austin, Han-yuan Ma, Yung-chiang Peng, Graham Ravey
Regie: See-Yuen Ng / Sammo Hung Kam-Bo / Corey Yuen
Drehbuch: Tin Shing Hoh / Chuo-lun Ting
Kamera: Hai Chang / Chi Ming Chiang / Yu-tang Li / Hsi-Ming Liang
Musik: Frankie Chan
FSK 16
Hongkong / 1981

Der junge Kung-Fu-Kämpfer Bobby Lo will den Tod seines älteren Bruders Billy Lo rächen, der bei dem merkwürdigen Begräbnis eines Freundes ums Leben kam. Im Verlauf seiner Nachforschungen bringt er scharenweise Gegner zur Strecke. Schließlich muss er feststellen, dass der totgeglaubte begrabene Freund seines Bruders Billy Lo noch lebt. Er hatte Billy Lo getötet, weil der nicht als sein Partner ins Drogengeschäft einsteigen wollte. Bobby Lo stellt sich ihm zum Kampf und besiegt ihn.


Um gleich einmal Klarheit zu schaffen, bei "Tower of Death" handelt es sich definitiv um keinen echten Bruce Lee Film, sondern um eines der oft als Vermächtnis-Werke bezeichneten Filmchen, die nach dem Tod der Kampfsport-Legende die Runde machten. Thematisch gesehen handelt es sich im Prinzip um eine Fortsetzung von "Mein letzter Kampf" aus dem Jahr 1978, der ja auch schon lediglich durch das Einfügen von Archivmaterial fertiggestellt werden konnte. In den ersten 30 Minuten der vorliegenden Geschichte kann man jedoch die Zusammenhänge der beiden Filme eher schwerlich erkennen, wird man doch vielmehr mit einem Szenario konfrontiert, das zunächst so gut wie keine wirkliche Handlung erkennen lässt. Zudem steht in der ersten Filmhälfte auch erst die Figur des Billy Lo im Vordergrund die von einem Bruce Lee Double dargestellt wird, wobei man aber auch immer wieder aus dem erwähnten Archivmaterial das echte Geschichte der Martial Arts Ikone zu sehen bekommt. Erst nach dem Tod von Billy tritt der eigentliche Haupt-Charakter Tai Chung Kim in der Rolle des Bobby Lo auf den Plan, um den Tod seines Bruders zu rächen und dabei heraus zu bekommen, wer hinter den ganzen Geschehnissen steht.

Zugegebenermaßen lässt "Tower of Death" erst ab der Mitte der Story einen wirklichen Handlungsstrang erkennen, was das gesamte Werk eventuell ein wenig gewöhnungsbedürftig erscheinen lässt. Darin ist es auch bestimmt begründet, das dieses Werk eher negative-maximal durchschnittliche Bewertungen nach sich zieht. Eines kann man jedoch den manchmal etwas verwirrend erscheinenden Abläufen keinesfalls absprechen und das ist der recht hohe Unterhaltungswert, der sich dem Betrachter durch größtenteils gelungene Kampfszenen offenbart. In Sachen Action ist man hier nämlich alles andere als sparsam und auch wenn die enthaltenen Passagen zwar nicht an die hohe Kampfkunst eines Bruce Lee heranreichen können, so wird man dennoch mit qualitativ ansehnlichen Fights bedient, die kurzweilige Martial Arts Kost anbieten. Echte Spannung kommt während der Geschehnisse allerdings nicht wirklich auf, denn die Identität des Mannes der hier hinter den Ereignissen steht ist relativ schnell ausgemacht. Und auch wenn man die endgültige Bestätigung seiner Vorahnungen erst kurz vor dem Ende serviert bekommt muss man kein Hellseher sein, um die eingestreuten Indizien richtig zu deuten, die ganz klar auf eine ganz bestimmte Person hinweisen.

Im letzten Drittel des Filmes ergeben sich dann auch die wohl größten Ähnlichkeiten mit "Mein letzter Kampf", denn auch hier muss die Hauptfigur im sogenannten "Tower of Death" mehrere Gegner besiegen, bevor er dem eigentlichen Schurken gegenüber steht und es zum finalen Showdown kommt. Natürlich gestaltet sich die ganze Chose keinesfalls so hochklassig wie im Vorgänger, doch nette Unterhaltung für zwischendurch eröffnet sich auf jeden Fall. Lediglich die eigenen Ansprüche an eine wirklich strukturierte Geschichte sollte man schon im Vorfeld arg nach unten schrauben, denn in dieser Hinsicht erscheint das Szenario doch ein wenig wild zusammen geschustert. Auch in darstellerischer Hinsicht sollte man keine Wunderdinge erwarten, doch gerade in den Actionszenen merkt man, das die Darsteller in dieser Beziehung eine ganze Menge drauf haben.

So kommt man letztendlich sicherlich nicht zu einem gänzlich überzeugendem Gesamteindruck, doch als Martial Arts Film kann sich "Tower of Death" auch heute noch sehen lassen und zählt für mich persönlich definitiv zu den besseren unechten Bruce Lee Werken, von denen zur damaligen Zeit ja wirklich genügend produziert wurden.


Fazit:


Kurzweilig und gut unterhaltend, dafür jedoch mit einer teils wilden Story ausgestattet präsentiert sich "Tower of Death" als durchaus sehenswerte Produktion, die insbesondere durch diverse Unzulänglichkeiten einen ganz speziellen Charme erkennen lässt. Die Freunde sehenswerter Kampf-Passagen können auf jeden Fall einen Blick riskieren und dürften ihre Freude an diesem manchmal leicht trashig erscheinenden Filmchen haben.


6,5/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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World War Z
(World War Z)
mit Brad Pitt, Mireille Enos, Daniella Kertesz, James Badge Dale, Ludi Boeken, Matthew Fox, Fana Mokoena, David Morse, Elyes Gabel, Peter Capaldi, Pierfrancesco Favino, Ruth Negga, Moritz Bleibtreu, Sterling Jerins
Regie: Marc Forster
Drehbuch: Matthew Michael Carnahan / Drew Goddard
Kamera: Ben Seresin / Robert Richardson
Musik: Marco Beltrami
FSK 16
Malta / USA / 2013

In Philadelphia wird Ex-UNO-Mann Gerry Lane mit seiner Familie Zeuge, wie die Stadt von einer blitzschnell wachsenden Masse Untoter attackiert wird. Im letzten Augenblick gelingt die Flucht auf einen Flugzeugträger vor der Küste Amerikas, wo sich Gerrys schlimmste Befürchtungen bestätigen: Die ganze Welt ist bereits infiziert. Um seiner Familie weiterhin Schutz bieten zu können, lässt Gerry sich zu einem Himmelfahrtskommando überreden und macht sich auf die Suche nach dem Patienten Zero, von dem die Seuche ausging.


