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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: So 23. Jun 2013, 16:49
von horror1966
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Entscheidung am Yellow Rock
(Yellow Rock)
mit Michael Biehn, James Russo, Lenore Andriel, Michael Spears, Eddie Spears, Peter Sherayko, Christopher Backus, Clay Wilcox, Brian Gleason, Amy Jennings, Paul Sloan, Jennifer Blanc, Elaine Lockley Smith
Regie: Nick Vallelonga
Drehbuch: Lenore Andriel / Steve Doucette
Kamera: Matt Garrett
Musik: Randy Miller
FSK 16
USA / 2011

Kalifornien, 1880. Eine Gruppe von Cowboys reitet in die Geisterstadt Yellow Rock. Ihr Anführer, Max Dietrich, heuert den Trapper Tom Hanner an, um sie in das Indianer-Territorium der ''Black Paw'' zu führen. Sie sind auf der Suche nach Vermissten. Hanner akzeptiert, sofern sie die Genehmigung der indianischen Stämme erhalten, ihr Land zu betreten. Dann beginnt die gefährliche Reise. Es kommt zum Showdown auf Indianergebiet...


Es ist immer so eine Sache mit den Filmen, auf deren DVD-Covern irgendwelche Auszeichnungen von diversen Film-Festivals prangen, denn zumeist steigen die Erwartungen des Zuschauers dadurch in Höhen, die das Endergebnis dann aber letztendlich nicht erfüllen kann. Nur eher selten tritt der Fall ein, das man es wirklich einmal mit einem Werk zu tun bekommt, das auch nach eigenem Empfinden würdig ist, die abgebildeten Auszeichnungen empfangen zu haben. Nicht anders verhält es sich leider auch bei vorliegendem "Entscheidung am Yellow Rock", der unter der Regie von Nick Vallelonga (Stiletto) entstanden ist, der jedoch einige durchaus gute Ansätze nicht konsequent weiterverfolgt und stattdessen mit einer Geschichte aufwartet, die sich recht schnell als äußerst vorhersehbar und teilweise uninspiriert herausstellt. So müsste man beispielsweise schon ziemlich stark auf den Kopf gefallen sein um nicht zu merken, das die Gruppe von Cowboys ganz andere Ziele verfolgt, als wie es in der Inhaltsangabe zu lesen ist. Desweiteren wird der mystische Aspekt des Geschehens, der phasenweise während der Ereignisse, am stärksten jedoch erst gegen Ende durchschimmert eher fast fahrlässig in den Hintergrund geschoben, obwohl er wohl ziemlich augenscheinlich ein Hauptbestandteil des Ganzen werden sollte. An dieser Stelle hat sich Vallelonga anscheinend zu sehr verzettelt und seiner Story somit aber auch ihre größte Stärke geraubt, denn bei einer intensiveren Beleuchtung des Indianer-mystischen Erzählstranges wäre das gewonnene Gesamtbild ganz sicher weitaus besser ausgefallen, als es letztendlich der Fall ist.

Ganz generell kommt der indianische Aspekt in der Geschichte viel zu kurz, denn obwohl man schon in der Einleitung erfährt, das genau dieser Punkt im Prinzip die Kern-Thematik darstellen soll, wird die Story doch viel eher aus der Sicht der Weißen erzählt, die wie eigentlich fast immer in Western ziemlich klischeehaft als boshafte und habgierige Menschen dargestellt werden. Mit der Darstellung ist es dann aber auch wieder so eine Sache und dieses Mal bezieht sich die Kritik auf das dargebotene Schauspiel der jeweiligen Akteure. Dieses gestaltet sich nämlich recht durchschnittlich, worunter fast zwangsläufig die gesamten Charaktere leiden müssen. Es gibt keine einzige Figur, die hier einen nachhaltigen Eindruck beim Betrachter hinterlässt, vielmehr erscheinen die meisten Personen sehr blass und austauschbar, wohingegen manche Figuren wie beispielsweise die Ärztin fast schon überflüssig daher kommen und man sich die berechtigte Frage stellt, warum sie überhaupt installiert wurden. Diese ganzen eher negativen Kritikpunkte schmälern das Gesamtbild doch ganz erheblich, so das "Entscheidung am Yellow Rock" in seiner eigenen Banalität der Ereignisse versinkt und sich maximal im absoluten Durchschnittsbereich ansiedeln kann.

Dabei wäre an dieser Stelle wirklich viel mehr möglich gewesen, wenn Vallelonga die angedeuteten Aspekte besser herausgearbeitet hätte und seiner Geschichte damit prägende Konturen verliehen hätte. Doch das Szenario dümpelt phasenweise eher etwas vor sich hin, was selbst den reinen Unterhaltungswert des Ganzen sichtbar einschränkt. Lediglich die streckenweise aufkommende Western-Atmosphäre kann man als durchaus gelungen bezeichnen und bewahrt das Szenario vor einem Rohrkrepierer. Ansonsten aber muss man sich mit einem mäßigen Spannungsaufbau und einigen netten Einschüssen begnügen und das ist ehrlich gesagt ein bisschen zu wenig, um von einem richtig überzeugenden Spät-Western zu sprechen, der jedoch auf jeden Fall möglich gewesen wäre.

Und so kann man letztendlich "Entscheidung am Yellow Rock" als einen Film bezeichnen, den man sich zwar durchaus einmal anschauen kann, an den man jedoch keine zu großen Erwartungen knüpfen sollte, da die Geschichte diese keinesfalls erfüllen kann. Als zu vorhersehbar entpuppen sich die Ereignisse und obwohl eigentlich der Grundstein für eine gelungene Erzählweise gelegt wird, versinkt diese schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit in den üblichen Klischees, die zudem noch nicht einmal sonderlich spannend dargestellt werden. So bekommt man es also einmal mehr mit einem Werk zu tun, das anscheinend diverse Auszeichnungen erhalten hat und man fragt sich dabei, nach welchen Kriterien diese vergeben wurden. Natürlich ist das alles reine Geschmackssache, doch im Endeffekt sollte man doch von einem solchen Film ein wenig mehr erwarten können, als es einem in vorliegendem Fall präsentiert wird.


Fazit:


Die Auszeichnungen als "Bester film" und "Beste Regie" auf dem "Red Nation Film Festival" sind dann also auch keineswegs die Garantie für einen herausragenden Film, der hier aber durchaus hätte entstehen können, wenn der Regisseur sich auf die Stärken der angedeuteten Thematik besonnen-und diese bis zum Ende konsequent verfolgt hätte. So aber bleibt nicht mehr als ein Western, dessen Sichtung sicherlich keine Zeitverschwendung ist, ein nachhaltiger Eindruck wird aber definitiv nicht hinterlassen.


5/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Di 25. Jun 2013, 11:52
von horror1966
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Man lebt nur zweimal
(You Only Live Twice)
mit Sean Connery, Akiko Wakabayashi, Mie Hama, Tetsurô Tanba, Teru Shimada, Karin Dor, Donald Pleasence, Bernard Lee, Lois Maxwell, Desmond Llewelyn, Charles Gray, Tsai Chin, Peter Fanene Maivia
Regie: Lewis Gilbert
Drehbuch: Roald Dahl / Harold Jack Bloom
Kamera: Freddie Young
Musik: John Barry
FSK 12
Großbritannien / 1967

Ein amerikanisches Raumschiff ist im All abgefangen worden und verschwunden. James Bond 007 macht sich, nachdem er in Hongkong zum Schein ermordet wurde, nach Japan auf, wo er Aki, die Assistentin des Geheimdienstchefs Tiger Tanaka, kontaktiert. In der Firma Osaka Chemicals gelangt er an wichtige Informationen. Er entkommt mit Aki, die einem Giftattentat zum Opfer fällt. Als Japaner getarnt, entdeckt er mit seiner Angetrauten Kissy das Lager seines Erzfeindes Blofeld und stürmt mit Tanakas Ninjas dessen Vulkanbasis.


