Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Das siebte Zeichen

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Etwas langweiliger, aber dafür umso bedeutungsschwangerer Versuch eines christlichen Horrorstreifens über eine drohende Apokalypse und dessen düstere Vorzeichen. Ich halte ja generell nicht so viel von der Thematik und die Botschaft des Streifens wird ja auch nicht gerade auf die subtile Methode übermittelt. Leider ist „Das siebte Zeichen“ aber auch nicht wirklich spannend und wieder mal erwischt es eine „Ungläubige“, die die Existenz einer höheren Macht auf die harte Tour lernen muss und letztlich vor ganz große Aufgaben gestellt wird. So richtig gut muss man das dann auch nicht finden, aber andererseits habe ich schon vor langer Zeit aufgehört, mich über derartige Dinge und Ansagen aufzuregen. Soll aber jeder glauben was er mag und wenn jemand daran glaubt, dass demnächst die Welt untergeht, weil wir uns mit unserem lasterhaften Ego-Verhalten den Zorn Gottes zugezogen haben, möge vielleicht mal ein Geschichtsbuch zur Hand nehmen. Unterm Strich bleibt ein Symbol-überladener Streifen mit einer Prise Horror, der mit seiner Geschichte auch niemanden aus den Latschen kippen lässt.

Das Geheimnis der Burg in den Karpaten

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Seltsame Jules Verne Verfilmung, die zwar optisch und von der Ausstattung her sehr schön daherkommt, aber inhaltlich ganz seltsame Wege einschlägt. So ist der Streifen von einem eher dümmlichen Slapstick-Humor und unmotivierten Gesangseinlagen durchzogen, was der eigentlichen Geschichte auch nicht sonderlich zuträglich ist. Man konnte sich wohl nicht so recht entscheiden, ob man jetzt eine Komödie, Parodie, tschechischen Märchenfilm oder handelsüblichen Abenteuerfilm nach Jules Verne-Motiven drehen wollte und hat dann irgendetwas abgeliefert, was dann wohl auch so niemanden mehr richtig zufrieden stellen wird. Der tuntige Graf, der dümmliche Förster und der gar so üble Schurke sind hoffnungslos überzeichnet und auch die restlichen Friguren aus dem Kuriositätenkabinett geben sich redlich Mühe immer hübsch over-the-Top zu agieren. Würde sich der Humor-Anteil auf Null bewegen, wäre „Das Geheimnis der Burg in den Karpaten“ wohl wirklich ein toller Film geworden, aber so ist der ganze Streifen ziemlich doof und schrammt auch nur aufgrund seiner Ausstattung und lustigen Ideen (u.a. hat auch Animationskünstler Jan Svankmajer am Set-Design mitgearbeitet) knapp am Ärgernis vorbei.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Deliria över Vienna:

Laura - Eine Frau geht durch die Hölle

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Bruno Mattei mag ja in Filmfankreisen nicht den besten Ruf genießen, aber sein 1982 entstandener Dokutainment-Streifen über den harten Alltag in italienischen Frauengefängnissen funzt ja auch bei der wiederholten Sichtung sehr gut und kommt auf der großen Leinwand natürlich gleich noch eine Ecke besser zur Geltung. Die eher sparsame Geschichte bleibt ja dennoch stets voller Überraschungen und neben dem üblichen Exploitation-Gedöns handelsüblicher WIP-Filme hat Herr Mattei auch immer wieder kleinere Momente in seinem Streifen eingebaut, die mit drei großen Fragezeichen für humoristische Erleichterung für den Zuschauer in dem ansonsten eher düsteren Knaststreifen sorgen. Auch dank des Casts erweist sich „Laura – Eine Frau geht durch die Hölle“ trotz limitierter Handlunsorte als sehr lohnenswerte Angelegenheit, auch wenn die exotische Hauptdarstellerin Laura Gemser von den Nebendarstellerinnen inklusive einer fantastischen Franca Stoppi fast ein wenig zu sehr an die Wand gespielt wird. Die 35mm-Kopie war entgegen erster Ankündigungen ebenfalls in schönem Zustand und so war der Streifen des Regisseurs, der ja nicht zum ersten Mal bei einem Forentreffen der Deliria-Rasselbande entsprechend gewürdigt wurde, dann auch nach sympathischer VHS-Einleitung der ideale Auftakt eines wunderbaren Filmwochenendes unter Freunden und sonstigen sympathischen Menschen im wunderbaren Wien, dass sich an diesem sonnigen Oktoberwochenende ebenfalls von der besten Seite gezeigt hat.

