horror's Reise durch die große Welt der Filme

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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Emperor - Kampf um den Frieden
(Emperor)
mit Matthew Fox, Tommy Lee Jones, Eriko Hatsune, Toshiyuki Nishida, Masayoshi Haneda, Kaori Momoi, Colin Moy, Masatoshi Nakamura, Masatô Ibu, Isao Natsuyagi, Takatarô Kataoka, Aaron Jackson, Nic Sampson, Shôhei Hino
Regie: Peter Webber
Drehbuch: Vera Blasi / David Klass
Kamera: Stuart Dryburgh
Musik: Alex Heffes
FSK 16
Japan / 2012

Für seine Untertanen ist er ein lebender Gott: Kaiser Hirohito. Doch sein Leben liegt in der Hand der amerikanischen Besatzer. Im Sommer 1945 landet General MacArthur im besiegten Japan, auch um über die Zukunft des Kaisers zu entscheiden. Soll er als Kriegsverbrecher hingerichtet werden oder seinen Status behalten? Eine hochbrisante Entscheidung, die die Zukunft der gesamten japanischen Nation beeinflussen wird. MacArthur delegiert die schwierige Aufgabe an den Japankenner General Bonner Fellers. Nur 10 Tage hat Fellers Zeit, um eine Empfehlung für die U.S.-Regierung zu formulieren. Doch neben dieser offiziellen Mission hat Fellers noch eine höchst private. Er sucht Aya, die junge Japanerin, in die er sich vor Jahren verliebt hat …


"Emperor" ist der genau richtig gewählte Titel für dieses intensive Nachkriegs-Drama, in dessen Mittelpunkt ein bisher selten beleuchteter Aspekt steht. Dreht sich doch im Prinzip die ganze Geschichte darum, welche Mitschuld der japanische Kaiser Hirohito am Pazifik-Krieg trägt, der sowohl auf Seiten der Japaner wie auch der USA unzählige Todesopfer forderte. So sollte man also von Anfang an darauf eingestellt sein das man hier keinen wirklichen Kriegsfilm voller Action präsentiert bekommt, sondern vielmehr ein Szenario, dessen Geschichte erst nach dem Kriegsende beginnt als die Amerikaner als Besatzungsmacht in der vollkommen zerstörten Hauptstadt Tokio eintreffen, um dort eine 10-tägige Untersuchung einzuleiten, in der die Schuld-oder Unschuld des Tenno festgestellt werden soll. Dabei beginnt Regisseur Peter Webber (Hannibal Rising) seine Erzählung mit Original-Bildern in s/w, die dem Zuschauer noch einmal die amerikanischen Bombenabwürfe auf Japan ins Gedächtnis rufen sollen und dieser Schachzug vermittelt einem dann auch gleich die erste leichte Gänsehaut. Das Aufsteigen des Atompilzes löst sofortiges Unbehagen aus, versetzt einen aber sogleich in genau die richtige Stimmung für diesen Film. Für die Liebhaber actionreicher Kost ist "Emporer - Kampf um den Frieden" sicherlich nicht die beste Wahl, lebt das Geschehen doch in der Hauptsache von seinen erstklassigen Dialogen und der intensiven Beleuchtung politischer Verhältnisse, sowie einem eindrucksvollen blick in die japanische Tradition.

Genau dieser Aspekt erfordert dann auch die Aufmerksamkeit des Betrachters, denn in etlichen Gesprächen zwischen dem Haupt-Charakter General Fellers (Matthew Fox aus Lost) und diversen hochrangigen japanischen Politikern versucht Peter Webber einen tiefen Eindruck in eine tief verwurzelte Tradition zu gewähren, die insbesondere uns Europäern ziemlich befremdlich erscheinen mag. Begriffe wie Stolz und Loyalität stehen dabei im Vordergrund und obwohl einem diese Worte sicherlich ein Begriff sind, bekommen sie hier doch eine vollkommen andere Gewichtung. Im Zentrum des Ganzen steht dabei immer die Person des Kaisers die in Japan den Status eines gottähnlichen Wesens inne hat und dieser Punkt wird vor allem auch dadurch extrem gut zur Geltung gebracht, das man die eigentliche Person erst kurz vor dem Ende des Filmes auch wirklich zu Gesicht bekommt. Bis dahin jedoch wird lediglich über die Figur gesprochen, so das sich fast schon zwangsläufig eine mystische Aura aufbaut, die gleichzeitig die Fantasie des Zuschauers in Gang bringt. Webber ist es dabei exzellent gelungen, eine Art sagenhafte Gestalt aufzubauen, wobei erst am Ende wieder die Realität in das Geschehen Einzug hält, als man endlich auch den menschlichen Körper des Tenno zu sehen bekommt. An dieser Stelle liegt ein äußerst gelungener Kontrast vor, denn die in der eigenen Fantasie entstandene Figur entspricht doch so gar nicht dem, was die menschliche Gestalt am Ende darstellt. Neben diesem für die Geschichte äußerst wichtigem Aspekt ist es aber auch der Unterschied zwischen der Außendarstellung und den wirklichen Gegebenheiten in Japan, der hier ein ganz wesentlicher Bestandteil einer Kultur ist, die nach unseren Maßstäben nur sehr schwer nachzuvollziehen ist. Kristallisiert sich doch im letzten Drittel des Filmes heraus, das der Kaiser eben nicht diese allmächtige Person ist, der alle Untertanen anscheinend blind folgen und hauptsächlich repräsentative Wirkung ausstrahlen soll, wobei die eigentliche Macht viel eher in den Händen diverser Politiker und des Militärs lagen, die unter keinen Umständen einer Kapitulation Japans zustimmen wollten.

Man merkt also, das "Emporer - Kampf um den Frieden" durchaus eine Art von Geschichtsunterricht darstellt, der hier in einer sehr interessanten-und informativen Form ins Bild gesetzt wurde. Gleichzeitig beinhaltet das Werk aber auch den Nebenerzählstrang einer tragischen Liebesgeschichte, die jedoch absolut passend erscheint und dem Ganzen eine teils sehr emotionale Note beifügt. Dabei wurde sorgsam darauf geachtet, zu keiner Zeit die Verhältnismäßigkeit der Ereignisse außer acht zu lassen, so das dieser Teil der Geschichte nie die Oberhand gewinnt oder dem Szenario einen kitschigen Anstrich verleiht. Im Prinzip ergibt sich so ein insgesamt herausragender Gesamteindruck eines Filmes, der wenn überhaupt nur einen kleinen Wermutstropfen beinhaltet. Die Figur des legendären Generals Douglas MacArthur (Tommy Lee Jones) der später auch Präsidentschafts-Kandidat war kommt leider etwas zu kurz. Gerade diese Figur hätte man noch etwas tiefer beleuchten können und etwas stärker in die Abläufe integrieren müssen. Die Person wird jedoch eher oberflächlich in eine Nebenrolle gepresst und kann so nicht wirklich zur Entfaltung kommen. Dennoch wird sie aber von Jones gut dargestellt, hat aber erst ganz am Schluss ihren großen Auftritt, als es zu einem Treffen mit dem japanischen Kaiser kommt. Hier hat sich Webber noch einmal einen absoluten Höhepunkt aufgespart, denn vollkommen anders wie eigentlich geplant entwickelt sich ein wahres Feuerwerk an Menschlichkeit, das nach dem kontinuirlichen Aufbau einer gottähnlichen Person keinesfalls zu erwarten war. Die bis dahin in Dialogen geschilderte Unnahbarkeit des Tenno fällt in einer einzigen Passage vollkommen in sich zusammen und präsentiert vielmehr ein stinknormales Wesen aus Fleisch und Blut, das in seiner äußeren Erscheinung zudem hilfebedürftig und verletzlich erscheint.

Letztendlich ist dies ein absolut passendes Finale in einer Geschichte die dem Betrachter nicht nur einen glaubwürdigen Eindruck verleiht, sondern ihn auch durchaus menschlich berührt. Gleichzeitig handelt es sich um eine äußerst gute Beleuchtung der japanischen Traditionen, auch wenn diese natürlich nur in gewissen Zügen erfolgen kann. Trotzdem kann sich manch einer nach der Sichtung des Filmes eventuell einen besseren Eindruck über ein Volk und seine Traditionen machen, die in unseren Breitengraden doch immer noch eher mysteriös und unverständlich wirken. Wie dem aber auch sei, Peter Webber hat mit viel Gespür für das Wesentliche eine eindrucksvolle Inszenierung geschaffen, die einen von der ersten bis zur letzten Minute absolut fasziniert und gleichzeitig berührt. Grandioses Schauspiel, hochklassige Dialoge und kraftvolle Bilder ergeben einen Gesamteindruck, den man einfach nur als hervorragend bezeichnen kann und genau diese Bezeichnung hat ein Film wie "Emporer - Kampf um den Frieden" auch verdient.


Fazit:


Es ist schon wirklich ein sehr starkes Stück Film das sich einem hier präsentiert. In knapp 100 Minuten Laufzeit bekommt man äußerst interessanten Geschichtsunterricht geboten, der mit erstklassigen Bildern, einem glaubwürdigen Eindruck und hervorragenden Darstellern untermauert ist. Das Mediabook von Ascot Elite ist dabei eine grandiose Veröffentlichung das in seiner 3 Disc Limited Edition den Film auf DVD sowie auf Blu-ray präsentiert und auch noch eine DVD mit etlichen Extras beinhaltet. Besonders zu erwähnen ist auch noch das sehr informative Booklet, das einem insbesondere die Geschichte Japans ein wenig näher bringt. Eine absolut lohnenswerte Veröffentlichung, für die ich nur eine unbedingte Empfehlung aussprechen kann.


