Lake of the Dead - Kåre Bergstrøm (1958)

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Salvatore Baccaro
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Lake of the Dead - Kåre Bergstrøm (1958)

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Originaltitel: De Dødes tjern

Produktionsland: Norwegen 1958

Regie: Kåre Bergstrøm

Cast: André Bjerke, Bjørg Engh, Henki Kolstad, Per Lillo-Sternberg, Erling Lindahl, Henny Moan, Øyvind Øyen, Georg Richter, Inger Teien


Als würden sich THE EVIL DEAD und FRIDAY THE 13TH unter der Regie Ingmar Bergmans und/oder Sigmund Freuds im Jahre 1958 an einem norwegischen See treffen…

Sechs Freunde - zwei Frauen, vier Männer - wollen einen Siebten, den Bruder einer der Damen, in einer verlassenen Hütte mitten im Forst besuchen, wohin dieser sich zurückgezogen hat. Allerdings fehlt von ihm jede Spur, und das, was sich an Spuren finden lässt, deutet darauf hin, dass es mit ihm ein arges Ende genommen hat: Sein Hut liegt am Ufer eines nahen Sees, unweit vom Leichnam seines erschossenen Hundes. Ein lokaler Polizist erzählt unseren Freunden von den Gerüchten, die über die besagte Hütte im Umlauf sind: Einst habe ein Mann, der seiner eigenen Schwester in inzestuöser Liebe zugeneigt gewesen sei, diese mitsamt ihres Liebhabers aus Eifersucht ermordet, und sich daraufhin selbst per Sprung in den See suizidiert. Seither treibe der Geist des Mannes sein Unwesen und würde körperlich Besitz von den Menschen ergreifen, die in seiner ehemaligen Hütte nächtigen, um sie ihrerseits dazu zu bringen, ins Wasser zu gehen. Unsere Freunde bleiben fürs Erste in der Hütte und natürlich häufen sich die rätselhaften Vorkommnisse: Die Schwester des Verschollenen beginnt im Schlafwandel dem Seeufer gefährlich nahezukommen; Fußspuren sind um die Hütte herum zu sehen, die niemandem der Anwesenden zugerechnet werden können; letztendlich zerbrechen sich vor allem die Mannsbilder der Runde die Köpfe über das Mysterium: Der eine plädiert dafür, dass der Verschollene ermordet worden sei; ein anderer vertritt die Suizid-Theorie; ein Dritter schwört aufs Übernatürlichw; der Vierte im Bunde lauscht den Argumenten und bringt sie als Kurzgeschichte zu Papier, die er dann in der Rahmenhandlung seiner Ehefrau (und uns) vorliest.

Bis sich am Ende alles in einer ellenlangen rationalen Erklärung auflöst, gegen die das psychoanalytisch grundierte Finale von PSYCHO sich wie ein One-Liner ausnimmt, kann man in diesem kurzweiligen norwegischen Folk-Horror-Streifen eine begnadete Schwarzweißphotographie, ein dynamisches Ensemble, eine raffinierte Dramaturgie, einige wirklich unheimliche Momente sowie einen elegisch-melancholischen Grundton bewundern, der für mich gar nicht allzu weit entfernt ist vom schauerromantischen Lyrismus, den Bergmann beispielweise in VARGTIMMEN anstimmt. An THE EVIL DEAD und FRIDAY THE 13TH wiederum erinnern einige narrative Motive und Topoi wie eine Fischerkabine voller potenzieller Mordwaffen, ein sich stetig dezimierender Cast, eine verwunschene Waldhütte, in der Aufzeichnungen des vorherigen Besitzers gefunden werden, (namentlich: das Tagebuch des Verschwundenen, das unseren Helden eine sehr gruslige Lektüre verspricht), sowie generell die Tatsache, dass eine Gruppe von Leuten fernab der Zivilisation (mutmaßlich) mit etwas Maliziös-Metaphysischen konfrontiert wird.

DE DODES TJERN ist eine kleine Sternstunde skandinavischen Schauders, eine spannende Mixtur aus Genre-Kino und Arthouse, der mir nicht zuletzt wegen seiner unverlässlichen Erzählposition angenehme fünfundsiebzig Minuten beschert hat.

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