bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

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Flashback – Mörderische Ferien

„Horrorfilme sind doch jetzt total in!“

Deutsche Horrorfilme waren in den letzten Jahrzehnten rar gesät, doch im Jahre 2000 begab es sich, dass das noch unter dem Eindruck von „Scream“ und Konsorten stehende Stalk’n’Slash-Subgenre um gleich zwei deutsche Produktionen bereichert wurde: Im Februar erschien „Anatomie“ und nur zwei Monate später „Flashback – Mörderische Ferien“, letztgenannter unter der Regie Michael Karens („Verführt – Eine gefährliche Affäre“). Und Karen bewies mit seiner Verfilmung des Drehbuchs von „Hammer“-Veteran Jimmy Sangster, überarbeitet durch Nathalie Scharf, dass er das Genre verstanden hat.

Jeanette Fielmann (Valerie Niehaus, „Rohtenburg“) befindet sich in psychologischer Behandlung, seit sie als Kind mitansehen musste, wie ein wahnsinniger Serienmörder ihre Eltern umbrachte. Seitdem sind zehn Jahre vergangen und ihr behandelnder Arzt Dr. Martin (Erich Schleyer, „Die rote Zora“) hält die Zeit für gekommen, sie wieder in die normale Welt zu entlassen. Er hat ihr einen Ferienjob als Französischlehrerin für die jugendlichen Kinder eines Kollegen, die Geschwister Leon (Xaver Hutter, „Snow White - Sex, Drugs, Hip Hop und verlorene Träume“), Melissa (Alexandra Neldel, „Erkan und Stefan“) und Lissy (Simone Hanselmann, „Sex & mehr“), in einem idyllischen Alpenörtchen vermittelt. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft nimmt eine unheimliche Mordserie ihren Lauf – treibt der Mörder von Jeanettes Eltern wieder sein Unwesen?

„Hier liegt der Hund begraben!“ – „Ach! Wo denn?“

Mit einer fulminanten Szene im Zug steigt der Film in die Handlung ein, um im Anschluss einen brutalen, harten Familienmord durch eine irre, mit einer Sichel bewaffneten Gestalt im Frauenkleid zu zelebrieren, in dessen Verlauf das Kind mit Blut bespritzt wird. Dieses Ereignis entpuppt sich als Erinnerung Jeanettes unter Hypnose bei ihrem Therapeuten, der sie schließlich aus der Anstalt entlässt. Von nun an bietet die ländliche alpendeutsche Idylle den ungewohnten Hintergrund für diesen Slasher, womit er sich eines Alleinstellungsmerkmals bereits sicher sein kann. Jeanette trifft auf den hessischen Komödianten Martin Schneider als Taxifahrer und anschließend auf die Jugendlichen, denen sie Französischunterricht erteilen soll. Während der Zuschauer bereits einen verräterischen Sichelabdruck an der Stallwand erblickt, geht erst ihr Gepäck verloren, taucht jedoch wieder auf – nur ihr knielanges geblümtes Kleid fehlt…

„Von Trauer hab‘ ich in diesem Hause noch nie etwas gespürt!“

Mit Niehaus, Neldel und Hanselmann – die beiden letzteren seinerzeit vor allem durch ihre Beteiligung an der RTL-Daily-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ bekannt, kann „Flashback“ auf drei tolle Mädels mit Ausstrahlung (und, ja, für einen Film wie diesen ausreichendem schauspielerischen Talent) zurückgreifen und auch Xaver Hutter fügt sich gut ins Geschehen ein, irritiert jedoch als einziger mit süddeutschem Akzent. Den jungen Schauspielern zuzusehen macht Spaß und schöne sommerliche Bilder konterkarieren manch harten, blutigen Mord. Eine reinrassige Splatterszene mit einem Mähdrescher wurde leider komödiantisch inszeniert und zur weiteren Abschwächung mit Zirkusmusik unterlegt, was schade ist, denn ansonsten ist der Humor zwar sicherlich generell etwas überdosiert, häufig aber gelungen und macht aus dem Film noch keine Komödie, sorgt lediglich für erhöhte Lockerheit. Einen Running Gag integrierte man schwarzhumorig in Form eines verwesenden Mordopfers, das noch in seinem Auto sitzt, während die Dorfpolente immer wieder an ihm vorbeifährt, ohne etwas zu bemerken.

„Das ist wie einem Alkoholiker einen Schuss Heroin zu verpassen!“

Die Teenies verbringen ihre Freizeit mit einer Pool-Party, sehen sich einen Horrorfilm im Kino an (wo richtig was los ist, unter anderem die Unsitte, miteinander während des Films zu telefonieren, weil man ein paar Reihen auseinandersitzt…) und provozieren mitunter die arme Jeanette, mit der Leon gar anbändelt. In entscheidenden Momenten platziert „Flashback“ unheimliche Szenen wie ein aus einer Schranktür lugendes Auge, zieht den Härtegrad an oder treibt die Hintergrundgeschichte durch weitere Rückblenden in jene schicksalhafte Nacht aus Jeanettes Kindheit voran, denn weder sie noch der Zuschauer wissen, wie es nach ihrer Konfrontation mit dem Mörder weiterging. Das sorgt neben dem Whodunit? für ein beträchtliches Maß an klassischer Spannung und schließlich eine einerseits von den Klassikern und Ursprüngen des Subgenres inspirierte, andererseits dennoch originell anmutende, überraschende Entwicklung, die in einer schönen Pointe mündet. Zu einem typischen orchestralen Soundtrack, der mit sanften Rocksongs angereichert wurde, verdeutlicht „Flashback“ unmissverständlich, dass er ein nach den Genreregeln funktionierender Slasher ist, gar nichts anderes sein möchte, dabei jedoch genug Selbstbewusstsein besitzt, seine abendländische Herkunft gar nicht erst zu verschleiern zu versuchen, sondern sie zielführend einzusetzen. So bietet Michael Karen dem Zuschauer im Prinzip alles, was dazugehört bzw. man gern in einem Slasher sieht, angefangen bei einem psychologischen Hintergrund und traumatisierenden Kindheitsereignis über ein paar Rotzlöffel, die zu weit gehen, schwarzen Humor und Rätselraten bis hin zu bösen, blutigen Morden. Nicht ganz verhehlen kann er dabei die eine oder andere Logiklücke, auf die man allerdings erst bei näherer Betrachtung stößt und für meinen Geschmack hätte man den Humoranteil gern etwas zurückschrauben dürfen, aber auch in dieser Form bleibt ein mittlerweile gut abgehangenes Qualitätsprodukt aus hiesiger Filmschmiede, das zeigt, dass es geht, wenn man denn nur will.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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Jason X

