bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

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Dann folgte "Die Todesgöttin des Liebescamps", der seine ganze transzendale Wirkung erst im Kino so richtig entfachte. Diesem besonderen Erlebnis wird meine Uralt-Notiz nicht mehr ganz gerecht, aber für eine Aktualisierung ist keine Zeit - zu viele andere Filme drängeln:

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Die Todesgöttin des Liebescamps

Von Christian „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“ Anders geschriebener, gedrehter und produzierter Sexploitation-Film aus dem Jahre 1981, der vordergründig vor obskuren Hippie-Liebes-Sekten, die ganz etwas anderes als Liebe und Erleuchtung im Schilde führen, warnen möchte, diese Thematik aber zum Anlass nimmt, reihenweise Nackedeis durchs Bild respektive durch Softsexszenen zu jagen. In Anbetracht des Umstands, dass Anders selbst seit jeher wie einer seltsamen Sekte entsprungen scheint, kann dabei eigentlich nur eines herauskommen: Gnadenloser Trash. So geschah es dann auch: Anders bewegt sich mit affiger Frisur und immer ein dämliches Liedchen auf den Lippen habend durch die kitschig-exotischen Kulissen, verliebt sich in ein ebenso naives Senatorentöchterchen und muss sich am Ende gegen Liebesgöttin Laura Gemser und ihren steroidgeschädigten und nach einer Unterhose benannten Anabolikabomber von Leibwächter mittels seiner Karatekünste durchsetzen. Dabei ist an den nur ganz sporadisch eingestreuten, hochgradig albernen komödiantischen Einlagen auszumachen, dass der große Rest ganz offensichtlich zumindest halbwegs ernstgemeint war. Das sorgt in dieser vermutlich schon bei Erscheinen schrecklich unzeitgemäß wirkenden Hippieklamotte für Unterhaltung durch unfreiwillige Komik (im Idealfall) bzw. Fremdschämen (im weniger idealen Fall). Die Anhänger der Freikörperkultur vögeln und, ganz schlimm, singen und tanzen sich durch dieses Abziehbild eines harmlosen Schmuddelfilmchens, dass es mir fast Alpträume verursachte. Von Sexploitation eigentlich erwartete Härte erreicht der Film lediglich durch eine unglaubwürdige Entjungferungsszene, bei der ein wenig Blut auf den Boden tropft, ganz sicher aber nicht durch Mr. Tanga, der Delinquenten in eine Grube schubst und am Ende gar mit Plastiksäbel gegen unseren deutschen Bruce Lee Christian Anders antritt… „Die Todesgöttin des Liebescamps“ wirkt wie eine unter starkem Einfluss vermeintlich bewusstseinserweiternder Drogen heruntergekurbelte filmische Katastrophe und reiht sich damit perfekt in das Gesamtwerk Anders’ ein. Ich gebe zwei Punkte für Laura Gemser, der Rest ist Müll – allerdings aus heutiger Sicht abfeierungstauglicher und unterhaltsamer.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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Spring - Love Is a Monster

„Bist du 'n Vampir, Werwolf, Zombie, 'ne Hexe oder 'n Alien?“

Nach seinem Debüt „Resolution - Cabin of Death“ versuchte sich das US-Regie-Duo Justin Benson/Aaron Moorhead an der Verquickung eines Horrorfilms mit einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte. „Spring – Love is a Monster“ lautet der Titel dieses Unterfangens, das 2014 veröffentlicht wurde.

Nachdem er seine Mutter am Sterbebett für immer verabschieden musste und auch noch seinen Job in einer miesen Spelunke aufgrund einer Schlägerei verloren hat, sucht sich der junge US-Amerikaner Evan (Lou Taylor Pucci, „Evil Dead“) eine Bekannte zum schnellen Sex. Als auch das scheitert und am nächsten Morgen die Polizei nach ihm fahndet, hält ihn nichts mehr in seiner Heimat. So fliegt er kurzentschlossen nach Italien und fährt mit ein paar versoffenen britischen Prolls die Küste herunter. In einer idyllischen Gegend angekommen, bezieht er ein Zimmer auf einer Farm gegen seine Arbeitskraft und lernt die sich sexuell selbstbewusst gebende Louise (Nadia Hilker, „Rosamunde Pilcher: Die andere Frau“) kennen, mit der er sich nach anfänglicher Skepsis auf eine Romanze einlässt. Was er jedoch noch nicht weiß: Louise ist ein uraltes monsterartiges Wesen, das sich regelmäßig eine Art Serum injizieren muss, um ihre menschliche Erscheinungsform zu bewahren…

„Ich geb' nicht die Ewigkeit für jemanden auf, den ich seit 'ner Woche kenne!“

Auch in vielen Genrefilmen ist eine eingestreute Romanze oft obligatorisch, während ein paar Ausreißer diesen Part bewusst stark betonen und damit so etwas wie Liebesfilme für Horror-Fans schaffen, die das Romantic-Comedy-verdorbene Mainstream-Publikum dennoch höchst verstören dürften. Als besonders gelungene Beispiele seien „Braindead“ und „The Return of the Living Dead 3“ genannt. Benson und Moorhead versuchen sich an einer weitestgehend humorfreien Variante mit augenscheinlich kargem Budget, worauf die Digital-Video-Optik hinweist. Dennoch gelingt das Kunststück, „Spring – Love is a Monster“ gar nicht allzu billig erscheinen zu lassen, den die idyllische apulische Landschaft wirkt auch hier beeindruckend und trägt ihren Teil dazu bei, die abenteuerliche Urlaubsstimmung aufkommen zu lassen, die die Atmosphäre des Films bestimmt.

