horror's Reise durch die große Welt der Filme

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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Roter Drache
(Red Dragon)
mit Anthony Hopkins, Edward Norton, Ralph Fiennes, Harvey Keitel, Emily Watson, Mary-Louise Parker, Philip Seymour Hoffman, Anthony Heald, Ken Leung, Frankie Faison, Tyler Patrick Jones, Lalo Schifrin, Tim Wheater
Regie: Brett Ratner
Drehbuch: Thomas Harris / Ted Tally
Kamera: Dante Spinotti
Musik: Danny Elfman
FSK 16
Deutschland / USA / 2002

Bei der Festnahme des gefährlichen Psychopathen und Massenmörders Hannibal "The Cannibal" Lecter entgeht FBI-Agent Will Graham nur knapp dem Tod. Grund genug für ihn, den Dienst zu quittieren. Doch schon nach kurzer Zeit ist das FBI erneut auf seine Hilfe angewiesen. Ein Serienkiller, der in Vollmondnächten schlafende Familien heimsucht, hinterlässt eine grauenhafte Spur des Schreckens. Graham nimmt den Auftrag an und versucht sich in die Psyche des Killers, der nur die Zahnfee genannt wird, hineinzuversetzen. Dabei ist er auf die Hilfe eines ähnlich genialen und gestörten Geistes in Form von Hannibal Lecter angewiesen. Doch dieser verfolgt seine eigenen Pläne...


Manchmal braucht es erst einer Neuauflage damit gewisse Geschichten den Zuspruch erhalten, den sie aufgrund ihrer vorhandenen Klasse auch verdient haben. Ähnlich verhält es sich auch mit diesem auf einem Roman von Thomas Harris basierenden Romans, der gleichzeitig den Beginn der Trilogie um die Figur des Kannibalen Hannibal Lecter darstellt, der in den Verfilmungen der jeweiligen Bücher durch Anthony Hopkins und sein brillantes Schauspiel Berühmtheit erlangte. "Roter Drache" wurde dabei jedoch als letzter Film gedreht und ist die Neuauflage des 1986 erschienenen "Blutmond" von Michael Mann, der eigentlich unverständlicherweise an den Kinokassen ziemlich floppte. Vergleicht man jedoch das Original mit vorliegenden Film dann muss man feststellen, das die Version mit Edward Norton und Anthony Hopkins durchaus die bessere Wahl ist, auch wenn das Original keineswegs so schlecht ist, wie manche Kritiken es vermuten lassen. Mann's Werk wirkt allerdings ein wenig sperrig und hat seine Defizite vor allem in der Darsteller-Riege. Vorliegender Film von Brett Ratner hingegen ist insbesondere in den Hauptrollen absolut perfekt besetzt, denn mit Hopkins, Norton und auch Harvey Keitel sind drei absolute Könner ihres Fachs unterwegs, die den von ihnen dargestellten Figuren eine unglaubliche Präsenz verleihen. Vergessen sollte man allerdings auch keinesfalls Ralph Fiennes, der als Serienkiller weitaus überzeugender daher kommt als es bei Tom Noonan 1986 der Fall war.

Ganz generell präsentiert sich hier eine gelungenere Erzählweise der Geschehnisse und "Roter Drache" ist wirklich sehr nah an der literarischen Vorlage. Ähnlich wie in "Das Schweigen der Lämmer" lässt die Geschichte genügend Platz für die Beziehung zwischen dem ermittelnden FBI-Agenten und dem inhaftierten Hannibal Lecter, wobei dieser Aspekt nicht ganz so viel Platz einnimmt wie im zweiten Teil der Trilogie. Dennoch sind in den entsprechenden Passagen definitiv Höhepunkte dieses Thrillers zu erkennen, denn die zwischen Norton und Hopkins stattfindenden Dialoge zeugen von hoher Qualität, zudem wird das Ganze durch absolut brillantes Schauspiel noch zusätzlich aufgewertet. Dennoch erreicht der Film nicht den ganz hohen Standard des Nachfolgers, zählt aber definitiv zu der Gruppe erstklassiger Thriller, die ohne explizite Gewaltdarstellungen trotzdem dazu in der Lage sind, einen immensen Härtegrad in der Fantasie des Betrachters zu entfachen. Dieser entsteht allein durch die Schilderungen der FBI-Agenten, wie es zu den grausamen Morden an zwei Familien gekommen sein muss und was der Tätern seinen Opfern angetan hat. Dadurch versucht man ganz automatisch sich das Szenario vorzustellen, was einmal mehr viel härter erscheint, als wenn man das Ganze durch diverse Splatter-Gore Einlagen ins Bild gesetzt hätte.

Am interessantesten ist jedoch meiner Meinung nach der Aspekt der Denkweisen von Ermittlern und Tätern, wobei wir automatisch wieder bei Norton und Hopkins ankommen. Für uns Laien präsentieren sich hier Gedankengänge die in unseren Köpfen wohl eher schwerlich zustande kommen würden und man bemerkt einmal mehr, wie kompliziert gerade die Arbeit der sogenannten Profiler und anderer Spezialisten sein muss, um Serienmördern auf die Schliche zu kommen. Andererseits stellt man sich auch die Frage, wie die Ermittler ein möglichst normales Leben führen können, wenn sie Tag für Tag mit den Abgründen der menschlichen Seele konfrontiert werden, ohne selbst Schaden daran zu nehmen. Diese Punkte kommen in "Roter Drache" sehr gut zum Vorschein, gleichzeitig wird einem zudem vor Augen geführt, wie sehr die zuständigen Ermittler selbst von den Killern bedroht sind und um ihr eigenes, sowie das Leben ihrer Familien fürchten müssen. Brett Ratner hat hier sehr viel Einfühlungsvermögen bewiesen und neben der von Haus aus unglaublich spannenden Geschichte auch die menschlichen Aspekte beleuchtet, was in der Summe ein äußerst stimmigen Gesamtpaket ergibt, das man sich immer wieder gern anschaut.

Im Endeffekt zählt "Roter Drache" sicherlich zu den Thrillern, die auf jeden Fall im oberen Drittel des Genres einzuordnen sind. Eine Geschichte die nahe an der literarischen Vorlage angelehnt ist, sehr viel Spannung und grandioses Schauspiel der Akteure sorgen für beste Thriller-Kost. Doch obwohl der Film eigentlich alle Zutaten beinhaltet kommt er nicht an die Klasse eines "Das Schweigen der Lämmer" heran, der definitiv der mit Abstand beste Film der Hannibal Lecter Reihe ist, doch das wird dann an anderer Stelle besprochen. Und obwohl Ratner die bessere Version kreiert hat, sollte man sich auch das Original von Michael Mann einmal anschauen, um einen wirklichen Vergleich ziehen zu können und sich letztendlich für seinen persönlichen Favoriten zu entscheiden.


Fazit:


"Roter Drache" ist ein überdurchschnittlich guter Thriller mit Serienkiller-Thematik, der den Zuschauer vor allem durch seine glänzend agierenden Hauptdarsteller in seinen Bann zieht. Der Film ist nahezu ein Paradebeispiel dafür, wie sehr die Wirkung einer Geschichte doch von den agierenden Schauspielern beeinflusst werden kann. In diesem Punkt liegt auch der größte Unterschied zum Original "Blutmond", das trotz eines überzeugenden William Petersen nicht an die Qualität des vorliegenden Werkes heran kommt.


8/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Das Schweigen der Lämmer
(The Silence of the Lambs)
mit Jodie Foster, Lawrence A. Bonney, Anthony Hopkins, Kasi Lemmons, Lawrence T. Wrentz, Scott Glenn, Anthony Heald, Frankie Faison, Don Brockett, Frank Seals Jr., Stuart Rudin, Ted Levine, Brooke Smith
Regie: Jonathan Demme
Drehbuch: Thomas Harris / Ted Tally
Kamera: Tak Fujimoto
Musik: Howard Shore
FSK 16
USA / 1991

Die junge FBI-Agentin Clarice Starling wird auf den inhaftierten Psychiater und Killer Hannibal Lecter angesetzt, der seine Opfer mitunter zu verspeisen pflegt. Er ist bereit, Hinweise auf den Serienkiller "Buffalo Bill" zu geben, wenn Clarice ihm die Geheimnisse ihrer Kindheit anvertraut. Die Lage spitzt sich dramatisch zu, als "Buffalo Bill", so genannt, weil er seine Opfer teilweise häutet, die Tochter einer Senatorin entführt. Zudem gelingt Lecter der spektakuläre Ausbruch aus dem Gefängnis. Während das FBI einer falschen Fährte Lecters folgt, trifft Clarice nach einem Hinweis von Lecter auf Buffalo Bill. In den finsteren Räumen seines Kellers kommt es zum entscheidenden Duell.