9/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Porno Holocaust
(Porno holocaust)
mit George Eastman, Dirce Funari, Annj Goren, Mark Shannon, Joe D'Amato, Lucia Ramirez
Regie: Joe D'Amato
Drehbuch: George Eastman
Kamera: Joe D'Amato
Musik: Nico Fidenco
ungeprüft
Italien / 1981

Auf einer einsamen Insel passieren merkwürdige Dinge. Regelmäßig werden an der Küste tote Fischer angetrieben, die sich kurz zuvor in der Nähe der Insel befanden. Ein Untersuchungsausschuss wird beauftragt, den Dingen nachzugehen. Es wird festgestellt, das diverse Meerestiere, wie zum Beispiel Krebse, in Größe und Verhalten stark mutiert sind. Eine Expedition zur Insel soll die Klärung bringen. Stecken vielleicht damalige Atomverschmutzungen dahinter? Man kommt hinter ein schreckliches Geheimnis! Die Insel wird zum "Zombie Porno Holocaust".


Es soll ja sogar Leute geben die diesen filmischen Schund als Klassiker ansehen, was ich persönlich nun überhaupt nicht nachvollziehen kann. Als gelungene Mischung aus hartem Horror und prickelnder Erotik auf der Rückseite des DVD - Covers angepriesen, offenbart sich dem Zuschauer lediglich ein unglaublich langatmiges Szenario, das im Prinzip ohne jegliche Handlung daher kommt und ausschließlich durch seine unzähligen Hardcore - Passagen auffällt. Mich verwundert es ehrlich gesagt ein wenig, das hier anscheinend überhaupt ein Drehbuch vorliegt, denn einen echten Handlungsstrang kann man eigentlich kaum erkennen. Stattdessen präsentieren sich immer wieder diverse Figuren, die man eingehend bei sexuellen Aktivitäten beobachten kann, wobei die Kamera immer voll drauf hält, um auch ja nicht die kleinste Kleinigkeit zu verpassen. Hier von einem Horrorfilm zu sprechen verbietet einem schon der gute Anstand, denn bis es überhaupt einmal eine Szene gibt die darauf hindeuten könnte, vergehen sage und schreibe volle 70!!!! Minuten, in denen geblasen und gevögelt wird bis der Notarzt kommt.

Anders kann man es leider wirklich nicht ausdrücken, denn jede andere Beschreibung würde der Sache noch nicht einmal ansatzweise gerecht werden. Auch in D'Amatos "In der Gewalt der Zombies" gibt es ja etliche Hardcore-Passagen zu beobachten, doch existieren von diesem Film zumindest eine Horror-und eine Hardcore Version, so das man als Zuschauer wenigstens eine Wahl hat. Wäre es bei vorliegendem Werk auch der Fall, dann würde es sich bei der Horror-Variante definitiv um einen Kurzfilm handeln, denn die wenigen Sequenzen könnte man locker in 10 Minuten unterbringen. Zudem sind diese noch nicht einmal sonderlich hart oder bedrohlich und eine entsprechende Grundstimmung will nach über einer Stunde Sex am Stück erst gar nicht aufkommen, doch darauf ist diese Geschichte von Haus aus schon nicht ausgelegt. Das D'Amato ganz generell nicht sonderlich viele bemerkenswerte Filme geschaffen hat ist ja wahrlich keine Neuigkeit, ebenso sein Faible für den Schmutz im Film, der hier einmal mehr explizit zum Ausdruck kommt.

Was sich in der Inhaltsangabe noch einigermaßen hoffnungsvoll anhört, entpuppt sich nach Ansicht des Szenarios als mittelschwerer Witz. So etwas wie aufkommende Spannung oder ähnliche Dinge sollte man erst gar nicht erwarten, denn einzig und allein die Frage nach dem Päärchen das als nächstes auf die Matte geht, beschäftigt hier den Betrachter. Andererseits erübrigt sich die Fragestellung aber auch gleich wieder, denn immer wenn eine ausführliche Sex-Passage beendet ist, reiht sich die nächste fast nahtlos an. Mehrt kann man auch wirklich nicht über dieses ominöse Werk berichten, nur das zwischendurch auch einige Dialoge vorhanden sind, womit ich jetzt aber nicht auf das wollüstige Gestöhne beim jeweiligen Paarungs-Ritual anspiele. Nein, manchmal sprechen die Akteure auch miteinander, wobei sich die inhaltliche Substanz der Wortwechsel in einem extrem eingeschränkten Rahmen bewegt. Die deutsche Synchronisation tut ihr Übriges dazu, die Geschichte auch in diesem Bereich zu einem sogenannten Rohrkrepierer mutieren zu lassen, andererseits passen die Stimmen absolut zu dem sinnlosen Gebrabbel, das unter den Akteuren ausgetauscht wird.

Im Endeffekt muss ich jedoch zugeben, das "Porno Holocaust" definitiv doch zu den absoluten Klassikern gehört, allerdings beschränkt sich das ganz eindeutig nur auf die Rubrik "Filme, die nun wirklich keiner braucht". Und wenn man dann auch noch über eine Genre-Einteilung dieses filmischen Mülls nachdenkt, landet man doch ganz automatisch wieder beim Horrorfilm. Der einzige Unterschied besteht lediglich in der Tatsache, das dieses Werk rein filmisch gesehen der absolute Horror ist und in meinen Augen sogar einen echten Offenbarungseid darstellt.


Fazit:


Wer einen guten Porno sehen will sollte lieber in die Videothek gehen und sich einen ausleihen. Freunde des Horrorfilms sollten ebenso die Finger von diesem Schund lassen, so das letztendlich eigentlich überhaupt keine Notwendigkeit geschweige denn ein Reiz vorliegt, seine kostbare Lebenszeit mit diesem Dreck zu vergeuden.


1/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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The Iceman
(The Iceman)
mit Michael Shannon, Winona Ryder, Chris Evans, Ray Liotta, David Schwimmer, Robert Davi, Danny A. Abeckaser, John Ventimiglia, Ryan O'Nan, McKaley Miller, James Franco, Megan Sherrill, Stephen Dorff, Hector Hank
Regie: Ariel Vromen
Drehbuch: Morgan Land / Ariel Vromen
Kamera: Bobby Bukowski
Musik: Haim Mazar
FSK 16
USA / 2013

Als der Gelegenheitsgangster Richard Kuklinski in den frühen 60er Jahren Roy DeMeo, ein Mitglied der Gambino-Familie, mit seiner Kaltblütigkeit beeindruckt, hat er bereits ein halbes Dutzend Menschen getötet und kein Problem damit, der Liste weitere hinzu zu fügen. Während er eine Frau heiratet, drei Töchter zeugt und für die Nachbarn ein netter Kerl ist, verbreitet Kuklinski nackten Terror in der Unterwelt. Als er jedoch auch Aufträge anderer Gangster übernimmt, kommt es zu einem folgenreichen Zerwürfnis mit DeMeo.


Die kurze und knappe Inhaltsangabe deutet im Prinzip nur recht vage auf ein filmisches Szenario hin, das auf dem Leben des Verbrechers Richard Kuklinski basiert, der aufgrund seiner von ihm ausgehenden Kälte schlicht und ergreifend "The Iceman" genannt wurde. Unter der Regie von Ariel Vromen entstanden, setzt die Geschichte zeitlich gesehen im Jahre 1964 an und präsentiert dem Zuschauer zu Beginn eine ziemlich wortkarge Hauptfigur, die man zunächst noch nicht so richtig einschätzen kann. Unbeholfene Annäherungsversuche an seine zukünftige Ehefrau und die dabei sehr einsilbigen Dialoge deuten darauf hin, das man es mit einem äußerst schüchternen Mann zu tun hat, der anscheinend ganz augenscheinliche Schwierigkeiten mit dem weiblichen Geschlecht, aber auch ganz generell mit seiner gesamten Umwelt hat. Dieser erste Eindruck bietet jedoch lediglich eine kurze Momentaufnahme, denn in verhältnismäßig kurzer Zeit offenbart sich einem der wahre Charakter von Kuklinski, der dem Betrachter wahrlich echtes Eiswasser in die Adern schießen lässt. Der gute Mann trug seinen Beinamen ganz offensichtlich nicht umsonst, denn nur selten wurde man wohl mit einem Menschen konfrontiert, in dessen Adern vielmehr Eiswasser an stelle von Blut fließt.

Um diesen Eindruck auch möglichst glaubhaft und authentisch rüber zu bringen bedarf es eines Darstellers, der auch wirklich Einfühlungsvermögen für diese Rolle unter Beweis stellt und mit Michael Shannon (Man of Steel) hat man nahezu die Idealbesetzung gefunden. Seinem Schauspiel zu folgen ist das absolute Highlight eines Filmes, der jedoch auch in den Nebenrollen absolut erstklassig besetzt ist. So tauchen Namen wie Wynona Rider, David Schwimmer, Robert Davi, aber vor allem auch Ray Liotta auf, was prinzipiell schon für eine ziemlich hochklassige Inszenierung sprechen dürfte. Und diese Vermutung soll keineswegs täuschen, entwickelt sich schnell eine Geschichte voller Tempo und Spannung, die sich gelegentlich aber durchaus auch ihre Momente für die stilleren Töne nimmt, was in der Gesamtheit für einen erstklassigen Film Sorge trägt. Dennoch ist es in erster Linie das generell herausragende Schauspiel der Akteure, das den Zuschauer durchgehend in seinen Bann zieht und einen äußerst tiefen Einblick in das unglaubliche Doppelleben eines Mannes gewährt, der einerseits anscheinend eine Bilderbuchehe führt und glücklicher Vater von 3 Töchtern ist, aber andererseits keinerlei Skrupel aufkommen lässt, wenn er anderen Menschen eiskalt das Leben nimmt. Der Begriff eiskalt bekommt hier eine wirklich ganz besondere Bedeutung, denn Shannon verschmilzt förmlich mit seiner Figur und deren Charakter, was bei einem selbst den dringlichen Wunsch aufkommen lässt, diesem Mann niemals persönlich begegnen zu wollen. Ein stechender-und grausamer Blick und eine minimalistische-aber umso effektivere Mimik sorgen dafür, das man selbst phasenweise von einer Gänsehaut regelrecht überfallen wird, gegen die man sich unmöglich zur Wehr setzen kann.