Lebendig gefressen

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Bruno Mattei mag ja in Filmfankreisen nicht den besten Ruf genießen, aber sein 1982 entstandener Dokutainment-Streifen über den harten Alltag in italienischen Frauengefängnissen funzt ja auch bei der wiederholten Sichtung sehr gut und kommt auf der großen Leinwand natürlich gleich noch eine Ecke besser zur Geltung. Die eher sparsame Geschichte bleibt ja dennoch stets voller Überraschungen und neben dem üblichen Exploitation-Gedöns handelsüblicher WIP-Filme hat Herr Mattei auch immer wieder kleinere Momente in seinem Streifen eingebaut, die mit drei großen Fragezeichen für humoristische Erleichterung für den Zuschauer in dem ansonsten eher düsteren Knaststreifen sorgen. Auch dank des Casts erweist sich „Laura – Eine Frau geht durch die Hölle“ trotz limitierter Handlunsorte als sehr lohnenswerte Angelegenheit, auch wenn die exotische Hauptdarstellerin Laura Gemser von den Nebendarstellerinnen inklusive einer fantastischen Franca Stoppi fast ein wenig zu sehr an die Wand gespielt wird. Die 35mm-Kopie war entgegen erster Ankündigungen ebenfalls in schönem Zustand und so war der Streifen des Regisseurs, der ja nicht zum ersten Mal bei einem Forentreffen der Deliria-Rasselbande entsprechend gewürdigt wurde, dann auch nach sympathischer VHS-Einleitung der ideale Auftakt eines wunderbaren Filmwochenendes unter Freunden und sonstigen sympathischen Menschen im wunderbaren Wien, dass sich an diesem sonnigen Oktoberwochenende ebenfalls von der besten Seite gezeigt hat.

Top Job

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Ich bin ja eigentlich erst vor kurzen so richtig auf den Geschmack von Heist-Movies gekommen und so war „Top Job“ auch ein Streifen, den ich im Vorfeld nicht kannte. Wie erwartet wurde ich von Montaldos Werk aus dem Jahr 1967 auch nicht enttäuscht und der Streifen überzeugt neben viel Lokalkolorit vor allem durch seine Darsteller, die den Zuschauer auch bei dem bis ins letzte Detail ausgeklügelten Diamantenraub in Rio de Janeiro mit fiebern lassen. Nach dem obligatorischen Einführen der Charaktere und dutzenden Blumensträußen gab es dann auch quasi in Echtzeit den Einbruch, der ebenfalls sehr spannend und in schönen Bildern inszeniert wurde. Alles sehr hübsch, sommerlich und funktional inszeniert verflogen die knapp 100 Filmminuten inklusive alternativen Kino-Ende auch wie im Flug und sorgte für Bombenstimmung. Zwar wurde im Vorfeld die übergroße Vorfreude kurzfristig durch restriktive Vorgaben des Filmrollenverleihs minimal geschmälert, doch die Qualität des Films und die kompetente Einleitung entschädigte dann schier mühelos über die kurzen Pausen des Aktwechsels hinweg. Auch das dankbare Publikum ließ sich die Freude an dem Werk und der sehr schönen Kinokopie nicht trüben und der Applaus am Ende spiegelte die Zufriedenheit wieder, an diesem Nachmittag einen schönen und großartigen Film gesehen zu haben, der jetzt aber noch dringlich noch als DVD angeschafft werden muss.

