Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Moderator: jogiwan

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Maulwurf
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Beitrag von Maulwurf »

Tatort: Im Schmerz geboren (Florian Schwarz, 2014) 8/10

Richard Harloff kommt aus Bolivien zurück nach Wiesbaden. Zwischen seiner Abreise und dem Jetzt liegen 30 Jahre Tod, Schmerz, Drogenhandel, Kampf … Nun ist er wieder da, und der LKA-Ermittler Murot, damals Harloffs bester Freund und Kollege auf der Polizeischule, weiß nicht so recht wie damit umgehen: Mit den drei Toten am Bahnhof. Dem verschwundenen Gangsterboss Bosco, dessen drei Söhne die Toten am Bahnhof sind. Dass Harloff die Bande von Bosco offensichtlich übernommen hat. Und noch ein anderer Mann spurlos verschwindet: Franz Oswald, der vor 30 Jahren ursächlich dafür verantwortlich war, das Harloff sich nach Südamerika absetzen musste ...

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Ein Mann kommt zurück in eine Stadt um Rache zu nehmen. Der örtliche Sheriff und der Mann waren früher beste Freunde, etwa so wie in Jules und Jim. Und sie liebten sogar dieselbe Frau, etwa so wie Jules und Jim. Aber etwas geschah, etwas zerbrach, und jetzt ist der Mann wieder da und tötet, und sein einstmals bester Freund muss ihn aufhalten.
Ein grundlegendes filmisches Sujet, in unzähligen Western und Krimis gesehen, und immer wieder gut. Aber als Tatort? Ja, gerade als Tatort! Was Ulrich Matthes hier abliefert ist Extraklasse. Matthes ist als Richard Harloff so spöttisch wie Harry Lime, so süffisant wie Hans Landa, so abgründig wie Tommy Judo, und so tödlich und rücksichtslos wie Loco. Dagegen Ulrich Tukur als kleiner deutscher Beamter: Eine graue Maus, die sich hinter einer Maske der Biederkeit und Zurückhaltung versteckt, als perfektes Gegenstück zum weltläufigen und selbstsicheren Harloff. Und der doch genügend Power im Leib hat, um mit der Maschinenpistole im Anschlag auf die Straße zu rennen und alle Angreifer einfach über den Haufen zu ballern. Wie es ein guter Sheriff halt auch mal machen muss.

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Und a propos Sheriff: Was für eine Inszenierung! Der örtliche Don als griechischer Chor, Shakespeare zitierend und mit wohlgesetzter Sprache im klassischen Duktus das große Drama um Tod, Leidenschaft und Verderben kommentierend. Die drei Söhne des Don als Gunmen, am Bahnhof und in der glühenden Sonne wartend auf die Ankunft des Fremden, um ihn zu erschießen. Anstatt 08/15-Abblenden frieren die Bilder ein und werden zu Zeichnungen, stellen die wahren Grausamkeiten nur als Gemälde dar, als Abbild der Wirklichkeit. So wie auch die Geschichte von einem zum andern Gemälde reist, und der Shakespeare-Conférencier uns die Zusammenhänge zwischen den Bildern erläutert. Szenen wie Tableaus, im filmischen Stil erzählt: Murot besucht Harloffs Sohn David. Sie trinken Wein in der leeren Wohnung und verstehen sich blendend. Der Kommissar und der Mörder benehmen sich wie Vater und Sohn - Lange getrennt, endlich vereint, und von einer Überstimme sinnig kommentiert. Oder Murot und Harloff sitzen auf der Parkbank, und ein Off-Erzähler schildert uns humorig, was gerade in den Köpfen der Figuren vor sich geht. Momente, die das Korsett einer Fernsehinszenierung und das Format eines “Fernsehkrimis“ weit sprengen. Die nichts anderes wiedergeben als eine Shakespeare-Tragödie, mit all ihren schrecklichen Mordtaten, Treueschwüren und Verrätereien, mit ihren deftigen, blutigen und komischen Szenen.

Lust am Spiel und am Experiment. Lust am Kino. Lust am Erzählen guter Geschichten. Das ist hier alles drin. Und ich glaube, wenn man sich diese Tatort-Folge öfters anschaut, findet man, wie in allen wirklich guten Geschichten, auch noch einiges mehr. Entweder hier, oder beim großen englischen Dichter …

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Reinifilm
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Beitrag von Reinifilm »

"Tatort: Im Schmerz geboren" ist in der Tat absolut großartig!