Lediglich seiner Familie gegenüber zeigt der "Iceman" auch einmal Gefühle, wobei selbst diese sich rein Äußerlich eher schwer erkennen lassen. Dennoch spürt man ganz eindeutig die starke Verbindung und die Liebe zu Ehefrau und Töchtern die definitiv das einzig Wichtige im Leben des Verbrechers sind. Ariel Vromen setzt ganz bewusst auch immer wieder diesen Aspekt in den Fokus des Geschehens, das ansonsten hauptsächlich von Gewalttaten und einigen blutigen Szenen beherrscht wird. Dabei gibt es zwar keine expliziten Gewaltdarstellungen, doch die Geschichte an sich beinhaltet so viel Härte und Intensität, das sich einem ein extrem guter Einblick über die damaligen Zeiten offenbart. Zwangsläufig stellt man sich dabei mehr als einmal die Frage, ob man selbst überhaupt ein solches Leben führen könnte, in dem man ständig seine Familie von den "beruflichen Ereignissen" fernhalten muss. Die Antwort lautet ganz eindeutig nein und dennoch kommt eine komische Art von Bewunderung für einen Menschen auf, der zwei so vollkommen unterschiedliche Wesen in sich trägt. Der kaltblütige-und emotionslose Killer und andererseits der liebende Ehemann und Familienvater, der zum Ende hin durch die entstandenen Ereignisse auch das erste Mal Angst um seine Familie haben muss. Die hier gefundene Kombination aus Krimi, knallhartem Thriller und einem grandiosen Drama ist absolut hochklassig und verspricht gut 100 Minuten Filmkost der Extraklasse, die sich wirklich niemand durch die Lappen gehen lassen sollte.

Eine erstklassig verfilmte Story, jede Menge Spannung-und Crime und insbesondere hervorragendes Schauspiel der Akteure sind die absoluten Markenzeichen eines Filmes, den man unbedingt gesehen haben sollte. Authentisch-und glaubwürdig in Szene gesetzt wird man mit dem Doppelleben eines Mannes konfrontiert, das kaum einen intensiveren Eindruck hätte hinterlassen können. Freunde solcher Werke sollten unbedingt zugreifen, werden sie doch mit einer mehr als gelungenen Kombination mehrerer Genres belohnt, die meiner persönlichen Meinung nach absolute Höchstnoten verdient hat.


Fazit:


"The Iceman" ist ein Film, der seinen Titel vollkommen zu recht trägt, steht in seinem Mittelpunkt doch eine Figur, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Perfekt von einem grandios aufgelegten Michael Shannon dargestellt, bekommt man einen Richard Kuklinski offenbart, der einen äußerst nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis des Betrachters hinterlässt.


8,5/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Der Kommissar
(Der Kommissar)
mit Erik Ode, Reinhard Glemnitz, Günther Schramm, Fritz Wepper, Elmar Wepper, Helma Seitz, Emily Reuer, Rosemarie Fendel, Peter Fricke, Pierre Franckh, Marianne Hoppe, Gerd Baltus, Klaus Schwarzkopf, Claus Biederstaedt, uvm.
Regie: Theodor Grädler / Wolfgang Becker / Wolfgang Staudte / u.A.
Drehbuch: Herbert Reinecker
Kamera: Rolf Kästel / Manfred Ensinger / u.A.
Musik: Peter Thomas / Herbert Jarczyk / u.A.
FSK 16
Deutschland / 1969 - !976
97 Folgen a ca. 60 Minuten

Kommissar Keller ist ein ruhiger, humorvoller Mann um die 60, der in Mordfällen in München und Umgebung ermittelt. Mit dem kriminalistischen Spürsinn eines Inspektor Columbo, aber mit dennoch sprichwörtlicher deutscher zielstrebiger Gründlichkeit führt er die Täter ihrer gerechten Strafe zu. Unterstützung findet Kommissar Keller von den Kollegen Walter Grabert, der ebenfalls eher ruhig und gefühlsbetont agiert, Robert Heines, ein sachlicher, kühler Rechner, sowie Harry Klein, der Jüngste im Team und - mit einem Flokatiparka versehen - die universelle Schnittstelle zu allen Jugendszenen. Die Kollegen arbeiten und halten eng zusammen, verbringen auch mal ihre Freizeit zusammen. Gemeinsam klären sie Verbrechen mit guter Beobachtungsgabe und scharfem Verstand auf. Als gute Seele im Büro fungiert Fräulein Rehbein. Ein Krimi, der sehr aktuell Themen seiner Zeit aufgreift und den moralisch rechten Weg auf spannende Weise vermittelt.


Am Anfang steht stets ein Mord, am Ende seine Aufklärung. Dazwischen entfaltet sich ein Fegefeuer menschlicher Eitelkeiten - der Kern und das Reizvolle an DER KOMMISSAR, einer der erfolgreichsten deutschen Serien der Fernsehgeschichte, die von 1969 bis 1976 mit 97 Folgen stets am Freitag um 20.15 Uhr die Straßen leer fegte und die Nation vor dem Fernseher vereinte.


So simpel und einfach sich das Rezept dieser Kult-Serie auch anhören mag, so effektiv ist es auch noch in der heutigen Zeit, denn dank der DVD-Veröffentlichung kann man sich immer wieder an den wunderbaren Kriminalfällen ergötzen, die Kommissar Keller und sein Team ständig zu lösen haben. Insgesamt wurden 97 Episoden mit einer jeweiligen Laufzeit von je gut 60 Minuten gedreht, von denen jedoch aus rechtlichen Gründen 3 Folgen nicht in der hier vorgestellten Gesamtbox enthalten sind. Manch einer mag sich darüber ereifern, doch wirklich schaden tut das der Veröffentlichung auf keinen Fall, handelt es sich doch um wirklich um eine Art Kulturgut, das aus der deutschen Fernsehlandschaft schwerlich wegzudenken ist. Eine Besonderheit der Serie ist sicherlich der nennenswerte Aspekt, das trotz der Einführung des Farb-Fernsehens im ZDF im Jahr 1967 die komplette Reihe in Schwarzweiß produziert wurde, was dem Ganzen einen noch weitaus nostalgischeren Anstrich verleiht. Lebt das Format doch sehr von seiner nahezu einzigartigen Atmosphäre, die prinzipiell in jeder einzelnen Folge zu spüren ist. Doch ist dies längst nicht die einzige Stärke, denn hauptsächlich sind es die Hauptdarsteller und ihre unverwechselbare Art und Weise an die Dinge heran zu gehen, die hier für etliche Stunden Krimikost vom Feinsten garantieren. Das Team von Kommissar Keller ist nämlich von den verschiedensten Charakteren geprägt, für die man die jeweilige Ideal-Besetzung finden konnte. An erster Stelle ist dabei natürlich Erik Ode (Keller) zu nennen, der mit seiner fast väterlichen Ausstrahlung für das richtige Klima sorgt, denn obwohl er spürbar das Zepter in der Hand trägt, sorgt seine ausgeglichene und ruhige Art dafür, das ein fast schon familiäres Verhältnis zwischen ihm und seinen Untergebenen herrscht. Diese nennen ihn immer liebevoll "Chef" und sprechen ihn mit "Sie" an, obwohl sie selbst von ihm geduzt werden.

Es ist gerade dieser kleine aber sehr feine Unterschied der an dieser Stelle klare Grenzen zieht, aber dennoch zu keiner Zeit den Eindruck erweckt, das die untergebenen Mitarbeiter sich in ihrer Rolle nicht wohlfühlen würden. Es entsteht vielmehr ein Zusammenhalt der besonderen Art und auch private Beisammensein in geselliger Runde sind dabei keine Einzelheit. Aber auch im Dienst ist man selten einem Getränk abgeneigt, was gleichzeitig einen Umstand darstellt, den man sich in der heutigen Zeit kaum noch vorstellen mag. In solchen und anderen Kleinigkeiten liegt aber genau der Reiz dieser Serie, entfaltet sich doch so ein unglaublicher Charme, der sich durch eigentlich alle Episoden wie ein roter Faden zieht. Ebenso verhält es sich mit dem Schema der jeweiligen Fälle, denn immer wird ein Mord begangen, den es dann aufzuklären gilt. Was sich nun für manch einen eventuell etwas monoton-und wenig abwechslungsreich anhört, entpuppt sich vielmehr als perfekte Methode, um den Zuschauer jedes Mal aufs Neue mit spannenden Kriminalfällen zu versorgen, in denen menschliche Eitelkeiten, Hass, Liebe und menschliche Tragödien im Mittelpunkt stehen, so das dieses Format durchaus genügend Abwechslung zu bieten hat, auch wenn das Grundgerüst immer das Gleiche ist. Und so gibt es jede Menge Arbeit für Keller und Co., denn nicht nur der Kommissar selbst sondern auch seine 3 Mitarbeiter sind ein extrem wichtiger Bestandteil, um den Mördern auf die Spur zu kommen. Mit Heines (Reinhard Glemitz) kann man dabei auf einen Draufgänger zurückgreifen, der manchmal ein wenig impulsiv erscheint und dabei vor Tatendrang nur so strotzt. Fast sein genauer Gegenpart ist Kollege Grabert (Günther Schramm), der als eher nachdenklicher Pfeifenraucher der ruhige-und bedachte Pol des Teams ist. Zu guter Letzt ist da noch Harry Klein (Fritz Wepper) der den jungen Wilden mimt, den man manchmal noch ein wenig an die Kandarre nehmen muss. Übrigens verlässt Letzterer noch während der Serie das Team und wechselt zu Oberinspektor Derrick, so das die letzten 27 Episoden sein Bruder Elmar Wepper in der Rolle des Erwin Klein zu sehen ist.

