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Re: Kopfjagd - Preis der Angst - Yves Boisset (1983)

Verfasst: Mo 7. Feb 2022, 20:36
von CamperVan.Helsing
"Das Millionenspiel" in der französischen Variante. Francois Jacquemard ist der Kandidat, der die nächsten Stunden überleben muss, um das große Geld zu gewinnen. Seine Beziehung freilich wird schon das Vorfeld der Show nicht überlebt haben, seine Freundin glaubt nicht daran, dass Francois als erster die Jagd überleben wird, und kann seine Versessenheit auf das Geld nicht nachvollziehen.

4 Männer und eine Frau werden Francois die nächsten Stunden jagen. Männer, die sich darauf freuen, ihrer latenten Mordlust nun ganz offiziell nachgehen zu können, und sogar noch Geld kassieren zu können.

Ganz offiziell, nachdem eine Medienkommission eine Beschwerde von Gegnern der Sendung abgewiesen hatte, da kein Verstoß gegen geltendes Recht vorliege. Und überhaupt käme es ja während der Sendung ja zu weniger Straftaten.

Leider erweist sich Francois als äußerst unbequemer Gegner, der erste Todesfall ereilt einen der Jäger, der unaufmerksam die Stromschiene der U-Bahn testet. Ein anderer wird von Francois von einem Hochhausrohbau gestürzt, um dann unten aufgespießt zu werden. Autsch!

Der unerwartete Verlauf bringt den Showmaster Mallaire dazu, Jacquemard darauf hinzuweisen, dass die Regeln nicht erlauben, dass der Gejagte die Jäger tötet. Francois bekommt unerwartete Unterstützung, als ihn eine Frau in ihrem Auto mitnimmt, die sich dann als Laurence Ballard (eine Anspielung auf den Autor J.G. Ballard?), die Produzentin der Show erweist, die ihm zwei Punkte verdeutlicht. 1.) Der Gejagte darf nicht überleben, muss aber 2.) der Quote wegen erst gegen Ende der Zeit erlegt werden.

Francois stürmt ins Studio, bringt Mallaire in seine Gewalt und verlangt vom Sender eine offizielle Erklärung, dass das "Spiel" abgekartet ist. Doch dann läuft das Ganze anders, als sich Francois das vorgestellt hat...

Ich ziehe da Toelles "Millionenspiel" vor, aber "Kopfjagd" ist definitiv schauenswert. In Boissets Film taugt praktisch niemand mehr als Identifikationsfigur. Dem Teilnehmer geht es in erster Linie darum, seiner Existenz durch das Geld entfliehen zu können, um sich dann ausgiebig dem Ausruhen widmen zu können. War die Köhler-Bande noch ihrerseits am Geld für ihre Handwerksleistungen interessiert, besteht die Killertruppe aus gestörten Individuen, die wahrscheinlich eh jemanden gekillt hätten - just for the fun for it. Und Laurence Ballard könnte glatt eine Verwandte von Diane Christensen sein, der verantwortlichen Produzentin in Lumets "Network".

Im Booklet schreibt Frank Stegemann "[...] übertragen auf die Realität würde, dies steht zumindest im Hinblick auf humanistische Gesinnung zu hoffen, niemand einen Blick auf ein solch widerwärtiges Programm riskieren." Ich wäre da nicht so optimistisch. Wer RTL II ertragen kann, ist für eine humanistische Gesinnung längst verloren.

Re: Kopfjagd - Preis der Angst - Yves Boisset (1983)

Verfasst: Sa 14. Mär 2026, 17:52
von Arkadin
Im Kino. Nun nach vier Jahren ein zweites Mal gesehen. Macht aber auf der großen Leinwand und mit Publikum noch einmal mehr Freude. Und man entdeckt immer wieder neue Details. Auch der Soundtrack ist noch einmal intensiver. Michel Piccoli gibt den Showmaster mit sehr viel Schmier. Gérard Lanvin ist großartig als Showteilnehmer, der nicht unbedingt sympathisch ist, auf dessen Seite man sich aber gerne schlägt. Viele tolle kleine Szenen und Ideen, die sich gut zu einem überzeugenden Ganzen zusammenfügen. Im direkten Vergleich zum "Millionenspiel" ist "Kopfjagd" schon recht eigenständig, wenn auch natürlich mit vielen Parallelen. "Running Man" mit Arnold ist dagegen natürlich ziemlicher Fasching, mag ich aber auch. Dicke Empfehlung. Und mit Regisseur Yves Boisset muss ich mich dringend mehr beschäftigen.

Re: Kopfjagd - Preis der Angst - Yves Boisset (1983)

Verfasst: So 15. Mär 2026, 09:42
von karlAbundzu
Im Kino, OmU

Das Millionenspiel auf französisch, vom Pessimisten Yves Boisset. Da habe ich mich drauf gefreut und wurde nicht enttäuscht.
Obwohl ich tatsächlich mehr Action erwartet habe, er beginnt sehr talky, einiges wird erklärt, aber es gibt dann immer wieder kleinere Actionszenen. Viel Zeit bekommt Michel Piccoli, unglaublich als schmieriger TV-Moderator, und daher bekommt er auch die Zeit zurecht. Aber auch Jean-Pierre Bagot ist in seiner Rolle als „Held“ stark. Nicht eben nur das heldenhafte, sondern wie er sich dann auch mal selbst im Weg steht, weil er eben ein Macher ist, eine Arroganz an den Tag legt, und wenig Rücksicht zeigt. Wenn es dann mit der Jagd losgeht, gibt es Atempausen nur noch an den richtigen Stellen. Anders als das Millionenspiel ist es hier keine Mockumentary, sondern lupenreines kritisches Actionkino. Der Soundtrack des von mir unbekannten Cosma knallt auch gut.
Empfehlung!