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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb

Verfasst: Fr 17. Aug 2012, 07:21
von jogiwan
Tausendschönchen

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Die beiden unzertrennlichen Freundinnen Marie und Marie2 beschließen eines Tages keine braven Mädchen mehr zu sein, sondern sich der aktuellen Lage der Welt anzugleichen um fortan so verdorben wie nur möglich zu sein. Sie treffen sich mit älteren Männern um diese auszunehmen, stören eine Tanzaufführung in dem sie die ganze Aufmerksamkeit des Publikums auf sich ziehen, trinken und schlemmen etwas zu ausgiebig um danach wieder über den Lauf der Dinge zu philosophieren und neuen Schabernack zu planen. Als sich die beiden auch nicht wirklich wahrgenommen fühlen und entdecken, wie beschränkt ihre Möglichkeiten im Grunde doch sind, versuchen die Beiden ihren Plan noch radikaler zu betreiben und steuern so einem tragischen Höhepunkt entgegen.

Liest man die Inhaltsangabe von Vera Chytilovás „Tausendschönchen“ so klingt das erst einmal nicht nur spannend, sondern durchaus auch etwas düster. Zwei Mädchen, die gegen das System rebellieren und der Gutbürgerlichkeit den Stinkefinger zeigen ist auch reichlich provokant und es ist wenig verwunderlich, dass dieser Pop-Art-Streifen nicht nur für lange Gesichter gesorgt hat, sondern vorsichtshalber auch gleich einmal verboten wurde. Doch „Tausendschönchen“ ist alles andere als ein trauriges oder gar niederschmetterndes Drama, sondern so ziemlich das genaue Gegenteil davon. Ein zum Teil recht albernes Werk voller Lebensfreude, in dem Humor und infantiles Verhalten seiner Protagonisten auf subversiven Kritik und beißenden Humor trifft und nebenher auch mittels Form, Farbe und Inhalt so ziemlich alles über den Haufen geworfen wird, was man sich als Zuschauer so erwarten würde.

Chytilovás Werk ist inhaltlich zwar sicherlich nicht gänzlich gelungen und hat neben etwas nervigen Protagonisten auch durchaus seine langweiligen Momente, ist dann aber gleichzeitig wieder so grandios in Szene gesetzt und voller Anspielungen gespickt, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr rauskommt. Experimentalfilm trifft auf Fotokunst trifft auf Drogentrip trifft auf Gesellschaftskritik trifft auf Feminismus trifft auf noch so vieles mehr, dass eine Aufzählung hier den Rahmen sprengen würde. Allen aufgeschlossenen Filmfreunden sei "Tausendschönchen", dem wohl buntesten Film der "Czech New Wave" dann auch schwerstens empfohlen. Ein Bilderrausch, der einen unvorbereitet überfährt und dann ratlos und dennoch mit einem Lächeln zurücklässt.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb

Verfasst: Sa 18. Aug 2012, 10:45
von jogiwan
Pedro Almodovar-Double-Feature:

Labyrinth der Leidenschaften

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Die nymphomanische Sexilia trifft im wilden Madrid der Achtziger auf den schwulen Königsohn Riza, der sich im Exil befindet und ebenfalls nichts anbrennen lässt. Beiden beginnen unvorbelastet eine asexuelle Beziehung, die jedoch unter einen schlechten Stern steht, da Sexilia seit Kindheit traumatisiert ist und Riza von moslemischen Rebellen entführt werden soll und auch von seiner herrischen Stiefmutter Toraya verfolgt wird, die ein Kind von ihm möchte. Als Riza auch noch der Star einer Musiktruppe wird, die im direkten Konkurrenzkampf zu Sexilias Girl-Group steht und sich auch noch die Presse einmischt, steuert alles einem turbulenten Höhepunkt entgegen...