Es gibt genügend Klassiker in der großen Filmwelt, doch bei manch einem von ihnen kommt dieser erreichte Status doch eher vollkommen überraschend. Als 1991 Jonathan Demme's "Das Schweigen der Lämmer" erschien ahnte wohl noch niemand, das es sich hier um einen der besten Filme seiner Art handelt, denn nur selten bekommt man als Zuschauer einen Film mit Serienkiller-Thematik präsentiert, der so dermaßen nachhaltig im Gedächtnis bleibt, wie es in vorliegendem Szenario der Fall ist. Basierend auf der Romanvorlage von Thomas Harris offenbart sich hier die zweite Geschichte, in der es um den Psychater Hannibal Lecter geht, der auch als Hannibal der Kannibale bekannt ist. Der Erfolg des Werkes ist umso erstaunlicher, da Michael Mann's "Manhunter" seinerzeit ein finanzieller Flop war und recht wenig Anklang beim Publikum fand und dieser Umstand änderte sich auch erst, als mit der Neuauflage "Roter Drache" eine bessere filmische Umsetzung des ersten Teils präsentiert wurde. Den wohl größten Anteil am heutigen Kultstatus verdankt "Das Schweigen der Lämmer" sicherlich dem herausragenden Schauspiel seiner beiden Hauptdarsteller, denn mit Anthony Hopkins und Jodie Foster sind hier zwei brillant agierende Akteure am Werk, die dem Geschehen ganz eindeutig ihren persönlichen Stempel aufdrücken. So ist es dann auch in der Hauptsache die fast schon bizarre Beziehung die sich zwischen den beiden aufbaut, die den Betrachter absolut in ihren magischen Bann zieht. Einerseits die noch unsichere und in der Ausbildung steckende FBI-Agentin, der gegenüber mit dem kultivierten und hochintelligenten Psychater ein scheinbar intellektuell weit überlegener Gegner gegenüber steht, der auch durchaus dazu in der Lage ist, sein Gegenüber in seinem Sinne zu manipulieren. Aus diesem scheinbar psychisch ungleichen Duell bezieht der Film enorm viel Stärke und Kraft und die eigentliche Suche nach dem Serienkiller "Buffalo Bill" gerät phasenweise etwas in den Hintergrund.

Jonathan Demme ist es allerdings hervorragend gelungen, die beiden Erzählstränge miteinander zu verbinden, so das sich letztendlich eine Story aufzeigt, die durchgehend extrem spannend-und unglaublich atmosphärisch erscheint. Dabei wurde auf das Einfügen expliziter Gewalt-Szenen im Prinzip gänzlich verzichtet und ähnlich wie in David Fincher's Meisterwerk "Sieben" beziehen die Abläufe ihre enorme Härte aus Andeutungen und Dialogen, in denen sich die Protagonisten über die Taten des Killers auslassen. Einmal mehr ist so die Vorstellungskraft des Zuschauers gefragt, der als einzige visuelle Härte einige der toten Opfer zu sehen bekommt, wobei die eigentlichen Taten sich nicht im Bild zu erkennen geben. Einzige Ausnahme ist hier eine Passage mit Anthony Hopkins, als er sich aus seiner Haft befreien kann und dabei seine beiden Wärter tötet. Aber auch hier sind lediglich brutale Ansätze zu erkennen und der Rest spielt sich ausschließlich in der eigenen Fantasie ab, wobei die die dabei entstehende-und äußerst intensive Wirkung keinesfalls unterschätzt werden sollte. Auch "Das Schweigen der Lämmer" ist definitiv zu den Filmen zu zählen, die trotz fehlender visueller härte unendlich brutal und intensiv erscheinen, wobei die Geschehnisse einem extrem unter die Haut fahren und dabei ein teils sogar verstörendes Gefühl hinterlassen. Demme ist es grandios gelungen, mit seiner Erzählweise der Ereignisse tief in die Psyche des Betrachters einzudringen und ihn fast schon zu einem Spielball der grausamen Geschehnisse zu machen, das einen immer tiefer in seinen Sog zieht. Dabei sind es insbesondere die Phasen in denen sich zwischen Starling und Lecter eine fast freundschaftliche Beziehung voller gegenseitigem Respekt entwickelt die einen mit Gänsehaut überziehen, denn irgendwie erscheint das Ganze aufgrund der vollkommen unterschiedlichen Charaktere schon fast makaber.

Doch auch die Suche nach dem Killer der seine Opfer häutet gestaltet sich jederzeit interessant und extrem spannend, wobei man an dieser Stelle auch einmal Ted Levine lobend erwähnen sollte, der in der Figur des offensichtlich gestörten Mörders eine absolut beeindruckende Performance an den Tag legt. Wenn überhaupt einer der Haupt-Charaktere ein wenig zu kurz kommt, dann ist es der FBI-Chef Jack Crawford, der zwar von Scott Glenn erstklassig dargestellt wird, aber leider etwas zu wenig Gewichtung im Gesamtwerk erhält und so nicht über den Status einer sehr gelungenen Nebenrolle hinauskommt. Hier handelt es sich aber lediglich um eine kleine Kritik in einem auf unglaublich hohem Niveau angesiedelten Film, der sämtliche vorhandenen Zutaten perfekt miteinander vermischt und so ein überragendes Gesamtwerk darstellt, das auch nach mehrmaliger Sichtung zu keiner Zeit etwas von seiner Faszination einbüßt. Von sämtlichen Filmen die sich mit der Figur des Hannibal Lecter befassen ist "das Schweigen der Lämmer" der mit Abstand stärkste Vertreter und meiner persönlichen Meinung nach als absolutes Meisterwerk anzusehen. Mit einer anderen Besetzung in den prägenden Rollen hätte dies wahrscheinlich ganz anders ausgesehen, doch eine spielfreudige-und brillante Jodie Foster sowie ein alles überragender Anthony Hopkins sorgen dafür, das man diesen Meilenstein des Thriller-Genres auf ewig im Gedächtnis hat.

Wo Michael Mann mit "Manhunter" fast schon kläglich scheiterte, setzt Jonathan Demme ein wahres Denkmal und sorgte gleichzeitig dafür, das durch die Präsenz eines Anthony Hopkins noch drei weitere Verfilmungen folgen sollten, von denen jedoch an anderer Stelle zu reden ist. Eher selten wird eine Filmfigur so sehr mit ihrem Darsteller verknüpft wie es in den Hannibal-Werken der Fall ist, worin sicherlich auch der Hauptgrund dafür zu suchen ist, das die Filme "Manhunter" und "Hannibal Rising" von vielen Fans nicht so wirklich angenommen wurden. Lecter ist nun einmal Hopkins oder auch umgekehrt und kein anderer Schauspieler ist dazu in der Lage, den kannibalistischen Psychater mit einer solchen Darstellungskraft und Inbrunst zu spielen. Das führt auch zwangsläufig dazu, das man diese Figur trotz ihrer begangenen Taten richtiggehend in sein Herz schließt, denn trotz der furchtbaren Veranlagung lässt sie auch jederzeit Witz, Charme und Kultiviertheit erkennen, was ihr beim Zuschauer unendlich viele Sympathiepunkte sichert. Und so nimmt Demme's Film vollkommen berechtigt seinen Platz unter den absoluten Größen des Genres ein, den ihm wohl so schnell auch niemand streitig machen wird.


Fazit:


Kaum visuelle Härte und dennoch ungemein brutal, so kann man wohl am besten die Wirkung dieses Meisterwerkes bezeichnen, das in erster Linie über die psychische Schiene beim Zuschauer ankommt. Herausragend agierende Darsteller, eine bizarre Beziehung zwischen FBI-Agentin und Serienkiller, sowie eine ungemein spannende Geschichte ergeben beim Betrachter einen Gesamteindruck, der schlicht und ergreifend als phänomenal zu bezeichnen ist.


10/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Hannibal
(Hannibal)
mit Anthony Hopkins, Julianne Moore, Gary Oldman, Ray Liotta, Frankie Faison, Giancarlo Giannini, Francesca Neri, Zeljko Ivanek, Hazelle Goodman, David Andrews, Francis Guinan, James Opher, Enrico Lo Verso, Ivano Marescotti
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Thomas Harris / David Mamet / Steven Zaillian
Kamera: John Mathieson
Musik: Hans Zimmer
keine Jugendfreigabe
Großbritannien / USA / 2001

Zehn Jahre sind vergangen, seit Special Agent Clarice Starling sich auf nervenaufreibende Gespräche mit dem kannibalischen Psychiater Dr. Hannibal Lecter einließ, um den Serienmörder "Buffalo Bill" dingfest zu machen. Lecter gelang damals eine spektakuläre Flucht, und inzwischen hat er unter dem Namen Dr. Fell den Posten des Kurators der Palazzo-Capponi-Bibliothek im berühmten Palazzo Vecchio in Florenz ergattert. Aber seine ruhigen Tage sind gezählt. Längst ist nicht mehr nur das FBI hinter ihm her, sondern außerdem Mason Verger, Erbe eines gewaltigen Viehzucht-Imperiums und einziges überlebendes Opfer von Hannibal Lecter. Nun hat Verger ein immenses Kopfgeld auf seinen Peiniger ausgesetzt, das gierige Polizisten ebenso reizt wie korrupte Justizbeamte. Als Dr. Lecter sich mit einem Brief bei Clarice meldet und Verger davon erfährt, kommt dem entstellten Milliardär schließlich eine perfide Idee: Er will Lecter fangen, indem er Clarice als Köder einsetzt...


Was waren das für Wellen, die dieser Film damals nach seinem Kinostart geschlagen hat. Manch ein sogenannter Experte plädierte sogar dafür, das so etwas Brutales verboten werden müsste. Nach eigener Sichtung dieses Werkes habe ich mich allerdings gefragt, ob ich den falschen Film gesehen habe. Sicher, es gibt einige Szenen die schon etwas eklig wirken, aber ich habe die hier gezeigte Härte den Situationen entsprechend eher als ziemlich makaber empfunden. Wenn man "Hannibal" vor allem im Vergleich mit anderen Werken unserer Zeit vergleicht, dann ist der Härtegrad doch eher als harmlos zu bezeichnen. Außerdem konnten hier die generell hohen Erwartungen nicht erfüllt werden, was nicht heißen soll, das dieser dritte Teil der "Hannibal Lecter - Reihe" schlecht ist, nur waren die Erwartungen doch etwas höher gesteckt, vor allem wenn man so wie ich, vorher das Buch gelesen hat. Der Roman ist hier nämlich weitaus besser gelungen als die filmische Umsetzung und als Leser wird man fast durchgehend mit einer Gänsehaut versehen, da die Geschehnisse doch extrem ausführlich und detailliert geschildert werden, was in vorliegendem Film leider nur ansatzweise zum Ausdruck kommt.