Was man von dem gestrigen Tatort "Züri brännt" nicht behaupten kann - Schnarcher mit schönen Bildern, Keine Ahnung warum der von der Kritik so abgefeiert wurde. 04/10
_______________________________________________________
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karlAbundzu
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Beitrag von karlAbundzu »

Tatort Zürich: Züri brännt
Neues Schweizer Team, einerseits die Erwartungen niedrig, weil mich das letzte Schweizer Team so gar nicht gepackt hat, so dass das eine der wenigen war, die ich ausliess.
Andererseits die Erwartungen hoch: Schon der Titel verrät, dass es hier auch um Punk geht und die legendären Unruhen mit Punk-Anteil 1980 in Zürich. Zürich damals neben London eine der Hauptstädte Europas, was diese bestimmte Jugendkultur angeht, und hier vermischte sich die Polit- die Spaß- die Drogenabteiulngen der Unangepassten. Und es geht auch gleich mit dem Hit der Zeit los: Züri brännt von TNT. Toll.
Aber dann....
Dann wird es der typische DIe Rebellen von früher sind die Angepassten von heute - Story, die wir mit den 68ern schon hundertmal durch haben.Hier gewürzt mit einer Story um die neuen Kommissarinnen. Die eine, eine kalt wirkende logisch denkende, die hofft, demnächst auf zu steigen. Die andere, die neue, die dann auch gleich mit in den Fall verwickelt wird, mit Hintergrund im psychologischen Wissen, deren familiären Beziehungen zum neuen Job geführt haben. Dazu eine schmierige Staatsanwältin. Das ist eine ganz interessante Kombination, die auch mal fieser werden kann.
Die Story aber wie gesagt nix dolles, das Ende absolut doof
► Text zeigen
.
Die Konstellation interessant, der Score prima, der Einfall, die Tote immer wieder einzubauen optisch gelungen.

PS: @reini ich habe zwei gute Kritiken gesehen, die sind lustigerweise auch von e-Punks, die jetzt etabliert sind ggg
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.

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buxtebrawler
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Beitrag von buxtebrawler »

Tatort: Friss oder stirb

„Hinsetzen!“

Der 15. Luzerner „Tatort“ um Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) – der 14. Gemeinsame mit Kommissarin Liz Ritschard (Delia Mayer) – entstand Ende 2017 unter der Regie Andreas Senns („Verfolgt – Der kleine Zeuge“) nach einem Drehbuch Jan Cronauers und Matthias Tuchmanns. Erstausgestrahlt wurde der Krimi am 30. Dezember 2018.

„Es kann nicht jeder mit Privilegien geboren werden – sonst wären’s ja keine mehr!“

Die Luzerner Wirtschaftsprofessorin Meili, die an der örtlichen Universität lehrte, wird durch mehrere Messerstiche ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden. Die Kommissare Flückiger und Ritschard hegen einen Anfangsverdacht gegen den CEO des Schweizer Unternehmens „Swisscoal“, Anton Seematter (Roland Koch, „Bettys Diagnose“). Auf den hat es auch der Deutsche Mike Liebknecht (Mišel Matičević, „The Company“) abgesehen, dessen Bremerhavener Arbeitsplatz gerade wegrationalisiert wurde, weil Seematter Stellen nach Asien verlagert hat. Liebknecht überfällt Seematters Frau Sofia (Katharina von Bock, „Plötzlich Deutsch“) und Tochter Leonie (Cecilia Steiner, „Ziellos“) im Familienanwesen und wartet auf dessen Ankunft, um von ihm den Lohn einzufordern, den er in den knapp 20 Arbeitsjahren bis Rentenantritt verdient hätte. Doch auch die beiden Kommissare treffen irgendwann ein…

Die plappernden Navigationsgeräte während der Autofahrten der Beteiligten zieht sich als wiederkehrendes Motiv durch diesen „Tatort“, der sein Publikum zunächst einmal eine halbe Stunde lang in die Irre führt, bis er das Motiv des Home-Invasion-Geiselnehmers preisgibt. Bis dahin hat man von einer möglichen Affäre des Mordopfers sowie etwaigen ausgeschlagenen Bestechungsversuchen erfahren und Cecilia Steiner in hübsch gemachten Poolschwimmszenen im Bikini gesehen, die die luxuriöse Ausstattung des Anwesens veranschaulichen. Hinsichtlich seiner Motivation hielt sich Liebknecht bis zum Eintreffen des Familienoberhaupts jedoch bedeckt und würdigte die Luxusdamen kaum eines Worts.

