Seite 43 von 454
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb
Verfasst: So 31. Jul 2011, 19:22
von jogiwan
In Angst gefangen
Es gibt sie ja zum Glück immer wieder: die bislang verschollenen, grob-vernachlässigten und stimmigen Genre-Perlen, die eines Tages wie von Geisterhand auftauchen und es mühelos schaffen, dem aufgeschlossenen Genre-Fan ein verzücktes Lächeln auf das beeindruckte Gesicht zaubern. Dieser Film gehört da jedoch leider NICHT dazu, sondern zählt wohl wirklich zu den gröbsten Gurken, die aus den Untiefen der Achtziger Jahre auf den Zuschauer losgelassen wurden. Der spanische Versuch, sich etwas verspätet an die Erfolgen des psychopathischen Serial-Killer- und Slasher-Movies aus amerikanischen Landen zu hängen, geht ja sowas gehörig in die Hose und zeigt dem fassungslosen Zuschauer, wie man es eigentlich nicht machen sollte.
„In Angst gefangen“ ist ein doch sehr unterdurchschnittlicher Serial-Killer-Slasher, der sich zwar an amerikanischen Vorbildern orientiert, aber dann im überwiegenden Ausmaß alles falsch macht. Dass sich der Streifen dennoch größerer Beliebtheit erfreut liegt größtenteils an der unglaublichen deutschen Synrchro, die wirklich jedem Fass den Boden ausschlägt und neben allgemeiner Erheiterung auch dafür sorgt, dass man den spanischen Streifen auch zu keiner Sekunde ernst nehmen kann. Hätte man die wenigen Slasher-Elemente durch Fickel-Szenen ersetzt, wäre das Teil vermutlich auch als Sex-Klamotte durchgegangen. So bleibt ein doch etwas seltsamer Film, der zwar dem geeichten Trashfreund gefallen wird, irgendwie aber auch Erinnerunge and die Obergurke „Last Slumber Party“ wach werden lässt und daher definitiv nicht zu den Highlights der allseits beliebten Trash-Collection zählt. Spaß macht er aber trotzdem...

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb
Verfasst: Mo 1. Aug 2011, 07:40
von jogiwan
After.Life
Die Lehrerin Anna erwacht auf dem Tisch des Bestatters Eliot, der ihr erklärt, dass sie bei einem Unfall verstorben ist und er die seltene Gabe hat, mit den Toten zu kommunizieren, solange diese ihr irdisches Leben nicht hinter sich lassen können. Doch Anna glaubt Eliot nicht und versucht sich verzweifelt an den Unfall zu erinnern. Zur gleichen Zeit versucht auch Paul, seine große Liebe nochmals wieder zu sehen, was an Annas herrischer Mutter und dem bestimmten Auftreten des Bestatters scheitert. Und so entwickelt auch er die fixe Idee, dass Anna gar nicht gestorben ist...
Langatmiger, aber hochkarätig-besetzter Mystery-Grusler - frei nach der "Malastrana"-Idee, die dann jedoch wenig konsequent zu Ende gebracht wird. Ob Anna jetzt tatsächlich tot ist oder nur einem Komplott zum Opfer gefallen ist - wer weiß das schon, wenn einfach alle Richtungen offen gehalten werden. Jedenfalls wartet man ständig auf einen Sinn-ergebenden Plott-Twist, der letzendlich nicht kommt. Das Filmchen will den Zuschauer dann wohl lediglich dazu anregen, seine eigene Existenz zu überdenken und das Leben gut zu finden, was letztendlich bei mir nicht gelungen ist: 4/10
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb
Verfasst: Di 2. Aug 2011, 07:30
von jogiwan
Jigoku - Das Tor zur Hölle
Der Student Shiro wird eines Nachts Zeuge, wie sein Kollege Tamuro mit dem Auto einen betrunkenen Yakuza überfährt und danach Fahrerflucht begeht. Als dieser verstirbt wird Shiro von Gewissenbissen geplagt und beschließt mit seiner Verlobten zur Polizei zu gehen. Doch auf dem Weg dorthin stirbt auch die Verlobte und Shiro stürzt sich betrunken in eine Affäre mit der Stripperin Yoko, die jedoch die Witwe des verstorbenen Yakuzas ist. Diese sinnt auf Rache, während Shiro mit der nächste Hiobsbotschaft konfrontiert wird. Immer tiefer verstrickt sich der Student und sein Umfeld in einem Netz aus Lügen und Laster und nach einer Feier landen sie allesamt direkt in den Abgründen der Hölle, wo grausame Qualen als Strafe für die begangenen Sünden auf sie warten...