Mit Lewis Gilbert nahm nun im fünften James Bond-Abenteuer der dritte Regisseur auf dem Regie-Stuhl platz, doch ob man allein diesen Aspekt für das langsam sinkende Niveau verantwortlich machen kann, lasse ich einmal dahin gestellt. Damit wir uns an dieser Stelle nicht falsch verstehen, "Man lebt nur zweimal" ist keineswegs ein schlechter Bond-Film, weist jedoch zu den Vorgängern definitiv einige unübersehbare Schwächen auf, die man als Fan der Reihe auf keinen Fall ignorieren kann. Denkt man beispielsweise an die malerischen Schauplätze auf den Bahamas, die im Vorgänger "Feuerball" noch für ein richtiges Fernweh-Gefühl sorgten, so erscheint die dieses Mal gewählte Location in Japan doch eher nüchtern und löst beim Zuschauer eher weniger Begeisterung aus. Kann man sich mit diesem Fakt aber noch arrangieren, so ist es doch in der Hauptsache die augenscheinliche Müdigkeit eines Sean Connery, der anscheinend der Rolle des britischen Geheimagenten müde geworden ist, was in etlichen Passagen recht augenscheinlich zu erkennen ist. Kaum noch etwas ist zu spüren von der zuvor enthaltenen Leichtigkeit, vielmehr entsteht der Anschein, das sich der gute Mann hier mehr schlecht als recht durch die Geschichte quälen muss, was den Seh-Genuss doch sichtlich beeinträchtigt. Selbst die ansonsten witzigen Sprüche-und Dialoge kommen ihm etwas schwerfällig über die Lippen und es fehlt ganz einfach am ansonsten vorhandenen Esprit, der die Figur des James Bond doch so charmant erscheinen lässt.

Kein Wunder also, das mit "Man lebt nur zweimal" auch der vorübergehende Abschied des schottischen Schauspielers eingeläutet wird, merkt man doch eindeutige Abnutzungserscheinungen, so das der Reihe durch einen neuen Hauptdarsteller wieder neues Leben eingehaucht werden muss. Dennoch gestaltet sich vorliegende Geschichte immer noch recht gut unterhaltend, auch wenn es ihr an wirklichen Höhepunkten mangelt und auch die Action-Passagen sicherlich nicht zu den Besten gehören, die man in Bond-Filmen zu sehen bekommt. Zum mittlerweile schon dritten Mal bekommt es der britische Agent mit der Verbrecherorganisation SPECTRE zu tun, wobei er hier auch zum ersten Mal seinen Erzfeind Blofeld wirklich zu Gesicht bekommt. Gespielt wird dieser von Donald Pleasence (Halloween, Die Fürsten der Dunkelheit) und auch wenn die Figur nur wenige Minuten zu sehen ist, hinterlässt es einen befriedigenden Eindruck, den sonst im Hintergrund agierenden Schurken endlich einmal zu Gesicht zu bekommen. Nicht weniger als das Auslösen eines Weltkrieges steht auf dem Plan des Superschurken, wobei er die beiden Supermächte USA und Russland gegeneinander ausspielen will, was Bond selbstverständlich zu verhindern versucht, um am Ende einmal mehr die Welt vor einer Katastrophe zu retten.

Nun präsentiert sich das Geschehen zwar auch durchaus spannend, leidet jedoch ein wenig unter der dieses Mal eher mäßig besetzten Darsteller-Riege. Zum ersten Mal hat man nämlich das Gefühl, das fast alle Charaktere ziemlich blass bleiben und zudem auch noch sehr austauschbar erscheinen. Bonds direkter Gegenspieler Osato ist ein prägnantes Beispiel für diese These, rückt die Figur doch kaum in den Vordergrund und fristet eher ein Schattendasein. Ebenso kann auch Karin Dor aus deutscher Sicht nicht wirklich punkten was aber auch darin begründet ist, das ihre Rolle kaum Möglichkeiten zur darstellerischen Entfaltung bietet. So könnte man die Liste jetzt weiter fortführen, denn das gesamte Geschehen ist viel zu sehr auf Bond selbst zugeschnitten, so das sämtliche anderen Charaktere kaum wirklich zur Geltung kommen. An sich wäre dieser Punkt gar nicht einmal als negativ zu bewerten, doch durch die Tatsache das Connery hier längst nicht zur gewohnten Höchstform aufläuft, fällt dem Zuschauer das insgesamt mäßige Schauspiel der Akteure viel intensiver auf.

Letztendlich bewegt man sich bei "Man lebt nur zweimal" immer noch auf einem recht hohen Niveau, merkt jedoch andererseits ganz eindeutig, das die Bond-Reihe einige neue Impulse benötigt. Ein etwas müde erscheinender Hauptdarsteller ist dabei das beste Indiz dafür, zudem ist auch die Geschichte an sich nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Das es sich aber dennoch um Kritik auf gehobenem Niveau handelt soll man insbesondere bei einigen späteren Werken der Reihe feststellen, nach denen man die trotzdem vorhandene Qualität des vorliegenden Filmes erst so richtig zu schätzen lernt.


Fazit:


"Man lebt nur zweimal" zählt sicherlich nicht zu den allerbesten Filmen der Bond-Reihe, bietet aber immer noch qualitativ gute Unterhaltung, die sich über dem normalen Durchschnitt ansiedelt. Dennoch sind diverse Schwächen unübersehbar, die man jedoch gerade aus heutiger Sicht durchaus verzeihen kann, da noch einige Filme folgen sollten, die viel schwächer geraten sind.


7/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Di 25. Jun 2013, 14:41
von horror1966
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Im Geheimdienst ihrer Majestät
(On Her Majesty's Secret Service)
mit George Lazenby, Diana Rigg, Telly Savalas, Gabriele Ferzetti, Ilse Steppat, Lois Maxwell, George Baker, Bernard Lee, Bernard Horsfall, Desmond Llewelyn, Yuri Borionko, Virginia North, Geoffrey Cheshire
Regie: Peter R. Hunt
Drehbuch: Simon Raven / Richard Maibaum
Kamera: Michael Reed
Musik: John Barry
FSK 16
Großbritannien / 1969

In seinem Urlaub hindert James Bond die attraktive Tracy Draco am Selbstmord. Sie ist die Tochter des Anführers eines Verbrechersyndikats, der sich von Bond beeindruckt zeigt und wünscht, dass er seine Tochter heiratet. Im Austausch bietet Draco an, wertvolle Hinweise auf die Ergreifung von Bonds Erzfeind Blofeld geben zu können. Bond willigt ein und verliebt sich wider besseres Wissen in Tracy. Als bekannt wird, dass Blofeld die Welt mit einem tödlichen Virus bedroht, findet sich 007 zwischen allen Stühlen wieder.


Wenn man die Frage nach dem schlechtesten Bond-Darsteller-und dem schlechtesten Film der gesamten Reihe stellt, erhält man nicht gerade selten die Antworten George Lazenby und "Im Geheimdienst ihrer Majestät". Dabei sind beide Antworten im Prinzip überhaupt nicht gerechtfertigt, macht der australische Schauspieler als James Bond seine Sache doch überraschend gut und der Film an sich zählt meiner persönlichen Meinung nach zu den besten der gesamten Reihe. Sicherlich ist es zu Beginn noch gewöhnungsbedürftig, nicht mehr das bekannte Gesicht von Sean Connery zu sehen, doch ist die optische Ähnlichkeit Lazenby's durchaus hilfreich, das dieser Aspekt gar nicht einmal weiter ins Gewicht fällt. Am meisten jedoch stören sich die meisten Gegner dieses sechsten Abenteuers des britischen Agenten wohl an der recht außergewöhnlichen Erzähl-Struktur der Geschichte, die sich doch ziemlich erheblich von den bisherigen Filmen unterscheidet. Mag dies einerseits im erneuten Wechsel auf dem Regie-Stuhl begründet sein auf dem dieses Mal Peter R. Hunt platz nahm, so ist die Hauptursache wohl darin zu finden, das man der Reihe neue Impulse verleihen wollte. Was dann also vielen Leuten eher störend erschien, sind dabei die großen Stärken eines Werkes, das nicht nur neue Wege geht, sondern auch bei den altbewährten Zutaten eine ganze Menge zu bieten hat.

So beginnt die Geschichte gleich mit ordentlich Tempo und legt insbesondere einen ordentlichen Anteil an Action-Passagen an den Tag, in denen sich der neue Bond zudem extrem gut ins Bild rücken kann. Wirkte Connery zuletzt doch ziemlich müde und ausgelaugt, so kann Lazenby in etlichen Nahkämpfen sein Können unter Beweis stellen und ist dabei streckenweise richtig gut in Fahrt. Die Kämpfe mögen aus heutiger Sicht dennoch etwas antiquiert erscheinen, wirken jedoch nicht annähernd so gestellt, wie es zuvor einige Male der Fall war. Und in Sachen Action kann dieser Bond nun wirklich überzeugen, zumal der Zuschauer auch mit herrlichen Verfolgungsjagden in den Schweizer Alpen konfrontiert wird, die absolut sehenswert ins Bild gesetzt wurden. Und auch wenn es 007 hier einmal mehr mit Ernst Stavro Blomfeld zu tun bekommt, der übrigens grandios von Telly Savalas interpretiert wird, erscheint das Szenario keinesfalls eintönig oder gar langweilig, spaltet sich die vorliegende Story doch dieses Mal in zwei Erzählstränge, die parallel zueinander laufen. In dieser Tatsache liegt wohl auch ein weiterer Kritikpunkt vieler Fans, denn "Im Geheimdienst ihrer Majestät" entpuppt sich insbesondere in der ersten Stunde mit fast dramatischen Zügen, die man bisher nicht gewohnt war. So kommt hier gleich zu Beginn der weibliche Faktor in den Vordergrund, rettet bond doch die bildhübsche, aber anscheinend depressiv veranlagte Tracy Draco (Diana Rigg) vor dem Selbstmord, woraus sich in der Folge eine echte Romanze entwickeln soll, die am Ende sogar in einer Heirat gipfelt. Das die Beziehung jedoch nur von kurzer Dauer ist, fügt dem Ganzen im Showdown einen bitteren Beigeschmack hinzu, der äußerst tragische Züge erkennen lässt und den Betrachter mit einem eher flauen Gefühl entlässt.