„Wir haben alles unter Kontrolle!“

Nachdem das „Freitag der 13.“-Franchise von Sean S. Cunningham zur „New Line“-Produktionsschmiede zurückgeholt worden war, bekam die Reihe einen ungeahnten Originalitätsschub. Der neunte Teil, „Jason Goes to Hell“ aus dem Jahre 1993, verprellte zwar viele Fans der alten Schule, punktete aber mit wahnwitzigen, harten Spezialeffekten und neuen Elementen und Aspekten der Jason-Mythologie. Satte acht Jahre später – dem größten Abstand zwischen zwei „Freitagen“, das „Scream“-inspirierte Slasher-Revival war gerade wieder abgeflaut – wurde zwar noch immer nicht das schon lange angedachte Aufeinandertreffen der Slasher-Prominenz Jason Voorhees und Freddy Krueger realisiert, dafür entsandte man Jason für „Jason X“ ins Weltall. Spielten bereits viele „Freitag der 13.“-Filme wenige Jahre in der Zukunft (indes ohne dies in irgendeiner Art zu thematisieren), wurde „Jason X“ zum richtigen Science-Fiction-Slasher, für den zudem ein für das Subgenre ungewöhnlich hohes Budget in Höhe von rund 14 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt wurde. Mit der Regie wurde James Isaac (R.I.P.!) betraut, der zuvor bereits mit dem gelungenen „House III“ auf sich aufmerksam gemacht und mit David Cronenberg an Filmen wie „Die Fliege“, „Naked Lunch“ und „eXistenZ“ gearbeitet hatte sowie als Second-Unit-Regisseur für „Kuck' mal wer da spricht 2“ und „Kinder des Zorns V“ in Erscheinung getreten war.

Die Handlung beginnt in der nahen Zukunft: Jason (Kane Hodder, „Freitag der 13.“ Teile VII – X) weckt das Interesse des Militärs als „biologische Waffe“ und soll in ein anderes Forschungslabor verlegt werden. Dort kann er sich jedoch befreien und richtet ein Blutbad an. Der Wissenschaftlerin Rowan (Lexa Doig, „Andromeda“) gelingt es zwar, Jason in eine Kyro-Kammer zu locken, um ihn einzufrieren, wird jedoch von Jason schwer verletzt und gleich miteingefroren. 455 Jahre später ist die Erde unbewohnbar geworden und die Menschheit u.a. auf den sehr ähnlichen Planeten „Erde II“ umgesiedelt. Eine Gruppe Archäologie-Studenten von jenem Planeten erforscht die alte Heimat, findet die Eingefrorenen, bringt sie auf eine Raumstation und erweckt sie aus ihrem Kälteschlaf. Mittels Nano-Technologie können Rowans Verletzungen geheilt werden, doch zunächst glaubt ihr niemand, dass auch Jason noch am Leben, weil unsterblich, sei. Jason belehrt die Studenten sowie einen Trupp Elite-Soldaten eines Besseren…

„Was ist eine Eishockeymaske?“

Der unübersehbar von James Camerons „Aliens“ beeinflusste Film versucht einen Spagat zwischen Science-Fiction-Horror-Action und den typischen Zutaten eines Slashers, was darauf hinausläuft, dass Jason in futuristischen Raumschiff-Kulissen sein Unwesen treibt und neben dem einen oder anderen hübschen Mädel auf kopulationsgeile Studenten trifft – so haben viele gerade Sex, als er wiedererwacht, was natürlich zu ihrem Verhängnis werden soll (manche Dinge ändern sich eben nie). Demaskiert wird er diesmal bereits relativ zu Beginn und seine in beträchtlicher Anzahl vorkommenden Morde finden eine gute Balance zwischen Stattfinden im Verborgenen und expliziter, splatteriger Auskostung. Dabei ging man kreativ zu Werke und lässt Jason beispielsweise eine Dame erst in flüssigen Stickstoff tauchen, um anschließend ihren gefrorenen Kopf zu zerschmettern. Ein anderer landet auf einer überdimensionalen Schraube, die sich durch den Körper windet. Erstmals wurden auch computergenerierte Spezialeffekte benutzt, die sich jedoch sehr gut einfügen und nicht störend auffallen. Das passt besonders gut zu Szenen wie der eines futuristischen Videospiels, die Jason erst in der virtuellen Realität und schließlich real morden lassen.

„Wir sind hier in Sicherheit!“

Zwischenzeitlich tritt Jason gegen eine Androidin (Lisa Ryder, „Andromeda“) an, die es sogar schafft ihn zu erledigen – doch mittels der Nano-Technologie, die bereits Rowan das Leben rettete, regeneriert er sich und wird zu einer Art Super-Jason mit neuer Maske. Um diesen aufzuhalten, muss man sich schon etwas mehr einfallen lassen und so kommt man auf die grandiose Idee, Crystal Lake anno 1980 zu simulieren, um Jason abzulenken und sich erst einmal austoben zu lassen. Diesen Abschnitt nutzt „Jason X“ nicht nur zur Präsentation entblößter weiblicher Oberweiten, sondern auch zur Selbstpersiflage, zum satirischen Umgang mit den eigenen Opferklischees. Bei allen Parallelen zu „Aliens“ wie Erweckung von wehrhafter Dame und Monster in der Zukunft aus dem Kälteschlaf, Monster versus Spezialeinheit in Raumstation, Androiden und sinistrer Gestalt, die die Gefahr ungern komplett auslöschen würde, ist „Jason X“ der erwartet comichafte Sci-Fi-Slasher, der sich selbst nicht bierernst nimmt, einigen Humor mal mehr, mal weniger passend platziert und sich weder um psychologischen Tiefgang noch wirkliche Innovation bemüht. Noch vor „Freddy vs. Jason“ vermittelt bereits dieser Film das Gefühl eines Crossovers, ausgerichtet sowohl auf das typische Slasher- als auch das nerdige Science-Fiction-Publikum, konnte aber anscheinend beide nicht recht befriedigen, denn „Jason X“ floppte angesichts seines Budgets an den Kinokassen. Die konservativen bis kleingeistigen Fans der Reihe, die lediglich das Original für den heiligen Gral halten und sich fortan lediglich an der Ferienlager-Atmosphäre weiterer Teile erfreuen konnten, hatte man spätestens mit „Todesfalle Manhattan“ vergrault und aufgeschlossenere Slasher-Freunde mögen anmerken, dass Jason innerhalb des Weltraum-Ambientes größtenteils gegen eine x-beliebige monsterhafte Bedrohung aus dem All austauschbar wäre, was nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Von der nicht Slasher-untypischen weitestgehenden Austauschbarkeit der Darsteller einmal ganz zu schweigen, die auch hier trotz annehmbarer bis befriedigender schauspielerischer Leistungen der Fall ist und bei den Science-Fiction-Fans ebenfalls negativ ins Gewicht fallen dürfte. Ein allgemeines Problem dürfte die gerade für einen Slasher räumliche Enge der Kulissen darstellen und so ist in den Gängen des Raumschiffs zwar gut Slashen, aber wenig Stalken. Vergleichbar mit den ausladenden, faszinierenden Konstruktionen der „Alien“-Filme sind diese bei Weitem nicht, so dass man gut daran tat, sie durch erwähnte Simulation und die eine oder andere Spielerei aufzulockern.

