Seite 135 von 259

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Fr 15. Jan 2016, 18:19
von buxtebrawler
Bild
Freeze Frame

„Brad Pitt war nicht verfügbar!“

Nach einem Kurzfilm in den 1990ern debütierte Regisseur John Simpson im Jahre 2004 mit dem in britisch-irischer Koproduktion entstandenen Thriller „Freeze Frame“, der sich der Thematik totaler Überwachung aus einer ungewöhnlichen Perspektive annimmt:

Sean Veil (Lee Evans, „Verrückt nach Mary“) wurde vor zehn Jahren beinahe wegen Mordes verurteilt, ein Verbrechen, das er stets abgestritten hat und gegenüber Menschen, die noch immer an seine Schuld glauben, weiterhin abstreitet. Aus Angst, dass ihm etwas Ähnliches noch einmal passieren könnte, hat er – um stets ein Alibi vorweisen zu können – begonnen, sein komplettes Leben mit dutzenden Videokameras festzuhalten und die abertausend Bänder in einem eigens abgesicherten Raum seines Industriegebiet-Kellerkomplexes zu archivieren – jeden Tag, jede Stunde, jede Sekunde. Damit niemand falsche Spuren legen kann, hat er sich in seiner Paranoia gar sämtliche Körperbehaarung entfernt und pflegt fast permanent Handschuhe zu tragen. Zwar lebt er dadurch weitestgehend isoliert von der Außenwelt, doch wähnt er sich in Sicherheit vor der nicht an seine Unschuld glaubenden Öffentlichkeit und den Bemühungen des mit seinen Büchern zum Fall reichgewordenen Kriminologen Saul Seger (Ian McNeice, „I’ll Be There“) und des totkranken Detectives Louis Emeric (Sean McGinley, „Shrooms – Im Rausch des Todes“), ihn doch noch des Mordes überführen zu können. Er lernt die Reporterin Katie Jasper (Rachael Stirling, „Dangerous Parking“), die Tochter der ermordeten Susan Jasper und Schwester der ebenfalls ermordeten Zwillinge, kennen, die für ihre eigene Recherche den Kontakt zu ihm sucht und angibt, ihm zu glauben. Doch kurz darauf taucht eine weitere Leiche auf, die der vor fünf Jahren ermordeten Mary Shaw – und Sean wird als Tatverdächtiger verhaftet. Als er seine Unschuld mithilfe der Videobänder beweisen will, fehlen ausgerechnet die des fraglichen Zeitraums…

Mit „Freeze Frame“ wird also die Perspektive eines Mannes gewählt, der sich freiwillig einer totalen Überwachung aussetzt, um diese gegen die Mächtigen, in diesem Falle Staat und Strafverfolgungsbehörden, einsetzen zu können. Viele Szenen werden aus Perspektive einer der zahlreichen privaten Kamera Seans gezeigt, was Simpsons Film eine Mischung aus Found-Footage- und modernistischem Cyber-Look verleiht, der von kalten Blautönen beherrscht wird. Der zuvor auf komische Rollen abonnierte Lee Evans fasziniert als aufbrausender, verzweifelter Paranoiker, der durch den Mordprozess vollkommen aus der Bahn geworfen wurde und sich sein eigenes Gefängnis geschaffen hat. Viele Monologe aus dem Off helfen, ihn zu charakterisieren und lange Zeit bleibt es spannend, ob es sich a) tatsächlich um einen Unschuldigen handelt, b) er die Tat(en) bei vollem Bewusstsein begangen hat und dies zu verschleiern versucht oder c) er der Täter ist, dies aber gar nicht weiß (aufgrund einer gespaltenen Persönlichkeit, Amnesie o.ä.). Letzteres hätte zumindest gut in den Thriller-Trend der Entstehungszeit gepasst.

Schwer unsympathisch wirkt jedenfalls der selbstgerechte Mr. Seger und der ständig hustende Detective ist auch nicht gerade die Ausgeburt an Menschenfreundlichkeit – ich vermute, dass nicht nur ich als Zuschauer dazu neigte, um Seans Unschuld zu hoffen, aber gleichzeitig zu fürchten, dass an den Vorwürfen doch etwas dran sein könnte. Doch anstatt seinen Ansatz der totalen Überwachung und Datensammelwut weiterzuverfolgen, die mit ihr einhergehenden Gefahren und Manipulationsmöglichkeiten aufzuzeigen, darzustellen, wie sie sich perfiderweise gegen ihren Erzeuger Sean richtet, werden diese Aspekte lediglich zur nebensächlichen Begleiterscheinung einer Handlung degradiert, die irgendwann konstruiert erscheint wie ein 9Live-Wörterrätsel. Die unterschiedlichen Charaktere verhalten sich immer weniger nachvollziehbar, was in zahlreichen erzwungen wirkenden Wendungen nach Art eines unwahrscheinlichen Kriminalfilms sowie einer unfassbar hirnrissigen und zudem extrem prüden Sexszene mündet. Spätestens im letzten Drittel versagt das Drehbuch total und macht „Freeze Frame“ trotz seiner zahlreiche Haken schlagenden Handlung zu einer zähen Angelegenheit, deren Ende man herbeisehnt.

Wie so viele ambitionierte Frühwerke der neueren Zeit verfügt auch „Freeze Frame“ über vielversprechende Ideen, darüber hinaus über intensives Schauspiel des Hauptdarstellers und in diesem Falle sogar eine ungewöhnliche, sehenswerte Optik, wirkt aber nicht zu Ende gedacht, unausgegoren und letztlich ärgerlich wie ein nichteingelöstes Versprechen. Wie Simpson seinen Film vom dystopisch anmutenden Neo-Noir-Thriller mit psychologischem Tiefgang zum Allerwelts-Privatfernsehen-Krimi entarten lässt, ist traurig und bezeichnend zugleich.

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Mi 20. Jan 2016, 15:14
von buxtebrawler
Bild
Compliance

Rund eine Dekade lang dauerte die als Strip Seach Phone Call Scam bezeichnete Serie von Anrufen vorgeblicher Polizisten an, die am 09.04.2004 ihren traurigen Höhepunkt in einer McDonald’s-Filiale in Mount Washington fand: Ein Anrufer gab sich als Officer Scott aus und behauptete, dass die junge Angestellte der Filiale, Louise Ogborn, eine Frau bestohlen habe. Er wies die Filialleiterin Donna an, die vermeintliche Diebin bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten, was jedoch noch dauern würde. Louise bestritt die Vorwürfe, doch Donna tat, wie ihr geheißen – auch, als der falsche Polizist von ihr verlangte, eine Leibesvisitation an Louise durchzuführen, die sich zu diesem Zweck komplett entkleiden musste. Als „Officer Scott“ auch noch Donnas Verlobten hinzuzog, wurde endgültig die Grenze zum sexuellen Missbrauch überschritten. Diese Ereignisse zeichnet US-Regisseur Craig Zobel in seinem nach seinem 2007er Debüt, der Komödie „Great World of Sound“, zweiten Spielfilm „Compliance“ aus dem Jahre 2012 in Form eines No-Budget-Dramas mit geänderten Namen nach:

In der „ChickWich“-Burgerbräter-Filiale ist man gestresst, weil ein Teil der Lebensmittel durch eine nicht ordnungsgemäß verschlossene Kühlkammer verdorben ist. In diese gereizte Stimmung platzt der Anruf des hier „Officer Daniels“ genannten Mannes (Pat Healy, „Dirty Girl“), der es offenbar genießt, dass man auf seine autoritäre Masche hineinfällt und sich am befohlenen und ausgeführten Missbrauch an Becky (Dreama Walker, „Vamperifica“), wie sie hier heißt, ergötzt. Diese lässt die Maßnahmen nach sanftem Widerstand zunächst ungläubig über sich ergehen und ist irgendwann so eingeschüchtert, dass sie alles mit sich machen lässt… Gern mal wird das Milgram-Experiment im Zusammenhang mit diesen Ereignissen als Vergleich herangezogen und tatsächlich geht es auch hier darum, dass den Ausführenden die Verantwortung für eigenes Handeln scheinbar abgenommen wird. Was in diesem Fall jedoch erschwerend hinzukommt, ist das Fehlen einer persönlichen Ebene mit der vermeintlichen Autorität über das Telefon hinaus. Niemand steht hier möglicherweise ehrfurchtgebietend und bewaffnet in Uniform vor einem und kann sich im Zweifelsfall ausweisen, hier ertönt schlicht eine Stimme aus dem Telefon – und niemand zweifelt ihre Autorität an. Wenn sie behauptet, sie sei ein Polizist, dann wird das schon stimmen. Diese Reaktion kann bis zu einem gewissen Moment nur mit tief blicken lassender treudoofer Obrigkeitshörigkeit erklärt werden, gepaart mit einem stressbedingten Unmut, die Situation kritisch zu durchleuchten, schließlich geht es ja „nur“ um eine Mitarbeiterin – so gesellt sich erschwerend eine arrogante Scheißegalhaltung in Bezug auf die eigenen Befehlsempfänger dazu, denen man offenbar ohnehin latent misstraut.

All dies geschieht in Zobels Kammerspiel jedoch ohne offene Dämonisierung der Vorgesetzten des Opfers, vielmehr werden diese selbst als Opfer der rhetorisch sicherlich nicht ungeschickten (und mit ihrem Duktus den interessantesten Aspekt des Films darstellenden) Manipulation skizziert. Insofern bleiben die Ereignisse noch diffus nachvollziehbar. Spätestens ab dem Moment, in dem Becky zustimmt, dass ihr Boss (Bill Camp, „Lincoln“) sie körperlich züchtigt und dieser das allem Anschein nach auch als relativ normal empfindet, wirkt das Gezeigte jedoch schreiend unrealistisch. Dass die Situation hier längst nicht mehr nur seitens des Anrufers schamlos ausgenutzt wird, spiegelt sich in Zobels Interpretation wenn überhaupt nur in unzureichendem Maße wieder.

Zobel versuchte sich möglicherweise an einem Balance-Akt zwischen Spannungs- statt Dokumentarfilm, der möglichst keine voyeuristischen Neigungen bedienen soll und sich mit Verurteilungen zurückhält. Das Ergebnis ist ein halbgares Filmchen, das beinahe jeglichen psychologischen Tiefgang vermissen lässt, öde und monoton inszeniert wurde und vermutlich an seinem eigenen Anspruch scheitert. Trotz der nahen Orientierung an den realen Ereignissen bleiben die Geschehnisse kaum nachzuvollziehen und dies ändert sich auch nicht, wenn nach Beckys Befreiung aus ihrer misslichen Lage und der Ergreifung des Telefontäters, den man zudem dramaturgisch unklug bereits ca. ab der Filmmitte zu sehen bekam, sich Beckys Vorgesetzte (Ann Dowd, „Philadelphia“) in einem drangeklatschten Epilog rechtfertigen darf und angibt, dass sie seither nicht mehr mit ihrem Verlobten gesprochen habe. Der dokumentarische Aspekt des Films bleibt zu bemüht und oberflächlich und für einen gelungenen, aufwühlenden Spielfilm reicht die recht plumpe Nacherzählung der Ereignisse einfach nicht.

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Mi 20. Jan 2016, 23:50
von buxtebrawler
Bild
Sanitarium - Anstalt des Grauens

Wer bisher noch nichts von Bryan Ortiz, Bryan Ramirez und Kerry Valderrama gehört hatte, dürfte damit auch in cineastischen Kreisen der überwiegenden Mehrheit angehören. Mit dem 2013 veröffentlichten US-Episodenhorrorfilm „Sanitarium - Anstalt des Grauens“ treten die drei Nachwuchsregisseure gemeinsam mit je einer inszenierten Episode in Erscheinung, denen inhaltlich der Bezug auf pathologischen Realitätsverlust ihrer Protagonisten gemein ist. Zusammengehalten werden die Kurzfilme von einer Rahmenhandlung:

Oberarzt Dr. Stenson (Malcolm McDowell, „Clockwork Orange“) stellt sowohl den Zuschauern als auch einem interessierten Journalisten drei besondere Fälle von Geisteskrankheit vor, die in seiner Heilanstalt behandelt werden: Da wäre zum einen Künstler Gustav, dessen gruselige Puppen-Modellierungen sich so großer Beliebtheit erfreuten, dass sein Kurator sie gern nach New York verkauft hätte – hätten sie Gustav nicht eingeredet, ihn zu töten… Zum anderen wäre da der junge, schüchterne Steve, der von seinem Vater misshandelt und missbraucht wurde und in einem Monster einen Beschützer gefunden zu haben glaubt… Und zu guter Letzt gäbe es da noch Professor Silo, der so fest an den Weltuntergang glaubte, dass seine eigene Welt in Stücken liegt...

Zum Einstieg referiert ein reißerischer Sprecher aus dem Off über Geisteskrankheiten, bevor Robert Englund („A Nightmare on Elm Street“) an der Seite John Glovers („Die Mächte des Wahnsinns“) mit seinem Namen den zweiten wirklich großen in die Darstellerriege werfen darf. In einer Sex-Szene gibt es eine entblößte weibliche Oberweite zu sehen und auch ansonsten sieht diese Episode in ihren gedeckten Farben und mit den morbide anzuschauenden Puppen prima aus, bietet inhaltlich aber lediglich Altbekanntes – originell geht anders.

Nur etwas weniger vorhersehbar ist dann die zweite Episode, in der sich der lockenköpfige Junge mit der hässlichen Brille (David Mazouz, „Amish Grace“) mit seinem Erzeuger (Chris Mulkey, „Mysterious Skin“) herumplagen muss und aus seiner Not heraus geistig ein Monster gebiert, in das er seine aggressive Reaktion auf die Übergriffe auslagert und das schließlich vermeintlich anstelle seiner sich zur Wehr setzt. Klassische Motive vom „schwarzen Mann“ und dem Monster unterm Bett treffen hier auf gute Maskenarbeit und unschuldige kindliche Traurigkeit. Der Film hat sich gesteigert.