Die Geschichte hält sich zwar noch relativ nahe am Buch, aber es ist mir vollkommen unverständlich, das zum Beispiel einfach Personen weggelassen wurden, die im Buch eine nicht ganz unbedeutende Rolle gespielt haben. So wurde im Film gänzlich auf die Schwester von Mason Verger verzichtet, die im Buch als kraftstrotzende Bodybuilderin dargestellt wurde. Das wirkt auf den ersten Blick schon etwas befremdlich, auch wenn es im Endeffekt vielleicht nicht so schwer ins Gewicht fällt. Auch die Passage mit den Wildschweinen ist viel zu kurz geraten und bringt dem Zuschauer nicht annähernd die grausame Atmosphäre näher, die einem beim lesen des Romans ganz unwillkürlich unter die Haut kriecht. Auch bei den Darstellern gibt es einige Abstriche zu machen, was aber keineswegs am wieder einmal brillanten Anthony Hopkins liegt, bei dem man immer wieder das Gefühl bekommt, das er die Rolle des Kannibalen nicht nur spielt sondern richtiggehend lebt. Julianne Moore als Clarice Starling ist hier einfach kein gleichwertiger Ersatz für Jodie Foster, die diesen Charakter noch in "Das Schweigen der Lämmer" gespielt hat. Moore fehlt es etwas an Ausdruckskraft und sie hat nicht den Schuss Genialität, der Foster noch so ausgezeichnet hat. Hier wird zwar eine durchaus routinierte Leistung gezeigt, aber leider auch nicht mehr. Man merkt der guten Frau zwar jederzeit ihr Bemühen um eine intensive Performance an, doch erscheint das Schauspiel dadurch auch phasenweise ein wenig verkrampft.

Die größte Schwäche beinhaltet der Film allerdings in der fehlenden Interaktion zwischen Lecter und Starling, denn was den Vorgänger "Das Schweigen der Lämmer" noch so unglaublich faszinierend gestaltet hat, kommt in vorliegender Geschichte eher selten zum Ausdruck. Erst als die beiden zum Ende des Filmes hin aufeinander treffen, bekommt der Zuschauer wieder einmal ein paar hörenswerte Dialoge geboten, die das Szenario insgesamt jedoch auch nicht sonderlich aufwerten können. Damit an dieser Stelle keine Missverständnisse auftreten, "Hannibal" ist ein durchaus gelungener Abschluss der Reihe, muss sich aber im Vergleich mit "Roter Drache" und "Das Schweigen der Lämmer" hinten anstellen und ist meiner Meinung nach der mit Abstand schwächste Film der Reihe. Da hilft es auch nicht, das mit Ridley Scott ein namhafter Regisseur am Werk war, denn diverse Teile der Geschichte wurden sogar regelrecht in den Sand gesetzt. So baut "Hannibal" eigentlich zu keiner Zeit wirklich konstant Spannung auf, denn immer wieder sind hier kleinere Einbrüche zu verzeichnen die man ganz sicher hätte vermeiden können. Auch die in den ersten Filmen so grandios dichte-und beklemmende Grundstimmung lässt sich eher selten erkennen, was letztendlich schon eine kleine Enttäuschung darstellt. Eventuell bewertet man diese Punkte ein wenig anders, wenn man den Roman von Thomas Harris im Vorfeld nicht gelesen hat, doch mit eben dieser Vorkenntnis entpuppt sich die filmische Umsetzung als teilweise mittelmäßig.

Im Endeffekt siedelt sich "Hannibal" zwar immer noch oberhalb des Durchschnitts an, doch der Film verschenkt leider zu viel Potential, das aufgrund der literarischen Vorlage auf jeden Fall vorhanden war. Als Höhepunkt erscheint einem einmal mehr das Schauspiel eines Anthony Hopkins, der an seiner Seite jedoch mit einer eher blassen Julianne Moore keinen Gegenpart auf Augenhöhe hat. Das wertet das Szenario ganz unweigerlich ein wenig ab, hat man in der Rolle der Clarice Starling automatisch die grandiose Jodie Foster vor Augen, die ganz offensichtlich viel zu große Fußstapfen hinterlassen hat, als das Moore diese ausfüllen könnte. Und so sollte man sich schon vor der Sichtung des Werkes darüber im Klaren sein, das man keinesfalls die gleiche Qualität der Vorgänger geboten bekommt, denn "Hannibal" lässt leider zu viele Schwächen erkennen, die sich in der Bewertung des Betrachters niederschlagen.


Fazit:


Es ist mehr als schade, das sich die filmische Umsetzung der Geschichte nicht noch stärker an der Buchvorlage orientiert hat, denn dann hätte man einen herausragenden Film präsentiert bekommen. So aber erscheint das Werk zwar immer noch überdurchschnittlich gut, kann jedoch die Genialität der bisherigen Filme keinesfalls erreichen.


7/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Come Out and Play - Kinder des Todes
(Come Out and Play)
mit Vinessa Shaw, Ebon Moss-Bachrach, Daniel Giménez Cacho, Gerardo Taracena, Alejandro Alvarez
Regie: Makinov
Drehbuch: Makinov / Juan José Plans
Kamera: Makinov
Musik: keine Information
keine Jugendfreigabe
Mexiko / 2012

Beth (Vinessa Shaw) und Francis (Ebon Moss-Bachrach) sind ein junges, glücklich verheiratetes Paar. Sie fahren gemeinsam in den Urlaub und wagen den Aufbruch zu einer traumhaften, aber weit entfernten Insel. Beth ist schwanger und beide möchten noch einmal einen ruhigen Urlaub zu zweit zu verbringen, bevor das Baby kommt. Als sie auf der Insel ankommen, entdecken sie viele Kinder, aber die Eltern scheinen alle verschwunden zu sein. Anfänglich vermutet das Paar nichts Böses hinter dieser Tatsache, aber sie werden schnell eines Besseren belehrt, da etwas Mysteriöses auf dem Stück Land vorgeht. Bald müssen die Urlauber feststellen, dass die Kinder etwas mit dem Verschwinden ihrer Eltern zu tun haben und müssen harte Entscheidungen treffen, um wieder von der Insel zu gelangen…


"Ein Kind zu töten" dürfte sicherlich einer der Klassiker sein, wenn es um die Thematik der bösen Kinder in Horrorfilmen geht. Der 1976 erschienene spanische Beitrag dürfte wohl bei so ziemlich jedem einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben und so konnte man sehr gespannt sein auf das mexikanische Remake, das gleichzeitig das Regiedebüt von Makinov darstellt. Gerade bei einer Neuauflage eines Genre-Klassikers muss man sich dabei dem Vergleich mit dem Original stellen und nicht selten spaltet das Remake dabei die Meinungen der Zuschauer. Sicherlich wird das auch hier nicht anders sein und der Aspekt, das der Regisseur größtenteils eine 1:1 Kopie präsentiert, ist ganz bestimmt ein weiterer Punkt um etwas genauer hinzusehen. Wenn man es genau nimmt gleichen sich die Szenarien fast aufs Haar, lediglich der vorhandene Härtegrad ist in der Neuauflage ein wenig höher ausgefallen, wobei die meisten Taten der Kinder auch hier nur ansatzweise zu erkennen sind. Dennoch gestalten sich die Ereignisse visuell ein wenig blutiger, ohne dabei jedoch den normalen Rahmen zu sprengen, was der Geschichte auch nicht gut zu Gesicht gestanden hätte. So muss man sich also auch in vorliegendem Fall mit Bildern begnügen, die zumeist lediglich die Vorstellungskraft des Betrachters anregen um in der eigenen Fantasie einen Härtegrad entstehen zu lassen, der wirklich nicht von schlechten Eltern ist.

Durch die ruhige-und eher bedächtige Erzählung des Geschehens baut sich von Beginn an eine sehr dichte Grundstimmung auf und sobald das junge Ehepaar die Insel betritt, entfaltet das Ganze auch sogleich etliche mysteriöse Momente. Die eher karg ausgestatteten Schauplätze sowie die menschenleeren Straßen sorgen dabei für ein starkes Gefühl der Beklemmung, denn vom ersten Moment an kann man erahnen, das hier ein drohendes Unheil in der Luft liegt. Lediglich die sporadisch auftretenden Kinder zeugen davon, das sich auch Menschen auf der Insel befinden, wobei man aber zunächst überhaupt keine Erwachsenen zu Gesicht bekommt. Wie schon im Original bekommt man auch hier keine wirkliche Erklärung für das Ganze geliefert und es wird der Fantasie des Zuschauers überlassen, welche Ereignisse sich abgespielt haben müssen und was die Ursache für das aggressive Verhalten der Kinder ist, das fast minütlich immer mehr zum Vorschein kommt. Dadurch erhält die Geschichte eine wunderbar mysteriöse Note und bezieht auch eine Menge Kraft aus dem Aspekt, das man sich als Zuschauer auf dem gleichen Wissensstand befindet wie die Protagonisten des Filmes. Obwohl "Come Out and Play" ganz sicher nicht zu den visuell harten Werken zu zählen ist, entfaltet sich im Kopf des Zuschauers eine immense Brutalität die dadurch noch zusätzlich intensiver erscheint, da man sich im Laufe der Ereignisse auch mit moralischen Fragen auseinandersetzen muss. Stellt sich doch mit der Zeit die Frage ob man auch dazu in der Lage wäre ein Kind zu töten, denn an dieser Stelle dürfte wohl jeder normal denkende Mensch mit einer Hemmschwelle konfrontiert werden, die trotz der grausamen Taten der Kinder immer wieder auftritt.