Nicht zu vergessen ist auch die gute Seele des Teams, die in Person von Frl. Rehbein (Helma Seitz) auftritt und zudem auch dafür Sorge trägt, das ihre Männer jederzeit gut genährt werden. Man kann also sicherlich erkennen, das dieses Format in etlichen Belangen noch der guten alten Zeit entspringt, in der alles ein wenig gemütlicher vonstatten geht und nicht die heute übliche Hektik zu erkennen ist. Dennoch erscheint die Serie an etlichen Stellen erstaunlich intensiv, was aber keinesfalls an irgendwelchen Gewaltdarstellungen liegt, sondern viel eher in den jeweiligen Fällen begründet ist. Die Motive der Täter beschränken sich nämlich nicht nur auf Habgier und kriminelle Machenschaften, sehr oft stehen auch echte menschliche Tragödien im Vordergrund, was der ganzen Chose einen äußerst menschlichen Eindruck verleiht. Ganz bestimmt ist dies auch einer der Hauptgründe, warum sich "Der Kommissar" auch in der heutigen Zeit immer noch größter Beliebtheit erfreut und meiner persönlichen Meinung nach auch die Nachfolger "Derrick" und "Der Alte" locker und um Längen schlägt. Denn trotz einer weitaus längeren Lebensdauer konnten die nachfolgenden Serien-Formate nie an die Qualität des Kommissars heranreichen, es fehlten ganz einfach diese kleinen Dinge, die den ganz besonderen Charme ausmachen. Zudem hatte auch kein weiteres Format in der Folge je wieder eine so starke Persönlichkeit wie Erik Ode mit an Bord, der einen mit seiner Ausstrahlung regelrecht fasziniert hat. Immer charmant, menschlich und dennoch der kluge Denker, der mit ganz eigenen Denkansätzen so manch scheinbar unlösbaren Fall aufklären konnte. Weder ein Horst Tappert als "Derrick", noch ein Sigfried Lowitz als "Der Alte" verfügen auch nur ansatzweise über das Charisma eines Kommissar Keller, weswegen die hier vorgestellte Serie für mich auch immer die Mutter aller deutschen Krimi-Serien bleiben wird. Nicht jeder wird das so sehen und wird hier eher von einem angestaubten Relikt sprechen, doch mit einer solchen Meinung würde man der vorhandenen Qualität nicht annähernd gerecht werden.

Natürlich erscheint das Schauspiel manchmal ein wenig überzogen und vielleicht sogar überholt, doch an dieser Stelle sollte man keinesfalls die Zeit außer acht lassen, in der dieses Format gedreht wurde. Zudem herrscht in der Serie ein regelrechter Star-Auflauf, denn die Creme de la Creme der damaligen deutschen Schauspiel-Landschaft gab sich hier quasi die Klinke in die Hand. Dabei ist manch bekanntes Gesicht in mehreren Folgen zu sehen, doch auch die ganz großen Stars der Szene wie ein Curd Jürgens, die große Elisabeth Flickenschildt, Lili Palmer, Bernhard Wicki oder Maria Schell ließen es sich nicht nehmen, mit Gastauftritten in einzelnen Folgen zu glänzen. Allein dieser Umstand dürfte dann auch wohl ganz eindeutig aufzeigen, welchen Stellenwert dieses Format hatte, das regelmäßig jeden Freitag Abend zwischen 20.15 Uhr und 21.15 Uhr die Straßen leer fegte und deshalb auch zu recht zu den absoluten Straßenfegern zu zählen ist, die zur damaligen Zeit über den deutschen Bildschirm flimmerten. Zum Schluss noch eine Anmerkung zu den Veröffentlichungen, denn neben den vier Staffelboxen und der ursprünglichen Gesamtbox gibt es auch noch eine Box von Weltbild, in der zwar alle 94 Episoden auf 24 DVD's enthalten sind, in der aber die 4 Bonus Discs fehlen. Dafür ist diese aber mit einem Preis von 50 Euro ziemlich günstig zu erwerben, so das jeder dem es nur auf die Serie ankommt ein ordentliches Schnäppchen machen kann, was auch der Grund für meine Kaufentscheidung war.


Fazit:


"Der Kommissar" ist das absolute Flaggschiff der deutschen Krimi-Serien und wird es aus meiner Sicht auch immer bleiben. Ein Stück deutsche Fernsehgeschichte das man sich auch in der heutigen Zeit immer wieder gern anschaut und das nichts von seiner ganz eigenen Faszination verloren hat.


9/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Un Bianco vestito per Marialé
(Un Bianco vestito per Marialé)
mit Ida Galli, Ivan Rassimov, Luigi Pistilli, Pilar Velázquez, Ezio Marano, Giancarlo Bonuglia, Gianni Dei, Bruno Boschett, Franco Calogero, Gengher Gatti, Edilio Kim, Carla Mancini, Shawn Robinson
Regie: Romano Scavolini
Drehbuch: Remigio Del Grosso / Giuseppe Mangione
Kamera: Romano Scavolini
Musik: Fiorenzo Carpi / Bruno Nicolai
ungeprüft
Italien / 1972

Als Kind muss Marialé gar Schreckliches erleben: Ihr Vater erwischt ihre Mutter inflagranti bei einem außerehelichen Techtelmechtel und reicht darauf per Schusswaffe die Scheidung ein. Jahre später ist aus der traumatisierten kleinen Marialé eine erwachsene Frau geworden. Fast ohne Kontakt zur Außenwelt verbringt sie ihr Leben im düsteren Schloss ihres argwöhnischen Ehemannes. Eines Tages jedoch beschließt Marialé, einige Freunde übers Wochenende einzuladen. Doch als die dekadente Party sich in eine zügellose Orgie verwandelt, geschieht der erste grausame Mord. Und das ist nur der Auftakt zu einem scharlachroten Blutbad von epischer Eleganz...


Schon die Anfangssequenz dieses großartigen Filmes deutet eindeutig darauf hin, das der Zuschauer es mit einem Werk voller Ästhetik und kraftvollen Bildern zu tun bekommt. Gleichzeitig erkennt man nach einer relativ kurzen Zeitspanne, das "Un Bianco vestito per Marialé" von Romano Scavolini nicht zu den ansonsten üblichen Vertretern des italienischen Giallis zu zählen ist, sondern viel eher eine kleine Ausnahmestellung einnimmt. Dies ergibt sich schon allein durch die Erzählweise der hier dargestellten Ereignisse, denn die eigentliche Mordserie die bei dieser Art Film immer im Vordergrund steht, nimmt hier eher eine beiläufige Rolle ein und startet auch erst, nachdem schon gut zwei Drittel der Geschichte erzählt wurden. Zeitlich beginnt das Szenario mit einer in der Vergangenheit angesiedelten Passage, in der einem das grausame Erlebnis der kleinen Mariale näher gebracht wird die hilflos mit ansehen muss, wie ihr Vater zuerst seine Ehefrau und deren Geliebten und danach sich selbst erschießt. Auf diesem traumatischen Erlebnis baut sich dann auch die gesamte Story auf, wobei die wichtigen Zusammenhänge des Ganzen erst mit mit der Zeit immer klarer in den Vordergrund treten. Nun handelt es sich hier nicht um den typischen Giallo, in dem die Suche nach der Identität des Killers und dessen Motivlage im Fokus stehen, denn schon beim durchlesen der Inhaltsangabe kann der geneigte Fan durchaus erkennen, auf welche Lösung das Ganze am Ende hinausläuft, doch dieser Aspekt ist auch längst nicht das Wichtigste in dieser extrem gelungenen Genre-Mixtur.

Bevor sich nämlich die eigentlichen Thriller-Elemente so richtig zu erkennen geben vergeht eine geraume Zeit, in der sich dem Betrachter ein teils bizarres Geschehen präsentiert, das in erster Linie durch seine fantastischen Bilder überzeugt. Der Schauplatz des abgelegenen Schlosses vermittelt einem dabei einen Hauch von Gothic-Flair, das im Zusammenspiel mit einer ausartenden Orgie eine Grundstimmung vermittelt, die man nur schwerlich in Worte fassen kann. Auch die vollkommen verschiedenen Charaktere der anwesenden Gruppe geben einem zunächst einige Rätsel auf, kann man diese doch nur schwerlich einordnen. Obwohl eigentlich alle miteinander bekannt-und scheinbar sogar befreundet sind, kommt es untereinander zu immer stärkeren Spannungen und mit zunehmender Laufzeit kann man regelrecht spüren, das sich innerhalb der Gruppe nahendes Unheil ankündigt. Als dieses dann auch in Erscheinung tritt nehmen die Ereignisse ihren Lauf und es entwickelt sich eine Gewaltspirale, die anscheinend durch nichts mehr aufzuhalten ist. Die zu Beginn noch fröhliche und ausufernde Stimmung weicht dem nackten Entsetzen, als einer nach dem anderen auf brutalste Art und Weise das Zeitliche segnet, bis es am Ende zu einem unvermeidlichen Showdown kommt, der zwar keineswegs überraschend, aber absolut passend einen mehr als stimmigen Gesamteindruck abrundet, der sich mit der Zeit ergeben hat.