Doch „Spring – Love is a Monster“ braucht seine Zeit, um so wirklich in Gang zu kommen. Nach dem desillusionierenden, düsteren und unwirtlichen Auftakt im US-White-Trash-Milieu verlässt man sich relativ lange auf die kontrastierende Wirkung der Bilder. Nachdem sich Evan und Louise endlich auch sexuell (ohne Gummi!) nähergekommen sind, hat sich ihr Erscheinungsbild in etwas Vampirähnliches verändert, woraufhin sie – bevor Evan es bemerken könnte – schnell das Weite sucht. Sie spritzt sich ihr Serum und führt später ein Ritual durch, für das sie ihre Kaninchen opfert, die sie roh verspeist. Spätestens, als sie einen dummen Ami-Touristen, der sie vergewaltigen will, in ihrer Monster-Inkarnation tötet, ist klar: Mit Louise ist weder gut Kaninchen noch Kirschen essen. Nach fünf Tagen beendet sie die Beziehung, doch Evan ist nun angefixt und nicht bereit, das so einfach hinzunehmen. Schockierenderweise findet Evan sie als schleimiges Tentakelwesen vor, was Anlass für einen ziemlich gelungenen, an „Possession“ erinnernden Spezialeffekt ist und nach Vampir und Werwolf eine dritte mögliche Erscheinungsform Louises abdeckt. Quintessenz ist schließlich, dass Evan auch nach ihrem Coming Out um sie kämpft, seine Liebe also stärker ist als ihre Andersartigkeit, zumal bzw. obwohl sie sich mittels Embryonalzellenkur immer wieder neu erfinden kann und damit quasi unsterblich ist. War die Romanze bisher wirklich nett anzusehen und bisweilen angenehm gewitzt, wird’s nun leider doch verstärkt kitschig und – vollkommen überflüssigerweise – komödiantisch. Das ungleiche Paar unternimmt einen Trip quer durchs Land, besucht mehrere Museen und historische Ruinen und so beweist der Film, dass auch eine fast normale Beziehung zu einem Monster möglich ist.

„Spring – Love is a Monster“ hat seine Momente, gar keine Frage. Artikuliert sich im Prolog Evans bärtiger Kumpel noch hauptsächlich mittels vulgärer Sprache, hält mit Evans Reise nach Europa die Kultur Einzug. An der konnte sich das Regie-Duo augenscheinlich kaum sattsehen, erkannte aber auch ihr Potential, den Film zu strecken. Sanfte Musik lullt den Zuschauer ein, Zeitlupen schinden weitere Laufzeit. Der Horroranteil bleibt relativ gering, was kein Problem wäre, wäre die Liebesgeschichte dafür tiefergehender. Diese bleibt jedoch relativ oberflächlich und entscheidet sich zum Ende hin leider für wenig glaubwürdigen Kitsch und seichte Unterhaltung, naiv wie eine x-beliebige RomCom o.ä. Schauspielerisch sticht die Deutsche Nadia Hilker sowohl optisch als auch in Sachen Mimik und Gestik als rassige südeuropäische Schönheit hervor und ist die Überraschung des Films. Lou Taylor Pucci bleibt eher blass und lässt sich von der Nebenrolle Francesco Carneluttis („Das Concorde Inferno“) als Farmer und Evans Chef Angelo gar bisweilen die Schau stehlen, denn mit seiner betonten inneren Ruhe ist er eine verdammt coole Socke – wenn bei hm auch eigenartigerweise Zitronen und Orangen am selben Baum zu wachsen scheinen.

Hätte man etwas mehr von Außenseiterromantik und den Herausforderungen an ungleiche Beziehungen verstanden und stärkere dramaturgische Akzente gesetzt, statt sich den Film derart gleichförmig hinziehen zu lassen und die Erwartungshaltung an inhaltliches Gewicht zu enttäuschen, hätte „Spring – Love is a Monster“ sein zweifelsohne vorhandenes inszenatorisches Potential auskosten können. So aber ist er insgesamt dann doch zu langweilig, um wirklich zu überzeugen, so dass ich ihm nur 5,5 von 10 Kaninchen gönne.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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Helden des Polarkreises

Ein Königreich für eine Digibox

Regisseur Dome Karukoski („Das Mädchen und der Rapper“) lieferte ihm Jahre 2010 seinen dritten Spielfilm ab. Der in finnisch-schwedisch-isländischer Koproduktion entstandene „Helden des Polarkreises“ entpuppt sich als dramatische Liebeskomödie mit viel Lokalkolorit.

„Du hast mein Geld für Alkohol ausgegeben?“

Finnland begräbt das Zeitalter des analogen Fernsehempfangs, ab dem nächsten Tag wird nur noch digital gesendet. Aus diesem Grund bittet Inari (Pamela Tola, „Frozen Land“) ihren Freund Janne (Jussi Vatanen, „Dirty Bomb“), einen Digitalempfänger käuflich zu erwerben und vertraut ihm dafür 50,- EUR an. Der arbeitslose Tagedieb jedoch vertrinkt das Geld lieber mit seinen Freunden, woraufhin Inari der Kragen platzt. Sie stellt ihm ein Ultimatum: Sollte es ihm bis zum nächsten Morgen nicht gelingen, eine Digibox aufzutreiben, kündigt sie die Beziehung endgültig auf. Mit seinen Freunden Kapu (Jasper Pääkkönen, „Matti“) und Tapio (Timo Lavikainen, „Heart of a Lion“) versucht er zunächst, im näheren Umkreis ein solches Gerät aufzutreiben, scheitert jedoch. Zu dritt beschließt man kurzerhand, mit einem geliehenen Auto den Elektronikhandel Inaris Vaters im entfernten Rovaniemi aufzusuchen. Nach wenigen Kilometern aber ist bereits der Tank leer, ausgerechnet in unmittelbarer Nähe des Hauses Pikku-Mikkos (Kari Ketonen, „Gourmet Club“), Inaris Ex-Freunds. Beim Benzin-Abzapfen aus dessen Wagen wird man prompt erwischt, doch gönnerhaft offeriert Pikku-Mikko Janne seine fast neue Digibox, die er nicht mehr benötigt. In seinem Stolz gekränkt lehnt Janne dankend ab, doch Inaris finanziell weich gebetteter Ex wittert seine Chance, die Situation für sich ausnutzen – während das Trio mit geliehenem Benzin seine Reise fortsetzt, versucht er, Inari für sich zurückzugewinnen. Janne und Co. landen derweil u.a. in einem Hotel, wo sie Geld aufzutreiben versuchen und schlittern von einer verrückten Situation in die nächste…

„Das waren Killerlesben!“

Trotz dieser Handlung weist „Helden des Polarkreises“ erfrischend wenige gewohnte Motive aus US-Romantic-Comedy o.ä. auf und präsentiert sich vielmehr als Verliererkomödie mit starken Road-Movie-Anleihen. Primär geht es um einen arbeitslosen Tunichtgut, der es bisher gewohnt war, in den Tag hineinzuleben und seine hübsche, smarte Freundin als selbstverständlich zu betrachten. Janne muss jedoch erkennen, dass er es zu weit getrieben hat und plötzlich verborgene Kräfte aktivieren, um um seine Liebe zu kämpfen. Erst in dieser Situation erkennt er, was er an ihr hat und setzt alles daran, diese verdammte Digibox aufzutreiben. Das bietet viel Anlass für gern auch mal schwarzen Humor und Situationskomik, ist aber andererseits zunächst einmal eine aus dem Leben gegriffene Ausgangssituation, wie sie sich ähnlich täglich weltweit abspielen dürfte – was den Einstieg in den Film denkbar einfach gestaltet.