Der Killer von Wien

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„Der Killer von Wien“ ist ja nicht einer meiner absoluten Lieblinge des italienischen Genre-Kinos, sondern auch ein Giallo, der wohl auf ewig ganz oben in meiner persönlichen Giallo-Bestenliste tummeln wird. Diesen nun auf großer Leiwand in einem Kino in Wien zu sehen ist dann auch die Erfüllung eines lang gehegten Traums und Sergio Martinos Streifen über hübsche Menschen und menschliche Abgründe ist einfach ein ganz toller Film, der neben Zeit- und Lokalkolorit und seiner unvorhersehbaren Geschichte auch mit ganz wunderbaren Darstellern punkten kann. Die freizügige Geschichte begleitet eine hübsche, wie gelangweilte Upper-Class-Gattin mit unrühmlicher Beziehungsvergangenheit durch eine emotionale Achterbahnfahrt bis hin zu Nervenzusammenbruch und lässt in knapp 100 Minuten Wendungen über Wendungen auf der Zuschauer hernieder, bis sich am Ende ein Bild zusammenfügt, dass wohl nur die wenigsten beim ersten Mal erwarten würden. Obwohl die im Vorfeld ebenfalls mit Spannung erwartete Einführung aus Zeitgründen auf ein absolutes Minimum gestutzt werden musste, war der anschließende Film trotz etwas mitgenommene Kinokopie ein cineastisches Freudenfest par excellence für alle Freunde derartiger Werke und der Höhepunkt eines an Höhepunkten ohnehin nicht armen Wochenende deutsch-österreichischer Filmfreundschaften im Zeichen des italienischen Kinos.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Laura II - Revolte im Frauenzuchthaus

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Nachdem Black Emanuelle in „Laura – Eine Frau geht durch die Hölle“ als Undercover-Journalistin Missstände in italienischen Frauengefängnissen aufgedeckt hat, landet sie im zweiten Teil durch eine Intrige eines korrupten Staatsanwaltes nochmal im gleichen Gefängnis und der Alltag ist abermals alles andere als ein Zuckerschlecken. Nicht nur, dass es augenscheinlich einen Auftrag gibt, die stolze und resolute Journalistin aus dem Weg zu räumen, es fällt auch noch die gesamte Belegschaft und die Insassen in die Hand gewaltbereiter Mörder, die ebenfalls nicht lange fackeln und innerhalb der Gefängnismauern für ein Massaker sorgen. Insgesamt ist „Revolte im Frauenzuchthaus“ dann nochmal eine ganze Ecke wilder und herber inszeniert und bietet auch wesentlich mehr Blut und Gewalt, als es noch im sleazigeren Erstling der Fall war, während Frau Gemser immer die graue Gefängnisuniform anbehalten darf. Dass nahezu alle Darsteller aus Teil 1 teils in geänderten Rollen wieder mit von der Partie sind, mag zwar anfänglich etwas verwirrend wirken, aber ehe man sich versieht ist man auch schon wieder mitten drin in der dreckigen Welt von Bruno Mattei, die niedrigste Instinkte bedient und im Verlauf der kurzweiligen 90 Minuten für abgebrühte Fans des WIP-Genres auch stets immer noch einen draufsetzt.

Splatter University

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Als die junge Lehrerin Julie ihre erste Stelle auf einem College antritt und von dem schulleitendem Pater willkommen geheißen wird, ahnt die junge Frau noch nicht, dass ein psychopathischer Killer in der Vergangenheit bereits die Lehrerschaft dezimiert hat und sie die Stelle einer ermordeten Kollegin antreten soll. Als sie davon erfährt, versucht sie sich nicht beirren zu lassen und versucht so gut wie möglich die Situation zu überspielen und findet wenig später sogar Gefallen an ihrem Kollegen Mark. Wenig später schlägt der Killer jedoch wieder zu und ermordet neben einer Kollegin auch noch Schüler aus Julies Klasse. In der Lehrerin keimt auch bald ein Verdacht, wer hinter den Morden stecken könnte und als sie auf eigene Faust ermittelt, kommt sie dem Killer auch sehr nahe…