Noch etwas stärker zeigt sich die dritte und letzte Episode, in der sich Professor Silo (Lou Diamond Phillips, „La Bamba“) in wirren Weltuntergangstheorien verliert. Wie die vorherigen Episoden auch, wird sie aus Sicht des Protagonisten gezeigt, so dass sie verstärkt surreal ausfällt. Als Zuschauer beobachtet man Silo, wie er sich verzweifelt auf den Weltuntergang vorbereitet und letztlich alles in diese, seine Wahrheit einfügt. Auf durchaus intelligente Weise wird so gezeigt, wie Weltuntergangs- und sonstige Fanatiker, Verschwörungstheoretiker etc. ihre eigene Weltsicht entwickeln, in der alle Informationen einer fälschlicherweise als unumstößlich betrachteten Wahrheit untergeordnet werden, bis sie endgültig der Realität entrückt sind – und welche unfassbare Energie sie dabei aufbringen. Geflüster, Unterhaltungen mit seiner Familie, von der der mit auf den Trip genommene Zuschauer nicht weiß, ob sie überhaupt noch lebt, dazu eine traurig-schöne getragene musikalische Untermalung – diese von Phillips intensiv geschauspielerte Episode fesselt und macht neugierig sowie betroffen zugleich.

Als größtes Manko des Episoden-Trios muss ich jedoch das oft künstlich verknappt wirkende Tempo herausstellen. Zu häufig wird auf die Bremse getreten, als sei man bei dem hehren Unterfangen, einen Gegenentwurf zum häufig hektischen zeitgenössischen Genrekino zu schaffen, über das Ziel hinausgeschossen. Hier entfalteten sich bisweilen eben nicht nur die morbide Grundstimmung und die bedrückende Atmosphäre, sondern auch Redundanz und Langatmigkeit. Wer sich „Sanitarium - Anstalt des Grauens“ zudem in der deutschen Synchronfassung gönnt, bekommt es leider auch noch mit zum Teil wirklich billigen, miesen Sprechern zu tun, die durchaus in der Lage sind, das Filmvergnügen weiter abzuwerten. Hier wurde leider wieder einmal am falschen Ende gespart.

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Do 21. Jan 2016, 16:53
von buxtebrawler
Bild
Plastic Little

„Plastic Little“ ist eine Verfilmung des gleichnamigen Science-Fiction-Mangas Satoshi Urushiharas, bei der Kinji Yoshimoto 1994 die Regie führte.

Tita lebt ein recht sorgloses Leben auf dem Planeten Jietta und ist gerade einmal 17 Jahre jung, aber schon Kapitän der Cha-Cha-Maru, eines Kreuzers zum Fang exotischer Meerestiere, um diese auf anderen Planeten zu veräußern. Eines Tages jedoch kreuzen sich ihre Wege mit der jungen Elize, die von einem Söldnertrupp unerbittlich gejagt wird. Tita eilt ihr zur Hilfe und bietet ihr Unterschlupf auf der Cha-Cha-Maru, wo sie ihr eröffnet, die Tochter des ermordeten Wissenschaftlers Nalerov zu sein und als einzige ein großes wissenschaftliches Geheimnis zu kennen, weshalb man gnadenlos hinter ihr her ist – und somit nun auch hinter der Cha-Cha-Maru…

Yoshimotos Anime ist ein rund dreiviertelstündiges nettes, quietschbuntes Vergnügen mit zwei drallen großäugigen und -busigen Mädchen, die sich in einem für den Zuschauer nicht sonderlich aufregenden Science-Fiction-Action-Sujet behaupten und sich gegenseitig ihre Oberweiten zeigen. Nicht sonderlich spannend, aber hübsch gezeichnet und lustig- bis doof-naiv inkl. prallem Fansupport. Für Freunde des Manga-Strichs ab der Pubertät aufwärts beispielsweise als unterhaltsames Vorprogramm eines Filmabends sicherlich gut geeignet. Wer seine Animes als Hentais bevorzugt (soll es ja geben) oder den Tiefgang ausgeklügelter Charakterzeichnungen und dystopischer Science-Fiction-Welten bevorzugt, ist hier jedoch an der falschen Adresse.

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Mo 25. Jan 2016, 16:21
von buxtebrawler
Bild
Der Tiger von Osaka

„Ich würd‘ nie ‘ner Frau trauen!“

Anscheinend der erste Spielfilm des japanischen Regisseurs Yukio Noda, der auch in Deutschland ausgewertet wurde, ist sein im Jahre 1974 entstandener „Der Tiger von Osaka“ – ein höchst exploitativer Action-Thriller, der dem japanischen Pinky-Violence-Genre zugeordnet wird und auf einem Manga Tooru Shihoraras basiert, der von Fumio Konami und Hiro Matsuda adaptiert wurde.

„Ein süßes Geschöpf!“

Die attraktive Polizistin Rei (Miki Sugimoto, „Girl Boss Revenge: Sukeban“) bringt mit vollem Körpereinsatz einen Triebtäter zur Strecke, indem sie ihm eine Art Falle stellt: Sie deutet an, mit ihm ins Bett zu wollen, doch als er sie zu misshandeln beginnt, tötet sie ihn in – nicht unwillkommener – Notwehr. Da es sich jedoch um einen bedeutenden Diplomaten handelte, wird sie der Selbstjustiz überführt in landet im Gefängnis. Als aber eines Tages Kyôko (Hiromi Kishi), Tochter des Politikers Nagumo (Tetsurô Tanba, „Der Untergang Japans“), von Yoshihide Nakaharas (Eiji Gô, „Tokyo Drifter - Der Mann aus Tokio“) Bande entführt wird, sind ihre Dienste plötzlich wieder gefragt: Konspirativ und ohne viel Aufsehen zu erregen, soll sie Kyôko befreien, ohne dabei Nagumos Erfolg bei den bevorstehenden Premierministerwahlen zu gefährden. Rei nimmt den Auftrag an und findet sich letztlich inmitten eines blutigen Infernos wieder...

„Auch einen Mörder schießt man nicht ab wie ein Karnickel!“

Disco-Funk-Klänge, die in eine vermeintliche Sexszene überleiten, führen den Zuschauer schön aufs Glatteis, der kurz darauf einen ersten Eindruck von der Gewalt bekommt, die diesen Film vornehmlich bestimmen wird. Kyôko Entführer sind eine dreckige, dafür umso brutaler agierende mafiöse Gang, deren häufig sexualisierte Gewalt durchaus unangenehm realistisch dargestellt wird. Rei schleust sich bei ihnen ein und nimmt, bevor sie ihr Vertrauen genießt, selbst größte körperliche Demütigungen auf sich, um sich später umso entschiedener zu rächen. Letztlich kämpft sie nur für sich und befindet sich so zwischen allen Fronten – erst recht, als der korrupte Nagumo am Ende gar bereits ist, seine eigene Tochter zu opfern. Zwischen urbanen Leuchtreklamen und ländlichen Absteigen, zwischen Misshandlungen, Vergewaltigungen und Sprücheklopferei werden alle Seiten zunehmend sadistischer und offener Zynismus bricht sich allenthalben bahn.