Erst zum Ende hin wird die Fragestellung zumindest im Film beantwortet, denn Haupt-Charakter Francis steht vor der Entscheidung sein eigenes Leben eventuell nur dann retten zu können, wenn er tödliche Gewalt gegen die Horde der grausamen Kids einsetzt. Kenner des Originals wissen natürlich wie die Sache ausgeht, dennoch möchte ich an dieser Stelle nicht weiter auf die letzten Minuten eingehen, um keinem die Spannung zu nehmen. Auf jeden Fall aber bekommt man Passagen geboten, die einem ganz mächtig unter die Haut gehen, was man jedoch auch ganz generell auf die gesamte Geschichte ummünzen kann. Meiner persönlichen Meinung nach ist Regisseur Makinov hier den richtigen Weg gegangen, in dem er an der Story kaum etwas verändert hat, denn nur so kann das Geschehen seine gesamte grausame Kraft entfalten und dabei diese enorme Intensität freisetzen, die allein schon in der vorliegenden Thematik begründet ist. Zudem ist es ihm auch erstklassig gelungen, die ganze Chose mit einer hervorragenden Atmosphäre auszustatten, um den Abläufen so auch den nötigen Gänsehaut-Faktor zu verleihen, der dem Betrachter größtenteils richtig zu schaffen macht. Zudem ist es der extreme Kontrast der einerseits lachenden Kinder, der im vollkommenen Gegensatz zu den von ihnen begangenen Taten steht, der einem durchgehend extrem zusetzt und dem Szenario einen äußerst bitteren Beigeschmack verleiht, der auch noch lange nach der Sichtung anhält.

Im Endeffekt wird "Come Out and Play" ganz sicher die Meinungen spalten, denn manch einer wird nicht mehr als eine 1:1 Kopie des Originals in diesem Film sehen, was jedoch in diesem Fall der genau richtige Weg war, um einem einen ein eindringliches Szenario zu präsentieren, das deutliche Spuren hinterlässt. Auch wenn der Film schon längst zu Ende ist setzt man sich immer noch mit dem Gesehenen auseinander und stellt sich ganz unweigerlich die Frage, wie man selbst in der Situation des Hauptdarstellers gehandelt hätte. Das keine wirklichen Erklärungen für das Verhalten der Kindern geliefert werden war schon im Original eine der absoluten Stärken, wirkt die gesamte Szenerie so doch noch weitaus verstörender und hinterlässt einen extrem nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis. Und so offenbart sich an dieser Stelle einmal mehr ein Horrorfilm, der in erster Linie durch die psychische Komponente auf den Betrachter einwirkt und so eine immense Härte entwickeln kann. Letztendlich kann man diese Neuauflage meiner Meinung nach auf jeden Fall als äußerst gelungen einstufen und eine unbedingte Empfehlung aussprechen, auch wenn ich das Original von 1976 immer noch bevorzuge.


Fazit:


Man mag geteilter Meinung über eine Neuauflage sein, die im Prinzip keinerlei neue Impulse beinhaltet, doch in diesem Fall finde ich das Prinzip einer fast kompletten 1:1 Kopie als durchaus gerechtfertigt, denn jede größere Abweichung der Geschichte hätte wohl das Ganze ein wenig verwässert. Mir hat das Remake jedenfalls sehr gut gefallen, wobei ich jedoch auch jedem der es noch nicht kennt, das spanische Original "Ein Kind zu töten" ans Herz legen möchte.


8/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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I Spit on Your Grave 2
(I Spit on Your Grave 2)
mit Jemma Dallender, Yavor Baharov, Joe Absolom, Aleksandar Aleksiev, Mary Stockley, Valentine Pelka, George Zlatarev, Peter Silverleaf, Michael Dixon, Kacey Barnfield, Dimo Alexiev, Ivan Ivanov, Krasimir Ortakchiev
Regie: Steven R. Monroe
Drehbuch: Neil Elman / Thomas Fenton
Kamera: Damian Bromley
Musik: Corey A. Jackson
ungeprüft
USA / 2013

Die hübsche Kellnerin Katie versucht sich in New York nebenher als Fotomodel. Als sie an einen dubiosen Fotografen und sein Team gerät, befällt sie ein ungutes Gefühl und sie bricht die Foto-Session ab. Doch ihre Ängste bewahrheiten sich, als einer der Männer eines Nachts in ihr Haus eindringt und sie brutal vergewaltigt. Um die Tat zu vertuschen, verschleppen er und die anderen Männer Katie nach Bulgarien. Eingesperrt in einem dunklen Keller wird sie als Sexsklave missbraucht. Doch Katie kann eines Tages flüchten und schwört grausame Rache an ihren Peinigern, die keiner von ihnen überleben wird…


Schon mit dem 2010 erschienenen Remake "I Spit on Your Grave" hat Steven R. Monroe einen knallharten Rape and Revenge Beitrag abgeliefert der dem Zuschauer ein wirklich intensives Szenario präsentierte, das man nicht so schnell vergisst. Nun ist auch endlich die lang ersehnte Fortsetzung erschienen die allerdings eine vollkommen eigenständige Geschichte beinhaltet, die jedoch die gleiche Thematik beinhaltet. Im Mittelpunkt steht die junge Katie die in ihrer eigenen Wohnung brutal vergewaltigt wird, um danach nach Bulgarien entführt wird, wo sie sich in den Fängen einer offensichtlich vollkommen kranken-und perversen Familie befindet und dabei die schlimmsten Demütigungen und Folterungen über sich ergehen lassen muss. Man muss kein Hellseher sein um zu erahnen, wie sich das weitere Geschehen gestalten wird und Monroe hat hier einmal mehr eine krude Story in Szene gesetzt, die rein atmosphärisch gesehen noch düsterer als der Vorgänger daher kommt. Zart besaitete Menschen sollten die Finger von diesem Werk lassen, das vor allem in der ersten Stunde eine unbändige Wut beim Betrachter schürt, denn die Taten der "schrecklich netten Familie" jagen einem kalte Schauer über den Rücken. In dieser Zeitspanne hält sich der Film mit expliziten Gewaltdarstellungen noch eher etwas bedeckt und und setzt seine Brutalität vielmehr über die psychologische Schiene frei, wobei stellenweise Szenen enthalten sind, bei denen man sich am liebsten angewidert abwenden möchte. Erst als Katie sich aus ihrer misslichen Lage befreien kann und Rachepläne schmiedet, zieht auch der visuelle Härtegrad in das Geschehen ein. Dabei setzt die junge Frau auf die gleichen Methoden die ihre Peiniger zuvor bei ihr angewandt haben und es entwickelt sich eine Gewaltspirale, die durch nichts mehr aufzuhalten ist.

Von nicht gerade wenigen Leuten wird dieser zweite Teil als der härtere angesehen, wobei ich diese Meinung nicht so ganz teilen kann. In visueller Hinsicht empfand ich das Remake noch eine Spur brutaler und auch die Tötungen der Peiniger weitaus fantasievoller, als es in vorliegender Geschichte der Fall ist. Nimmt man jedoch einmal die Gesamtwirkung des Szenarios, so ergeben sich im Prinzip eigentlich keine Unterschiede, denn beide Werke gehen einem mächtig unter die Haut. Ein Pluspunkt für das vorliegende Geschehen sind sicherlich die gut ausgewählten Schauplätze, die durch ihre düstere Optik eine wunderbar dreckige-und siffige Grundstimmung aufkommen lassen. Ein Großteil der Ereignisse spielt sich in Bulgariens Hauptstadt Sofia ab und insbesondere die Passagen in den unterirdischen Katakomben entfachen ein Höchstmaß an Intensität. In diesen Gewölben vollzieht die junge Katie dann auch ihre Rache an ihren Peinigern, wobei sie eine gnadenlose Härte erkennen lässt, die man dem hübschen Mädchen zunächst niemals zugetraut hätte. An dieser Stelle kommt hervorragend zum Ausdruck, wie sehr die körperlichen-und seelischen Torturen einen menschen verändern können, denn aus dem einst liebenswerten Mädchen wird ein gnadenloser Racheengel, in dem ganz offenbar jegliche positiven Emotionen abgestorben sind.