„Irgendwas läuft doch in eurem Hirn falsch!“

Dieser illustriert zu Beginn die wunderschönen winterlichen Landschaften Finnlands, die dem gesamten Film als Kulisse dienen werden. Aus dem Off zitiert Janne aus seinem Referat über die hohe Selbstmordrate seines Heimatorts, unterlegt mit entsprechenden Rückblenden. Er und seine Freunde erweisen sich als männliche Spezies irgendwo zwischen Idioten und Dilettanten, so dass Inaris Reaktion sehr verständlich anmutet und man sich als Zuschauer durchaus fragt, womit Janne überhaupt eine Frau wie sie verdient hat. Bevor er einem dann doch irgendwie ans Herz wächst, vergeht dann auch konsequenterweise eine ganze Weile, denn bei Inaris Ex wird’s für ihn noch einmal richtig peinlich, was seinen Verliererstatus manifestiert. Ab diesem Zeitpunkt jedoch wird „Helden des Polarkreises“ zunehmend absurd und leider auch etwas arg konstruiert. So landet man in einem Ort ohne Männer, was Anlass für die eine oder andere zotige Situation ist, fährt besoffen mit dem Auto durch die Gegend und lernt ein paar Russen kennen, für die Janne ein Rentier fachmännisch auseinandernimmt und zubereitet, was der Film indes nicht zeigt und auch verschweigt, wie ausgerechnet dieser Kerl das hinbekommen hat.

Nach zwei Dritteln verliert Karukoskis Film etwas an Tempo, doch um die Sympathie des Zuschauers für Janne zu gewinnen, bedient er sich des Außenseiter- bzw. David-gegen-Goliath-Tricks: Zum verachtenswerten Subjekt gerät Pikku-Mikko, der sich als regelrechter Schweinehund entpuppt, nachdem Inari schon im Begriff war, zu ihm zu ziehen. Schließlich legt er sich sogar nackt zu ihr ins Bett, nur um Janne gegenüber einen falschen Eindruck zu erwecken. Klar, dass der Zuschauer in Anbetracht dessen eher zu Janne hält als zu diesem aufgeblasenen Möchtegern-Don-Juan.

Letztendlich wendet sich tatsächlich überraschenderweise doch noch alles zum Guten, wobei das Happy End etwas sehr dick aufträgt. Für einen netten Filmabend gern auch mit der Liebsten eignet sich „Helden des Polarkreises“, der zu großen Teilen ohne allzu pubertären Humor und romantische Klischees auskommt, aber allemal, fasziniert insbesondere mit Einblicken in die finnische Lebensart und Natur und sollte eventuell von manchem, der lieber Filme wie diesen schaut, anstatt selbst für sein Auskommen zu sorgen und in adäquater Weise für seine Freundin da zu sein, als Warnung verstanden werden...
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Die Rotkäppchen-Verschwörung

„Wär' ich lieber Filmkritiker geworden!“ (Meine Rede! MEINE REDE!)

Nachdem das Zeitalter des Animationsfilms angebrochen war und nach und nach den klassischen handgemachten Zeichentrickfilm ablöste, verbuchten auch manch wesentlich frecher und erfrischend anders als die opulenten Disney-Epen vorgehenden Produktionen größere Erfolge. Im Jahre 2005 erschien dann die vergleichsweise kleine US-Produktion „Die Rotkäppchen-Verschwörung“, für die sich Regie-Debütant Cory Edwards mit seinem jüngeren Bruder Todd Edwards, der bereits als Regisseur der Realfilm-Liebes-Dramödie „Chillicothe“ Erfahrungen sammeln konnte, und dem weiteren Ko-Regisseur Tony Leech zusammen getan hatte. Das interessante Konzept: Das Märchen vom Rotkäppchen einmal ganz neu zu erzählen und in Form einer Krimi-Komödie zu klären, ob dem bösen Wolf möglicherweise Unrecht getan wird...?

„Wovon leben Sie, Herr Wolf?“ – „Ich bin Hirte!“ (Da wird doch der Bock zum Gärtner gemacht...)

Als die Polizei in Großmutters Haus eindringt, findet sie die alte Dame gefesselt und den Wolf in ihren Kleidern vor, der anscheinend – oder scheinbar? – gerade drauf und dran war, sich am Rotkäppchen zu vergreifen, wäre nicht in letzter Sekunde der Holzfäller dazwischengesprungen und habe axtschwingend Schlimmeres verhindert. Inspektor Flippers jedoch hat berechtigte Zweifel, dass der Fall so klar ist, wie er scheint. Er verhört alle Beteiligten, die jeweils ihre individuelle Sicht der Dinge zu Protokoll geben, woraus sich ein ganz neues Bild ergibt. Und dann ist da ja noch der fiese Backwerk- und Rezeptdieb, der im Wald sein Unwesen treibt und zum Schrecken aller Zuckerbäcker wurde...

„Seit wann ist Backen 'ne Sportart?!“

Um es vorweg zu nehmen: „Die Rotkäppchen-Verschwörung“ ist Familienunterhaltung, an der auch die Kleinsten ihre Freude haben dürften, also keine vornehmlich auf Erwachsene zugeschnittene Verballhornung oder Uminterpretation – damit jedoch im Prinzip kindgerechter als das brutale und gruselige Grimm’sche Original. Die Animationen sind längst nicht so filigran wie bei höherbudgetierten Produktionen, erfüllen jedoch stets ihren Zweck und sind charmant genug, um ihren Beitrag zum Unterhaltungsfaktor beizusteuern. Rotkäppchen alias Red ist die erste, die ihre Version der Ereignisse dem Inspektor in Froschgestalt erzählen darf, die bezeichnenderweise als Schweine auftretenden Polizisten lauschen ebenfalls ihren mit einer Gesangseinlage beginnenden Ausführungen und halten zunächst nicht viel von Flippers Vorgehen. Als Nächster ist der Wolf an der Reihe, der vorgibt, ein investigativer Journalist zu sein, der dem Dieb auf der Spur sei. Der Holzfäller wiederum entpuppt sich eigentlich als Schauspieler und dient als Parodie auf urige Bayern. Und was niemand ahnte: Die nun als Diebin für ihr Zuckergebäck-Imperium verdächtigte Großmutter betreibt Extremsport...