Dröger Diskont-Slasher nach Schema F und aus dem Jahr 1984, der dem Genre nichts hinzuzufügen hat und neben seiner dünnen Story auch noch mit allerlei nervigen „Teenagern“ langweilt, die für ihre Rolle als Highschool-Schüler auch allesamt viel zu alt erscheinen. „Splatter University“ ist dann auch ein Streifen, der den Zuschauer schmerzlich an die Tatsache erinnert, welche Grütze da in den Achtzigern alles unter dem Etikett „Slasher“ gedreht wurde um am boomenden Genre auch ein bisschen Ruhm und Kohle abzustauben. Das Filmchen kommt ja auch nie so richtig in Fahrt und statt Splatter und Spannung stehen auch eher kostengünstige Effekte und dämliche Dialoge am Programm und selbst die Auflösung wird nach 70 Minuten quälender Langatmigkeit niemanden mehr vom Hocker reißen. Einzig und allein die sympathische Hauptdarstellerin und die durchaus passable Synthie-Mucke können etwas punkten, aber der Rest ist schon ein Streifen aus der cineastischen Resterampe, der wohl auch nur Trashfans und Slasher-Allesgucker empfohlen werden kann.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Green Inferno

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Guckt man auf die Deliria-Kannibalenfilm-Liste ist „Green Inferno“ abgesehen von den beiden Mattei-Nachzüglern aus den Nuller-Jahren einer der letzten italienischen Kannibalen-Filme aus den Achtzigern, wobei sich die Kannibalen hier ja gleich gar nicht blicken lassen. Vielmehr handelt es sich um eine Mischung aus Abenteuerfilm und Mondo-Dokumentation und Herr Climati nimmt den Zuschauer nach einem etwas seltsamen Auftakt mit auf eine abenteuerliche Reise in den unberührten Dschungel und präsentiert mit Piraten, Menschenhändlern und anderen Verbrechern die wahren Gefahren, die Natur und das geruhsame Leben der Naturvölker an dieser Ecke der Erde bedrohen. Dabei ist der Streifen entgegen aller bösen Stimmen gar nicht mal so übel und lediglich etwas ungeschickt erzählt, wenn die turbulente Handlung doch etwas arg gestrafft wirkt und manche Szenenübergänge doch recht holprig wirken. Positiv ist jedenfalls anzumerken, dass die Hauptfiguren sich eher respektvoll dem Dschungel und seinen Gesetzen nähern und sich ausnahmsweise einmal nicht wie die Axt im Walde benehmen. Dennoch gibt es in „Green Inferno“ aber immer noch genug Schauwerte und haarsträubende Entwicklungen, dass man als Zuschauer aus der Exploitation-, Italo- und Trash-Ecke ebenfalls passabel unterhalten wird.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Die Spider Murphy Gang

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Die Songs der Spider Murphy Gang erfreuen sich ja auch heutzutage noch immer großer Beliebtheit und keine 80er-Jahre-Party wäre ohne den schmissigen Rocksongs der Combo mit ihren bayrischen Texten vorstellbar. Der gleichnamige Film von Georg Kostya aus dem Jahre 1983 präsentiert zu den Texten passende und wohl auch autobiografische Erlebnisse der Band auf überspitzte Weise in einem Film mit viel Musik, in dem der Weg von Proberaum bis hin zum ausverkauften Zirkus Krone nachgezeichnet wird. Der Streifen ist dabei episodenhaft inszeniert und präsentiert mal mehr – mal weniger humorvolle Momentaufnahme aus dem Leben brotloser Künstler, die aber immer wieder einen Weg finden, sich erfolgreich durch das Leben zu wurschteln, sich nicht verbiegen lassen und nach langer Durststrecke letztlich auch den verdienten Erfolg einfahren. Ich empfand den Streifen dabei zeitweise doch auch etwas sonderbar, da die Bandmitglieder und ihr Umfeld meines Erachtens mitunter nicht unbedingt sympathisch gezeichnet werden. Doch gerade das zeugt wohl von einer großen Portion Selbstironie, was „Spider Murphy Gang“ auch wieder spaßig macht und bei den Mitgliedern der Band handelt es sich auch nicht um irgendwelche Loser, sondern um stimmungsmachende Vollblutmusiker, wie sich vor allem im Finale bzw. vor ausverkauften Haus zeigt. Unterm Strich bleibt ein deutscher Musikfilm mit positiver Botschaft, bei dem auch Thomas „Blutige Seide“ Reiner kurz vorbeischaut und der sich dank Zeit- und Lokalkolorit auch gut gucken lässt, selbst wenn sich die Musik der Band nicht am eigenen Ipod findet.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Die nackte Gräfin

