Herausforderung Mexiko - Tony Maylam (1987) [Doku]
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Herausforderung Mexiko - Tony Maylam (1987) [Doku]
Originaltitel: Hero: The Official Film of the 1986 FIFA World Cup
Herstellungsland: Großbritannien / 1987
Regie: Tony Maylam
Mitwirkende: Viv Anderson, John Barnes, Peter Beardsley, Andreas Brehme, Terry Butcher, Emilio Butragueño, Kerry Dixon, Terry Fenwick, Paulo Futre, Andy Goram, Richard Gough, Mark Hateley, Glenn Hoddle, Lars Høgh, Eike Immel, Pat Jennings, Dariusz Kubicki u. A.
Hero (1987) ist der offizielle Dokumentarfilm zur Fußball-Weltmeisterschaft 1986, die in Mexiko stattfand. Der Film wurde von Michael Caine kommentiert, die Filmmusik komponierte Rick Wakeman. Er konzentriert sich auf die wichtigsten Spiele der WM 1986 und beleuchtet dabei die Hintergründe bedeutender Spieler, deren Beiträge für die Mannschaft sowie die entscheidenden Momente, die sich im Verlauf des Turniers ereigneten.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Diese Filme sind züchisch krank!
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Re: Herausforderung Mexiko - Tony Maylam (1987) [Doku]
Die dritte Perspektive
„Hero“ ist der offizielle von der FIFA produzierte Kinofilm über die Kult-Herrenfußball-WM 1986 in Mexico, von dessen Existenz ich bis vor Kurzem gar nichts wusste, obwohl er unter dem Titel „Herausforderung Mexiko“ auch eine deutsche Kinoauswertung erfuhr (die leider nirgends erhältlich zu sein scheint). Inszeniert wurde der ein Jahr nach der WM veröffentlichte Dokumentarfilm von „The Burning“-Regisseur (!) Tony Maylam. Michael Caine fungiert im von mir gesehenen Original als Voice-over-Sprecher.
Seinen Film eröffnet Maylam mit Bildern der Folgen des verheerenden Erdbebens, das 1985 im Gastgeberland wütete. Doch Optimismus und Lebensfreude siegten: Der Film zeigt fantastische Bilder der WM-Vorfreude auf den Straßen, die Kamera ist mittendrin statt nur dabei. Dies gilt auch für die Aufnahmen des Eröffnungsspiels der Mexikaner – in Kino-Optik und ganz nah dran. Wenn man so will, handelt es sich um eine dritte Perspektive: Die erste ist die von den Publikumsrängen vor Ort, die zweite die für die Fernsehgeräte aufbereitete, und die dritte diese aufs retrospektive Kinoerlebnis ausgerichtete, die sich nicht um Panoramen oder Spielfeldübersicht schert, sondern an den Einzelspielern zu kleben scheint und auch dorthin geht, wo vielleicht keine andere Kamera war. Die Postproduktion versah den Film zudem mit vielen Zeitlupen, um zusätzliche Dramatik, aber auch Pathos zu erzeugen. Auch auf den Rängen wurde gefilmt, man findet sich als Zuschauer inmitten der Fans wieder.
Es folgt eine Zusammenfassung der Partie der Dänen, die sich erstmals für eine Weltmeisterschaft qualifizierten, gegen Uruguay, zudem einige Eindrücke des Spiels gegen die deutsche Auswahl. Wir sehen nackte Spieler in der Kabine, bevor der Film sich den Spaniern sowie Maradona und den argentinischen Vorrundenspielen widmet. Daraufhin rücken der französische Spieler Michel Platini, der ausgerechnet an seinem Geburtstag einen Elfmeter verschoss (was aber folgenlos blieb), und die Spiele der Franzosen in den Fokus, vorrangig das siegreiche Viertelfinale gegen Brasilien. Weitere für diesen Film aufbereite Partien sind Deutschland gegen Frankreich, England gegen Paraguay und – natürlich – England gegen Argentinien mit dem Skandal um die „Hand Gottes“, sprich: Maradonas regelwidrig per Hand erzielten Treffer, gefolgt vom argentinischen Halbfinale gegen Belgien und dem Finale gegen Deutschland, das Argentinien damals bekanntermaßen noch für sich entschied. Aufnahmen der feiernden Mannschaft in der Kabine entlassen schließlich aus dem Film.
Große Bilder eines großen Turniers also, zu deren Wirkung nicht zuletzt die hochsommerliche Atmosphäre beiträgt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist hingegen Rick Wakemans Synth-/Elektro-Score. Mein Hauptkritikpunkt aber ist, wie sehr dieser Film Diego Maradona zum titelgebenden Helden hochstilisiert wird, seinem Handtor zum Trotz. Damit trug „Hero“ zur Legendenbildung des Argentiniers bei, die ihm offenbar nicht nur guttat, und sparte (trotz britischen Regisseurs) die erwartbar kritischen Reaktionen auf die „Hand Gottes“ weitestgehend aus. Etwas schade zudem, dass der Film bei nur 83 Minuten Laufzeit (inklusive langem Vor- und Abspann) nicht noch ein paar Minuten drauflegte, um Auszüge aus weiteren Spielen oder andere Mannschaften zu zeigen.
