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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Sa 9. Nov 2013, 12:06
von horror1966
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Im Westen nichts Neues
(All Quiet on the Western Front)
mit Louis Wolheim, Lew Ayres, John Wray, Arnold Lucy, Ben Alexander, Scott Kolk, Owen Davis Jr., Walter Rogers, William Bakewell, Russell Gleason, Richard Alexander, Harold Goodwin, Slim Summerville, G. Pat Collins
Regie: Lewis Milestone
Drehbuch: Erich Maria Remarque / Maxwell Anderson / George Abbott
Kamera: Arthur Edeson
Musik: Sam Perry / Heinz Roemheld
FSK 12
USA / 1930

Erster Weltkrieg: In der allgemeinen Kriegsbegeisterung zieht eine ganze Klasse junger Oberschüler freiwillig in das vermeintliche "Feld der Ehre". In den Schützengräben der Westfront müssen Paul Bäumer und seine Kameraden aber bald die ganze Brutalität des Krieges erfahren...


Antikriegsfilme gibt es zur Genüge doch wohl kein anderes filmisches Werk präsentiert dem Zuschauer so krass die Gegensätze zwischen der Glorifizierung des Krieges und der brutalen Realität wie das Meisterwerk von Lewis Milestone aus dem Jahr 1930. Basierend auf der literarischen Vorlage von Erich Maria Remarque werden einem die Geschehnisse an der Westfront im ersten Weltkrieg aus der Sicht des jungen Soldaten Paul Bäumer geschildert und es entwickelt sich eine schier grausame Geschichte, die man wohl kaum intensiver hätte in Szene setzen können. Von der ersten Minute an macht die Geschichte dabei keinen Hehl daraus, das man es hier mit einem Szenario voller Gegensätze zu tun bekommt, die dabei äußerst extrem und sehr glaubhaft erscheinen, was dem Ganzen einen unglaublich intensiven Anstrich verleiht. In der heutigen Zeit ist man sicherlich aufgeklärter über die Grausamkeiten eines Krieges und gibt nicht mehr viel auf glorifizierende Reden irgendwelcher Herren, die einem das Kriegsgeschehen als Heldentat und ruhmreiche Verteidigung des Vaterlandes verkaufen wollen. Damals sah das sicherlich noch ein wenig anders aus und gerade dieser Aspekt wird einem auch gleich zu Beginn der Geschichte eindrucksvoll unter die Nase gerieben. So hinterlassen dann auch schon die ersten Minuten des Filmes einen extrem bitteren Beigeschmack, in denen ein Lehrer seiner Schulklasse den Krieg als heroisches Unternehmen in das Gehirn einpflanzt und mit Begriffen wie Heldentum, Stolz und Ehre seine Schüler so weit manipuliert, bis sich gesamte Klasse geschlossen zum Kriegsdienst meldet, um schon kurz darauf mit der grausamen Realität konfrontiert zu werden.

Anstelle heroischer Taten bekommen es die jungen Männer nämlich mit einem zermürbenden Stellungskrieg in unendlich erscheinenden Schützengräben zu tun, in denen sie dem Feind förmlich als Kanonenfutter präsentiert werden. Keinerlei Hygiene, nichts zu essen und endlos lange Nächte rauben den Männern ziemlich schnell die Gedanken an heldenhafte Taten um ihr Vaterland zu verteidigen, stattdessen machen sich furchtbare Angst und Panik breit, in kürzester Zeit vollkommen sinnlos sein Leben zu verlieren. Als wenn diese Tatsache an sich nicht schon grausam genug wäre, wird der Aspekt durch das herausragende Schauspiel der Akteure noch zusätzlich mit einer Intensität-und Glaubhaftigkeit unterlegt, das man als Betrachter eigentlich durchgehend ein äußerst starkes Gefühl der Beklemmung verspürt, das man bis zum bitteren Ende und auch lange danach nicht wieder ablegen kann. Milestone hat dabei sorgsam darauf geachtet, die entstehenden Kontraste auf eine fantastische Art und Weise heraus zu arbeiten, so das sich einem ein Film-Erlebnis präsentiert, das man nicht so schnell wieder vergessen wird. Selbst in den Passagen die sich einmal nicht direkt mit den Kampfhandlungen beschäftigen kommt so immer wieder ein starker Gegensatz zum Ausdruck, den man insbesondere in der Phase verspürt, in der Paul Bäumer auf Heimaturlaub ist und die Extreme zwischen Theorie und Praxis auf eindringliche Weise vor Augen geführt bekommt. Wird er doch zu Hause als Held empfangen, so verspürt er doch vielmehr das Gefühl, das er doch keinesfalls in sein altes Leben zurückkehren kann, das ihm mittlerweile vollkommen fremd geworden ist.

Dieser Punkt wird ihm durch Gespräche mit seinem ehemaligen Lehrer und in einer Stammtischrunde in einer Kneipe bewusst, denn hier kristallisiert sich sehr gut heraus, das die nicht direkt am Krieg beteiligten Menschen ein vollkommen falsches Bild vom Geschehen an der Front haben. Als Paul die Wahrheit erzählt wird er sogar als Feigling bezeichnet und er muss schmerzhaft feststellen, das der sinnlose Krieg in der Heimat immer noch als erstrebenswertes Ziel verehrt wird, ohne das dabei auch nur der Schimmer der brutalen Wahrheit zur Kenntnis genommen wird. An diesen Stellen fällt besonders ins Gewicht, das die deutsche Bevölkerung regelrecht verblendet erscheint und immer noch in Dimensionen von Helden, Stolz und Ruhm denkt, anstatt die furchtbare Realität auch nur ansatzweise zuzulassen. An anderen Stellen de Filmes wird dann auch die Frage nach dem eigentlichen Sinn des Krieges gestellt und wer ihn eigentlich ausgelöst hat. Die daraufhin entstehende Diskussion der Soldaten gestaltet sich als äußerst interessant, zeugt sie doch ganz eindeutig davon, das eigentlich keiner so richtig weiß, warum er hier sein Leben für eine Sache aufs Spiel setzt, von der man im Prinzip überhaupt nichts weiß. Gestaltet sich schon das gesamte Geschehen unglaublich intensiv, so sind es gerade diese Szenen, die dem Zuschauer eine Gänsehaut über den Rücken jagen und zudem unglaublich nachdenklich stimmen. Mit einem Schlag wird einem dabei bewusst, das eine komplette Generation vollkommen unwissend in einen grausamen Krieg entsandt wurde, für den es scheinbar noch nicht einmal den Ansatz einer Erklärung gibt. Unter Vorhaltung falscher Tatsachen wurden junge Menschen geistig manipuliert, indem ihnen Begriffe in den Kopf eingepflanzt wurden, die mit der Realität überhaupt nichts zu tun haben.

All diese Momente wurden in "Im Westen nichts Neues" einfach absolut grandios in Szene gesetzt und man ist ehrlich gesagt ziemlich erstaunt darüber, welch nachhaltigen Eindruck dieses filmische Meisterwerk auch nach über acht Jahrzehnten beim Zuschauer hinterlässt. Wohl kaum ein anderer Kriegsfilm stellt so dermaßen krass-und schonungslos die Kluft zwischen Glorifizierung des Krieges und der Realität heraus und wartet zudem auch noch mit einer Schluss-Sequenz auf, die einem fast die Tränen in die Augen treibt. In dieser einzelnen Einstellung und mit dem Hintergrund der vorliegenden Thematik wird einem noch einmal ein schmerzhafter Tiefschlag versetzt, der jedoch absolut brillant in das Gesamtwerk hineinpasst und den gesamten Film auf eine grausige Art perfekt abrundet. Bei einer Laufzeit von knapp 130 Minuten bekommt man in dieser Geschichte nicht einmal den Eindruck das man sich gewisse Passagen auch hätte sparen können, denn jede einzelne Szene ist ein unglaublich wichtiger Baustein in einem Film, der an Intensität-und Härte kaum zu überbieten ist. Die Härte ergibt sich dabei nicht aus visuellen Gewaltdarstellungen, sondern vielmehr aus den extremen Gegensätzen, die "Im "Westen nichts Neues" durchgehend absolut hervorragend in den Vordergrund stellt und unglaublich intensiv beleuchtet.


Fazit:


Bisher hatte ich mir eine Sichtung dieses Werkes immer verkniffen und kann noch nicht einmal begründen warum. Nach meiner nunmehr ersten Sichtung des Filmes stehe ich immer noch unter dessen gewaltigen Eindruck, denn das dargestellte Szenario hinterlässt definitiv seine Spuren. So sollte man sich dieses Meisterwerk auch nicht mal so nebenbei anschauen, präsentiert sich doch alles andere als seichte Filmkost.


