Killer der Apocalypse
La legge violenta della squadra anticrimine
Italien 1976
Regie: Stelvio Massi
Lee J. Cobb, John Saxon, Thomas Hunter, Renzo Palmer, Lino Capolicchio, Rosanna Fratello, Antonella Lualdi, Giacomo Piperno, Guido Celano, Pasquale Basile, Alfredo Zammi

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OFDB
Italo-Cinema.de (Gerald Kuklinski)
Drei Männer. Der eine ist Inspektor Jacovella, der verzweifelt versucht, die Kriminalität in Bari im Zaum zu halten. Der einem auf frischer Tat ertappten Dieb auch schon mal ein paar gehörige Ohrfeigen gibt, um ihn wieder auf das richtige Gleis zu schieben. Und der Polizistenmördern auch durchaus mal eine Sonderbehandlung seiner Leute zukommen lässt. Der zweite ist Maselli, Chefredakteur der Tageszeitung. Maselli kann Jacovella nicht ausstehen, was sehr wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Maselli weiß, dass die Kriminalität in Bari überhandnimmt, aber Methoden wie Jacovella sie bevorzugt lehnt er prinzipiell ab. Die erwähnten Ohrfeigen landen auf der Titelseite seiner Zeitung, natürlich ohne den Hinweis, dass der Geohrfeigte versucht hat einen Zigarettenautomaten aufzubrechen, und der Ansprache des Kommissars mit einem gezückten Messer antwortete. Solche Nebensächlichkeiten sind Masellis Sache nicht. Der dritte Mann ist Antonio Blasi, ein kleiner Krimineller, der bei einem schlecht verlaufenden Überfall irgendwann die Kontrolle über sich selbst verliert. Und einen toten Polizisten zurücklässt. Auf der Flucht klaut er ein Auto, und erbeutet damit, ohne dass er es weiß, Papiere, die den mächtigen Gangsterboss Dante Ragusa böse kompromittieren können, wenn sie in falsche Hände geraten. Blasi wird also von der Polizei und von der Unterwelt gejagt, und die einzige helfende Hand, die sich ihm entgegenstreckt, ist die von Maselli. Der damit zwei Dinge beabsichtigt: Die Auflage seiner Zeitung zu steigern, und Jacovella eins auszuwischen.
Ein beliebtes Sujet in den Poliziotti jener Zeit: Die „bösen“ Prügelpolizisten auf der einen Seite, und die „gute“ Presse auf der anderen. Wenn der Polizist den Kriminellen schlägt, dann heißt es
brutale Staatsgewalt, und wenn er ihn laufen lässt heißt es
Versagen der Polizei. Ein Mittelding scheint nicht möglich zu sein, und wenn wir dem sympathischen Kommissar Jacovella durch seinen Alltag folgen, schlagen wir uns als Zuschauer ganz selbstverständlich auf seine Seite. Gerade die Episode mit dem Dieb, der „nur“ ein paar Schellen als Erziehungsmaßnahme einkassiert, geht nicht nur AFD-Wählern wie Honig runter, sondern allen, die spätabends noch in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein müssen. Genauso wie das titelgebende, gewalttätige Gesetz der Spezialeinheit, die sich ihre Informationen erprügeln oder ihren Frust auch mal von der Seele hauen müssen. Polizistenmord wird seitens der Exekutive verständlicherweise nie gerne gesehen. Ist Jacovellas Weg also der Richtige?
Oder ist es Masellis Weg? Wobei für Maselli ganz klar der Vorteil seiner Zeitung im Vordergrund steht, aber wenn der dem Prügelkommissar eins auswischen kann, dann ist er schon zufrieden. Seiner Meinung nach muss es auch andere Möglichkeiten der Verbrechensbekämpfung geben – Welche sagt er allerdings nicht. Er lästert spitzzüngig über das Versagen Jacovellas bei der Nicht-Verurteilung von Ragusas Bruder Nino, freilich ohne zu wissen, dass die Zeugen, darunter sogar Jacovellas Frau, böse eingeschüchtert wurden.
Der Disput zwischen Maselli und Jacovella ist eingebaut in die spannende Geschichte von Antonio Blasi, der irgendwie alles falsch macht was man falsch machen kann. Ein kleiner Gauner, der in einem ihn überfordernden Moment die Selbstbeherrschung verliert, und dafür bitter bestraft wird. Was wäre gewesen, wenn Blasi irgendwann vorher die Ohrfeigen von Jacovella bekomme hätte? Der Film verweigert sich einer Antwort, aber der Gedanke steht im Raum. Und spätestens an dieser Stelle macht KILLER DER APOCALYPSE alles richtig: Eine interessante sozialpolitische Fragestellung, eine spannende Handlung, überzeugende Charaktere, gut inszenierte Action und kluge Dialoge. Nicht so eindeutig selbstjustizhaftig wie es das ein oder andere Maurizio Merli-Vehikel ist, kein reiner Actioner, aber auch nicht so durchgeistigt wie es bei Damiano Damiani manchmal zu beobachten ist. KILLER DER APOKALYPSE (was für ein schwachsinniger Titel!) ist eine fein austarierte Mischung aus genau den richtigen Zutaten – Es rummst an den Stellen wo es rummsen muss, und es ist intellektuell ansprechend an den Stellen wo man zuhören möchte. Und stark inszeniert ist er auch …
7/10
Der Sieg des Kapitalismus ist die endgültige Niederlage des Lebens.
(Bert Rebhandl)