Dennoch ist „Jason X“ das, was dem titelgebenden Anti-Helden im letzten Drittel widerfährt: eine erfolgreiche Frischzellenkur. Der Film erreicht sein intendiertes Ziel, kurzweilig und gut zu unterhalten, bietet mit sorgfältigen Spezialeffekten und morbiden Make-up-Arbeiten echte Hingucker und verfügt über einen nicht unangenehmen, häufig augenzwinkernden Humor, ohne sich als Komödie zu gerieren. Von allen Horror-Anthologien, die ihre Handlung für eine Fortsetzung in die Weiten des All auslagern (wie „Critters“, „Hellraiser“ etc.), ist „Jason X“ vielleicht sogar das beste Resultat. Ein netter Gag ist auch, dass man die beiden Darstellerinnen der TV-Serie „Andromeda“, Lexa Doig und Lisa Ryder, in vertauschten Rollen spielen ließ – in „Andromeda“ ist Doig die Androidin. Dass man im Jahre 2455 DVDs noch für wertvoll hält, überraschte mich dann aber doch...
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Das nackte Cello

„Ich will, dass sie dich alle nackt sehen!“

Der italienische Filmemacher Pasquale Festa Campanile („Als die Frauen noch Schwänze hatten“) setzte schon seit Beginn der sexuellen Revolution spielerisch Nacktheit in seinen Filmen ein, so auch in der 1971 entstandenen Erotik-Komödie „Das nackte Cello“, die sich allein schon durch ihren psychologischen Tiefgang von vielen Vertretern der Commedia all'italiana wohltuend abgrenzt.

Niccolo Vivaldi (Lando Buzzanca, „Der große Schwarze mit dem leichten Knall“), Cellist im Veroner Orchester, ist ein derart unauffälliger Typ, dass er ständig übersehen, übergangen und vergessen wird. Als sich seine Frau Costanza (Laura Antonelli, „Venus im Pelz“) während einer ärztlichen Untersuchung entkleiden muss, zeigen sich andere Männer begeistert von ihrer Figur und ihren Reizen. Dadurch nimmt Niccolo erstmals bewusst die körperlichen Vorzüge seiner Frau wahr – und sucht fortan Anerkennung, indem er seine Frau anderen nackt präsentiert. Anfänglich zeigt sich Costanza davon wenig begeistert, macht ihrem Mann zuliebe dennoch mit. Doch Niccolos Verhalten nimmt immer manischere Züge an…

Campanile konfrontiert den Zuschauer erstmals mit Niccolo im Zuge einer Orchesterprobe, aus dem Off stellt er sich vor und beklagt seine mangelnde Erinnerungswürdigkeit. Aus dem Off wird er auch weiterhin viel erzählen, ob in Rückblenden in seine Kindheit, zum Vogelstimmenwettbewerb, bei dem er seine Frau kennengelernt hat oder in der Gegenwart. Doch sogar seine Frau vergisst schon einmal seinen Namen. Herrlich bizarr gerät „Das nackte Cello“, wenn Niccolo davon träumt, auf seiner nackten Frau Cello zu spielen und er sie sich beim nächsten Arztbesuch unter einem Vorwand komplett ausziehen lässt. Er verabreicht ihr gar ein Schlafmittel, um sie nackt fotografieren zu können. Zwar reagiert sie empört, als sie die Fotos findet, doch wirken sich Bewunderung und Neid anderer derart positiv auf Niccolos Libido aus, dass er mittlerweile mehrmals täglich seine Frau befriedigt, so dass er schließlich Ihre Einwilligung erhält, Fotos machen zu dürfen. Sie macht weiter bereitwillig alles mit, zeigt sich wie zufällig Bauarbeitern nackt und mittlerweile sogar ihren Nachbarn.

Doch als sie damit aufhören, vergisst er, wer er ist. Bei einer Opernaufführung überrascht sie ihn als Sängerin, die die Hüllen fallen lässt, aber es hilft alles nichts mehr und Niccolo landet in der Klapse, wo er sie von einem Patienten am Busen betatschen lässt. Das ist der wenig optimistische Schlusspunkt unter einen Film, der vordergründig bizarren Humor mit Erotik kreuzt, um sich über Niccolo und sein Verlierer-Image sowie seinen befremdlichen Fetisch, den er mit der Zeit entwickelt, lustig zu machen sowie die bildhübsche Laura Antonelli stilvoll erotisch in Szene zu setzen. Unter der Oberfläche geht es jedoch um mehr; zunächst einmal um jemanden, der seine Frau neu entdeckt, was eigentlich eine erfreuliche Angelegenheit ist. In seinem angeknacksten Selbstbewusstsein definiert er sich jedoch ausschließlich über die Anerkennung Dritter, ohne zu hinterfragen, wie wichtig deren Meinung über ihn eigentlich überhaupt ist. So kommt es, dass er seine Frau als Mittel zum Zweck einsetzt und dem Voyeurismus Dritter feilbietet, statt aus seinem tiefsten Inneren heraus zufrieden zu sein. Dauerhafte Befriedigung ist so nicht zu erlangen, folgerichtig steigert er sich immer weiter hinein, bis es kein Entrinnen mehr aus der psychotischen und neurotischen Spirale gibt und er seine Unfähigkeit, mit sich selbst zufrieden zu sein, mit seinem Verstand bezahlt. Insofern steckt hinter der komödiantischen und erotischen Oberfläche ein Plädoyer für Individualität und gegen den ständigen Wettbewerb mit anderen, der bis ins intimste Privatleben hineinreicht. Wer sich über die Meinung anderer definiert, wird nie glücklich werden und ist dazu verdammt, beständig um Anerkennung zu buhlen, statt sich selbst anzuerkennen und in der Lage zu sein, das was man hat, zu genießen.

Lando Buzzanca steht diese etwas anspruchsvollere komödiantische Rolle gut zu Gesicht, Laura Antonelli gibt sich zunächst eher zugeknöpft, spielt dann jedoch die naive, Beschützerinstinkte weckende Frau, die sich ihres Sex-Appeals gar nicht bewusst ist, sehr niedlich und überzeugend. Riz Ortolanis musikalische Untermalung ist von gewohnt guter Qualität und passt zum Orchester-Milieu, das als ein skurriler Haufen leicht neben sich stehender Herren gezeichnet wird. Ob der Film bewirkt hat, dass ich beim Anblick eines Cellos zukünftig an die nackte Antonelli werde denken müssen, wird sich zeigen, in jedem Falle hat „Das nackte Cello“ mich zum Schmunzeln gebracht und einen interessanten Umgang mit psychischen Abgründen an den Tag gelegt, versüßt durch entzückende Ansichten Laura Antonellis, so dass man sich gern von Niccolo in die Rolle des Voyeurs drängen lässt.
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Slash – Es ist Erntezeit

Old McDonald hat ‘ne Farm…

„Es fängt wieder an – die Bluternte!“

Der Trash-erfahrene Südafrikaner Neal Sundstrom („Space Mutiny“, „Howling V“) kam angesichts der im Jahre 2002 bereits wieder abgeebbten Welle an Stalk’n’Slash-Filmen etwas spät, als er seinen schlicht „Slash“ titulierten Beitrag zum Subgenre abdrehte. Man verpasst aber auch nicht viel, wenn man diesen Direct-to-Video-Streifen schlicht ignoriert.