Mit einem Budget von fast 200.000.000 $ ist "World War Z" der mit Abstand teuerste Zombiefilm aller Zeiten und das merkt man diesem Blockbuster auch jederzeit an. Das aufwendig in Szene gesetzte Spektakel dürfte jedoch die meisten Fans des Sub-Genres in einen gewissen Zwiespalt versetzen, denn was soll man von dieser Big Budget Produktion erwarten, in der Hollywood-Star Brad Pitt die Hauptrolle spielt. Bei einer 16er Freigabe kann man sich schon im Vorfeld denken, das Regisseur Marc Forster ganz sicher kein vor Blut und Härte strotzendes Szenario präsentiert, wie man es aus den ansonsten üblichen Genre-Vertretern kennt. Und so hält sich die Geschichte bei diesem Punkt auch sehr bedeckt, denn wirklich harte Passagen zeigen sich so gut wie gar nicht, was in meinen Augen aber nicht unbedingt Anlass zur negativen Kritik bietet. Man bekommt nämlich von der ersten Minute an ein Geschehen serviert das mit einem ordentlichen Tempo daher kommt und vor allem in den ersten gut 20 Minuten ohne große Einführung gleich zur Sache kommt. Dabei entwickeln sich die Ereignisse zu einer äußerst gelungenen Mischung aus Zombiefilm, Action-Kracher und Familiendrama, wobei die beiden letzten Elemente ganz klar die Oberhand gewinnen. Natürlich offenbart sich die ganze Chose mit etlichen Klischees beladen und beinhaltet dabei auch etliche Einstellungen, die um es einmal diplomatisch auszudrücken ein wenig unglaubwürdig erscheinen. Dieser Punkt schält sich immer dann besonders heraus, wenn die Horden von Untoten in ungeahnten Massen auftreten und dabei Dinge vollbringen können, die man ansonsten eher aus der Tierwelt kennt.

Exemplarisch dafür dürfte vor allem eine Passage sein, die sich vor der israelischen Stadt Jerusalem abspielt die von hohen Mauern umschlossen ist, um den Einfall der untoten Horden zu verhindern. Wenn man an dieser Stelle sieht das sich die Zombies in einem schier wahnwitzigen Tempo zu einer Art Berg aufbauen um die Mauern zu erklimmen, wird man ganz unwillkürlich an einen riesigen Ameisenhaufen erinnert. Das mag ziemlich unrealistisch erscheinen, ist jedoch definitiv gut in Szene gesetzt worden und bei einem Film dieser Art sollte man ganz generell nicht unbedingt über Logik nachdenken. Der fast vollkommene Verzicht auf explizite Gewaltdarstellungen wird in der Geschichte durch jede Menge Tempo und erstklassige Action-Szenen ausgeglichen und so sollte man sich schon vor der Sichtung des Werkes mit dem Gedanken anfreunden, das man es mit einem Mainstream-Blockbuster zu tun bekommt, der im Prinzip herzlich wenig mit einem echten Zombiefilm zu tun hat. Das merkt man auch durchgehend an der vorherrschenden Grundstimmung, denn trotz der auf der ganzen Welt um sich greifenden Pandemie will nie so richtig die dazu gehörige Endzeit-Atmosphäre aufkommen. Zwar erscheinen die Ereignisse durchaus bedrohlich, doch irgendwie überkommt einen zu keiner Zeit das Gefühl, das es mit der Welt wirklich zu Ende gehen könnte und die Untoten die Herrschaft übernehmen.

Manch einem mag sich an dieser Stelle ein größeres Manko aufzeigen, aber dennoch erscheint "World War Z" insgesamt gesehen als größtenteils stimmiger Film, der aufgrund seiner Altersfreigabe jedoch ein wenig weich gespült erscheint. Wenn man so will, könnte man das Szenario auch durchaus als familienfreundliches Zombie-Spektakel beschreiben, in dem Superstar Brad Pitt sich aufschwingt, als liebender Ehemann und Vater die gesamte Welt vor dem Untergang zu retten. So ist er es auch der auf die Lösung kommt, wie man die riesigen Horden der Zombies eventuell bekämpfen könnte und stellt sich selbstverständlich als Testperson zur Verfügung, um die eigens vorgeschlagene Methode an ihm auszuprobieren. Hier wird es dann auch ein wenig schmalzig und der allseits bekannte Hollywood-Charakter schlägt ganz enorm durch. Man kann an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen ohne zu viel zu verraten, doch sowohl die Lösung zur Bekämpfung der Seuche sowie auch das Verhalten der Akteure ist ziemlich dem Zufallsfaktor überlassen. Hollywood lässt grüßen könnte man nun an dieser Stelle sagen und so ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, das die Geschichte zumindest mit einem halben Happy End abschließt, doch das konnte man sich schon im Vorfeld denken. Auch wenn sich jetzt einige Aspekte eher negativ anhören, bietet "World War Z" ein jederzeit gut unterhaltendes Szenario, das man jedoch keinesfalls als echten Zombiefilm bewerten sollte. Vielmehr handelt es sich um einen waschechten Blockbuster, der nach den üblichen Kriterien der Hollywood-Schmiede familienfreundlich zubereitet wurde, aber dennoch etliche bedrohliche Züge erkennen lässt. Phasenweise zeigt sich dabei ein wunderbares Effekt-Gewitter und ein durchgehend ordentliches Tempo trägt zusätzlich Sorge dafür, das zu keiner Zeit langatmige Passagen auftreten.

Letztendlich lohnt sich eine Sichtung des Werkes allemal, auch wenn sich die Lager der Fans ganz sicher in zwei Lager spalten wird. Wer nämlich einen harten-und blutigen Genre-Film erwartet sollte lieber gleich die Finger von der DVD lassen, wer aber seine Freude an einem typischen Blockbuster hat, der mangelnde Härte durch gelungene Action ersetzt ist hier bestens aufgehoben. Mir persönlich hat die Geschichte ehrlich gesagt sehr gut gefallen, denn auch wenn unzählige Klischees zu erkennen sind und das Ganze manchmal etwas zu sauber wirkt, bietet "World War Z" über 100 Minuten gelungene Unterhaltung. Das die Ereignisse dabei so inszeniert wurden das man sie dem breiten Massen-Publikum präsentieren kann dürfte nicht weiter verwunderlich sein, denn schließlich muss das riesige Budget des Filmes ja auch wieder eingespielt werden. Im Endeffekt kann man zu der Story stehen wie man will, auf jeden Fall ist sie äußerst kurzweilig gestaltet und sorgt dafür, das man eine Sichtung des Filmes nicht bereuen dürfte. Von meiner Seite aus kann ich jedenfalls definitiv eine dicke Empfehlung an jeden aussprechen, der keinen gesteigerten Wert auf blutrünstige Szenen legt und so auch einen eher soften Zombiefilm zu schätzen weiß.


Fazit:


Nach anfänglich vorherrschender Skepsis konnte mich das Werk von Marc Forster aber fast vollends überzeugen. Natürlich muss man bei gewissen Dingen Abstriche in Kauf nehmen, doch in seiner Gesamtheit bietet "World War Z" erstklassige Unterhaltung und beinhaltet zudem auch jede Menge Spannung und Tempo. Über die vorhandenen Klischees kann man ohne Weiteres hinweg sehen und selbst der typische Hollywood-Look eines echten Blockbusters erschien mir selbst nicht sonderlich störend. Letztendlich muss sich aber jeder selbst sein eigenes Urteil über diesen Film bilden, der mich wirklich sehr positiv überrascht hat.