Eine ganz große Stärke dieses außergewöhnlichen Genre-Beitrags ist sicherlich der hervorragende Cast, in dem insbesondere Ida Galli und Ivan Rassimov absolut glänzen können. Nun wäre es jedoch ungerecht nur diese beiden grandios agierenden Darsteller zu würdigen, denn die gesamte Darsteller-Riege überzeugt durch sehr viel Spielfreude und Ausdruckskraft, so das man das Schauspiel ganz generell als absolut hervorragend bezeichnen kann. Ein weiteres Plus ist dann ganz eindeutig der brillante Score der Geschichte, denn die musikalische Untermalung von Fiorenzo Carpi und Bruno Nicolai ist eine Labsal für die Ohren und ist in sämtlichen Passagen des Filmes nahezu perfekt ausgewählt, um die jeweiligen Einstellungen hervorzuheben. So ergibt sich dann auch eine brillante Gesamt-Komposition, die "Un Bianco vestito per Marialé" eine Ausnahmestellung im Sub-Genre verleiht und ihn von etlichen anderen Vertretern wohlwollend abhebt. Hauptsächlich verantwortlich ist dafür der aufkommende Bilderrausch in den der Betrachter größtenteils sogartig hinein gezogen wird, denn es ist doch so gut wie unmöglich, sich dessen faszinierender Kraft zu entziehen. Die unglaublich ästhetischen Aufnahmen in Verbindung mit dem herausragenden Schauspiel der Akteure versetzen einen dabei fast schon in einen ekstatischen Zustand, den man erst viel später wieder ablegen kann.

Und so ist "Un Bianco vestito per Marialé" alles andere als ein handelsüblicher Genre-Vertreter, sondern vielmehr ein grandioses Kunstwerk, an dem man sich regelrecht berauschen kann. Die Veröffentlichung von Camera Obscura ist dabei als absolut gelungen zu bezeichnen, liegt diese Filmperle doch in bestechender Bildqualität vor und beinhaltet zudem auch noch absolut lohnenswerte Extras, so das letztendlich ein Gesamtpaket vorliegt, das jedem Liebhaber das Herz im Leibe höher schlagen lässt. Im Gegensatz zu etlichen anderen Genre-Vertretern wird hier ein eher ungewöhnlicher Weg gegangen, was aber keinesfalls als negative Kritik aufzufassen ist, sondern die Ausnahmestellung dieser brillanten Veröffentlichung noch einmal zusätzlich hervorhebt. Romano Scavolini hat hier wirklich ein Fest für Augen und Ohren geschaffen das meiner persönlichen Meinung nach ohne Weiteres als zeitloser Klassiker des Cinema Italiano bezeichnet werden muss und jederzeit zu einer neuerlichen Sichtung einlädt. Einziger kleiner Wermutstropfen ist eventuell der Aspekt, das dieses Werk nur in italienischer Sprache mit deutschen und englischen Untertiteln vorliegt, doch diesen Punkt nimmt man bei der vorhandenen Klasse sehr gern in Kauf.


Fazit:


"Un Bianco vestito per Marialé" erzählt eine Geschichte, die den Zuschauer in einen wahren Rausch der Gefühle versetzt, der durch brillant agierende Darsteller, kräftige Bilder und einen äußerst stimmigen Score noch zusätzlich unterstützt wird. Es ist unmöglich sich der Faszination des Filmes zu entziehen, der sich doch so wohlwollend von anderen Giallis abhebt und ein nahezu perfektes Film-Erlebnis darbietet, das man sich in regelmäßigen Abständen immer wieder gern anschaut.


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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Aura - Trauma
(Trauma)
mit Christopher Rydell, Asia Argento, Piper Laurie, Frederic Forrest, Laura Johnson, Dominique Serrand, James Russo, Ira Belgrade, Brad Dourif, Hope Alexander-Willis, Sharon Barr, Isabell O'Connor, Cory Garvin
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Franco Ferrini / Gianni Romoli / Dario Argento
Kamera: Raffaele Mertes
Musik: Pino Donaggio
ungeprüft
Italien / USA / 1993

Der Grafiker David kommt zufällig vorbei, als die junge Aura von der Brücke springen will, hält sie aber davon ab und kommt ihr langsam näher. Zur gleichen Zeit geht in der Stadt ein Mörder um, der seine Opfer köpft und die Körper ohne Kopf zurücklässt. Als Aura's Eltern dem Mörder zum Opfer fallen, forscht David genauer nach und entdeckt eine Verbindung unter den Opfern. Schließlich stirbt der vermeintliche Mörder auf der Flucht vor der Polizei, aber das ist zunächst nur das scheinbare Ende des Falles. Aura verschwindet und scheint sich in einem See ertränkt zu haben, doch David glaubt das nicht und macht sich auf die Suche...


Nach seinen etlichen Erfolgen in Italien und einer Zusammenarbeit mit George A. Romero wagte Dario Argento mit "Aura - Trauma" nun seine erste und auch einzige US - Produktion, was letztendlich durch diverse Auflagen dazu führte, das gerade dieses Werk bei vielen seiner Fans nicht sonderlich gut ankommt. Zeichnete sich der Maestro doch bisher in seinen Filmen auch durch einen durchaus sehenswerten Härtegrad aus, so hält man sich bei vorliegendem Szenario doch gerade in dieser Beziehung eher etwas bedeckt, was allerdings nicht Argento, sondern vielmehr den schon kurz erwähnten Auflagen für das amerikanische Mainstream-Publikum zuzuschreiben ist. Dennoch kann ich persönlich es ehrlich gesagt kaum nachvollziehen, warum gerade dieses Werk bei etlichen Leuten nicht gut ankommt, handelt es sich zwar sicherlich nicht um Argentos beste Arbeit, doch offenbart sich dem Zuschauer durchgehend eine äußerst interessante und vor allem sehr spannende Geschichte, die mit einer jungen Asia Argento die absolut perfekte Besetzung für die Hauptrolle gefunden hat. Spielt sie doch sehr überzeugend das schüchterne Mädchen Aura, das im Laufe der Zeit so einige traumatische Ereignisse verarbeiten muss. An ihrer Seite bleibt der stets bemühte Christopher Rydell hingegen zeitweise ein bisschen farblos, wobei sich sein Schauspiel aber immer noch auf einem soliden Niveau ansiedeln kann.

Mir persönlich gefällt dieses Werk sogar äußerst gut, denn auch wenn die von Argento selbst sehr hoch angelegte Messlatte im Bezug auf die Qualität nicht ganz erreicht werden kann, bietet "Aura" einen exzellenten Horror-Thriller, der in erster Linie von seinem gelungenem Spannungsaufbau lebt. Im Gegensatz zu Filmen wie beispielsweise "Deep Red" , Suspiria" oder auch "Phenomena" geht dem Werk sicherlich ein wenig die künstlerische Brillanz ab und auch das kräftige Spiel mit den Farben ist hier nicht zu bewundern, doch die eher nüchterne-und teils düstere Inszenierung der Geschichte lässt eine teils beklemmende Grundstimmung aufkommen, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Szenario zieht. Und obwohl das Geschehen nicht unbedingt vor Härte und blutigen Passagen strotzt, gibt es doch etliche blutige Momente, die in meinen Augen als vollkommen ausreichend erscheinen, um an dieser Stelle für ein gelungenes Gesamtbild zu sorgen.Es liegt natürlich im Auge des jeweiligen Betrachters, denn im Gegensatz zu den italienischen Produktionen des beliebten Regisseurs entfaltet sich in vorliegendem Fall nicht unbedingt diese bannende Faszination, die manch vorheriger Film beim Zuschauer ausgelöst hat.

Nichtsdestotrotz wird "Aura" zumeist viel zu niedrig bewertet und gerade wenn man einmal die späteren Werke Argentos betrachtet, weiß man dieses Werk erst so richtig zu schätzen. Dabei zehrt das Geschehen insbesondere bei der ersten Sichtung von seiner gut aufgebauten Dramaturgie, denn die Identität des Killers wird bis kurz vor dem Ende im Dunkeln gehalten. Durch die Berücksichtigung diverser kleiner Details kann man zwar durchaus schon früher auf die Identität kommen, doch präsentieren sich die Abläufe keinesfalls vorhersehbar. Dafür sorgt allein schon der Aspekt, das die Motive sich lange Zeit nicht zu erkennen geben und man erst nach und nach zu des Rätsels Lösung geführt wird, das für manch einen ohne Weiteres einen herrlichen Aha-Effekt darstellen könnte. Mit diesem Film verhält es sich irgendwie so wie auch mit bestimmten Weinen, je länger man sie reifen lässt, desto besser schmecken sie einem. Auch "Aura" entfaltet im Prinzip erst nach mehreren Sichtungen seine wahre Klasse, denn diese beinhaltet das Werk auf jeden Fall. Diverse kleinere Schwächen sollte man dabei nicht zu stark überbewerten und vor allem sollte man nicht immer den Vergleich mit Argentos ganz großen Klassikern heranziehen.

Im Endeffekt liegt hier bestimmt nicht das Meisterwerk des italienischen Regisseurs vor und selbst ein Platz unter den Top 5 dürfte dem Film nicht beschieden sein, dennoch handelt es sich um einen überdurchschnittlich guten Horror-Thriller, der definitiv spannende-und atmosphärische Genrekost anbietet. Nicht ganz so hart und blutig wie einige andere Filme beinhaltet die Geschichte dennoch so manche Einstellung, die einem unter die Haut geht. Ich kann den Film jedenfalls bedenkenlos empfehlen, denn obwohl manche Kritiken etwas anderes vermuten lassen, handelt es sich hier um überdurchschnittlich gute Unterhaltung.