Nachdem sich Herr und Frau Kommissar zur illustren Runde hinzugesellt haben, gerät der „Tatort“ zum Kammerspiel, wenngleich in einer recht großzügigen „Kammer“. Schüsse Fallen und Karten werden neu gemischt, Fallen gestellt, Sympathien neu verteilt, sich miteinander verschworen, gegenseitig umzubringen versucht und anschließend verbrüdert. Das ist mal durchaus gewitzt, mal aber auch kaum noch nachvollziehbar. Vor allem aber bietet all das kaum Möglichkeiten für die Kommissare, ihrer Arbeit nachzugehen, da sie sich die meiste Zeit in der Gewalt des Geiselnehmers befinden und beinahe sämtliche Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg getroffen werden. Sollte es sich dabei um einen absichtlichen Kniffs des Drehbuchs gehandelt haben, hätte man daraus gern mehr machen dürfen, beispielsweise durch eine tatsächlich konsequente Handlungsunfähigkeit des ermittelnden Duos.

Der u.a. mit Johnny Cashs „Danny Boy“ und „Paint It Black“ der Rolling Stones musikalisch unterlegte Krimi mit Thriller- und Familendrama-Anleihen bedient einige Klischees in Bezug auf die stinkreiche Familie und zeichnet vor allem Leonie eindimensional als hassenswerten Stinkstiefel. Der Fall zieht sich bisweilen und mündet in ein melodramatisches Ende, an das ein wenig glaubwürdiger, die Klischees überstrapazierender Epilog gehängt wird, der die Identität des Mörders preisgibt, dessen Überführung quasi nur noch Formsache ist. Als Pointe ist das eher unbefriedigend, wenngleich sich Senn und seine Autoren redlich um Kapitalismuskritik bemühen und die (Nicht-)Käuflichkeit von Menschen auf eigentlich vielversprechender Grundlage thematisieren. In seinem Ergebnis ist dieser „Tatort“ mir aber mit zu dickem Pinsel aufgetragen, zu wenige Zwischentöne aufweisend und unterm Strich eine ganz schöne Räuberpistole, die, stärker mit Genrecharakteristika ausgestattet, sicherlich unterhaltsamer ausgefallen wäre. 5,5 von 10 Beinschüssen dafür.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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karlAbundzu
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Beitrag von karlAbundzu »

Tatort Wien: Krank
Schon der zweite der aktuellen Laufzeit aus Wien, mit dem prima Doppel Krassi/Adele = Eisner/Fellner.
Es fängt an mit einer lebensbedrohlichen Situation für Eisner in einem düsteren Szenario. Dann Rückblick, wie es dazu kam. Hier Alternative Heilmethoden vs Pharmazie vs andere alternative Heilmethoden. Dazu eine Familiengeschichte um eine Mutter, die ihre Tochter nicht mehr sehen durfte, und einen kolmbianischen Guerilla-Hintergrund hat. Und noch Lobbyismus und Eisners eigene körperliche Gebrechen...
Das schöne: Trotz des düsteren Startes, und der Zuschauer weiß ja, dass es darauf hinausläuft, herrscht ein leichter, komischer Ton vor. Und da haben wir neben Krassnitzer und Neuhauser, die das ja eh schon super machen, noch den Assistenten (Thomas Stipids?) und den Leichenbeschauer (Günter Franzmeier). Gute Action gibt es auch zwischendurch, meist im Zusammenhang mit der kolumbianischen Rache-Mutter.
Das macht schon Spaß, ist aber vom Anfang bis Ende überkonstruiert, vom Zufall mitbestimmt und viel zu viel reingepackt. Schade.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.

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buxtebrawler
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Beitrag von buxtebrawler »

Tatort: Land in dieser Zeit

„Kill all Nazis“

Der fünfte „Tatort“ des in Frankfurt am Main ermittelnden Kommissarduos Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) wurde im Frühjahr 2016 unter der Regie Markus Imbodens, der seit 2011 bereits diverse Beiträge der öffentlich-rechtlichen TV-Krimi-Reihe inszeniert hatte, auf Basis eines Drehbuchs Khyana el Bitars, Dörte Frankes und Stephan Brüggenthies‘ gedreht. Die Erstausstrahlung erfolgte im Januar 2017.

