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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Di 19. Mär 2013, 15:58
von horror1966
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Die Folterkammer des Hexenjägers
(The Haunted Palace)
mit Vincent Price, Debra Paget, Lon Chaney Jr., Frank Maxwell, Leo Gordon, Elisha Cook Jr., John Dierkes, Milton Parsons, Cathie Händler, Guy Wilkerson, Harry Ellerbe, Barboura Morris, Darlene Lucht
Regie: Roger Corman
Drehbuch: Charles Beaumont / Edgar Allan Poe
Kamera: Floyd Crosby
Musik: Ronald Stein
FSK 16
USA / 1963

1765 spielen sich im kleinen Städtchen Arkham in Neu England unheilvolle Dinge ab und junge Mädchen verschwinden spurlos. Bald haben die Einwohner Joseph Curwen als Schuldigen und als Hexenmeister entlarvt und verbrennen ihn auf dem Scheiterhaufen. Doch Joseph Curwens letzter Fluch bewirkt, dass fortan in Arkham nur noch missgestaltete Kinder geboren werden. Als über 100 Jahre später sein Nachkomme Charles Dexter Ward auftaucht, wird er nicht gerade herzlich empfangen. Und tatsächlich steht Ward schon bald unter dem Bann seines Ahnen und nimmt mithilfe eines Buches Verbindung mit den finsteren Mächten auf...


Unter der Regie von Roger Corman entstand dieser Grusel-Klassiker nach Motiven von Edgar Allan Poe und es ist einmal mehr als absolut faszinierend anzusehen, welche Wirkung dieser Film auch nach nunmehr fünf Jahrzehnten immer noch auf den Zuschauer ausübt. Im besten klassischen Stil offenbart sich dabei eine Geschichte, in der Härte und Brutalität noch absolute Fremdworte sind und die hauptsächlich durch die Präsenz ihres brillant agierenden Hauptdarstellers und ihre unglaublich dichte Atmosphäre überzeugt. Corman zeigt hier sein untrügliches Gespür für die absolut passenden Schauplätze, deren Kulissen herrlich gruselig ins Bild gesetzt worden. Auf der einen Seite das kleine Dorf Arkham das von Nebel-Schlieren durchzogen wird und auf der anderen Seite das auf einem Berg stehende Schloss des Hexenjägers Curwen, das bedrohlich majestätisch über dem Dorf thront und allein durch seinen Anblick schon eine leichte Gänsehaut beim Betrachter entstehen lässt. Genau die richtige Umgebung für einen atmosphärischen Gruselfilm und wenn dann auch noch alle anderen Zutaten äußerst stimmig erscheinen, kann man sich getrost auf ein wunderbares Film-Erlebnis einstellen.

Neben der durchgehend exzellenten Grundstimmung des Ganzen lebt die Geschichte in erster Linie durch die grandiose Performance eines Vincent Price, dem man die Spielfreude in jeder einzelnen Einstellung anmerken kann. Bekannt für seine brillante Mimik verkörpert er absolut perfekt den von seinem grausamen Vorfahren besessenen Charles Dexter Ward, wobei ganz besonders das ständige Wechselspiel der unterschiedlichen Charaktere grandios zum tragen kommen. Man sollte den hervorragenden Gesamteindruck dieses Werkes jedoch nicht an Price allein festmachen, stehen ihm doch mit Debra Paget und Lon Chainey Jr. doch auch Könner ihres Faches zur Seite, die ebenfalls durch erstklassiges Schauspiel zu überzeugen wissen. Und dennoch steht natürlich die Figur von Price ganz eindeutig im Vordergrund des Geschehens und es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Omnipräsenz dieser große Schauspieler einen Film füllen kann und dabei den Betrachter in einen fast schon magischen Bann zieht. Seine Darstellung hat zumeist etwas hypnotisches an sich, was in vorliegendem Szenario extrem stark zur Geltung kommt. So fällt es dann auch ziemlich schwer, seine Augen vom charismatischen Hauptdarsteller zu lösen und auch die anderen Darsteller mit dem nötigen Respekt zu bedenken, die nämlich durch die Bank mit erstklassigen Leistungen überzeugen.

Nun ist der deutsche Titel des Filmes eventuell etwas irreführend, denn mit einer wirklichen Folterkammer bekommt man es hier nicht zu tun. Vielmehr ist in den weitläufigen Katakomben des düsteren Schlosses ein Platz vorhanden, an dem rituelle Zeremonien abgehalten werden und jungen Frauen der Samen des Bösen eingepflanzt werden soll. Die visuelle Darstellung des riesigen Schlosses nebst den weitläufigen Katakomben hinterlässt einen fast schon gigantischen Eindruck und man fragt sich fast zwangsläufig, wie die Menschen in der damaligen Zeit überhaupt in solchen Schauer-Gemäuern leben konnten, ohne dabei von einem ständigen Angstgefühl gepeinigt zu werden. Jagt einem doch schon die filmische Darstellung des Gemäuers einen kalten Schauer nach dem anderen über den Rücken, was durch die fantastische musikalische Untermalung des Ganzen noch zusätzlich verstärkt wird. Der ständig bedrohlich anschwellende Score ist nämlich auch ein typisches Merkmal für die Filme dieser Zeit-Epoche und kommt hier besonders gut zur Geltung.

Und so kann man letztendlich eigentlich nur zu einem richtig guten Gesamteindruck gelangen, ist "Die Folterkammer des Hexenjägers" doch ein Film, der scheinbar mühelos die Jahrzehnte überstanden hat. An Reiz und Faszination hat das Werk dabei rein gar nichts eingebüßt und auch wenn das Geschehen für die jüngere Generation eventuell angestaubt und antiquiert erscheint, so dürften Liebhaber des klassischen Gruselfilms vollends auf ihre Kosten kommen. Corman hat hier einen absolut zeitlosen Klassiker kreiert, der frei von jeder Härte auf die einfachsten Zutaten setzt, um die maximale Wirkung beim Zuschauer zu erzielen. Das ist ihm traumhaft gelungen, so das man nur eine uneingeschränkte Empfehlung für diesen grandiosen Film aussprechen kann.


Fazit:


Ein glänzend aufgelegter Vincent Price, eine tolle Geschichte und eine Atmosphäre, die an Dichte und Bedrohlichkeit schwerlich zu überbieten ist, sind die absoluten Stärken dieses Werkes. Gerade unter dem Gesichtspunkt, das der heutige Horrorfilm doch des Öfteren filmischen Müll anbietet, erscheint die Sichtung eines Klassikers diesen Kalibers jederzeit lohnenswert. Grusel-Feeling pur und gut 90 Minuten allerbeste Filmkost sind hier definitiv vorprogrammiert, so das man diesen Film keinesfalls an sich vorbeiziehen lassen sollte.


9/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Di 19. Mär 2013, 23:55
von horror1966
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Wild Beasts
(Wild Beasts - Belve feroci)
mit Lorraine De Selle, John Aldrich, Ugo Bologna, Louisa Lloyd, John Stacy, Enzo Pezzu, Monica Nickel, Stefania Pinna, Simonetta Pinna, Alessandra Svampa, Frederico Volocia, Alessandro Freyberger
Regie: Franco Prosperi
Drehbuch: Franco Prosperi
Kamera: Guglielmo Mancori
Musik: Daniele Patucchi
ungeprüft
Italien / 1984

Rupert Berner, Tierarzt im Zoo, wird von der Polizei zu Rate gezogen, als Tausende von Ratten Menschen angreifen. Kurz darauf drehen die Tiere im Zoo durch, viele können sich aus ihren Käfigen befreien. In der Stadt wimmelt es von Raubtieren, Elefanten und anderen wildgewordenen Bestien, die die Stadt verwüsten.


Franco Prosperis Tierhorror aus dem Jahr 1984 versetzt den Zuschauer durchaus in ziemlich zwiespältige Gefühle. Einerseits kommt man nicht daran vorbei, hier einen wirklich gelungenen Beitrag des Genres zu erkennen, bei dem andererseits Tierschützer auf die Barrikaden gehen dürften. Regt man sich ansonsten doch recht oft über den dargestellten Tier-Snuff in Kannibalen-Filmen auf, so stellt sich auch in vorliegender Geschichte die berechtigte Frage, ob diverse Passagen denn unbedingt nötig waren, um einen noch höheren Härtegrad zu erreichen, der zumindest so manchen Gorehound befriedigen dürfte. Wenn man den Film einmal ohne jegliche moralische Bedenken betrachtet, dann offenbart sich ein Szenario, das durchgehend spannend-und sehr interessant in Szene gesetzt wurde. Es ist schon ein wenig furchteinflössend, wenn man etliche ausgewachsene Raubkatzen durch eine nächtliche Metropole laufen sieht, denen dabei mehrere menschen zum Opfer fallen. Diese Szenen sind dann auch teilweise äußerst reißerisch-und vor allem blutig umgesetzt worden, so das der Film die Bezeichnung Tierhorror auch wirklich verdient. Alles wirkt sehr realistisch und man bekommt nicht unbedingt das Gefühl vermittelt, das es sich hier um einen reinen Fake handeln würde, was dann auch für die Kehrseite der Medaille nicht gerade unwesentlich erscheint.