Im Verlaufe der in Form von Rückblenden nachgezeichneten Verhöre ereignen sich allerlei abstruse Kuriositäten, die sich erst auf absichtlich übertrieben konstruierte Weise nach und nach zu einem großen Puzzle zusammensetzen, wenn jeder seinen Teil zur Geschichte beitragen konnte. Im Zuge dessen werden auch weitere skurrile Charaktere wie der ewig singende (und an Bob Dylan erinnernde) Widder oder das hektische und immer viel zu schnell sprechende Eichhörnchen eingeführt, viele lässige Sprüche riskiert und spaßige Dialoge geführt sowie ein Rockkonzert und ein Skifahrwettbewerb aufgesucht. Die Krimihandlung, die die Ereignisse von hinten aufrollt, kann gern auch als Hommage an Kriminalfilme der alten Schule verstanden werden und wer aufmerksam bleibt, bekommt sogar die reelle Chance, den ein „Evil Empire“ führenden Täter vorzeitig zu erraten. Ein schmissiger Soundtrack rundet dieses Vergnügen ab, das sich so weit wie nur irgend möglich vom Original-Rotkäppchen entfernt hat, streng genommen aber auch nicht weiter hergeholt ist als ein sich als Oma verkleidender Wolf, der von der Enkelin nicht als solcher erkannt wird...
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Die Blitzkrieg-Legende - 1940: Der deutsche Überfall auf Frankreich

Die „Spiegel TV“-Autoren Hans von Brescius und Michael Kloft widmen sich in dieser mehr als dreistündigen Dokumentation aus dem Jahre 2010 dem Westfeldzug Nazi-Deutschlands, an dessen Ende die überraschend schnelle Kapitulation Frankreichs stand. Im Mai 1940 war die Wehrmacht durch Luxemburg und Belgien Richtung Kanalküste vorgerückt, um schließlich das wenig wehrhafte Frankreich einzunehmen.

Ein Sprecher aus dem Off führt durch den Film, der Originalaufnahmen, Videos und Fotos en masse präsentiert und sie gern aktuellen Bildern ehemaliger Kriegsschauplätze gegenüberstellt. Zahlreiche Zeitzeugen kommen zu Wort, die sich in ihren Aussagen nicht selten dem militärischem Duktus des Sprechers anschließen und ihre Faszination für das damalige kriegstaktische Kalkül kaum verhehlen. Die Ereignisse werden nach Art einer spannenden Geschichte nachzuzeichnen versucht. Dies lässt zwar Raum für NS-interne Querelen und Uneinigkeiten, in denen Hitler mit anscheinend bisweilen gefährlichen Fehleinschätzungen keine sonderlich gute Figur abgibt, so gut wie keine Zeit wird jedoch darauf verwendet, was die Okkupierungen für die Bevölkerung bedeutete, wie sie darauf reagierte, sich ggf. arrangierte und in welchem Ausmaße Tod und Elend mit Hitlers West-Expansion einhergingen. Nichtsdestotrotz wird der Krieg minutiös Stück für Stück, Etappe für Etappe abgehandelt, was auf seine trockene Weise recht schnell ermüdend wirkte und den Eindruck erweckte, man wohne als Unbeteiligter einem Strategiespiel bei.

Noch fragwürdiger jedoch erscheint mir die inhaltliche Herangehensweise und Ausrichtung, die beispielsweise Churchills mindestens ambivalente Rolle in Kriegsentwicklung und -geschehen komplett ausspart und zudem mit keiner Silbe die vorausgegangene Kriegserklärung Frankreichs erwähnt – was, wie ich fürchte, Wasser auf die Mühlen von Geschichtsrevisionisten und „Lügenpresse“-Krakeelern sein dürfte.
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Machtmaschine Strauß - Rudolf Augstein über seinen Widersacher

Dieser 28-minütige Nachruf des „Spiegel“-Herausgebers Rudolf Augstein auf den reaktionären, urbayrischen CSU-Politiker Franz Josef Strauß wurde am 9. Oktober 1988, also kurz nach dessen überraschendem Tod, unter dem Titel „Tod und Verklärung des FJS“ in „Spiegel TV“ auf RTL plus ausgestrahlt und 2012 auf DVD wiederveröffentlicht.

Mit der „Spiegel-Affäre“ im Jahre 1962 eskalierte der Konflikt zwischen Augstein und Strauß und auch im Nachhinein hatte man sich gegenseitig gern auf dem Kieker und setzte sich nie dem Verdacht aus, in eigener Weise miteinander befreundet zu sein. Anhand aneinandergereihter Originalaufnahmen zeichnet dieser Film grob Strauß’ politische Karriere sowie noch einmal die Eckpunkte der „Spiegel-Affäre“ nach, in süffisant-entspanntem Tonfall aus dem Off von Augstein kommentiert, assistiert von Stefan Aust. Es dürfte Augsteins Art des Abschieds von seinem Intimfeind gewesen sein, der so gern Bundeskanzler geworden wäre, es mithilfe des „Spiegels“ aber glücklicherweise nie wurde. In demonstrativer Gelassenheit und gönnerhaften Teilrespektsbekundungen triumphiert Augstein mit seinem Film über Strauß, der damit nicht nur Nachruf und Abschied, sondern auch eine Art Endabrechnung ist.

Aus meiner heutigen Sicht handelt es sich damit um ein interessantes Stück deutscher Polit-TV-Geschichte, das jedoch nie angetreten war, ein sachliches Porträt Strauß’ zu zeichnen, weshalb ich zwar wie Augstein von Strauß bis auf dessen tumbe Polterigkeit, sein Polarisierungs- und Feindbild- und nicht zuletzt Unterhaltungspotential nichts halte, mich aber doch ein wenig wundere, dass ausgerechnet dieser Film 1989 mit dem silbernen Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde.
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Straßenkinder in Deutschland

Die VHS-Kassette mit der 34-minütigen Dokumentation „Straßenkinder in Deutschland“ war Teil des von „D2 Mannesmann“ in Zusammenarbeit mit der Stiftung „Off Road Kids“ anberaumten „Buddy-Projekts“, einem pädagogischen Präventionsprojekt für die Sekundarstufe aus dem Jahre 1999. Für den von Sönke Wortmann produzierten Film führte Arne Feldhusen („Stromberg“, „Der Tatortreiniger“) Regie.