„Fallfischbauch!“

Auf einen Friseursalon am Frankfurter Tettenbornplatz wird zu vorgerückter Stunde ein Brandanschlag verübt, der verkohlte Leichnam der Auszubildenden Melanie Elvering anschließend im ausgebrannten Laden aufgefunden. Auf den Bürgersteig vorm Salon wurde „Kill all Nazis“ geschrieben. Die Kripokommissare Anna Janneke und Paul Brix befragen zunächst die Leiterin des Salons, Rosi Grüneklee (Birge Schade, „Der Skorpion“), und anschließend deren junge Angestellte Vera Rüttger (Jasna Fritzi Bauer, „Jerks“). Zusammen mit Melanie war sie kurz zuvor in Streit mit dem senegalesischen Drogendealer John Aliou (Warsama Guled, „Zeit der Kannibalen“) geraten, der sich vorm Salon aufhielt und die Frauen als Nazis beschimpft hatte. Tatsächlich werden seine Fingerabdrücke an den Überresten des Brandsatzes gefunden. Doch ist er wirklich der Täter? Vera und ihre WG-Mitbewohnerin Juliane Kronfels (Anna Brüggemann, „Kleinruppin Forever“) gehören offenbar zum neurechten Milieu der Stadt, zu dem auch Kioskbesitzerin Margaux Brettner (Odine Johne, „Die Welle“) zählt…

„Waren Sie nie im Chor?!“

Woher dieser „Tatort“ seinen Titel nimmt, wird schnell klar, wenn zu Beginn das von einem Chor gesungene „Kein schöner Land“ erklingt. Beim Anblick der bis zur Unkenntlichkeit verkohlten Leiche dürfte sich manch Zuschauer(in) erschrocken haben, danach allerdings gelingt es dieser Episode kaum, nachhaltiges Interesse zu wecken. Regelmäßige Zuschauer(innen) der Janneke/Brix-„Tatorte“ müssen sich unvermittelt an einen neuen Leiter der Mordkommission gewöhnen, denn Roeland Wiesnekker hat seine Rolle als Kommissariatsleiter Henning Riefenstahl überraschend und innerhalb des Narrativs unthematisiert hingeschmissen. Als sein Nachfolger tritt nun Bruno Cathomas („Ich und Kaminski“) als Fosco Cariddi in Erscheinung, eine Rolle, die offenbar humoristisch konnotiert werden sollte, den neuen Leiter jedoch als seltsamen Freak zeichnet, der keine Gelegenheit auslässt, anlasslos schräge Gedichte des Österreichers Ernst Jandl zu deklamieren.

Dieser Running Gag erweist sich als ebensolcher Rohrkrepierer wie die Posse um die Flüchtlinge, die Brix‘ Vermieterin Fanny (Zazie de Paris) in der gemeinsamen Wohnung einquartiert hat. Ein zweifelhaftes Humorverständnis, das hier an den Tag gelegt wird – und sich auch in den überflüssigen Slapstick-Einlagen widerspiegelt, wenn wieder einmal etwas zu Boden fällt oder verschüttet wird. Auch die unvermittelten Gesangseinlagen hätte man sich besser verkniffen. Neben der Polizeiarbeit mit Verhaftung, erkennungsdienstlicher Behandlung, Gegenüberstellung und Einblicken in ein zugegebenermaßen ziemlich faszinierendes Scherbenzusammensetzungsprogramm am Polizei-PC beleuchtet dieser „Tatort“ Vera Rüttgers Umfeld zwischen Chorproben und Rockdisco. Im Rahmen der Polizeiarbeit ergeben sich Zweifel an Veras und Margaux Brettners Zeuginnenaussagen und tatsächlich hat sich manches anders zugetragen als zunächst zu Protokoll gegeben.

Zwar verweist man damit auf die sicher nicht unrealistische Unzuverlässigkeit von Zeuginnen und Zeugen, doch wohin die Reise geht, lässt sich bald erahnen: Der Verdächtige ist nicht der Täter. Handelte es sich um einen Neonazianschlag, der ihm in die Schuhe geschoben werden soll, eventuell gar in Verbindung mit einem Versicherungsbetrug? Das ist schon einmal nicht unbedingte die begnadetste Drehbuchidee, war aber vielleicht gut gemeint, um auch eher unliebsame ausländische Mitbürger wie kleinkriminelle Drogendealer vor Vorverurteilung zu schützen und aufzuzeigen, wozu sich in der Öffentlichkeit eher bieder gebende organisierte Neonazis fähig sind. Nur zeigt sich im Verlaufe der Handlung recht deutlich, weshalb gut gemeint mitunter das Gegenteil von gut gemacht ist.