10/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: So 10. Nov 2013, 12:27
von horror1966
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Passion
(Passion)
mit Rachel McAdams, Noomi Rapace, Karoline Herfurth, Paul Anderson, Rainer Bock, Benjamin Sadler, Michael Rotschopf, Max Urlacher, Dominic Raacke, Trystan W. Putter, Patrick Heyn, Ian T. Dickinson, Carlo Castro
Regie: Brian De Palma
Drehbuch: Brian De Palma / Natalie Carter
Kamera: José Luis Alcaine
Musik: Pino Donaggio
FSK 16
Deutschland / Frankreich / 2012

Zwei Frauen liefern sich einen erbitterten Kampf um Macht in der Welt der internationalen Geschäfte. Die natürlich elegante Christine pflegt einen lockeren Umgang mit Macht und Geld. Unter ihre Fittiche nimmt sie die unschuldige, liebenswerte Isabelle, die mit ihrer Naivität und ihren herausragenden Ideen ein leichtes Ziel für die Ausbeuterin Christine ist. Für diese ist es auch nicht wirklich Diebstahl von gedanklichem Eigentum, schließlich spielen sie ja im selben Team. Christine genießt es die junge Frau immer mehr zu beeinflussen und Kontrolle über sie auszuüben, wodurch Isabelle immer tiefer in das Spiel von Verführung und Manipulation hineingesogen wird. Doch dann lässt sich Isabelle auf eine Bettgeschichte mit einem von Christines Liebhabern ein, was katastrophale Konsequenzen hat.


Regie-Altmeister Brian De Palma (Dressed to KIll) war eigentlich immer in der Lage, dem Zuschauer mit seinen Werken Thriller mit viel Suspense und einem Hauch Erotik zu präsentieren. Auch vorliegender "Passion" schlägt in diese Kerbe, entfaltet sich doch von Beginn an ein Szenario, das sein Hauptaugenmerk weniger auf logische Abläufe, sondern vielmehr auf einen sehr gelungenen Spannungsaufbau setzt, der sich nach einem eher bedächtigen Beginn immer stärker in den Vordergrund rückt. Die Geschichte an sich ist dabei im Prinzip recht simpel gehalten, erfährt jedoch durch ihre filmische Umsetzung ein hohes Maß an Intensität und zieht den Betrachter mit zunehmender Laufzeit immer tiefer in einen Sog aus Intrigen, Leidenschaft und eskalierender Gewalt. Mit Rachel McAdams und Noomi Rapace sind die beiden Hauptrollen dabei absolut perfekt besetzt, denn die beiden vollkommen unterschiedlichen Frauen liefern sich hier einen wahrhaft sehenswerten Schlagabtausch, der einen bis zur letzten Minute fesselt und unweigerlich in seinen Bann zieht.

Während McAdams in ihrer bewusst überzeichneten Figur als Chefin einer Marketing-Firma zu brillieren weiß und dem Ganzen durch ihr streckenweise affektiert erscheinendes Schauspiel eine ganz besondere Note verleiht, ist Rapace das genaue Gegenteil und versteht es in der Rolle als scheinbar schüchternes-und unterwürfiges Helferlein zu überzeugen. Vollkommen beabsichtigt erscheinen die dargebotenen Leistungen der Akteure an diversen Stellen vollkommen überzogen und fast schon künstlich aufgesetzt, was die Gegensätze der beiden Hauptfiguren jedoch hervorragend zum Ausdruck bringt. Dieser Aspekt offenbart sich dem Betrachter schon in der Eröffnungs-Sequenz des Szenarios, in der die beiden Frauen in einer übertrieben luxuriösen Wohnung zusammen sitzen, wobei McAdams als edel gekleidetes Modepüppchen und Rapace vielmehr als biederes Mauerblümchen in Erscheinung treten. Von diesen Kontrasten bezieht das Geschehen dann auch eine Menge an Stärke, die sich im Laufe der Zeit immer stärker bemerkbar macht. So entwickelt sich dann nach einer eher normalen Einführung in die Szenerie immer mehr ein Suspense - Thriller, der in der Folge ein perfides Katz-und Mausspiel an den Tag legt das mit etlichen äußerst bedrohlichen Momenten versehen ist.

De Palma versteht es sehr gekonnt, die Erzählweise seiner Geschichte immer wieder zu variieren, denn gestaltet sich die ganze Chose doch vor allem in der ersten Hälfte eher geradlinig, so lassen sich danach sogar Phasen erkennen, die einen leicht surrealen Anstrich vermitteln. Durch diese Zutat erhält die Story eine vollkommen andere Dynamik und auch wenn dies manchmal auf Kosten der Logik geht, so bietet sich dem Betrachter ein lohnenswerter Film-Genuss, in dem auf einmal kaum noch zu unterscheiden ist, was Realität und Fiktion ist. An dieser Stelle wird einem auch genügend Freiraum für eigene Interpretationen gelassen, denn De Palma wirft durchaus mehr Fragen auf, als die Geschichte am Ende dann wirklich beantwortet. Hier liegt meiner persönlichen Meinung nach auch der ganz besondere Reiz von "Passion", verwickelt sich der Film doch immer stärker in diverse Andeutungen-und Verdachtsmomente für die man zwar letztendlich eine Antwort bekommt, sich aber dennoch nicht sicher sein kann, ob damit sämtliche Geschehnisse zufriedenstellend beantwortet wurden.

Manch einem mag die Story gerade zum Ende hin ein wenig zu verworren erscheinen, doch ich mag diese Filme, in denen sich auch eine Art Kopf-Kino entwickelt, das nicht immer alle aufkommenden Fragen bis ins Detail logisch erklärt. Denn nur so wird die eigene Fantasie ins Spiel gebracht, was in vorliegendem Fall ganz eindeutig geschieht. Natürlich liegt das im Auge des jeweiligen Betrachters und nicht jeder wird seinen Gefallen an diesem Thriller finden, doch mir selbst hat De Palmas Werk außerordentlich gut gefallen. Eine tolle Geschichte, sehr gut agierende Darsteller und eine gelungene Dramaturgie der Ereignisse sorgen für genügend Thrill, damit man von einem überdurchschnittlich guten Werk sprechen kann, das aber sicherlich die Meinungen etwas spalten wird. Wie dem aber auch sei, der Altmeister des Erotik-Thrillers hat unter Beweis gestellt das er es immer noch versteht, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen, denn "Passion" bietet sämtliche Zutaten für einen spannenden-und intensiven Film, der zudem auch stellenweise zum nachdenken anregt.


Fazit:


Nicht immer der üblichen Logik folgend wird hier eine Geschichte erzählt, die am Ende durchaus nicht alle aufkommenden Fragen beantwortet, aber gerade aus diesem Aspekt ihre besondere Stärke bezieht. Intensiv und spannend ausgestattet ist "Passion" auf jeden Fall einen Blick wert und manch einer dürfte von diesem Thriller sogar regelrecht begeistert sein.


8/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mo 11. Nov 2013, 15:49
von horror1966
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Kill 'em All
(Kill 'em All)
mit Johnny Messner, Chia-Hui Liu, Ammara Siripong, Joe Lewis, Brahim Achabbakhe, Tim Man, Roongtawan Jindasing, Rashid Phoenix, Erik Markus Schuetz, Eoin O'Brien, Ice Chongko, Parichart Rakmak, Narat Nakthong
Regie: Raimund Huber
Drehbuch: Ken Miller
Kamera: Vardhana Wanchuplao
Musik: Alec Puro
keine Jugendfreigabe
USA / 2012

Eine Gruppe von bestens ausgebildeten Auftragskillern findet sich gefangen in einem Bunker wieder, nachdem sie von einem Unbekannten betäubt und überwältigt worden waren. Eine Stimme informiert sie, sie befänden sich in der "Killing Chamber" und müssten fortan gegeneinander kämpfen. Nur der Amerikaner Gabriel bleibt besonnen und ruft zum Kampf gegen den gemeinsamen Feind auf, stößt aber auf taube Ohren - mit Ausnahme von der Amazone Som. Fragt sich nur, was sie gegen den übermächtigen Snakeman ausrichten können.