Damit möchte ich die Szenen ansprechen, in denen Tiere über ihre Artgenossen herfallen, denn hier kommt dann letztendlich die Frage auf ob diese Passagen denn unbedingt nötig waren und die Geschichte nicht auch ohne sie ausgekommen wäre. Zwei Einstellungen fallen hier besonders ins Auge, zum einen wird eine Katze von unzähligen Ratten regelrecht zerfetzt und andererseits beziehe ich mich auf die Szenen in einem Schlachthof, als Rinder, Pferde und Schweine von Tigern und anderen Raubkatzen bestialisch getötet werden. Hier handelt es sich recht augenscheinlich um keine gestellten Bilder, denn so überzeugend wirkt kein Fake und gerade dadurch hinterlässt das Ganze doch einen äußerst schalen Beigeschmack, den man auch als Zuschauer die ganze Zeit über nicht mehr los wird. Nun beinhaltet "Wild Beasts" ja auch einen sozialkritischen Ansatz, wird doch insbesondere durch etliche verbale Äußerungen immer daraufhin gewiesen, das der mensch die Natur und ihre Schätze für sich ausbeutet und sich die natur eines Tages dafür rächen wird. So erhält das Geschehen dann auch eine leichte Note des Öko-Horrors, was von Prosperi anscheinend auch vollkommen beabsichtigt war.

Im Grunde genommen ist das ein durchaus löblicher Ansatz, zudem dieser ja auch eine Menge Wahrheit beinhaltet. Warum werden dann aber Tiere aufeinander gehetzt und töten sich gegenseitig, durch diesen Umstand wird doch der gelungene Ansatz gleich wieder zu nichte gemacht und die Ereignisse nehmen sich ihre eigentliche Stärke. Dies sind natürlich alles Argumente für Tierschützer um einen Film zu boykottieren und aus menschlicher Sicht kann man das sogar teilweise nachvollziehen. Dennoch sollte man dabei nicht vergessen, das dieses Werk auf seine Art und Weise ganz hervorragend funktioniert. Schiebt man die angesprochenen Passagen einmal zur Seite, dann bekommt man es nämlich mit einem erstklassigen Genre-Beitrag zu tun, der zwar durchaus einige moralische Bedenken aufwirft, aber vom reinen Unterhaltungswert in der obersten Liga anzusiedeln ist. Zum einen wurde die Story extrem spannend inzeniert und außerdem verfügt sie über eine grandios bedrohliche Grundstimmung, die einem phasenweise kalte Schauer über den Rücken jagt. Allein der Gedanke das ein solches Szenario theoretisch jederzeit passieren könnte, lässt einen regelrecht erschauern. Der Aspekt, das sich alles auch noch in einer deutschen Großstadt abspielt tut sein Übriges dazu, das man auf keinen fall in der haut der Menschen sein möchte, die hier den Tieren zum Opfer fallen. Was ein wenig unglaubwürdig erscheint ist der Einsatz der Rettungskräfte, denn obwohl sich unzählige Raubtiere frei in der Stadt bewegen sind die Straßen fast menschenleer und Einsatzkommandos bekommt man so gut wie gar nicht zu sehen. Wenn dann einmal ein kleiner Trupp auf wilde Bestien trifft, ist es insbesondere die Figur des Tierarztes Rupert Berner, die relativ wenig Glaubwürdigkeit ausstrahlt. Denn ist die Situation auch noch so gefährlich versucht der gute Mann doch ständig mit Tigern oder wild gewordenen Eisbären zu sprechen um sie zu besänftigen. das er den Tieren dabei auch körperlich extrem nahe kommt und sie sogar streichelt ist wohl nicht gerade eine äußerst authentische Darstellung des Verhaltens, wenn man sich wirklich in der hier gezeigten Lage befinden würde.

Wie dem aber auch sei, Franco Prosperi hat mit "Wild Beasts" auf jeden Fall einen sehr gelungenen Vertreter des Tierhorrors geschaffen, der jedoch phasenweise einen kontroversen Eindruck hinterlässt. Ein leicht sozialkritischer Ansatz wird leider nicht weiter herausgearbeitet, so das man in diesem Punkt mit zwiespältigen gefühlen zurückgelassen wird. Durch zwei meiner Meinung nach überflüssigen Passagen wird aber eher ungewollt wiederum die ganze Grausamkeit und Gleichgültigkeit der menschlichen Natur erkennbar, indem man Tiere in realen Szenen aufeinander loslässt, nur um einen noch höheren Härtegrad zu erzielen. Wenn man denn so will, haben sich die macher des Werkes so auch auf eine gewisse Art und Weise selbst bloßgestellt. Doch ganz egal wie man zu diesem Film stehen sollte, vom reinen Unterhaltungswert her ist er eine echte Granate, die jedoch auch durchaus nachdenklich stimmt. Freunde des Sub-Genres werden definitiv auf ihre Kosten kommen und eine Sichtung ganz bestimmt nicht bereuen.


Fazit:


Trotz allen bedenken bekommt man es mit einem wirklich überzeugendem Genre--Beitrag zu tun, der aber auch auf die ein-oder andere Passage hätte verzichten können, ohne dabei an Klasse zu verlieren. Auf jeden Fall aber wird "Wild Beasts" die Meinungen in 2 Lager spalten, was hauptsächlich an den 2 genannten Sequenzen liegen wird die weiter oben erwähnt wurden. Harte und sehr kurzweilige Unterhaltung bekommt man definitiv geboten, wie man den Film dann letztendlich einstuft, bleibt einem jeden selbst überlassen.


8/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mi 20. Mär 2013, 15:53
von horror1966
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Der schöne Körper der Deborah
(Il Dolce corpo di Deborah)
mit Carroll Baker, Jean Sorel, Ida Galli, George Hilton, Luigi Pistilli, Michael Bardinet, Valentino Macchi, Mirella Pamphili, Domenico Ravenna, Giuseppe Ravenna, Renato Montalbano, Sisto Brunetti
Regie: Romolo Guerrieri
Drehbuch: Ernesto Gastaldi / Luciano Martino
Kamera: Marcello Masciocchi
Musik: Nora Orlandi
ungeprüft
Frankreich / Italien / 1968

Ein Pärchen, das in den USA geheiratet hat, will seine Hochzeitsreise in die Heimat des Ehemanns in die Schweiz machen. Dort erfährt er von einem alten Freund, dass sich seine Exfrau wegen ihm umgebracht haben soll. Das kann er nicht glauben und es verschlägt ihn in seine mittlerweile unbewohnte Villa. Dort erklingt eine mysteriöse Musik, doch niemand scheint im Haus zu sein. Das Paar flüchtet in eine gemietete Villa nach Italien. Doch der mysteriöse Bekannte taucht wieder auf, und auch vom neuen Nachbar scheint eine Bedrohung auszugehen. In der ersten Nacht spitzt sich die Lage mörderisch zu. Ein dunkles Geheimnis schwebt über dem jungen Paar.


Die Inhaltsangabe der vor Kurzem erschienenen Veröffentlichung von Edition Tonfilm wurde so gestaltet, das nicht zu viel vom Inhalt des Filmes verraten wird. Erwähnenswert ist das aus dem einfachen Grund, das im Netz auch etliche andere Inhaltsangaben herumschwirren, die ganz eindeutig zu viele der in der Geschichte enthaltenen Überraschungsmomente vorwegnehmen und manch einem so die Vorfreude auf dieses Frühwerk des Giallo im Keim ersticken. Das Werk von Romolo Guerrieri erzählt nämlich eine äußerst spannende Story, die erst kurz vor dem Ende die wirklichen Zusammenhänge erkennen lässt und mit der Schluss-Einstellung noch einen sehr netten Überraschungs-Bonbon parat hält. Vergleicht man den Film mit anderen Genre-Vertretern so stellt man doch ziemlich schnell fest, das "Der schöne Körper der Deborah" nicht unbedingt ein typischer Giallo ist, sondern sich sehr wohlwollend von anderen Beiträgen abhebt. Die ansonsten obligatorische Mord-Serie entfällt völlig, zudem beinhaltet die Geschichte im Prinzip keinerlei blutige Einstellungen.