Aber auch so liegen Freud und Leid oft dicht beieinander, in beeindruckenden Bildern eines Films konserviert, der eine Fußball-Weltmeisterschaft kinotauglich im Stile einer Heldenreise eines oft auf dem Platz zu Fall gebrachten Spielers inszeniert.
„Hero“ ist der offizielle von der FIFA produzierte Kinofilm über die Kult-Herrenfußball-WM 1986 in Mexico, von dessen Existenz ich bis vor Kurzem gar nichts wusste, obwohl er unter dem Titel „Herausforderung Mexiko“ auch eine deutsche Kinoauswertung erfuhr (die leider nirgends erhältlich zu sein scheint). Inszeniert wurde der ein Jahr nach der WM veröffentlichte Dokumentarfilm von „The Burning“-Regisseur (!) Tony Maylam. Michael Caine fungiert im von mir gesehenen Original als Voice-over-Sprecher.
Seinen Film eröffnet Maylam mit Bildern der Folgen des verheerenden Erdbebens, das 1985 im Gastgeberland wütete. Doch Optimismus und Lebensfreude siegten: Der Film zeigt fantastische Bilder der WM-Vorfreude auf den Straßen, die Kamera ist mittendrin statt nur dabei. Dies gilt auch für die Aufnahmen des Eröffnungsspiels der Mexikaner – in Kino-Optik und ganz nah dran. Wenn man so will, handelt es sich um eine dritte Perspektive: Die erste ist die von den Publikumsrängen vor Ort, die zweite die für die Fernsehgeräte aufbereitete, und die dritte diese aufs retrospektive Kinoerlebnis ausgerichtete, die sich nicht um Panoramen oder Spielfeldübersicht schert, sondern an den Einzelspielern zu kleben scheint und auch dorthin geht, wo vielleicht keine andere Kamera war. Die Postproduktion versah den Film zudem mit vielen Zeitlupen, um zusätzliche Dramatik, aber auch Pathos zu erzeugen. Auch auf den Rängen wurde gefilmt, man findet sich als Zuschauer inmitten der Fans wieder.
Es folgt eine Zusammenfassung der Partie der Dänen, die sich erstmals für eine Weltmeisterschaft qualifizierten, gegen Uruguay, zudem einige Eindrücke des Spiels gegen die deutsche Auswahl. Wir sehen nackte Spieler in der Kabine, bevor der Film sich den Spaniern sowie Maradona und den argentinischen Vorrundenspielen widmet. Daraufhin rücken der französische Spieler Michel Platini, der ausgerechnet an seinem Geburtstag einen Elfmeter verschoss (was aber folgenlos blieb), und die Spiele der Franzosen in den Fokus, vorrangig das siegreiche Viertelfinale gegen Brasilien. Weitere für diesen Film aufbereite Partien sind Deutschland gegen Frankreich, England gegen Paraguay und – natürlich – England gegen Argentinien mit dem Skandal um die „Hand Gottes“, sprich: Maradonas regelwidrig per Hand erzielten Treffer, gefolgt vom argentinischen Halbfinale gegen Belgien und dem Finale gegen Deutschland, das Argentinien damals bekanntermaßen noch für sich entschied. Aufnahmen der feiernden Mannschaft in der Kabine entlassen schließlich aus dem Film.
Große Bilder eines großen Turniers also, zu deren Wirkung nicht zuletzt die hochsommerliche Atmosphäre beiträgt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist hingegen Rick Wakemans Synth-/Elektro-Score. Mein Hauptkritikpunkt aber ist, wie sehr dieser Film Diego Maradona zum titelgebenden Helden hochstilisiert wird, seinem Handtor zum Trotz. Damit trug „Hero“ zur Legendenbildung des Argentiniers bei, die ihm offenbar nicht nur guttat, und sparte (trotz britischen Regisseurs) die erwartbar kritischen Reaktionen auf die „Hand Gottes“ weitestgehend aus. Etwas schade zudem, dass der Film bei nur 83 Minuten Laufzeit (inklusive langem Vor- und Abspann) nicht noch ein paar Minuten drauflegte, um Auszüge aus weiteren Spielen oder andere Mannschaften zu zeigen.
Aber auch so liegen Freud und Leid oft dicht beieinander, in beeindruckenden Bildern eines Films konserviert, der eine Fußball-Weltmeisterschaft kinotauglich im Stile einer Heldenreise eines oft auf dem Platz zu Fall gebrachten Spielers inszeniert.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Diese Filme sind züchisch krank!