Die Disco, in der einer der Kripobullen einen peinlichen Auftritt aufs Parkett legt, spielt mehr oder weniger zeitgenössische Rock- und Metal-Musik, scheint aber zugleich so etwas wie das Hauptquartier der Neonazis zu sein, wodurch diese Musik indirekt mit ihnen in Verbindung gebracht wird. Besten Dank auch… Die gekonnt aggressiv aufspielende Jasna Fritzi Bauer wertet diesen „Tatort“ zumindest so lange auf, bis das Verhalten ihrer Rolle nicht mehr nachvollziehbar ist und sie sogar für eine zum Fremdschämen anregende Szene herhalten muss, in der sie jemandem in der Disco einen runterholt. Narrativ entscheidende Ereignisse hingegen werden lediglich in Dialogform nacherzählt, aber nicht gezeigt. Wie fast alle anderen Figuren auch bleibt Vera einem fremd. In der Handlungszuspitzung darf natürlich nicht ausbleiben, dass die Polizei einen vermeintlichen Syrer aus Brix Wohnung abholt, weil es sich eigentlich um einen Afghanen handelt, und eine Muslimin wird auf der Straße von drei Männern zusammengeschlagen. Mit dem eigentlichen Fall hat all das indes nichts zu tun. Authentisch wirkt hier kaum etwas, eher wie eine einzige unfreiwillige Freakshow, an deren Ende zu allem Überfluss auch niemand überführt wird. Stattdessen suggerieren Imboden und seine Autor(inn)en, die Dealer harter Drogen würden von der Polizei mit Samthandschuhen angefasst. Das ist Wasser auf die Mühlen Rechtsradikaler und erweist „der guten Sache“, der dieser „Tatort“ mutmaßlich dienen will, endgültig einen Bärendienst. Ein absolutes Negativbeispiel für aktuelle gesellschaftliche und politische Themen aufgreifende „Tatorte“.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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karlAbundzu
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Beitrag von karlAbundzu »

Tatort Stuttgart: Der Welten Lohn
Neuer vom Team Richy Müller/Felix Klahre bzw. Thorsten Lannert / Sebastian Bootz
Eklig schmieriger Firmenchef läßt hohen Angestellten fallen, tut einerseits sozial (arbeitsplätze sichern, ich kümmer mich um alle...), ist aber leicht durchschaubar als typischer Vorzeigekapitalist. Der Angestellte kommt aus dem Knast und will Entschädigung...
Und dann ist alles so, wie man sich das nach kurzer Exposition vorstellt.
Und das ist immerhin spannend und gut erzählt, die Schauspieler überzeugen. Besonders der Score haut rein.
Gute Unterhaltung, aber kein besonderer Tatort.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.

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buxtebrawler
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Beitrag von buxtebrawler »

Tatort: Frankfurter Gold

„Gold hat etwas Magisches!“

Der „Tatort: Frankfurter Gold“ – ausgestrahlt im April 1971, sechster Beitrag zur deutschen TV-Krimireihe überhaupt – stellt das Debüt des Main-Frankfurter Hauptkommissars Konrad (Klaus Höhne, „Wilder Reiter GmbH“) dar. Für Buch und Regie zeichnet Eberhard Fechner („Vier Stunden vor Elbe 1“) verantwortlich, dessen erster „Tatort“ zugleich sein letzter wurde. Sein Drehbuch orientiert sich stark am realen Fall um den Goldfälscher Joachim Blum, mit dem Fechner für „Frankfurter Gold“ in Kontakt getreten war. Achtung, diese Besprechung enthält Spoiler!