„Du verkaufst nur deinen Körper, aber in meinem Job verkauft man die Moral!“

Da erschlägt ein Gangster seinen kleinen Bruder brutalst mit einer Flasche, lässt der Politiker zu, dass gekidnappte Hausbewohner lebendig verbrennen und wird auch darüber hinaus alles getan, um keinen Zweifel an der moralischen Abgestumpfheit und Verkommenheit der hier agierenden Personen zu lassen. Rei lässt das meiste stoisch und eiskalt über sich ergehen, scheint daber aber immer ihren eigenen Plan zu verfolgen. Wichtig scheint ihr nicht ihre körperliche Unversehrtheit, Schläge ins Gesicht berühren sie nicht. Priorität genießt für sie, dass sie es sein wird, die zuletzt lacht. Sie hat einen Handschellentrick drauf, der ihr des Öfteren zur Hilfe kommt und etwas Comichaftes in den Film einbringt, wie es auch die gern chargierenden Darsteller und das generelle Over-the-Top-Sujet tun. „Der Tiger von Osaka“ wandelt damit irgendwo zwischen den Polen bösartiger Grimmigkeit und karikierender Übertreibung, was seinen Konsum durchaus zu einem Wechselbad der Gefühle machen kann.

Zu splatterigen Schießereien gesellen sich im allgemein hohen Tempo Erinnerungen zeigende Standbilder, die den Film immer mal wieder komplett zum Stillstand bringen und damit ein ebenso interessantes Stilmittel darstellen wie die schrägen und originellen Kameraperspektiven. „Der Tiger von Osaka“ ist eine Art ultrabrutaler Rape’n’Revenge-Trip um mehrere Ecken mit viel Blut und nackter Haut, der auf seine plakative Weise das kulturpessimistische Bild einer verkommenen Gesellschaft zeichnet, in der die Geschicke von korrupter, über Leichen gehender Politik und Staatsmacht sowie skrupellosen Gangsterbanden geleitet werden und jeder letztlich auf sich allein gestellt ist. Noda pfeift genretypisch auf gesellschaftliche Frauenbilder, geht in seiner Manga-Verfilmung weiter als viele westliche Filmemacher damals wie heute und hat mit „Der Tiger von Osaka“ sicherlich einen herausragenden Pinky-Violence-Beitrag unter den deutsch synchronisierten Exemplaren geschaffen, der für manch Zuschauer zuviel des Guten und damit schwer genießbar sein dürfte, während sich andere genau in ihrem Element wähnen.

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Mi 27. Jan 2016, 14:44
von buxtebrawler
Bild
Fatal Beauty

„Kann mir nicht vorstellen, dass Sie nicht wissen, wer Richard Gere ist!“

Zwischen seinen beiden Kult-Horrorfilmen „Fright Night“ und „Chucky – Die Mörderpuppe“ wechselte US-Regisseur Tom Holland das Genre und drehte im Jahre 1987 den Action-Krimi „Fatal Beauty“ mit – Überraschung! – Whoopie Goldberg in der Hauptrolle.

Polizistin Rita Rizzoli (Whoopie Goldberg, „Die Farbe Lila“) arbeitet als verdeckte Ermittlerin in der Drogenszene Los Angeles‘, um den Männern auf die Spur zu kommen, die für die neue harte und extrem gefährliche Droge „Fatal Beauty“ verantwortlich sind, die immer mehr Menschenleben fordert. Dabei gerät sie zwischen die Fronten konkurrierender Drogenhändler, die sich gegenseitig erbittert bekriegen. Der verdächtige Geschäftsmann Conrad Kroll („Scarface“) beauftragt seinen Sicherheitsmitarbeiter Mike Marshak („Die Maske“), Rizzoli zu beobachten, der sich zusammen mit ihr gegen die mit seinem Chef konkurrierenden Dealer stellt – und bald Gefallen an Rita findet…

„Du bist mir ‘ne Nummer zu abgefahren, Rizzoni!“

Die familienfreundliche Whoopie Goldberg in einem zumindest härteren urbanen Action-Krimi – kann das gut gehen? Klar, wie Tom Holland mit „Fatal Beauty“ beweist, wenn er Goldberg als toughe und aufbrausende Großstadt-Bullette mit dem Herz am rechten Fleck engagiert und damit so etwas wie ein feministisches Äquivalent zu Eddie Murphy als „Beverly Hills Cop“ schafft, der sicherlich Einfluss auf den Film hatte: Derbe Sprüche, ordinäres Gequatsche – und harte, wenig familientaugliche Action. Dazu fährt Holland bereits im Auftakt eine kultige ‘80er-Ästhetik auf, dass es nur so kracht und zu der Harold Faltermeyers Musik wie die Kugel in den Revolver passt.

Rita schlüpft für ihre Ermittlungen in verschiedene Rollen, die unterschiedliche Klischees erfüllen, wird ständig „Nutte“ genannt und kriegt doch alle ach so harten Kerle klein, während sie bei Kleinkriminellen auch gern mal ein Auge zudrückt und so mehr erreicht als durch Law & Order. Die recht interessante Handlung, die damals zeitgemäß vor harten Drogen warnt und auf die skrupellosen Kartelle hinter ihnen verweist, fällt dank ihrer stärkeren Differenziertheit verglichen mit Actionfilmen ähnlichen Kalibers und ihrer ambivalenten Dreiecksgeschichte recht interessant aus und bietet durchaus bedrückende Bilder des Drogenelends, spannende Szenen im Moloch des Rauschgift-Untergrunds, etwas Komik gerade auch dank Rizzonis losem Mundwerk und natürlich Schießereien mit vielen Toten. Mit Marshak sieht sich Rita gezwungen, unfreiwillig zusammenzuarbeiten, macht ihm aber harte Ansagen bzgl. seiner Mitverantwortung für Drogensucht und -tote – erliegt letztlich indes doch ein bisschen seinem Charme. Sam Elliot wurde damit eine ambivalente Antiheldenrolle zuteilt, die den Film vor Schwarzweißmalerei bewahrt. Zusätzlichen Tiefgang erhält die Handlung, als sich Rita Marshak öffnet und ihm ihre tragische Lebensgeschichte beichtet, die ebenfalls mit Drogenabhängigkeit zu tun hat.

Ein wenig krankt jedoch auch „Fatal Beauty“ am genretypischen Problem irgendwann reichlich unrealistisch verlaufender Schießereien und strenggenommen bleibt auch die Logik etwas auf der Strecke, wenn man den Sinn hinterfragt, eine harte Droge zu verticken, die derart schnell ihre Konsumenten tötet. Der häufig auf Coolness gebürstete Humor hätte bisweilen auch etwas subtiler und das Gesamtbild gern dreckiger und düsterer ausfallen dürfen. Auch das Ende erscheint etwas plump, wenn es – Achtung, Spoiler! – keinen Antagonisten mehr am Leben lässt und suggeriert, dass dadurch alles gut werden würde. Ansonsten bietet „Fatal Beauty“ gehobene Action-Unterhaltung in interessanter Besetzung und mit der zusätzlichen Portion ‘80er-Charme, ohne allzu sehr in reaktionäre Ressentiments zu verfallen.

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Sa 30. Jan 2016, 00:29
von buxtebrawler
Bild
Rigor Mortis – Leichenstarre

„Sie wissen, dass Vampire Angst vor Klebereis haben?“ (Nein.)