Nun mag manch einer eine solche Wandlung als kaum nachvollziehbar empfinden, aber warum sollen einem immer nur verängstigte und schwache Opfer präsentiert werden, wenn doch die hier dargestellte charakterliche Wandlung durchaus nachvollziehbar erscheint? Vom menschlichen Standpunkt her kann man sich sogar sehr gut mit den Handlungen der jungen Frau identifizieren und ertappt sich selbst immer wieder dabei, wie man innerlich in kleinere Jubelstürme ausbricht, wenn es den ehemaligen Peinigern an den Kragen geht. Sicherlich sind die Handlungen von Katie vor dem Gesetz keinesfalls zu rechtfertigen, doch rein vom menschlichen Standpunkt her solidarisiert man sich mit der jungen Frau. Moralapostel mögen bei dieser Sichtweise ganz bestimmt auf die Barrikaden gehen, doch hier befindet man sich nun einmal in einem gewissen Zwiespalt zwischen Gesetz und Selbstjustiz, der einen selbst auch an die moralischen Grenzen führt. Dabei ist es im Prinzip auch völlig egal wie man dazu steht, denn auf jeden Fall verspürt man selbst bei Katie's Rache eine gewisse Genugtuung, da man doch ihre zuvor erlittenen Qualen fast körperlich miterlebt hat. Denn ob man es will oder nicht, man wird ganz automatisch in den Sog der Geschehnisse hinein gezogen und entwickelt einen unbändigen Hass gegen die Peiniger, die ihre Taten auch noch zusätzlich durch eine sadistische Freude zum Ausdruck bringen. Am härtesten trifft es einen dabei das sogar eine andere Frau an den Ereignissen beteiligt ist, was dem Ganzen noch eine zusätzlich bittere-und makabere Note verleiht.

Im Endeffekt hat Steven R. Monroe mit "I Spit on Your Grave 2" eine äußerst gelungene Fortsetzung kreiert, die dem Zuschauer extrem unter die Haut geht. Sadismus, Zynismus und etliche eklige Passagen verleihen dem Werk dabei eine ungemein intensive Wirkung, der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann. Fast verhält es sich wie bei einem Autounfall, denn einerseits möchte man seinen Blick angewidert von den Ereignissen abwenden, erliegt jedoch auf der anderen Seite der Grausamkeit des Szenarios, das einen auch noch nachhaltig lange beschäftigen wird. Für zarte Seelen ist der Film ganz sicher nicht geeignet und insbesondere Frauen dürften ihre Probleme damit haben, sich diese Tortur an Demütigungen anzuschauen.


Fazit:


Ehrlich gesagt kann man kaum beurteilen welcher Teil nun der bessere sein soll, denn sowohl das Remake als auch dieser zweite Teil behandeln eine grausame Thematik so dermaßen intensiv, das es einem kalt den Rücken hinunter läuft. Zwei eigenständige Geschichten die voller kompromissloser Härte und Brutalität sind, das es einem phasenweise die Sprache verschlägt. Für mich persönlich steht aber auf jeden Fall fest, das sich die beiden Werke nichts nehmen und somit auf dem gleichen Level anzusiedeln sind.


9/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Only God Forgives
(Only God Forgives)
mit Ryan Gosling, Kristin Scott Thomas, Vithaya Pansringarm, Gordon Brown, Yayaying Rhatha Phongam, Tom Burke, Sahajak Boonthanakit, Pitchawat Petchayahon, Charlie Ruedpokanon, Kowit Wattanakul, Wannisa Peungpa
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch: Nicolas Winding Refn
Kamera: Larry Smith
Musik: Cliff Martinez
FSK 16
Frankreich / Schweden / Thailand / USA /2013

Die ungleichen Brüder Julian (Ryan Gosling) und Billy (Tom Burke) leben in Bangkoks Rotlichtviertel inmitten von Luxus, Sex, Sünde und Verbrechen. Dreh- und Angelpunkt für ihre illegalen Geschäfte ist ihr Kickbox-Club. Der unbarmherzige Kopf des Familienkartells ist jedoch ihre unnahbare, schöne und erbarmungslose Mutter Crystal (Kristin Scott Thomas). Als Billy eine Frau tötet, sorgt ein selbsternannter Racheengel (Vithaya Pansringarm) auf seine ganz eigene Art für Gerechtigkeit und Billy bezahlt seine Tat mit dem Leben. Die trauernde Crystal sinnt auf Rache und schickt Julian auf eine blutige Jagd nach Vergeltung durch Bangkoks Unterwelt...


Nachdem das Gespann Nicolas Winding Refn und Ryan Gosling schon mit "Drive" einen riesigen Erfolg feierte liegt nun mit "Only God Forgives" das nächste Werk vor, in dem Regisseur und Hauptdarsteller zusammen arbeiten. Aufgrund der ziemlich eindeutigen Inhaltsangabe könnte man nun einen recht klassischen Rache-Thriller erwarten, doch was Refn hier in Szene gesetzt hat, lässt lediglich das Thema Rache im Vordergrund erkennen, sondert sich aber ansonsten von den üblichen Genre-Vertretern ab. Dies geschieht dann sogar auf eine doch ziemlich drastische Art und Weise, denn das Szenario lässt schon nach wenigen Minuten erkennen, das die üblichen Strukturen des Rache-Thrillers hier nicht greifen. So bekommt man im Prinzip eine Geschichte präsentiert die mehr Fragen aufwirft als das sie diese beantworten würde. Zudem offenbart sich eigentlich noch nicht einmal eine wirkliche Handlung, wodurch das Geschehen an etlichen Stellen eher verwirrend erscheint, aber gerade aus diesem Aspekt seinen ganz besonderen Reiz bezieht. Anstatt dem Zuschauer nämlich eine strukturierte Handlung zu präsentieren, setzt Refn in seinem Film auf visuelle Stärken und untermalt seine Erzählung mit einem äußerst kräftigen Farbenspiel, das größtenteils schon eine hypnotische Faszination auf den Betrachter ausübt. Dadurch entsteht eine Art Sog, die einen ganz automatisch immer tiefer in die Ereignisse hinein zieht und phasenweise überkommt einen dabei das Gefühl, das man nur schwerlich zwischen Realität und Fiktion unterscheiden kann. Die zu großen Teilen recht wild aneinander gefügten Bildfolgen suggerieren nämlich den Eindruck surrealer Passagen und diverse Schauplätze des Ganzen lassen sogar einen leicht futuristischen Anstrich, so das die ganze Chose stellenweise schon an Werke von David Lynch erinnert.

"Only God Forgives" ist ganz sicher ein Film, der sich jenseits jeglichen Mainstreams ansiedelt, zudem wird die hier gewählte Umsetzung des eigentlich klassischen Rache-Themas unter Garantie die Meinungen spalten. Manch einer wird wird dem Werk wahrscheinlich jegliche Klasse absprechen, wohingegen andere in der Geschichte Genialität erkennen werden. Auf jeden Fall aber handelt es sich hier um ein ästhetisch inszeniertes Kunstwerk, das in erster Linie durch die Kraft der gezeigten Bilder nachhaltig auf einen einwirkt und phasenweise mit einer unglaublichen Härte aufwartet, die auch visuell in etlichen Szenen zu erkennen ist. Ein weiteres hervorstechendes Merkmal sind sehr viele Einstellungen die vollkommen ohne Dialoge auskommen und so eine extrem beklemmende Grundstimmung auslösen, die man nur schwerlich in Worte fassen kann. Teilweise fühlt man sich vom vorherrschenden Schweigen regelrecht erschlagen und manche Stellen in der Geschichte erinnern dabei an einen zu erwartenden Showdown in einem Western, bei dem sich die Gegner schweigend gegenüber stehen. Dieser Punkt sorgt zwangsweise dafür das der Zuschauer im Prinzip durchgehend unter extremster Anspannung steht, erwartet man doch jederzeit, das im nächsten Moment die Entladung aufgestauter Wut und Aggressionen erfolgen kann. Refn sorgt so dafür das man seinen Blick nicht vom heimischen Bildschirm lösen kann, denn auch wenn es nicht immer sonderlich leicht fällt den Zusammenhängen zu folgen, möchte man keinesfalls auch nur eine Sekunde des hypnotischen Geschehens verpassen.

Der Name Ryan Gosling mag hier bei vielen Leuten eventuell große Hoffnungen auf eine herausragende Performance aufkommen lassen, doch der Charakter des sehr schweigsamen Julian nimmt hier meiner Meinung nach eine eher untergeordnete Rolle ein. Im Vordergrund stehen viel mehr der als selbsternannter Racheengel auftretende Vithaya Pansringarm und die glänzend agierende Kristin Scott Thomas, die als eiskalte Mutter eine herausragende Performance abliefert. Vithaya Pansringarm kristallisiert sich im Laufe der Zeit immer mehr als eigentliche Hauptfigur heraus, wobei der von ihm dargestellte Charakter keine großartigen Erklärungen erfährt, sondern eher undurchsichtig und dadurch äußerst geheimnisvoll dargestellt wird. Insbesondere in der zweiten Filmhälfte konzentriert sich das Szenario dann auf eine immer weiter eskalierende Gewaltspirale, wobei die Kamera größtenteils voll drauf hält und einem so manche derbe Einstellung liefert, die für eine 16er Freigabe nicht unbedingt selbstverständlich sind. Dabei entwickelt sich immer mehr ein von Brutalität strotzender Ablauf der Ereignisse, in dem sich nicht die üblichen Gruppen von Gut und Böse zu erkennen geben. Hier liegt nämlich der wohl größte Unterschied zu den üblichen Genre-Kollegen, denn "Only God Forgives" zeigt dem Betrachter fast ausschließlich Figuren, die keinerlei Sympathiewerte beim Betrachter aufkommen lassen. Dadurch entfaltet die Geschichte dann auch ihre ganz eigene Dynamik und wirft auch gleichzeitig die Frage auf, ob ein Mörder einer 16-Jährigen Prostituierten es überhaupt verdient hat, das jemand seinen Tod rächen würde. Diesen Punkt kann man jedoch gleichzeitig auf sämtliche Abläufe anwenden, denn nicht ein einziger Charakter der Story hinterlässt den Eindruck, das man sich auf seine Seite schlagen müsste, vielmehr entpuppt sich die immer stärker ausufernde Gewalt-Orgie als logische Folge diverser Ereignisse, die sich in der kriminellen Unterwelt abspielen. Lediglich Ryan Gosling lässt an einigen Stellen so etwas wie ein Gewissen erkennen, was man in mehreren seiner Taten erkennen kann, dennoch ist dieser Punkt keinesfalls ausreichend, um seine Figur als guten menschen zu bezeichnen.