„Isch versteh kei Wott!“

Der junge Bankier und Börsenmakler Johannes Stein (Michael Gruner, „Publikumsbeschimpfung“), ehrgeizig und aufstrebend, erliegt dem Lockruf des Geldes und der Gier und bekommt den Hals nicht voll: Er sucht sich wohlhabende Opfer für seine Betrügereien und tritt als Geschäftemacher mit todsicheren Geheimtipps auf, von denen angeblich alle Seiten profitieren. Familie Wimper, mit der Stein und seine Verlobte Barbara Ratzmann (Ilona Grübel, „Die Jungfrauen von Bumshausen“) befreundet sind, beschwatzt er, sich auf eine besonders windige Gaunerei einzulassen: Sie sollen die Goldbarren einer Schweizer Bank mit 200.000,- DM ihres Privatvermögens über einen Zeitraum von zwei Jahren beleihen. Diese Barren existieren jedoch gar nicht. Stein lässt sie vom ehemaligen Knacki Günther Ackermann (Hans Christian Blech, „Cardillac“), den er in einer Kneipe kennengelernt hat, fälschen. Ackermann bestreicht Bleibarren mit etwas Gold und Stein glaubt, damit durchzukommen, da in Bankschließfächern verschlossene und zudem in versiegelten Holzkisten aufbewahrte Barren ohnehin nicht kontrolliert würden. Doch Ackermann, von Stein stets „Einstein“ genannt, misstraut seinem Partner und trägt die Goldschicht extradünn auf, um den größten Anteil des Golds als Sicherheit zu verwahren…

„Er hat eine chamäleonische Adaptionsgabe!“

„Frankfurter Gold“ ist ein stilistisch reichlich kurioser Früh-„Tatort“: Kommissar Konrad begrüßt das Publikum im Archiv der Polizei und durchbricht die vierte Wand, indem er, eine Akte öffnend, direkt zu ihm spricht und ihm mehr Spaß an dem Fall wünscht als er gehabt habe. Was folgt, erinnert in seinem dokumentarischen Stil mehr an „Aktenzeichen XY“ denn an einen „Tatort“: Betrüger Stein verliest aus dem Off seinen Lebenslauf, der handschriftlich der Akte beiliegt, unterbrochen von Kommentaren anderer Off-Sprecher, während die Kamera weitere Bestandteile der Akte abfilmt. Die Spielszenen beginnen mit Steins Anstellung bei einem Börsenmakler an der Frankfurter Börse, auf deren Parkett er sein karges Gehalt aufstockt. Familie Wimper wird in die Handlung eingeführt, indem sie ebenfalls direkt zum Zuschauer (oder einem sich außerhalb des sichtbaren Bereichs befindenden Reporter) spricht. Die Betrügereien um die Goldbarren werden fortan chronologisch nachgespielt, hin und wieder unterbrochen von Off-Kommentaren und Erklärungen der Beteiligten. Später werden die Geldsummen, mit denen Stein gerade hantiert, eingeblendet und hoch- bzw. heruntergezählt.

„Entweder mehr Geld – oder wir erkennen die DDR an!“

Ackermann, als bauernschlauer, nicht unsympathischer alter Gauner prima von Hans Christian Blech gespielt, hat schon zu viel erlebt, um Stein ohne Weiteres zu vertrauen, Stein hingegen wird großkotzig und dekadent – und hat auch, nachdem der Betrug auffliegt, schon zu sehr von Reichtum und Anerkennung genascht, als dass er bereit wäre, diesen Lebensstil aufzugeben. Schließlich verschlägt es ihn nach Paris, wo er sich an Dr. Otto (Karl Lieffen, „Die Engel von St. Pauli“) heranwirft und in seine Geschäfte hineinzuziehen versucht. Während dieser karikierend überzeichnet angelegt wurde, gibt Michael Grunder einen schelmischen Schwindler, der mit seinem Auftreten, seiner Ausstrahlung und seiner kumpelhaften Wortgewandtheit schnell seine Mitmenschen für sich und seine Ideen einzunehmen versteht. Dem Zuzusehen macht ebenso viel Spaß wie dem Lauschen der Dialoge mit ihrem allgegenwärtigen hessischen Dialekt. Das Drehbuch scheint jedoch hier und da etwas lückenhaft. Wie ist einer der falschen Goldbarren in der Tagespresse gelandet? Und weshalb wundert sich der Kommissar nicht über die zwischenzeitliche Bahnhofsschließfachaufbewahrung der Fälschungen, wenn selbst ich es tue? Jener Kommissar übrigens stößt nach dem Auftakt erst spät wieder zur Handlung hinzu, nämlich nachdem Günter Strack („Das Wunder des Malachias“) als interessierter Goldkäufer Teufel nicht auf Stein hereingefallen ist. Stein indes geriert sich bis zum bitteren Ende derart übertrieben als Weltbänker, dass der Kommissar ihn nicht in den Knast wirft, sondern in die Klapse einweisen lässt. Und nach den Abschlusserklärungen aller Beteiligten spielt – weshalb auch immer – die zwischenzeitlich zu Steins Privatbesitz zählende Stimmungskapelle „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“.