Vier Berliner Jugendliche gewähren einen Einblick in ihr Leben auf der Straße und berichten von den Umständen, die sie aus ihrem Elternhaus dorthin trieb – unterlegt von Bildern: Die 16-jährige Sunshine wird beim Schnorren gezeigt und der gleichaltrige Stricher Chris hängt in einer Kneipe ab. Patrick wiederum ist sogar noch ein richtiges Kind; er ist gerade einmal zwölf Jahre jung, bezeichnet sich als Zecke und Punk und wird von der Kamera ausgehend von Konsolenspielen im Einkaufszentrum in ein leerstehendes Haus begleitet, wo er raucht, von seiner kleinkriminellen Karriere berichtet und schließlich randaliert. Renate ist mit ihren 19 Jahren die Älteste und sie hat es am härtesten erwischt: Seit einer Drogen-Überdosis ist sie gelähmt und versucht, mit therapeutischer Hilfe ins Leben zurückzufinden. Bei Chris überrascht die Nonchalance, mit der er sich prostituiert, weil er keine Lust zu schnorren habe.

Diverse ehrenamtliche Helfer geben verschiedene Statements ab und es wird auf typische Krankheiten der Klientel eingegangen, vergnügt kommentiert von Sunshine, für die das alles ein großer Spaß zu sein scheint – oder ist es provokativer Trotz? Ein weiterer Straßensozialarbeiter weist noch vor den Schluss-Statements der Porträtierten darauf hin, dass es viele Anlaufstationen und Hilfsmöglichkeiten gäbe, von denen viele Straßenkinder gar nichts wüssten. Leider versäumte man die Chance, hier anzusetzen und viel stärker zu hinterfragen, weshalb Sunshine, Chris und Co. diverse Angebote ausschlagen oder nur unzureichend annehmen, wo genau die Probleme und/oder Ablehnungsgründe liegen.

Wer vorher kein Verständnis für diese Lebensweise dieser Menschen hatte, wird es auch durch Sichtung dieses Films nicht entwickeln – so gut er gemeint gewesen sein mag. Zumindest Renate und Chris jedoch dürften stärkere abschreckende Wirkung auf die eigentliche Zielgruppe, Schüler der Sekundarstufe, haben, während Sunshine mit ihrer lebenslustigen Art den dokumentierten erfolglosen Schnorrversuchen zum Trotz auf den einen oder anderen gar einladend wirken könnte – und manch Präpubertärer vielleicht Lust entwickelt, mit jemandem wie Patrick in Einkaufszentren abzuhängen, Ruinen zu erkunden und „Scheiße zu bauen“.
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Celtic Frost - A Dying God

Mit der Band „Hellhammer“ leisteten die Schweizer Thomas Gabriel Fischer und Martin Eric Stricker Pionierarbeit im Bereich des Extreme Metals, mit „Celtic Frost“ hoben sie diesen auf ein neuen Level und fanden bereits mit dem ersten vollwertigen Longplayer „To Mega Therion“, ihren eigenen avantgardistischen Stil, zu dem auch eine Zeit lang gehörte, sich immer wieder neu zu erfinden. Nachdem Stricker, der sich mittlerweile Martin Ain nannte, auf besagtem Debüt kurioserweise zwar die Songs mitschrieb, jedoch kein Instrument einspielte, kam es 1988 jedoch zum einem ernsthaften Zerwürfnis mit Fischer, der längst als Tom G. Warrior bekannt war. Der vollzogene Stilwechsel auf dem „Cold Lake“-Album war einer zuviel und die erneut ohne Ain eingespielte Platte wurde zum ungeliebten Bastard der Diskographie. Für „Vanity / Nemesis“ fand man zwar wieder zusammen und, wie ich finde, zu alter Stärke zurück, doch dann war für lange Zeit Schluss. Erst nach der Jahrtausendwende fand man wieder zusammen und veröffentlichte 2006 das extrem düstere Album „Monotheist“, an das eine Welttournee anschloss. Regisseur Adrian Winkler begleitete die Band auf der Tournee, sammelte Material für diesen fürs schweizerische Fernsehen gedrehten Dokumentarfilm und erhielt ungeahnt intime Einblicke in Bandstruktur und -leben. Kurz vor dessen Ausstrahlung löste sich die Band am 9. September 2008 erneut und bis dato endgültig auf.

Die Gründe dafür verdichten sich im Laufe dieser großartigen Rockumentary, in der vornehmlich Schwyzerdütsch gesprochen wird, die ich jedoch glücklicherweise englisch untertitelt bei YouTube finden konnte. In den zahlreichen Interview-Passagen mit der damals aktuellen Besetzung wird natürlich auch Hellhammer thematisiert, eine Band, die nach Aussage Toms aufgrund seiner unwirtlichen Kindheit unbedingt nötig war. Dennoch wird er nachdenklich in Anbetracht des krassen Gesamtkunstwerks, das Hellhammer inkl. verstörender Textinhalte war und die Band reflektiert ihren Einfluss, den sie auf die ’90er-Jahre-Generation norwegischen Black Metals hatte, im Zuge dessen Sturm-und-Drang-Zeit diverse Kirchen mittels Brandstiftung dem Erdboden gleichgemacht wurden. Lächelt man als deutscher Zuschauer zunächst vielleicht noch über das für unsere Ohren irgendwie niedlich klingende Schwyzerdütsch, findet man sich doch schnell in sehr ernsten Auseinandersetzungen mit schwierigen Themen wieder.

Doch bald wird deutlich, dass der Film auch ein Sammelsurium an Kuriositäten ist, sei es eine hochdeutsch vorgetragene Intro-Ansage bei einem Konzert in Japan, sei es, die Band beim Schminken zu beobachten oder die Begegnung mit der damals anscheinend als Hellhammer-Tributband gehandelten japanischen All-Girl-Combo Gallhammer. Einen neuerlichen Eindruck von der ungewöhnlichen Intimität des Films liefert ein Konzert in der Schweiz, genauer: dem ersten Züricher Gig seit 20 Jahren, zu dem neben H.R. Giger (der diverses Artwork für die Band gestaltet hat) auch Martins Eltern erscheinen. Verstärkt wird nun auf die ungewöhnliche und schwierige Beziehung zwischen Martin und Tom eingegangen, die anscheinend trotz großem gegenseitigem Respekt nie so richtig lange miteinander können. Während der US-Tour kristallisiert sich heraus, dass sich auf der direkt satte 47 Konzerte umfassenden Reise ein Tourkoller einstellt, der sich negativ auf die Stimmung innerhalb der Band auswirkt. Diese diskutiert nun darüber, ob noch drei Mexico-Gigs drangehängt werden sollen. Der neue Drummer Franco Sesa empfindet immensen Druck, vor allem beim Nachspielen des in der Szene heiliggesprochenen alten Materials, und bezeichnet sein Engagement in der Band vor laufender Kamera nicht als Traum, sondern als Alptraum. Auf keinen Fall möchte er noch weitere Termine in Mexico dranhängen, was auf Unverständnis bei Tom stößt. Martin versucht zu vermitteln und Kompromisse zu finden, wo es keine mehr geben kann – was anscheinend von Tom dahingehend interpretiert wird, dass ihn die Band weniger interessiere.

