Agentin mit Herz [Staffel 1]
Die US-amerikanische Actionkrimi-Serie „Agentin mit Herz“ umfasst 88 Episoden in vier Staffeln, die von 1983 bis 1987 in den USA erstausgestrahlt wurden, ab 1986 auch im ZDF. Es handelt sich um eine typische Vorabendserie, die sich an ein breites Publikum wendet und trotz ihres oftmals von Mord und Totschlag erzählenden Inhalts möglichst familientauglich zu bleiben versucht. Wechselnde Regisseure inszenierten die rund 45 Minuten langen Episoden.
Es dürfte sich um eine der ersten Vorabendserien überhaupt handeln, die ich seinerzeit als Knirps einschaltete. Ich weiß noch, dass ich die weibliche Hauptrolle, die von Kate Jackson („Drei Engel für Charlie“) gespielte Amanda King, als unheimlich sympathisch empfand und Gefallen an der eine gewisse, Vorabendserien wohl eigene Gemütlichkeit vermittelnden Serie fand, obwohl ich eigentlich nicht das Geringste dessen, worum es in ihr geht, verstand. Ich wusste nicht einmal, was eine Agentin ist, und sprach den Serientitel wie ein Medikament mit Betonung auf der letzten Silbe (wie bei „Aspirin“) aus.
Zu meiner Entschuldigung kann ich anbringen, dass der Inhalt tatsächlich reichlich absurd anmutet: Die in Washington, D.C. lebende alleinerziehende Mutter zweier Söhne und geschiedene Hausfrau Amanda King lernt durch Zufall den Geheimagenten Lee Stetson (Bruce Boxleitner, „Tron“), Deckname „Scarecrow“, kennen, als dieser im Zuge seiner Dienstausübung in die Bredouille gerät, und wird so zur freien Mitarbeiterin – ohne Training oder Ausbildung, dafür mit einem guten Instinkt und einem einnehmenden Wesen ausgestattet. Auch wenn die stutenbissige Agentin Francine (Martha Smith, „Animal House“) ablehnend auf die attraktive Quereinsteigerin reagiert, hält Chef Billy Melrose (Mel Stewart, „Scorpio“) an Amanda fest. Ihre Tätigkeit muss diese jedoch gegenüber ihren Kindern Phillip (Paul Stout, „Das total verrückte Ferien-Camp“) und Jamie (Greg Morton) sowie ihrer im Haushalt mit anpackenden Mutter Dotty (Beverly Garland, „Das Gift des Bösen“) geheim halten, was zunehmend zur Herausforderung wird. Doch obwohl die Fälle, in die sie involviert wird, es in sich haben und sie mehrmals in Lebensgefahr gerät, geht stets alles gut für Amanda und Lee aus, zwischen denen sich nach und nach zudem eine amouröse Liaison entwickelt.
Die Serie vermittelt ein Idealbild einer Mutter: Für die Kinder da sein, den Haushalt schmeißen und nebenbei das Land retten. Lee ist ein alleinstehender Schönling mit Fönfrisur und Zahnpastalächeln. Eine Vielzahl der Fälle ist im
Kalten Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion bzw. dem
Warschauer Pakt angesiedelt, das ganze Sujet ist unübersehbar ein Produkt der Reagan-Ära und entsprechend kaum subtil propagandistisch aufgeladen, was die Serienmacher jedoch mit den Mitteln des Humors abschwächen und zuweilen gar ironisieren – ausdrücklich jedoch ohne es satirisch umzukehren. Stattdessen wirkt die Darstellung der Arbeit eines Geheimdiensts allem Waffeneinsatz zum Trotz verharmlosend. Gegen etwaige Kritik an dieser unrealistischen Darstellungsweise wappnete man sich, indem man den Geheimdienst nie näher definierte. Die sich nach außen hin als Filmproduktionsfirma gebende Organisation hat keinen Namen, nicht einmal eine Abkürzung, lediglich um die
CIA soll es sich explizit
nicht handeln.
Wie so oft weisen die Originaltitel der Episoden häufig Doppeldeutigkeiten oder Wortspiele auf, die in der hemdsärmeligen deutschen Adaption verlorengehen.
S1E01: Amandas erster Einsatz
Originaltitel: The First Time
Regie: Rod Holcomb
„Wir haben vier Agenten verloren in nicht mehr als zwei Wochen!“
Den ersten Toten gibt es schon in den ersten Sekunden zu beklagen. Amanda wird daraufhin von Lee am Bahnhof überrumpelt und dazu gedrängt, in der gleich abfahrenden Bahn einem Mann mit rotem Hut ein Päckchen zu übergeben. Dessen Vorgesetzter entpuppt sich als John Saxon („Der Mann mit der Todeskralle“), und in der Bahn geht’s komödiantisch zu. Nach einigen Irrungen und Pannen entwickelt Amanda selbst detektivischen Spürsinn – doch da hat man ihr bereits eröffnet, dass der Job als Agentin nichts für sie sei. Dennoch kommt sie einer mörderischen Kochsendung (!) auf die Spur.
„Um Gottes Willen – der dreifache Todeshaken!“
Natürlich geht es hier gegen den
KGB, politischer wird’s aber nicht. Die tolle Titelmelodie wird in Variationen in dieser und folgenden Episoden mehrmals wieder aufgegriffen, der Humor, der unter anderem Hausfrauenklischees vorsichtig persifliert, erweist sich als durchaus angenehm, und fast überall sieht das Interieur stilvoll und gemütlich aus – die 1980er eben (zugegebenermaßen hier so repräsentiert, wie sich das Jahrzehnt selbst gern sieht). Ein Hubschrauberflug sorgt für das spektakuläre Moment dieser Episode. Ein sympathischer Auftakt.
(Wird fortgesetzt.)