Immer wieder trifft man auf diverse Filme an die man im Prinzip ohne jegliche Erwartungen heran geht, um dann jedoch nach der Sichtung eine positive Überraschung erlebt zu haben. In diese Kategorie kann man auch vorliegenden "Kill 'em All" einordnen, der zumindest den Freunden von sehenswerter Martial Arts Kost und andauernder Action sehr gefallen dürfte. Allerdings muss man dafür die inhaltliche Leere des Szenarios in Kauf nehmen, bietet der Film doch keinerlei Nährwert und überzeugt fast ausschließlich durch die enthaltene Kurzweil, die ihn auf jeden Fall zu einem unterhaltsamen B-Movie macht. Die extrem ausgedünnte Rahmenhandlung kann man also durchaus vernachlässigen und Erklärungen für die ominöse Grundsituation des Geschehens bekommt man erst ganz kurz vor dem Ende geliefert, doch dem Liebhaber von Action im Stil der 80er-und 90er Jahre wird das so ziemlich egal sein, konzentriert man sich doch vielmehr auf die zumeist recht gelungenen Kämpfe, die dieses Werk zur Genüge beinhaltet.

"Kill 'em All" macht von der ersten Minute an keinerlei Hehl daraus, mit welcher Art von Film es der Zuschauer hier zu tun bekommt, denn ohne die kleinste Einführung wird man sofort mit Action-Passagen regelrecht überschüttet. Glaubt man zu Beginn noch an einen lediglich furiosen Start des Ganzen, so stellt man relativ schnell fest, das eigentlich die gesamte Laufzeit über wenig inhaltliche Substanz, dafür aber umso mehr Kämpfe auf einen zukommen. So ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, das eine ausführliche Beleuchtung der einzelnen Charaktere fast völlig entfällt, denn die handelnden Akteure werden einem nur absolut oberflächlich präsentiert. Die Situation in der sich die Protagonisten befinden erinnert schon ein wenig an die "Saw-Reihe", wobei dies aber auch schon die einzige Ähnlichkeit zu dem beliebten Franchise darstellt. Vor allem durch den räumlich eingeschränkten Schauplatz entfalten die Ereignisse aber eine ganz eigene Dynamik, zudem macht sich durch den fast schon klaustrophobischen Anstrich eine gelungene Grundstimmung breit, die das Ganze wohlwollend untermalt.

Echte Cineasten werden bei diesem Film wohl eher die Nase rümpfen und eventuell sogar entsetzt den Blick abwenden, doch die Zielgruppe für die dieses Werk ausgerichtet ist, dürfte nahezu begeistert sein. Und so sollte man dann auch "Kill 'em All" nicht unbedingt nach den ansonsten üblichen filmischen Maßstäben bewerten, sondern ganz eindeutig die Messlatte eines actiongeladenen B-Movies anlegen, da sich die Geschichte ausschließlich über ihre Kampf-Passagen definiert. Und diese sind größtenteils wirklich sehenswert, auch wenn es immer wieder diverse Szenen zu sehen gibt, die äußerst unglaubwürdig erscheinen und manchmal sogar einen leicht trashigen Eindruck hinterlassen. In diesem Fall kommt das jedoch der gesamten Chose auf jeden Fall zu Gute, ergibt sich so doch ein extrem unterhaltsamer Gesamteindruck. Zum Ende hin versucht Regisseur Raimund Huber seiner Geschichte sogar ein wenig Tiefe zu verleihen, indem er versucht, menschliche Motive in die Ereignisse zu integrieren, doch dieser Versuch kann die inhaltliche Leere des Geschehens auch nicht wirklich auffüllen.

So kann man letztendlich von einem kurzweiligen B-Actioner sprechen, der absolut keinen Anspruch auf inhaltliche Substanz legt und dies auch von der ersten bis zur letzten Minute ziemlich klar zum Ausdruck bringt. Wer sich daran stört sollte gleich die Hände von der DVD lassen und sich anderen Filmen zuwenden, wer jedoch seine Freude an einem kampflastigen Spektakel hat, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen und bestens bedient. In darstellerischer Hinsicht sollte man allerdings keine Wunderdinge erwarten denn man sieht doch ziemlich schnell, das die handelnden Akteure nicht unbedingt mit viel Talent ausgestattet sind, für einen Film dieser Art jedoch mit den richtigen Fähigkeiten ausgestattet sind, um dem Betrachter ein sehenswertes Action-Feuerwerk zu präsentieren.


Fazit:


Ein filmisches Meisterwerk liegt hier ganz sicher nicht vor, doch "Kill 'em All" beinhaltet sämtliche Zutaten für gut 80 Minuten Action ohne Ende. Das bei einem solchen Verlauf natürlich kaum Platz für andere Zutaten bleibt ist vorhersehbar, dürfte den geneigten Fan aber keinesfalls davon abhalten, diesem Werk eine faire Chance zu geben.


7/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mo 11. Nov 2013, 15:52
von horror1966
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Chucky - Die Mörderpuppe
(Child's Play)
mit Catherine Hicks, Brad Dourif, Chris Sarandon, Alex Vincent, Dinah Manoff, Tommy Swerdlow, Jack Colvin, Neil Giuntoli, Juan Ramírez, Alan Wilder, Richard Baird, Raymond Oliver
Regie: Tom Holland
Drehbuch: Don Mancini / John Lafia
Kamera: Bill Butler
Musik: Joe Renzetti
FSK 18
USA / 1988

Schwerverletzt versteckt sich der geisteskranke Massenmörder Charles Lee Ray auf seiner Flucht in einem Spielwarengeschäft und überträgt im Sterben seine Seele auf die Kinderpuppe "Chucky". Genau diese Puppe bekommt der kleine Andy zum Geburtstag geschenkt. Die Morde, die im Folgenden in Andys Umgebung passieren, werden tatsächlich dem Kind angelastet. Seine Mutter und ein mit der Untersuchung betrauter Polizist glauben Andy erst, als "Chucky" auf ihn selbst losgeht und von seinem Körper Besitz ergreifen will. Mit vereinten Kräften gelingt es, die Mörderpuppe zu vernichten.


Filme die sich mit Puppen-Horror beschäftigen, haben bei den meisten Genre-Fans zumeist einen eher schwierigen Stand und werden nicht selten als zu seicht und albern klassifiziert. Dennoch gibt es mit "Chucky" einen Vertreter seiner Art, der es in gewissen Kreisen durchaus zu einem Kultstatus geschafft hat und sich größter Beliebtheit erfreut. Als Regisseur Tom Holland 1988 diesen Film präsentierte ahnte wohl noch niemand, das hier der Startschuss zu einer ganzen Film-Reihe gefallen war, die mittlerweile durch den kürzlich erschienenen "Curse of Chucky" den mittlerweile sechsten Teil hervor brachte, was ein ganz eindeutiges Indiz dafür ist, das sich die fiese Puppe immer noch größter Beliebtheit erfreut. Im Grunde genommen ist schon die Grundidee, die Seele eines wahnsinnigen Serienkillers in den Körper einer Puppe zu verfrachten als höchst innovativ anzusehen, wenn diese dann auch noch den Namen "Good Guy" trägt, entbehrt dies nicht einer leicht makaberen Note. Gleichzeitig kann man darin eine leichte Andeutung erkennen, das man diesen Film und auch seine Nachfolger nicht zu ernst nehmen sollte, denn "Chucky - Die Mörderpuppe" ist ganz sicher nicht ein Horrorfilm, der sein Hauptaugenmerk auf explizite Gewaltdarstellungen oder vor Blut triefende Szenen legt. Vielmehr präsentiert sich hier ein eher recht harmloser Slasher, in dem durch das Einfügen von fiesen Sprüchen und jeder Menge schwarzem Humor eine sehr gelungene Kombination zu erkennen ist.

Dennoch entfaltet sich mit der Zeit durchaus ein gewisses Maß an Härte, das jedoch insbesondere aus heutiger Sicht eher harmlos erscheint. So deuten diverse Passagen zumindest an, das ein echter Killer in der kleinen Puppe versteckt ist, dessen Bösartigkeit die ganze Zeit über eindrucksvoll zum Vorschein kommt. Hauptsächlich wird das Szenario jedoch von seiner äußerst stimmigen-und teils sogar leicht düsteren Grundstimmung getragen, denn nicht gerade selten lassen sich aus dieser auch ziemlich bedrohliche Züge erkennen, die hauptsächlich dann zum Vorschein kommen, wenn der kleine Killer richtiggehend ausrastet. In diesen Momenten verwandelt sich "Chucky" nämlich von einer optisch niedlich erscheinenden Puppe in eine richtige reißende Bestie, was insbesondere in den Veränderungen seines Gesichtes zu erkennen ist. In vorliegender Story will natürlich niemand dem kleinen Andy Glauben schenken als dieser behauptet, das seine "Good Guy" Puppe ein seltsames Eigenleben führt. Das ist selbstverständlich durchaus nachvollziehbar, siedelt sich das Geschehen doch rein inhaltlich generell jenseits der Realität an. Und so muss es dann auch erst zu diversen Ereignissen und morden kommen, bevor seine Mutter und der ermittelnde Polizist ihre logische Denkweise über Bord werfen und sich mit dem übernatürlichen Umstand anfreunden, das wirklich ein Killer in der niedlichen Puppe lebt.