Fazit:


"Aura - Trauma" ist spannend, atmosphärisch und stellenweise auch hart, wobei die eigentliche Stärke der Geschichte ganz eindeutig im Spannungsaufbau liegt. Eine überzeugende Asia Argento und eine überraschende Auflösung runden die ganze Chose harmonisch und stimmig ab, so das man dieses Werk keinesfalls ungesehen an sich vorbeiziehen lassen sollte.


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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Frankenstein's Army
(Frankenstein's Army)
mit Karel Roden, Joshua Sasse, Robert Gwilym, Alexander Mercury, Luke Newberry, Hon Ping Tang, Andrei Zayats, Mark Stevenson, Cristina Catalina, Jan de Lukowicz, Zdenek Barinka, Linda Balabanova, Valentine Berning
Regie: Richard Raaphorst
Drehbuch: Chris W. Mitchell / Richard Raaphorst
Kamera: Bart Beekman
Musik: keine Information
keine Jugendfreigabe
Niederlande / Tschechische Republik / USA / 2013

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs erhält eine Spezialeinheit der vorrückenden Roten Armee den Auftrag, nach frisch vermissten Kameraden zu forschen. Feindaktivitäten vermutend macht sich der Trupp auf die Suche, nur um in der Umgebung eines Dorfes auf seltsam entstellte Leichen und nur mehr völlig eingeschüchterte Reste der deutschen Bevölkerung zu treffen. Sieht so aus, dass in einem nahe gelegenen Bunker geheime Experimente mit Menschen stattfanden, und deren Ergebnisse den Russen noch Arbeit bereiten werden.


Kriegsszenarien mit dem Horror-Genre zu verbinden, ist mittlerweile längst keine Neuigkeit mehr und das zumeist immer wieder Zombies oder Infizierte im Mittelpunkt solcher Geschichten sind, dürfte auch nur noch auf bedingte Begeisterung beim Zuschauer stoßen. So muss man also manchmal neue Wege gehen um einem solchen Film frische Impulse und ein gewisses Maß an Innovation zu verleihen, was Regisseur Richard Raaphorst in vorliegendem Fall ganz hervorragend gelungen ist. Bedient er sich kurzerhand der allseits beliebten Found-Footage Thematik, wodurch die berühmt-berüchtigte Wackelkamera sehr stark zum Einsatz kommt und schmückt sein Werk zudem mit extrem skurrilen Gestalten, die einem eine Menge Spaß und Freude bereiten. Man merkt dem Szenario von Beginn an den Charakter eines B-Movies an und das empfinde ich durchaus als positiv, denn so vermittelt sich dem Betrachter, sich wirklich an einem Kriegsschauplatz zu befinden. In den ersten gut 30 Minuten zieht sich das Szenario ein wenig und man wird lediglich mit den russischen Soldaten konfrontiert, die sämtliche Aktionen mit der Kamera aufnehmen, um sie für die Nachwelt zu erhalten.

Danach nimmt das Geschehen dann richtig an Fahrt auf, denn ziemlich schnell ist es vorbei mit der normalen Erkundungs-Tour, als die Gruppe auf einen scheinbar verlassenen Bunker trifft, der im Inneren doch ziemlich stark an eine Art Fabrik erinnert. Recht schnell müssen die Soldaten nun erkennen, das sie sich in einem geheimen Labor befinden, in dem ein offensichtlich wahnsinniger Arzt die unglaublichsten Experimente an Toten wie auch an Lebenden vorgenommen hat. Die daraus entstandenen Ergebnisse sind dann auch gleichzeitig der absolute Höhepunkt des Szenarios, denn an dieser Stelle lassen die Macher des Films eine ganze Menge Kreativität und Herzblut erkennen, das sie in die Geschichte investiert haben. Zwar sind die darauf folgenden Ereignisse jenseits jeglicher Realität angesiedelt, beinhalten jedoch einen unglaublich hohen Unterhaltungswert, sowie einen doch ziemlich ansehnlichen Härtegrad.

Der Zuschauer wird nun mit den skurrilsten Gestalten konfrontiert, die als halb Mensch-halb Maschine darauf aus sind, die Eindringlinge zu töten. Wenn man sich diese Fantasie-Gestalten einmal genauer anschaut, dann werden nicht selten Erinnerungen an so manch japanische Trash-Granate wach. Ebenso trashig präsentiert sich nämlich "Frankenstein's Army", wobei das hier nun wirklich als absolutes Kompliment aufgefasst werden sollte. Richard Raaphorst hat sich eine ganze Menge einfallen lassen und sorgt so dafür, das der Betrachter für die eher etwas mauen 30 Anfangs-Minuten wunderbar entschädigt wird. Dazu trägt in erster Linie eine gehörige Steigerung des Erzähltempos bei, doch auch die enthaltenen-und streckenweise sehr blutigen Passagen ergeben nun den Eindruck eines gelungenen Genre-Mixes, an dem man seine helle Freude hat. Der trashige Anstrich der ganzen Chose tut sein Übriges, um insbesondere eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen, wobei dieser Film längst nicht nur für Trash-Liebhaber sehenswert erscheint.

Insgesamt gesehen bekommt man ein Film-Vergnügen geboten, das gerade in der zweiten Filmhälfte eine Menge kreativer Ideen erkennen lässt und für einen B-Movie präsentieren sich auch noch richtig gelungene Effekte, die das Ganze sehr stimmig abrunden. Das die Geschichte an sich dabei keinerlei Tiefgang beinhaltet und streckenweise recht hanebüchen erscheint dürfte sich von selbst verstehen, handelt es sich doch um kein Kriegs-Drama der üblichen Art, sondern vielmehr um einen größtenteils gelungenen Found-Footage Horrorfilm, der zeitlich gesehen am Ende des zweiten Weltkrieges angesiedelt ist. Wie dem aber auch sei, "Frankenstein's Army" ist definitiv ein Film der etwas schwerlich in Gang kommt, aber insbesondere in der zweiten Filmhälfte so viel Kurzweil und Innovation bietet, das es eine helle Freude ist. Skurril, grotesk und vollkommen abgedreht zeigt sich ein Szenario, in dem es vor herrlich trashigen Kreaturen nur so wimmelt, so das auch die Lachmuskeln des Zuschauers eine Menge Arbeit zu verrichten haben.


Fazit:


Sicherlich wird nicht jeder Gefallen an dieser unterhaltsamen Geschichte finden, doch wer Trash in Verbindung mit Horror-und Krieg zu schätzen weiß, kommt an diesem Werk unmöglich vorbei, das nach einem lauen Beginn so richtig durchstartet. Mit einer Laufzeit von gut 77 Minuten ist die Story auch genau richtig bemessen, so das sich letztendlich ein überzeugender Gesamteindruck ergibt.


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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Das Tier II
(Howling II:...Your Sister is a Werewolf)
mit Christopher Lee, Annie McEnroe, Reb Brown, Marsha A. Hunt, Sybil Danning, Judd Omen, Ferdy Mayne, Patrick Field, Jimmy Nail, Steven Bronowski, James Crawford, Jirí Krytinár, Ladislav Krecmer, Jan Kraus
Regie: Philippe Mora
Drehbuch: Robert Sarno / Gary Brandner
Kamera: Geoffrey Stephenson
Musik: Stephen W. Parsons
FSK 16
Großbritannien / USA / 1985

Der plötzliche, gewaltvolle Tod der Fernseh-Reporterin Karen White vor den laufenden Kameras schockt die Nation. Karen's Bruder Ben und ihre beste Freundin Jenny geraten bei ihren Nachforschungen immer tiefer in den mächtigen Sog einer okkultischen Werwolf-Sekte. Bald verdichtet sich die Theorie, das Karen Selbstmord begangen hat, um ihrem Schicksal als Werwolf zu entgehen. Wer sind die geheimnisvollen Gäste auf der Trauerfeier? Wer hat die Silberkugel aus dem toten Körper entfernt? Zu allem entschlossen machen sich Ben, Jenny und der Okkultismus-Experte Stephan auf die Suche nach dem Tempel der gewaltigen Herrscherin Stirba, einem zerfallenen Palast, wo Folter, Chaos, Zerstörung und Tod herrschen. Sie werden schon erwartet...


Die "Howling-Reihe" umfasst ja sogar 7 Filme, wobei jedoch nur dieser zweite Teil als wirkliche Fortsetzung des Klassikers von Joe Dante angesehen werden kann. Ab dem dritten Teil wird man zudem mit einem so starken Qualitäts-Abfall konfrontiert, das man die noch erschienenen Filme unbesorgt vernachlässigen kann. Selbst diese Fortsetzung kann schon nicht annähernd an das Original heranreichen, bietet jedoch zumindest recht kurzweilige-und unterhaltsame Horrorkost, die man allerdings phasenweise auch nicht zu ernst nehmen sollte. Nach nunmehr fast drei Jahrzehnten erfährt das Werk von Philippe Mora eine offizielle deutsche DVD-Veröffentlichung und wurde zudem nach einer Neuprüfung auch mit einer 16er Freigabe ausgestattet, die in diesem Fall auch vollkommen ausreichend erscheint. Die Geschichte an sich setzt nach dem Selbstmord von Karen White an, womit auch sofort der Bezug zum Vorgänger zu erkennen ist, doch schon nach wenigen Minuten erkennt man ziemlich stark, das sich hier nicht ein so wundervoll düsteres Szenario entwickeln wird, wie es in Dante's Werk der Fall war. Positiv fällt hier auf jeden Fall der größtenteils klassische Anteil der Thematik auf, hat man doch den Hauptschauplatz der Ereignisse in ein Dorf in Transsylvanien verlegt, in dem ganz augenscheinlich die Uhren der Zeit sehen geblieben sind. Dadurch entfaltet das Szenario eine durchaus klassische Grundstimmung, die jedoch immer wieder durch in erster Linie musikalische Einflüsse der Gegenwart unterbrochen wird.