Vor diesem Hintergrund scheint sich zu bewahrheiten, dass Celtic Frost nun einmal aus komplizierten Persönlichkeiten besteht, die deshalb immer aneinander geraten, ja, aneinander geraten müssen und dass Tom oftmals eine andere Realität empfindet als Martin – wie es Martin ausdrückte. Dass die Dokumentation, von der Band abgesegnet, den Zuschauern derart tiefe Einblicke gewährt, hat mich doch nachhaltig überrascht, hilft aber auch ungemein, die Bandgeschichte besser zu verstehen.

Abgerundet wird Winklers Film von zahlreichen alten Fotos und Videos, beispielsweise dem kultigen Auftritt in einer TV-Jugendsendung der 1980er. Man bekommt Bilder einer US-Tour jenes Jahrzehnts zu sehen und die „Cold Lake“-Phase wird aufgegriffen, zu der Tom äußert, er sei damals schlicht zu glücklich mit seiner neuen Frau gewesen. Aus der Gegenwart stammen Aufnahmen einer Autogrammstunde in den USA und von Celtic-Frost-Tattoos diverser Fans.

Wenn Franco zwischendurch mutmaßt, es sei Olymp des Erfolgs, mit einer solchen Anti-Mainstream-Musik in diesem Ausmaße Erfolg zu haben, möchte man ihm beipflichten – und wird unweigerlich selbst nachdenklich, wenn eine Texttafel am Ende erklärt, dass kurz nach Abschluss der Dreharbeiten Celtic Frost wieder begraben wurden. Extreme Charaktere, extreme Musik, ein wackeliges Bandgefüge und alles ist authentisch: Für mich persönlich wurde „Celtic Frost – A Dying God“ zu einer der faszinierendsten Banddokumentationen überhaupt.
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buxtebrawler
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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

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Die sieben schwarzen Noten

„Ich weiß nicht mehr, was ich sehe und was ich nicht sehe!“

„Nackt über Leichen“, „A Lizard in a Woman’s Skin“ und „Don’t Torture a Duckling“ waren drei Gialli, die der später vor allem mit seinen blutigen Horrorfilmen Berühmtheit erlangt habende – und gleichsam in Verruf geratene – italienische Regisseur Lucio Fulci im Zeitraum 1969 bis 1972 realisierte. Fünf Jahre vergingen, bevor er 1977 das Genre erneut aufgriff und den von Edgar Allan Poe inspirierten Mystery-Giallo „The Psychic“ nach Drehbuch Dardano Sacchettis unter Mitwirkung Roberto Gianvitis und Fulcis persönlich drehte. Erst 2014 kam der Film zu seiner deutschen Auswertung (und damit Synchronisation) und bekam seinen deutschen Titel spendiert.

Die hellsichtige gebürtige Britin Virginia (Jennifer O’Neill, „Scanners“) ist seit kurzem mit dem vermögenden Italiener Francesco Ducci (Gianni Garko, „Sartana“) verheiratet, den sie am Florentiner Flughafen zu einer Geschäftsreise verabschiedet. Auf dem Rückweg über eine einsame Landstraße durch mehrere Tunnel entlang bekommt sie unvermittelt mysteriöse wie schreckliche Visionen, die auf einen Mord durch Einmauern im Landhaus ihres Gatten schließen lassen. Sie tauscht sich mit einem Freund, dem Parapsychologen Luca (Marc Porel, „Don’t Torture a Duckling“), darüber aus und lässt sich schließlich durch Francescos restaurationsbedürftiges, offenbar lange ungenutztes Landhaus führen – das sie eindeutig als das aus ihrer Vision identifiziert. Sie reißt besagte Wand auf und findet tatsächlich skelettierte menschliche Überreste. Die eingeschaltete Polizei identifiziert diese als die eines vor fünf Jahren verschwundenen Mädchens, einer ehemaligen Liebhaberin Francescos – doch das Opfer aus Virginias Vision war älter. Nach der Verhaftung ihres Mannes glaubt sie weiterhin an dessen Unschuld und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln, um diese zu beweisen – und ist einem tödlichen Geheimnis auf der Spur, das auch sie in Lebensgefahr bringt…

„Ich hatte schon 51 Liebhaber – und habe nicht einen davon umgebracht!“

Mit einem Klippensturz ähnlich dem, der bereits in „Don’t Torture a Duckling“ eine Rolle spielte, eröffnet Fulci sogleich auf schockierende Weise, denn die Kamera fängt ein, wie die Selbstmörderin an den Felsen anstößt und ihr Gesicht zerfetzt wird (wenngleich deutlich zu erkennen ist, dass es sich um eine Puppe handelt). Es handelte sich um die Mutter der kleinen Virginia, die, obwohl sie sich gerade in einer ganz anderen Stadt befand, dies in Form einer Vision mitansehen musste. Bei diesem Prolog handelte es sich um eine Rückblende, die eigentliche Handlung setzt nach dem Vorspann mit seiner wundervollen Titelmelodie 18 Jahre später in der Gegenwart ein und zeigt Virginia als erwachsene, attraktive Frau.

Ich hoffe, ich verrate nicht zu viel, wenn ich auf den Clou des Films hinweise, aus dem sich das faszinierende, einnehmende Puzzle ergibt: Die bedauernswerte Virginia weiß nicht, dass noch längst nicht alles ihrer Vision bereits eingetreten ist, im Gegenteil: Durch ihre Nachforschungen verursacht sie diese Ereignisse erst, was wiederum interessante Fragen nach der Unabänderlichkeit persönlichen Schicksals aufwirft. Aber auch ohne so weit zu gehen zu wollen, überzeugt „The Psychic“ als ruhig erzählter, dennoch etwas dialoglastiger Giallo, der in unbehaglicher Atmosphäre ein spannendes Whodunit? inszeniert, das die einzelnen Mosaikscherben aus Virginias Vision nach und nach in der Realität zusammensetzt – ohne dabei in klassischen Krimiaufbau zu verfallen. Stattdessen gibt es der Giallo-Charakteristika viele, auch ohne, dass schwarze Handschuhe das Messer wetzen: Eine Ausländerin folgt ihren Visionen (womit Fulci und seine Autoren einen Schritt weiter gehen als Argento & Co.: aus Erinnerungen wird zeitlich nicht verortbares Hellsehen), ermittelt auf eigene Faust und gerät selbst in Gefahr – angesiedelt in der Welt der Privilegierten. Sleazig oder blutig ist „The Psychic“ indes kaum, vom harschen Prolog einmal abgesehen.