Bis dahin wird der Mörder aber schon mächtig aktiv, wobei er nicht nur für eine Menge Action, sondern auch für die notwendige Portion Humor Sorge trägt, damit der Zuschauer ein wirklich unterhaltsames Szenario geboten bekommt, das einen gänzlich überzeugenden Eindruck hinterlässt. Dabei verfügt die Geschichte über einen äußerst gelungenen Spannungsbogen und die vorhandene Atmosphäre ist sowieso eine der ganz großen Stärken dieses Horrorfilmes, der auch im Laufe der Jahre nichts von seinem Reiz-und ganz eigenen Charme verloren hat. Man muss "Chucky" einfach gern haben, denn obwohl der etwas zu kurz geratene Kerl eine Menge auf dem Kerbholz hat, gibt es wohl kaum einen anderen Killer des Genres, dem man als Betrachter dermaßen viel Sympathie entgegen bringt. Von diesem Aspekt zehrt natürlich auch die gesamte Reihe, denn die meisten Leute werden diese Filme wohl hauptsächlich in ihrer Sammlung haben, weil sie den kleinen fiesen Mörder ganz einfach in ihr Herz geschlossen haben.

Und so schaut man sich immer wieder gern diesen Erstling einer Film-Reihe an, der man eigentlich nie das Potential zugesprochen hätte, das sie einmal fünf Sequels nach sich zieht. Denn dafür ist am Ende dieses Filmes noch gar kein Anzeichen zu erkennen, lässt die finale Einstellung doch eindeutig darauf schließen, das es sich hier um eine einmalige Begegnung mit der Kult-Puppe handelt, was sich im nachhinein Gott sei Dank als fataler Irrtum herausgestellt hat. Letztendlich wird die Figur von "Chucky" wohl immer die Meinungen der Horror-Fans spalten, präsentiert sich doch für die einen eine kleine Ikone des Genres, wohingegen andere überhaupt nichts mit den Filmen anfangen können. Gut, das die Geschmäcker verschieden sind, denn so kann sich ein jeder selbst sein Bild von einem Killer machen, der sich absolut von seinen anderen Genre-Kollegen unterscheidet, deswegen aber keinesfalls weniger bösartig daher kommt.


Fazit:


Für mich persönlich ist "Chucky" absoluter Kult und aus dem Bereich des Horror-Filmes überhaupt nicht mehr wegzudenken. Man darf diesen Film allerdings nicht zu ernst nehmen und sollte das Ganze auch immer mit dem nötigen Humor sehen, der dem Szenario streckenweise aus allen Poren dringt.


8/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mo 11. Nov 2013, 15:53
von horror1966
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Chucky 2 - Die Mörderpuppe ist zurück
(Child's Play 2)
mit Alex Vincent, Jenny Agutter, Gerrit Graham, Christine Elise, Grace Zabriskie, Adam Ryen, Adam Wylie, Bill Stevenson, Don Pugsley, Vince Melocchi, Ed Gale, Brigitte Roth, Edan Gross
Regie: John Lafia
Drehbuch: Don Mancini
Kamera: Stefan Czapsky
Musik: Graeme Revell
FSK 18
USA / 1990

Chucky, die Mörderpuppe, ist zurück! Die Spielzeugfabrik hat ihn unvorsichtigerweise repariert, und jetzt treibt er wieder sein Unwesen: Böse und gemein, immer begierig, seine Mitmenschen in den Tod zu treiben. Denn hinter dem hübschen Puppengesicht steckt in Wahrheit ein verhexter Massenmörder. Wieder hat er es auf den kleinen Andy abgesehen. Um an den Jungen heranzukommen, muss Chucky aber erst einige Erwachsene aus dem Weg schaffen. Und wer in Chuckys mörderische Puppenhände gerät, stirbt keinen leichten Tod ...


Die Killerpuppe ist zurück!


Zwei Jahre nachdem "Chucky" anscheinend vernichtet wurde ist der fiese Killer im Körper einer Puppe wieder zurück. Dabei ist er noch bösartiger und gemeiner, als es schon im ersten Teil der Fall war. Dabei ist es nicht verwunderlich, das der kleine Mörder wieder auf der Suche nach Andy ist der mittlerweile in einer Pflegefamilie untergebracht wurde, da seine Mutter in ein Sanatorium eingeliefert wurde. Die Geschichte dieser Fortsetzung gestaltet sich nicht sonderlich anders als im Vorgänger so das man sich schnell denken kann, das auch hier wieder einige Leute ihr Leben verlieren müssen. Beim Zuschauer entsteht allerdings der Eindruck, das "Chucky" dieses Mal noch gemeiner in Erscheinung tritt als es schon im ersten Abenteuer der Fall war und das macht es dem kleinen Andy nicht unbedingt leichter, sich vor seinem Feind in Sicherheit zu bringen. Unterstützt wird er dabei von der jungen Kyle die ihm zwar zu Beginn auch keinen Glauben schenkt, aber mit der Zeit erkennen muss, das die Mörderpuppe keinesfalls der lebhaften Fantasie eines kleinen Jungen entspringt.

Die Geschichte ist mit ordentlich Tempo und einigen herrlich bedrohlichen Momenten ausgestattet, zudem erscheint einem das Szenario zumindest ein klein wenig härter als im Vorgänger, was allerdings auch keine große Kunst ist, da sich sämtliche "Chucky-Filme" noch nie durch einen hohen Härtegrad definiert haben. Vielmehr entwickelt sich eine gnadenlose Hetzjagd, während der das Leben der beiden Teenager mehr als einmal am seidenen Faden hängt. John Lafia ist es hier sehr gut gelungen, die üblichen Zutaten perfekt miteinander zu mischen und so ergibt sich einmal mehr sehenswerter Puppen-Horror, der bestens und sehr kurzweilig zu unterhalten weiß. "Child's Play 2" kommt dabei auch etwas ernster als der erste Teil daher, wobei jedoch immer noch genügend bissiger Humor vorhanden ist, der sich in der Hauptsache durch "Chucky's" Sprüche und teilweise witzige Situationskomik zu erkennen gibt.

In diesem Teil bekommt man zudem ein weitaus interessanteres Finale geboten, denn hat sich der Schluss im Vorgänger noch relativ bieder präsentiert, so lässt Lafia seine Geschichte auf einen ziemlich spektakulären Showdown hinauslaufen, der sich ausgerechnet in der Fabrik abspielt, in der die "Good Guy" Puppen hergestellt werden. Dabei bekommt der Zuschauer einige schon fast als urig zu bezeichnende Momente serviert, aber gleichzeitig auch diverse Szenen voller Spannung und ein wenig härte, so das man das Gesamtbild als sehr gelungen bezeichnen kann. Am Ende ist selbstverständlich alles wie gehabt und man wird in dem Glauben gelassen, das die Mörderpuppe nun das Zeitliche gesegnet hat, was sich aber nur ein Jahr später als fataler Irrtum herausstellen sollte.

Letztendlich bietet auch "Chucky 2 - Die Mörderpuppe ist zurück" gewohnt solide Horrorkost, die in diesem Fall sogar etwas ernster als im Original dargestellt wird. Die Hauptfigur erscheint noch böser-und gemeiner als zuvor und ganz generell tendiert das Geschehen etwas mehr in Richtung Horror, wobei immer noch genügend humorige Anteile zu erkennen sind, die in Kombination mit den anderen Elementen ein wunderbar unterhaltendes Gesamtwerk ergeben, das man sich auch heute noch immer wieder gern anschaut, ohne das Interesse an der kultigen Puppe zu verlieren.


Fazit:


Wie schon zwei Jahre zuvor präsentiert sich hier ein gelungener Puppen-Horrorfilm, der ganz eindeutig von der bösartigen Ausstrahlung seiner kleinen Hauptfigur zehrt. Dabei sollte man einmal anmerken, das sich eigentlich die gesamte Reihe durch eine relativ konstante Qualität auszeichnet, denn die "Chucky-Filme" sind sicherlich nicht zu den absoluten Highlights des Genres zu zählen, beinhalten aber auch keinen wirklich misslungenen Beitrag, was man längst nicht von allen Horror-Mehrteilern behaupten kann.


