Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Moderator: jogiwan

Benutzeravatar
buxtebrawler
Forum Admin
Beiträge: 43309
Registriert: Mo 14. Dez 2009, 23:13
Wohnort: Wo der Hund mit dem Schwanz bellt.
Kontaktdaten:

Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von buxtebrawler »

24.01.2026, Lobusch, Hamburg:
STUMBLING BOI!S + HARBOUR REBELS


Bild

Dieses Konzert mit zwei Hamburger Oi!-Bands war in mehrfacher Hinsicht ein Besonderes: Es war das erste Konzert der HARBOUR REBELS, nachdem ihr Drummer Chris wegen gesundheitlicher Probleme mehrere Monate ausgefallen war (Willkommen zurück, Chris!), zudem das erste Konzerte mit Keith als zweitem Gitarristen der HARBOUR REBELS, nachdem die Band die letzten Jahre mit Dennis als alleinigem Klampfer unterwegs war, und es war das erste Konzert der STUMBLING BOI!S, das ich zu sehen bekam – schön, dass es endlich mal geklappt hat, zumal dort nun wieder mein BOLANOW-BRAWL-Bandkollege Christian als zweiter Gitarrist eingestiegen ist. Und nicht zuletzt handelte es sich um eine Soli-Veranstaltung, um Geld für jemanden zu sammeln, der von Repressionskosten betroffen ist.

Als ich gegen Viertel nach neun oder so die Lobusch betrat, traf ich lediglich einen versprengten Haufen an, was sich innerhalb der nächsten halben Stunde aber ändern sollte: Bald war die Bude voll. Etwas überraschend machten die HARBOUR REBELS den Anfang. Man war sich noch nicht ganz sicher, wie lange Chris, dem es natürlich erst einmal noch an Live-Routine mangelte, durchhalten würde. Antwort: offenbar problemlos das ganze Set durch. Nach einem Intro aus der Konserve führte Sängerin Jule souverän durch die deutsch- und englischsprachigen, eingängigen und überwiegend pogotauglichen Songs und war auch um keine inhaltlich durchaus gehaltvolle Ansage verlegen. Einer meiner Favoriten, „Die Masken sind gefallen“, kam gleich als zweite Nummer zum Zuge, während der kurioserweise kurz die Lichtanlage ausfiel. Vorm Anti-Scholz-Song erklang wie auf der Platte das G20-Lügengelaber des ehemaligen Hamburger Bürgermeisters und ja sogar Ex-Bundeskanzlers, „Raus aus dem Dreck“ ist einer meiner weiteren Lieblinge dieser Band und spätestens der Ska-Punk-Sommerhit „Beach, Beer & Sun“ brachte richtig Stimmung ins altehrwürdige Gemäuer. Das geniale „Trunkenbold“ gab’s als Zugabe. Die zweite Gitarre macht den Sound deutlich satter, mehr ist eben manchmal einfach mehr. Fazit: Die HARBOUR REBELS sind back – aber so was von!

„Ich verliere mich hier in der Ansage…“ (Stammling Boi! Christian)

Die STUMBLING BOI!S haben sich nicht nur um Christian verstärkt, sondern auch den Drumposten neu besetzt. Für meinen ehemaligen Bandkollegen Keith geriet der Abend zur Doppelschicht, denn auch hier spielt er Gitarre. Frontmann der Band ist Bommy, der mit schön heiserer Gesangsstimme die sich an klassischem 80s-UK-Oi! orientierenden englischsprachigen Stücken schmettert. Da Christian jedoch der Meinung ist, dass dieser zu wenig mit dem Publikum kommuniziere, übernahm kurzerhand er diese Aufgabe. Und zwar vor jedem Song. Da verwechselte er Bommy auch schon mal mit mir. Dass er die Bandkollegen meist erst fragen musste, worum es im jeweils folgenden Song überhaupt geht: geschenkt. Tat er’s nicht, wurde beispielsweise aus „Stumbling BOi!s Beat“ schnell ein „Song über Beatmusik“. Irgendwann kritisierte er seine Band sogar – von der Bühne aus durchs Mikro an mich gerichtet. Das hatte abseits der Musik bereits einen hohen Unterhaltungsfaktor; die Boi!s nahmen’s mit Humor und taten das, was sie am besten können: musizieren. Die Melodien wurden meist durch den dominanten Bass vorgegeben; keine Ahnung, ob das beabsichtigt war, kam aber sehr geil. Und zockte Keith mal ein herausstechendes Gitarrenlead, setzte es sich im Sound trotzdem durch. Wie bereits bei den HARBOUR REBELS gefiel mir der P.A.-Sound (wie meist in der Lobusch) ziemlich gut, zumal das Songmaterial der STUMBLING BOI!S – insbesondere bei den ältesten Stücken – mehr Pepp und Wucht aufwies als aus der Konserve. Auch hier macht sich die zweite Gitarre positiv bemerkbar. Am besten gefällt mir der leichte Anflug von Melancholie, den die STUMBLING BOI!S in ihren „Casual Oi!“ legen und der zur No-Bullshit-Attitüde beiträgt. Zwischen den eigenen Songs coverte man „Emergency“ von GIRLSCHOOL bzw. MOTÖRHEAD in einer sehr geilen, flotten Version, die als frenetisch geforderte Zugabe ein zweites Mal erklang und den Sack zumachte. Die Band hat mich überzeugt und ich wünsche ihr, dass sie in der aktuellen Besetzung mehr Glück hat als mit der vorherigen.