Der aus Hong Kong stammende Musiker und Schauspieler Juno Mak debütierte im Jahre 2013 als Regisseur des Horrorfilms „Rigor Mortis – Leichenstarre“, der sich offenbar auf Filme wie die „Mr. Vampire“-Reihe aus den 1980ern mit ihren hüpfenden Vampiren bezieht und als Hauptdarsteller mit Siu-Ho Chin aufwartet, einem Veteran zahlreicher ostasiatischer Vampirfilme.

„Lächeln ist ermüdend. Ich bin sehr müde – und ich will nicht mehr!“

Schauspieler Chin (Siu-Ho Cin) ist des Lebens überdrüssig: Sein Sohn ist tot und seine Karriere vorbei. Er mietet sich in einem maroden Wohnblock ein und versucht, sich dort zu erhängen. Damit beschwört er jedoch zwei Geister herauf, die von seinem Körper Besitz zu ergreifen versuchen, was Nachbar Yau (Anthony Chan, „Why, Why, Tell Me Why?“) im letzten Moment verhindern kann. Chin erfährt von Yau, dass dieser einer Vampirjäger-Familie entstammt, nun jedoch eine Gaststätte betreibt, die bei den verschrobenen Bewohnern des Hauses vor allem für ihren Klebereis beliebt ist, der sich prima dazu eignet, Vampire auf Distanz zu halten. Eines Tages kommt der Mann der im Haus lebenden Tante Mui (Paw Hee-Ching, „Mr. Cinema“), Tung (Richard Ng, „My Wife is 18“), durch einen Treppensturz ums Leben. Ihre Trauer nutzt der sinistre Magie-Meister Gar aus, der ihr verspricht, Tung innerhalb einer Woche ins Leben zurückkehren zu lassen, jedoch die Geister aus Chins Wohnung instrumentalisiert und Tung mit deren Hilfe in einen Vampir mutieren lässt. Chin freundet sich derweil mit der alleinerziehenden Mutter Yeung Feng (Kara Hui, „Blood Stained Shoes“) und ihrem Sohn Pak an, die im Haus in der Vergangenheit schreckliche Dinge erlebt haben und seither traumatisiert sind. Als Mui Gars Wunsch nachkommt, ihrem verschiedenen Gatten ein Kind zu opfern, erwacht Tung als Vampir, den Yau, Chin und Feng mit vereinten Kräften zu bekämpfen versuchen…

„Immer noch nicht kannst du die Finger von diesem Schwarze-Magie-Scheiß lassen!“ (‘tschuldigung, ich liebe das Horror-Genre nun mal...)

Da habe ich als Freund britischer Horrorfilme mit der „Dracula“-Reihe rechtzeitig zum Euro-Asia-Vampir-Crossover „Die sieben goldenen Vampire“ aufgehört – und sitze nun da und soll einen Film wie „Rigor Mortis – Leichenstarre“ verstehen, was sich ohne Vorwissen um „hüpfende Vampire“ etc. gar nicht mal so einfach gestaltet. Vergleiche mit der „Mr. Vampire“-Reihe o.ä. kann ich also nicht anstellen, habe aber in Erfahrung bringen können, dass sich dieser Film zwar auf sie bezieht, jedoch auf ihre komödiantischen Anteile gänzlich verzichtet. So fällt Maks Film auch fast konsequent düster aus, den er mit einem Zeitlupenintro im Graufilter und einem Sprecher aus dem Off eröffnet. Eine erste Rückblende zeigt eine Frau und ein Kind, bevor Chin sich zu erhängen versucht und damit dem Regisseur Anlass für eine wilde Bildabfolge bietet. Nun kommen die Geister und anschließend Koch und Vampirjäger Yau ins Spiel, der Chin gegen sie verteidigt und ihn losschneidet.

„Hoffentlich lockt das Leichenöl den Vampir auch an!“

Geister sind es auch, die Tungs brutalen und tödlich verlaufenden Treppensturz verursachen, auf den hin sich die weitere Handlung nur langsam entwickelt. Vielmehr verwirrt sie mit ihrer Vielzahl an Charakteren, von denen man teilweise zunächst nicht einmal weiß, ob es sich um Menschen oder Geister handelt, integriert sie Rückblenden, die zeigen, wie eine junge Frau ihren Privatlehrer in Notwehr blutig absticht und greift sie auf beliebte Fernost-Geistererscheinungen wie die kriechenden, langhaarigen, sich unnatürlich bewegenden Wesen ebenso zurück wie auf blutige Kämpfe; außerdem wird ständig übers Essen geredet. Geheimnisvoll und etwas verworren erscheint der Film lange Zeit und sein Fokus bleibt unklar: Ist er auf Chin gerichtet oder doch auf Feng und ihren Sohn? Geht es vornehmlich um den vor sich hinmodernden Onkel Tung, der drapiert und mit reichlich Zeug behangen wird oder werden letztlich die Geister eine übergeordnete Rolle spielen? Soll Yau im Mittelpunkt stehen und ein Comeback als Vampirjäger feiern? Und was haben die Rückblenden mit all dem zu tun?

Während man versucht, den roten Faden zu finden, arbeiten Mak und sein Team mit kunstvollen Spezialeffekten und CGI, überraschen innerhalb der düsteren Stimmung immer wieder mit bösen Gewaltspitzen (Mui erschlägt brutal den neugierigen Hauswart und verfüttert das weißhaarige Kind an den Vampir-Onkel) und forcieren weiter das morbide Ambiente durch Bilder blutverschmierter Wohnungen. Erst nach und nach entspinnt „Rigor Mortis – Leichenstarre“ seine Geheimnisse wie das der Zwillingsgeister, die nach dem Privatlehrermassaker beide gestorben sind und läutet schließlich ein actionreiches letztes Drittel ein, das stark den Fantasy-Bereich tangiert, wenn beim Kampf gegen den Vampir ein Anti-Vampir-Roulette ins Spiel kommt, das Materie in unterschiedliche Elemente verwandelt (und einen Unterarm kostet). Viele Zeitlupen werden bemüht und die Poesie, die sich hier ab und zu Raum verschafft, kratzt wiederum etwas am Kitsch.

Insgesamt ist „Rigor Mortis – Leichenstarre“ eine abgefahrene Mischung aus unterschiedlichen Phantastik-Motiven, die über weite Strecken eine bedrückende Stimmung erzeugt, aber auch überladen wirkt und mehrmals den Blick fürs Wesentliche zu verlieren scheint. Einige Ideen muten zudem eher albern an und der CGI sind es letztlich dann auch etwas viel, denn sie lassen den Film recht künstlich wirken. Trotz des fantasylastigen Finales aber bleibt man von einem flachen Happy End verschont, so dass man als weltoffener Genrefreund auch ohne Bezug zu dieser speziellen Gattung Fernost-Horrors prinzipiell ordentlich unterhalten wird, wenngleich hier irgendwie weniger mehr gewesen wäre. 7 von 10 Portionen Klebereis ordere ich da gern in Yaus Chinese Takeaway.

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Sa 30. Jan 2016, 15:14
von buxtebrawler
Bild
The Pact

„Verdammter verrückter Irrer!“

Im Jahre 2012 verfilmte US-Regisseur Nicholas McCarthy seinen vierten (mir unbekannten) Haunted-House-Horror-Kurzfilm „The Pact“ in einer 89-Minuten-Fassung neu und debütierte damit als Spielfilmlängenregisseur.