„Ich hasse das Landleben!“

Joseph McDonald (James O'Shea, „The Forsaken – Die Nacht ist gierig“), Kopf der Teenie-Rockband „Slash“, bekommt die Nachricht übermittelt, dass seine Tante Edith verstorben sei und er doch bitte zu ihrer Beerdigung in die alte Heimat auf dem Land zurückkehren möge. Kurzerhand trommelt er seine Band zusammen und reist mit dem Tourbus zur McDonald-Farm. Neben dem Aufeinandertreffen gegensätzlicher Lebensentwürfe wird er jedoch auch mit einem unheimlichen Serienmörder konfrontiert, der in Vogelscheuchen-Maskerade sein Unwesen treibt und auch vor der Band nicht Halt macht. In welcher Verbindung steht der Killer zur Familiengeschichte der McDonalds…?

„Was für’n Haufen nutzloser Zombies!“

Um es ohne große Umschweife direkt auf den Punkt zu bringen: Trotz strikter Einhaltung der Subgenre-Regeln handelt es sich bei „Slash“ um einen belanglosen, langweiligen, unblutigen Whodunit?-Backwood-Slasher im gesichtslosen 2000er-Direct-to-Video-Look mit Scheißmusik, der zwischen dem Prolog, der die aus einem Unfall resultierende Verbrennung eines offenbar derangierten Menschen in einer Scheune zeigt und der Pointe gegen Ende, die den Bezug dazu herstellt, außer viel uninteressantem Blödsinn nicht viel zu bieten hat und jeden Anflug von Backwood-Charme, der Stimmung permanenter Gefahr durch undurchsichtige Landeier und aus dem Rätselraten hinsichtlich der Identität des Täters resultierender Spannung dadurch untergräbt, dass er selbst offenbar auch gar nicht sonderlich ernstgenommen werden möchte. Leider ist der Humor eher zum Gähnen, die Handlung bis auf die recht gelungene Pointe derart überraschungsarm und bieder und agieren insbesondere die gelackten Jungmimen derart unauffällig, dass „Slash“ mit seinem zudem gerungen Bodycount nicht einmal den Reiz eines durchschnittlichen Slashers erreicht – da helfen auch keine pseudo-selbstironischen Momente wie ein Typ im Ghostface-Kostüm aus „Scream“, der mit seiner Freundin einen Autounfall baut. Akzente vermögen lediglich Steve Railsback („Insel der Verdammten“) als wenig vertrauenswürdiger Papa McDonald und Nick Boraine („District 9“) als zurückgebliebener Billy Bob zu setzen, doch das Potential dieser späten Familienzusammenführung wird außer in der Pointe kaum ausgeschöpft.

Auf das südafrikanische Produktionsland weist dann auch überhaupt nichts hin und das soll es auch nicht, von Exotik keine Spur. Sundstroms Streifen wirkt wie ein uninspirierter (bzw. möglicherweise vom von mir bisher nicht gesehenen „Invasion der Blutfarmer“ inspirierter) US-Slasher, der nicht gekonnt, ja, vielleicht noch nicht einmal gewollt wurde. Insofern ist „Slash“ höchstens für Subgenre-Komplettisten von Interesse, denn ein Publikum, das seine Slasher gern möglichst unaufregend, unblutig und unsexy haben möchte, dürfte es nicht geben.
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Bloody Murder

„Hast du Jason irgendwo gesehen?“

Wer schon immer einmal wissen wollte, wie gut die „Freitag der 13.“-Filme eigentlich sind und was hingegen ein wirklich schlechter Slasher ist, sollte sich einmal Ralph E. Portillos („Roulette des Todes“) „Bloody Murder“ ansehen, denn im Gegensatz zu einigen anderen Vertretern des Subgenre-Bodensatzes hat dieser US-Beitrag eine deutsche Synchronisation abbekommen und einen hiesigen Lizenznehmer gefunden. Während andere Filmemacher sich im Jahre 2000 noch von der durch Wes Cravens „Scream“ losgetretenen Neo-Slasher-Welle inspiriert zeigten, griff Portillos klassische Backwood-Klischees auf und fabrizierte einen „Freitag der 13.“-Rip-Off für ganz Arme.

„Wow! Zumindest kein Mangel an Messern!“

Fünf Jugendliche suchen das Camp Placid Pines auf, um es für die Neueröffnung herzurichten. Vor Ort werden sie bereits von weiteren Betreuern erwartet. Während man im Camp arbeitet, aber auch die schönen Sommerstunden genießt, werden sie jedoch mit der Legende von Trevor Moorehouse konfrontiert, der dort als Serienmörder sein Unwesen treiben soll. Diese nimmt natürlich niemand ernst, doch tatsächlich beginnt sich eine brutale Mordserie durchs Camp zu ziehen…

„Kleinstädte sind toll!“

Portillo ist anscheinend bereits seit 1986 als Regisseur von Spielfilmen tätig und „Bloody Murder“ war bereits sein achter Film. Wie er es dennoch schafft, „Bloody Murder“ wie einen No-Budget-Amateurstreifen wirken zu lassen, ist mir ein Rätsel. Schon zu Beginn wird tief in die Klischeekiste gegriffen: Ein Killer mit Hockeymaske und Kettensäge sowie einem Overall à la Myers, der verschrobene, warnende alte Sack, False Scares, eine alte Legende, ein Lagerfeuer und sogar ein Jason (Justin Ross Martin, „Breakdown“) ist dabei. Im Wald wird ein bisschen miteinander herumgemacht und ein infantiles Spiel namens „Bloody Murder“ gespielt, aus dem natürlich Ernst wird. Zumindest die Hockeymaske wird irgendwann abgelegt, was jedoch nicht heißt, dass ihr Austausch gegen das von Protagonist Tobe (Patrick Cavanaugh, „College Animals“) mitgeschleppte Exemplar ein Mehr an Originalität bedeuten würde. An den Spezialeffekten sparte man ebenfalls, die wenigen sind sehr simpel und wenig explizit ausgefallen, zudem bleibt der Film trotz einiger ansehnlicher Darstellerinnen komplett keusch.