Diese oft genannte Schwäche des Werkes ist aber in meinen Augen seine große Stärke, werden dem britischen Agenten doch menschliche Züge verliehen und da, wo ansonsten alles mit Coolness und Lässigkeit überspielt wurde, lässt man Platz für echte Emotionen, die bei James Bond bisher eher verkümmert erschienen. Der eigentliche Fall, nämlich einmal mehr Blofeld aufzuhalten, kristallisiert sich hier erst viel später heraus und wieder einmal will der Superschurke der gesamten Welt einen gewaltigen Schlag versetzen. Einige Dinge ändern sich also nicht, doch andererseits halten hier etliche neue Zutaten Einzug in das Geschehen, das in seiner Gesamtheit einen richtig gelungenen Vertreter der Bond-Reihe darstellt und leider viel zu oft und vollkommen zu Unrecht als schlechtester Teil der Reihe bezeichnet wird. Auch Lazenby in der Rolle des Geheimagenten hätte es durchaus verdient gehabt, noch mehrere Male in dessen Rolle zu schlüpfen, denn seine Darstellung konnte doch in allen Belangen voll überzeugen. Mit Diana Rigg in der weiblichen Hauptrolle hat man hier auch alles genau richtig gemacht, ihre Performance als Gemütskranke Comtesse verleiht dem Ganzen unglaublichen Glanz und erscheint zudem absolut authentisch. Von ihren optischen Reizen zur damaligen Zeit muss man nicht weiter Stellung nehmen, gilt sie doch auch heute noch als eines der hübschesten Bond-Girls aller Zeiten, was nach Ansicht dieses Filmes auch vollkommen berechtigt erscheint.

Auch wenn "Im Geheimdienst ihrer Majestät" oft genug als schlechtester Bond-Film aller Zeiten genannt wird, ist hier eigentlich eher das Gegenteil der Fall. Das Werk siedelt sich meiner Meinung nach ganz oben in der Bewertungs-Skala ein und bringt allein durch die vielen Neuerungen frischen Wind in die Reihe, die zu diesem Zeitpunkt ein wenig stagnierte. Gleichzeitig wurde aber nicht auf die üblichen-und sehr beliebten Zutaten verzichtet, so das sich insgesamt ein sehr rundes und stimmiges Gesamtbild ergibt, das auch in der heutigen Zeit immer noch überzeugen kann. Eine tolle Geschichte, viel Spannung, sehr gute Darsteller und ein Schuss Dramatik sind ein Garant für allerbeste Unterhaltung, die man sich aus der Bond-Reihe definitiv nicht wegdenken kann.


Fazit:


Vollkommen zu Unrecht als Eintagsfliege bezeichnet, versteht es George Lazenby in der Rolle des britischen Agenten zu überzeugen und wirkt so in einem der besten Filme mit, die bisher in dieser Reihe erschienen sind. Eine großartig agierende Diana Rigg steht ihm dabei hilfreich zur Seite und auch die restlichen Komponenten der Geschichte hinterlassen einen durchaus nachhaltigen-und äußerst positiven Eindruck.


9/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mi 26. Jun 2013, 10:19
von horror1966
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Kings of the City
(Grupo 7)
mit Inmaculada Alcántara, Andrés Blanco, Javier Berger, Manuel Bernal, Jacinto Bobo, Edu Bulnes, Adelfa Calvo, Jesús Carroza, Mario Casas, Pedro Cervantes, Inma Cuesta, Antonio José Fernández, Juan Carlos de Borbón
Regie: Alberto Rodríguez
Drehbuch: Rafael Cobos / Alberto Rodríguez
Kamera: Alex Catalán
Musik: Julio de la Rosa
FSK 16
Spanien / 2012

Sevilla 1987: Die pulsierende Metropole bereitet sich auf die Weltausstellung vor. Währenddessen tobt ein Drogenkrieg in nie dagewesener Härte. Vier Cops bilden die Unit 7, eine Spezialeinheit, die es mit den härtesten Drogenkartellen aufnehmen kann. Nach und nach geraten die Ermittler in einen gnadenlosen Sog, in dem die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Als sie zu weit gehen und einer der mächtigsten Drogenbosse zum Gegenschlag ausholt, dreht der junge Cop Angel durch...


In regelmäßigen Abständen erscheinen immer wieder hervorragende Film-Beiträge unserer spanischen Nachbarn und mit "Kings of the City" präsentiert Regisseur Alberto Rodríguez hier einen knallharten Cop-Thriller, der insbesondere durch sein hohes Maß an Authentizität zu überzeugen weiß. Dabei wurde vollkommen darauf verzichtet die Geschichte auf Hochglanz zu trimmen, vielmehr setzen die Macher auf eine nüchterne-und fast dreckige Grundstimmung, die dem Zuschauer das Geschehen äußerst glaubwürdig näher bringt. Im Fokus der Ereignisse steht eine vierköpfige Spezialeinheit, die in Sevilla das vorherrschende Drogenproblem bekämpfen soll, steht doch die Expo 1992 vor der Tür. Die Erfolge des Teams sind zu Beginn mehr als nur überschaubar und an dieser Stelle setzt dann die eigentliche Faszination des Szenarios ein, entscheiden sich die Cops doch dazu, die Wege des Gesetzes zu verlassen und durch illegale Mittel ihre Erfolgsrate aufzubessern. Dieser Aspekt ist dann auch der Hauptbestandteil des Ganzen und konfrontiert einen mit einem Charakter-Wandel der Hauptfiguren, wie man ihn kaum besser hätte ins Bild setzen können. Dabei lebt die Geschichte sowieso zu einem Großteil von den exzellenten Darstellungen seiner vier Haupt-Charaktere, ergibt sich in diesem Punkt doch eine äußerst harmonische Einheit. Hervorheben möchte man aber dennoch die Person des jungen Angel (Mario Casas), der hier eine ganz fantastische Performance an den Tag legt.

Ist der Jüngste im Team zu Beginn ein noch eher verschüchterter-und zurückhaltender Ermittler der auch nicht gerade selten von seinen Kollegen auf den Arm genommen wird, so verändert sich sein Charakter im Laufe des Geschehens dermaßen, das einem stellenweise kalte Schauer über den Rücken jagen. Der Spagat zwischen Gesetzestreue und illegalen Machenschaften geht insbesondere an seiner Person nicht spurlos vorbei und der junge Mann entwickelt eine Härte, die man ihm niemals zugetraut hätte. Die Machenschaften der Spezialeinheit bleiben selbstverständlich nicht ohne Folgen, selbst in den eigenen Reihen der Polizei kommen Bedenken auf, ob die Erfolge alle mit legalen Mitteln erreicht wurden. Und so steht die Truppe dann einerseits unter der Beobachtung der eigenen Behörden und muss sich auf der anderen Seite mit dem Hass der Drogen-Dealer und Junkies auseinandersetzen. Diese ganzen Abläufe entbehren phasenweise auch nicht einer gewissen Tragik, die jedoch keinesfalls theatralisch oder gar überzogen in Szene gesetzt wurde. Selbst diese Passagen erscheinen eher nüchtern und erlangen dadurch ein extrem hohes Maß an Intensität und erscheinen zudem äußerst glaubwürdig.