8/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies
(Zombi 2)
mit Tisa Farrow, Ian McCulloch, Richard Johnson, Al Cliver, Auretta Gay, Stefania D'Amario, Olga Karlatos, Nick Alexander, Ugo Bologna, Ramón Bravo, Omero Capanna, Giannetto De Rossi, Ottaviano Dell'Acqua
Regie: Lucio Fulci
Drehbuch: Elisa Briganti / Dardano Sacchetti
Kamera: Sergio Salvati
Musik: Giorgio Cascio / Fabio Frizzi
ungeprüft
Italien / 1979

Eine führerlose Segeljacht wird von der New Yorker Küstenwache auf dem Hudson Bay geentert. Beim Durchsuchen des Schiffes stoßen die Beamten auf abgetrennte Körperteile, und aus dem Hinterhalt werden sie von einer faulig aussehenden Gestalt angefallen, gegen die sie sich nur mit Schüssen zur Wehr setzten können. Durch die seltsamen Vorkommnisse neugierig geworden, beginnt der Journalist Peter West zu recherchieren und trifft dabei auf Ann Bowles, Tochter des Yachtbesitzers. Ihr Vater arbeitete zuletzt auf der Karibik-Insel Matul. Dort angekommen, werden sie von Dr. Menard, dem früheren Kollegen von Ann's Vater, über dessen Tod informiert. Doch keine Krankheit ist für die vielen Todesfälle auf der Insel verantwortlich: Ein Woodoo-Fluch der Eingeborenen lässt die Toten als Zombies aus ihren Gräbern steigen - ihr einziger Antrieb ist die Gier nach Menschenfleisch. Jedes neue Opfer lässt die Zahl der Zombies steigen, und Peter und Ann müssen sich fragen, ob sie die ständig wachsende Flut noch eindämmen können...


Nicht nur zur damaligen-sondern auch noch in der heutigen Zeit ist es für die meisten Zombie-Fans fast schon eine Glaubensfrage, ob man die bläulichen Untoten von George A. Romero oder die teils schon verwesten Zombies von Lucio Fulci bevorzugt. Rein optisch gesehen unterscheiden sich die beiden Varianten schon ganz erheblich und haben im Prinzip nur den Aspekt gemeinsam, das beide Gruppen zu denn sich langsam-und schlurfend bewegenden Oldschool-Zombies zählen, die in den 70er und 80er Jahren die Filmwelt unsicher machten. Nur ein Jahr nach Romero's "Dawn of the Dead" erschien mit "Woodoo" eines der unzähligen italienischen Ripp-Offs, das aufgrund einer regelrechten Zombie-Welle aus Italien fast unterzugehen drohte. Fast jeder Regisseur wollte unbedingt auf den Erfolgszug aufspringen, wobei nur relativ wenige Werke sich in Sachen Qualität mit Romero messen konnte. Vorliegender Film zählt aber definitiv dazu und frecherweise wurde das Werk auch teilweise unter dem Titel "Zombi 2" vermarktet, was sicherlich nicht gerade die schlechteste Marketing-Strategie darstellte, wobei die Geschichte natürlich bis auf die lebenden Toten überhaupt nichts mit dem 1978er "Zombie" zu tun hat. Zudem benötigt die Geschichte auch überhaupt nicht diesen kleinen aber dreisten Ettikettenschwindel, denn das Szenario schafft es absolut spielend, den Zuschauer durchgehend für sich einzunehmen.

Rein von der Geschichte her muss man hier wohl einige Abstriche machen, denn Fulci setzt keineswegs auf teilweise vorhandene inhaltliche Tiefe oder gar die sozialkritischen Ansätze, die Romero seinen Werken immer wieder beifügt, vielmehr lässt der italienische Regisseur von Beginn an keinen Zweifel an der Tatsache, das seine Story ihr Hauptaugenmerk auf die visuelle Gewalt legt, wobei die expliziten Gewaltdarstellungen einen Grad der Derbheit erreichen, der zur damaligen Zeit wirklich noch etwas Besonderes war. Das soll jetzt aber keinesfalls bedeuten das die hier erzählte Story-Line dumm oder gar uninteressant wäre, denn eher das Gegenteil ist der Fall. Nur merkt man an etlichen Stellen eben ganz eindeutig, das hier keine Kritik an der Gesellschaft stattfindet, sondern die Geschehnisse hauptsächlich darauf abzielen, den Betrachter mit manchmal brachial anmutender Gewalt und etlichen blutigen Passagen regelrecht zu schocken. Es muss wohl nicht näher erläutert werden, das die Kamera bei den entsprechenden Einstellungen immer voll drauf hält, denn wer die meisten Horrorfilme von Fulci kennt weiß ganz genau, das der gute Mann im Bezug auf derbe Szenen nie ein Kind von Traurigkeit war. So kann sich dann auch der geneigte Gorehound auf Ereignisse einstellen, die selbst nach heutigen Maßstäben immer noch absolut sehenswert erscheinen.

Es ist jedoch längst nicht so, das "Woodoo" sich nur durch seinen extremen Härtegrad auszeichnen würde und dabei einige wirklich spektakuläre Passagen wie beispielsweise den Unterwasserkampf zwischen einem Hai und einem Zombie an den Tag legt. Zum einen liegt dem Ganzen nämlich eine wirklich interessante Geschichte mit Woodoo-Thematik zu Grunde und andererseits wird das Geschehen durch eine absolut grandiose Grundstimmung getragen. Der dazu passende Score ist selbstverständlich auch vorhanden und so mausert sich der Film zu einer in atmosphärischer Hinsicht echten Granate, wie man sie in den folgenden Jahrzehnten nur noch selten präsentiert bekommen hat. Dabei beginnen die Ereignisse noch verhältnismäßig ruhig und mit dem Schauplatz New York, wobei hier zwar durchaus schon bedrohliche Elemente zu erkennen sind, die aber erst so richtig zur Geltung kommen, als die Location auf die mysteriöse Insel Matul wechselt, wo der Ursprung der Bedrohung zu suchen ist. Hier geht dann auch richtig die Post ab und die vorhandene Stimmung verdichtet sich schlagartig um ein Vielfaches, so das eine gepflegte Gänsehaut im Prinzip garantiert sein sollte. Zum Ende hin wechselt die Chose dann wieder zum Eröffnungs-Schauplatz und deutet dem Betrachter eine nahende Katastrophe an, die einen äußerst bitteren Nachgeschmack enthält.