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Deutsche Softsexfilme aus den Siebzigern sind ja neben ihrer Schmuddeligkeit oftmals etwas bieder und brav, moralin-sauer und können mit kostengünstiger Machart ihre tiefdeutsche Herkunft auch nicht verleugnen. Nicht so bei „Die nackte Gräfin“, der neben seiner Freizügigkeit vor allem mit seinen sehr extravaganten Look, bizarren Ideen und hübscher Ausstattung punkten kann. „Die nackte Gräfin“ erinnert dann auch mehr an internationale Produktionen wie z.B. die Frühwerke von Tinto Brass im Spannungsfeld von Kunst- und Sexfilm als irgendwelche klamaukigen Lederhosenfilme oder Report-Filme aus deutschen Landen und was sich hier im Verlauf der kurzweiligen und achtzig Minuten dem Zuschauer präsentiert ist wahrlich lüstern, reißerisch und vor allem ziemlich hübsch in Szene gesetzt. Die Bildsprache lässt keine Fragen offen und die teils irritierenden Schnitte und Szenenübergänge haben mir auch sehr gut gefallen. Der schmissige Song über die sieben Todsünden ist dann noch ein zusätzliches Highlight und erinnert den Zuschauer schenkelwippend daran, wie nah doch sexuelle Ausschweifung und Abgrund beieinander liegen. Was für ein Film!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Crossing the Bridge - The Sound of Istanbul

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Interessante Musik-Doku von Fatih Akin, die erwartungsgemäß natürlich nicht die touristische Seite von Istanbul zeigen, sondern eintaucht in das pulsierende Leben der Millionenstadt und unterschiedlichste Musikströmungen präsentiert, in der wie in der Stadt selbst aus allen Ecken und Enden der Welt Einflüssen zusammenkommen. Von psychedelischen Prog-Rock über elektronische Klänge bis hin zu Straßenmusik, Hip Hop, traditioneller Folklore und kurdischen Klageliedern. Alexander Hacke von den „Einstürzenden Neubauten“ ist ohne Berührungsängste überall dabei und interviewt Straßenkünstler, Club-Betreiber und große Stars während Fatih Akin Bilder dazu montiert, die wohl nur beschränkt etwas mit Tourismuswerbung zu tun haben und trotzdem faszinierend sind. Dabei ist der Streifen mit sehr viel Musik natürlich auch politisch, teils wehmütig und dennoch auch immer optimistisch, wenn Musik als völkerverbindendes Gut präsentiert wird, dass auch alle guten und schlechten Zeiten überdauern wird.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

The Headless Eyes

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Grimmiges, kleines Mitternachts-Filmchen über einen Psychopathen, der stark an William Lustigs „Maniac“ erinnert, der ebenfalls in New York spielt, aber natürlich nicht annähernd dessen Qualitäten erreicht. Zwar wird in dem Low-Budget-Werk ganz ordentlich, wenn auch kostengünstig geschmoddert, aber „The Headless Eyes“ kommt irgendwie dennoch nicht so wirklich in Fahrt und auch die Beweggründe des Mannes, der sich die Augen seiner weiblichen Opfer holt um daraus Kunstgegenstände zu basteln, scheinen im Verlauf des Streifen irgendwo auf der Strecke zu bleiben. Eigentlich schade, da der Streifen ansonsten recht sympathisch um die Ecke biegt und sich auch der Hauptdarsteller hübsch in Overacting ergeht. Man wird das Gefühl nicht los, mit etwas mehr Mühe und einem ausgefeilteren Drehbuch großes Genre-Kino möglich gewesen wäre, aber so wirkt alles zum Teil auch improvisiert und „The Headless Eyes“ hat mich leider bis auf wenige Momente und seiner düster-ausweglosen Grundstimmung nicht überzeugen können.