Stattdessen setzt Guerrieri hier auf eine eher ruhige-und sehr bedächtige Erzählweise der Ereignisse und fügt seiner Erzählung etliche mysteriöse Momente hinzu, die schon fast in die Richtung eines Gruselfilms gehen. Eigentlich passiert nicht wirklich viel und in etlichen Passagen offenbart das Szenario sogar den Eindruck eines 2 Personen-Kammerspiels, das jedoch an verschiedenen Schauplätzen stattfindet. Sicherlich gibt es genügend Leute, für die sich das eher langatmig und uninteressant anhört, in der filmischen Umsetzung sieht das jedoch vollkommen anders aus. Natürlich stehen die beiden Hauptfiguren Deborah (Carroll Baker) und Marcel (Jean Sorel) im Vordergrund des Ganzen und es wird sich genügend Zeit genommen, dem Zuschauer die beiden Figuren näher zu bringen. So entsteht der augenscheinliche Eindruck einer großen Liebe, die allerdings von Marcel's Vergangenheit überschattet wird. Immer wieder werden dabei Szenen eingestreut, die einen auf eine falsche Fährte führen sollen und manchmal weiß man auch nicht so recht, wie man diverse Verhaltensweisen der Akteure einzuordnen hat. Genau aus diesem Gesichtspunkt bezieht die Geschichte ihre große Stärke und fordert den Betrachter förmlich dazu auf, seine ganz eigenen Vermutungen anzustellen. Nun muss man sicherlich kein Genie sein um eventuell schon frühzeitig darauf zu kommen, welch perfides Spiel hier stattfindet, doch bis kurz vor dem Ende kann man sich seiner Sache nie wirklich sicher sein, so das durchgehend ein sehr konstanter Spannungsbogen vorhanden ist.

Wenn in einem Film 2 Personen so dermaßen im Fokus stehen wie es hier der Fall ist, dann kommt es natürlich ganz besonders auf überzeugendes Schauspiel an, um einem einen glaubhaften Eindruck der Ereignisse zu vermitteln. In dieser Hinsicht kann man sich dann auch keinesfalls beschweren denn Carroll Baker ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern überzeugt auch in der Rolle der scheinbar ängstlichen-und vollkommen verunsicherten Deborah, während Jean Sorel jederzeit als besorgter Ehemann glänzen kann. Im späteren Verlauf der Ereignisse stößt dann auch noch Giallo-Experte George Hilton zu den beiden und auch wenn er dieses Mal lediglich in einer Nebenrolle zu sehen ist, soll diese am Ende nicht unwesentlich für die gesamte Geschichte sein. "Der schöne Körper der Deborah" ist ein Film der eher leisen Töne, entfaltet aber dennoch eine sehr starke Intensität, die man in jeder einzelnen Einstellung spüren kann. Ohne jeglichen Aktionismus schafft es die Geschichte fast spielerisch, den Zuschauer und dessen Aufmerksamkeit für sich zu gewinnen.

Mit den geringsten Mitteln ist es Romolo Guerrieri gelungen einen absolut zeitlosen Klassiker zu schaffen, der meiner Meinung nach im oberen Drittel des Genres anzusiedeln ist. Es muss nicht immer die handelsübliche Mord-Serie sein, die dem Zuschauer reißerisch in Szene gesetzte Morde präsentiert, manchmal sind es viel eher die ruhigen Filme, die eine hohe Intensität entstehen lassen. Wenn dann noch so wie in vorliegendem Fall mysteriöse Elemente Einzug in das Szenario halten, ist ein äußerst spannendes Film-Erlebnis eigentlich schon vorprogrammiert. Freunde des italienischen Thrillers sollten hier auf jeden Fall zugreifen, denn nun endlich hat dieses grandiose Frühwerk durch Edition Tonfilm auch eine würdige Veröffentlichung erhalten. Wenn es daran überhaupt etwas auszusetzen gibt ist es wahrscheinlich der Punkt, das die deutschen Untertitel nicht ausblendbar sind, aber dieses Manko ist durchaus zu verschmerzen.


Fazit:


Es ist immer wieder wunderbar, auf welche italienische Film-Juwelen man aufmerksam wird und "Der schöne Körper der Deborah" zählt für mich definitiv dazu. Eine eher bedächtig erzählte Geschichte weicht wohlwollend von den üblichen Giallo-Storys ab, was der vorhandenen Klasse dieses Werkes jedoch keinerlei Abbruch tut. Sehr gutes Schauspiel und einige nette Überraschungsmomente sind das Salz in der Suppe und sorgen für einen insgesamt äußerst guten Gesamteindruck, so das einer Empfehlung nichts im Wege steht.


8/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mi 20. Mär 2013, 17:55
von horror1966
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Mit stählerner Faust
(Death Warrant)
mit Jean-Claude Van Damme, Robert Guillaume, Cynthia Gibb, George Dickerson, Art LaFleur, Patrick Kilpatrick, Joshua John Miller, Hank Stein, Conrad Dunn, Jack Bannon, John Lantz, Hans Howes
Regie: Deran Sarafian
Drehbuch: David S. Goyer
Kamera: Russell Carpenter
Musik: Gary Chang
FSK 16
Kanada / USA / 1990

Nachdem er seinen Erzfeind, den Psychokiller "Sandman", dingfest gemacht hat, wird Burke als Undercovercop in ein Gefängnis geschleust, um dort eine rätselhafte Mordserie an Gefangenen aufzuklären. Erschwert wird seine Arbeit durch sadistische Wärter und Knastgangs, die Burke als Neuling an den Kragen wollen. Mit Hilfe neu gewonnener Freunde findet Burke heraus, das mit den Leichen ein schwunghafter Organhandel betrieben wird, an dem seine Auftraggeber beteiligt sind. Bevor der Fall restlos geklärt werden kann, muss Burke erst noch gegen den Sandman antreten, der in den Knast eingeliefert wird und Burkes Identität preisgibt.


Gerade nach den 3 Action-Krachern "Bloodsport", "Cyborg" und "Leon" waren die damaligen Erwartungen an vorliegend Film doch ziemlich hoch angesetzt, wodurch bei manch einem nach der Erstsichtung von "Mit stählerner Faust" doch ein wenig Ernüchterung eintrat. Bekommt man hier doch nicht ein reines Spektakel geboten, in dem ständig die Fäuste fliegen und die Geschichte fast ausschließlich aus Kampf-Choreografien besteht. Regisseur Deran Sarafian hat vielmehr darauf geachtet, dem Zuschauer eine recht ordentliche Geschichte zu präsentieren, in der die Gewalt-Passagen sehr gut über die gesamte Laufzeit verteilt sind. So artet dann auch das Szenario in keiner Phase in einen vollkommen sinnbefreiten Action-Klopper aus, sondern offenbart eine absolut sehenswerte Story, an der man sich erfreuen kann. Trotz weniger Schlägereien kann man Van Damme in Höchstform erleben, zudem erscheint er in der Rolle des Undercover-Cops auch sehr glaubwürdig. Ebenso verhält es sich auch mit den vorhandenen Action-Szenen, die bis auf den finalen Showdown erstaunlich realistisch erscheinen und nicht diesen übertriebenen Touch beinhalten, den man aus etlichen anderen Filmen des Belgiers her kennt.

So wird Van Damme hier auch nicht als der unverwundbare Held skizziert, bekommt er doch des Öfteren selbst ordentlich eingeschenkt und offenbart damit eine verletzbare Seite, die man bisher nicht unbedingt kannte. Das macht seine Figur im Film äußerst sympatisch, so das man sich als Betrachter gar nicht die Frage stellen muss, wem die eigenen Sympathien in vorliegender Story gelten. Nicht nur einmal hängt sein Leben an einem seidenen Faden und ohne Hilfe aus den Reihen der Häftlinge wäre es ihm sicher nicht möglich gewesen, seine Undercover-Mission erfolgreich abzuschließen. Man merkt schon nach einer relativ kurzen Zeitspanne, das es in diesem Gefängnis keinesfalls mit rechten Dingen zugeht, sterben doch mehrere Häftlinge auf sehr mysteriöse Art und Weise. Bis man jedoch den Hintergründen für die seltsamen Morde auf die Spur kommt vergeht eine geraume Weile, was zwangsläufig für ein hohes Maß an Spannung sorgt.

