Eckhart Schmid-Double Feature:
Loft
Teils (bewusst) etwas anstrengend zu konsumierendes Werk von Eckhart Schmidt mit sehr nerviger Musik- und Geräusch-Untermalung, das irgendwo an der Schnittstelle zwischen Terrorkino und unterkühlten Arthouse-Drama liegt. Jedenfalls geht es imho irgendwie um den Kampf zwischen Underground und Mainstream und obwohl die Fronten anfänglich geklärt sind, entwickelt sich alles ein wenig anders, wie man es sich eigentlich erwartet. Überraschend ist die Brutalität, mit der zu Tage gegangen wird (zwei Szenen mussten ursprünglich gekürzt werden) und trotzdem funzte der Streifen bei mir nur bedingt, da die Charaktere leider allesamt sehr, aber auch wirklich sehr unsympathisch ausgefallen sind.
Technisch gibt es nicht viel zu bemänglen und wer sich an dem Achtziger-Jahre-NDW-Look nicht stört, kann auf jeden Fall einen Blick riskieren. Warum man das Ganze jedoch in einem Postapokalyptischen Ambiente veranstalten musste, liegt wohl daran, dass mit andauernden Bombengeräuschen und Maschinengewehr-Salven und Ohrkrebs-Synthie-Chords der Zuschauer zusätzlich an die Grenzen des Erträglichen geführt werden soll. Das funzt dann auch recht gut und nach dem ruppigen Start Schauspielerisch ist "Loft" auch okay und das strange Ende hat mir ebenfalls gefallen. Trotzdem ist "Loft" kein Partyfilm und der Streifen macht es einem sicher nicht einfach, ihn zu mögen und ist daher auch kein Film, der so schnell wieder in meinem Player landen wird.
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Im Bonusmaterial der DVD erklärt Eckhart Schmidt ganz kurz, dass es in dem Streifen um die Rache der Bilder an Menschen geht, die sich auf Vernisagen tummeln und sich im Grunde gar nicht für die Bilder des jeweiligen Künstlers interessieren. Die gewaltbereiten "Punks" sind Sinnbild für die Kunst, die sich an dem Upperclass-Pärchen rächen, dass in das Loft kommt und sich dort lieber mit sich selbst vergnügen, als der Kunst eine Wertschätzung entgegenzubringen. Daher sind am Ende nach dem Tod der "Punks" auch die BIlder von den Wänden verschwunden. Was wiederum meiner Einschätzung entspricht, dass hier gezeigt werden soll, dass der Underground vom Mainstream geschluckt wird, der sich den gleichen Mitteln bedient.
Wie treu ist Nik?
Der erfolgreiche Superstar Nik hat eine riesige Fanschar, die sich laut Statistik zu 99,9 % aus Frauen zusammenstellt. Als er in einem Interview mit dem Sender "Okay", verlautbaren lässt, dass er sich unsterblich in die introvertierte Sarah verliebt hat und gedenkt, diese zu ehelichen, laufen seine Fans Amok und belagern den Superstar in seinem Hotel, während Sarah als geldgeile Schlampe beschimpft wird. Auch Niks Management ist alamiert und nötigt den Frauenschwarm dazu, seinen Vertrag zu erfüllen, der auch die Teilnahme an einem "Triff deinen Star"-Wettbewerb vorsieht, den Anja (die Anständige), Manja (die Manische) und Tanja (die Tollwütige) gewonnen haben. Die Drei setzten alles daran, den Superstar zu verführen und schon bald stellt sich die Frage, wie treu Nik seiner Sarah wirklich ist.
Du meine Güte! Was für eine gequirlte Scheisse. Die Abgründe der Popkultur in Form eines 80minütigen Weichzeichner-Irgendwas, durch das sich ein lustloser Sal Paradise quält, der in zwei Tagen durch den englischen Garten in München wankt und sich aufdringlicher Fans und bösartiger Berichterstattung erwehren muss. Dazwischen werden immer wieder die gleichen Songs angespielt und allerlei Entwicklungen präsentiert, die einem die Gehirnwindungen kräuseln lassen. "Wie treu ist Nik?" ist inklusive Happy-End nicht nur der absolute Gegenentwurf zu "Der Fan", sondern ein Verbrechen am Zuschauer und dessen Zurechnungsfähigkeit.
Die Geschichte über Star-Sein in den Achtzigern inklusive der Sache mit dem Auto geht ja mal gar nicht und die Nebendarsteller (u.a. eine junge Ursula Karven) übertrumpfen sich in Over-Acting, während Sal Paradise und seine Sarah nur apathisch agieren und alles scheinbar willenlos über sich ergehen lassen. Sybille Rauch als Reporterin im Madonna-Outfit ist ebenfalls eher nervig und wurde - wohl wegen ihrem tiefbayrischen Akzent - nachträglich synchronisiert... Es fällt mir jedenfalls schwer, nach meiner gestrigen Sichtung auch nur irgendetwas Positives an dem Film zu finden und selbst als geeichter Trashologe stellt sich die Frage, ob "Wie treu ist Nik" nicht vielleicht wirklich der schlechteste Film aller Zeiten ist. Ein Anwärter ist er allemal... So schlecht - das sollte man schon gesehen haben.