Die zu Beginn angesprochene Glaubensfrage muss ein jeder für sich selbst beantworten, denn sowohl die Romero-Zombies wie auch die des Lucio Fulci bieten genügend positive Elemente, so das es im Endeffekt immer dem persönlichen Geschmack des Zuschauers überlassen ist, für welche Variante man mehr Sympathien hegt. Im Prinzip ist das allerdings auch vollkommen egal, denn "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" zählt wohl ganz eindeutig zu den absoluten Klassikern des Sub-Genres und sollte einen festen Platz in jeder gut sortierten Sammlung haben. Auch über dreißig Jahre nach seinem Erscheinen fesselt einen der Film immer wieder aufs Neue und hat dabei überhaupt nichts von seiner grausamen Faszination verloren, die sich immer wieder wie ein bleierner Mantel auf die Schultern des Betrachters legt und diesen schier erdrückt. Fulci hat hier einen echten Zombie-Klassiker kreiert, der fast in einem Atemzug mit Romero's "Dawn of the Dead" zu nennen ist, der jedoch für mich persönlich immer unangetastet bleiben wird.


Fazit:


Richtig derbe Effekte und ein hoher Blutgehalt zeichnen dieses Werk aus, das aber auch gleichzeitig mit einer herausragenden Atmosphäre ausgestattet ist, der man sich unmöglich verweigern kann. Der richtige Score untermalt das Ganze perfekt und so ergibt sich letztendlich ein Gesamteindruck, den man nur als sehr gut bezeichnen kann.


9/10
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Gefährliche Begierde - Im Rausch dunkler Gelüste
(Suspension of Disbelief)
mit Sebastian Koch, Lotte Verbeek, Emilia Fox, Rebecca Night, Eoin Macken, Lachlan Nieboer, Frances de la Tour, Julian Sands, Kenneth Cranham, Paris Arrowsmith, Jessica Chamberlain, Samantha Coughlan, Ginny Dee
Regie: Mike Figgis
Drehbuch: Mike Figgis
Kamera: Mike Figgis
Musik: Mike Figgis
FSK 16
Großbritannien / 2013

Martin ist ein talentierter Drehbuchautor und Schriftsteller, der gerade eine schwierige Phase in seinem Leben durchmacht. Direkt nach dem überraschenden Tod seiner mysteriösen und verführerischen Bekannten Angelique verändert sich sein Leben auf dramatische Art und Weise...hat der rätselhafte Tod von Angelique etwas mit dem ebenfalls ungeklärten Verschwinden seiner Ehefrau zu tun? Als auf einmal Angeliques Zwillingsschwester Therese auftaucht, kommen ihm Zweifel an ihrer Vergangenheit, trotzdem fühlt er sich auf seltsame Art und Weise zu ihr hingezogen. Er gerät in einen Strudel aus Leidenschaft und Verdächtigungen – und nichts ist, wie es scheint...


Immer wieder trifft man auf diverse Filme, die aufgrund ihrer außergewöhnlichen Inszenierung einen extrem nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlassen. Bei vorliegendem "Gefährliche Begierde verhält sich das keinesfalls anders, denn obwohl die Inhaltsangabe im Prinzip eine ziemlich geradlinige Geschichte vermuten lässt, hat Regisseur Mike Figgis, der übrigens auch für Drehbuch, Kameraführung und Musik zuständig ist ein Geschehen kreiert, das man im Grunde genommen als das vollkommene Chaos bezeichnen kann. Die Bezeichnung ist hier durchaus angebracht und sollte vor allem nicht negativ aufgefasst werden, steht doch im Mittelpunkt mit der Figur von Martin (Sebastian Koch), dessen Leben vollkommen ungeordnet und chaotisch erscheint. Dennoch ist die Art wie Figgis diesen Zustand in seine Geschichte transportiert mehr als ungewöhnlich und kann zudem in etlichen Passagen beim Zuschauer für dezente Schwindelanfälle sorgen. Es präsentiert sich nämlich fast durchgehend ein Szenario das größtenteils relativ ungeordnet und unstrukturiert präsentiert, wobei Letzteres aber lediglich bei oberflächlicher Begutachtung des Geschehens der Fall ist. Bei genauerem Hinsehen ergibt nämlich die ganze Chose sehr wohl einen Sinn und entfaltet ganz nebenbei auch einen durchaus konstanten Spannungsbogen, so das die Aufmerksamkeit des Betrachters jederzeit gewährleistet ist.

Man sollte jedoch anmerken, das dieses Werk sicherlich nicht jeden Geschmack treffen wird, eröffnet sich einem doch eine Art von Erotik-Thriller, die sich jenseits der ansonsten üblichen Genre-Kollegen ansiedelt. Das liegt selbstverständlich in der mehr als außergewöhnlichen Erzählweise begründet, doch auch einige andere Aspekte sorgen dafür, das sich dieser Film wohlwollend von anderen Vertretern abhebt. So gelingt es Figgis fast spielerisch, seiner Erzählung knisternde Erotik zu verpassen, wobei sich diese allerdings hauptsächlich in diversen Andeutungen zu erkennen gibt. Wirkliche Nacktszenen bekommt man so gut wie überhaupt nicht geboten, lediglich einige Nackt - Einstellungen der geheimnisumwitterten Therese (Lotte Verbeek) regen die Fantasie an, denn von der bidhübschen jungen Frau geht eine ganz eigene Faszination aus, die man nicht näher beschreiben kann. Genau in diesen Kleinigkeiten beinhaltet das Werk seine Stärken, denn die ständigen Andeutungen lösen bei einem den Wunsch nach mehr aus, wobei der Regisseur es meisterhaft verstanden hat die eine Art Versprechen abzugeben, das er jedoch letztendlich nicht einlöst. Das mag sich eventuell etwas dämlich anhören, aber anders kann ich die manigfaltigen Empfindungen kaum beschreiben, die einen während der Sichtung überkommen, denn "Gefährliche Begierde" deutet fast alles nur an, ohne das im Grunde genommen wirklich viel passiert.

Visuell gesehen offenbart sich das Szenario streckenweise wie ein Geduldsspiel, das an einigen Stellen sogar erheblich an den Nerven zerren kann. In weiten Teilen kommt es einem so vor, das man lediglich etliche wild aneinandergereihte Video-Clips zu sehen bekommt, die erst bei genauerem Hinsehen einen echten Sinn ergeben. Zudem gibt es nicht wenige Momente, in denen dem an sich schon leicht verwirrendem Treiben durch visionsartige Bilder ein surrealer Touch verliehen wird, so das man oft nur schwer zwischen Realität und Fiktion unterscheiden kann. Darin liegt andererseits auch der Sinn der Geschichte begründet, wobei ich jedoch nicht weiter darauf eingehen möchte um niemandem die Spannung zu nehmen. In der Geschichte wird jedoch alles zufriedenstellend beantwortet, auch wenn man eventuell eine gewisse Zeitspanne benötigt, um auch wirklich sämtliche Zusammenhänge zu erkennen.