Was für ein Trip! "Jigoku" führt seine Protagonisten und Zuseher nach etwa einer Stunde Laufzeit geradewegs in die Hölle, wo wirklich keine Gefangenen gemacht werden und Shiro mit grausamen Verstümmelungen und Strafen konfrontiert wird. Der ganze Streifen ist absolut schräges Advantgarde-Kunstkino und wie "Kwaidan" auf Acid, bei ich auch ständig aufgrund der Ausleuchtung und Farb-Akzentuierung an Mario Bava denken musste. Das Finale toppt wirklich alles und ist angesichts des Entstehungsjahres schlichtweg sensationell. Da wird doch tatsächlich gesplattert, gemordet und die Hölle entpuppt sich als schrecklicher Ort, den sich auch Lucio Fulci nicht besser ausdenken hätte können. Holladrio und wow!
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb
Verfasst: Mi 3. Aug 2011, 08:51
von jogiwan
Schwarzer Engel
15 Jahre nachdem der erfolgreiche Unternehmer Michael Frau und Kind bei einer missglückten Lösegeld-Übergabe verloren hat, trifft er in einer Kirche in Florenz auf die italienische Restauratorin Sandra, die seiner Frau zum Verwechseln ähnlich sieht. Es entsteht eine Romanze, bei der Michael zunehmend den Bezug der Realität verliert und der fixen Idee erliegt, dass er nochmals eine zweite Chance erhalten hat. Und tatsächlich scheint sich der Lauf der Geschichte zu wiederholen, als auch Sandra entführt wird und es nochmals zu einer schicksalshaften Lösegeld-Übergabe kommt...
Netter Hitchcock-a-like-Thriller von dem stets sympathischen Brian De Palma, der in seiner Geschichte natürlich an "Vertigo - Aus dem Reich der Toten" angelehnt ist, aber dennoch genug Eigenständigkeit beweist um nicht als Plagiat durchzugehen. Der Streifen ist dann auch mehr Drama als spannender Thriller und übereugt neben seinen Darstellern auch durch wunderbare Kamerfahrten und Plansequenzen, sowie der orchestralen Musik von Bernhard Herrman. Kein absolutes Highlight wie seine anderen Frühwerke, aber durchaus okay: 8/10
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb
Verfasst: Do 4. Aug 2011, 23:21
von jogiwan
Noroi: the curse
Masafumi Kobayashi ist TV-Journalist und interessiert sich vor allem für übersinnliche und paranormale Geschichten. Eines Tages kommt er im Rahmen einer Reportage zu einer Frau, die sich über seltsame Geräusche und eine mysteriöse Nachbarin beschwert. Diese ist zwar wenig später wie vom Erdboden verschwunden, aber auch die Frau samt Kind auf unerklärliche Weise verstorben. Er findet ein übersinnlich-begabtes Mädchen, dass sich wenig später seltsam benimmt und ebenso spurlos verschwindet. Eine andere Person hat Kontakt mit einem mysteriösen Wesen und wird daraufhin in einer Sendung von einem Medium attackiert. Alles weist auf einen uralten Fluch hin, der in einem mittlerweile verschwundenen Dorf praktiziert wurde und auch Kobayashi muss bald erkennen, dass mit Geistern nicht zu spaßen ist...
Oopsi pupsi - ein J-Horror-Film im Stil von "X-Files", "Blair Witch Project", "Paranormal Activity" und "Cannibal Holocaust". Der Streifen kommt im extrem real-wirkenden Video-Look und baut von Beginn an eine sehr gruselige Stimmung auf, die zwar nicht unbedingt mit Schock-Effekten daherkommt, aber aufgrund der ruhigen Inszenierung umso authentischer wirkt. Die Geschichte über den Hintergrund des Fluchs wird stückchenhaft entwirrt und am Ende laufen alle Fäden in einem skurril-grotesk-gruseligen Finale zusammen. Absolut geil, effektiv, wirklich ziemlich creepy und auch wesentlich stimmiger, als das potthässliche Cover vermuten lassen würde! Für alle, die sich ein bissl für okkulte Dinge interessieren ein gelungender Film, der seine Wirkung nicht verfehlen wird. Danke Vinzschi für den Tipp, auch wenn meine Nachtruhe heute wohl darunter leiden wird...

/ 10
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb
Verfasst: Sa 13. Aug 2011, 15:21
von jogiwan
La Herencia Valdemar
Die Immobilien-Sachverständige Luisa wird von der Valdemar-Stiftung in die alte und verlassene Villa des vor langer Zeit verstorbenen Gründers geschickt, um die Einrichtung zu katalogisieren und zu schätzen. Dort angekommen findet sie am Dachboden die verwesende Leiche ihres Vorgängers und wird von einem mysteriösen Wesen attackiert. Als die junge Frau längere Zeit verschwunden bleibt wird von der Stiftung der Privatdedektiv Nicolás angeheuert, der den Verbleib von Luisa erforschen soll. Und während seiner Reise zu dem ominösen Haus erfährt er dieser von einer mysteriösen Frau die tragische Geschichte von Lázaro Valdemar, der seinen Hang zum Okkultismus teuer bezahlen musste...
