Die Saat der Angst - Eugenio Martin (1973)

Moderator: jogiwan

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ugo-piazza
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Die Saat der Angst - Eugenio Martin (1973)

Beitrag von ugo-piazza »

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Originaltitel: Una vela para el diablo

E 1973

D: Judy Geeson, Aurora Bautista, Esperanza Roy

Ein kleines Dorf in Spanien, hier führen die Schwestern Veronika und Marta die Pension „Las dos hermanas“. Die Tatsache, dass sich nun auch junge Frauen aus England oder Holland in das Kaff verirren, sollte auch die Umsätze der Schwestern steigern, doch sind Veronika und Marta fanatisch religiös, seit Marta am Tage ihrer geplanten Hochzeit sitzen gelassen wurde, ihr Verlobter brannte mit einer Urlauberin durch. Dabei hat Veronika heimlich eine Liebschaft mit dem gerade mal 20jährigen Luis, während Marta sich lieber gleich selbst für ihre sündigen Gedanken bestraft, nachdem sie ein paar kleine Kinder beim nacktbaden beobachtet hat, indem sie durch Dornengestrüpp rennt.

Auf jeden Fall ist den beiden die Freizügigkeit ihrer Gäste ein Dorn im Auge, und so wird die englische Touristin May des Hauses verwiesen. Die kommt dabei durch einen Unfall ums Leben, was Marta allerdings für ein Zeichen Gottes hält. Dummerweise steht am nächsten Tag Mays Schwester Luisa in der Tür, doch die May sei leider abgereist, nein, wohin wisse man leider nicht.

Ein junges Mädchen mit 8monatigem Baby wird freilich gerne in der Pension aufgenommen, während der Tod der promisken Holländerin Helen auch keineswegs mehr auf einen Unfall zurückgeführt werden kann. Nachdem die Klatschtante Beatrix erzählt, dass die junge Mutter ein uneheliches Kind hat, verkürzt sich auch ihre Lebenserwartung dramatisch. Allerdings war das Gerücht falsch, was zumindest bei Veronika Gewissensbisse hervorruft, wofür Marta allerdings bereits nicht mehr empfänglich, diese modernen Ehen könne man eh nicht mehr Ehe nennen.

Luisa sucht immer noch nach ihrer Schwester, was auch sie in Gefahr bringt…

Huch, ein katholizismuskritischer Film aus Spanien, obwohl zu der Zeit noch der Franco (und damit ist natürlich nicht Jesus F. gemeint!) regierte?? Wahrscheinlich dürfte Martins Film dort eh verboten gewesen sein, sind ja Nuditäten drin! Senor Martin lieferte aber gute Arbeit ab, nach der man ruhig Ausschau halten darf. Die deutsche Kassette sollte auch nicht viel Kohle kosten. Nur die Bundesprüfstelle hat den Film mal wieder nicht verstanden und so müssen Veronika und Marta noch etwa anderthalb Jahre auf der schwarzen Liste überstehen. Auch wenn ich glatt annehmen würde, der einzig plausible Indizierungsgrund ist das VHS-Cover, wo die Deppen aus dem Hause Mike Hunter doch glatt den Man-Eater eingearbeitet haben, was nun wirklich gar keinen Sinn ergibt.
Maulwurf hat geschrieben: Ugo, Du bist 'ne Wucht.

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sergio petroni
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Re: Die Saat der Angst - Eugenio Martin

Beitrag von sergio petroni »

Die zwei bigotten Schestern Marta und Veronica führen eine kleine Pension in der Nähe
von Madrid. Die Gäste sind nicht sehr zahlreich. Dafür sorgen die zwei Schwestern höchstselbst,
indem sie unliebsame Gäste des Hauses verweisen oder gleich verhackstücken. Schließlich
müssen die vier riesigen Weinkübel im Keller auch mit Fleischbeilage gewürzt werden.

Wohl dramatisch gemeint von Eugenio Martin, kommt sein Streifen heutzutage doch bisweilen
unfreiwillig komisch daher. Dies tut dem gemütlichen Unterhaltungswert jedoch kaum
Abbruch. Wenn die zwei Schwestern eine Holländerin wegen zu freizügigem Umgang
mit Männern über die Klinge springen lassen, aber selbst in leicht fortgeschrittenem
Alter sabbernd dem jungen Hausgehilfen nachstellen, ist man trotz fließendem Lebenssaft
zum innerlichen Schmunzeln angehalten. Eine weitere junge Frau muß dran glauben,
weil sie anscheinend unehelich ein Kind großzieht.
Da paßt doch eher die Deutung, daß die beiden Schwestern in ihrer eigenen Hölle
leben, bildlich dargestellt durch Malereien von Hieronymus Bosch in ihrem Schlafzimmer.