Im Endeffekt hat Mike Figgis hier einen wirklich außergewöhnlichen Film kreiert, bei dem man schon in etlichen Momenten an einen David Lynch erinnert wird. Chaos im Film kann hier wirklich wörtlich genommen werden und das Gesamtwerk siedelt sich unter Garantie jenseits des üblichen Mainstreams an. Tief ineinander verschachtelt offenbart sich eine Geschichte die alles andere als geradlinig erzählt wird, aber gerade durch diesen Aspekt ihren ganz besonderen Reiz ausübt. Die von Figgis mit eingebrachten Momente in denen man dem Film noir huldigt verleihen dem Ganzen eine noch zusätzlich erstklassige Note und werten den gewonnenen Gesamteindruck noch einmal weiter auf. Sicherlich nicht für jedermann geeignet bietet "Gefährliche Begierde" aber definitiv ein Seherlebnis, das man in dieser Form ganz bestimmt nicht jeden Tag geboten bekommt und eine Sichtung lohnt sich allemal, um sich ein eigenes Urteil zu bilden.


Fazit:


War ich zu Beginn der Sichtung noch drauf und dran möglichst schnell die Stop-Taste des heimischen DVD-Players zu drücken, so wurde ich im Laufe des Filmes doch eines Besseren belehrt. Was nämlich zu Beginn vollkommen wirr-und ohne jegliche Strukturen daher kommt, entwickelt sich immer mehr zu einem wirklich gelungenem Film, auf den man sich allerdings gänzlich einlassen muss, um die definitiv vorhandene Klasse auch würdigen zu können. Zugegebenermaßen hat es Figgis an einigen Stellen fast schon ein wenig zu gut mit der Chaos-Thematik gemeint, aber insgesamt gesehen, doch mich persönlich hat dieses Werk absolut begeistert.


8/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Eyes of Crystal - Die Angst in deinen Augen
(Occhi di cristallo)
mit Luigi Lo Cascio, Lucía Jiménez, José Ángel Egido, Simón Andreu, Carmelo Gómez, Eusebio Poncela, Branimir Petev Miladinov, Tzvetan Orlinov Filipov, Ernestina Chinova, Hristo Jivkov, Desislava Tenekedjieva, Plamen Prev
Regie: Eros Puglielli
Drehbuch: Gabriella Blasi / Luca Di Fulvio / Franco Ferrini / Eros Puglielli
Kamera: Luca Coassin
Musik: Francesc Gener
keine Jugendfreigabe
Großbritannien / Italien / Spanien / 2004

Einst ermordete man des Kommissaren Amaldis Freundin, weshalb der Cop heute zu rabiaten Selbstjustizakten neigt. Jetzt sucht die Studentin Giuditta Schutz in einer Stalking-Sache, und Amaldi verliebt sich erneut. Derweil treibt in der Stadt ein Serienmörder sein Unwesen, entwendet jungen Frauen mit fachkundiger Hand hier einen Fuß und dort einen Kopf, als ob er sich irgendwo eine neue Frau aus den Einzelteilen bauen wollte. Und Amaldi fürchtet zu Recht, dass sich das Schicksal wiederholen könnte.


Gerade weil die Hochzeiten des italienischen Gialli längst vorbei sind ist es umso schöner, wenn sich zumindest ab und zu ein Regisseur dazu aufrafft, das Sub-Genre mit einem neueren Beitrag wieder ein wenig aufleben zu lassen. Wenn sich das Ergebnis dann auch noch so gut-und stimmig wie in vorliegendem Fall präsentiert, lässt dies das Herz im Leibe eines jeden Fans höher schlagen. Zwar mag sich "Eyes of Crystal" für manch einen nicht in der oberen Liga der Genre-Kollegen einstufen, doch mir persönlich hat dieses Werk ausnehmend gut gefallen. Dies liegt in erster Linie an der äußerst interessanten Art, wie Regisseur Eros Puglielli seine Geschichte aufbaut, denn wird man doch zu Beginn anscheinend mit mehreren kleinen Erzählsträngen konfrontiert die wohl nichts miteinander zu tun haben, so kristallisiert sich im Laufe der Zeit immer mehr heraus, das diese anfängliche Vermutung ein einziger Trugschluss ist. So präsentiert sich dem Zuschauer dann auch ein wunderbares Puzzle aus etlichen Vermutungen-und Indizien, das mit zunehmender Laufzeit immer mehr Zusammenhänge erkennen lässt, aber erst kurz vor dem Ende ein Gesamtbild abliefert, das eigentlich keinerlei Fragen offen lassen dürfte.

So ist man dann auch durchgehend sehr konzentriert bei der Sache und begibt sich zusammen mit den Protagonisten auf die Suche nach einem offensichtlich geistesgestörten Killers, der seine Opfer auf nahezu bestialische Art und Weise um ihr Leben bringt und ihnen dabei diverse Körperteile entfernt. Die ermittelnden Beamten stehen vor einem schier unlösbaren Rätsel, sind doch die Beweggründe für die grausamen Morde und das Entfernen einzelner Körperteile nicht zu erkennen. Puglielli versteht es sehr gekonnt, den Betrachter über eine lange Zeit so gut wie völlig im Dunkeln tappen zu lassen und webt dabei ein dichtes Netz von Puzzle-Teilchen, die sich erst sehr spät zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Dazu gehört auch der Aspekt des scheinbaren Neben-Erzählstranges, in dem sich eine Beziehung zwischen Kommissar Amaldi und dem Stalking-Opfer Giuditta anbahnt. Was zu Beginn noch wie eine eher nebensächliche Romanze beginnt, erhält im Verlauf der Ereignisse eine ungemein starke Gewichtung und wird so zu einem wesentlichen Bestandteil der gesamten Geschichte. Für mich persönlich ist es jedes Mal wieder aufs Neue ein regelrechtes Fest diesen Film anzuschauen, der in meinen Augen unglaublich gut gelungen ist und zudem auch mit der nötigen Grundstimmung versehen wurde, um durchaus einen weit überdurchschnittlichen Eindruck zu hinterlassen.

Die ganze Zeit über geben sich dabei immer wieder sehr bedrohliche Züge zu erkennen, wobei sich die vorherrschende Atmosphäre an einigen Stellen so sehr verdichtet, das bei einem selbst ein starkes Gefühl des Unwohlseins empor steigt, das äußerst beklemmende Ausmaße annimmt. Die dabei immer weiter ansteigende Spannung ist phasenweise kaum auszuhalten und man kann es kaum abwarten, bis sich am Ende dann endlich des Rätsels Lösung offenbart. Vielleicht mag das nicht jeder zu empfinden, doch mich zieht die Geschichte immer wieder in ihren geheimnisvollen Bann und sendet dabei eine Faszination aus, der ich mich beim besten Willen nicht entziehen kann. "Eyes of Crystal" ist ein unglaublich intelligenter Giallo, der in meinen Augen keine nennenswerten Logiklöcher erkennen lässt und durch das Einfügen diverser Flashbacks diverser Charaktere ein immens spannendes Puzzle präsentiert, das man nur zu gern zusammensetzen will. Zudem konnte hier eine Darsteller-Riege verpflichtet werden, die wirklich überzeugende Leistungen abliefert, wobei mich am meisten die Hauptfigur Kommissar Amaldi (Luigi Lo Cascio) beeindrucken konnte. Bekommt man es hier doch einerseits mit einem sehr intelligenten Beamten zu tun, so muss man sich andererseits auch mit seinen immer wieder auftretenden Aggressionen auseinandersetzen, die in seiner Vergangenheit begründet sind.