Wertung folgt nach Teil 2
Labyrinth des Schreckens
Hach, ich liebe diesen Film! Mit jeder Sichtung wird diese trashige Giallo-Granate einfach noch besser und ich muss meine subjektive Wertung stets um einen Punkt erhöhen! Doofe Dialoge, universelle Wahrheiten, hölzerne Darsteller, hanebüchene Story und das schrecklichste Motiv aller Zeiten... 13/10
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb
Verfasst: So 14. Aug 2011, 18:25
von jogiwan
La Herencia Valdemar II: la sombra prohibida
siehe hier:
http://deliria-italiano.org/phpbb/spani ... tml#p35291
Saint Ange - Haus der Stimmen
Sehr hübsch in Szene gesetzter, aber ziemlich unentschlossener Mystery-Grusler des "Martyrs"-Regisseur Pascal Laugier, der mit Virginie Ledoyen ("8 Frauen") und Catriona MacColl über eine durchaus interessante Darstellerriege verfügt, aber dessen etwas langatmige und fast schon zu ruhig erzählte Geschichte leider nicht so wirklich der Bringer ist. Wie schon "Martyrs" wäre auch "Saint Ange" wohl gerne ein metaphorischer und philosophisch-vielseitig interpretierbarer Streifen, doch wo "Martyrs" aufgrund seinem Genre-Twist und Torture-Porn-Overkill scheitert, ist "Saint Ange" einfach eine Spur zu öde geworden. Lässt sich schon gut gucken, aber gruselig ist die Sache nicht. Wenn schon Waisenhaus, dann lieber "The Devil´s Backbone" oder eben "Das Waisenhaus"! 6/10
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb
Verfasst: Mo 15. Aug 2011, 10:10
von jogiwan
Dream Home
Gestern endlich die englische DVD gesichtet und irgendwie lässt mich der Film doch etwas ratlos zurück. Wie schon bei dem thailändischen "Meat Grinder" treffen hier dramatische Elemente auf "over-the-top"-Gore, dass im Falle der brutalen Gewalt an einer hochschwangeren Frau schon jenseits der Geschmacksgrenzen agiert und auch ansonsten sehr ausgedehnte und ziemlich selbstzweckhafte Tötungsszenen beinhaltet. Andererseits ist der Film alles andere als bloß eine dumpfe Gewaltorgie, sondern ist gut gemacht und bietet neben sozialkritischen Elementen auch ein sehr zynisches Ende und eine eindrucksvolle One-Woman-Show von Josie Ho, die es auch mühelos schafft, ihrer Figur so zu gestalten, dass der Zuschauer sogar teils ihrer brutalen Taten nachvollziehen kann. "Dream Home" ist schon ein interessanter Film im obersten Härtegrad, bei dem man sich aber dennoch fragt, ob er mit redzuierter Gewalt vielleicht sogar besser funktioniert hätte, da die dramatischen Elemente im Blut, Fleisch und Eingeweiden doch etwas untergehen. Dennoch - wie unser horror1966 schon anmerkte - ein echtes Brett!
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb
Verfasst: Mo 15. Aug 2011, 17:10
von jogiwan
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb
Verfasst: Di 16. Aug 2011, 18:24
von jogiwan
Black Heaven:
Die frisch verliebten Jugendlichen Gaspard und Marion finden eines Tages beim Baden am Meer in einer Umkleidekabine eine herrenloses Handy. Aus Neugierde heraus verfolgen sie den Besitzer des Handys und finden diesen tot, gemeinsam mit einer bewußtlosen Frau in einem Auto, dass für einen Selbstmord präpariert wurde. Als Gaspard ein paar Tage später auf das gerettete Mädchen trifft, erzählt diese dem jungen Mann von einer Online-Plattform namens "Black Hole". Gaspard ist interessiert und erliegt immer mehr dem Charme des mysteriösen Mädchens und dem "Black Hole". Er vernachlässigt seine Freundin, kapselt sich zunehmend ab und steuert direkt in einen Katastrophe...
Ruhig erzählte, aber durchaus interessante Mischung aus Drama, Thriller und Coming-of-Age über einen jungen Mann, der dem Charme einer Frau erliegt und in falsche Kreise gerät. Auch das Thema Internet spielt eine große Rolle und zunehmend verwischen die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt, bist es beinahe schon zu spät ist. "Black Heaven" ist zwar nicht der vom Cover suggerierte Erotikthriller, sondern ein beinahe leiser Film über seltsame Tendenzen im Internet und wie leicht Jugendliche darin abgleiten können. Kommt auch mit animierten Sequenzen, die mich seltsamerweise gar nicht mal so gestört haben. Schick und spannend auf eine sehr zurückhaltende Art und Weise: 7/10