Woodchipper Massacre

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Tom ist ein zwölfjähriger und ziemlich aufgeweckter Teenager, gemeinsam mit seiner älteren Schwester Denise und seinem älteren Bruder in einem abgelegenen Haus wohnt. Als der Vater eines Tages auf Geschäftsreise muss, engagiert er Tante Tess, die in seiner Abwesenheit nach dem Rechten schauen soll. Die erzkonservative Tante entpuppt sich aber als wahre Qual und verbietet den Kindern auch so ziemlich alles, was irgendwie mit Spaß verbunden ist. Als Tom mit der Post nach langem Warten endlich ein Rambo-Survival-Messer erhält, will ihm Tess auch dieses wegnehmen. Es kommt zu einer Rangelei, bei der Tante Tess tot zu Boden geht. Doch die Jugendlichen sind in der Not sehr kreativ und beschließen die Leiche im titelgebenden Gerät verschwinden zu lassen, als auf einmal auch Tess‘ psychopathischer Sohn auf der Matte steht und ebenfalls Schwierigkeiten macht…

Natürlich ganz übler Debüt-Streifen des „Cannibal Campout“-Regisseurs Jon McBride, der ja nur in speziellen Kreisen einen entsprechenden Ruf besitzt. Auch „Woodchipper Massacre“ ist ein irgendwie sympathisches, grenzwertiges und auf Videomaterial gedrehtes No-Budget-Movie, das vor allem durch haarsträubende Darstellerleistungen überzeugen kann. Aufgrund der Drehbedingungen mussten die Darsteller wohl allesamt immer sehr laut sprechen, was zur Folge hat, dass sich die Darsteller gegenseitig anschreien, was „Woodchipper Massacre“ immer etwas hysterisch und neben der Spur erscheinen lässt. Die Geschichte ist ebenfalls rasch erzählt und statt Massaker gibt es gerade mal ein paar Blutspritzer, während alles andere im Off geschieht, da man den Holzschnitzler wohl unversehrt und ohne Blutspritzer auch wieder zurückgeben musste. Nach objektiven Gesichtspunkten ist Jon McBrides Streifen dann auch totale Grütze und absoluter Bodensatz, aber irgendwie ist „Woodchipper Massacre“ auch wieder sympathische Ware mit viel Achtziger-Charme und leicht parodistischen Zügen, dass durchaus unterhaltsam ausfällt, wenn man weiß, auf was man sich einlässt. Wer bei „Cannibal Campout“ schon seinen Meister gefunden hat, kann sich den Streifen getrost sparen, wer hingegen sehen möchte, was mit viel Enthusiasmus, Herzblut und wenig Equipment möglich ist, kann es ja bei richtiger Gelegenheit ja gerne mal probieren.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

The Voices

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Der Streifen der „Persepolis“-Regisseurin ist ja nicht der erste Versuch einen Film aus der Perspektive eines psychisch Kranken zu gestalten, aber im Falle von „The Voices“ ist das leider ganz gehörig in die Hose gegangen und irgendwo zwischen „Tucker & Dale“, „Dr. Doolittle“ und „American Psycho“ kocht Frau Satrapi ihr eigenes Süppchen, dass hauptsächlich aus knallbunten Zutaten besteht, die aber so gar nicht zusammenpassen wollen. Das Thema „psychische Erkrankungen“ ist ja auch durchaus ernst und diese in Richtung „Feelgood-Komödie“ zu drücken wirkt doch etwas befremdlich und der Streifen krankt an seinen schwachen Figuren, einem unpassenden Hauptdarsteller und stellt sich mit seinem wirren und ständig wechselnden Mix aus Drama, Horror, Komödie und Thriller zudem irgendwie ständig selbst ein Bein. Nach jedem lustigen Moment kommt ein dramatischer, nach jedem brutalen wieder ein kitschiger und wechselt der Streifen auch ständig die Marschrichtung, ehe nach dem traurigen Ende dann auch noch ein vollkommen überflüssiger „Happy Song“ geträllert werden darf. Herausgekommen ist ein erschreckend unlustiger und ziemlich lahmer Streifen, der seine Hauptfigur der Lächerlichkeit preisgibt und seine Geschichte mit origineller Ausgangslage auch noch auf scheinbar ungünstigste Weise erzählt und mit seinem fast schon zwanghaft erscheinenden Versuch Genre-technisch einfach alles mitzunehmen, erst recht ziemlich baden geht.