Insgesamt gesehen bietet "Eyes of Crystal" auf jeden Fall durchgehend ungemein spannende-und atmosphärische Giallo-Kost, die zudem auch noch von einem sehr passenden Score unterlegt wird. So ergibt sich dann schlussendlich auch ein Gesamteindruck, den im Prinzip jeder Fan dieser Filmart zumindest als gut einstufen sollte, wobei der Fall bei mir selbst noch etwas anders liegt. Zählt dieses Werk doch zu meinen absoluten Lieblingen, die ich mir in regelmäßigen Abständen immer wieder anschauen muss, um mich an der vorhandenen Qualität zu ergötzen. Denn auch wenn man die Lösung mittlerweile natürlich kennt, präsentiert sich dennoch immer wieder ein extrem stimmiges-und rundes Filmerlebnis, das man jedem nur wärmstens ans Herz legen kann, der seine Freude an einem gediegenen und sehr gut inszenierten Giallo hat.


Fazit:


Ob man diesen Spät-Giallo letztendlich mit den absoluten Größen seiner Art auf eine Stufe stellen kann bleibt natürlich jedem selbst überlassen, doch meinetwegen könnte jede Woche eine Produktion dieser Qualität an den Start gehen. "Eyes of Crystal" ist nahezu ein Paradebeispiel dafür das diese Filme auch in der heutigen Zeit immer noch bestens funktionieren. So bleibt nur zu hoffen das sich auch in Zukunft immer wieder Regisseure an diese fast schon vergessene Filmart heran trauen, so mancher Fan würde es ihnen definitiv danken.


8,5/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Junkie
(Junkie)
mit Robert LaSardo, Daniel Louis Rivas, Tess Panzer, Tomas Boykin, Caroline Guivarch, Ian Duncan, Andrew Howard, Julia Sandberg Hansson, Charisse Sanzo, Sara Rivas, Sarah Uslan, Michael Sanzo, Marie Sanzo
Regie: Adam Mason
Drehbuch: Simon Boyes / Adam Mason
Kamera: Polly Morgan
Musik: Martin Grech
keine Jugendfreigabe
USA / 2012

Danny und Nicky sind zwei Brüder, die mehr als nur ihre Blutsverwandtschaft miteinander verbindet. Beide hegen und pflegen die gleiche Sucht sie sind drogenabhängig. Sie leben zusammen in einer heruntergekommenen Wohnung und dröhnen sich 24 Stunden am Tag mit Drogen voll. Beide führen ein Leben, welches nur in einer Sackgasse enden kann. Während Nicky dies nicht zu erkennen scheint, beschließt Danny eines Tages clean zu werden. Gegen den Widerstand seines Bruders beginnt Danny mit einem kalten Entzug. Doch Danny hat die Rechnung ohne Nicky gemacht, der in seinem Drogenwahn nichts unversucht lässt, seinen Bruder vom Entzug abzuhalten. Ein langer Tag voller merkwürdiger Begegnungen, schockierenden Ereignissen und unerwartet blutigen Wendungen beginnt.


Schaut man sich einmal die bisherige Filmografie von Regisseur Adam Mason an dann findet man nicht gerade herausragende Arbeiten. Mit vorliegendem "Junkie" präsentiert der gute Mann nun ein Werk, das man in seiner Gesamtheit als absolut überzeugend einstufen kann. Allerdings sollte man dabei fairerweise anmerken, das die Geschichte sicherlich nicht jeden Geschmack treffen wird, was durch einige meiner Meinung nach ungerechtfertigt schlechte Kritiken zum Ausdruck kommt. Schon vor Beginn der Sichtung sollte man deshalb auch nie die zu Grunde liegende Thematik außer acht lassen, denn "Junkie" entpuppt sich als wahnwitziger Drogen-Trip der Extraklasse und wartet dabei mit jeder Menge bissigem-und extrem schwarzem Humor auf, der sich sowohl in den Dialogen, wie auch in der entstehenden Situationskomik zu erkennen gibt. Dabei eröffnet sich dem Zuschauer ein Szenario, das bei manch einem nach einigen Minuten eventuell leichte Verwirrungen hervorrufen dürfte. Leider kann man nicht näher darauf eingehen, da man ansonsten zu viel verraten würde, doch mit ein wenig Fantasie sollte man relativ schnell erkennen, in welche Richtung das Ganze tendiert.

Adam Mason hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet und weckt in diversen Einstellungen schon Erinnerungen an einen Film wie beispielsweise "Trainspotting", wobei sich die beiden Filme aber dennoch nur ansatzweise ähneln. Eine der ganz großen Stärken beinhaltet die vorliegende Geschichte bestimmt im Schauspiel der beiden Brüder Danny und Nicky denn was sich zwischen den beiden Hauptfiguren abspielt, ist streckenweise kaum in Worte zu fassen. Bizarre Momente und eine Vielzahl an skurrilen Passagen sorgen hier für beste Unterhaltung, wobei die gesamte Chose sich größtenteils wie ein wahnsinniger Drogenrausch präsentiert. Zudem sind es ganz generell die wunderbar überzeichneten Charaktere die einem so manchen Lacher entlocken und die verbalen Entgleisungen mancher Akteure stellen ein wahres Feuerwerk dar, so das die Lachmuskeln des Betrachters auf eine harte Probe gestellt werden.

Nun ist "Junkie" vielleicht nicht unbedingt für das breite Mainstream Publikum geeignet, wobei die äußerst gelungene Mixtur aus Drama-und Komödie es durchaus verdient hätte ein Höchstmaß an Beachtung zu erlangen, versteckt sich in dieser kleinen Independent Produktion doch weitaus mehr Klasse, als so manche im Netz abgegebene Kritik es eventuell vermuten lässt. Denn ganz egal wie man zu Filmen dieser Art steht, die Geschichte von Adam Mason beinhaltet jegliche Zutaten, um dem Zuschauer die vorliegende Thematik auf eine wunderbar schräge Art und Weise näher zu bringen. Nur so ist es in meinen Augen auch möglich, den Zustand eines drogenverseuchten Geistes visuell in Szene zu setzen und gerade dieser Aspekt ist dem Regisseur hervorragend gelungen. Das sich dabei die unglaublichsten Dinge ereignen mag manch einem übertrieben erscheinen, doch insbesondere diese Momente verleihen dem Ganzen einen tiefen Einblick in einen Zustand, den man als neutraler Beobachter sowieso nur erahnen kann. Wenn man nämlich selbst nichts mit Drogen zu tun hat kann man wohl schwerlich ausmachen, was sich im Inneren eines Süchtigen abspielt und genau hier hat der Regisseur den Hebel angesetzt, um dem Betrachter eine mögliche Variante zu servieren.