Umso unglaublicher erscheinen einem dann die Motive für die Taten, entpuppen sich diese doch als absolut menschen-verachtend. Auch der Aspekt, das hier eine richtige Organisation am Werke ist die zudem auch noch Hilfe von außerhalb des Gefängnisses bekommt hinterlässt einen bitteren Beigeschmack, denn ein solches Szenario könnte man sich auch ohne Weiteres im wahren Leben vorstellen. Und so ist "Mit stählerner Faust" meiner Meinung nach nicht nur ein handelsüblicher B-Actioner, sondern bietet auch rein inhaltlich eine Menge mehr, als man im ersten Moment eventuell erkennen kann. Lediglich zum Ende hin bewegt sich die Story dann ein wenig abseits der Realität, denn der finale Endkampf zwischen Van Damme und dem "Sandman" beinhaltet einige Szenen, die den insgesamt sehr guten Gesamteindruck ein wenig schmälert. Dies ist aber auch der einzige Punkt, an dem Deran Sarafian den von ihm eingeschlagenen Weg ein wenig verlässt und einem ansonsten sehr glaubwürdigen Knastfilm fast schon ein Ende angedeihen lässt, das sich im Bereich der Fantasie ansiedelt.

Insgesamt gesehen handelt es sich also um einen wirklich sehenswerten Film mit Van Damme, der nicht so mit teils übertriebener Action vollgestopft ist wie manch andere seiner Werke. Was im ersten Moment für eingefleischte Fans eher negativ erscheinen mag, ist meiner persönlichen Meinung nach viel eher als Stärke anzusehen und lässt einen zu einem sehr guten Gesamteindruck gelangen.


Fazit:


Etwas weniger Action, dafür aber eine bessere Geschichte, diese Mischung konnte mich voll überzeugen. Zumal es ja auch nicht so ist das man den belgischen Haudegen gar nicht in Aktion sieht, nur sind die entsprechenden Passagen halt gut über die gesamte Laufzeit von knapp 90 Minuten verteilt. Anschauen lognt sich auf jeden Fall, denn kurzweilige Action-Unterhaltung ist auf jeden Fall vorprogrammiert.


7,5/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Do 21. Mär 2013, 11:59
von horror1966
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A Little Bit Zombie
(A Little Bit Zombie)
mit Kristopher Turner, Chrystal Lowe, Shawn Roberts, Kristen Hager, Stephen McHattie, Emilie Ullerup, George Buza, Robert Maillet, Neil Whitely, Spinne Allen, Rob Roy, Aldemo Ceti
Regie: Casey Walker
Drehbuch: Trevor Martin / Christopher Bond
Kamera: Kevin CW Wong
Musik: keine Information
FSK 16
Kanada / 2012

Hmmm, Gehirn - lecker!” Schon bei dem Gedanken an die graue Glibbermasse läuft Steve das Wasser im Mund zusammen. Ein gewaltiger, völlig unbeherrschbarer Appetit treibt den jungen Bräutigam um. Mit Craig, Sarah und seiner Verlobten Tina ist er für ein letztes freies Wochenende aufs Land gefahren, bevor die aufreibenden Vorbereitungen für die opulente Hochzeit losgehen. Steve ahnt nicht, dass ihn unterwegs eine kleine Mücke mit dem Zombievirus infiziert hat. Nun stellt sich bald die Frage, was schlimmer ist: Steves langsame Verwandlung in einen hirnhungrigen Untoten oder seine Braut Tina, die im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht, um ihre perfekte Hochzeit trotzdem zu bekommen. Denn die große Feier darf keinesfalls gefährdet werden - bloß weil der Bräutigam ein Gehirn schlürfender Zombie ist …


Regisseur hat sich bei seinem Langfilm-Debüt für eine Zombie-Komödie entschieden und zumindest teilweise kann man dem guten Mann auch einen gelungenen Erstling bescheinigen. Natürlich liegt das wie immer im Auge des jeweiligen Betrachters, denn insbesondere die Art des enthaltenen Humors wird sicherlich nicht jedem zusagen. Die Geschichte an sich ist schnell erzählt und mit der vorliegenden Inhaltsangabe auch vollkommen abgedeckt, zudem ist sie auch nicht sonderlich innovativ oder mit irgendwelchen Neuerungen angereichert, die man in dieser Form noch nicht gesehen hätte. Das hört sich jetzt im ersten Moment zwar eher negativ an, doch "A Little Bit Zombie" hat durchaus mehrere starke Momente und beinhaltet auch mehrere Passagen, in denen man herzlich ablachen kann. Dabei sollte jedoch ein Vorliebe für den etwas platteren Humor vorliegen, denn die meisten der witzigen Einlagen sind eher banaler Natur und wirken in den meisten Fällen auch ein wenig überzogen. Dafür gibt es jedoch einige Spontan-Einlagen die so überraschend kommen, das man sich ein Lachen schwerlich verkneifen kann und sich köstlich über die dadurch entstehende Situationskomik amüsiert.

Zum Großteil spielt sich das Geschehen in einer einsam gelegenen Hütte ab, in der die 4 Hauptfiguren einen Kurzurlaub verbringen wollen, bevor Steve seine Freundin Tina heiraten will. Als Zuschauer mag man sich das kaum vorstellen wollen, könnten die beiden doch charakterlich kaum unterschiedlicher sein. Die Zeichnung der beiden Figuren ist dabei absolut überzogen, was aber anscheinend vom Regisseur so gewollt wurde. Während Steve den viel zu verständnisvollen Bräutigam gibt, bekommt man mit Tina eine Nervensäge präsentiert, die selbst beim Betrachter des Öfteren Mordgedanken entstehen lässt. Ihre permanent hysterische Art tötet einem nämlich den letzten Nerv und so kommt es auch immer wieder zu verbalen-und körperlichen Auseinandersetzungen mit Steve's Schwester Sarah, die ihren Bruder vor einer großen Dummheit bewahren will. Bei all dem dadurch entstehenden Gezeter geht die Kern-Thematik des Filmes an manchen Stellen zu sehr in den Hintergrund, was das Seh-Vergnügen doch ein wenig beeinträchtigt.

Die größtenteils räumliche Eingrenzung des Geschehens sorgt teilweise für ein wenig Monotonie und auch die geringe Einbindung der beiden Zombie-Jäger in die Geschichte ist nicht unbedingt als Pluspunkt anzusehen, so wirkt das Ganze dann auch phasenweise arg konstruiert und irgendwie künstlich aufgesetzt. Darunter leidet auch der Erzählfluss der Story, streckenweise kommt es einem so vor als wenn etwas fehlen würde und der Rest seltsam zusammengestückelt wurde. Das mag jedoch auch daran liegen, das inhaltlich nicht sonderlich viel Substanz enthalten ist und das Geschehen irgendwie auf Länge getrimmt wurde. So kommt es einem jedenfalls vor, da immer wieder Sequenzen erscheinen, die den Eindruck von sinnlosen Ballast hinterlassen.

Insgesamt gesehen handelt es sich bei "A Little Bit Zombie" dennoch um eine Zombie-Komödie, die man sich gern einmal anschauen kann. Die eigenen Erwartungen sollte man jedoch nicht zu hoch ansetzen, denn höhere Ansprüche vermag das Werk nicht zu erfüllen. Ein paar witzige Momente und an einigen Stellen auftretende Situationskomik müssen ausreichen, denn ansonsten bekommt man doch eher Schmalkost geboten. Einen anhaltenden Eindruck wird der Film wohl eher nicht hinterlassen, doch für einen kurzweiligen Filmabend ist der Film jederzeit geeignet.


Fazit:


Mit Zombie-Komödien ist es immer so eine Sache, denn wird doch eigentlich jede neue Produktion mit "Shaun of the Dead" verglichen. Dem Vergleich standhalten kann dabei kaum ein Film und auch "A Little Bit Zombie" macht da keine Ausnahme. Irgendwie ist das Werk weder Fisch noch Fleisch, wodurch es dann auch im breiten Mittelfeld anzusiedeln ist.