Und so steht man zum Ende des Filmes vor dem Problem, das es gar nicht einmal so leicht fällt, das eben Gesehene auch richtig einzuordnen und zu bewerten. Manch einer wird das Werk sicherlich als visuell ästhetischen Schund abtun, wohingegen andere in "Only God Forgives" ein wahres Meisterwerk sehen werden. Wie dem aber auch sei, auf jeden Fall präsentiert sich hier der wohl außergewöhnlichste Film des Jahres, dem man eine gewisse Genialität kaum absprechen kann. Die teils surreal erscheinende Geschichte strahlt eine unglaubliche Faszination aus und es fällt extrem schwer, sich dieser auf irgendeine Art zu entziehen. Für mich persönlich stellt der Film ein kleines Meisterwerk dar, das einen durch seine hypnotische Wirkung in den Sog brutaler Ereignisse zieht, die im Prinzip keine wirkliche Handlung erkennen lassen, aber genau aus diesem Aspekt ihre ganze Kraft beziehen. Rache-und Sühne offenbaren sich als zentrale Thematik in einem vollkommen anderen Gewand, als wie man sie ansonsten offeriert bekommt und erlangen durch die unglaubliche Bildgewalt ein Höchstmaß an Intensität. Für Freunde klar strukturierter Geschichten dürfte der neu Film von Nicolas Winding Refn sicherlich keine gute Adresse sein, doch wer seine Freude an außergewöhnlich umgesetzten Geschichten hat, der kann bei "Only God Forgives" getrost darauf vertrauen, das er mit einem herausragenden Szenario belohnt wird.


Fazit:


"Only God Forgives" wirft die ansonsten üblichen Strukturen eines Rache-Thrillers gänzlich über Bord und geht vielmehr den Weg eines surreal erscheinenden Bilderrausches, der den Zuschauer in seinen hypnotischen Bann zieht. Hier gibt es nicht das gewohnte Gut gegen Böse, denn sämtliche Charaktere bewegen sich viel eher in einer Grauzone, wobei sich zu keiner Zeit wirkliche Sympathieträger erkennen lassen. Die teils verwirrend erzählte Geschichte mag nicht jedermanns Sache sein, hält einen jedoch bis zur letzten Einstellung bei Atem und hinterlässt dabei einen äußerst beklemmenden Eindruck.


10/10
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Das Kommando der Frauen
(The Doll Squad)
mit Michael Ansara, Francine York, Anthony Eisley, John Carter, Lisa Todd, Rafael Campos, Lillian Garrett, William Bagdad, Herb Robins, Curt Matson, Christopher Augustine, Bertil Unger, Gustaf Unger, Richard Reed
Regie: Ted V. Mikels
Drehbuch: Jack Richesin / Pam Eddy / Ted V. Mikels
Kamera: Anthony Salinas
Musik: Nicholas Carras
juristisch geprüft
USA / 1973

Wenn höchste Regierungskreise keinen Ausweg mehr wissen, schickt die CIA die Sondertruppe "Doll Squad". Ein mutiges, intelligentes und außerordentlich hübsches Frauenkommando, bestehend aus acht jungen Girls, die weder Tod noch Teufel fürchten. Doch dieser Fall ist gefährlicher als alle bisherigen, die die Chefin Sabrina und ihre Mädchen je gelöst haben, weil ihre Gegner heimtückischer und skrupelloser sind als je zuvor. Ihr Ziel ist die totale Vernichtung der USA, dabei nehmen sie auf nichts und niemanden Rücksicht. "Alarmstufe 1" heißt es deshalb nicht nur für die Regierung, sondern auch für das mutige "Kommando der Frauen"...


Angeblich soll der vorliegende Film ja die Idee für die später anlaufende TV-Serie "Drei Engel für Charlie" geliefert haben und nach der Sichtung des Werkes scheint dies auch keinesfalls abwegig zu sein. Eine Horde Kampf-Amazonen soll die Welt vor einem Schurken beschützen, wobei die Umsetzung der Chose hier wirklich extrem unterhaltsam in Szene gesetzt wurde. Die ziemlich dünne Rahmenhandlung ist dabei durchaus zu vernachlässigen, vielmehr punktet das Geschehen durch einen hohen Trash-Anteil beim Zuschauer, ergeben sich doch etliche Momente-und Szenen, die durchzogen sind von freiwilligem sowie auch unfreiwilligem Humor. Im Prinzip ist die Geschichte an sich eigentlich zweitrangig und manchmal gestaltet sich die gesamte Chose auch äußerst hanebüchen, doch gerade in diesem Punkt entwickelt der Film seinen ganz eigenen Charme, von dem man sich nur zu gern gefangen nehmen lässt. "das Kommando der Frauen" präsentiert einem die typische 70er Jahre Atmosphäre, was hauptsächlich in der Kleidung und bei den Frisuren der Frauen immer wieder durchschimmert. Ganz besonders frisurentechnisch ist man hier ganz weit vorn, die wallenden Mähnen der Damen wirken phasenweise wie überdimensionale Perücken und man mag sich kaum vorstellen, das die gezeigten Haarschnitte wirklich einmal ganz groß in Mode waren. Ebenso verhält es sich mit den für die damalige Zeit typischen Kleidungsstücken, deren Farb-Zusammenstellung des Öfteren richtige Augenschmerzen verursacht.

Diese kleinen, aber sehr feinen Details geben ein durchaus authentisches Bild des damaligen Lebensgefühls wieder und gerade etwas ältere Semester dürften sich in der Zeit zurückversetzt fühlen. An echten Highlights mangelt es dem Werk zwar deutlich, doch aus der Sicht des Trash-Liebhabers ist es der Film an sich, der einen absoluten Höhepunkt darstellt, denn die doch ziemlich biedere Inszenierung dieses Action-Trashs lässt die ganze Szenerie aus der damaligen Sicht sehr glaubwürdig erscheinen, wobei das Beifügen diverser lächerlicher Effekte für jede Menge Unterhaltungswert sorgt und man sich phasenweise vor lachen kaum halten kann. Insbesondere die sogenannten Explosionen tun es dem Betrachter ganz besonders an, denn was sich einem hier in tricktechnischer Hinsicht offenbart verschlägt einem glatt die Sprache. Als kleines Beispiel möchte ich an dieser Stelle nur eine Passage einbringen, in der zwei Soldaten implodieren, nachdem sie Nitroglycerin zu sich genommen haben. Hier bietet sich eine mehr als skurrile Passage, in der zudem auch das an den Tag gelegte Schauspiel urkomisch-und richtiggehend aufgesetzt erscheint, was dem Ganzen jedoch einen besonderen Charme verleiht.

Ganz generell sollte man in vorliegendem Fall keinerlei darstellerische Glanzleistungen erwarten, das Geschehen zeichnet sich vielmehr durch permanentes Overacting aus das man im Normalfall höchstwahrscheinlich negativ bewerten würde, das hier allerdings ein gelungenes Stilmittel ist, um den von Haus aus schon hohen Unterhaltungswert noch einmal zusätzlich zu steigern. Und so kann man ohne Übertreibung behaupten, das Regisseur Ted V. Mikels eigentlich alles richtig gemacht hat, um dem Betrachter eine wunderbare Trash-Granate zu offerieren, in der ganz eindeutig der Spaß an erster Stelle steht. Dabei sollte man auf keinen Fall die ansonsten üblichen Bewertungs-Kriterien anlegen, denn rein filmisch gesehen handelt es sich bei "Das Kommando der Frauen" viel eher um eine ziemliche Graupe. Um einem jedoch kurzweilig die Zeit zu vertreiben und eine Reise in die Vergangenheit zu präsentieren eignet sich der Film nahezu perfekt und beinhaltet zudem etliche Elemente, die für ein stellenweise äußerst skrurriles Seh-Vergnügen Sorge zu tragen.

Wer also eine Vorliebe für den schlechten Geschmack hat sollte sich dieses Filmchen auf jeden Fall einmal zu Gemüte führen, wobei man aber keinerlei Ansprüche an hochwertige Action-Szenen stellen sollte. Denn sowohl die kämpferischen Fähigkeiten der weiblichen Sondereinheit sowie die Kampfszenen generell beinhalten kaum Qualität und erscheinen vielmehr extrem hölzern und unbeholfen. Ehrlich gesagt erwartet man das aber auch in einem Film dieser Art, der genau aus solchen Unzulänglichkeiten seine ganz eigene Dynamik entwickelt und so einen permanenten Angriff auf die Lachmuskeln des Betrachters darstellt.


Fazit:


Für Liebhaber grotesker Situationskomik und unlogischer Verhaltensweisen dürfte "Das Kommando der Frauen" ein wahres Feuerwerk darstellen und Freunde der miesen Effekte werden mit einem wahren Spektakel bedient. Wenn man dann auch noch eine eher dumme Geschichte und ungelenk agierende Schauspieler bevorzugt kommt man an diesem Filmchen keinesfalls vorbei, denn kurzweilige Unterhaltung ist definitiv vorprogrammiert.