„In diesem Ort ist jeder verrückt!“

Im Prinzip das einzige, was neben dem fröhlichen Zählen von Klischees und geklauten Elementen etwas aufmerken lässt, ist, dass die Handlung offen lässt, ob es sich beim Mörder tatsächlich um Trevor Moorehouse oder um einen Nachahmungstäter aus den eigenen Reihen handelt, man also ein Whodunit? installiert. So macht sich dann auch einer nach dem anderen verdächtig, der Sheriff (Michael Prohaska, „Mission Death - Countdown zur Ewigkeit“) wird eingeschaltet und verhaftet den Falschen usw. Kurz vor einem enttäuschend unspektakulären Showdown gibt sich der Mörder zu erkennen und „Bloody Murder“ mündet schließlich in einem dämlichen Happy End, in dem sich die Übriggebliebenen verhalten, als wäre nie etwas gewesen. Den Vogel endgültig schießt indes die dümmliche Schlusspointe ab. So beweist Portillo mit seinem Film eindrucksvoll, dass ein Slasher eben mehr ist (bzw. sein sollte) als die bloße Aneinanderreihung von Klischees, denn die Magie des Horrorkinos kann er zu keiner Sekunde entfachen – auch nicht in augenzwinkernden Momenten, in denen er die Camper „Sleepover Camp 14“ gucken lässt und dabei Bilder seines eigenen Films „Fever Lake“ einstreut.
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Bloody Murder II

„In drei Tagen ist hier sowieso alles vorbei!“

Wie es mir bei Ralph E. Portillos miesem Slasher „Bloody Murder“ aus dem Jahre 2000 ein Rätsel war, wie ein verhältnismäßig erfahrener Regisseur solch eine Gurke auf unterem Amateur-Niveau fabrizieren konnte, so ist es mir im Falle des vorliegenden „Bloody Murder II“, der unter der Regie Rob Speras („Hexenbrut – Witchcraft“) im Jahre 2003 entstand, schleierhaft, weshalb man es seitens der Produktion offenbar für eine gute Idee hielt, ausgerechnet Portillos Filmchen eine Fortsetzung zu spendieren. Wie bereits im Falle der „Sleepaway Camp“-Reihe handelt es sich allerdings um den seltenen Fall, dass eine Fortsetzung als gelungener zu betrachten ist als das Original.

„Dieses Jahr verlieren die Bäume aber früh ihre Blätter!“ (auch so kann man Dreharbeiten im Herbst für einen Spätsommerfilm zu rechtfertigen versuchen)

Die Sommersaison im Camp Placid Pine ist vorbei, die Betreuer und Helfer machen es winterfest. Unter ihnen befindet sich auch Tracy (Katy Woodruff, „The Gallows Tree“), die von Alpträumen geplagt wird, seit ihr Bruder Jason (Tyler Sedustine, „Leeches“) vor fünf Jahren an diesem Ort mutmaßliches Opfer des wahnsinnigen Serienmörders Trevor Moorehouse wurde und seitdem verschwunden ist. Diese scheinen böse Omen zu sein, denn erneut wird das Camp, ausgerechnet so kurz vor seiner Schließung, von einer Mordserie heimgesucht. Ist Trevor Moorhouse zurück?

„Ich bin echt zu müde für diese Scheiße!“

Das Drehbuch zu „Bloody Murder II“ verfasste John R. Stevenson, der auch schon den ersten Teil schrieb. Dieses ist dann auch erwartungsgemäß alles andere als innovativ, erneut fischt man im Backwood-Slasher-Fahrwasser von „Freitag der 13.“ und Konsorten. Ich vermute aber einfach mal, dass man diesmal endlich die Möglichkeiten hatte, den Slasher, den sich Stevenson ausgedacht hatte, auch filmisch umzusetzen, denn ich bezweifle, dass er erst für die Fortsetzung auf die Idee kam, auf Schauwerte wie Brutalität und nackte Haut zu setzen. Ja, dieser zweite Teil haut gleich zu Beginn ordentlich aufs Mettgut, wenn Blondine Tracy barfuß durch den Schnee stapft und mitansieht, wie Moorhouse ihren Bruder Jason zersägt. Diesmal hält die Kamera voll drauf – und das lohnt sich, denn die Spezialeffektarbeit ist nicht von schlechten Eltern, so auch in einer späteren Szene, in der der Mörder einem Opfer die Beine abhackt. Dieser trägt nun übrigens keine Eishockeymaske mehr, sondern eine ausdruckslose weiße à la Michael Myers. Ein anderer Mord wird überraschend stilvoll im Duschraum bei flackerndem Licht inszeniert. Und entblößte Oberweiten sowie eine freizügige Sexszene wissen die Voyeure, die ihre Schlachtplatten sleazy mögen, zufriedenzustellen.

„Hast du irgendwas?“ – „Nein, ich bin beim Schularzt gewesen.“ – „Ich mein’ Pariser, du Idiot!“

Altbekannt ist dafür über weite Strecken die dämliche Handlung, in der die Betreuer schon wieder „Bloody Murder“ spielen wollen, bis nach exakt demselben False-Scare-Gag wie in Teil 1 und einem entbrannten Streit ein echter Mörder auftaucht. Zuvor erzählte man die Legende von Trevor Moorhouse, die stark an „The Burning“ erinnert. Dass man nicht mehr das Jahre 1981 schreibt, fällt den Verantwortlichen ein, als sie nach „Scream“-Vorbild Subgenre-Klischees ironisch aufs Korn nehmen, was im Jahre 2003 längst selbst zum Klischee verkommen war (im Übrigen ist es ein Trugschluss, dass die Schwarzen stets als erste in Gras beißen müssen). Ein weiterer Ausflug in die Moderne ist eine computergekoppelte Videoüberwachung, die scheinbar den Mörder überführt. Mittels moderner Technik lassen sich Videos jedoch auch manipulieren und so wird erst einmal der Falsche erschossen. Tücken der Technik... So richtig überzeugend ist das ehrlich gesagt alles nicht, vielmehr ein kräftig an den Haaren herbeigezogener Fremdkörper im grobschlächtigen Backwood-Ambiente.

„Das ergibt alles keinen Sinn, irgendwo ist ein Fehler!“

Wesentlich mehr Spaß machen da Auflösung des Whodunit?, finale Wendungen und Pointe, die neben interessanten Einblicken in US-amerikanische zweite Bildungswege (Umschulungen vom Camp-Direktor zum Sheriff scheinen möglich) und, nun ja, „Familienkonflikte“, nette Überraschungen bieten (deren Sinngehalt man besser nicht hinterfragt – irgendwie ist das alles wie eine Invertierung der ersten beiden „Freitag der 13.“-Filme) sowie einen brauchbaren Epilog, auf den man einen dritten Teil hätte aufbauen können – was man bis dato aber nicht tat. Alles in allem macht „Bloody Murder II“ einen wesentlich professionelleren und ansprechenderen Eindruck als der vergurkte Vorgänger, sorgt davon unabhängig jedoch in erster Linie dadurch für Aufsehen, dass er brutaler, blutiger, splatteriger ausgefallen ist. Das täuscht jedoch auch nicht über die austauschbare Handlung mit ihren Längen hinweg, die den Hommage-Charakter mit dem Video- und Computer-Gedöns auch noch verspielt. Schauspielerisch agiert das Debütanten- und No-Name-Ensemble dafür durchaus auf Subgenre-Niveau, u.a. mit von der Partie ist Troma-Ikone und C-Movie-Scream-Queen Tiffany Shepis („Tromeo & Julia“).

