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Haunter - Jenseits des Todes - Vincenzo Natali (2013)

Verfasst: Sa 26. Sep 2015, 15:17
von sergio petroni
HAUNTER - JENSEITS DES TODES

Bild

Originatitel: Haunter

Herstellungsland-/jahr: KAN/FRA 2013

Regie: Vincenzo Natali

Darsteller: Abigail Breslin, David Hewlett, Stephen McHattie, Peter Outerbridge, Michelle Nolden,
Samantha Weinstein, Sarah Manninen, Eleanor Zichy, Peter DaCunha, David Knoll,,Michelle Coburn,
Marie Dame, ...

Story: Lisa (Abigail Breslin) lebt mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder in einem neuen Haus. Doch eines kommt Lisa komisch vor, denn es scheint als erlebe sie immer wieder den selben Tag aufs Neue. Ganz allmählich wird ihr klar, dass es tatsächlich so ist. Nachdem sie den ersten Schock verdaut hat, versucht sie herauszufinden, warum dies so ist und auch ihre Familie von dieser Tatsache zu überzeugen. Plötzlich tritt der Verursacher auf den Plan und Lisa hat eine grausige Erkenntnis.
(quelle: splashmovies.de)

Re: Haunter - Jenseits des Todes - Vincenzo Natali (2013)

Verfasst: Di 14. Apr 2026, 15:55
von buxtebrawler
„Hör auf, Türen zu öffnen, die geschlossen bleiben sollten!“

Mit dem kleinen, französisch-kanadisch koproduzierten Mystery-Thriller „Haunter – Jenseits des Todes“, die US-Regisseur Vincenzo Natali („Cube“) inszenierte, integrierte man im Veröffentlichungsjahr 2013 die 1980er geschmackvoll in ein Zeitschleifensujet und gab damit einen Vorgeschmack auf den kurz darauf um sich greifenden Retro-Filmtrend.

Die Teenagerin Lisa (Abigail Breslin, „Little Miss Sunshine“) sieht sich in einer Zeitschleife gefangen: Sie erlebt ein und denselben Tag des Jahres 1985 im Haus ihrer Familie täglich aufs Neue, ist aber die Einzige in ihrer Familie, die dies bemerkt. Mutter Carol (Michelle Nolden, „RED - Älter. Härter. Besser.“) und Vater Bruce (Peter Outerbridge, „Land of the Dead“) sowie Bruder Robbie (Peter DaCunha, „Jersey Devil“) gehen den immergleichen, wenig aufregenden Tätigkeiten nach, wobei mit Edgar (David Knoll, „The Strain“) Robbies imaginären Freund mit am Esstisch sitzt. Damit nicht genug: Sobald Lisa für sich allein ist, wird sie Zeugin gruseliger Phänomene. Mit einem Oiuja-Brett versucht sie einer möglichen Spur nachzugehen, und tatsächlich ändert sich plötzlich der gewohnte Ablauf – und jemand nimmt Kontakt zu ihr auf…

Das nebelverhangene Haus riecht bereits optisch zehn Meter gegen den Wind nach haunted, während Postpunk-Fan Lisa in ihrem Siouxsie-and-The-Banshees-Pulli im Hausinnern erst unter den ständigen Wiederholungen und schließlich den unheimlichen Erscheinungen leidet. Diese fallen wohlig-gruselig aus, Jumpscares sind die Ausnahme. Ich hoffe, dass ich nicht zu viel vorweggreife, wenn ich eine inhaltliche Nähe nicht nur zu „Und täglich grüßt das Murmeltier“, sondern auch zu „The Others“ attestiere. Letztere wird variiert und ergänzt um diverse Bekanntschaften, die Lisa nach und nach macht (und den Murmeltier-Aspekt zurückdrängen), einen Identitätswechsel und die Einführung einer neuen, zukünftigen Zeitebene. Lisa kommt einer Mordserie auf die Spur und wird sich schließlich ihrer Aufgabe in diesem unheimlichen Spiel bewusst, die alles andere als leicht zu erfüllen ist.

Die Populärkultur des Jahres 1985 äußert sich in Form eines The-Smiths-Plakats sowie durch Pacman, Walkie Talkies, die bereits genannte Postpunk-Ikone Siouxsie, den unvermeidlichen Zauberwürfel, die TV-Serie „Mord ist ihr Hobby“, Ronald Reagan, Joy Division, The Cure und, äh, Peter und der Wolf, das sich auch im Soundtrack wiederfindet. Nettes Detail: Lisas Familie besitzt einen Beta- anstelle eines VHS-Rekorders. Wer jene Dekade miterlebt hat, dürfte (trotz Reagan) nostalgische Gefühle entwickeln.

Atmosphärisch punktet „Haunter“ hauptsächlich mit einer mal mehr, mal weniger stark betonten und ausgespielten Melancholie, angereichert mit sanften Schauern und geheimnisvoller Spannung. Unterm Strich ergibt das eine schön durchdachte und konstruierte Variation des Zeitschleifenthemas, die sich mit Haunted-House-Charakteristika zu einem großen Puzzle zusammensetzt, zu dem auch Stephen McHattie („Watchmen“) und Eleanor Zichy („Skins“) ihr schauspielerisches Scherflein beitragen. Mit Abigail Breslin konnte man eine tolle Hauptdarstellerin gewinnen, die ihre Rolle prima meistert. Für Natali-Verhältnisse – der Regisseur ist eher für originelle Stoffe bekannt – ist „Haunter“ allerdings beinahe nicht mehr als gut gemachte Konfektionsware. Die Verquickung von ‘80er-Rollback, Zeitschleife und Haunted House ist vermutlich das einzig wirklich Neue, aber da ich alle drei Sujets mag, gefällt mir auch dieser Film gut.