8/10 Trash-Granaten
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Die Bestie mit dem feurigen Atem
(L'Iguana dalla lingua di fuoco)
mit Luigi Pistilli, Dagmar Lassander, Anton Diffring, Arthur O'Sullivan, Werner Pochath, Dominique Boschero, Renato Romano, Sergio Doria, Ruth Durley, Valentina Cortese, Riccardo Freda
Regie: Riccardo Freda
Drehbuch: Sandro Continenza / Riccardo Freda
Kamera: Silvano Ippoliti
Musik: Stelvio Cipriani
ungeprüft
Deutschland / Frankreich / Italien / 1971

Ein bestialischer Mord in der High-Society Dublins. Im Kofferraum der Limousine des Schweizer Botschafters Sobiesky wird die grausam verstümmelte Leiche einer jungen Frau gefunden. Sobiesky's Geliebte! Inspektor Norton stößt bei seinen Ermittlungen auf eine Wand des Schweigens, auf ein Netz aus Intrigen, Lügen und Geheimnissen. Jeder ist verdächtig - und jeder kann das nächste Opfer sein. Denn der Blutdurst des Killers ist noch nicht gestillt. Und er hat sich ein neues Ziel ausgesucht: Norton's unschuldige Tochter !


Im Grunde genommen beinhaltet dieser Gialli von Riccardo Freda sämtliche Zutaten für einen spannungsgeladenen Krimi, nur die Umsetzung der interessanten Geschichte gestaltet sich in vorliegendem Fall nicht durchgehend unterhaltsam, da das Ganze an etlichen Stellen ein wenig sprunghaft erscheint. Dadurch wirkt das Szenario manchmal ein wenig zusammen gestückelt und der Zuschauer hat nicht selten kleinere Probleme, dem Geschehen aufmerksam zu folgen. Als Schauplatz für die grausame Mordserie dient dieses Mal nicht Italien, sondern die irische Hauptstadt Dublin, in der sich anscheinend ein psychopathischer Serienkiller herum treibt, der es ganz offensichtlich auf den Schweizer Botschafter abgesehen hat. Im Gegensatz zu etlichen anderen Genre-Kollegen fallen die Tötungen hier wirklich erstaunlich blutig aus, denn wo ansonsten durch die Kameraführung vielmehr nur diverse Ansätze zu erkennen sind, wird in vorliegendem Fall voll drauf gehalten. Dadurch ergeben sich mehrere etwas derber ausfallende Szenen, wobei sich die Härte aber immer noch in einem angemessenen und nicht überzogenen Rahmen bewegt. In dieser Hinsicht wird dem geneigten Fan also durchaus sehr gute Kost geliefert, doch "Die Bestie mit dem feurigen Atem" beinhaltet dafür in der Erzählweise der Story einige Schwächen, die man sicherlich hätte vermeiden können.

Gibt es doch mehrere Passagen die ein wenig unrund erscheinen, da die Bildumschnitte relativ hektisch daher kommen. Nicht wenige Einstellungen erwecken dabei den Anschein ein wenig willkürlich aneinandergereiht zu sein, wodurch man auch kurzzeitig ein wenig die Orientierung verlieren kann. Das mindert selbstverständlich den Erzählfluss der Ereignisse und die ganze Chose erscheint ein wenig holprig, wobei dies aber keinesfalls den gelungenen Spannungsaufbau beeinträchtigt. Dieser entpuppt sich nämlich als sehr konstant und auch die Identität des Killers bleibt bis kurz vor dem Ende im Dunkeln, so das sich für den Zuschauer ein wunderbares Rätselspiel eröffnet, an dem man seine wahre Freude hat. Zudem schafft es Riccardo Freda immer wieder, einen auf falsche Fährten zu locken, präsentieren sich im Laufe der Zeit doch etliche Verdächtige, die man für die brutale Mordserie als Täter in Betracht ziehen könnte.

Dabei gibt es wie immer einige zu offensichtliche Indizien die ganz bestimmte Figuren in den Vordergrund rücken, doch auch diverse eher leichte Verdachtsmomente sind im Spiel, so das man im Prinzip niemanden gänzlich aus dem Täterkreis ausschließen kann. Was in diesem Film ein klein wenig auf der Strecke bleibt ist die ansonsten in Gialli's vorhandene bedrohliche Grundstimmung, es entfaltet sich einfach zu keiner Zeit diese düstere Atmosphäre, was meiner persönlichen Meinung nach der unrunden Erzählung geschuldet ist. Dennoch bietet das Werk immer noch genügend Sehenswertes und überzeugt vor allem durch den etwas höheren Blutgehalt, der für Filme dieser Art nicht immer selbstverständlich erscheint. Betrachte man einmal das dargebotene Schauspiel der Akteure dann muss man feststellen, das sich dieses leider nur im Durchschnittsbereich bewegt. Zwar sind sämtliche Darsteller durchaus bemüht durch Mimik und Gestik zu überzeugen, doch in mehreren Passagen ist ein leichtes Overacting zu erkennen, das den insgesamt guten Gesamteindruck ein wenig trübt.

Im Endeffekt zählt "Die Bestie mit dem feurigen Atem" sicherlich nicht zu den allerbesten Vertretern seiner Zunft bietet jedoch immerhin einen typischen Gialli, der sämtliche Zutaten beinhaltet die dieses Sub-Genre so beliebt machen. Mit ein bisschen mehr Liebe zum Detail und weniger hektischen Umschnitten wäre ein noch weitaus besserer Eindruck möglich gewesen, doch auch in vorliegender Form schafft es der Film locker, sich oberhalb des normalen Durchschnitts anzusiedeln und spannende Filmkost zu servieren.


Fazit:


Zu den echten Klassikern seiner Art kann man dieses Werk bestimmt nicht zählen, doch für Fans des Genres handelt es sich dennoch um einen unverzichtbaren Beitrag, den man sich in regelmäßigen Abständen immer wieder gut anschauen kann. Lediglich die holprige Umsetzung der Geschichte erscheint dabei ein wenig störend, doch die positiven Aspekte des Geschehens behalten ganz klar die Oberhand.


7/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Home Sweet Home
(Home Sweet Home)
mit Meghan Heffern, Adam MacDonald, Shaun Benson
Regie: David Morlet
Drehbuch: David Morlet
Kamera: Nicolas Massart
Musik: Thomas Couzinier / Fréderic Kooshmanian
keine Jugendfreigabe
Kanada / Frankreich / 2013

Sara und Frank sind ein junges und glücklich verheiratetes Paar. Als beide eines Abends von einer Tanzveranstaltung nach Hause kommen, ahnen sie noch nicht, dass das unvorstellbare Grauen auf sie lauert. Ein maskierter Fremder ist zuvor in das Haus eingedrungen und hat systematisch alle Fluchtwege versperrt. Sara und Frank sind in ihrem eigenen Haus gefangen. Beide sehen sich einem psychopathischen Killer gegenüber, der nicht vorhat, das Paar lebend entkommen zu lassen.


Mit dem auf der Rückseite des deutschen DVD-Covers gezogenem Vergleich zu Filmen wie "High Tension", "Martyrs" oder auch "Inside" hat sich das Label Mad Dimension sicherlich keinen Gefallen getan, hat man so doch eventuell vollkommen übersteigerte Erwartungen bei vielen Leuten geschürt, mit "Home Sweet Home" einen ähnlich harten Schocker serviert zu bekommen. Diese Erwartungen kann der Film jedoch zumindest in visueller Hinsicht nicht erfüllen, gibt sich der Härtegrad doch viel eher in psychologischer Hinsicht zu erkennen und hält sich mit expliziten Gewaltdarstellungen eher vornehm zurück. Das dürfte auch einer der Gründe sein, warum das Werk von David Morlet schon mehrere negative Kritiken bekommen hat, die dem hier dargestellten Szenario aber in keiner Weise gerecht werden. Handelt es sich doch um einen wirklich gut inszenierten Home Invasion Horror-Thriller, der von der ersten Minute an eine Menge Spannung aufbaut, wobei dem Zuschauer auch gleichzeitig ein äußerst beklemmendes Gefühl vermittelt wird. Das liegt natürlich hauptsächlich in der Thematik an sich begründet denn wer fühlt sich schon wohl in seiner Haut, wenn ein offensichtlich gestörter Killer in die heimischen vier Wände eines Ehepaars eindringt, um dieses in der Folge bestialisch zu foltern? Morlet beginnt seine Geschichte dabei eher etwas ungewohnt, wird man doch in den ersten 20 Minuten mit der Situation konfrontiert, wie der Täter in das verlassene Haus eindringt um sämtliche Fluchtwege zu versperren. Erst danach bekommt man das Ehepaar präsentiert, das nach einem romantischen Abend außer Haus in sein Eigenheim zurückkehrt und nicht ahnen kann, das ein wahnsinniger Killer im Haus ist.