"Kings of the City" ist ein absolutes Paradebeispiel dafür, wie die Arbeit eines Menschen seinen Charakter ändern kann, wobei sämtliche Moralvorstellungen über den Haufen geworfen werden und auch die eigene Seele Schaden nimmt. Dieser Punkt verleiht dem Film unglaublich viel Tiefgang und wird durch das herausragende Schauspiel der Akteure noch zusätzlich unterstützt. Ungeschönt und sehr realistisch gewährt Alberto Rodríguez dem Betrachter einen tiefen Einblick in eine Welt, in der die Grenzen zwischen Moral, Gesetz und Verbrechen verschwimmen und sich in ein undurchdringliches Netz aus Manipulation und Korruption verwandeln. Dabei entfaltet das Szenario eine unglaubliche Intensität und zieht einen selbst immer tiefer in einen sogartigen Strudel, aus dem man sich nicht mehr befreien kann. Das Ganze ist dabei sehr temporeich-und streckenweise auch action-geladen ins Bild gesetzt, so das man mit einem wirklich gelungenem Gesamtbild konfrontiert wird, das wenig Grund zur Beanstandung bietet.

Zumeist sind es die eher unscheinbaren Titel, die letztendlich wirklich positiv überraschen können. "Kings of the City" fällt ganz eindeutig in diese Kategorie, denn geht man im Prinzip mit eher niedrigen Erwartungen an den Film heran, ist die Überraschung über das Gesehene im Endeffekt umso größer. Wer knallharte-und kompromisslose Cop-Thriller zu schätzen weiß, darf sich diesen imposanten Film keinesfalls entgehen lassen, präsentiert sich doch ein insgesamt sehr harmonisches-und absolut stimmiges Gesamtbild, das man in dieser Form nicht so wirklich erwartet hätte.


Fazit:


Ein eher unspektakuläres DVD-Cover kann einen hier schnell in eine falsche Richtung lenken, ist daraus doch keinesfalls zu erkennen, welch toller Film sich dahinter verbirgt. Eine tolle Geschichte, grandiose Darsteller und eine nüchterne, aber umso intensivere Atmosphäre machen "Kings of the City" zu einem Werk, das man ohne wenn und aber als echten Geheim-Tipp einstufen kann.


8/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mi 26. Jun 2013, 18:15
von horror1966
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Diamantenfieber
(Diamonds Are Forever)
mit Sean Connery, Jill St. John, Charles Gray, Lana Wood, Jimmy Dean, Bruce Cabot, Putter Smith, Bruce Glover, Norman Burton, Joseph Fürst, Bernard Lee, Desmond Llewelyn, Leonard Barr, Lois Maxwell
Regie: Guy Hamilton
Drehbuch: Richard Maibaum / Tom Mankiewicz
Kamera: Ted Moore
Musik: John Barry
FSK 16
Großbritannien / 1971

Um den Mord an seiner Ehefrau Tracy zu rächen, verfolgt James Bond seinen Erzfeind Blofeld bis nach Kairo, wo er ihn in einem Schlammtümpel versinken sieht. Wieder in London erhält 007 den Auftrag, einen internationalen Diamanten-Schmuggelring auszuheben. Bond schleust sich als Bandenmitglied ein und reist mit einer Ladung Edelsteine nach Las Vegas, wo er eine schockierende Entdeckung macht: Hinter dem Ring steht niemand anderes als Blofeld - diesmal in doppelter Ausführung.


Nachdem Sean Connery seinen Abschied eingereicht hatte und einmalig durch den unterschätzten George Lazenby ersetzt wurde, kehrte er nun in Guy Hamilton's "Diamantenfieber" noch einmal in die Rolle des James Bond zurück. Nach dem tragischen Ende des Vorgängers "Im Geheimdienst ihrer Majestät" fällt es nicht schwer sich auszumalen, das sein größtes Bestreben darin liegt, sich wegen dem Mord an seiner Frau zuerst an Blofeld zu rächen, der für deren Tod verantwortlich zeichnet. Und so wird dem Zuschauer auch gleich in den ersten Minuten suggeriert, das Bond seinen Erzfeind tötet, was sich jedoch im Laufe der Geschichte als Trugschluss herausstellen soll, denn der Superschurke findet doch erst am Ende des Filmes seinen scheinbaren Tod, wobei keinesfalls klar dargestellt wird, das der Bösewicht wirklich ums Leben gekommen ist. Wie dem aber auch sei, im Gegensatz zu seinen letzten beiden Auftritten wirkt Connery hier wieder top in Form und scheint zudem auch wieder Lust an der Rolle zu verspüren. Das er auch in optischer Hinsicht deutlich reifer erscheint, verleiht dem Ganzen sogar einen Hauch von Seriosität und steht dem älter gewordenen Agenten sehr gut zu Gesicht steht. Dieses Mal muss sich der britische Super-Agent mit der Frage auseinandersetzen, warum jemand unzählige Diamanten hortet und was er mit dieser Maßnahme bezweckt.

Die Reise führt dabei über etliche Umwege nach Las Vegas und konfrontiert den Betrachter außerdem mit dem wohl bisher skurrilsten Mörder-Päärchen der bisherigen Bond-Historie, denn mit Mr. Wint (Bruce Glover) und Mr. Kidd (Putter Smith) agieren hier zwei augenscheinlich schwule Auftrags-Killer, die dem Ganzen durch die Art ihrer Tötungen einen ganz eigenen Stempel aufdrücken und die Szenerie zusätzlich mit einer Art von morbidem Humor auflockern. Guy Hamilton hat in vorliegendem Fall wirklich viele Register gezogen, denn neben einem ordentlichen Tempo und jeder Menge sehenswerter Action-Einlagen wurden der Story auch zahlreiche Irrwege beigefügt, bis der Zuschauer letztendlich erkennen kann, wer wirklich hinter dem brillanten-und teuflischen Plan steht, der dem Ganzen Szenario zu Grunde liegt. So muss Bond eine ganze Menge Gefahren meistern, bis er am Ende einmal mehr die Welt vor einer Katastrophe bewahren kann. Dabei steht im als Bond-Girl Jill St. John zur Seite, die vielleicht nicht zu den hübschesten Damen der Reihe zu zählen ist, aber in schauspielerischer Hinsicht eine absolut gelungene Performance zum Besten gibt.

Von den bisher erschienenen Filmen der Reihe bietet "Diamantenfieber" aus meiner Sicht sogar eine der Vielseitigsten und dennoch erscheint einem das gewonnene Gesamtbild nicht so rund-und stimmig, wie man es aufgrund dessen eigentlich vermuten sollte. Dabei kann man noch nicht einmal genau sagen an welcher Stelle es hakt, doch ein richtiger Funke will eigentlich zu keiner Zeit überspringen. Eventuell empfinde auch ich das nur so, doch obwohl man hier im Prinzip sämtliche Zutaten für einen gelungenen Bond serviert bekommt, ist die Gesamt-Komposition irgendwie nicht richtig überzeugend. In diesem Punkt werden sich die Geister natürlich wieder einmal scheiden, doch die Rückkehr Connery's erscheint mir ein wenig deplaciert, weshalb man sich auch nur leidlich damit arrangieren kann. Man hätte es Lazenby gegönnt, selbst Rache für den Tod seiner Frau zu nehmen und nach seiner gelungenen Performance in "Im Geheimdienst ihrer Majestät" zumindest noch eine Chance zu bekommen, noch weiter in die Figur hinein zu wachsen.

Letztendlich ist "Diamantenfieber" beileibe kein schlechter Vertreter der Bond-Reihe und siedelt sich definitiv über dem Durchschnitt an, ich persönlich konnte aber noch nie so richtig mit diesem siebenten Abenteuer des smarten Agenten warm werden. Das unspektakuläre und nicht wirklich bestätigte Ende von Blofeld ist sicherlich ein Grund dafür und ansonsten gibt es eigentlich recht wenig an diesem Film auszusetzen, der dennoch nie zu meinen absoluten Lieblingen der Reihe aufsteigen wird. Dennoch ist es ein recht versöhnlicher Abschied für Sean Connery, der danach (1983) ja noch einmal in die Rolle des James Bond schlüpfen sollte (Sag niemals nie), wobei der Titel ja nicht zur offiziellen Bond-Historie zu zählen ist.


Fazit:


Tempo, Action und Geschichte ergeben im Prinzip ein gutes Gesamtbild und dennoch hinterlässt "Diamantenfieber" bei mir immer einen seltsam sterilen Eindruck, den ich nicht wirklich begründen kann. Trotzdem lässt sich das Werk gut anschauen und beinhaltet auch durchaus einige richtig gute Momente, so das der geneigte Bond-Fan auf jeden Fall auf seine Kosten kommt.