Swimming Pool - Der Tod feiert mit

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Deutsche Genre-Filme, die ihre Herkunft verleugnen wirken ja eigentlich immer etwas befremdlich und der Slasher „Swimming Pool – der Tod feiert mit“ ist dann auch ein Paradebeispiel, wie man es eigentlich nicht machen sollte. Mit deutschen und amerikanischen Cast für den internationalen Markt in englischer Sprache in Prag gedreht, versucht der Streifen auf der „Scream“-Welle zu schwimmen und ist dabei denkbar unoriginell und bietet abgesehen von der schicken Maskierung des Killer nichts, dass man nicht auch schon in hundert anderen Filmen aus der Ecke gesehen hätte. Die Geschichte über die Party von reichen Schnöseln in einem Schwimmbad, die von einem mysteriösen Killer heimgesucht wird, ist ja auch kein Burner und auch bei den Figuren hat man keine Gelegenheit ausgelassen, diese so klischeehaft wie möglich zu gestalten. Zum Glück will der Großteil der Slasher-Fan aber ohnehin keine Innovation, sondern ist mit Genre-Standards zufrieden und diese werden von Boris von Sychowski mit ein paar bösen Momenten auch ganz gut bedient. Die unsympathischen Figuren werden im Look deutscher Fernsehproduktionen der Reihe nach abgeschlachtet, während die Musik der Donots und Guano Apes schrammelt und am Ende gibt es für alle, die bis dahin nicht eingeschlafen sind auch noch eine lahme Auflösung. Spannend geht defintiv anders, aber gucken kann man das ja trotzdem.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Sonntags... nie!

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Den amerikanische Schriftsteller und Hobby-Philosoph Homer verschlägt es nach Piräus, wo er als Tourist die Leute und die Kultur des Landes kennenlernen möchte. In einem Lokal trifft er auf die hübsche und lebensfrohe Illya, die als Prostituierte ihren Lebensunterhalt verdient. Doch Illya ist nicht wie andere Prostituierte, denn die stolze Frau sucht sich ihre Freier selbst aus und die örtlichen Arbeiter liegen der selbstbewussten Illya ohnehin zu Füßen und beschützen diese auch vor einem ominösen Zuhälter und sonstigen Gefahren. Homer kann es jedoch nicht fassen, dass Illya als Hure arbeitet und beschließt die Frau unter seine Fittiche zu nehmen um sie zu „zivilisieren“ und über die Ernsthaftigkeit des Lebens aufzuklären um sie so auch wieder auf den vermeintlich richtigen Weg zu bringen…

Lustige Komödie von Jules Dassin über eine lebensfrohe Prostituierte, die in Piräus die Männer um den Finger wickelt und das Leben in vollen Zügen genießt und einem Hobby-Philosophen, der die junge Frau auf den Pfad der Tugend zurückbringen möchte. Regisseur Jules Dassin spielt die Rolle des amerikanischen Touristen gleich selber und hat sich auch im wahren Leben Melina Mercouri geschnappt, die hier auch auf schöne Weise und selbstbewusst in Szene gesetzt wird. „Sonntags… nie!“ zeigt auch die Kultur, den Stolz und die etwas zweifelhafte Arbeitsmoral der trinkfreudigen Griechen und sieht man den Streifen kann man sich auch gut vorstellen, dass das Land irgendwann mal in der Pleite landen musste. Die Komödie selbst ist in Anbetracht seines Alters überraschend unterhaltsam und bietet trotz ernsten Themas ein paar sehr spaßige Momente und den Schlager „Never on Sunday“, der den Oscar als besten Song gewann und hierzulande unter „Ein Schiff wird kommen“ bekannt sein dürfte. Alles in allem ist „Sonntags… nie!“ eine grundsympathische und preisgekrönte „Culture-Clash“-Komödie mit viel Zeit- und Lokalkolorit und jeder Menge Ouzo, bei der sich auch die unbändige Lebensfreude dank der famosen Hauptdarstellerin auch mühelos auf den Zuschauer überträgt.
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