Trotz jeder Menge Humor und den skurrilsten Momenten beinhaltet "Junkie" auch durchaus eine tragische Seite, die vor allem zum Ende des Filmes verstärkt in den Vordergrund rückt und der Geschichte einen sehr gelungenen Abschluss verpasst. So kann man das Werk als äußert stimmig und rund ansehen und sollte eigentlich zu einem überzeugendem Gesamteindruck gelangen. Mir persönlich hat dieses vollkommen abgedrehte Filmchen jedenfalls extrem gut gefallen und ich kann nur eine dicke Empfehlung an jeden aussprechen, der Filme in der Art wie "Trainspotting" zu schätzen weiß.


Fazit:


Ohne jegliche Erwartung bin ich an diese Geschichte herangegangen, die mich letztendlich unglaublich positiv überrascht hat. Bizarr, skurril und vollkommen überzogen offenbart sich eine Story, die man kaum besser hätte in Szene setzen können. Dabei gestaltet sich das Szenario so dermaßen unterhaltsam, das die gut 80 Minuten Laufzeit wie im Flug vergehen.


8/10
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Scholl Killer - Nacht des Grauens!
(School Killer)
mit Paul Naschy, Carlos Fuentes, Zoe Berriatúa, Olivia Molina, Carmen Morales, Elena Candorcio, Kwenya Carreira, Itziar Miranda, Manuela Velasco, Aitor Beltrán, Antonio Hueso, Antonio Arenas, Sergi Mateu
Regie: Carlos Gil
Drehbuch: Tino Blanco / Mercedes Holgueras
Kamera: Fernando Arribas
Musik: David San José
FSK 18
Spanien / 2001

1974. An einem Freitag, den 13., beschließt eine Gruppe von Teenagern ihren Schulabschluss auf ganz besondere Art zu feiern. Die Party steigt in einem alten, abgelegenen Schulgebäude. Heiße Rhythmen, aufgeheizte Stimmung... die Party ist ein voller Erfolg. Bis eines der Mädchen vermisst wird. Blutüberströmt und mit einer klaffenden Wunde am Kopf finden die anderen sie in einer dunklen Ecke liegend. Panik bricht aus. Außer ihnen hält sich ein brutaler Killer im Gebäude auf, der nun Jagd auf sie macht. 26 Jahre später wollen drei Pärchen in der mittlerweile verlassenen Monte Alto International School ein romantisches Wochenende verbringen. Doch auch sie sind nicht alleine. Immer wieder sehen sie einen Nachtwächter durchs Gebäude streifen. Die sechs haben keine Ahnung, worauf sie sich an diesem Wochenende eingelassen haben. Niemand, bis auf Ramón... den Sohn des einzigen Überlebenden des Massakers von 1974.


Bei der riesigen Flut von Slashern aus den USA ist man im Prinzip immer wieder sehr erfreut darüber, wenn auch mal ein Vertreter des Sub-Genres aus europäischen Gefilden erscheint. Der vorliegende spanische Vertreter von Carlos Gil entpuppt sich dann auch als relativ handelsübliche Ware und ist zudem mit sämtlichen Klischees behaftet, die man bei dieser Art Film so sehr zu schätzen gelernt hat. Zudem wird man auch gleich in den ersten Minuten durch diverse Dialoge der Akteure noch auf diverse andere Genre-Kollegen hingewiesen die hier namentlich genannt werden, so das man im Prinzip die richtige Stimmung verspürt, sich einen ordentlichen Slasher anzuschauen. Was man dann jedoch geboten bekommt kann den geneigten Fan leider nur streckenweise begeistern, wobei an dieser Stelle wohl die recht blutigen Effekte an erster Stelle zu nennen sind, denn diese können sich wirklich sehen lassen. Zudem entfaltet sich auch von Beginn an eine wunderbar dichte Grundstimmung, die sich durch den Schauplatz des alten Schulgebäudes immer stärker manifestiert und zumindest streckenweise stark bedrohliche Züge erkennen lässt. Die düsteren Gänge und die teils blassen Farben tragen dabei Sorge für eine manchmal aufkommende Gänsehaut und ganz generell entwickelt sich die Geschichte mit der Zeit auch immer mehr zu einer Mischung aus blutigem Slasher und diversen Mystery-Elementen.

Im Grunde genommen ist diese Mixtur nahezu ideal für ein äußerst atmosphärisches Filmvergnügen, das in vorliegendem Fall jedoch immer wieder durch ziemlich offensichtliche Defizite getrübt wird. Da wäre zuerst einmal die grottige deutsche Synchronisation zu erwähnen, die sich insbesondere bei den weiblichen Protagonisten bemerkbar macht. Die Stimmen die man den Charakteren verliehen hat haben dabei schon eine echt nervende Wirkung auf den Zuschauer und verleihen der gesamten Story dadurch einen manchmal unfreiwillig komischen Anstrich, der so überhaupt nicht in das Geschehen passt. Desweiteren ist es das dargebotene Schauspiel das des Öfteren negativ auffällt, denn von den üblichen unlogischen Verhaltensweisen einmal ganz abgesehen agieren die Darsteller streckenweise sehr aufgesetzt und künstlich, was die Qualität des Filmes nun nicht unbedingt aufwertet. Lediglich die Auftritte von Paul Naschy bilden hier eine Ausnahme, denn sein bedrohliches Auftreten verleiht der ganzen Chose ein wenig Würze und kann die Mankos der anderen Figuren ein wenig ausgleichen.

Der größte Kritikpunkt liegt bei "School Killer" jedoch in der mangelnden Logik und während dieser Aspekt im Prinzip schon von Beginn an zu bemerken ist, so erfährt er insbesondere zum Ende hin eine enorme Gewichtung, denn bei aller Liebe werden einem wirre-und an den Haaren herbeigezogene Erklärungsversuche für sämtliche Ereignisse offenbart, die nicht von dieser Welt sein können. Ehrlich gesagt fühlt man sich dabei sogar ein wenig erschlagen, denn die nicht nur wirren, sondern größtenteils auch vollkommen dämlichen Erläuterungen der Zusammenhänge müssen wohl im Suff entstanden sein, denn nur so sind die hanebüchenen Versuche zu erklären, die Regisseur Carlos Gil hier präsentieren möchte. Einen solchen Nonsens bekommt man eher selten geboten und man weiß im ersten Moment auch nicht so genau, ob man bei so viel Dummheit lachen oder weinen soll. Und so wird man dann auch mit einem Ende aus der Geschichte entlassen das alles andere als befriedigend erscheint, wobei man erst einmal einige Minuten braucht, um sich von dem verbalen Durchfall zu erholen, den die Akteure in den letzten Minuten von sich gegeben haben. Das ist gar nicht einmal so leicht da der eigene Verstand von dem sinnlosen Gelaber noch leicht betäubt ist und man für sich selbst einmal sortieren muss, welche von den angebotenen Möglichkeiten denn nun wirklich eingetreten ist.