7/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Do 27. Jun 2013, 17:37
von horror1966
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Messias des Bösen
(Messiah of Evil)
mit Michael Greer, Marianna Hill, Joy Bang, Anitra Ford, Royal Dano, Elisha Cook Jr., Charles Dierkop, Bennie Robinson, Morgan Fisher, Emma Truckman, Dyanne Asimow, Herb Margolis, Alex Michaels
Regie: Willard Huyck / Gloria Katz
Drehbuch: Willard Huyck / Gloria Katz
Kamera: Stephen M. Katz
Musik: Phillan Bishop
FSK 18
USA / 1973

Die junge Arletty begibt sich in das abgelegene Küstenstädtchen Pointe Dune, weil sich ihr dort lebender Vater schon seit längerem nicht mehr gemeldet hat. Sie findet sein Haus verlassen vor, schließt aber Bekanntschaft mit Thom und seinen beiden Begleiterinnen Laura und Toni. Thom ist aus Interesse an der örtlichen Legende vom blutigen Mond in die Stadt gekommen. In der Tat benehmen sich die Bewohner von Pointe Dune ausgesprochen seltsam...


Es ist schon erstaunlich, das man immer wieder auf eher unbekannte Perlen des Genres trifft, die bisher eher unbeachtet an einem vorbeigezogen sind. "Messiah of Evil", wie dieser feine Beitrag aus den frühen 70er Jahren im Original heißt ist ein prägnantes Beispiel dafür, bekam das Werk von Willard Huyck und Gloria Katz doch erst jetzt eine deutschsprachige DVD-Veröffentlichung spendiert, die aufgrund der Klasse des Filmes doch schon weitaus früher ihre Berechtigung gehabt hätte. Mit einem offensichtlich recht geringem Budget wurde es geschafft hier eine Geschichte zu kreieren, die den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute absolut in ihren Bann zieht und dabei eine fast schon hypnotische Wirkung hinterlässt. Nun könnte man sich die Sache eher leicht machen und "Messias des Bösen" schlichtweg als Vertreter des Zombie-Filmes einordnen, wobei man dem Ganzen jedoch nicht so ganz gerecht werden würde. Sicherlich sind diverse Elemente des Sub-Genres ziemlich augenscheinlich, doch im Prinzip versteckt sich hinter dem Offensichtlichen eine außergewöhnlich gelungene Mischung aus Horror-und Mystery, in der die Erklärungsversuche für die ominösen Ereignisse sich eher stark bedeckt halten.

Dieser Aspekt mag nun von vielen Leuten eventuell als Schwäche des Szenarios ausgelegt werden, doch eigentlich liegt genau hier eine der absoluten Stärken dieses feinen Film-Juwels, wird doch das Meiste der Interpretation des Zuschauers überlassen, der sich schon während des Filmes seine Gedanken macht, wie das Ganze denn nun wirklich zusammenhängen könnte. Die Macher setzen vielmehr auf die teils unglaubliche Ausdruckskraft ihrer Bilder und setzen dabei auf eine nahezu grandiose Kamera-Arbeit. Gleichzeitig wird aber auch auf ein kräftiges Spiel mit den Farben gesetzt, so das nicht selten der Eindruck entsteht, das man sich auch in einem italienischen Frühwerk des Horrorfilms befinden könnte. Teilweise gewagte Farb-Kompositionen unterstützen diesen Eindruck und auch die Entstehung des eher subtilen Horror in Verbindung mit diversen blutigen Passagen lässt starke Anlehnungen an etliche italienische Genre-Vertreter erkennen. So stellt dieser Film allein schon in visueller Hinsicht einen absoluten Leckerbissen dar, doch auch die Geschichte an sich mit ihren etlichen Andeutungen die zu keiner Zeit eine wirklich ausführliche Erklärung nach sich ziehen, setzt sich im Kopf des Betrachters fest. Erwartet man ansonsten immer eine rundum zufriedenstellende Erklärung für sämtliche Abläufe, so ist man in diesem Fall eher erleichtert darüber, das genügend Spielraum für die eigene Fantasie gelassen wird und nicht jedes Detail bis ins Kleinste erläutert wird.

Nur so können die Ereignisse auch ihre ganze Faszination entfalten, die sich dann auch innerhalb kürzester Zeit vollends auf einen überträgt, wobei man selbst schon fast zum Spielball des mysteriösen Szenarios wird, das sich in der Kleinstadt abspielt. Im Laufe der Zeit offenbart der Film dabei einige Passagen, die für eine gepflegte Gänsehaut sorgen und an manchen Stellen läuft es einem sogar eiskalt den Rücken runter. Mein persönliches Highlight ist dabei der Abschnitt im städtischen Kino, denn gruseliger-und bedrohlicher hätte man diese Sequenz keinesfalls in Szene setzen können. Doch ganz generell beinhaltet "Messias des Bösen" einen dramaturgischen Spannungsaufbau, der einem merklich unter die Haut fährt. Unterstützt von einer herausragenden Grundstimmung manifestiert sich der aufkommende Horror dabei tief unter der Haut und nimmt einen mit in die geheimnisvolle Welt von Point Dune, wo sich die ominösesten Dinge abspielen, für die man bis wenige Minuten vor dem Ende keinerlei Erklärung erhält, sondern lediglich mit etlichen verschwommenen Andeutungen konfrontiert wird, die Haupt-Charakter Arletty (Marianna Hill) den schriftlichen Aufzeichnungen ihres scheinbar verschwundenen Vaters entnehmen kann. Durch diesen Aspekt der Geschichte versinkt man selbst immer tiefer in der bedrohlich anschwellenden Atmosphäre, die größtenteils so dicht erscheint, das man sie mit einem Messer durchschneiden könnte. Man verliert sich fast in dem Geschehen und berauscht sich gleichzeitig an den herausragenden Bildern, die einem phasenweise präsentiert werden. Durch das brillante Farbenspiel entsteht dann wie schon kurz erwähnt die hypnotische Kraft eines Szenarios, das in seiner Gesamtheit eine absolut grandiose Gesamt-Komposition ergibt, an der man sich nur zu gern ergötzt.

Letztendlich handelt es sich bei "Messias des Bösen" um ein absolutes Kleinod des Genres, das sich kein echter Fan durch die Lappen gehen lassen sollte. Einmal mehr bekommt man ein Paradebeispiel dafür geboten, das einem herausragendem Film nicht zwangsläufig ein hohes Budget zu Grunde liegen muss, sondern das es auf den Inhalt und die Verpackung einer Geschichte ankommt. Was Willard Huyck und Gloria Katz hier in Szene gesetzt haben, ist in meinen Augen schon fast ein kleines Meisterwerk, in dem die vorhandenen Zutaten eine stimmige-und rundum gelungene Einheit ergeben, die den Zuschauer vom Anfang bis zum Ende begeistert. Wer also gelungenen Mystery-Horror mit einigen blutigen Passagen und genügend Freiraum für eigene Interpretationen zu schätzen weiß, ist bei diesem Werk genau an der richtigen Stelle und sollte bedenkenlos zur DVD greifen.


Fazit:


Eine fesselnde Story, jede Menge Spannung, grandiose Bilder und eine jederzeit faszinierende Atmosphäre machen dieses Film-Juwel zu einem absoluten Hingucker. Mittlerweile vier Jahrzehnte konnten diesem Werk rein gar nichts anhaben, an dem sich so mancher Vertreter der Neuzeit eine dicke Scheibe abschneiden könnte.


9/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Fr 28. Jun 2013, 19:09
von horror1966
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Leben und sterben lassen
(Live and Let Die)
mit Roger Moore, Yaphet Kotto, Jane Seymour, Clifton James, Julius Harris, Geoffrey Holder, David Hedison, Gloria Hendry, Bernard Lee, Lois Maxwell, Tommy Lane, Earl Jolly Brown, Roy Stewart, Lon Satton
Regie: Guy Hamilton
Drehbuch: Tom Mankiewicz
Kamera: Ted Moore
Musik: George Martin
FSK 16
Großbritannien / 1973

Drei britische Agenten sind auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen. Bei der Aufklärung dieser Morde sieht sich James Bond der schwarzen und gefährlichen Welt des Voodoo Zaubers und des Okkulten ausgesetzt. Hinter dem verhängnisvollen Vorhang des Mystizismus verbirgt sich eine gewaltige Organisation, die mit harten Drogen Geschäfte macht. Die geheimnisvolle und wunderschöne Hellseherin Solitaire bringt James Bond zwar auf die Fährte der mächtigen Hintermänner, aber auch in höchste Lebensgefahr.