Es ist teilweise auch dieser Kontrast, der dem Geschehen phasenweise eine äußerst trashige Note verleiht, doch in erster Linie zeichnet dafür das Schauspiel der meisten Akteure verantwortlich. Daran kann auch ein Christopher Lee nichts ändern, der hier ganz bestimmt nicht in einer seiner besseren Rollen zu sehen ist, aber immerhin noch einen kleinen Lichtblick darstellt. Die anderen Schauspieler geben sich zwar recht bemüht, können jedoch durch die dargebrachten Leistungen nicht wirklich überzeugen. Insbesondere in Person von Sybill Danning wird dies sehr stark auffällig, denn man merkt doch ganz eindeutig, das die gute Frau nicht unbedingt mit viel Talent ausgestattet ist, so das ihr Mitwirken lediglich einige optische Farbtupfer setzen kann. Ganz generell bewegt man sich hier in darstellerischer Hinsicht maximal im breiten Durchschnittsbereich und vor allem diverse unlogische Handlungsabläufe der Akteure animieren einen dazu, oft genug die Hände vor das Gesicht zu schlagen. Zur damaligen Zeit sind diese sehr offensichtlichen Mankos eventuell noch gar nicht so offensichtlich ins Auge gesprungen, doch nach heutigen Maßstäben bekommt man streckenweise wirklich Trash vom Feinsten geboten.

Weiterhin kann man auch überhaupt nicht mehr nachvollziehen, warum dieser Film damals eine so hohe Alterseinstufung erhalten hat, bewegt man sich doch im Bereich der visuellen Härte in einem extrem überschaubaren Rahmen. Bis auf wenige etwas blutigere Einstellungen wird dem Zuschauer nämlich in dieser Hinsicht herzlich wenig geboten, so das man "Das Tier II" schon fast als harmlos bezeichnen kann. Und so präsentiert sich im Grunde genommen eine Geschichte voller Unzulänglichkeiten, was aber andererseits einen ganz besonderen Charme entstehen lässt, so das sich eine Sichtung des Filmes gerade für Liebhaber des schlechten Geschmackes als äußerst lohnenswert herausstellt. Wirkliche Höhepunkte sollte man dabei aber keinesfalls erwarten, wobei ganz besonders das extrem unspektakuläre Ende einen dicken Wermutstropfen darstellt. Hat man sich an dieser Stelle doch ein furioses Finale gewünscht und wird aber lediglich mit einem lauen Lüftchen bedient, das nun beim besten Willen niemanden vom Hocker haut.

Letztendlich darf man eigentlich gar keinen Vergleich zu Dante's "Das Tier" anstellen, liegen die beiden Filme doch im Bezug auf die vorhandene Qualität meilenweit auseinander. Dennoch übt diese Fortsetzung einen nicht zu erklärenden Reiz auf den Betrachter aus, der sich königlich an den etlichen Defiziten und der unfreiwilligen Komik erfreuen kann. Im Gegensatz zu den noch folgenden Sequels, beinhaltet das Werk von Philippe Mora zumindest einen hohen Unterhaltungswert, wohingegen die weiteren Teile doch eher durch Langeweile bestechen. Wie dem aber auch sei, die nun erfolgte Veröffentlichung war schon längst überfällig, denn nun kann man sich auch den zweiten sehenswerten Teil der Reihe ins Regal stellen.


Fazit:


Mit "Das Tier II" präsentiert sich zwar nicht unbedingt ein hochklassiger, dafür aber ein sehr unterhaltsamer Werwolffilm, an dem man gerade als Trash-Fan eine Menge Spaß haben kann. Eine ausgereifte-und gut umgesetzte Geschichte sollte man nicht unbedingt erwarten, doch ein paar blutige Einstellungen und viel unfreiwillige Komik gleichen dieses Defizit jederzeit aus.


6/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Excision
(Excision)
mit AnnaLynne McCord, Roger Bart, Ariel Winter, Traci Lords, Matthew Gray Gubler, Jeremy Sumpter, Matthew Fahey, Sidney Franklin, Molly McCook, Natalie Dreyfuss, John Waters, Malcolm McDowell, Marlee Matlin
Regie: Richard Bates Jr.
Drehbuch: Richard Bates Jr.
Kamera: Itay Gross
Musik: Steve Damstra II / Mads Heldtberg
keine Jugendfreigabe
USA / 2012

Die bewusst ungepflegte Teenager Pauline gibt sich wie besessen Tagträumen sexueller Perversionen hin, die von Nekrophilie bis Gewaltorgien reichen. Dazwischen pubertiert die Schülerin auf ihre Weise: Sie stößt Mitschüler, den Lehrkörper und speziell ihre bigotte Mutter gewaltig vor den Kopf. Vom Ziel, Chirurgin zu werden, lässt sie sich auch nach ihrem Schulrauswurf nicht abbringen. Ihr autodidaktisches Studium endet nicht bei der Obduktion toter Vögel, sondern schließt ihre lungenkranke jüngere Schwester mit ein.


Immer wieder einmal trifft man auf gewisse Filme, nach deren Sichtung man nicht so genau weiß wie man sie einzuordnen hat. "Excision" gehört wohl ganz eindeutig in diese Kategorie, präsentiert sich dem Zuschauer doch ein außergewöhnlicher Genre-Mix, der einerseits den Hauch von Genialität versprüht, andererseits jedoch die Frage in einem aufkommen lässt, was man da eben eigentlich gesehen hat. Mit seinem Langfilm-Debüt gibt Regisseur Richard Bates Jr. dem Betrachter eine harte Nuss zu knacken und ich bin mir sehr sicher, das diese Geschichte die Meinungen ganz extrem spalten wird. Dabei liegt hier in künstlerischer Hinsicht eine echte Granate vor, doch genau in diesem Aspekt ist auch gleichzeitig ein Problem beinhaltet, da die Story sicherlich nicht auf das breite Mainstream-Publikum zugeschnitten ist. Am ehesten könnte man das Werk wohl noch als künstlerisch-und visuell berauschenden Experimental-Film bezeichnen, der die Genres Drama, Komödie-und Horror miteinander verbindet und dabei ein Szenario offenbart, das relativ schwer zu verarbeiten ist. In erster Linie lebt das Geschehen dabei von seiner herausragenden Hauptdarstellerin AnnaLynne McCord, die nicht nur eine brillante Performance als orientierungsloser Teenager abliefert, sondern auch den Mut zur vollkommen bewussten Hässlichkeit präsentiert, wie es einst bei Charlize Theron im Film "Monster" der Fall war.

Geprägt wird die Szenerie in der Hauptsache von den Machtkämpfen des Mädchens mit ihrer dominanten Mutter, die ganz klare Vorstellungen vom Leben ihrer beiden Töchter hat, von denen eine an einer schweren Lungenkrankheit leidet. Obwohl die Geschichte ziemlich ernste Züge erkennen lässt, mischt sich immer wieder ein hohes Maß an bissigem Wortwitz und teils absolut grotesker Situationskomik bei, so das ein großer satirischer Anteil zu erkennen ist, der den Ereignissen die richtige Würze verleiht. Die visuelle Stärke des Filmes kommt insbesondere in den Träumen und Visionen des jungen Mädchens zum Ausdruck, sind diese Passagen doch mit einem äußerst kräftigen Farbenspiel untermalt und erscheinen trotz eines erhöhten Blutgehaltes sehr ästhetisch-und kunstvoll. Phasenweise erzeugt der dadurch entstehende Bilderrausch eine starke sogartige Wirkung und der Betrachter wird in einen Strudel aus Realität und surrealen Phasen gezogen, die streckenweise schon ein leichtes Schwindelgefühl aufkommen lassen können. Immer tiefer taucht man dabei in die Psyche eines Teenagers ein, der einerseits manchmal schon erschreckend emotionslos erscheint, andererseits aber auch durchaus erkennen lässt, das seine Taten und Handlungen lediglich aus reinem Protest bestehen und einen lauten Hilferuf beim suchen der eigenen Identität beinhalten.

In soweit handelt es also anscheinend um ein waschechtes Jugend-Drama, doch diese Bezeichnung würde der Geschichte kaum gerecht werden. Die Fantasien des Mädchens sind nämlich alles andere als normal, was in den ständig eingestreuten Traum-Sequenzen immer wieder erstklassig zum Ausdruck kommt. Nun sollte man hier auf keinen Fall mit der Erwartung an einen blutigen Horrorfilm herangehen, denn obwohl "Excision" teilweise als solcher angesehen wird, handelt es sich um einen typischen Genre-Zwitter, der keinesfalls in eine bestimmte Kategorie einzuordnen ist. In diesem Punkt ist gleichzeitig die absolute Stärke wie auch die größte Schwäche des Werkes beinhaltet, denn der teilweise vorhandenen Genialität mischt sich auf der anderen Seite der Eindruck bei, das Richard Bates Jr. etwas ganz Besonderes erschaffen wollte ohne dabei einen Gedanken zu verschwenden, ob er dem Zuschauer auch die nötigen Erklärungen für das Gesehene mitliefert. Damit spiele ich ganz besonders auf das Ende der Geschichte an, denn wurde einem bis dahin doch sehr gut der Eindruck eines verstörten Teenagers geliefert der auf der Suche nach seinem inneren Gleichgewicht ist, so bekommt man nun einen finalen Showdown geliefert, der den bis hierhin recht guten Gesamteindruck doch ziemlich nach unten reißt. Jenseits jeglicher Realität-und Glaubwürdigkeit angesiedelt offenbart sich nun nämlich eine Posse, bei der man nur die Hände vor das Gesicht schlagen kann. Sicherlich wollte man einen radikalen und verstörenden Schlusspunkt setzen, doch das sich auf einmal Orientierungslosigkeit in den nackten Wahnsinn verwandelt kommt so unerwartet und abrupt, das sämtlich bisher gesammelten Pluspunkte den Bach runtergehen und den Film sogar fast schon der Lächerlichkeit preisgeben. An dieser Stelle wollte man ganz eindeutig zu viel und hat damit ein echtes Kunstwerk völlig unnötig zerstört.