Hinzu kommt ein illustrer Kreis Personen, die sich verdächtig machen. Der Zuschauer kann sich überhaupt nicht sicher sein, dass Francesco unschuldig ist und mag Virginia in dieser Hinsicht gar für naiv halten: Der redselige Mann, der sie durch das Landhaus führt, suggeriert beispielsweise, Francesco sei ein regelrechter Weiberheld – zumindest gewesen. Sie sieht eine ältere Frau durchs Fenster, ihre Schwester (Ida Galli, „Blutspur im Park“) taucht plötzlich auf, eine mysteriöse Anruferin mischt sich ein und der Taxifahrer der Toten wird ausfindig gemacht, der sich zu erinnern versucht. Virginia verdächtigt derweil einen gewissen Rospini (Gabriele Ferzetti, „Das Geständnis“) ... Der Erzählfluss wird bisweilen extrem gedrosselt, um Spannungs- und Suspense-Szenen voll auszukosten, die Nägelknabbern provozieren.

In Zusammenarbeit mit Sergio Salvati vollführt Fulci eine tolle, künstlerisch ambitionierte Kameraarbeit und phantastische, kontrastreiche Bildsprache mit ausdrucksstarker Farbgestaltung. Als Beispiel sei das Spiel mit Licht und Dunkelheit während Virginias schicksalhafter Autofahrt durch die Tunnel genannt, das sich in Francescos Landhaus fortsetzt, als ein Vorhang nach dem anderen aufgerissen wird. Zooms en masse besorgen den Rest und fühlen sich an, als würden sie die physikalische Distanz zu den emotional hingegen sehr distanzierten Charakteren aufzuheben versuchen. Das Trio Frizzi, Tempera und Bixio unterstreicht das Visuelle auf wunderbar stimmige Weise musikalisch und trägt entscheidend zur morbiden Atmosphäre des Films bei, in dem eine kleine, in diesem Kontext unheimlich klingende Melodie eine gewichtige Rolle spielt.

Der überraschend früh einsetzende Abspann enthält dem Zuschauer die erwarteten allerletzten Bilder vor, was zunächst etwas ungalant wirken mag. Unaufgelöst bleibt „The Psychic“, der ein sehr schönes Beispiel der italienischen Faszination für Poes „Die schwarze Katze“ darstellt, dadurch zwar nicht, trotzdem mag man sich um zumindest ein paar Sekunden betrogen fühlen. Hier und da ist der Film vielleicht etwas geschwätzig, um dann wieder die Bremse eine Idee zu stark durchzutreten und ein wenig Potential der Handlung bleibt leider ungenutzt; so hätte ich mir gewünscht, dass noch einmal auf den Suizid Virginias Mutter eingegangen würde. Davon einmal abgesehen ist „The Psychic“ aber ein recht edel wirkender Mystery-Giallo der Oberklasse, der zudem interessanterweise den Übergang Fulcis hin zu harten Horrorthemen markiert, die er mit einem an den entscheidenden Positionen identisch besetzten Team realisierte. Weniger als aufgrund der starken Genrekonkurrenz 7,5 von 10 musikalischen Uhren kann ich daher keinesfalls aufziehen.
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Die Goonies

„Kinder sind zum Kotzen!“

Mit „Die Goonies“ vollbrachten Mitte der 1980er die Herren Steven Spielberg (Produzent), Chris Columbus (Drehbuch) und Richard Donner (Regie; „Das Omen“, „Superman“) das Kunststück, einen US-Abenteuerfilm nicht nur für Kinder auf die Leinwand zu bringen, an den sich heutige Erwachsene noch gern zurückerinnern und der, wie ich feststellen durfte, auch heutzutage für Junggebliebene noch prima funktioniert, wenn man gar keinen nostalgischen Bezug zum Film aufbringt, weil man ihn schlicht seinerzeit gar nicht sah.

Ein fieser Immobilienhai möchte die Goon-Docks-Wohnsiedlung aufkaufen und plattwalzen, um dort einen rentablen Country-Club zu errichten. Die Eltern des kleinen Mikey (Sean Astin, „Der Herr der Ringe“) und seines großen Bruders Brand (Josh Brolin, „Mimic“) haben bereits resigniert, doch beim Stöbern auf dem Dachboden entdecken Mikey und seine Freunde in Ausstellungsstücken des örtlichen Museums, die Mikeys Vater als Museumarchivar dort zwischenlagert, eine alte Schatzkarte, die möglicherweise den Weg zur nie gehobenen Beute des „Einäugigen Willie“, eines berüchtigten Piraten, weist. Gegen den Willen Brands begeben sich die Freunde auf Schatzsuche, geraten dabei jedoch an die aus dem Gefängnis ausgebrochenen Verbrecher der Fratelli-Familie (bestehend aus der Mutter (Anne Ramsey, „Der tödliche Freund“) und ihren Söhnen (Robert Davi, „Predator 2“ und Joe Pantoliano, „Matrix“)), die zu allem Überfluss auch Wind vom einträchtigen Schatz bekommen. Die „Goonies“ erleben das Abenteuer ihres Lebens…

„Was sollen wir gegen den Country-Club machen? Er bringt unsere Eltern um!“

Der Prolog zeigt den Gefängnisausbruch der Fratellis und die anschließende Verfolgungsjagd, bevor man die Goonies kennenlernt, die schließlich den schicksalhaften Fund, bestehend aus Schatzkarte und Dublone, machen. Nachdem man in die Legende vom einäugigen Willie eingeweiht wurde, überwältigen sie Mikeys älteren Bruder Brand und stürzen sich ins Abenteuer. Ausgerechnet das erste Haus, das sie betreten, entpuppt sich als Versteck der Fratelli-Brüder, die ihren entstellten und geistig zurückgebliebenen Bruder Sloth (John Matuszak, „Krieg der Eispiraten“) im Keller gefangen halten. Da Brand die Freunde verfolgt hat, holt er sie, nichts Böses ahnend, dort heraus – doch betreten sie in juvenilem Überschwang erneut den Keller und finden neben einer Blütenwerkstatt eine Leiche im Gefrierschrank. Der dicke Chunk (Jeff Cohen, „No Greater Gift“) wird daraufhin von den Gangstern geschnappt, seine Freunde schlagen sich derweil durch Tunnel und die Kanalisation.