Mir scheint, als könne sich „Bloody Murder II“ nie so recht entscheiden, ob er nun eine Ehrerbietung an die Camp-Slasher früherer Tage, augenzwinkernder Splatterparty-Film, dreister Rip-Off oder ernstzunehmender Subgenre-Beitrag sein möchte. Falls seine Intention war, durch den sich aufdrängenden Vergleich aufzuzeigen, wie gut eigentlich manch Original aus längst vergangenen Jahrzehnten noch immer ist, ist diese aufgegangen.
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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

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Backwoods – Die Jagd beginnt

„Es gibt Jäger und Gejagte – das ist die einzige verdammte Wahrheit in dieser Welt!“

Das Langfilmdebüt des Spaniers Koldo Serra „Backwoods – Die Jagd beginnt“ ist anscheinend zugleich sein bis dato einziger, danach trat er als Regisseur nur noch für TV-Serien in Erscheinung. Beim in spanisch-französisch-britischer Koproduktion entstandenen Film aus dem Jahre 2006 handelt es sich um einen Thriller, der unschwer erkennbar von den Klassikern „Deliverance“ und „Straw Dogs“ inspiriert wurde.

Um ein paar Tage auszuspannen, fahren die beiden Paare Paul (Gary Oldman, „Sid & Nancy“) und Isabel (Aitana Sánchez-Gijón, „Der Maschinist“) sowie Lucy (Virginie Ledoyen, „The Beach“) und Norman (Paddy Considine, „Doctor Sleep“) zu Pauls Haus in einem abgelegenen Waldgebiet. Doch die Ehen kriseln, die Stimmung ist angespannt. Als Paul und Norman gemeinsam auf die Jagd gehen, entdecken sie in einer verlassenen Behausung ein eingesperrtes, verwahrlostes Mädchen (Yaiza Esteve), das offenbar wie ein Tier gehalten wird. Kurzerhand nehmen sie es an sich und möchten die Polizei einschalten – doch haben sie die Rechnung ohne die Dorfbewohner gemacht…

Es ist nun wahrlich keine Schande, sich von Genreklassikern inspirieren zu lassen – im Zweifelsfall entsteht dadurch wenigstens noch so etwas wie ein unterhaltsamer Rip-Off. Serras im Jahre 1978 spielender Film jedoch vergisst nicht nur die Pointe, sondern verliert schnell den Spannungsbogen aus den Augen und scheint noch nicht einmal genügend Schneid zu besitzen, eine Eskalation herbeizuführen, die den o.g. Titeln zur Ehre gereichen würde. Stattdessen lässt er die Handlung derart lange vor sich hin dümpeln, dass sich die neugierig machende, bedrohliche Stimmung schnell abnutzt und selbst die Gewaltspitzen eher beiläufig wahrgenommen werden, als ein genreaffines und -erfahrenes Publikum wachzurütteln. Als dem Filmgenuss wenig zuträglich erweisen sich lange Passagen ohne den Einsatz von Filmmusik sowie, wenn man schon auf eindeutige Sympathieträger bei der Rollenverteilung verzichtet, die ausbleibende Installation eines wenigstens neutral anmutenden Protagonisten. Nein, diese Gestalten hier sind allesamt irgendwie Kotzbrocken, der eine mehr, der eine etwas weniger, aber es erscheint mir fraglich, ob den Autoren das überhaupt bewusst war.

So ist „Backwoods – Die Jagd beginnt“ irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes, wirkt er undurchdacht und unfertig. Aufeinanderprallen der Kulturen, Städter versus Hinterwäldler, gepaart mit Geschlechter- und Beziehungskonflikten – all das hat man schon wesentlich aufregender gesehen und führt hier außer dem von vornherein erahnbaren Ableben diverser Charaktere letztlich zu nichts. Was unter Boorman und Peckinpah noch verstörte, zum Nachdenken anregte und das Adrenalin in die Adern schießen ließ, wird hier mit einem Schulterzucken in Erwartung einer wirklichen Überraschung zur Kenntnis genommen, die man im Finale zu bieten versucht, mir jedoch wie eine denkbar schlechte Lösung erscheint und – und das ist vermutlich der größte Kritikpunkt – trotz seiner formalen Radikalität verpufft wie ein Bärenfurz im Wald. Richtiggehend ärgerlich ist es, wie egal dem Drehbuch letztlich der Gegenstand des Interesses der Prota- und Antagonisten ist, nämlich das verwahrloste Kind – was im Kontrast zur vorgeblichen Handlung steht. Durch diese spielen sich Gary Oldman und Paddy Considine inmitten zahlreicher spanischer Darsteller zudem mitunter solide, oftmals aber auch irritierend teilnahmslos, so dass letztlich von der Intention, die der Film ursprünglich einmal gehabt haben dürfte, nicht viel mehr bleibt als ein Abenteuerausflug mit der wenig bewegenden Erkenntnis, dass Frauen und Männer nicht so ohne Weiteres zueinander passen und auch im spanischen Hinterland einst eigene Gesetze galten.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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Do You Wanna Know a Secret?

„Saufereien und Orgien – es ist die Hölle!“

Einer der misslungensten Versuche, auf dem in den 1990ern von Filmen wie „Scream“, „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ und „Düstere Legenden“ erfolgreich initiierten Slasher-Revival mitzureiten, dürfte US-Regisseur Thomas Bradfords nach der Komödie „Screenland Drive“ zweiter Film „Do You Wanna Know a Secret?“ alias „Dark Summer“ sein, der 2001 zwischen den empfehlenswerten Subgenre-Beiträgen „Valentine“ und „Jason X“ erschien.