Mit seiner besonderen Art der Inszenierung erinnert „Frankfurter Gold“ an gemeinsame Familienabende vor der Glotze, wenn das bereits erwähnte „Aktenzeichen XY… ungelöst“ über den Äther flimmerte und für leichtes Unbehagen sorgte, wenngleich man hier über die eine oder andere Kuriosität hinwegsehen muss. Dieser semidokumentarische Stil passt wiederum insofern, als, wie eingangs erwähnt, dem Ganzen ein realer Fall zugrunde liegt. Das Pikante dabei ist, dass „Frankfurter Gold“ zwei Jahre vor Beginn der Gerichtsverhandlungen gegen den Fälscher und Betrüger Joachim Blum ausgestrahlt worden war und sich Blum durch diesen „Tatort“ vorverurteilt sah. Er schaltete einen Anwalt gegen den Hessischen Rundfunk ein. All das macht Fechners Film zu einem besonderen „Tatort“, der nicht nur stilistisch aus der Art geschlagen wirkt, sondern auch dadurch reale Geschichte schrieb, dass er medienethische Fragen aufwarf.
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karlAbundzu
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Beitrag von karlAbundzu »

Tatort Münster: Limbus
Boerne macht eine Auszeit, um ein Buch zu schreiben. Nach einem letzten gemeinsamen Abendessen setzt er sich ins Auto, Fahrt Richtung Autorendomizil. Dann hat er einen lebensbedrohlichen Unfall. Schuld wohl seine Vertretung.
Das Münster-Team um Axel Prahl und Jan Josef Liefers spaltet ja oft. Den einen ist es oft zu lustig, zu albern, de anderen lieben die beiden. Die höchsten EInschlatquoten haben sie ja immer. Ich bin ihnen grundsätzlich wohlgesonnen. Hier geht es ein bißchen Richtugn Mistery: Boerne landet nach dem Unfall im Limbus, trifft dort auf einen Ewigkeitsverwalter, der genau aussieht wie Thiel Boerne gibt natürlich nicht auf, und versucht den Fall mitzuklären und greift auch hier und da in die Wirklichkeit ein.
So bekommt der ganze Tatort ein leicht surreales Setting, der Limbus könnte ehe von Kafka denn Dante inspiriert sein, schönes Zitat: "Hier ist die Hölle, natürlich gibt es hier für alles ein Formular." Aber der Fall wird nicht vernachlässigt, wie Thiel mit Hilfe seines neuen Assistenten und vor allem Silke Haller dem Hochstapler im weißen Kittel auf die Spur kommen ist spannend. Und der Humor wird hier nicht übertrieben, dem Thema angemessen, gut dosiert. Neben den Themen der Beinahetoderfahrung, Hochstapelei geht es ja auch um den Komplex, wie andere einen betrachten und was das mit einen macht.
Und ChrisTine Urspruh bekommt mehr Spielzeit, tolle Darstellerin, könnte ruhig mehr bekommen. Nadeshda (Still missing :knutsch: ) hat auch einen hübschen Kurzauftritt.
Der Score ist gut. Buch gut. Regie gut. Cast gut. Alles gut. Empfehlung.

PS: auf der ARD-Seite gibt es auch outtakes, wer sowas mag.
https://www.daserste.de/unterhaltung/kr ... s-100.html
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buxtebrawler
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Beitrag von buxtebrawler »

Tatort: Parasomnia

„Echte Nachbarschaftsliebe…“

Für den zehnten Fall des Dresdner „Tatort“-Teams um Kommissarin Karen Gorniak (Karin Hanczewski) und deren nun gar nicht mehr so neue Kollegin (weil zum vierten Mal dabei) Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) verpflichtete man „Tatort“-Ausnahmeregisseur Sebastian Marka mit der Inszenierung eines Drehbuchs Erol Yesilkayas: Der Gruselkrimi „Parasomnia“ wurde am 15.11.2020 erstausgestrahlt, nachdem er bereits fast genau ein Jahr zuvor gedreht worden war.