In diesem Film bekommt es der Zuschauer nun das erste Mal mit Roger Moore in der Rolle des britischen Geheimagenten James Bond zu tun und Moore feiert dabei einen recht gelungenen Einstand. Das zweite Bond-Abenteuer in den 70er Jahren bietet dann auch einmal nicht die üblichen Szenarien, in denen die Welt von einem Superschurken bedroht wird, sondern widmet sich mit seiner Kern-Thematik des Drogen-Schmuggels eher einer "normalen" Geschichte, die deswegen aber keinesfalls minder spannend daher kommt. Regisseur Guy Hamilton hat dabei ein durchaus gelungenes Geschehen auf den Weg gebracht, in dem Neueinsteiger Moore fast gänzlich ohne technische Spielereien auskommt, lediglich seine nicht im normalen Handel erhältliche Armbanduhr soll ihm vor allem zum Ende hin noch sehr wertvolle Dienste leisten, denn ohne den Zeitmesser wäre es wohl ein einmaliges Gastspiel des smarten Briten geworden, der im Laufe der Jahre die meisten Einsätze als Bond-Darsteller anhäufen sollte. Ansonsten wird aber auf sämtliche Gadgets verzichtet, weswegen die Ereignisse im Gegensatz zu diversen Vorgängern auch äußerst nüchtern erscheinen, was jedoch nicht als negative Kritik aufgefasst werden sollte.

Das Szenario legt nämlich ein ordentliches Tempo an den Tag, wobei insbesondere die Verfolgungsjagden in den kleinen Motorbooten in den Sümpfen Louisianas einen absoluten Höhepunkt des Filmes darstellen. Als Gegenspieler Bond's tritt dieses Mal mit Yaphet Kotto ein Gegner auf, der mit einer straff organisierten Organisation einen regen Drogenhandel treibt, was manch einem eventuell für einen Bond-Film schon etwas zu banal erscheint. Dennoch entwickelt sich mit der Zeit eine spannende-und sehr interessante Story, der auch durchgehend ein leichter Hauch einer Voodoo-Atmosphäre anhaftet, was dem Ganzen eine größtenteils wunderbar dichte Grundstimmung verleiht. "Leben und sterben lassen" dürfte wohl rückblickend das mit Abstand ernsthafteste Abenteuer des britischen Geheimagenten sein, in dem der gute Roger Moore in der Hauptrolle zu sehen ist. Zwar gibt es hier und da schon einige lockere Sprüche zu hören und ganz generell beinhalten die Dialoge einen netten Anteil an Wortwitz, doch gerade wenn man einige der noch folgenden und teils recht stark überzogenen Filme zum Vergleich nimmt, schneidet vorliegendes Szenario noch sehr gut ab und bietet dem Betrachter ein Geschehen, das für Bond-Verhältnisse fast schon zu ernst erscheint. Es ist natürlich Geschmackssache, aber ein klein wenig vermisst man schon das typische Feeling, das ansonsten durch die mittlerweile zur lieben Gewohnheit gewordenen Gadgets verbreitet wird, doch trotzdem handelt es sich immer noch um einen überdurchschnittlich guten Vertreter der Reihe.

Nun wird dem guten Roger Moore ja oft genug nachgesagt, das er in dieser Rolle immer ein wenig zu blasiert-und affektiert gewirkt hat, wobei das in diesem Film noch nicht so stark zum Ausdruck kommt. Wirkt er doch drahtig und agil, was jedoch in weiteren Abenteuern so manches Mal ein wenig anders ins bild gesetzt wird. Das mag aber auch ein jeder etwas anders sehen, doch im Gegensatz zu Sean Connery oder auch Timothy Dalton wird dem Zuschauer wirkt Moore ein wenig weicher, so das man ihm die Figur des knallharten Geheimagenten vielleicht nicht wirklich abnimmt. Dafür bekommt man es hier jedoch mit dem typischen Gentleman zu tun, dessen elegantes Auftreten auch eine ganze Menge für sich hat. Lediglich in den Action-Passagen ist es oft sehr gewöhnungsbedürftig die nötige Glaubwürdigkeit an den Tag zu legen, wobei dieser Aspekt auch erst in späteren Filmen stärker ins Gewicht fällt.

"Leben und sterben lassen" zählt also sicherlich nicht zu den allerbesten Vertretern der James Bond-Reihe, bietet aber gerade durch die verhältnismäßig normale Geschichte einmal eine gelungene Abwechslung und wirkt im Vergleich mit diversen anderen Fällen herrlich normal. Zumindest kann man also von einem doch gelungenen Debüt sprechen, das der mittlerweile 85-Jährige Moore hier an den Tag legt, der einen von nun an noch in sechs weiteren Filmen begleiten soll, die sich in Sachen Qualität teilweise stark unterscheiden. Der endgültige Wechsel in der Hauptrolle ist jedenfalls wirklich geglückt und man bekommt einen insgesamt gesehen anständigen Bond-Film zu Gesicht, den man sich in regelmäßigen Abständen immer wieder gut anschauen kann.


Fazit:


Aller Anfang ist schwer und einen Sean Connery zu ersetzen, ist sicherlich nicht die leichteste Aufgabe. Dennoch hat man hier einen ordentlichen Neuanfang hinbekommen, auch wenn es sich von der Thematik her um einen eher ungewöhnlichen Bond-Film handelt. Tempo, Spannung und eine wunderschöne Jane Seymour als Bond-Girl ergeben eine gelungene Mixtur, die kurzweilige-und gute Unterhaltung bietet.


7/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Sa 29. Jun 2013, 14:36
von horror1966
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Der Mann mit dem goldenen Colt
(The Man with the Golden Gun)
mit Roger Moore, Christopher Lee, Britt Ekland, Maud Adams, Hervé Villechaize, Clifton James, Richard Loo, Soon-Tek Oh, Marc Lawrence, Bernard Lee, Lois Maxwell, Marne Maitland, Desmond Llewelyn, James Cossins
Regie: Guy Hamilton
Drehbuch: Richard Maibaum / Tom Mankiewicz
Kamera: Ted Moore / Oswald Morris
Musik: John Barry
FSK 16
Großbritannien / 1974

Dem M16 wurde eine goldene Kugel zugestellt, in die "007" eingraviert ist. Der Geheimdienst vermutet, dass sie von Scaramanga,stammt, der bestbezahlte Auftragskiller der Welt, der es auf ein Duell mit Bond angelegt hat. Bond, der eigentlich nach dem vermissten Solartechniker Gibson fahndet, macht sich auf die Suche nach Scaramanga, bevor dieser ihm zuvorkommen kann. Als er den Killer in dessen asiatischen Unterschlupf aufstöbert, wird 007 klar, dass der Mann mit dem goldenen Colt es vor allem auf einen neuartigen Solex-Agitator abgesehen hat.


Nach dem recht guten Einstieg von Roger Moore in "Leben und sterben lassen" lag nun das zweite Abenteuer mit dem neuen Bond-Darsteller vor, das sich jedoch bis auf wenige Ausnahmen als eher laues Lüftchen entpuppt und insgesamt wohl zu einem der unwichtigsten Filme der gesamten Reihe zu zählen ist. Das dieses Werk dabei nicht zum totalen Rohrkrepierer mutiert ist wohl hauptsächlich dem Aspekt zu verdanken, das in der Rolle des Bösewichtes niemand anders als der großartige Christopher Lee zu sehen ist, der für solche Figuren ja geradezu prädestiniert ist. Und so verkörpert er den Charakter des charismatischen Auftragsmörder Scaramanga auch in seiner üblichen Art, indem er der Figur einen äußerst edlen-und fast schon aristokratischen Touch verleiht. Auch wenn die Kern-Thematik sich im Prinzip um die in der Inhaltsangabe angesprochene Solar-Technik handelt wird dem Zuschauer recht schnell klar, das letztendlich das gesamte Szenario auf einen unvermeidlichen Showdown zwischen Bond und seinem Gegenspieler hinausläuft, so das die eigentliche Thematik viel eher ein kleines Schattendasein führt und einen ehrlich gesagt auch gar nicht einmal sonderlich interessiert. Das erwartete Finale der beiden Gegenspieler gestaltet sich dann jedoch längst nicht so spektakulär wie erwartet, sondern entpuppt sich vielmehr als seicht dargestellter Endkampf, der keinen sonderlich nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Das kann man aber auch ganz generell auf die gesamte Geschichte beziehen, die zwar durchaus ihre starken Momente beinhaltet, insgesamt gesehen aber doch zu den schwächeren der Reihe zu zählen ist.