Mit einer Laufzeit von 67 Minuten ist der Streifen recht kurzweilig geraten
und wartet mit einer jungen Judy Geeson in der Hauptrolle auf.
6/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“

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jogiwan
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Re: Die Saat der Angst - Eugenio Martin (1973)

Beitrag von jogiwan »

Zwei alte Jungfern spielen Sittenpolizei in einem kleinen spanischen Dorf und ermorden junge Frauen, die in ihrer Pension absteigen, sich ihrer Meinung nach zu freizügig präsentieren oder es sich ihrer Meinung nach auf andere Weise mit dem Herrgott verscherzen und die englische Schauspielerin Judy Geeson macht sich als internationales Gesicht in der spanischen Produktion auf die Suche nach ihrer verschwundenen Schwester. Alles hübsch routiniert und mit spanischem Flair in Szene gesetzt überzeugt „A Candle for the Devil“ vor allem durch seine beiden Hauptdarstellerinnen Aurora Bautista und Esperanza Roy, die zwar vordergründig die bigotten Gastronominnen mimen, hinter deren Fassade sich aber Krater-tiefe Abgründe auftun. Dabei ist „Die Saat der Angst“ aber inhaltlich bei weitem nicht so radikal wie „Die Teuflischen der Insel“, und statt breit ausgewalzter Gewalt wird der Fokus eher auf dramatische Ereignisse und seelische Verzweiflung gelegt und entlarvt dabei hübsch die Doppelmoral, die in vielen ländlichen Gemeinden ja auch heute noch Programm ist. Die englische DVD dauert 90 Minuten, bietet die ein- oder andere Schmodderei und Nackedei und ist vielleicht im Finale einen Ticken zu lang ausgefallen. Insgesamt ist Eugenio Martin aber schon ein interessanter und nicht ganz alltäglicher Streifen über zwei Frauen am Rande des Nervenzusammenbruch und erhöhter Gewaltbereitschaft gelungen, die für die Verteidigung ihrer Ideale auch schon einmal etwas über die Stränge schlagen.

PS: findet ihr nicht, dass Esperanza Roy in dem Streifen wie die ältere Schwester von Susan Scott aussieht?

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jogiwan
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Re: Die Saat der Angst - Eugenio Martin (1973)

Beitrag von jogiwan »

Ende Mai 2016 von Subkultur Entertainment.

quelle: Fratzenbuch
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ugo-piazza
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Re: Die Saat der Angst - Eugenio Martin (1973)

Beitrag von ugo-piazza »

jogiwan hat geschrieben:Ende Mai 2016 von Subkultur Entertainment.

quelle: Fratzenbuch
Very well, das spanische 70er-Genrekino lohnt doch stets ein, zwei oder mehr Blicke. 8-)
Maulwurf hat geschrieben: Ugo, Du bist 'ne Wucht.

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ugo-piazza
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Re: Die Saat der Angst - Eugenio Martin (1973)

Beitrag von ugo-piazza »

Die Subkultur-Scheibe präsentiert den Film nun mit den ehemals geschnittenen Handlungsszenen und in guter Qualität; es gibt also keine Ausrede mehr, den Film nicht zu kennen. Einblicke in das spanische Genrekino der 70er lohnen sich freilich fast immer. Viva Espana!
Maulwurf hat geschrieben: Ugo, Du bist 'ne Wucht.

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Adalmar
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Re: Die Saat der Angst - Eugenio Martin (1973)

Beitrag von Adalmar »

Hier mal ein paar Bilder von der Subkultur-BD.

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Zum Film: Ein sehr angenehmer und fieser Thriller mit einer guten Besetzung in den Hauptrollen, Esperanza Roy und Aurora Bautista. Besonders Letztere lässt allein durch ihre finsteren Blicke nichts Gutes ahnen und gruselige Stimmung aufkommen. Wie üblich ist es ganz sinnvoll, den Film mit möglichst wenig Vorinformationen zu sehen.
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Maulwurf
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Re: Die Saat der Angst - Eugenio Martin (1973)

Beitrag von Maulwurf »

Eigentlich hatte ich einen eher durchschnittlicheren Horrorfilm erwartet, und war völlig von den Socken, einen so gradlinig und kompakten Psycho-Thriller vorgesetzt zu bekommen. Denn um nichts anderes handelt es sich hier: Die Besessenheit einer Frau, die in ihrem Wahn beginnt ihre Umwelt abzuschlachten. In einer grausigen Abwärtsspirale vermengen sich Wahn und Blutlust zu einem überwältigenden Film. Großartig!

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Blap
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Re: Die Saat der Angst - Eugenio Martin (1973)

Beitrag von Blap »

jogiwan hat geschrieben:
Fr 27. Feb 2015, 07:34

PS: findet ihr nicht, dass Esperanza Roy in dem Streifen wie die ältere Schwester von Susan Scott aussieht?

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Vor allem wie die attraktivere Schwester von Frau Scott aka Navarro! :sabber:

sergio petroni hat geschrieben:
Mo 22. Sep 2014, 19:11
Mit einer Laufzeit von 67 Minuten ...
Was war das denn für eine Fassung? ... oder meintest du 87 Minuten, dann würde es passen.
Maulwurf hat geschrieben:
Mi 30. Dez 2020, 11:51
Eigentlich hatte ich einen eher durchschnittlicheren Horrorfilm erwartet, und war völlig von den Socken, einen so gradlinig und kompakten Psycho-Thriller vorgesetzt zu bekommen.
So sieht es aus! :thup:


***
Gestern geschaut, ich bin sehr angetan. Mich hat dieses Drama um zwei psychisch auffällige Schwestern begeistert. Die äußerlich biedere Judy Geeson als Gegenpol zu besetzen, ist aus meiner Sicht ebenfalls eine sehr gute Wahl.

Mir liegt die ärmlich ausgestattete Blu-ray aus GB vor. Sollte mir die Subkultur BD noch günstig in die Hände fallen, werde ich bedenkenlos zugreifen! Wobei der englische Dub sehr charmant tönt, aber der ist auf der SK Scheibe wohl ebenfalls enthalten.
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