7,5/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mo 11. Nov 2013, 15:53
von horror1966
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Chucky 3
(Child's Play 3)
mit Justin Whalin, Perrey Reeves, Jeremy Sylvers, Travis Fine, Dean Jacobson, Peter Haskell, Dakin Matthews, Andrew Robinson, Burke Byrnes, Matthew Walker, Donna Eskra, Edan Gross
Regie: Jack Bender
Drehbuch: Don Mancini
Kamera: John R. Leonetti
Musik: John D'Andrea / Cory Lerios
ungeprüft
USA / 1991

Acht Jahre ist es jetzt her, seit Andy Barclay das letzte Mal von dem Massenmörder Charles Lee Ray in der Hülle der blutdürstigen Mörderpuppe Chucky heimgesucht wurde. Inzwischen ist Andy 16 Jahre alt und versucht auf der strengen Kent Military School seine entsetzliche Kindheit zu vergessen. Doch vergeblich! Mit Entsetzen muss Andy feststellen, das Chucky lebt und ihm bis zur Military School gefolgt ist. Chucky kämmt unverdrossen die gesamte Schule nach Andy durch und hinterlässt überall grauenerregende Opfer seiner Schule...


Zum mittlerweile dritten Mal versucht der Serienkiller Charles Lee Ray aus dem Körper der Mörderpuppe "Chucky" heraus zu kommen, um endlich wieder im Körper eines Menschen auf Opferjagd zu gehen. Obwohl dieser dritte Teil nur ein Jahr nach seinem Vorgänger erschien, sind filmisch gesehen mittlerweile acht Jahre vergangen und aus dem kleinen Andy ist ein 16-Jähriger Teenager geworden, der eine Militär-Akademie besucht. Der am Ende des zweiten Teiles zerstörte "Chucky" ist durch diverse Umstände wieder ins Leben gerufen worden und versucht natürlich sofort, den Aufenthaltsort des Jungen ausfindig zu machen. Dabei ist dieses Mal überhaupt nicht Andy das Ziel seiner Begierde, denn da seine Seele in eine neue "Good Guy" Puppe transferiert wurde, kann er eine beliebige Person auswählen, der er zuerst von seinem Geheimnis erzählt. Die Wahl fällt dabei auf den jungen Kadetten Tyler der sich zunächst über den neuen besten Freund freut und erst später erkennt, das dieser nichts Gutes mit ihm im Sinn hat.

Ziemlich schnell entpuppt sich die Geschichte als äußerst spannend und beinhaltet auch das nötige Tempo, um für ein kurzweiliges Film-Vergnügen beim Zuschauer zu sorgen. Mit Jack Bender saß hier nun schon der dritte Regisseur auf dem berühmten Stuhl, doch auch ihm ist es wirklich sehr gut gelungen, das typische "Chucky-Feeling" zu erzeugen, das schon die ersten beiden Teile so ausgezeichnet hat. Einmal mehr präsentiert sich der Puppen-Killer als extrem fies-und bösartig und ist dabei auch um so manchen derben Spruch nicht verlegen. So offenbart sich einmal mehr die genau richtige Mixtur aus Horror-und Humor, wobei sich beide Zutaten die Waage halten. Ganz nebenbei ist das Szenario allerdings auch mit einigen üblichen Klischees behaftet, die sich insbesondere auf den Umgang der Rekruten innerhalb der Militär-Akademie zu erkennen geben. So müssen die jungen Rekruten beispielsweise unter einem äußerst gehässigen Ausbilder leiden, der besonders einige seiner Untergebenen immer wieder aufs Neue schikaniert.

Als wenn die Stimmung dadurch nicht schon sowieso vergiftet wäre, kommt dann mit unserem Freund "Chucky" ein noch weitaus größeres Problem auf die Teenager zu, denn als erst einmal erkenntlich wird, das diese Figur nicht lediglich den Fantasien von Andy entspringt, verschärfen sich die Ereignisse ungemein. Der kleine Killer hat nämlich so einige Ideen parat, die mit der Zeit nicht nur für große Verwirrung, sondern auch für blutige Szenen sorgen. Dabei ist auch in vorliegendem Film wie schon in den voran gegangenen Teilen kein hoher visueller Härtegrad zu erwarten, denn bis auf etwas Blut und einige Einschüsse bewegt sich alles in einem normalen Rahmen. Und so läuft die ganze Chose wieder einmal auf einen finalen Showdown hinaus, der sich dieses Mal in einem Vergnügungspark in der nähe der Akademie befindet. Wie schon im zweiten Teil der Reihe bekommt man an dieser Stelle den absoluten Höhepunkt der Geschichte serviert, denn die letzten Minuten gestalten sich wirklich recht spektakulär und äußerst sehenswert.

So kann man dann auch nach der dritten Runde mit der beliebten Mörderpuppe einen überdurchschnittlich guten Gesamteindruck bestätigen, was ja ganz generell ein Markenzeichen dieser Filme ist, von denen keiner als Meisterwerk bezeichnet werden kann, die aber durch die Bank sehr kurzweilige Horror-Unterhaltung präsentieren, die man sich auch heute immer wieder gern zu Gemüte führt. "Chucky" ist dabei sicherlich nicht der härteste-oder gar brutalste Killer des Genres, aber mit seinen derben Sprüchen und der sehr fiesen Art sammelt er immer wieder etliche Pluspunkte beim Betrachter, denn trotz seiner gemeinen Taten hat man wohl kaum einen anderen Killer so lieb gewonnen wie ihn.


Fazit:


Auch der mittlerweile dritte Streich gestaltet sich absolut sehenswert und zeigt einmal mehr eine Killerpuppe in Bestform. Natürlich sollte man auch hier keine sonderlichen Neuerungen erwarten, denn die "Chucky-Filme" laufen ja im Prinzip allesamt nach dem gleichen Schema ab. Dennoch ist es immer wieder erfrischend, den kleinen Kerl in Action zu sehen und von seinen berüchtigten Wutausbrüche kann man sowieso nie genug bekommen. Letztendlich bewegt sich auch das Werk von Jack Bender auf dem gleichen guten Niveau seiner Vorgänger und kann so bedenkenlos empfohlen werden.


8/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Di 12. Nov 2013, 12:43
von horror1966
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Curse of Chucky
(Curse of Chucky)
mit Chantal Quesnelle, Fiona Dourif, Jordan Gavaris, Danielle Bisutti, A Martinez, Maitland McConnell, Brennan Elliott, Summer H. Howell, Adam Hurtig, Darren Wall, Will Woytowich, Anne Leveille, Kally Berard, Kyle Nobess
Regie: Don Mancini
Drehbuch: Don Mancini
Kamera: Michael Marshall
Musik: Joseph LoDuca
FSK 16
USA / 2013

Als Nica ein seltsames Paket mit einer Puppe erhält, schenkt sie diesem zuerst keine Beachtung. Sorglos überlässt sie die niedliche Puppe ihrer Nichte Alice, die mit ihren Eltern zu Besuch ist. Als kurz darauf nicht nur Nicas Mutter auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, beschleicht Nica der Gedanke, dass diese Puppe alles andere als ein harmloses Kinderspielzeug ist ...


Nach dem 2004 erschienenen "Chucky's Baby" hatte wohl kaum einer mehr damit gerechnet, das der beliebten Mörderpuppe noch ein weiterer Film gewidmet würde. Umso erfreulicher ist die Tatsache, das sich Erfinder Don Mancini noch einmal selbst auf den Regiestuhl begeben hat und mit "Curse of Chucky" einen weiteren Beitrag der Reihe präsentiert, der fast in allen Belangen absolut überzeugen kann. Besonders erwähnenswert erscheint dabei der Aspekt, das Mancini auch eine brücke zum Original schlägt, denn in einer längeren s/w Passage wird dem Zuschauer im Laufe der Zeit der Zusammenhang mit den hier dargestellten Ereignissen näher gebracht, so das die gesamte Reihe einen sehr stimmigen und runden Abschluss finden kann. Bis es jedoch so weit ist wird man zunächst mit einer Geschichte konfrontiert die scheinbar vollkommen unabhängig zu den bisherigen erscheint, aber dennoch von Beginn an einen sehr konstanten Spannungsbogen offenbart, der zudem durch eine wirklich äußerst gelungenen Atmosphäre unterstützt wird, die einem ein teils herrlich gruseliges Szenario präsentiert. Meiner Meinung nach ist dies die ganz große Stärke des Filmes, denn durch die Location der weiträumigen alten Villa macht sich fast schon die Grundstimmung eines Haunted House Gruslers breit, was der gesamten Chose sehr zu gute kommt.