6/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Do 21. Mär 2013, 12:00
von horror1966
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Sushi Girl
(Sushi Girl)
mit Tony Todd, Noah Hathaway, James Duval, Mark Hamill, Cortney Palm, Sonny Chiba, David Dastmalchian, Jeff Fahey, Danny Trejo, Michael Biehn, Destin Pfaff, Stryker, Cyrus Alexander, David Reynolds
Regie: Kern Saxton
Drehbuch: Destin Pfaff / Kern Saxton
Kamera: Aaron Meister
Musik: Fritz Myers
keine Jugendfreigabe
USA / 2012

Sechs Jahre hat Fish im Gefängnis verbracht. Sechs Jahre, in denen er völlig auf sich allein gestellt war. Sechs Jahre, in denen er sein Maul gehalten hat, über den Überfall und die anderen Männer, die beteiligt waren. Jetzt ist Fish wieder auf freiem Fuß. Sein ehrenwertes Schweigen feiern die anderen Vier mit einem extravaganten Bankett: Auf dem nackten Körper einer schönen, jungen Frau wird Sushi gereicht. Ihr wurde beigebracht, völlig teilnahmslos zu bleiben. Das erweist sich zunehmend als schwierig, denn je weiter der Abend voranschreitet, desto mehr schlägt die Stimmung um, Aggression macht sich breit: Denn die vier Männer können einfach nicht anders, als alte Wunden zu öffnen, um herauszufinden, wo die Beute des Überfalls versteckt ist ...


Waren es bisher nur einige Kurzfilme, so feiert Kern Saxton nun mit "Sushi Girl" auch sein Langfilm-Debüt und präsentiert dabei keinesfalls einen asiatischen Film, wie man aufgrund des Titels eventuell vermuten könnte. Vielmehr offenbart sich ein Thriller nach bester Tarantino-Art, der auch ziemlich schnell auffällige Ähnlichkeiten zu dessen "Reservoir Dogs" erkennen lässt. Nun kommt vorliegender Film ja bei einigen Leuten anscheinend schlechter weg und es ist teilweise sogar die Rede von einer zusammengeklauten Geschichte auf TV-Niveau, was ich persönlich nicht so ganz nachvollziehen kann. Der erste Punkt mag ja sogar stimmen, doch wenn man sich an anderen Filmen orientiert und auf dieser Basis ein gut unterhaltendes Szenario entwirft, ist das doch vollkommen in Ordnung, so lange der Zuschauer gut bedient wird. Und das ist hier durchaus der Fall, denn die interessante Erzählweise der Geschichte sorgt für beste Unterhaltung auf gehobenem Niveau. Und "Sushi Girl" hinterlässt auch keinesfalls den Eindruck einer TV-Produktion, sondern ist vielmehr ein herrlich atmosphärischer B-Movie, der zudem über eine nette Darsteller-Riege verfügt.

So tummeln sich hier beispielsweise mit Tony Todd, Mark Hamill oder auch Michael Biehn und Danny Trejo etliche bekannte Gesichter des B-Movies. Und gerade Mark Hamill der vielen noch als Luke Skywalker aus "Krieg der Sterne" bekannt sein dürfte, gibt eine sehr sehenswerte Performance als durchgeknallter Psychophat ab. Dabei sollte man jedoch nicht unerwähnt lassen das man den guten Mann kaum wieder erkennt, hat sich sein Äußeres im Laufe der Jahre doch nicht unbedingt zu seinem Vorteil verändert. Dick und aufgequollen wie ein mit Wasser gefüllter Luftballon kommt der ehemals strahlende Held daher, doch für seine Rolle in diesem Film ist das sogar eher als Vorteil anzusehen. Leider sind Biehn und Trejo nur in ganz kurzen Nebenrollen zu sehen, ein wenig mehr Spielzeit wäre schon nett gewesen, sieht man diese Personen doch immer wieder gern.

Die Geschichte spielt sich zum größten Teil in einem einzigen raum ab, wodurch die Inszenierung wie ein Kammerspiel mit mehreren Personen wirkt. Das titelgebende "Sushi Girl" dient dabei die meiste Zeit über lediglich als lebende Servier-Platte für eine Yakuza-Tradition, der die Männer hier frönen. Erst zum Ende hin nimmt die hübsche junge Frau dann einen nicht unerheblichen Stellenwert ein, der zuvor nicht unbedingt erkennbar ist. Im Fokus der Ereignisse steht im Prinzip lediglich die Frage, wo die bei einem vor 6 Jahren begangenen Überfall erbeuteten Diamanten geblieben sind, denn noch immer warten die Gangster auf ihren jeweiligen Anteil aus dem Raubzug. In immer wieder eingestreuten Rückblenden wird dem Zuschauer dann der Überfall näher gebracht, wobei sich die Gesamt-Zusammenhänge erst im finalen Showdown zu erkennen geben. Zugegebenermaßen ist die Auflösung nicht sonderlich innovativ und eventuell mag das Geschehen für manch einen auch äußerst vorhersehbar erscheinen, doch ändert das rein gar nichts am reinen Unterhaltungswert dieses Filmes.

Zudem kann man sich auch noch an diversen recht derben Folter-Szenen erfreuen, deren Ansicht dem Betrachter fast schon selbst körperliche Schmerzen verursachen. Was der unter Verdacht stehende Fish hier ertragen muss geht wirklich auf keine Kuhhaut und seine ehemaligen Mitstreiter sind in der Wahl ihrer Mittel alles andere als zimperlich. Dabei merkt man ihnen ihre sadistische Freude während der Folter richtig an, insbesondere Mark Hamill entpuppt sich als ausgesprochener Sadist dem es sichtlich Freude bereitet, sein wehrloses Opfer zu quälen. Am Ende bekommt dann aber jeder das was er verdient und es kann nur eine Person als Sieger den Raum verlassen. Auch wenn "Sushi Girl" bestimmt kein innovatives Meisterwerk darstellt, wird man jederzeit kurzweilig unterhalten. Es mag zwar der nötige Schuss Genialität fehlen, aber insgesamt gesehen bekommt man eine sehr spannende-und unterhaltsame Geschichte präsentiert, an der man durchaus seine Freude hat. Mich persönlich hat das Werk jedenfalls absolut überzeugt und jeder der Filme im Stil von Tarantino zu schätzen weiß, sollte auf jeden Fall zumindest einen Blick riskieren.


Fazit:


Natürlich wurde hier an mehreren Stellen bei anderen Genre-Vertretern geklaut, doch die Umsetzung der Story kann dennoch als sehr gelungen bezeichnet werden. "Sushi Girl" ist hart, kompromisslos und äußerst atmosphärisch gestaltet und zudem mit einem Cast ausgestattet, der sich jederzeit sehen lassen kann. Selbstverständlich ist es einmal mehr reine Geschmackssache und ein jeder wird das Werk anders bewerten, ich selbst kann jedoch nur eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen, denn der Film hat weitaus mehr zu bieten, als manche Kritik es vermuten lässt.


8/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Fr 22. Mär 2013, 20:27
von horror1966
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The Frightened Woman
(Femina ridens)
mit Philippe Leroy, Dagmar Lassander, Lorenza Guerrieri, Varo Soleri, Maria Cumani Quasimodo, Mirella Pamphili
Regie: Piero Schivazappa
Drehbuch: Paolo Levi / Piero Schivazappa / Giuseppe Zaccariello
Kamera: Carlo Achilli / Sante Achilli
Musik: Stelvio Cipriani
keine Jugendfreigabe
Italien / 1969

Dr. Sayer entführt die junge Maria in seine Villa, macht ihr Angst und erniedrigt sie. Dr. Sayer hat jedoch einen Grund für sein Handeln: Er fürchtet sich davor, dass Frauen künftig die Männer unterwerfen werden und sie biologisch überflüssig würden. Maria muss jetzt einen Ausweg finden, um das Martyrium zu überleben.


Warum dieser Film von Piero Schivazappa nun gerade in der Giallo Collectiion seine deutsche DVD-Premiere feiert wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben, handelt es sich doch vielmehr um ein Sex-Drama. Im Prinzip ist das aber auch vollkommen egal, offenbart sich doch eine wirklich erstklassig umgesetzte Geschichte, die den Zuschauer von Beginn an in ihren Bann zieht. Im Prinzip bekommt man ein Kammerspiel mit 2 Personen geliefert, was sich für manch einen im ersten Moment eventuell etwas langweilig anhören mag, doch nach der Sichtung dieses herausragenden Filmes müsste man eigentlich feststellen, das man es vielmehr mit einem wahren Juwel des italienischen Kinos zu tun hat. Geprägt wird das Geschehen ganz eindeutig von seinen beiden erstklassigen Hauptdarstellern Philippe Leroy und Dagmar Lassander, die sich einen grandios inszenierten Geschlechterkampf liefern, wie man ihn eher selten geboten bekommt. Leroy mimt dabei den scheinbar starken männlichen Part, während Frau Lassander das offenbar verängstigte Opfer zum Besten gibt, das sich in sein unvermeidbares Schicksal ergibt. Das hier jedoch kaum etwas so ist wie es im ersten Moment erscheint, wird mit zunehmender Laufzeit immer klarer und endet in einem finalen Showdown, wie man ihn kaum hätte besser inszenieren können. Der Begriff Showdown ist hier wirklich wörtlich zu nehmen, denn wenn sich die beiden Protagonisten am Ende im Pool gegenüberstehen, erinnert das doch ziemlich stark an ein Duell im wilden Westen, das nur einer der beiden überleben kann.