Diese Ausgangslage mag manch einem befremdlich vorkommen, entfallen so doch fast gänzlich tiefere Charakter-Beleuchtungen. Ebenso könnten die ersten Minuten des Geschehens bei manch einem Ermüdungserscheinungen aufkommen lassen, offenbaren sich doch in der Hauptsache endlos lange Kamerafahrten durch das verlassene Haus, wobei ansonsten so gut wie überhaupt nichts passiert. Doch eben durch diesen Aspekt bezieht das Szenario seinen gelungenen Spannungsaufbau, man fiebert förmlich darauf hin das die Bewohner des Hauses nach Hause kommen, um endlich mitzubekommen, welch grausames Spiel sich danach entwickeln wird. Und das folgende Katz-und Mausspiel ist dann auch wirklich nicht von schlechten Eltern, wobei sich an dieser Stelle ein kammerspielartiges drei Personen Stück offenbart, das ein hohes Maß an Intensität freisetzt und eine immense psychische Härte aufweist. Die visuelle Brutalität hält sich zwar in überschaubaren Grenzen, aber es ist auch ganz generell vielmehr die gelungene Mixtur aus einigen blutigen Szenen und dem was sich im Kopf des Betrachters abspielt, was dem Betrachter hier extrem zu schaffen macht. Allein die Vorstellung das einem ein solches Szenario in den eigenen vier Wänden widerfahren könnte lässt einen erschauern und man verspürt durchgehend einen bleiernen Druck auf den eigenen Schultern. Wie ohnmächtig betrachtet man dann auch die Ereignisse und leidet trotz fehlender Charakter-Zeichnungen mit dem Ehepaar mit, das dem sadistischen Psychopathen hilflos ausgeliefert ist.

Nun ist "Home Sweet Home" sicherlich kein Meisterwerk unter den vielen Home Invasion Filmen, aber es handelt sich meiner Meinung nach definitiv um einen kleinen und extrem fiesen Horror-Thriller, der seine Wirkung auf keinen Fall verfehlt. Mit einer Netto-Laufzeit von gut 75 Minuten ist die Geschichte auch genau richtig bemessen, so das im Prinzip keinerlei Längen auftreten und man von einem durchgehend interessanten Filmerlebnis sprechen kann. Natürlich werden viele Leute das anders sehen, doch wenn man sich in die Lage der Opfer versetzen kann, dann kommt die Geschichte äußerst wuchtig daher und hinterlässt zudem einen extrem bitteren Nachgeschmack. Dieser ergibt sich insbesondere durch eine überraschende Pointe, die David Morlet zum Ende hin eingebaut hat und die man wirklich nicht vorhersehen konnte. Dadurch erhält die ganze Chose noch einmal eine zusätzliche Würze und man bekommt einen gelungenen Aha-Effekt geboten, den man schon fast als makaber und zynisch beschreiben kann. Das Werk beinhaltet also sämtliche Zutaten für einen Film dieser Art und lässt in seiner Gesamtheit einen überdurchschnittlich guten Eindruck entstehen, weshalb ich diverse vernichtende Kritiken auch nicht so ganz nachvollziehen kann.

Wie dem aber auch sei, mir persönlich hat "Home Sweet Home" richtig gut gefallen und die Darstellung der Ereignisse hat mich richtig gepackt. Es handelt sich um eine in allen Belangen sehr intensive Geschichte, die einen auch noch lange nach der Sichtung nachhaltig beschäftigt. Schließlich wird einem ein Szenario präsentiert das jedem widerfahren könnte und das macht die Ereignisse umso grausamer. Man sollte aber eher unbefangen an den Film heran gehen und sich nicht von dem Vergleich mit den weiter oben erwähnten Filmen in die Irre führen lassen, da dieser vollkommen überzogene und falsche Erwartungen an ein visuell extrem hartes Geschehen schürt, die letztendlich aber nicht erfüllt werden können.


Fazit:


Ein paar blutige Passagen und sehr viel psychische Härte ergeben genau die richtige Kombination, um "Home Sweet Home" eine Menge Intensität zu verleihen, die sich eigentlich auch auf den Zuschauer übertragen sollte. Bei mir selbst war dies definitiv der Fall und so wurde ich mit einem kleinen, aber sehr feinen Horror-Thriller belohnt, der mir phasenweise kalte Schauer über den Rücken gejagt hat. Wer Filme dieser Art mag sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren, denn die teilweise schlechten Bewertungen geben keinesfalls die Klasse wieder, die das Geschehen beinhaltet.


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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Die Nacht der blanken Messer
(Nude per l'assassino)
mit Edwige Fenech, Nino Castelnuovo, Femi Benussi, Solvi Stubing, Franco Diogene, Lucio Como, Erna Schürer, Gianni Airò, Silvana Depreto, Achille Grioni, Giuseppa Meschella, Rodolfo Zola
Regie: Andrea Bianchi
Drehbuch: Andrea Bianchi / Massimo Felisatti
Kamera: Franco Delli Colli
Musik: Berto Pisano
ungeprüft
Italien / 1975

Evelyn, ein junges Fotomodell, stirbt bei einem Abtreibungsversuch. Kurz danach beginnt eine Mordserie. Immer ersticht der Täter seine Opfer mit einem blanken Messer. Alle Opfer stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Fotostudio, in dem auch Evelyn damals modelte. Die Polizei ist auf der falschen Spur, doch einer der Fotografen und seine Freundin Martha versuchen der Sache auf eigene Faust nach zu gehen. Jetzt wird auch ihr Leben bedroht. Die Nacht der blanken Messer hat begonnen.


Andrea Bianchi's Beitrag zum Sub-Genre des Gialli hat bei den meisten Fans einen eher schweren Stand und wird auch des Öfteren vollkommen zu Unrecht ziemlich schlecht bewertet. Zugegebenermaßen handelt es sich bestimmt nicht um einen der besten Vertreter seiner Art, doch mehr als solide Genre-Kost wird dabei allemal geboten. Schon die Eingangs-Sequenz der Geschichte lässt ganz eindeutig darauf schließen, welche Beweggründe den in Motorrad-Kleidung auftretenden Mörder dazu bringen, das er sämtliche Angestellte eines Fotostudios töten will. Das ändert jedoch rein gar nichts daran, das sich fast im Minutentakt ein immer weiter ansteigender Spannungsaufbau erkennen lässt, denn die Identität des brutalen Mörders wird bis fast zur letzten Einstellung im Dunkeln gehalten. Verdächtige werden dem Zuschauer aber genügend präsentiert, wobei etliche Tötungen den Kreis immer mehr verkleinern.

In der weiblichen Hauptrolle ist einmal mehr die wie immer bildhübsche Edwige Fenech zu sehen, wobei es dieses Mal schon ein wenig gewöhnungsbedürftig erscheint, sie mit einem ungewohnten Kurzhaarschnitt zu sehen. Wie in filmen dieser Art üblich, hat auch Bianchi seinem Film diverse Erotikszenen beigefügt, allerdings präsentiert sich einem ein munteres Wechsel-Spielchen, da anscheinend jeder mit jedem in die Kiste hüpft, um das Liebesspiel zu vollziehen. Das sorgt schon fast zwangsweise für so manchen Schmunzler und ganz generell lässt das Geschehen einige Momente erkennen, die von eher unfreiwilligem Humor durchzogen sind und der ganzen Chose einen leicht trashigen Anstrich verleihen. Hier liegt wohl auch einer der Gründe, warum das Werk nicht bei jedem gut ankommt, obwohl die ernsten-und bedrohlichen Momente ganz klar die Oberhand behalten. Eine große Stärke ist sicherlich die aufkommende Atmosphäre, denn die Geschehnisse beinhalten doch genügend Passagen die drohendes Unheil aufkommen lassen und den Betrachter in die genau richtige Stimmung für ein meiner Meinung nach erstklassiges Thriller-Erlebnis zu versetzen.

Die Morde an sich sind stellenweise zwar recht blutig inszeniert, doch bekommt man zumeist eher eine mit Blut überströmte Leiche zu Gesicht, als das man die Tat an sich in all ihren Details bewundern könnte. Dennoch beinhaltet auch dieser Giallo einen durchaus ansehnlichen Härtegrad und das sich diese Filme eigentlich eher selten über explizite Gewaltdarstellungen definieren, sollte man bei diesem Aspekt auch keinerlei Wunderdinge erwarten. Wie immer liegt es natürlich im Auge des jeweiligen Betrachters, aber "Die Nacht der blanken Messer" zählt zu meinen persönlichen Favoriten, wobei ich den genauen Grund für diese Einschätzung noch nicht einmal näher erläutern kann. Aber der Film hat irgendwie seinen ganz eigenen Charme, der auch durch die schon erwähnte unfreiwillige Komik zu Stande kommt, die dem Gesamtbild sogar recht gut zu Gesicht steht.

Andrea Bianchi hat hier sicherlich keinen Meilenstein des Gialli geschaffen, doch seine Geschichte weiß jederzeit bestens-und extrem kurzweilig zu unterhalten und präsentiert einem zudem ein äußerst atmosphärisches Ambiente, das von der ersten bis zur letzten Minute ein wunderbares Rätselspiel präsentiert, das die Identität des Killers erst ganz am Ende offenbart. Warum also erhält dieses Werk kaum die Beachtung die es eigentlich verdient hätte, gibt es doch weitaus uninteressantere Vertreter, die jedoch komischerweise bessere Bewertungen nach sich ziehen.


Fazit:


Ich persönlich mag diesen manchmal unfreiwillig komischen Vertreter aus Italien, was einerseits schon durch das Mitwirken der wunderbaren Edwige Fenech begründet ist, wobei man aber auch keinesfalls die insgesamt sehr interessante Geschichte außer acht lassen sollte, die einem jegliche Zutaten liefert, die ein guter Gialli enthalten muss.


7,5/10
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