Bis "Chucky" selbst das erste Mal tätig wird vergeht zwar eine geraume Zeit, trotzdem entpuppen sich die Ereignisse durchgehend als spannend und man spürt dabei förmlich das drohende Unheil aufkommen. Durch die begrenzte Anzahl der Opfer bekommt man nicht unendlich viele Morde serviert, doch die vorhandenen lassen dabei einen Härtegrad erkennen, denn man bisher in keinem anderen Teil der Reihe zu Gesicht bekommen hat. So ist man dann auch eher überrascht das die enthaltenen blutigen Passagen die FSK nicht dazu bewogen haben hier eine höhere Alterseinstufung vorzunehmen, denn einige Stellen der Story sind wirklich recht derbe ausgefallen. Wie dem aber auch sei, es ist das Gesamtbild das hier absolut überzeugt und die Kombination aus Horror, Grusel und einigen harten Einstellungen hinterlässt einen absolut tollen Gesamteindruck beim Betrachter. Einziges Manko sind einige auftretenden Logiklöcher, die sich im Verlauf der Geschichte ergeben (Gastauftriit Jennifer Tilly), denn hier kann man durchaus zu der Meinung gelangen, das "Curse of Chucky" als verbindunsteil zwischen "Chucky 3" und "Chucky und seine Braut" angesehen werden kann, was jedoch durch die Passage nach dem Abspann des Filmes eindeutig wiederlegt wird.

Genau diese kurze Sequenz nach dem eigentlichen Ende deutet auch darauf hin, das hier jetzt wohl das endgültige Ende der "Chucky-Thematik" besiegelt wurde. Allerdings wäre es auch nicht wirklich verwunderlich, wenn den Machern noch einige Ideen einfallen, um den kleinen Kerl ein weiteres Mal auf die Menschheit los zu lassen, was jedoch den insgesamt sehr stimmigen Gesamteindruck der Reihe etwas zerstören wurde. Doch ganz egal was in der Zukunft eventuell noch passiert, Don Mancini hat hier ein sehenswertes Werk auf den Weg gebracht, das rein atmosphärisch gesehen wohl das Beste von allen sechs erschienenen Teilen ist und zudem mehr Härte beinhaltet, als alle bisherigen Filme zusammen. Doch nicht nur daran sollte man die vorliegende Geschichte messen, die zudem auch durch wirklich gutes Schauspiel der Akteure ins Auge fällt. Besonders hervorheben sollte man dabei Fiona Dourif, die in der Hauptrolle eine glänzende Performance abliefert. Und so hat Mancini hier einen richtig gelungenen Beitrag abgeliefert, der in meinen Augen mindestens die gleiche Qualität besitzt wie das Original, wobei dies wie immer reine Geschmackssache ist. Erstklassige Kamerafahrten, eine größtenteils düstere Optik und ein Grusel-Feeling das man bisher kaum kannte machen "Curse of Chucky" zu einem wahren Freudenfest für die Fans, die von diesem Abschluss begeistert sein dürften.

Abschließend sollte man noch erwähnen, das der gute "Chucky" rein optisch ein wenig verändert erscheint, denn sein Gesicht lässt doch kleinere Abweichungen zum Original erkennen. Vielleicht erschien das auch nur mir so, doch ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren das optische Veränderungen zu erkennen sind. Das soll jedoch keinerlei negative Kritik sein, nur ist mir dieser Aspekt förmlich ins Auge gesprungen. Letztendlich ist es aber auch vollkommen egalt, bekommt man doch ein äußerst stimmiges-und sehenswertes Filmchen serviert, das einerseits zu den Ursprüngen des Serienkillers Charles Lee Ray zurückführt und auf der anderen Seite auch eine Brücke zu "Chucky und seine Braut" schlägt, so das in vorliegendem Fall auch nicht mit innovativen Elementen gegeizt wurde.


Fazit:


Konnte man Anfangs noch eher skeptisch sein ob ein weiterer Ableger der Reihe sein muss, so muss man dies nach der Sichtung des Filmes ganz klar mit einem Ja beantworten. Mancini hat dabei etliche Elemente eingefügt, die erst jetzt ein absolut klares Gesamtbild ergeben und die ganze Chose nahezu perfekt abrunden. Für echte Fans ist dieses Werk absolut unverzichtbar und es macht einfach riesigen Spaß, den kleinen Killer noch einmal bei der Arbeit zu beobachten, auch wenn es nun höchstwahrscheinlich zum letzten Mal war.


8,5/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mi 13. Nov 2013, 17:27
von horror1966
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Chucky und seine Braut
(Bride of Chucky)
mit Jennifer Tilly, Katherine Heigl, Nick Stabile, Alexis Arquette, Gordon Michael Woolvett, John Ritter, Lawrence Dane, Michael Johnson, James Gallanders, Janet Kidder, Vince Corazza, Kathy Najimy
Regie: Ronny Yu
Drehbuch: Don Mancini
Kamera: Peter Pau
Musik: Graeme Revell
FSK 18
USA / 1998

Vor zehn Jahren zauberte Serienkiller Chucky seine schwarze Seele in eine Puppe. Er setzte sein grausames Treiben fort, bis er in die Hände der Polizei fiel. Aber seine Ex-Freundin Tiffany kann ihn nicht vergessen und besorgt sich Chuckys Überreste. Sie flickt ihn zusammen und spricht in dunkler Nacht eine Zauberformel Chucky kehrt ins Reich der Lebenden zurück. Als er sich weigert, Tiffany zu heiraten, sperrt diese ihn ein. Doch die Killertruppe rächt sich...


Manch einer mochte es kaum glauben, doch obwohl der gute Chucky am Ende des dritten Teils eigentlich vollkommen zerstört wurde, feierte der kleine Killer sieben Jahre später seine Auferstehung. Durch die Hilfe seiner Ex-Freundin Tiffany kehrt die Killerpuppe ins Leben zurück und bekommt durch einen herbeigeführten Unfall zusätzliche Hilfe, wird doch auch Tiffany's Seele in eine weibliche Puppe gezwungen, so das die beiden von nun an als gefürchtetes Pärchen auf Menschenjagd gehen, damit sie mit Hilfe eines Amuletts wieder in menschliche Körper zurückkehren können. Von vielen Leuten wird dieser Teil als schwächster der gesamten Reihe angesehen wobei ich diese Einschätzung nicht so ganz teilen kann. Eventuell kann man sich daran stören, das die Geschichte phasenweise zu sehr in die Richtung einer Horror-Komödie tendiert denn die humorigen Anteile gestalten sich in diesem Szenario weitaus stärker als in den Vorgängern, doch insgesamt gesehen präsentiert sich auch in vorliegendem Fall eine recht gelungene Mischung, die auch mit einigen blutigen Passagen angereichert wurde, um die Tradition der ersten drei Teile nahtlos weiter zu führen.

Über die fiese Art von "Chucky" bräuchte man im Prinzip keinerlei Worte verlieren, doch in "Chucky und seine Braut" erfahren seine bitter-bösen Sprüche und grausamen Ideen noch einmal eine ganz andere Qualität, wobei ihm seine Braut jedoch in nichts nachsteht. Allerdings ist bei der guten Tiff zumindest noch ein Rest von menschlichen Emotionen zu erkennen, was insbesondere am Ende des Filmes stark zum Ausdruck kommt und den guten "Chucky" einmal mehr davon abhält, wieder menschliche Gestalt anzunehmen. Das Werk von Ronny Yu nimmt in der heutigen Zeit und nach der Sichtung des neuesten Filmes "Curse of Chucky" sogar einen ganz neuen Stellenwert in der Reihe ein, so kann man dem Zuschauer sogar durchaus empfehlen, sich den neuen Streich von Don Mancini vor diesem Film anzuschauen, werden dort doch einige Zusammenhänge aufgedeckt, die "Chucky und seine Braut" als Teil 5 zu deklarieren, was andererseits durch auftretende Logiklöcher auch wieder verworfen wird. Es ist aber auch vollkommen egal, denn einmal mehr bekommt man hier das typische Chucky-Feeling präsentiert und kann sich an einer weiteren und sehr unterhaltsamen Story erfreuen, in der es streckenweise ordentlich zur Sache geht.

Dennoch erscheint das Szenario nicht ganz so stimmig-und atmosphärisch wie seine Vorgänger, was eventuell im an manchen Stellen zu stark ausgeprägten Humor begründet ist. Bietet dieser zwar genügend Angriffe auf die Lachmuskeln, so fällt es auf der anderen Seite doch größtenteils recht schwer, die Geschichte wirklich ernst zu nehmen. Natürlich trat dieser Aspekt auch schon bei den ersten Filmen auf, war aber noch sie so ausgeprägt im Vordergrund zu verspüren, wie es hier der Fall ist. So bezieht sich ein Großteil des Geschehens beispielsweise auf die Beziehung der beiden Puppen zueinander und vernachlässigt dabei ein wenig die anderen Elemente. Das sorgt natürlich für etliche witzige-und streckenweise echt skurrile Momente, verleiht dem Ganzen jedoch einen fast schon trashigen Anstrich und lässt so eher selten eine wirkliche Horror-Atmosphäre aufkommen, die nur ab und zu einmal ein wenig durchschimmert. Die Verteilung der einzelnen Zutaten sind also dieses Mal nicht gänzlich ausgewogen, was letztendlich wohl auch der Hauptgrund dafür sein dürfte, das viele Fans mit diesem Teil nicht wirklich viel anfangen können.