„Sie sieht Dinge, vor allem nachts!“

Talia (Hannah Schiller, „Eine fremde Tochter“) ist gerade einmal 14 Jahre jung, musste jedoch bereits mehrere Todesanfälle mitansehen: Vor acht Jahren verlor sie ihre Mutter (Christina Arends, „Singles' Diaries“) bei einem Verkehrsunfall, nun wurde sie einzige Zeugin eines Mordfalls – kann sich aber nicht erinnern. Der Grund: Schreckliche Ereignisse verdrängt sie aus Selbstschutz ins Unterbewusstsein, wo ihr Geist sie nachts zu verarbeiten versucht. Die Folge ist eine Parasomnie, die sich in Schlaf- und Angststörungen und Alptraumvisionen äußert: Talia sieht im wahrsten Sinne des Wortes Gespenster. Das heruntergekommene Haus, eine ehemalige SED-Bonzen-Villa, die sie gerade mit ihrem Vater (Wanja Mues, „Der Pianist“), einem Illustrator düsterer Geschichten, bezogen hat, strahlt dabei auch alles andere als Schutz und Geborgenheit aus. Die Dresdner Mordkommission hofft, mit Feinfühligkeit irgendwie an das Mädchen und damit an dessen verborgene Erinnerungen heranzukommen. Der Vertrauensaufbau gelingt insbesondere Winkler, der es jedoch nicht geheuer ist, dass Talia in ihr bald eine Ersatzmutter zu sehen scheint. Die Ermittlungen ergeben zudem, dass man einem Serienmörder auf der Spur ist, dessen Untaten bereits in alten Stasi-Akten dokumentiert sind – und nie gefasst wurde…

„Hier macht jeder, was er will!“

Alle paar Jahre wagt man sich innerhalb der „Tatort“-Reihe an Horrorsujets, diesmal ging es dafür passenderweise nach Dunkeldeutschland. Regisseur Marka und Autor Yesilkaya vermengen die Kriminalhandlung mit klassischem Haunted-House-Grusel, dessen visuelle Gestaltung insbesondere an ostasiatischen Horror der Marken „The Grudge“ oder „Ring“ erinnert. Dazu passend wählte man ein gemächliches Erzähltempo, damit der Horror schön langsam die Wirbelsäule herauf bis in den Nacken kriechen kann, und verzichtete dafür auf Jumpscares u.ä. Hannah Schiller erweist sich als ideale Schauspielerin für ihre Rolle als Talia, mimisch beherrscht sie Angst, Schrecken, Panik und Artverwandtes perfekt. Auch atmosphärisch ist „Parasomnia“ super gemacht; Marka weiß, wie man eine düstere Gruselstimmung heraufbeschwört – hat sich aber auch viel bei Genrevorbildern wie den oben genannten abgeguckt.

Erzählerisch überrascht man zumindest damit, den jüngsten Mord gar nicht zu zeigen. Zu Beginn lässt sich über die verschrobenen, gewissermaßen „typisch deutschen“ Nachbarn gar noch schmunzeln (wie auch nach der einen oder anderen aufgelösten Spannungsszene, was der Auflockerung dienlich ist). Viele kurze Rückblenden in Talias Kindheit illustrieren die Beziehung zu ihrer Mutter und ihren Schuldkomplex, was sehr bedrückend ausfällt. Die Szenen aus der Vergangenheit helfen, Talias auch tagsüber mitunter eigentümliches Verhalten zu verstehen. Ihr Vater ist ein grummeliger Griesgram, der am liebsten hätte, man ließe sein Tochter einfach in Ruhe, während sich Kommissariatsleiter Schnabel und seine beiden Oberkommissarinnen einmal mehr nicht immer einig sind. Ganz Kriminalfilm ist „Parasomnia“, wenn die Zahl der Verdächtigen wächst, falsche Fährten verfolgt und das Whodunit? ausgereizt werden.

Das macht alles einen ziemlich runden Eindruck, zumal der Spagat gut gelingt, Talias Gespenstersichtungen einerseits psychologisch zu erklären, andererseits aber einen übersinnlichen Touch in Bezug auf düstere Vorahnungen und Hilfe aus dem Jenseits beizubehalten. Ein wenig schade ist es lediglich, dass es Marka nicht gelungen ist, etwas wirklich Eigenständiges einzubringen, statt sich derart stark an naheliegenden Genrefilm-Vorbildern zu orientieren. So ist es zwar eine Überraschung, dass „Tatort“ Nr. 1.144 zur Hälfte dem Horror-Genre zugerechnet werden kann, sein Verlauf jedoch ist durchaus spannend, aber – zumindest für ein genreerfahrenes Publikum – kaum wirklich überraschend. Dennoch: Wirklich gute, herbstliche Sonntagabendunterhaltung, bei der sich manch eine(r) immer tiefer die Decke ins Gesicht gezogen haben dürfte.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
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