Bis dahin ist es jedoch ein weiter Weg, den man als Betrachter jedoch nur zu gern beschreitet. So sind die Rollen von Täter und Opfer am Beginn doch augenscheinlich ganz klar verteilt, durch ein traumatisches Erlebnis in der Kindheit leidet Dr. Sayer unter einem offensichtlichen Frauenhass, der in fast jeder Einstellung zum Vorschein kommt. Um seine perversen Neigungen zu stillen, entführt er die hübsche Maria und hält sie seitdem in seiner Villa als Sklavin, die schlimmste Demütigungen über sich ergehen lassen muss. So erscheint die Rollen-Verteilung vollkommen klar, doch merkt man recht schnell, das der Anschein in diesem Fall sehr trügerisch ist. Hinter der scheinbar starken Fassade des Mannes verstecken sich lediglich Angst und Unsicherheit, die Sayer durch sein dominantes Verhalten lediglich zu kaschieren versucht. Dazu trimmt er seinen Körper auf Ästhetik, um die perfekte Manneskraft darzustellen. Dies alles geschieht in seiner futuristisch eingerichteten Villa, die wie ein wahres Status-Symbol erscheint und optische Dominanz des Mannes nur noch mehr zum Ausdruck bringt. Doch mit der Zeit bröckelt die Fassade und es sind immer tiefere Risse zu erkennen. An dieser Stelle kommt dann Maria immer stärker ins Spiel, wobei der Begriff des Spiels ganz am Ende des Filmes erst seine gesamte Bedeutung zu erkennen gibt.

Das scheinbare Opfer dreht nun nämlich den Spieß um, wodurch langsam aber sicher die Rollen vertauscht werden, was absolut unübersehbar ist. In etlichen Gesprächen werden einem fast schon philosophische Ansätze im Bezug auf das Verhältnis zwischen Mann und Frau angeboten, wobei die enthaltenen Dialoge wirklich von herausragender Qualität sind. Es macht einfach Spaß dieses perfide Katz-und Maus Spiel zu beobachten, das sich zwischen den beiden entwickelt, ohne dabei jedoch zu ahnen, auf was das ganze Geschehen am Ende hinausläuft. Ist "The Frightened Woman" in seiner Gesamtheit schon ein absolut genialer Film, so setzen die letzten gut 15 Minuten dem Ganzen doch die absolute Krone auf. Eventuell für viele Zuschauer durchaus vorhersehbar wurde ich persönlich an der Stelle mit einem fantastischen Überraschungs-Effekt konfrontiert, den man meiner Meinung nach nicht unbedingt vorhersehen kann. Die bis dahin schon großartig inszenierte Geschichte toppt sich förmlich selbst und wartet mit einer grandiosen Schluss-Sequenz auf, die eine fantastische Wendung beinhaltet. So habe ich es jedenfalls empfunden, denn mit einem solchen Finale hatte ich wirklich nicht gerechnet.

Piero Schivazappa hat mit "The Frightened Woman" einen in allen Belangen nahezu perfekten Film geschaffen, in dem wirklich nichts dem Zufall überlassen wird. Perfekte Schauplätze, brillante Kulissen und 2 mehr als nur überzeugende Hauptdarsteller lassen hier ein Gesamtbild entstehen, das man letztendlich nur als herausragend bezeichnen kann. Was wie eine Herr-und Sklave Geschichte beginnt, entfaltet sich mit zunehmender Laufzeit zu einem fast philosophischen Geschlechterkampf, den man nicht besser hätte umsetzen können. Dabei wurde im Prinzip völlig auf das ansonsten übliche Sado-Maso Szenario verzichtet, stattdessen bekommt man es fast ausschließlich mit psychischen Spielchen zu tun. Wer dabei im Endeffekt wirklich die Oberhand behält und somit Macht über den anderen hat, ergibt sich jedoch erst in den letzten Minuten eines Filmes, den man unbedingt gesehen haben sollte. Und das auch aufgrund des sensationellen Soundtracks von Stelvio Cipriani, der die Faszination der Ereignisse noch einmal zusätzlich hervorhebt.


Fazit:


Auch wenn das Werk von Piero Schivazappa in einer Giallo Box vollkommen fehl am Platz erscheint, sollte man sich an dem Aspekt erfreuen, das es diesen überragenden Film nun endlich auch in Deutschland auf DVD gibt. Hier präsentiert sich nämlich ein wahrer filmischer Leckerbissen, in dem sämtliche Zutaten perfekt aufeinander abgestimmt sind. Und auch wenn manch einer vielleicht im ersten Moment ein wenig enttäuscht darüber sein mag das es sich um keinen Giallo handelt, dürfte im Endeffekt die Qualität des Filmes so überzeugend sein, das man zu einem sehr guten Gesamteindruck gelangt.


9/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Sa 23. Mär 2013, 19:30
von horror1966
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Dead Set
(Dead Set)
mit Jaime Winston, Andy Nyman, Riz Ahmed, Warren Brown, Liz May Brice, Beth Cordingly, Adam Deacon, Kevin Eldon, Kathleen McDermott, Davina McCall, Brian Belo, Cavan Clerkin, Raj Ghatak,
Regie: Yann Demange
Drehbuch: Charlie Brooker
Kamera: Tat Radcliffe
Musik: Dan Jones
keine Jugendfreigabe
Großbritannien / 2008

England: Während sich die Kandidaten der aktuellen "Big Brother" Staffel noch über Themen wie Essen, Klamotten und die sexuellen Ausschweifungen der letzten Nacht unterhalten, bricht im Königreich eine Seuche aus, die jeden Betroffenen in einen Zombie verwandelt. Dass die Untoten auch schon bald das Studio-Gelände überrennen, kriegen Angel, Grayson, Joplin, Veronica, Marky und Space erst mit, als die Produktionsassistentin Kelly sich in das "Big Brother" Haus flüchtet. Und dabei gleich ungewollt einen Zombie mitbringt, der Angel schwer verletzt.


Im Prinzip hat man als Zuschauer in den letzten Jahren ein wenig das Interesse an Zombiefilmen verloren, ist die Flut an Billig-Produktionen zu gewaltig und bietet zudem kaum etwas Neues, was das Sub-Genre auch nur annähernd mit frischen-und innovativen Ideen bereichern könnte. Ganz anders kommt da doch diese britische Mini-Serie daher, die sich an den heutigen TV-Gewohnheiten orientiert und sich thematisch am Reality-TV anlehnt. Hauptschauplatz des Geschehens ist nämlich der Big Brother Container, wird man hier doch mit der britischen Ausgabe der Shwow konfrontiert. Dieser Aspekt sorgt beim Betrachter schon einmal für eine sehr realistische Sichtweise der Dinge und phasenweise entsteht dabei sogar der Eindruck, das man in Echtzeit am Geschehen teilnimmt. Und so steht auch in den ersten Minuten der 5 Episoden umfassenden Serie die Entscheidungs-Show im Vordergrund, bei der ein Bewohner aus dem Haus gewählt werden soll. Man wird mit den Vorbereitungen im Sende-Zentrum konfrontiert und lernt vor allem den für die Show Verantwortlichen Patrick kennen, der einem von der ersten Sekunde an extrem unsympatisch erscheint. Mit ihm offenbart sich ein wahrer Kotzbrocken und Egoist, was auch im weiteren Verlauf des Szenarios nicht gerade unwesentlich erscheint. Denn insbesondere die Darstellung der einzelnen Figuren ist äußerst wichtig für den glaubwürdigen Anstrich dieses Formates, das ganz eindeutig den Weg eines George A. Romero einschlägt und die Geschichte mit sehr viel sozialkritischen Aspekten ausstattet.