Pedro Almodovars zweiter Langfilm aus dem Jahre 1982 ist nicht nur der "Movida"-Film schlechthin, sondern auch ein wilder Trip durch die Zutaten sämtlicher Klatschspalten inklusive Sex, Drugs und Elektro-Pop! Die Geschichte erinnert wohl nicht umsonst etwas an die Werke von John Waters und ist auch nicht immer ganz geschmackssicher und glänzt mit hanebüchenen Entwicklungen und subversiven Humor am laufenden Band. Zwar ist das undergroundige und wüste Werk dramaturgisch sicherlich nicht gänzlich gelungen und auch total vesext, aber "Labyrinth der Leidenschaften" beinhaltet schon die Zutaten seiner späteren Erfolge und glänzt auch noch mit einer wunderbaren Helga Liné als gestürzte Königin von Tiran, die aus unbekannten Gründen einen italienischen Akzent hat und zu der das Leben "molto ungerecht" war. Herrlich!

Fessle mich!

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Almodóvars ungewöhnliche und nicht unumstrittene Liebesgeschichte über den Ex-Psychiatrie-Patienten Ricky, der nächtens bei dem Ex-Porno-Starlet, Ex-Junkie und Genre-Schauspielerin Marina einsteigt um mit ihr eine Familie zu gründen. Leider ist diese von der Idee wenig begeistert und Ricky fesselt die werte Dame erst einmal ans Bett um diese von einen Absichten und wahren Gefühlen zu überzeugen. Die Außenseiter-Dramödie ist nicht nur originell, freizügig und knallig-bunt, sondern auch eine Hommage vor dem spanischen Horrorfilm, in dem u.a. auch Francisco Rabal ("Großangriff der Zombies") und Emilio Redondo ("People who own the Dark") zu sehen sind. Auch die Figur des Regisseurs im Film erinnert frappant an eine spanische Größe. Sicherlich einer meiner absoluten Lieblingsfilme!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb

Verfasst: So 19. Aug 2012, 09:50
von jogiwan
Black Zombies/Dämonen 3

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Blap hat geschrieben:Stars sind die knuffig anzuschauenden Zombies, schlufernd tragen sie ihre Hack- und Stechwerkzeuge durch die Kulissen, Augen sind besonders begehrt. Untote wollen Satisfaktion, gewissermaßen Zombies auf Vergeltungstour, warum nicht.
Jupp! Lenzis etwas obskure Voodoo-Zombie-Sause ist wirklich ein recht netter Spass für zwischendurch, dem zwar irgendwie die großen Höhepunkte fehlen, aber bei dem auch trotzdem keine Langeweile aufkommt. Die Darsteller sind passabel, die Geschichte halbwegs originell und bietet neben okkulten Riten und etwas Schmodder auch noch schönen Aufnahmen von Rio de Janeiro. Interessant auch das erwähnte Interview auf der CMV-Scheibe, in dem sich Herr Lenzi wenig wohlwollend über zwei seiner Hauptdarsteller äußert. Unterm Strich ein System-erhaltendes Vergnügen der leicht überdurchschnittlen Art, das man sich als Italo- und Zombie-Fan natürlich nicht entgehen lassen sollte.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb

Verfasst: Di 21. Aug 2012, 06:58
von jogiwan
The Hunter

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Ruhig erzähltes und dennoch sehr interssantes Drama über einen Einzelgänger, der am Ende der Welt einer Legende nachspüren und erlegen soll. Was anhand des Covers als Adrenalin-Thriller mit Mystery verkauft werden soll, geht ja eher in eine komplett andere Richtung und besticht durch wundervolle Landschaftsbilder, einem kantigen Dafoe und einer unvorhersehbaren Geschichte, die recht behäbig seine Spannung aufbaut. Die Erwartungen auf ein Happy-End werden gleich auf mehrfache Weise torpediert, auch wenn der Streifen auf reißerische Töne größtenteils verzichten. Toller, ruhiger Film!