Nach dem Tod ihrer Mutter kümmert sich Nicole (Agnes Bruckner, „The Woods“) um das Nötige und bittet ihre Schwester Annie (Caity Lotz, „Girls United – Alles oder nichts“), die alles andere als ein gutes Verhältnis zu ihrer Erzeugerin hatte, wenigstens zur Beisetzung und Haushaltsauflösung zu erscheinen. Im Haus der Verstorbenen verschwindet Nicole jedoch plötzlich spurlos. Als Annie eintrifft, beginnt sie nach einiger Zeit, sich berechtigte Sorgen zu machen. Als auch noch ihre Cousine Liz (Kathleen Rose Perkins, „Ten Years Later“) plötzlich wie vom Erdboden verschluckt ist und Annie am eigenen Leib erfahren muss, dass offenbar unsichtbare Mächte im Haus ihr Unwesen treiben, wendet sie sich an die Polizei. Zumindest Detective Del Creek (Casper van Dien, „Mask Of The Ninja“) nimmt sie ernst und suggeriert seine Hilfe, doch letztlich ist es das Medium Stevie (Haley Hudson, „Killer Pad“), das entscheidende Hinweise gibt – diese führen Annie zu einem grausamen Familiengeheimnis...

McCarthy debütiert ausgerechnet mit einem Beitrag zum ausgelutschten Haunted-House-Subgenre, indem er seinen Kurzfilm auf Spielfilmlänge erweitert und eigentlich so etwas wie ein Crossover mit einem Kriminal-Thriller schafft. Dass muss natürlich nicht zum Scheitern verurteilt sein und kann mit einen guten Drehbuch und einem Regisseur mit dem entscheidenden Händchen fürs Atmosphärische zu einem gleichsam spannenden und gruseligen Filmvergnügen werden. Nachdem man sich für den Auftakt zu einer Großaufnahme eines Auges entschied, bedient McCarthy zunächst Genrestandards in Form nach gewisser Zeit auftretender seltsamer Phänomene, Poltergeist-Aktivitäten und ein paar Schockszenen, um den Zuschauer zu erschrecken. Das Ambiente jedoch ist karg, der Film prinzipiell sehr ruhig erzählt und da die anscheinend grundsätzlich barfuß und knapp bekleidet herumlaufende Annie die meiste Zeit auf sich allein gestellt ist, recht dialogarm.

Worauf die Handlung hinaus will, ist lange Zeit kaum vorhersehbar, dennoch bleibt die Dramaturgie überraschungsarm. Annie findet einen Raum hinter einer Zimmerwand bzw. „wurde zu ihm geführt“, doch um die Geschichte wirklich voranzutreiben, bedarf es des für Filme dieser Art beinahe obligatorischen Mediums, in diesem Falle Stevies, einer Freundin Nicoles. Diese spürt dann auch deren Anwesenheit, um kurz darauf wieder komplett aus dem Film zu verschwinden und den Eindruck einer irgendwie uninspiriert konstruierten Handlung zu hinterlassen, in der es ganz selbstverständlich scheint, ein „Medium“ abrufbereit zu haben...

Mir nichts, dir nichts greift Annie nach einer Gewaltspitze des Films, einem fiesen Kehlenschnitt, zum selbstgebastelten Ouija-Brett und kommuniziert mit den Toten, womit der Film endgültig schwer nachvollziehbar wird und plötzlich in einer Welt zu spielen scheint, in der für die Protagonistin Übersinnliches seit langem zum gewohnten Alltag gehört. Charakterentwicklung ist die Stärke des Drehbuchs nicht. Den entscheidenden Handlungsschlenker, der gewissermaßen Horror- und Thriller-Aspekte miteinander verknüpft, verrate ich hier natürlich nicht, so ganz ohne ist der aber nicht und führt u.a. zu einer superspannenden Suspense-Szene, dem Höhepunkt des Films. Quintessenz ist letzten Endes, dass Annie allein nicht viel ausrichten kann, jedoch Hilfe von Geisterhand bekommt und sich so des schrecklichen Familiengeheimnisses erwehren kann.

Das ist leider auch nicht wirklich befriedigend; die Hintergründe wenigstens etwas weiter aufzudröseln, versucht man gar nicht erst und so bleiben sowohl die Thriller- als auch die Horror-Aspekte halbgar, letztere vor allem aufgrund der Selbstverständlichkeit, mit der hier mit übernatürlichen Phänomenen hantiert wird. Diese nutzen übrigens gern auch Digitaltechnik wie Annies Smartphone und Digitalkamera, was ein wenig an japanische Horrorfilme erinnert. Unterm Strich verfügt „The Pact“ über einige interessante bis gute Ansätze und starke Einzelszenen, ist letztlich aber leider doch ein langatmiger, unausgegorener Grusler geworden, der mich nicht wirklich pac(k)t. Ein stärkeres Drehbuch, das den Leerlauf mit Inhalten füllt und das Gesamtbild plausibler erscheinen lässt, wäre hier vermutlich die Rettung gewesen, denn düstere Stimmung auch abseits altertümlicher Spukschlösser zu erzeugen, versteht McCarthy.

P.S.: Ein Hinweis auf die J&B-Buddel im Hintergrund während des Epilogs sei mir für Freunde des europäischen Genre-Kinos vergangener Jahrzehnte gestattet.

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Do 4. Feb 2016, 00:41
von buxtebrawler
Bild
Schulmädchen-Report, 6. Teil - Was Eltern gern vertuschen möchten

„Moral und Anstand – darunter versteht jeder etwas anderes!“

Wie im Jahr zuvor wartete auch das Jahr 1973 mit gleich zwei „Schulmädchen-Report“-Fortsetzungen auf. Die Regie übernahm diesmal der Österreicher Ernst Hofbauer wieder im Alleingang, Walter Boos war nicht an „Schulmädchen-Report, 6. Teil - Was Eltern gern vertuschen möchten“, wie sich der neue Teil der pseudodokumentarischen Sexfilm-Reihe nannte, beteiligt.

Für diesen Teil entschied man sich wieder für eine Rahmenhandlung, die die einzelnen Episoden zusammenhält – und in die gewohnt markig ein Sprecher aus dem Off einführt: „Eine Flut neuen Materials ist uns zugegangen, so dass wir uns veranlasst sahen, um der Vollständigkeit der Information willen, den Schulmädchen-Report fortzusetzen!“ Verstehe: Eigentlich wollte man gar nicht mehr, doch man sah sich regelrecht gezwungen, weiterzumachen und weiterhin seriös aus dem Alltag von Pennälerinnen zu berichten – im Namen der Aufklärung und der Wissenschaft. Vor so viel Selbstlosigkeit kann man nur den Hut ziehen…

Achim (Bert Lock, „Bohr weiter, Kumpel!“) und Sybille (Sonja Jeannine, „Mannaja - Das Beil des Todes“) sind die ersten, die’s erwischt bzw. die erwischt werden, nämlich von Professor Bader, der die beiden dabei erwischt, es im Klassenraum miteinander zu treiben und daraufhin empört eine Lehrerkonferenz einberuft. Achim und Sybille werden vorgeladen – und treten selbstbewusst auf. Achims Verteidigungsrede gegen überholte Vorstellungen von Sitte und Enthaltsamkeit leitet einen Einspieler ein, der die Fummelei innerhalb der Schulklasse während einer Lehrfilmvorführung zeigt. Daraufhin folgt die erste Episode:

Ingrid (Marie Ekorre, „Wovon die Frauen träumen - Der Orgasmologe“) ist verknallt in ihre Lehrerin Fräulein Lensing (Shirley Corrigan, „Blindman, der Vollstrecker“) und lädt sich bei ihr ein. Sie reißt ihr das Kleid auf, schmiegt sich an ihre nackte Brust und beteuert, sie zu lieben. Zunächst wird sie zurückgewiesen, doch schließlich droht sie mit Selbstmord und erreicht auch fast ihr Ziel, doch Fräulein Lensings Freund (Felix Franchy, „Schüler-Report - Junge! Junge! Was die Mädchen alles von uns wollen!“) macht einen Strich durch die Rechnung. Nicht nur, dass sich Frl. Lensing mit einer spießigen Hauswirtin herumplagen muss, sie hat sich auch noch einen verheirateten Mann angelacht: Herrn Dornseif, ebenfalls Lehrkörper. Ingrid stellt den beiden nach und beobachtet sie beim Sex im Freien sowie im Hotel. Eine Rückblende zeigt Ingrids Entjungferung durch den rabiaten Klaus (Sascha Hehn, „Die Klosterschülerinnen“) („Beine breit – hauruck!“) und weckt Verständnis dafür, dass sie sich eher nach einer verständnisvollen Lehrerin sehnt als nach einem weiteren Klaus. Der unschöne Ausgang: Ingrid erpresst Frl. Lensing mit kompromittierenden Fotos und verpfeift sie beim Direktor. Marie Ekorre führt als fleißig aus dem Off kommentierende Ingrid durch diese Dreiecksgeschichte, die das für die Reihe typische Schülerin-Lehrer-Sex-Sujet einmal als lesbische Variante variiert und die Autoritätsperson ihre Schutzbefohlene einmal nicht ausnutzen lässt (auch wenn das in den seltensten Fällen zuvor als solches dargestellt worden wäre), sondern – wenn man es so nennen will – als einzige Schuld den Ehebruch ihres Freunds billigend in Kauf nimmt und letztlich Gefahr läuft, dafür nicht nur moralisch verurteilt zu werden. Eine gar nicht mal so uninteressante Wendung – für „Schulmädchen-Report“-Verhältnisse, versteht sich.

„Irgendwas muss ich ihm antun…“

Sybille läutet gleich zwei Episoden ein, indem sie erzählt, in der Schule vergewaltigt worden zu sein (!) und wie sie Achim kennenlernte (inkl. Nacktbaden in der Isar) sowie von einer Freundin zu berichten weiß, die Sex mit einem gewissen Hans (Kurt Meinicke, „Die liebestollen Apothekerstöchter“) hatte, dem ein Ruf als promiskuiter Vielficker vorauseilte. Sie verliebte sich ihn, musste jedoch später mit ansehen, wie er mit einer anderen Sex hat und kein gutes Haar an ihr lässt. Sie prostituiert sich daraufhin an einen Mitschüler, damit dieser Hans eins auswischt. Das endet schließlich darin, dass Hans beim Sex überrascht und von seinen Mitschülern verprügelt wird, einen Abhang herunterstürzt und seinen Verletzungen erliegt. Dieses Filmchen wirkt plötzlich für die Reihe unpassend moralistisch und ist in seiner maßlosen Übertreibung, hölzernen darstellerischen Leistung und fragwürdigen Dramaturgie nicht nur extrem unglaubwürdig, sondern auch unfreiwillig komisch – also fast so wie ein herkömmlicher „Schulmädchen-Report“, nur eben unter umgekehrten Vorzeichen. Kurios.

„Bei dir ist wohl der Pudding undicht!“ (Jugendsprache anno ’73)

Zurück in der Lehrerrunde wird eine Studie zitiert, die die frühere Geschlechtsreife belegt, natürlich zu dokumentarischen Zwecken reich bebildert. Viele Sexualstatistiken werden heruntergerattert, bevor für die nächste Episode wieder einmal der Klischee-Itaker von der Leine gelassen wird: Der ist diesmal Fensterputzer (Rinaldo Talamonti, „Dr. Fummel und seine Gespielinnen“) und albert während des Sexualkundeunterrichts am Fenster herum, bis er schließlich in die Klasse springt und von der sehbehinderten Lehrerin (Elisabeth Welz, „Urlaubsgrüße aus dem Unterhöschen“) nicht erkannt wird. Hinterm Schrank treibt er’s mit der ersten Schülerin und schnappt sich gleich darauf die nächste (Puppa Armbruster, „Schlüsselloch-Report“), und im Anschluss gar noch eine (Carmen Van Der Poel, „Bettkanonen“). Diese vor peinlichen Stereotypen nur so strotzende komödiantische Episode gehört zum Bodensatz bundesdeutschen Sexualklamauks und dürfte nicht einmal unter Drogen oder lobotomiert zu ertragen sein.

„So was geschieht jede Stunde tausendmal auf der Welt!“

Ein Lehrer greift sie dennoch auf und berichtet von einem „schockierenden Gegenstück“ in Form der nächsten Episode: Im ländlichen Bayern will Bauer Herbert die fesche Marlies (Sonja Embriz, „Wenn die prallen Möpse hüpfen“) besteigen und diese ist durchaus nicht abgeneigt, doch ihr spießiger Vater funkt dazwischen. Als der geile Herbert den keuschen Vater mit Geld besticht, damit er Stillschweigen über den Vorfall wahrt, wittert dieser ein Geschäftsmodell: Er „verkauft“ seine Tochter zum Schein an Freier und will rechtzeitig einschreiten. Dies tut er jedoch dann doch nicht, so dass Marlies von einem Walter vergewaltigt wird. Ihr Vater macht aus Marlies eine waschechte Zwangsprostituierte, bis Herbert sie schließlich rettet. Halleluja, das dürfte der erste „Schulmädchen-Report“ sein, in der sich die Jugendliche nicht freiwillig prostituiert, sondern unter übergriffigen, geifernden älteren Männern leidet. Lief man damit nicht Gefahr, die Zielgruppe zu verprellen? Sicherlich nicht, vielmehr dürfte die Ausrichtung dieser Episode Alibi-Charakter gehabt haben.

Ich bin ein Mensch und kein Hengst!“

Die nächste Episode verfällt sodann auch zunächst zurück ins alte Schema und stellt uns Lore Brinckmann vor, die einen Studienrat verführt und es nach dem Fechttraining im Duschraum mit ihm treibt. Fortan ist das immer öfter der Fall, nicht nur in der Dusche, auch im Wald. Diese Episode bekommt einen sehr ernsten Tonfall, als sich der Studienrat für seine Familie entscheidet und Lore eröffnet, was sie miteinander hätten, sei keine Liebe, sondern lediglich Sex. Zunächst ist Lore verzweifelt, lernt aber in Carsten Vollmann (Achim Neumann, „Lustig ist die Jodelei bei der Fummelfilmerei“) schließlich ihre echte Liebe kennen. Eine kritisch betrachtete sexuelle Beziehung zwischen einem Pädagogen und einer Schutzbefohlenen, woraus ein Plädoyer für die wahre Liebe zwischen Gleichaltrigen wird, in einer „Schulmädchen-Report“-Fortsetzung? Unglaublich, aber wahr.

