Handlung:
Die junge Candy (Candice Rialson) träumt von einer Karriere als große Hollywood-Schauspielerin. Doch als sie in der weltberühmten Filmstadt ankommt muss sie feststellen, dass die Industrie in der Hand von schmierigen Produzenten liegt, welche mit billigen Schundfilmen versuchen, möglichst viele attraktive Schauspielerinnen auf ihre „Besetzungs-Coach“ zu bekommen. Schließlich findet Candy allerdings doch noch eine Rolle in dem Film „Maschinengewehr-Mädchen“, doch als ein unbekannter Killer beginnt ihre Kolleginnen zu morden muss Candy fürchten, dass sie die nächste sein könnte…
Kritik:
„In Hollywood ist der Teufel los“ ist ein billig produzierter auf Sex und Gewalt aufbauender Film, welcher billig produzierte auf Sex und Gewalt aufbauende Filme persifliert! Die Ironie, die darin liegt, kann deswegen so zielführend eingesetzt werden, da sich die Leute hinter dem Film wirklich in ihrem Metier auskennen. Produziert wurde das Ganze von Roger Corman, dem „King of B-Movies“, welcher bei seinen Billig-Produktionen jeden Cent zweimal umdreht (Wortwörtlich: Laut Wikipedia bestand das Budget für „In Hollywood ist der Teufel los“ aus 54.039 Dollar und 43 Cents

). Auch der Regisseur Joe Dante (später bekannt von solchen Hits wie „Gremlins“) arbeitete davor schon ein paarmal als Editor für Corman.
Mit Corman hinter dem Steuer wurde natürlich gespart wo es nur ging: Der Film strotzt nur so vor Szenen, die aus anderen Corman-Filmen wie „The Big Bird Cage“ oder „Frankensteins Todes-Rennen“ genommen wurden. Allerdings versteht Dante genug von Schnitt um dieses Archivmaterial so geschickt einzufügen, dass man es auf den ersten Blick nicht als solches identifizieren würde, sofern man die Originalfilme dazu nicht kennt. Außerdem ist der Film seiner billigen Machart äußerst bewusst und liefert immer wieder kleine Seitenhiebe (Beispielsweise erklärt der Agent Walter Paisley, gespielt von Dick Miller, dass er früher Schauspieler war, während er sich mit Candy „The Terror“ ansieht, wo Dick Miller ebenfalls eine Rolle übernahm).
Wenn man sich auch nur ein wenig in der Welt der 70er-B-Movies auskennt wird man eine große Freude mit „In Hollywood ist der Teufel los“ haben. Der Film macht sich zwar wohl über die Effekthascherei der damaligen Produzenten lustig, lässt seine Darstellerinnen aber trotzdem oben ohne ein Sonnenbad nehmen. Sätze wie „Der Produzent sagt in der Kreuzigungsszene brauchen wir mehr Humor…oder mehr Sex“, „Wir nehmen mehr Sex, ist billiger.“, sind gerade deshalb so lustig, weil ich überzeugt bin, dass Corman an irgendeinem Punkt seiner Karriere genau dieselbe Entscheidung treffen musste.
Diese Persiflage geht in erster Linie von der fiktiven Filmcrew aus, die aus sehr sehr kaltblütigen geldgeilen Egomanen besteht, die aufgrund ihrer Schrulligkeit aber schon wieder irgendwas Liebenswürdiges an sich haben. Besonders der Regisseur verbucht viele Lacher, da er es gewohnt ist seine Filme schnell und billig zu drehen, aber dennoch irgendwas Künstlerisches in seiner Arbeit sieht. Es kommt vor, dass er minutenlang darüber philosophier, was für eine ästhetische Poetik in der nächsten Szene liegt, bevor er mit „…und wir kurbeln das Ganze in einer Einstellung runter.“ schließt.
Die darstellerischen Leistungen befinden sich Großteils irgendwo zwischen solide und annehmbar mit zwei Ausnahmen: Candice Rialson als die Protagonistin Candy und Dick Miller als ihr Agent. Rialson sieht so aus, als würde man einen Eimer Zuckerglasur über die Tochter des Hallo-Kitty-Kätzchens und einer My-Little-Pony-Figur gießen (=Metapher für „süß“). Es reicht jedoch nicht nur ein hübsches Gesicht zu haben, Rialson tut auch was damit. Sie verfügt über ein breites Spektrum an komödiantischen Grimassen, welches in diesem Film für viele lustige Momente sorgt. Da ihre anfangs ins Alberne überzogene Naivität (hier musste ich unentwegt an „Candy“ denken, nicht nur weil die Namen der naiven Protagonistinnen ident sind, Rialsons erinnert auch vom Aussehen ein wenig an Ewa Aulin) immer weiter zurückgeht, umso länger sie für den Film arbeitet, kann man in ihrem Charakter auch so etwas wie eine Entwicklung beobachten, und das ist natürlich immer was Feines. Dick Miller, er sollte sich zu einem Standard-Schauspieler Joe Dantes entwickeln, ist absolut großartig in der Rolle als Candys Agent. In seiner ersten Szene kommt er sehr schmierig und geldgeil herüber, doch bald bemerkt man, dass er ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu seinen Klienten hat, was ihn mit der Zeit zu einer sehr sympathischen Figur werden lässt.
Im Gegensatz zu dem Gebrauch Archivmaterial und Nacktszenen, welcher ein ironisches Ziel verfolgt, hat der Film allerdings auch ein paar Probleme, die ich ihm nicht verzeihen kann. Hin und wieder wirkt der Schnitt ein wenig gehetzt und das Drehbuch weist einige große Probleme auf. So hat man sich für den Schluss – das Aufdecken des Mörder-Rätsels – viel zu wenig Zeit genommen und der Showdown ist vorbei, bevor er erst richtig begonnen hat. Überhaupt sind die beiden Handlungen Candy-findet-sich-in-der-Filmbranche-zurecht und Mr.-Crazy-ermordet-Leute nicht gut aufeinander abgestimmt. Es würde helfen, wenn man eine der beiden Handlungen als Haupt- und eine als Nebenhandlung identifizieren könnte. Aber beiden wird separat voneinander so viel Zeit gewidmet, dass sie voneinander ablenken. Es hätte nicht gestört, wenn man die Handlung um Candys Erfahrungssammlung kürzer gemacht hätte (auch wenn die witzigsten Szenen in diesem Teil des Filmes liegen) oder, und das hätte ich ehrlich gesagt noch zielführender gefunden, das Mörder-Rätsel ganz weggelassen hätte.
Fazit: Von einigen Problemen des Drehbuchs abgesehen ist der Film eine geniale Parodie auf die billigen Schundfilme der 70er, der besonders dadurch, dass er selbst ein billiger Schundfilm aus den 70ern ist, eine große Ironie entwickelt. Die Figuren und Dialoge sorgen für eine Menge Humor, der durch die komödiantischen Fähigkeiten der sympathischen Hauptdarstellerin nochmal verstärkt wird. Lang lebe Roger Corman! 7/10