Im Laufe der Zeit kristallisiert sich nämlich ganz eindeutig heraus, das die wenigen Überlebenden der Zombie-Seuche fast zwangsläufig zum Scheitern verurteilt sind und im Prinzip von Beginn an keine Chance haben, die Krisen-Situation zu überleben. Statt wie eine echte Gruppe zusammen zu stehen, kommen immer wieder die Befindlichkeiten diverser Einzel-Personen in den Vordergrund, was die menschliche Natur extrem gut zur Geltung bringt. Selbst in der aussichtslosesten Situation wird in etlichen Passagen über die banalsten Dinge diskuttiert, anstatt sich mit dem wirklichen Ernst der Lage auseinanderzusetzen und dabei einen Plan zu entwickeln, die vorherrschende Lage eventuell zu überleben. Das beste Beispiel für diesen Gesichtspunkt gibt die Figur der Pippa ab, die gerade das Haus verlassen musste. Nach Ausbruch der Seuche ist die junge Frau mit Patrick in einem Raum eingeschlossen und regt sich über die nichtigsten Dinge auf, anstatt die Bedrohung der Situation auch nur annähernd zu erkennen. Für manch einen mögen diese Einstellungen im ersten Moment sogar etwas lächerlich erscheinen, doch bringen sie ganz eindeutig zum Ausdruck, das persönliche Sichtweisen-und Befindlichkeiten selbst in der apokalyptischen Lage des Szenarios immer noch an erster Stelle stehen. Den Ernst der Ereignisse erkennen nur wenige Personen, doch selbst diese stehen immer noch sichtlich unter Schockwirkung Dessen, was sich außerhalb des Big Brother Hauses abspielt.

Hier liegt auch die ganz große Stärke der Serie, niemand hat überhaupt Zeit gehabt, sich mit den Ereignissen auseinanderzusetzen, die wie aus heiterem Himmel über das Land hereingebrochen sind. Auch der Zuschauer bekommt keinerlei Informationen über den Ausbruch der Seuche, immer wieder eingeblendete Nachrichten berichten lediglich über Gewalt im Land. Über den Auslöser der Epidemie bekommt man jedoch keine näheren Einzelheiten geliefert, so das man sich auf dem gleichen Wissensstand mit den Protagonisten befindet. Dadurch wirkt das Ganze noch authentischer und man kann sich jederzeit in die Personen hineiversetzen die nicht wissen, wie es überhaupt weitergehen soll. Neben der sozialkritischen Note beinhaltet "Dead Set" aber auch sehenswerte Effekte und einen äußerst ansehnlichen Härtegrad. Einziges Manko ist hier die phasenweise etwas hektische Schnittfolge der einzelnen Szenen, die einen doch unwillkürlich an einen Film wie "28 Weeks later" erinnert. Einige Details sind dadurch nicht ganz zu erkennen, was aber letztendlich nur ein ganz kleiner Wermutstropfen in einer ansonsten richtig guten Geschichte ist. Realistischer wie in vorliegendem Fall kann man ein Zombie-Szenario kaum in Szene setzen, bei dem man durchgehend das Gefühl hat mitten im Geschehen zu sein. Stellenweise denkt man, das sich die Ereignisse gerade vor der eigenen Haustür abspielen könnten und ich kann mich an keinen einzigen Zombiefilm erinnern, bei dem der realistische Eindruck so dermaßen gegeben war, wie es bei "Dead Set" der Fall ist.

Auch die Laufzeit der Serie mit gerade einmal gut 140 Minuten ist absolut perfekt gewählt, so kann man sich das Format an einem einzigen Abend anschauen und es entstehen erst gar keine langatmigen Passagen, die das Seh-Vergnügen beeinträchtigen könnten. Regisseur Yann Demange hat hier das Sub-Genre wirklich mit frischem Blut versorgt, bekommt man doch wirklich erfrischende-und teils innovative Kost serviert, die man mit Ausnahme von der Serie "The Walking Dead" lange Jahre vermissen musste. Die immer gleichen Abläufe in den unzähligen Billig-Varianten des Zombiefilms haben doch in letzter Zeit für einige Ermüdungserscheinungen beim Zuschauer gesorgt. Mit "Dead Set" ist nun aber endlich eine Mini-Serie auf DVD erhältlich, die wirklich frischen Schwung ins Genre bringt und eine Variante anbietet, die man in dieser Form noch nicht gesehen hat. Es gibt sie also doch noch, die frischen-und innovativen Ideen gewisser Filmemacher, die eine als ausgelutscht bezeichnete Film-Kategorie mit neuen Impulsen versorgen können. Nicht nur eingefleischte Fans dürften ihre helle Freude an diesem Format haben, präsentiert sich doch von der Hinterhrund-Thematik eine Geschichte, die absolut perfekt in die heutige zeit passt und selbst Neueinsteiger begeistern dürfte.


Fazit:


Daumen hoch für unsere britischen nachbarn, die mit "Dead Set" etwas frischen Wind in das erstarrte Zombie-Genre gebracht haben. Absolut spannende Unterhaltung, ein extrem realistischer Anstrich und perfekt agierende Darsteller sind der Grundstein dafür, das man vor diesem Format nur ehrfurchtsvoll seinen imaginären Hut ziehen kann.


9/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mo 25. Mär 2013, 14:59
von horror1966
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Baby Shower
(Baby Shower)
mit Ingrid Isensee, Patricia Lopez, Claudia Burr, Kiki Rojo, Francisca Merino, Sofia Garcia, Alvaro Gomez, Pablo Krögh, Nicolas Alonso, Berta Lasala, Maria Jose Illanes, Jesus Porres, Isidora Cabezon
Regie: Pablo Illanes
Drehbuch: Pablo Illanes
Kamera: Tevo Diaz
Musik: James Frazier
ungeprüft
Chile / 2011

Angela ist schwanger, die Entbindung steht kurz bevor. Der beste Zeitpunkt, die alte Clique zur Unterstützung einzuladen! Oder doch nicht? Nicht nur, dass die Mädels einen Cocktail nach dem anderen kippen, sich die Näschen inwendig pudern und sich mit dem oberkörperfreien Bediensteten verlustieren - ihnen erscheint auch die abgeschieden gelegene Villa als wenig passender Aufzugsort für ein Neugeborenes. Selbst an der naturverbundenen Sekte, der sich Angela angeschlossen hat, lassen sie kein gutes Haar. Doch das sind nicht die einzigen Gründe für Angelas wenig gastfreundliches Verhalten - und für das Blutbad, das sich bald ereignet.


Nun wird man in unseren Breitengraden ja nicht gerade mit Horrorfilmen aus Südamerika überschwemmt und umso gespannter konnte man auf diesen chilenischen Beitrag sein, der gleichzeitig das Regie-Debüt von Pablo Illanes darstellt. Die Kern-Thematik der Schwangerschaft einer der Hauptdarstellerinnen in Verbindung mit dem Wort Sekte lässt dabei schon erahnen, was letztendlich auf den Zuschauer zukommen wird und die Tatsache das der Film in Deutschland um über 4 Minuten geschnitten ist deutet ganz klar an, das es hier auch ziemlich blutig zur Sache geht. Also sollte man auch definitiv auf die in Österreich erschienene Version zurückgreifen, um das Szenario in seiner vollen Länge zu erleben. Bis es jedoch zu den harten-und teilweise recht derben Gewaltdarstellungen kommt dauert es eine geraume Weile, so das sich der geneigte Gorehound in Geduld üben muss, bis seine Erwartungen endlich erfüllt werden. Die ersten gut 40 Minuten passiert in dieser Beziehung nämlich absolut nichts, wobei sich die etwas zu lange Einführungs-Phase in die Geschichte dennoch nicht vollkommen langweilig präsentiert. Man wird mit den einzelnen Figuren konfrontiert, wobei sämtliche für die Story wichtigen Personen Frauen sind und die männlichen Darsteller nicht über den Status einer Nebenrolle hinweg kommen.

Als Schauplatz für den Großteil des Geschehens wurde eine abgelegene Villa gewählt, in der die schwangere Angela ein Wochenende mit ihren besten Freundinnen verbringen will. Ziemlich schnell wird dabei klar, das zwischen den Frauen eine ungeheure Spannung besteht und Angela hat durchaus ihre Gründe für ihr teils sogar feindseliges Verhalten gegenüber den anderen Frauen. Näher sollte man jedoch nicht darauf eingehen, um niemandem die Spannung zu nehmen, die hier von Minute zu Minute immer mehr in den Vordergrund tritt. Dennoch dauert es ziemlich lange, bis sich diese auch mit einer herrlich bedrohlichen Grundstimmung vermischt, da sich diese erst in der zweiten Filmhälfte richtig zu erkennen gibt. Ab diesem Zeitpunk gewinnt das Szenario dann jedoch mächtig an Rasanz-und Tempo und nun zieht auch ein Härtegrad in das Geschehen ein, der sich wirklich jederzeit sehen lassen kann. Wurde man in der ersten Hälfte des Filmes noch ein wenig eingelullt und mit eher belanglosen Dingen konfrontiert, so lässt die Story nun endlich ihre Stärken erkennen.