8x45 - Die Testamentsmaschine

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Wer sich am Ende von "8x45" nochmals einen Kracher erwartet, wird leider enttäuscht. "Die Testamentsmaschine" ist leider ein etwas fragwürder Abschluss der Mystery-Serie, der sich mit seiner Mischung aus Horror, ländlicher Charakterstudio und Humor vollkommen zwischen die Stühle setzt. Serge Falck ist und bleibt halt auch kein guter Schauspieler und auch das Potential der Geschichte mit seinen Anleihen bei Frankenstein wird weitgehend verschenkt. Mein schlechtere Hälfte schmunzelte auch über den Gebrauch von Plastik-Kabel bei einer Maschine aus dem vorigen Jahrhundert. Mir wäre das nicht aufgefallen, hab ich zu dieser Zeit ja auch schon mit dem Schlaf gekämpft. Leider so gar nicht geil!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb

Verfasst: Di 21. Aug 2012, 06:59
von jogiwan
Picknick am Valentinstag:

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Unaufgeregt erzählter und wunderbar in Szene gesetzter Streifen von Peter Weir über einige Schülerinnen und Lehrerin einer weiblichen Benimmschule, die während eines Ausflugs zu einem Felsen auf mysteriöse Weise verschwinden. Trotz angestrengter Suche bleiben die Mädchen verschwunden und als eine Woche später eine der Schülerinnen wieder auftaucht, weist diese seltsame Verletzungen auf, ohne sich an etwas erinnern zu können. Die Polizei steht vor einem Rätsel, während auch die Schule immer mehr unter dem "Skandal" zu leiden hat. Die Bilder von "Picknick am Valentinstag", die bisweilen etwas an David Hamiltons "Zärtliche Cousinen" erinnert sind wunderschön, die Geschichte bleibt mysteriös und ist trotz fehlender Auflösung spannend und auch wenn beim Zuschauer viele Fragezeichen zurückbleiben, so kann man sich danach sicher sein, etwas besonderes gesehen zu haben. Sehr schön!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb

Verfasst: Mi 22. Aug 2012, 09:25
von jogiwan
Die letzte Flut

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Zwei Jahre nach "Picknick am Valentinstag" lieferte Peter Weir eine weiteren interessanten Film ab, der sich neuerlich geschickt einer Klassifizierung entzieht. Irgendwo zwischen Endzeit-Thriller, übernatürlicher Selbstfindung und Minderheiten-Drama präsentiert uns Weir die mysteriöse Welt der Aborigines und ihren kultischen Glauben, der den meisten hier wohl ebenfalls unbekannt sein dürfte. In ruhigen Tempo wird die Geschichte eines Anwalts erzählt, der durch einen vermeintlichen Kriminalfall immer tiefer in eine bislang unbekannte Welt von überlieferten Prophezeiungen eintaucht, während sich um ihn herum die Anzeicher einer drohenden Apokalypse häufen. Ich mag ja diese Art von Thematik sehr gerne und trotz Richard Chamberlain und fehlender Spannung hat mich "Die letzte Flut" mit fiepsigen Synthie-Soundtrack und starken Bildern auch nicht enttäuscht.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb

Verfasst: Do 23. Aug 2012, 10:01
von jogiwan
Batman hält die Welt in Atem

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Der knallbunte Streifen aus dem Jahre 1966 ist einfach ein Kracher von der ersten bis zur letzten Sekunde und macht dank skurriler Ideen am laufenden Band auch Riesenspaß. Ein viel zu ernster Batman und sein mutiger Zögling Robin, drei der oberschurkisten Bösewichter aller Zeiten und das grazilie Katzenweib (englische Wörter wollte man wohl der damaligen Zielgruppe nicht zumuten) in einer Doppelrolle als Kitayna Ireyna Tatanya Kerenska Alisoff. Die Handlung geht ziemlich nach vorne und bieten dem aufgeschlossene Zuschauer trotz der Verbrecherjagd universelle Lebensweisheiten. Grandios auch, wie beschwerlich es oftmals für Superhelden sein kann, wenn man mal kurzfristig eine tödliche Bombe loswerden muss. Da bleibt kein Auge trocken und kein Schenkel ungeklopft und "Batman hält die Welt in Atem" muss man einfach liebhaben.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb

Verfasst: So 26. Aug 2012, 09:01
von jogiwan
Rampart - Cop außer Kontrolle

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Nicht uninteressantes, aber dennoch seltsames Drama über einen korrupten Cop, der als Rassist und homophober Menschenfeind präsentiert und dessen harte Fassade dann im Verlauf stückchenweise seziert wird, bis nicht mehr viel übrig bleibt. Zwar wird in dem Streifen auch die negativen Seiten der Figur relativiert, andererseits macht es Regisseur Moverman dem Zuschauer auch nicht leicht, auch nur in irgendeiner Weise Verständnis für den Streifenpolizisten aufzubringen. Woddy Harrelson agiert sicherlich bemerkenswert und auch die Nebendarsteller sind sehr gut, aber im Gegensatz zu Arkadin fand ich die Art und Weise der Kameraführung teils nervig und "Rampart" ist eigentlich diese Art von Film präsentiert die Art von Geschichte, die nicht so leicht einen Weg in mein Herzen findet.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb

Verfasst: So 26. Aug 2012, 09:01
von jogiwan
Deported Women of the SS Special Section

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N.Ploitation-Filme glänzen ja selten durch ihre Geschmackssicherheit und auch "Deported Women of the SS Special Section" ist da keine Ausnahme. Rino Di Silvestros Ausflug in das Genre setzt seinen Schwerpunkt dann auch eher auf den weiblichen Körper, als die Gräuel des Krieges. Ausgiebige Körperpflege wird jedenfalls groß geschrieben die episodenhafte Handlung recht lose miteinander verknüpft. Neben ein bisschen Schmodder gibt es aber auch ein paar grandiose Momente, wenn zum Beispiel der abgewiesene Kommandant Erner nachdem er von seiner Jugendliebe abgewiesen wird, sich kurzerhand an seinem Wachmann mit dem Namen Dobermann sexuelle Befreiung verschafft.

Darstellerisch gibts auch nicht viel zu meckern und neben einem tuntig agierenden John Steiner gibt es auch noch Erna Schürer und Solvi Stubing als deutsche Aufseherinnen zu sehen, die im gleichen Jahr auch in "Die Nacht der blanken Messer" zu sehen waren. Die restlichen Damen waren mir unbekannt, was auch daran liegt, dass von den meisten auch nicht der Kopf zu sehen ist. Die amerikansiche DVD hat zwar eine sehr schlechte Qualität und erinnert an eine farblose VHS, dafür wird aber neben Englisch immer wieder mal deutsch gesprochen. Insgesamt ein doch sehr sleaziger Vertreter, der zum Glück auf allzu geschmacksbefreite Momente und Archivaufnahmen verzichtet und so ingesamt auch eher harmlos bleibt. Wer gerne Bärchen guckt ist mit "Deported Women of the SS Special Section" aber sicherlich an der richtigen Adresse...

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb

Verfasst: Mo 27. Aug 2012, 07:00
von jogiwan
Airport

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Unterhaltsamer Auftakt meiner persönlichen Airport-Reihe, der jedoch nur beschränkt als Katastrophenfilmchen tauglich ist. Die Boing 707 ist natürlich das sicherste Flugzeug der Welt, aber ansonsten gehts eher um die administrativen Probleme am Boden und viel Beziehungs-Tralala bei den handelndten Personen. Heisst ja schließlich auch "Airport" und nicht "Airplane", moi Dummerchen! Zwischendrin gibt einen explodierenden Koffer und ein paar amüsante Szenen über die damaligen Sicherheitsbedingungen, die schlicht und ergreifend nicht vorhanden waren. Auch die Szene, in der sich Passagiere über das Verhalten einer Saftschubse aufregen, würde sich heutzutage wohl auch ganz anders abspielen. Unterhaltsam, aber auch etwas langatmig und "Airport" braucht trotz vieler bekannter Gesichter auch eindeutig zu lange, bis er in die Puschen kommt. 6-7/10