Wie dem aber auch sei, "Excison" ist definitiv ein Film der für hitzige-und kontroverse Diskussionen sorgen kann. Eine absolut überragende Hauptdarstellerin, sehr viel Satire und die Vermischung verschiedener Genres sind zumindest bis zum Ende der Geschichte als Höhepunkte anzusehen, die jedoch durch den gesetzten Schlusspunkt fast gänzlich in Vergessenheit geraten. Ehrlich gesagt baut sich sogar ein wenig Wut in einem auf, das man an dieser Stelle einen anscheinend spektakulären Abgang setzen wollte, der jedoch vielmehr einen gesamten Film zerstört, was absolut vermeidbar gewesen wäre. Und so muss sich Richard Bates Jr. die Frage gefallen lassen was er damit bezwecken wollte, war es der Wunsch den Betrachter unbedingt zu schocken, oder doch eher die Absicht, seinen eigenen Film zu torpedieren und der Lächerlichkeit preis zu geben? Viele Leute werden das vollkommen anders sehen und gerade im Finale das Highlight eines Filmes erkennen, der förmlich nach unterschiedlichen Bewertungen schreit, was ihm dann auch ganz automatisch einen kontroversen Anstrich verleiht.


Fazit:


Auch ohne das von mir stark kritisierte Ende hinterlässt das Werk einen eher zwiespältigen Eindruck. Auf jeden Fall aber handelt es sich bei "Excision" wohl um einen der außergewöhnlichsten Filme der letzten Zeit, nach deren Sichtung man sich automatisch fragt, was man da eigentlich gesehen hat. Man sollte sich die Geschichte auf jeden Fall einmal selbst anschauen und sich sein eigenes Urteil bilden, doch mir reicht die einmalige Sichtung auch definitiv aus. Ein zweites Mal wird die DVD sicher nicht in den heimischen Player wandern, zu tief sitzt die Enttäuschung über das finale Fiasko.


5-6/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Murder - Set - Pieces
(Murder - Set - Pieces)
mit Sven Garrett, Valerie Baber, Shawna Edge, Casie Gillespie, Katie Richards, Jade Risser, Jessie DeRoock, Gunnar Hansen, Tony Todd, Brittni Truitt, Ashley Twigg, Jenna Velanni, Destiny St. Claire
Regie: Nick Palumbo
Drehbuch: Nick Palumbo
Kamera: Brendan Flynt
Musik: The Bronx Casket Company / The Giallos Flame / Necrophagia / Zombi
ungeprüft
USA / 2004

Ein in die USA emigrierter, deutscher Fotograf macht tagsüber erotische Fotos. Nachts vergewaltigt und tötet er Prostituierte


Diese äußerst knappe Inhaltsangabe ist vollkommen ausreichend um dem Zuschauer das zu beschreiben, was er gut 90 Minuten lang zu sehen bekommt. Das Werk von Nick Palumbo zählt wohl ganz eindeutig zu den sehr kontroversen Filmen und dürfte zudem auch jenseits jeglichen Mainstreams angesiedelt sein. Wer hier auf eine Geschichte im eigentlichen Sinne hofft wird schon nach relativ kurzer Zeit feststellen, das diese überhaupt nicht vorhanden ist. Das Szenario ist viel eher als riesige Ansammlung kleiner Teilstücke ausgelegt, in denen Palumbo fast ausschließlich Sex und brutale Gewalt in den absoluten Vordergrund stellt. Im Prinzip bekommt man nämlich nicht mehr als die blutigen-und abartigen Taten eines Mannes präsentiert, der einen tief verwurzelten Hass gegen Frauen in sich trägt, den er durch unzählige grausame Morde auslebt. Der Regisseur macht durchgehend keinen Hehl daraus, das er mit seinem Szenario lediglich provozieren-und schockieren will, was ihm auch auf jeden Fall sehr gut gelingt. Man bekommt eigentlich keinerlei Anhaltspunkte, warum der Fotograf seine Taten begeht, lediglich immer wieder eingestreute kleinere Rückblenden in seine Kindheit formen ein Bild im Kopf des Betrachters, das einem die scheinbaren Motive etwas näher bringt. Ansonsten strotzt das Geschehen vor Blut und Kraftausdrücken, Worte wie Fotze, verfickte Schlampe und Motherfucker beherrschen die vorhandenen Dialoge und machen mindestens gut 80 % deren Inhalts aus.

Man merkt also, das man an dieser Stelle keine Qualität im eigentlichen Sinne erwarten sollte, denn darauf ist "Murder Set Pieces" ganz sicher nicht ausgelegt. Im Grunde genommen präsentiert sich lediglich ein blutiges Spektakel für den geneigten Gorehound, kommt dieser doch auf jeden Fall auf seine Kosten. Zusätzlich hat Palumbo seiner Geschichte aber auch noch einige wirklich grenzwertige Passagen beigefügt, so kann man den Mörder beim Verzehr von Leichenfleisch-oder beim Oralsex mit einem abgetrennten Frauenkopf beobachten. Nun stellt sich ganz automatisch die Frage, ob gerade solche Einstellungen wirklich gezeigt werden müssen, die jenseits jeglichen Geschmackes angesiedelt sind. Andererseits wird dadurch auch die Charakter-Beleuchtung der Hauptfigur ein wenig ausführlicher gestaltet und zeigt einen tiefen Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele. Auch wenn viele Leute das sicherlich vollkommen anders sehen werden bin ich schon der Meinung, das man einen guten Einblick in die kranke Psyche des Killers geboten bekommt, der von Sven Garrett auch sehr gut dargestellt wird. Nun sollte man in diesem Zusammenhang nicht unbedingt von Schauspiel sprechen, denn ganz generell fällt dieses eher recht dürftig aus, ist jedoch für einen Film dieser Art vollkommen ausreichend. Garrett erscheint aber allein schon optisch nahezu als Ideal-Besetzung, sein stechender-und bohrender Blick wirkt größtenteils angsteinflößend und die gesamte Körpersprache deutet durchgehend darauf hin, das hier ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch steht. Seine unglaublichen Aggressionen wird der Mann jedoch nicht ausschließlich durch seine Morde für kurze Zeit los, sondern auch beim Geschlechtsakt mit etlichen seiner Opfer.

Dieser gestaltet sich fast selbstredend alles andere als normal und bei der Betrachtung der entsprechenden Passagen verspürt der Betrachter selbst fast körperliche Schmerzen, geht es doch extrem brutal zur Sache. Den verstörenden Höhepunkt erreicht das Szenario meiner Meinung nach an dem Punkt, als sich der Killer nicht mehr damit zufrieden gibt junge Frauen zu töten, sondern sich auf einmal auch an kleinen Mädchen vergreift. Dieser Aspekt verursacht einem dann auch einige Magenschmerzen und hinterlässt einen recht üblen Beigeschmack. Auch hier kommt die Frage auf, welchem Zweck solche Einstellungen dienen und ob Palumbo sein Werk dadurch nur visuell noch härter erscheinen lassen wollte. Ich bin jedoch der Meinung, das der verstörende Eindruck der Ereignisse hier noch einmal einen zusätzlichen Schub erhält, der einen in einen noch stärkeren Schockzustand versetzt, als es bisher schon der Fall war. Dazu trägt auch durchaus die im Prinzip völlig fehlende Rahmenhandlung bei, stellt sich doch gerade dadurch das Leben des Fotografen als das dar was es ist, nämlich eine einzige Aneinanderreihung sinnloser Brutalität, die hier explizit ins Bild gesetzt wurde.

"Murder Set Pieces" ist bestimmt kein Film für zartbesaitete Seelen und phasenweise dreht sich dem Betrachter bei diversen Szenen auch der Magen um, doch Palumbo ist es absolut erstklassige gelungen, ein vollkommen bewusst provozierendes Szenario zu erschaffen, das zu kontroversen Diskussionen führt. Über die Notwendigkeit eines solchen Filmes kann man allerdings geteilter Meinung sein und das Werk ist auch nicht nach den ansonsten üblichen Kriterien zu bewerten. Der Schwachpunkt ist sicherlich die deutsche Synchronisation, die dem ernsten und gewalttätigen Ereignissen eine unfreiwillig komische Note verleiht. Bis auf die Stimme des Hauptdarstellers passt an dieser Stelle nämlich gar nichts und man kann sich auch nicht des Eindruckes erwehren, das hier absolute Amateure am Werk waren. Letztendlich bekommt man es mit einer Geschichte zu tun, die wie ein derber Tiefschlag in die Eingeweide daher kommt, doch genau das wollte Palumbo mit dieser Independent-Produktion auch erreichen, die auch lange nach dem Ende noch nachhaltig im Kopf des Betrachters haften bleibt.


Fazit:


Man kann "Murder Set Pieces" unmöglich in eine bestimmte Schublade stecken und eine objektive Bewertung des Szenarios fällt relativ schwer. Für die einen handelt es sich hier um puren filmischen Bodensatz, für die anderen liegt jedoch ein bewusst verstörend inszeniertes Werk vor, an das man sich noch lange erinnern wird. Ganz egal wie man zu dem Film steht, eine Sichtung ist jederzeit lohnenswert.


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