Dennoch versteht es Ronny Yu durchaus, dem Betrachter zumindest sehr kurzweilige Unterhaltung zu präsentieren. Die Idee der Mörderpuppe eine Gefährtin zu geben ist wirklich nicht von schlechten Eltern, aber man sollte sich dadurch darüber im Klaren sein, das die Geschehnisse ab sofort mehr in die Richtung einer Komödie tendieren, als das man einen ernsten Horrorfilm serviert bekommt. Wenn man sich damit abfinden kann, bekommt man hier die volle Dröhnung "Chucky" spendiert, die durch die emanzipierte Tiffany einen zusätzlichen Schub erhält. Zudem lässt sich die gute Frau auch nicht alles von ihrem männlichen Gegenpart gefallen, so das die mordende Puppe sich nicht nur mit menschlichen Gegnern, sondern auch mit der eigenen Braut auseinandersetzen muss, die ihm teilweise so richtig ordentlich zusetzt.


Fazit:


Weitaus mehr Humor als in den vorherigen Filmen und teilweise skurrile Situationskomik sorgen hier für jede Menge Spaß, nehmen dem Film aber auch jegliche Ernsthaftigkeit. So kann man schwerlich von einem Horrorfilm sprechen, obwohl die Geschichte einige durchaus blutige Momente beinhaltet. "Chucky und seine Braut" ist definitiv nicht der beste Film der Reihe, aber auch längst nicht so schlecht geraten, wie manche Kritiken es eventuell vermuten lassen könnten.


6,5/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Do 14. Nov 2013, 12:58
von horror1966
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Sieben
(Se7en)
mit Morgan Freeman, Brad Pitt, Daniel Zacapa, Gwyneth Paltrow, John Cassini, Bob Mack, Kevin Spacey, Peter Crombie, Reg E. Cathey, R. Lee Ermey, Hawthorne James, Charline Su, Dominique Jennings, Mario Di Donato
Regie: David Fincher
Drehbuch: Andrew Kevin Walker
Kamera: Darius Khondji
Musik: Howard Shore
FSK 16
USA / 1995

Eine unheimliche Mordserie erschüttert die City, in der zwei grundverschiedene Cops, der alte William Somerset und sein junger Hitzkopfpartner David Mills, gemeinsam ihren Dienst verrichten. Jede der bestialischen Gewalttaten verweist auf eine der sieben biblischen Todsünden. Mit nicht immer legalen Tricks kommen die Cops dem Serienkiller schließlich auf die Spur. Als sich dieser, in die Enge getrieben, sogar selbst stellt, scheinen die Polizisten den Fall abschließen zu können - doch der Schein trügt.


Thriller mit Serienkiller-Thematik gibt es zur Genüge, doch nur ganz wenige hinterlassen einen wirklich bleibenden-und nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer. Beispiele dafür sind ganz sicher Filme wie "Das Schweigen der Lämmer" oder auch "Resurrection - Die Auferstehung" und natürlich das vorliegende Meisterwerk von David Fincher. Mit "Sieben" hat der bekannte Regisseur eine Geschichte auf den Weg gebracht, die fast gänzlich auf explizite Gewaltdarstellungen verzichtet, aber dennoch einen immensen Härtegrad entfaltet, der sich durch die psychologische Schiene mehr als nur bemerkbar macht. So werden einem keinesfalls die brutalen des scheinbar religiös-fanatischen Mörders gezeigt, stattdessen wird man immer nur mit den getöteten Opfern konfrontiert und hat als Anhaltspunkt für die bestialischen Morde lediglich die Dialoge, die zwischen den beiden ermittelnden Detectives Somerset und Mills ausgetauscht werden. Dabei erhält man eine detaillierte Schilderung darüber, wie sich die Taten des Killers abgespielt haben müssen und genau in diesem Punkt zeigt sich eine der herausragenden Stärken dieses Werkes, das wie ein Dampfhammer auf die Psyche des Betrachters einschlägt. Entfalten sich doch in der eigenen Fantasie Bilder, die voller Wucht und Intensität auf einen einprasseln, so das die dabei entstehende Härte weitaus stärker daher kommt, als wenn man das Szenario mit visuellen Gewaltdarstellungen angereichert hätte. So wird man auch von der ersten Minute an mit einer Gänsehaut überzogen, versprüht "Sieben" doch eine so dermaßen dichte-und düstere Grundstimmung, das diese einen wie ein Mantel einhüllt und dabei ein extrem beklemmendes Gefühl auslöst, das man bis zum bitteren Ende nicht ablegen kann.

Unterstützt wird das Ganze durch eine sehr düstere Optik des Geschehens, die durch den anhaltenden Dauerregen in der Stadt noch zusätzlich unterstützt wird. Durch den religiösen Hintergrund der Morde gewinnen die Ereignisse immer mehr an Bedrohlichkeit und je mehr man über die Motive des Täters erfährt, desto mehr verdichtet sich die schon von Haus aus einzigartige Atmosphäre zu einem morbide erscheinenden Seherlebnis, das einem mächtig unter die Haut geht. Wohl eher selten hat man einen Thriller präsentiert bekommen, der einen so mitnimmt und ganz unweigerlich in einen sogartigen Strudel der Ereignisse zieht, aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt. Dabei wird die gesamte Geschichte im Prinzip lediglich von seinen drei Haupt-Charakteren getragen, wobei die meisten Spielanteile auf Morgan Freeman (Somerset) und Brad Pitt (Mills) fallen. Unterschiedlicher könnte ein ermittelndes Team kaum ausfallen, den mimt Freeman den kurz vor der Pensionierung stehenden Beamten mit einer fast stoischen Ruhe und rückt damit die Erfahrung und Ruhe von unzähligen Dienstjahren perfekt in den Fokus, so steht mit Mills ein ungeduldiger-und hitzköpfiger Heißsporn an seiner Seite, der zum Ende hin noch auf tragische Art und Weise in den morbiden Plan des Serienkillers hineingezogen wird. Trotz der total unterschiedlichen Charaktere ergänzen sich die beiden Beamten ganz hervorragend und das dabei dargebotene Schauspiel von Pitt und Freeman kann man wohl ohne Übertreibung als brillant bezeichnen. Dennoch stiehlt ihnen der gute Kevin Spacey ein wenig die Schau, denn obwohl er in der Rolle des Mörders erst im letzten Drittel des Filmes auch im Bild erscheint, ist seine Performance an Genialität schwerlich zu überbieten.

Die restlichen Darsteller kann man getrost vernachlässigen, lediglich Gwyneth Paltrow als Ehefrau von Mills nimmt noch einen erwähnenswerten Stellenwert in der Geschichte ein, wohingegen sämtliche anderen Charaktere nicht über den Status einer nötigen Staffage herauskommen. Das ist aber auch gar nicht weiter schlimm, denn das gesamte Szenario lebt von den vier Hauptfiguren und wird von diesen ganz allein getragen. So entpuppt sich auch Fincher's Erzählweise der Abläufe so, das sie vollkommen auf diese Charaktere zugeschnitten ist und keinerlei Freiraum für irgendwelche Nebenfiguren lässt. Dadurch erscheint einem das Ganze noch weitaus dichter und man wird immer tiefer in einen Plan hinein gezogen, der auf eine äußerst grausame Art eine gewisse Faszination freisetzt. Dabei eröffnet sich dem Zuschauer erst ganz am Ende die ganze Grausamkeit des Mörders und Fincher konfrontiert einen an dieser Stelle wohl mit einem der härtesten-und verstörendsten Schlusspunkte, die einem je in der Geschichte des Films präsentiert wurde. Auch hier wird dieser Eindruck nicht durch visuelle Gewalt ausgelöst, sondern lediglich durch Andeutung dessen, was der Serienkiller getan hat. Die psychische Wirkung ist dabei von einer solchen Vehemenz, das man gerade bei der ersten Sichtung des Filmes unter einer extremen Schockwirkung steht und das Ganze erst einmal lange sacken lassen muss, bevor man wieder zur normalen Tagesordnung übergehen kann. Allerdings ist es im Prinzip vollkommen egal wie oft man "Sieben" schon gesehen hat, der finale Showdown ist immer wieder verstörend und geht einem nahe, gleichzeitig wird man förmlich von einer Welle voller menschlichen Emotionen überrollt, in der sich grenzenlose Wut, Mitleid, Verzweiflung, Schmerz und Verständnis regelrecht überschlagen, bis man dann wieder einen klaren Gedanken fassen kann.