Zum Ende setzt sich der Sprecher aus dem Off noch für Achim und Sybille ein und besiegelt damit einen „Schulmädchen-Report“, der mich mit der einen oder anderen Episode angesichts des sexistischen und Missbrauch relativierenden Schunds vorausgegangener Teile fast verblüfft hat, indem er zeitweise überholte sexualfeindliche Moralvorstellungen angreift, in anderen Fällen moralische Fragen aufwirft, ohne unmittelbar zu be- oder verurteilen und sogar Sex nicht mit Liebe zu verwechseln mahnt, während er gleichzeitig das ältere Semester fast schon dafür zu sensibilisieren versucht, dass eine Affäre mit einer Jugendlichen nicht unbedingt erstrebenswert ist, wenn man Verantwortung für eine Familie trägt, deren Liebe und Rückhalt der unverbindliche Sex mit einer naiven Heranwachsenden ebenso wenig ersetzen kann wie deren wichtige normale Entwicklung, um überhaupt erst erfahren zu können, was das große Wort Liebe bedeutet.

Ob dieser sechste Teil der Reihe damit eine neue Richtung eingeschlagen hat, die in den weiteren Filmen beibehalten oder gar ausgebaut wurde, wird sich zeigen.

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Sa 6. Feb 2016, 01:42
von buxtebrawler
Bild
Die Grotte der vergessenen Leichen

Rostiges Dach – feuchter Keller

Im Gegensatz zu manch Landsmann und Kollegen war der Italiener Emilio Miraglia im Filmgeschäft nicht sonderlich umtriebig: Als Regisseur bringt er es lediglich auf sechs Einträge. Einer davon ist der Grusel- und Sleaze-Giallo „Die Grotte der vergessenen Leichen“ aus dem Jahre 1971, dessen deutscher Alternativtitel „Die Nacht in der Evelyn aus dem Grab kam“ es wesentlich besser trifft, denn hier gibt es weder eine Grotte noch vergessene Leichen. Das Drehbuch stammt von Massimo Felisatto und Fabio Pittorru.

Seit dem Tod seiner Gattin Evelyn hat Lord Alan Cunningham (Anthony Steffen, „Django und die Bande der Bluthunde“) einen schweren Dachschaden: Zwanghaft sucht er sich junge Frauen, die wie Evelyn es tat über rotes Haupthaar verfügen, um sie schließlich grausam zu foltern und abzumurksen. Evelyns Bruder Albert (Roberto Maldera, „Feuertanz“) weiß davon und erpresst Alan, bewahrt dafür Stillschweigen. Eine Chance auf seelische Genesung scheint jedoch zu bestehen, als er die attraktive Gladys (Marina Malfatti, „Das Rätsel des silbernen Halbmonds“) kennenlernt und sich in sie verliebt. Er folgt dem Rat seines Psychiaters Dr. Richard Timberlane (Giacomo Rossi Stuart, „Die toten Augen des Dr. Dracula“) und ehelicht sie alsbald, woraufhin sie zu ihm auf seinen Landsitz zieht, wo sie von Alans im Rollstuhl sitzender Tanta Agatha (Joan C. Davis) und dem Dienstpersonal freundlich aufgenommen wird. Kurz darauf jedoch kommt es zu einer Reihe absonderlicher Ereignisse, die in ihrer Konsequenz gar Tote fordern. Treibt ein Mörder sein blutiges Spiel, hat Evelyn ihren Tod nur vorgetäuscht oder ist sie gar als böser Geist aus ihrem Grab zurückkehrt, um Rache an Gladys und Alan zu nehmen? Gladys geht der Sache auf den Grund – und tatsächlich: Evelyns Gruft ist leer...

Miraglias Giallo ist schon gewissermaßen ein Kuriosum: Angesiedelt im England der Gegenwart, versucht er sich mit Alans viktorianischem Landsitz inkl. Folterkammer und Familiengruft sowie des ausgeprägten Gruselanteils verstärkt an Gothic-Horror-Charakteristika, die vom Swingin’-Sixties-Ausläufer- und ’70er-Schick-Interieur kontrastiert werden und präsentiert dazu so viel nackte Haut, dass er in manch Datenbank gar als Sexfilm gelistet wird. Die extrem konstruierte Handlung führt dem Zuschauer zunächst ca. ein Drittel Filmlänge lang einen durchgeknallten Lord Alan Cunningham vor, als wolle sie einen psychopathischen Triebtäter als Antagonisten aufbauen. Später jedoch werden seine Untaten gar nicht mehr thematisiert; stattdessen wird er in eine Opferrolle gedrängt, die natürlich nur bedingt funktioniert, da man keinerlei Sympathien für ihn empfindet. Generell sind Sympathieträger hier verdammt rar gesät, was indes durchaus seinen Reiz hat, wäre Alans Charakterentwicklung nicht offensichtlich darauf ausgelegt, dass man als Zuschauer Empathie entwickelt, was nach dem ersten Drittel schlichtweg nicht mehr funktionieren kann.

Bruno Nicolais musikalische Untermalung ist so richtig was für’s Ohr, die gestelzten Dialoge sind’s weniger und die mit einigen Rückblenden und Hokuspokus wie einer Séance angereicherte Handlung leidet unter mittelschweren Logikproblemen sowie dem einen oder anderen dramaturgischen Einbruch. Positiv überrascht Anthony Steffen, der als schweigsamer Django-Klon manch Italo-Western bekleidete, dem aber auch ein Ruf als hölzerner, ausdrucksloser Darsteller vorauseilt – der mich meine Erwartungshaltung von vornherein so niedrig ansiedeln ließ, dass ich Herrn Steffens Spiel fast schon als richtiggehend agil und variantenreich-emotional empfand. Tatsächlich hat er hier die ausdrucksstärkste männliche Rolle inne. Das Level grafisch expliziter blutiger Gewalt bleibt eher niedrig, dafür ist der Sleaze-Gehalt umso höher. Erika Blanc („Das dritte Auge“) höchstpersönlich soll für eine von mehreren kuriosen Szenen gesorgt haben, als sie einen Striptease in einer Bar mit morbiden Element verbindet. Momente wie dieser sind es, die den Film auch zu so etwas wie einer Wundertüte machen, bei der man sich nie sicher sein kann, was man als nächstes bekommt. Wer einen Fetisch für sadomasochistische Praktiken hegt oder besonders an rothaarigen Damen einen Narren gefressen hat, dürfte zudem besonders auf seine Kosten kommen.

Das genretypisch wendungsreiche Finale sorgt dann mehr oder weniger für Aufklärung und haut noch mal verstärkt auf die Kacke, dass es eine Freude ist und setzt den Schlusspunkt unter einen mackenreichen Film von überdurchschnittlichem Unterhaltungswert, der genreaffinem Publikum Spaß machen sollte und vor allem für seine eigenwillige, nicht uninteressante Verquickung ’70er-Zeitkolorits mit Gothic-Ambiente im Gedächtnis bleiben dürfte, jedoch nicht sonderlich ernstgenommen werden kann.