Spitzenabend bei Top-Stimmung wieder, der hoffentlich reichlich Soliknete eingebracht hat!

Reich bebildert auch hier:
https://www.pissedandproud.org/24-01-20 ... ur-rebels/
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
Benutzeravatar
karlAbundzu
Beiträge: 10388
Registriert: Fr 2. Nov 2012, 20:28
Kontaktdaten:

Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von karlAbundzu »

24.1.2026
Schlachthof Bremen
Masa Daiko
Ein beeindruckender Teil meiner Japanreise war der Aufenthalt auf Izu, genauer Kawazu, wo wir in einem wunderschönen Hotel direkt am Meer wohnten. Dort gab es ein tägliches nachmitgliches Unterhaltungsprogramm einer regionalen Daiko-Truppe. Im Grunde sind das Trommelgruppen. Verschieden große Trommeln werden in sowohl vom Sound als auch einer Art beeindruckender Athletik bearbeitet.
Seit nun 30 Jahren gibt es eine Daiko-Gruppe auch in Bremen, und zu diesem Jubiläum spielten sie im Schlachthof. Geleitet von Masakazu Nishimine, den einst das Studium nach Bremen spülte, mit wechselnden Mitspieler*innen.
Momentan sind es auf der Bühne mit Masakazu sieben Personen. Der Gründer mit den kleinen oder ganz großen Taikos, die anderen meist an den mittleren Stand-Taikos.
Es gibt inzwischen nur Eigenkompositionen Nishimines, er läßt auch mal andere Einflüsse wie südamerikanisches zu, aber immer nur sehr dezent. Zwischen den Songs erklärt er etwas zur 30jährigen Geschichte der Gruppe und auch zu seinem eigenen Lebenslauf, führt sozusagen durch den Abend, doch läßt meist die Tromeln sprechen. Im ersten Teil gibt es meist von der Natur insoiriertes (Meer, Wald, Sommer, Herbst), im zweiten Teil eher von der Mythologie und Geschichten inspiriertes, inklusive einiger szenarischer Darbietungen. Der zweite Teil ist so auch abwechslungsreicher, da kommt ein Musiker mit einer großen Holzflöte für ein langes Intro, oder es gibt ein langes Solo des Meisters auf der sehr großen Trommel. Insgesamt hat er gerne eine Art Staffel (also Beats, die übergeben werden, dann vielleicht schneller werden, oder mehrere, die ineinanderübergehen, zum Teil mit Wechseln der Trommeln zwischen den Musikern).
Die Genauigkeit und die Intensität und Körperlichkeit der Musiker*innen ist beeindruckend, das nahm mich und meine Begleitung wirklich mit. Schon irgendwie anders als in Japan, aber jeglicher Vergleich wäre auch für beide Seiten ungerecht, da vollkommen andere Situation.
Wunderbarer Nachmittag.
kjxzGqGZ.jpg
kjxzGqGZ.jpg (171.47 KiB) 20 mal betrachtet
b73zLZPn.jpg
b73zLZPn.jpg (103.97 KiB) 20 mal betrachtet
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
Benutzeravatar
Maulwurf
Beiträge: 4048
Registriert: Mo 12. Okt 2020, 18:11
Wohnort: Im finsteren Tal

Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von Maulwurf »

Bestimmt eine tolle Veranstaltung! Ein Film, den ich vor Jahren nur aus Versehen eingeschaltet hatte, und der mich dann vollkommen überrollt hat, war DIE REISE DES CHINESISCHEN TROMMLERS. Ich vermute, dass dieses Konzert in die gleiche Richtung ging. Da wäre ich gerne dabei gewesen. Vielen Dank für den Bericht!
Der Sieg des Kapitalismus ist die endgültige Niederlage des Lebens.
(Bert Rebhandl)
Antworten