"Sieben" ist also nicht einfach nur ein handelsüblicher 08 / 15 Thriller mit Serienkiller-Thematik, vielmehr handelt es sich um ein echtes Meisterwerk seiner Art, in dem einfach sämtliche Details absolut perfekt aufeinander abgestimmt sind und so ein Gesamtwerk ergeben, das man nicht so schnell vergisst. Herausragende Hauprdarsteller, eine wirklich einzigartige Atmosphäre und absolute Hochspannung garantieren hier nicht nur für ein erstklassiges Film-Erlebnis, sondern gleichzeitig auch für eine Intensität, die man in dieser Form nicht jeden Tag geboten bekommt. An diesem Film gibt es wirklich überhaupt nichts zu kritisieren, gehen doch sämtliche Elemente der Geschichte perfekt ineinander über und sorgen so für einen absolut hervorstechenden Gesamteindruck. Auch knapp zwei Jahrzehnte nach seinem Erscheinen zieht einen "Sieben" immer wieder in seinen Sog und überzieht den Betrachter mit einer Gänsehaut, die man beim besten Willen nicht ablegen kann. Die Thematik der sieben Todsünden wird einem dabei so glaubwürdig und nachvollziehbar näher gebracht, das es einem in etlichen Passagen der Geschichte richtiggehend fröstelt und man fast zu dem Eindruck gelangt, selbst ein Teil der grausamen Geschehnisse zu sein.


Fazit:


David Fincher hat so einige tolle Filme gemacht, doch hier dürfte wohl ganz eindeutig sein Meisterstück vorliegen. Eine grandiose Story, knisternde Spannung, geniales Schauspiel und eine Grundstimmung, die an Brillanz nicht zu überbieten ist machen dieses Werk zu einem wahren Erlebnis, das man sich in regelmäßigen Abständen immer wieder gern zu Gemüte führt.


10/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Fr 15. Nov 2013, 12:06
von horror1966
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Sawney: Flesh of Man
(Sawney: Flesh of Man)
mit David Hayman, Samuel Feeney, Gavin Mitchell, William Houston, Shian Denovan, Elizabeth Brown, Fraser Sivewright, Will Sutton, Jean-Paul Jesstiece, Eilidh Nairn, Ross Maxwell, Ian Sexon, Lisa Cameron, Lindsay Cromar
Regie: Ricky Wood
Drehbuch: Rick Wood
Kamera: Ranald Wood
Musik: Jody Jenkins
keine Jugendfreigabe
Großbritannien / 2012

In Schottland wird eine junge Frau unter ungeheuerlichen Begleitumständen ermordet aufgefunden. Ein depressiver junger Journalist will sich nicht mit voreiligen Rückschlüssen abfinden, forscht weiter nach, als der Polizei lieb ist, und stößt auf eine ganze Serie ähnlicher Fälle, die man zu vertuschen versucht, um keine Panik in der Bevölkerung auszulösen. Unterdessen gelingt draußen in den verregneten Highlands einer weiteren jungen Frau die Flucht aus einem schrecklichen Gefängnis. Doch die Häscher sind ihr dicht auf der Spur.


Regisseur Rick Wood bedient sich bei seinem Regiedebüt des Mythos um Alexander "Sawney" Bean, der im 15. Jahrhundert als Anführer einer Kannibalen-Familie mit seiner Sippe angeblich über 1000 Menschen getötet und danach verspeist haben soll. Kurzerhand wurde die Geschichte in die Gegenwart verlegt und bietet dem Zuschauer ein sehenswertes Szenario das zwar nicht sonderlich überraschend daher kommt, aber dennoch durchgehend äußerst interessant und sehr atmosphärisch in Szene gesetzt wurde. Die Alterseinstufung des Filmes mag nun bei manch einem eventuell übersteigerte Hoffnungen an einen extrem blutigen Kannibalen-Film aufkommen lassen, die sich jedoch während der Geschichte relativ schnell regulieren dürften. "Sawney" legt den Fokus nämlich weniger auf explizite Gewaltdarstellungen, sondern entfacht seine Kraft hauptsächlich über die psychische Schiene. Dennoch enthalten die Geschehnisse einige durchaus heftige Passagen die jedoch nicht im Überfluss vorhanden sind. Das ist aber auch gut so, denn anstatt einer sinnlosen Schlachteplatte serviert Rick King viel eher eine Story voller Andeutungen, in der die handgemachten Effekte lediglich als willkommene Garnierung der Ereignisse gelten, die sich in den schottischen Highlands abspielen. Ganz generell ist die Location eine der großen Stärken des Werkes, präsentieren sich einem doch fantastische Landschaftsaufnahmen, die im Kontrast mit den düsteren Passagen in einem unterirdischen Höhlensystem eine sehenswerte Mischung ergeben. Hier nämlich führen "Sawney" und seine Helfer ihre grausamen Taten durch, die streckenweise auch ziemlich hart in Szene gesetzt wurden.

Dennoch definiert sich die Geschichte keinesfalls über den visuellen Härtegrad, es sind vielmehr diverse Ekel-Szenen und fast schon skurrile Momente, die dem Zuschauer kalte Schauer über den Rücken jagen. Dabei sind es insbesondere sexuelle Anspielungen die das Bild beherrschen und obwohl in den betreffende Momenten eine unfreiwillige Komik Einzug hält, hinterlässt das Ganze einen recht derben Eindruck, der den gewonnenen Gesamteindruck wunderbar untermalt. Selbstbefriedigung mit einer abgetrennten Hand oder auch Analverkehr mit einem noch lebenden Opfer lassen dabei einen äußerst morbiden-und makaberen Eindruck entstehen, so das es einem phasenweise regelrecht die Sprache verschlägt. Nun bietet das Geschehen zwar nichts was man nicht schon einmal gesehen hätte und lediglich ein zum Ende hin eingebauter Twist lässt einen kleinen Überraschungsmoment erkennen, dennoch ergibt sich eine Inszenierung die extrem stimmig und sehenswert ins Bild gesetzt wurde. Es mangelt im Prinzip nur ein wenig an wirklich aufkommender Spannung, denn die Vorhersehbarkeit der Geschehnisse lässt es kaum zu, das sich ein richtig konstanter Spannungsbogen aufbauen kann.

Hier gibt sich allerdings auch der einzige kleine Wermutstropfen einer Geschichte zu erkennen, die ansonsten in allen Belangen zu überzeugen weiß. Das bezieht sich auch auf das Schauspiel der Akteure, wobei man an dieser Stelle wohl ganz besonders David Hayman in der Rolle des "Sawney" hervorheben sollte. Durch seine Gestik und Mimik liefert er nämlich eine wunderbare Performance als Oberhaupt der Kannibalen-Sippe ab und die Freude-und Überzeugung an seinen schrecklichen Taten schießt ihm förmlich aus jeder Pore seines Körpers. Der Mann jagt einem durch seine Ausstrahlung den Schreck in die Glieder und man möchte um keinen Preis mit den Menschen tauschen, die in seine Fänge geraten. Ohne jegliche Gefühlsregung schlachtet er seine Opfer ab als wenn es das Normalste auf der Welt wäre. In den vorhandenen Dialogen rechtfertigt er dieses auch immer wieder mit religiösen Texten und bezieht sich auf Zitate von Jesus, was der ganzen Chose auch noch einen herrlich religiösen Anstrich verleiht, der dem Gesamtbild sehr zu Gute kommt.

Insgesamt gesehen kann man Rick Wood zu einem äußerst gelungenen Regiedebüt gratulieren, denn "Sawney: Flesh of Man" entpuppt sich trotz seiner Vorhersehbarkeit als extrem gelungener Genre-Beitrag, an dem man als Fan des Genres durchaus seine Freude haben dürfte. Fantastische Bilder, handgemachte Effekte und eine morbide Grundstimmung zeichnen dieses Werk aus, das lediglich keinen konstanten Spannungsaufbau erkennen lässt, der für zusätzlichen Nervenkitzel sorgt. Alles zusammen genommen ergibt sich aber dennoch der Eindruck, das sich der Film auf jeden Fall oberhalb des üblichen Durchschnitts ansiedelt und definitiv empfehlenswert erscheint.


Fazit:


"Sawney: Flesh of Man" erzählt eine interessante Story, in der sich die Härte hauptsächlich durch etliche Andeutungen und die Thematik an sich zu erkennen gibt. Einige blutige Einstellungen sind als sehenswerte Dreingabe anzusehen, die das das Geschehen noch zusätzlich intensiviert. So kann man also bedenkenlos zu diesem Film greifen, den man sich auch gern mehrmals anschauen kann.


7/10