„Goonies sprechen nicht vom Tod!“

Dabei sind die Goonies keinesfalls prädestiniert für Heldentum, bestehen sie doch neben dem verfressenen Aufschneider Chunk, dem niemand mehr seine Geschichten abnimmt, aus dem asthmatischen Mikey, dem Großmaul Mouth (Corey Feldman, „Stand By Me – Das Geheimnis eines Sommers“), der die Clique öfter in Schwierigkeiten bringt sowie dem Tüftler Data (Jonathan Ke Quan, „Indiana Jones und der Tempel des Todes“), der allerlei ausgeklügelte, jedoch nicht immer wie gewünscht funktionierende Gimmicks und Gadgets mit sich führt. Hinzu stoßen neben Sportskanone Brand die jugendliche Cheerleaderin (und Angebetete Brands) Andy (Kerri Green, „Ein total verrückter Urlaub“) und deren Freundin Stef (Martha Plimpton, „Nur der Tod ist umsonst“). Doch im Laufe der Zeit wachsen einzelne Charaktere über sich hinaus, lernen sich erstmals richtig kennen, werden sie ob der Umstände zusammengeschweißt – und gemeinsam stark, was eine wichtige Aussage des Films ist, der die Charaktere zwar bisweilen comicartig überzeichnet, jedoch verschiedene menschliche, natürliche Schwächen auf sie verteilt und damit nahbar erscheinen lässt. Es ist okay, nicht perfekt zu sein, denn das ist niemand – doch gemeinsam lassen sich große Ziele erreichen. Dieser Subtext ist Teil des Faszinosums, das diesen Film ausmacht.

Entscheidend ist natürlich auch die kindliche/jugendliche Abenteuer- und Entdeckerstimmung, die „Die Goonies“ vermittelt. In einer Art kindgerechter „Indiana Jones“-Manier gilt es, böse Fallen zu überleben, Gangster abzuschütteln und sich nicht gleich unterkriegen zu lassen, wenn man statt des Schatzes zunächst lediglich einen Wunschbrunnen und dessen Münzkleingeld findet. Denn im weiteren Verlauf wartet eine ganze unentdeckte Unterwasser-Infrastruktur darauf, erforscht zu werden, die am Ende das Piratenschiff beherbergt, außerdem auf einem Knochenklavier zu spielen (Spitzenidee!) und sich einen erbitterten Kampf gegen die Fratellis zu liefern, die zwar dank ihrer extrem karikierenden Überzeichnungen overacten dürfen, dass die Schwarte kracht, nichtsdestotrotz aber skrupellos und kreuzgefährlich sind.

Auf mögliche Befindlichkeiten der kleinen Zuschauer nehmen Donner & Co. generell erfreulich wenig Rücksicht, packen sie also nicht, wie heutzutage üblich, in Watte: Neben frechem, nicht immer ganz jugendfreiem Humor konfrontiert man sie mit einer Leiche im Gefrierschrank, einer zunächst finster, bedrohlich und unmenschlich anmutenden Kreatur, die im Keller angekettet ist, düsteren Höhlenkulissen mit morbidem Interieur und gleich mehreren Skelette – das ist schon hübsch gruselig und ein weiteres Indiz dafür, dass „Die Goonies“ sein junges Publikum ernstnimmt, statt es für empfindlicher oder dümmer zu halten, als es ist.

Trotz des nach reichlich Action dann doch recht typischen Happy Ends und der eingestreuten Romanze zwischen Brand und Andy wirkt der Film weniger kitschig und albern, als er möglicherweise ausgefallen wäre, hätte Spielberg persönlich Regie geführt. Am ehesten ist „Die Goonies“ etwas überfrachtet, dürfte damit bei seiner Zielgruppe damals jedoch exakt den Nerv nach einem großangelegten Abenteuer-Overkill getroffen haben, der es locker mit den auf ein älteres Publikum zugeschnittenen Genrefilmen und Kassenschlagern aufnimmt. Tatsächlich erscheint mir die Handlung wunderbar auf die damalige Kindergeneration zugeschnitten, die sich noch nicht in Computer-Rollenspiel verlor, sondern ihre Abenteuer auf der Straße oder in der Natur erlebte und sich tendenziell ähnliche Geschichten ausgedacht haben dürfte, in denen es ähnlich hoch her ging.

Zudem vermitteln die Kinderdarsteller das Gefühl, hier wirklich noch Kind gewesen sein zu dürfen: Sie quatschen viel hektisch durcheinander, haben Flausen im Kopf, unterschätzen Gefahren, zanken sich und sind, wenn’s darauf ankommt, eben doch füreinander da. Viele von ihnen blieben auch später gefragte Schauspieler. Natürlich stehen ihnen auch die Erwachsenendarsteller in nichts nach, von denen Anne Ramsey und John Matuszak leider viel zu früh verstorben sind.

Unbedingt erwähnenswert ist auch der Soundtrack inkl. zeitgenössischer Pop- und Rockmusik, zu dem die unerreichte Cyndi Lauper eigens den großartigen Song „Good Enough“ beisteuerte (und sich anschließend erschrocken über das Ausmaß der Marketing-Maßnahmen zeigte), der beschämenderweise nur viel zu kurz im Film Beachtung findet. Goonies- wie Lauper-Freunde sind jedoch gleichsam dazu aufgerufen, sich das grandiose zweigeteilte Musikvideo zum Stück anzusehen, in dem neben WWF-Wrestlern viele weitere Prominente zusammen mit Cyndi auftreten und das somit vielleicht den größten Schatz dieses Films darstellt.

„Die Goonies“ ist aus meiner Sicht kein Film, der das Leben seiner jungen Zuschauer umzukrempeln vermag, er bleibt in erster Linie Unterhaltung. Dies aber auf hohem Niveau, die eigene Phantasie anregend und mit Liebe zum Detail umgesetzt, so dass das meines Erachtens gegen den Rest des Films etwas abfallende Ende (das die Kinder sogar noch auf eine Szene im Dialog Bezug nehmen lässt, die in der finalen Schnittfassung gar nicht mehr enthalten war) nicht allzu sehr ins Gewicht fällt – tatsächlich so ab 10 bis 12 Jahren aufwärts für die ganze Familie geeignet und gut gealtert!
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