„Du warst schon mal in der Psychiatrie!“

Nachdem vor einem Jahr ihr Freund ermordet und der Täter nie gefasst wurde, tritt College-Studentin Beth (Dorie Barton, „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“) zusammen mit ihren Freunden einen Urlaub in Florida an, wo sie es ordentlich krachen lassen wollen. Doch die Feierlaune wird jäh von einem maskierten Serienmörder getrübt, der es auf sie abgesehen hat…

Der Prolog informiert den Zuschauer über den Mord (im Off) an Beth‘ Freund, über Beth‘ Alpträume etc., bevor die eigentliche Handlung ein Jahr nach dem Ereignis einsteigt. Der Urlaub in Florida bedeutet für Beth & Co. vor allem endloses Schwachsinnsgelaber am Pool, ein paar False Scares und (in einer ebenfalls sehr ausgedehnten Szene) Gehampel zu Elektro-Pop in der Disco. Bis zum zweiten Mord dauert es unfassbare 40 Minuten; unfassbar nicht unbedingt, weil es eine ungewöhnlich geringe Frequenz für Slasher-Morde ist, sondern weil man offenbar genau NULL Ideen hatte, wie man die Zeit einigermaßen interessant hätte gestalten können. Die Karikaturen oberflächlicher und dekadenter Jugendlicher passen natürlich normalerweise prima in einen Film des Subgenres, doch verfügen diese hier in ihrer Flachheit über keinerlei Charme oder Witz, plappern die ganze Zeit über Sex, ohne sich auch einmal auszuziehen und werden somit zu uninspirierten Abziehbildern jener Karikaturen, auf der Leinwand (bzw. auf Video) verewigt von Menschen ohne Gespür für den schmalen, aber wichtigen Grat, der davor rettet, dass der Zuschauer sich desinteressiert abwendet und ob der debilen Dialoge nach kurzer Zeit automatisch auf Durchzug schaltet.

„Wir sind Freunde – keine Mitglieder einer Sekte!“

Nach über 40 Minuten (inkl. einer Kickbox-Einlage in der Disco) wird man also Zeuge des zweiten Mords durch eine albern kostümierte Person, der wie die Einstiegssequenz ebenfalls größtenteils im Off stattfindet. Ein FBI-Mann beginnt zu ermitteln, zwei Mädels am Pool müssen dran glauben, der Zuschauer wird vor vollendete Tatsachen gestellt, der Dunkelhäutige wird verhaftet, ist aber natürlich der Falsche. Ständig wird à la „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ irgendwo „Do You Wanna Know a Secret?“ hingeschmiert, bevor der Mörder fürs Finale eine Zeremonie in der Kirche anberaumt, sich demaskiert und während eines billig gemachten Klischee-Unwetters dem gefesselten Final Girl Beth zu erkennen sowie Minderwertigkeitskomplexe als Motiv angibt. Wahnsinn, wat’n Secret!

„Dieser Vorfall festigt wirklich mein Vertrauen in diesen Staat!“

Nachdem also die Pointe auch so überhaupt gar nichts reißen konnte, wird es Zeit zu bilanzieren: Slasher-Kompetenzen wie ein spannendes Whodunit? oder eine abgefahrene Hintergrundgeschichte sind ebenso Fehlanzeige wie blutige Morde, nackte Haut und eine unheilschwangere Atmosphäre. Bei den Soft Skills versagt „Do You Wanna Know a Secret“ ebenfalls auf ganzer Linie und kann weder mit wenigstens ein, zwei auffälligen Darstellern punkten noch mit einem interessanten Soundtrack und die eingestreuten Handkamera- und kurzen Point-of-View-Perspektiven bin ich nicht bereit, als „originelle Kameraarbeit“ durchgehen zu lassen, vom albernen, unlustigen Humor ganz zu schweigen. So entpuppt sich als das größte Geheimnis dieses seelenlosen Mists, dass es sich um eine langweilige, miese, verkrampfte, billige Mischung aus „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ und „Valentine“ handelt, die in einer gerechten Welt nie wäre gedreht worden. Mr. Voorhees, übernehmen Sie – und bringen Sie mir den Kopf von Thomas Bradford!
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Das Auge des Bösen

Der italienische Regisseur Ferdinando Merighi verwirklichte in seiner „Karriere“ offenbar lediglich drei Spielfilme, von denen es anscheinend nur einer zu einer deutschen Veröffentlichung brachte: Der in Paris angesiedelte Mystery-Giallo „Das Auge des Bösen“ aus dem Jahre 1972, der damit warb, von Poe inspiriert zu sein und „fünf Weltstars“ aufzubieten…

In Madame Colettes Bordell beherbergt eben jene Puffmutter (Anita Ekberg, „Die blonde Venus“) manch hübsche Dame des horizontalen Gewerbes, denen die Männer zu Füßen liegen. In eine von ihnen hat sich der Kleinkriminelle Gottvalles (Peter Martell, „Orion-3000, Raumfahrt des Grauens“) verliebt und gerät in einen heftigen Streit mit ihr, im Zuge dessen er sie misshandelt. Als sie kurz darauf tot im Etablissement aufgefunden wird, steht fest: Gottvalles muss der Mörder sein. Obwohl er seine Unschuld beteuert, wird er zum Tode verurteilt. Er verflucht alle, die daran beteiligt waren und es gelingt ihm die Flucht – während der er aber bei einem Unfall von der Ladefläche eines Lastkraftwagens enthauptet wird. Doch sein Fluch scheint sich zu bewahrheiten, denn eine unheimliche Mordserie durchzieht das Rotlichtmillieu. Ist er aus dem Totenreich zurückgekehrt? Oder ist der Mörder im Umfeld des Bordells zu suchen? Inspektor Pontaine (Robert Sacchi, „Sam Marlow, Privatdetektiv“) ermittelt.

Ein Mann – oder vielmehr ein Strichmännchen – stürzt vom Eiffelturm. Mit dieser Art Skizze, die symbolisch für einen waghalsigen Stunt oder einen gelungenen Spezialeffekt steht, was der Film beides nicht bieten konnte oder wollte, beginnen die „French Sex Murders“ (so der angelsächsische Titel). Ob diese tatsächlich von Poe inspiriert sind, sei einmal dahingestellt, ebenso das adelnde Etikett „Weltstars“ für die Darstellerriege, wenngleich sich zumindest in Genrefilm-Kreisen durchaus bekannte Namen ein Stelldichein geben: Anita Ekberg, Barbara Bouchet („Milano Kaliber 9“) und Rosalba Neri („Sklaven ihrer Triebe“) tummeln sich ebenso in diesem Streifen wie auf der maskulinen Seite Gordon Mitchell („Frankenstein ‘80“), Howard Vernon („Der Hexentöter von Blackmoor“) und „Der Mann mit dem Bogart-Gesicht“ Robert Sacchi, der hier tatsächlich wie sein großes Vorbild auszusehen versucht. Außerdem hat es der deutsche „Playboy“ Rolf Eden irgendwie in eine Nebenrolle geschafft.