Eine kleine Besonderheit beinhaltet jedoch auch dieses Bond-Abenteuer, ist doch in einer Nebenrolle die Schwedin Maud Adams zu sehen, die in einem späteren Film (Octopussy) dann sogar ihren Auftritt als weibliche Hauptdarstellerin feiern darf. Ansonsten wird der weibliche Part dieses Mal von der jungen-und bildhübschen Britt Ekland übernommen, die so wie Bond selbst als Agentin agiert. Das schön anzusehende Äußere täuscht aber keinesfalls darüber hinweg, das die Figur an sich extrem unglaubwürdig und sehr naiv dargestellt wird. Phasenweise erscheint die Person der Agentin Goodnight schon ziemlich albern, muss Ekland doch tollpatschig und unbeholfen agieren, was die Berufswahl doch sehr in Frage stellt. Wahrscheinlich wollte man der Figur damit einen gewissen Charme verleihen, doch dieser Schuss ging vielmehr nach hinten loss, so das die gute Britt wohl als eine der dümmlichsten Agentinnen überhaupt in die Geschichte eingehen wird. So wie die von ihr dargestellte Person verhält es sich auch mit einem Großteil des Geschehens, das eher selten einen wirklich ernsten Eindruck hinterlässt und phasenweise schon etwas zu albern daher kommt. Dazu zählt auch die Figur des Schnick-Schnack, der hier als eine Art Kampfzwerg in Erscheinung tritt, denn der Kleinwüchsige mimt doch allen Ernstes den Leibwächter Scaramanga's. Was wohl eher witzig und charmant wirken soll, hinterlässt viel eher Kopfschütteln beim Betrachter, so das man die ganze Chose dann auch selten wirklich ernst nehmen kann.

In Sachen Action muss sich der Film nicht allzu viel vorwerfen lassen, die üblichen Verfolgungsjagden und einige Nahkämpfe sind wie immer enthalten und dennoch merkt man einmal mehr, das Roger Moore in den entsprechenden Szenen nicht so glaubwürdig agieren kann wie ein Sean Connery, da dieser irgendwie weitaus robuster erschien. Dieses Manko soll sich dann auch durch die folgenden fünf Filme ziehen, bevor Moore von Timothy Dalton abgelöst wird. Wie aber soll man nun "Der Mann mit dem goldenen Colt" einigermaßen fair beurteilen, verdient das Werk doch sicherlich den üblichen Bond-und Nostalgie Bonus, erzählt aber andererseits eine eher nichtssagende Geschichte, die einem nicht allzu lange in Erinnerung bleiben wird. Zu unrund und teils albern kommt das Ganze daher und lediglich ein wie immer grandios agierender Christopher Lee sorgt für den nötigen Unterhaltungswert. Ansonsten hat dieses zweite Abenteuer mit Roger Moore eher weniger zu bieten und reiht sich keinesfalls im oberen Bewertungs-Drittel ein, wenn es darum geht, den besten Bond-Film zu küren.

Zum mittlerweile vierten Mal zeichnete Guy Hamilton für die Regie eines Bond-Filmes verantwortlich und seine letzte Arbeit sollte sogleich auch seine Schwächste sein. Natürlich werden die Meinungen hierüber wieder einmal auseinander gehen, doch "Der Mann mit dem goldenen Colt" ist nun wirklich alles andere als ein gänzlich überzeugender Film der Reihe. Die humorigen Einlagen wirken streckenweise viel zu überzogen und albern und auch der gute Roger Moore weiß nicht so wirklich zu überzeugen. Dennoch kann man sich dieses Werk noch recht gut anschauen, zu einem Höhepunkt des Bond-Universums ist es aber definitiv nicht zu zählen. Man muss sich in vorliegendem Fall also mit einem Film zufrieden geben, der gerade einmal oberen Durchschnitt anbietet und in etlichen Phasen zu sehr an eine Komödie erinnert, wobei man doch vielmehr einen gelungenen Agenten-Film erwartet, der sich leider viel zu selten zu erkennen gibt. Hamilton's Mischung will in diesem Fall nicht so richtig zünden, so das der gewonnene Gesamteindruck nicht vollends überzeugen kann.


Fazit:


Auch der zweite Film mit Roger Moore hinterlässt kein wirklich überzeugendes Gesamtbild, zu unausgegoren erscheint die Geschichte an etlichen Stellen. Alberner Humor und eine groteske Darstellung einiger Figuren ist da auch nicht sonderlich hilfreich, um die Wertung dieses Filmes aufzubessern. Als Bond-Fan kommt man aber dennoch nicht an diesem Werk vorbei, wird es aber höchstwahrscheinlich nicht so regelmäßig sichten, wie es bei einigen anderen Filmen der Reihe der Fall ist.


6/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: So 30. Jun 2013, 16:28
von horror1966
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Der Spion, der mich liebte
(The Sy Who Loved Me)
mit Roger Moore, Barbara Bach, Curd Jürgens, Richard Kiel, Caroline Munro, Walter Gotell, Geoffrey Keen, Bernard Lee, George Baker, Michael Billington, Olga Bisera, Desmond Llewelyn, Edward de Souza, Vernon Dobtcheff
Regie: Lewis Gilbert
Drehbuch: Christopher Wood / Richard Maibaum
Kamera: Claude Renoir
Musik: Marvin Hamlisch
FSK 12
Großbritannien / 1977

James Bond scheint immun gegen jede noch so heimtückische Waffe, aber nicht gegen den Charme einer schönen Frau. Deshalb bedient sich der russische Geheimdienst diesmal einer extrem raffinierten Geheimwaffe - der schönen Agentin Anya Amasowa. Aber aus einem anderen Grund sind die besten Agenten der Welt mobilisiert: Der größenwahnsinnige Stromberg bastelt in seiner Unterwasser-Festung an einem weltweiten Vernichtungsplan. Und eine ganz exquisite Falle lauert auch hier auf Agent James Bond OO7...


Gerda in der James Bond Reihe ist es immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich doch die einzelnen Filme bewertet werden. Auch "Der Spion, der mich liebte" stellt hier keine Ausnahme dar, denn bezeichnen nicht wenige Leute dieses Werk als Startzeichen für den Qualitätsverslust der Roger Moore-Bonds, so ist für andere zum ersten Mal ein qualitativ nicht unerheblicher Aufschwung zu erkennen, der endlich wieder frischen Wind in die leicht angestaubte Film-Reihe wehen lässt. Ich persönlich zähle mich zur zweiten Gruppe, denn mit dem zum ersten mal verantwortlichen Regisseur Lewis Gilbert erfährt das Format doch nicht nur etliche technische Neuerungen, auch im Bezug auf Tempo und Action legt man eine ordentliche Schippe zu, wenn man insbesondere den etwas mauen Vorgänger "Der Mann mit dem goldenen Colt" zum Vergleich heranzieht. Zum zweiten Mal bekommt es der britische Agent mit einem deutschen Schauspieler als Gegner zu tun, denn kein Geringerer als der große Curd Jürgens ist in der Rolle des größenwahnsinnigen Stromberg zu sehen, der die Welt in den nuklearen Holocaust treiben will, um sein eigenes Imperium auf dem Meeresboden aufzubauen. Nun kann man sich trefflich über diese eher fantastische Thematik streiten, doch beinhaltet sie auf jeden Fall eine absolut faszinierende Note, was dem Zuschauer auch phasenweise in grandiosen Bildern vermittelt wird. Viele Fans sehen jedoch in Jürgens lediglich einen groben Abklatsch des von Gert Fröbe dargestellten Auric Goldfinger, der Sean Connery im dritten Abenteuer das Leben schwer machte und dabei eine für alle weiteren Bond-Filme sehr hohe Messlatte für die Darstellung des Superschurken an den Tag legte.

Zugegebenermaßen erscheint Jürgens in seiner Rolle eher ruhig und gediegen, doch wo ihm viele Fans gerade dadurch die nötige Bedrohlichkeit absprechen, kommt diese doch viel eher eben durch diesen Aspekt vortrefflich zum Ausdruck. In seiner immer ruhigen Stimme vermeint man regelrecht das Böse zu verspüren und auch der offensichtliche Wahnsinn des Mannes kommt durch seine bedachte Wortwahl und die gleichbleibende Stimmlage extrem gut zum Ausdruck. Neben der Eröffnungs-Sequenz in den Bergen von Österreich, in der man Zeuge einer der besten Verfolgungsjagden auf Skiern wird, sind vor allem die technischen Neuerungen als absoluter Höhepunkt des Filmes anzusehen. Zum ersten Mal wird einem dabei auch ein etwas tieferer Einblick in die Waffenschmiede von "Q" gewährt, in der man mit so manchen absonderlichen Waffen konfrontiert wird. Und so gibt es auch für James Bond einige nette neue Gadgets, wobei das neue Super-Auto wohl das absolute Highlight darstellt. Und das stellt sich nicht nur im Straßenverkehr heraus, denn der Lotus Esprit entpuppt sich auch gleichzeitig als Unterwasser-Fahrzeug, was eine totale Neuerung im Bezug auf die Neuerungen darstellte.