Eine echte Antwort wird man darauf nicht wirklich bekommen und das wertet die Geschichte doch ganz erheblich ab, die doch einige absolut gelungene Ansätze geboten hat. So verbuchen wir also einen sehenswerten Paul Naschy, gut anzuschauende Effekte und eine absolut gelungene Atmosphäre auf der Seite der Pluspunkte, wobei der Rest der nötigen Zutaten ziemlich sinnbefreit verbraten wurde, was dem gewonnenen Gesamtbild nicht wirklich zuträglich ist. Hier war definitiv weitaus mehr drin, doch so siedelt sich "School Killer" maximal im üblichen Durchschnittsbereich an und gehört zu den unzähligen Werken, die man sich durchaus einmal anschauen kann, die allerdings keinen allzu nachhaltigen Eindruck beim Betrachter hinterlassen. Nun will ich den Film aber auch nicht schlechter machen als er ist, nur springen einem die beschriebenen Mankos so offensichtlich ins Auge, das man beim besten Willen nicht über sie hinwegsehen kann.


Fazit:


Es gibt wahrlich etliche schlechtere Vertreter als "School Killer" und so kann man sich diese spanische Produktion auch durchaus einmal anschauen. Die eigenen Erwartungen sollte man jedoch nicht zu hoch ansetzen, da ansonsten die Enttäuschung zu groß sein könnte. Zu viele Fehler verhindern eine bessere Bewertung, so das man die Punktevergabe sich logischerweise durchschnittlich gestaltet.


5/10
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Outpost: Operation Spetsnaz
(Outpost: Rise of the Spetsnaz)
mit Bryan Larkin, Iván Kamarás, Michael McKell, Velibor Topic, Laurence Possa, Ben Lambert, Alec Utgoff, Vince Docherty, Gareth Morrison, Leo Horsfield, Vivien Taylor, Jamie Campbell, Francis Jamie
Regie: Kieran Parker
Drehbuch: Rae Brunton
Kamera: Carlos De Carvalho
Musik: Al Hardiman / Patrick Jonsson
SPIO/JK
Großbritannien / 2013

1945. Eine bestens ausgebildete russische Spezialeinheit - die Spetsnaz - wird attackiert. Die Angreifer sind jedoch gefährlicher als jeder bisher bekannte Feind, handelt es sich doch um Nazi-Zombies. Nun, eigentlich ist es zunächst nur einer dieser ungeliebten Spezies aber ein Nazi-Zombie ist schließlich einer zu viel. Als einige russische Elite-Kämpfer gefangen genommen und zu einem geheimen Labor abtransportiert werden, spitzt sich die Lage zu. Dort verwahrt, drohen ihnen unmenschliche Foltermethoden und schreckliche Experimente ...


Das man im Zombie-Genre nur zu gern die Thematik der Nazi-Untoten aufgreift ist mittlerweile längst nicht mehr überraschend, bekam man doch in den letzten Jahren mehrere Vertreter präsentiert, die sich eben mit dieser speziellen Gruppe von Zombies beschäftigten. Mit am bekanntesten dürfte sicherlich die Outpost-Reihe sein, die mit vorliegendem Film den mittlerweile dritten Teil serviert, der in Sachen Härte auf jeden Fall den bisherigen Höhepunkt darstellt. So ist es auch nicht wirklich verwunderlich, das man das Regiedebüt von Kieran Parker in zwei Versionen herausbringt, wobei die hier vorgestellte Black Edition über 7 Minuten mehr an Material enthält, so das es dem Zuschauer relativ leicht gemacht wird, für welche Variante er sich letztendlich entscheidet. "Operation Spetsnaz" bietet sicherlich keine Geschichte die durch Unmengen von inhaltlicher Substanz besticht, dafür eröffnet sich dem Betrachter jedoch ein Szenario, das streckenweise ziemlich rabiat-und derbe daher kommt und auf jeden Fall einen gesteigerten Unterhaltungswert beinhaltet.

Mit einer Netto-Laufzeit von gerade einmal knapp 78 Minuten ist das Werk recht knapp bemessen, doch ehrlich gesagt hätten die Abläufe auch keinerlei Spielraum für eine längere Laufzeit hergegeben. So präsentiert sich dann ein äußerst knackiges-und kompaktes Film-Vergnügen, das insbesondere die Freunde der etwas härteren Gangart ansprechen dürfte, denn einige ziemlich blutige Passagen sorgen hier für die visuellen Highlights. Als Schauplatz des Ganzen dient ein unterirdisches Labor, in dem die Nazis ihre grausamen Experimente durchführen und durch den Aspekt, das sich fast das gesamte Geschehen in dem räumlich begrenzten Schauplatz abspielt, verleiht der Chose einen klaustrophobischen Anstrich. Dadurch ist im Prinzip auch durchgehend eine recht dichte Grundstimmung vorhanden und es kommt zu etlichen bedrohlichen Momenten die ganz besonders immer dann auftreten, wenn die russischen Soldaten auf diverse Zombies treffen.

Fast zwangsläufig werden so immer wieder Kämpfe zwischen Mensch und Wiedergänger in den Vordergrund gestellt und das Szenario bietet eine ganze Menge an Action, so das erst gar keine langatmigen Passagen aufkommen können. Im Prinzip ist die ganze Zeit immer etwas los und natürlich gestalten sich die Ereignisse auch so, das der böse Deutsche hier einmal mehr sein Fett weg bekommt. Das sich die Abläufe dabei fast selbstredend jenseits der Realität ansiedeln muss man nicht weiter hervorheben, auf jeden Fall aber ist alles sehr kurzweilig in Szene gesetzt worden, so das es sich insgesamt gesehen um einen absolut sehenswerten Genre-Vertreter handelt, der insbesondere im Vergleich mit dem etwas lahmeren Vorgänger ordentlich punkten kann.

So kann man im Endeffekt auf jeden Fall eine Empfehlung an die Freunde solider Zombie-Kost aussprechen, denn "Outpost: Operation Spetsnaz" beinhaltet zwar weder großartige Neuerungen geschweige denn innovative Impulse, verfügt dafür jedoch über einen sehr ansehnlichen Härtegrad und einen Unterhaltungs-Faktor, der nicht gerade niedrig angesiedelt ist. Höhere Ansprüche an inhaltliche Stärken oder herausragendes Schauspiel der Akteure sollte man allerdings nicht stellen, doch dafür ist dieser Film auch sicher nicht ausgelegt. Ich fühlte mich jedenfalls bestens unterhalten und hatte meinen Spaß mit diesem Zombie-Flick, der ganz bestimmt nicht zu den Schlechtesten gehört und allemal sehenswert erscheint.


Fazit:


Nachdem die beiden ersten Teile der Reihe doch relativ unblutig daher kamen, geht "Operation Spetsnaz" nun den Weg der härteren Welle. Mit einer dichten Atmosphäre ausgestattet eröffnet sich eine Geschichte die man bestimmt nicht nach ihrem Tiefgang bewerten kann, da dieser nicht vorhanden ist. Action satt und etliche blutige Einstellungen zeigen ganz eindeutig die Richtung an, in die das Werk von Kieran Parker tendiert, so das ein jeder wissen sollte, auf welche Art von Film er sich hier einlässt.


7/10
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