Die Besetzung ist einer der großen Pluspunkte dieses Films, der ansonsten nicht viel mit extravaganten und stilsicheren Gialli gemein hat und sein ‘70er-Flair reichlich billig und abgeschmackt serviert. Die Geschichte ist Humbug, die Handlung sprunghaft, schlecht geschnitten und vom Zufall gesteuert und die Technik wirkt extrem fragwürdig, wenn abgetrennte Köpfe mehr zum Lachen animieren als zu schockieren und manch Szene mehrmals hintereinander stakkatoartig wiederholt wird. Schock- oder zumindest Ekelpotential versprach man sich offenbar auch von der Sezierung eines Tierauges und zumindest letzteres wurde auch erreicht. Etwas sleaziges Geschmuddel hält bei Laune und hilft über einige Längen hinweg, denn der spekulative Subplot dreht sich um sexuelles Verlangen, unerfüllte Liebe und Untreue. Im Vergleich mit anderen zeitgenössischen Produktionen bleibt „Das Auge des Bösen“ dabei aber relativ zurückhaltend. In diesem Zusammenhang schlägt die große Stunde der Schweizerin Evelyne Kraft („Ein Käfer auf Extratour“), die als Frau des Pathologen Waldemar (Howard Vernon) fremdgehen darf und sich prima innerhalb der starken weiblichen Konkurrenz behauptet, vielleicht sogar die attraktivste des Ensembles ist. Der Soundtrack wird nominell Bruno Nicolai zugeschrieben, jedoch ist anzunehmen, dass er zumindest für die deutsche Fassung aus diversen anderen Scores zusammengebastelt wurde – was sich aber immerhin hören lassen kann. Das Ende greift schließlich den Beginn wieder auf und zeigt, dass die eigentliche Handlung des Films eine ausgedehnte Rückblende war.

Fazit: Launiger, bizarrer Giallo-Trash mit einem gewissen Unterhaltungswert für Freunde des Eurokults, alle anderen dürften eher abwinken.
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Return to Sleepaway Camp

„Ich wünschte, ihr wärt alle tot!“

„Sleepaway Camp“ war lange Zeit US-Regisseur Robert Hiltziks einzige Regiearbeit. Mit den beiden Fortsetzungen zu seinem nur durchschnittlichen, aber bizarren Slasher aus dem Jahre 1983 hatte er nichts zu tun. Der vierte Teil der Reihe wurde seinerzeit nicht fertiggestellt, existierte aber als Rumpffassung, so dass Hiltzik, als er 2003 sein zweites und bisher letztes Mal auf dem Regiestuhl platznahm, mit „Return to Sleepaway Camp“ nicht den vierten, sondern fünften Teil der Reihe drehte, der aber erst 2008 mit den gewünschten Spezialeffekten versehen und veröffentlicht wurde, bevor 2012 tatsächlich noch „Sleepaway Camp IV“ mit nachträglich eingefügten Szenen auf den Markt kam, wenn auch nur als Bonusmaterial in Spezialeditionen. Klingt kompliziert, ist es auch – doch war es all das wert?

Die Handlung liest sich grob wie folgt: Die blutigen Ereignisse im Camp Arawak, als die Psychopathin Angela Baker ihr Unwesen trieb, liegen 20 Jahre zurück. Frank (Vincent Pastore, „GoodFellas“) und Ronnie (Paul DeAngelo, „Sleepaway Camp“) leiten mittlerweile das Camp Manabe, in dem genervte Eltern ihren missratenen Nachwuchs während der Sommerferien abladen. Die Jugendlichen haben es besonders auf den dicken, geistig zurückgebliebenen Alan abgesehen, der sich seinerseits gern einmal rächt und sich nicht minder soziopathisch aufführt. Nachdem er eines Tages einen Nervenzusammenbruch erleidet und im Wald verschwindet, wird das Camp von einer brutalen Mordserie heimgesucht. Frank verdächtigt Alan und sucht ihn zusammen mit Sheriff Jerry, doch Ronnie, der Angelas Taten im Camp Arawak seinerzeit miterleben musste, glaubt, dass sie aus dem Sanatorium entkommen konnte und zurückgekehrt ist…

Da man sich ausschließlich auf die Ereignisse des Jahres 2003 bezieht, scheint Hiltzik den zweiten und dritten Teil der Reihe schlicht zu ignorieren, was ebenso schade wie unnötig ist und schon einmal einen Sympathiepunkt kostet. Nach dem kranken Metal-Punk-Titelsong, zu dem ein originell gemachter Vorspann die Credits in Zeitungsartikel einbettet, entsteht schnell der Eindruck einer geschmacklosen Horrorkomödie mit Humor aus eher untengelegenen Schubladen: Jungs zünden ihre Fürze an, die Kids beleidigen sich permanent untereinander, die Camp-Aufseher und die Kids ebenfalls, der Film strotzt nur so vor Kraftausdrücken aus dem Munde karikierend overactender Darsteller. Das ganze Szenario wirkt wie jeglicher Realität entrückt, wie eine grobschlächtige Parodie auf das beliebte Jugendlager-Szenario. Der Film legt Wert darauf, bloß keine Rolle allzu positiv zu konnotieren; im Prinzip sind alle egozentrische, asoziale Arschlöcher, die auch schon mal Alans geliebte Frösche häuten, um ihn weiter in den Wahnsinn zu treiben.

Die das Whodunit? installierende Mordserie bemüht sich um möglichst übertriebene Brutalität und Kreativität, wenngleich der kopfüber in die Fritteuse gesteckte Camp-Koch irgendwie vertraut erscheint… Der obligatorische Kiffer bekommt Benzin eingeflößt und wird angezündet, was aufgrund der miesen CGI seine Wirkung kaum entfacht, einem Randy (Brye Cooper, „Fluch der Karibik“) wird der Pimmel abgerissen, Linda (Jackie Tohn, „Postal“) wird mit Stacheldraht eingewickelt, ein Junge bekommt einen Speer durch den Kopf, eine Fette wird von einem Nagelbrett durchbohrt und ein Papageienhalter in einen Vogelkäfig gesteckt (?). Die Spezialeffekte sind, obwohl man offenbar fünf Jahre lang auf sie warten musste (s. Einleitung), eher billiger Natur, wirklich krass aber wird es, wenn Froschhäuter und Alan-Stiefbruder Michael (Michael Werner, „Am Anfang war das Licht“) wieder ins Bild kommt – ohne Haut!

All das ist mehr oder weniger unterhaltsam, nicht wirklich spannend oder lustig, aber schräg anzusehen, ziemlich doof und mit der Brechstange serviert, dabei gern auch mal eher unfreiwillig komisch. Auf ein Finale oder einen Showdown verzichtete Hiltzik dann auch unverständlicherweise gleich gänzlich, was die Enttäuschung, die „Return to Sleepaway Camp“ letztlich geworden ist, besiegelt – wenngleich die Pointe zumindest nicht verkehrt ist. Dass aus einem solch heillos überzeichneten Zirkus ohne jegliche Identifikationsfigur, dafür mit Fäkalhumor und grimassierenden Darstellern kein atmosphärischer Slasher der alten Schule wird, sollte von vornherein klargewesen sein – doch dass Hiltzik auch 20 Jahre nach seinem amateurhaften Debüt offenbar kaum dazugelernt hat und abermals zwar eine verrückte Freakshow auf Video gebannt, aber noch immer keinen Schimmer von Charakterzeichnung hat, lässt ihn sein eigenes Erbe für einen durchschnittlichen Trash-Film opfern, der das Potential seiner ursprünglichen Idee ungenutzt lässt. Schade.
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