Eine weitere Neuerung ist die Einführung des Bösewichtes "Beißer", der in der Folge von den Fans auch gern liebevoll "Beißerchen" genannt wurde. Gespielt wurde die Figur von dem 2, 20 Meter großen Hünen Richard Kiel und sein Markenzeichen ist neben den körperlich imposanten Merkmalen unbestritten das Stahlgebiss, von dem man sich besser fernhalten sollte. Bei dieser Figur handelt es sich auch um den einzigen Bösewicht der für das Grobe zuständig ist, der mehr als nur einen Auftritt in der Bond-Reihe hat, trifft man doch auch im Nachfolger "Moonraker - Streng geheim" einmal mehr auf den sympathischen Killer, den man trotz seines Auftrages Bond zu töten, ganz automatisch in sein Herz schließt. Den Part des Bond-Girls übernahm dieses Mal die bildhübsche Barbara Bach, obwohl für die Rolle eigentlich Louis Chiles vorgesehen war, die ihren Auftritt dann jedoch auch erst in "Moonraker" haben sollte. Bach kann in der Rolle der russischen Agentin durchgehend überzeugen und so wären wir auch schon bei einer weiteren Premiere der Reihe, arbeiten doch der britische MI6 und der russische KGB zum ersten Mal in einer Art Zweckgemeinschaft zusammen, da Atom-U-Boote beider Länder auf mysteriöse Art und Weise verschwunden sind.

Letztendlich trennen sich also auch bei "Der Spion, der mich liebte" wie eigentlich bei jedem Bond-Film die Meinungen, für mich persönlich handelt es sich hier jedoch um einen der besten Filme überhaupt. Insbesondere im Vergleich mit dem biederen Vorgänger findet hier in fast allen Belangen eine Art Quantensprung statt, denn dem Betrachter offenbart sich eine durchgehend spannende Geschichte, die mit viel Tempo und ordentlich Action angereichert wurde. Die Einführung etlicher technischer Spielereien und des beliebten Bösewichtes "Beißer" sorgen dann für die nahezu perfekte Abrundung und präsentieren ein insgesamt äußerst stimmiges Gesamtbild, das man sich auch heute noch immer wieder gern anschaut.


Fazit:


"Der Spion, der mich liebte" ist der bisher stärkste Film, in dem Roger Moore als James Bond unterwegs ist. Waren die beiden Vorgänger schon recht sehenswert, wobei sie jedoch etwas zu zahm und bieder wirkten, so hat Lewis Gilbert hier ein Szenario auf den Weg gebracht, das ordentlich Pepp enthält und in keiner Phase auch nur annähernd langatmig erscheint.


8,5/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: So 30. Jun 2013, 17:11
von horror1966
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Der Unsichtbare
(The Invisible Man)
mit David McCallum, Melinda O. Fee, Craig Stevens, Paul Kent, William Prince
Regie: Alan J. Levi / Sigmund Neufeld Jr. / Robert Michael Lewis
Drehbuch: Harve Bennett / Steven Bochco u.A
Kamera: Enzo A. Martinelli
Musik: Pete Rugolo / Henry Mancini
FSK 12
USA / 1975

Fesselnd von der ersten Minute werden die spannenden Abenteuer des Wissenschaftlers Dr. Daniel Westin gezeigt. Dieser hat eine sensationelle Formel entwickelt, die jeden Körper unsichtbar macht. Als die Regierung seine Entdeckung beansprucht, fürchtet er, dass sie zu kriminellen Zwecken missbraucht wird. Deshalb flüchtet er und probiert als Experiment die Formel am eigenen Leib aus. Doch es gelingt ihm nicht, sich wieder sichtbar zu machen. Nur mit einer Maskerade ausgestattet kann er wieder wahrgenommen werden. Seine Frau ist in das Geheimnis eingeweiht und mit ihrer Hilfe sucht er nach einem geeigneten Heilmittel. Unterdessen erhält er von dem Laborleiter Walter Carlson diverse Aufträge in geheimer Mission. Da kommt Dr. Daniel Westin seine Unsichtbarkeit sehr zu Nutze ...


Fast vier Jahrzehnte hat dieser Serien-Klassiker nun schon auf dem Buckel und nun endlich ist es dem Label Ascot Elite zu verdanken, das man die komplette Serie nun auch auf DVD begutachten kann. Sicherlich mag das Format aus heutiger Sicht für viele Leute eher altbacken und bieder erscheinen, doch gerade zur damaligen Zeit konnte man insbesondere die vorhandenen Effekte als recht fortschrittlich bezeichnen. In der Hauptrolle ist der damals noch junge David McCallum (Navy C.I.S) zu sehen, der aufgrund eines gescheiterten Experiments nicht mehr sichtbar wird und nur mit einer speziellen Maske für seine Umwelt sichtbar wird. Die Abenteuer, die er hier in Zusammenarbeit mit seiner Ehefrau und seinem Laborleiter erlebt, beinhalten nun nicht unbedingt action-geladene Szenarien, entpuppen sich jedoch in sämtlichen Episoden als äußerst interessant, so das hier eigentlich zu keiner Zeit auch nur der Anflug von Langeweile aufkommen sollte. Dafür sorgt allein schon die charmante Inszenierung der einzelnen Folgen, denen nicht nur jedes Mal eine spannende Thematik zu Grunde liegt, auch der vorhandene Humor lässt ein gewisses Flair entstehen, das dieser Serie einen unverwechselbaren Stempel aufdrückt.

Schaut man sich die komplette 4 DVD-Box einmal an, dann kann man eigentlich nicht so richtig nachvollziehen, warum das Format damals in den USA nach nur 13 Episoden eingestellt wurde. Doch den Gesetzen des Marktes folgend gaben die zu geringen Einschaltquoten ganz einfach nicht genügend her, um diese im Prinzip sehr unterhaltsame Serie weiter zu führen. So wird man dann leider auch nie erleben, ob es Dr. Westin gelingen wird, den Prozess der Unsichtbarkeit rückgängig zu machen, denn durch das abrupte Einstellen des Formates ist hier selbstverständlich kein aufschlussreiches Ende vorhanden. Eigentlich ist das sehr schade, denn ganz generell hätte man hier doch noch allzu gern etliche weitere Folgen gesehen, in denen das erfolgreiche Team sich in den Dienst der Menschheit stellt und dabei große, aber durchaus auch kleinere Probleme aus dem Weg räumt, um der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen.

Dabei gestalten sich die einzelnen Episoden durchaus mit etlichen Facetten ausgestattet, wird doch nicht nur hochgestellten Persönlichkeiten geholfen, in einigen Folgen sind es auch sehr menschliche Probleme von normalen Bürgern, die sich der Aufmerksamkeit des Teams sicher sein können. Dieser Aspekt macht die gesamte Serie umso sympathischer und verleiht ihr gleichzeitig einen unglaublichen Charme. Hinzu kommt das wirklich gelungene Schauspiel der Darsteller, die allesamt durch äußerst gelungene Performances ins Auge fallen und dem Ganzen einen persönlichen Stempel aufdrücken. Und obwohl sich manche der Episoden mit wirklich brisanten Fällen umgeben, haben die Macher sorgfältig darauf geachtet, das dem jeweiligen Szenario immer die nötige Prise Witz und Humor beigefügt wurde, was im Endeffekt diese außergewöhnlich gute Mischung ergibt, die sich dem Zuschauer letztendlich offenbart.

Insgesamt gesehen kann man auf jeden Fall behaupten, das "The Invisible Man" auch in der heutigen Zeit jederzeit kurzweilige Unterhaltung anbietet, die man sich immer wieder gut anschauen kann. Und damit meine ich längst nicht nur die Nostalgiker und älteren Semester, denn hier präsentiert sich ein Format für die ganze Familie, das jung und alt begeistern dürfte. Eine Anschaffung dieser schönen Box ist also auf jeden Fall lohnenswert, ist doch als Extra auch die Pilot-Folge in voller Länge enthalten, die damals für die Vorabend-Ausstrahlung in der ARD auf das Episoden-Format von gut 45 Minuten gekürzt wurde. Wer die erste Folge also in ihrer vollen Pracht von 90 Minuten erleben will, braucht nur auf der vierten DVD die Extras anwählen und bekommt die 90 Minuten Version geboten, in der die zusätzlichen Passagen jedoch deutsch untertitelt sind.


Fazit:


Danke an Ascot Elite, die diesen stark unterschätzten und viel zu früh abgesetzten Serien-Klassiker nun endlich auf DVD und BD herausgebracht haben. 13 Episoden extrem kurzweilige und äußerst charmante Unterhaltung können nun jederzeit gesichtet werden und man muss sich nicht gedulden, bis sich mal wieder ein TV-Sender erbarmt und die Serie ins Programm aufnimmt.


8/10