Immer mehr werden die Zusammenhänge des Ganzen erkennbar und die Rolle der ominösen Sekte gewinnt immer mehr an Gewicht. Dezente thematische Anlehnungen an einen Klassiker wie "Rosemary's Baby" sind unübersehbar, obwohl man natürlich die beiden Filme nicht wirklich miteinander vergleichen kann. Pablo Illanes setzt nun voll auf die Trumpfkarte der visuellen Gewaltdarstellungen und präsentiert dem Zuschauer dabei etliche Passagen, die es wirklich in sich haben. Der Einsatz von Kunstblut nimmt immer mehr zu und die Derbheit einiger Szenen kann einem schon ein wenig zusetzen. Dennoch wird zu keiner Zeit die Grund-Thematik des Filmes völlig außer acht gelassen und mittlerweile kann man sich auch durchaus denken, worauf das Ganze im Endeffekt hinauslaufen wird. Die zu Beginn noch eher unzusammenhängenden Puzzle-Teilchen fügen sich immer mehr zusammen und lassen ein immer klareres Gesamtbild erkennen.

Und so ergibt sich alles in allem ein wirklich sehenswerter Genre-Beitrag, der insbesondere in der zweiten Hälfte die Intensität erkennen lässt, die man sich schon etwas früher gewünscht hätte. Erwähnenswert ist auch der perfekte Score von James Frazier, der die bedrohliche Atmosphäre der Geschichte ganz besonders hervorhebt. Eine etwas zu lange Einleitung, äußerst gelungene SFX und ein insgesamt gesehen absolut ansehnlicher Härtegrad lassen einen hier zu einem überdurchschnittlich guten Gesamteindruck gelangen, so das man den Regie-Erstling von Pablo Illanes jederzeit empfehlen kann. Zudem wird man auch mit darstellerischen Leistungen konfrontiert, die keinerlei Grund zur Beanstandung geben, wobei insbesondere das weibliche Geschlecht durch tolle Performances ins Auge fällt. Wenn es überhaupt etwas zu beanstanden gibt dann ist es die ereignislose Einführung, die man durchaus um einige Minuten hätte kürzen können, doch sollte das nicht als zu großes Manko in einem ansonsten gelungenem Film angesehen werden.


Fazit:


"Baby Shower" erinnert einen ganz unweigerlich in einigen Passagen an Filme wie "Inside" oder auch "Rosemary's Baby", unterscheidet sich jedoch dennoch ganz erheblich von den genannten Werken. Die volle Intensität des Geschehens offenbart sich zwar erst in der zweiten Hälfte des Filmes, trifft den Betrachter dann jedoch mit der Wucht eines Keulenschlags mitten in die Eingeweide. Für Leute mit einem eher zarten Gemüt ist das Werk nicht unbedingt zu empfehlen, doch Freunde der harten Gangart werden voll auf ihre Kosten kommen.


7,5/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mo 25. Mär 2013, 20:22
von horror1966
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Der Blob
(The Blob)
mit Kevin Dillon, Shawnee Smith, Donovan Leitch, Jeffrey DeMunn, Candy Clark, Joe Seneca, Del Close, Paul McCrane, Sharon Spelman, Beau Billingslea, Art LaFleur, Ricky Paull Goldin, Robert Axelrod
Regie: Chuck Russell
Drehbuch: Irvine H. Millgate / Theodore Simonson
Kamera: Mark Irvin
Musik: Michael Hoenig
FSK 18
USA / 1988

Die gallertartige Substanz stammt aus dem Weltall und ernährt sich von Menschenfleisch. Die Opfer tragen grausame Verätzungen davon oder werden bis auf die Knochen abgenagt. Nach jedem Fressen wird der schwabbelige Mörderpudding - Blob genannt - größer und größer. Bald hat er die Stadt erreicht und breitet sich unaufhaltsam über Kanalisation und Luftschächte aus. Polizei und Militär sind machtlos. Weder Feuer noch Gifte noch Bomben können dem Blob etwas anhaben. Die gesamte Menschheit schwebt in Lebensgefahr.


Wenn einem Film-Klassiker eine Neuauflage zu teil wird dann verhält es sich doch in den meisten Fällen so, das die Remakes nicht an die Originale herankommen. Beim vorliegendem "Der Blob" verhält es sich meiner persönlichen Meinung nach vollkommen anders, beinhaltet die neue Version doch so ziemlich alles, was in der Verfilmung aus dem Jahre 1958 gefehlt hat. Das beginnt allein schon damit, das Regisseur Chuck Russell seiner Geschichte genau das richtige Tempo verliehen hat, denn von Beginn an geht es hier weitaus rasanter zur Sache, als man es aus dem Original her kennt. So entstehen hier auch keinerlei langatmige Passagen, selbst die Einführung in das Szenario und die damit verbundene Charakter-Einführung der für die Story wichtigen Figuren gestaltet sich kurzweilig-und abwechslungsreich. Zugegebenermaßen fällt die Skizzierung der einzelnen Personen nicht sonderlich tiefgehend aus, doch fällt es dem Zuschauer überhaupt nicht schwer, sich mit den einzelnen Personen auseinanderzusetzen. Lebte die Erst-Verfilmung des Stoffes noch hauptsächlich von der Präsenz eines Steve McQueen und hatte ansonsten doch recht wenig zu bieten, so bekommt man in vorliegendem Fall neben guten Schauspielleistungen noch eine Menge mehr geboten.

Das die vorhandenen Effekte dabei viel besser geraten sind ist keine wirkliche Überraschung, immerhin liegen satte 3 Jahrzehnte zwischen den beiden Filmen. Entscheidend ist vielmehr der Gesichtspunkt, das die Ereignisse hier wirklich eine Bedrohlichkeit an den Tag legen, die man förmlich greifen kann. Die gallertartige Masse des Blob ist nahezu alles verzehrend, so das etliche Menschen ihr Leben verlieren, ohne eigentlich zu wissen wie ihnen geschieht. Besonders schön sind dabei die Bilder, wenn man die Opfer innerhalb der schleimigen Substanz beobachten kann, denn dieser Anblick kann schon für den ein-oder anderen wohligen schauer beim Betrachter sorgen. Über die Herkunft der unheimlichen Masse bekommt man mit zunehmender Laufzeit immer mehr Informationen, wobei die Bewohner der Kleinstadt selbstverständlich von den Soldaten und Wissenschaftlern über die wahre Herkunft belogen werden. Zivilisten sind entbehrlich heißt es während der Abläufe, denn das Geheimnis um den Blob soll möglichst gewahrt bleiben und dazu scheint jedes Mittel recht, auch wenn man dabei zwangsweise gegen jede Menschlichkeit und Moral verstößt.

Und so baut das Szenario durchgehend einen dramaturgisch äußerst gelungenen Spannungsaufbau auf, der keinerlei Einbrüche zu verzeichnen hat und sich bis hin zur letzten Einstellung aufrecht erhalten kann. All das sind Attribute, die ich im Original keinesfalls entdecken konnte, wurde man dort doch viel eher mit einem maximal mittelmäßigen Filmchen konfrontiert, das phasenweise regelrecht die pure Langeweile verbreitet hat. Lediglich der 50er Jahre Charme und Steve McQueen bewahren den sogenannten Klassiker vor einem totalen Reinfall, so das diese Neuauflage definitiv bevorzugt werden sollte.

Chuck Russell hat hier wirklich sehr gute Arbeit abgeliefert und präsentiert den lahmen Original-Blob in einem neuen-und vor allem frischen Gewand, das der vorhandenen Thematik sehr zu Gute kommt. Spannung, gute Darsteller, eine dichte Grundstimmung und sehenswerte Effekte bringen ordentlich Pep in die Sache und sorgen so für ein extrem kurzweiliges Film-Vergnügen, dessen Sichtung sich definitiv lohnt. Die langatmige 58er Version mag in Fan-Kreisen zwar Kult-Charakter besitzen, kommt aber in allen Belangen nicht annähernd an die Neuauflage heran, die mehr als eindeutig die Nase vorn hat.


Fazit:


Hier wurde langatmiges Mittelmaß gegen eine temporeiche Variante ersetzt und das ist auch gut so. Auch wenn ich selbst ein bekennender Liebhaber der Klassiker bin, liegt hier doch meiner Meinung nach das beste Beispiel dafür vor, das auch die Remakes durchaus ihre Berechtigung haben und manchmal das Original sogar locker in die Tasche stecken.


8/10