Darsteller(innen): Bastian Pastewka, Fabian Busch, Hans Löw, Pegah Ferydoni, Charly Hübner, Cyrill Berndt, Alessija Lause, Ferdinand Lehmann, Imad Mardnli, Zoe Moore, Julia Richter, Stefan Lochau, Jana Julia Roth, Anneke Kim Sarnau, Steffen Münster, Felix Schmidt-Knopp, Jonas Sippel u. A.
Statt auf Hardrock oder Metal stehen Paul (Hans Löw), Alexander (Bastian Pastewka) und Ole (Fabian Busch) seit ihrer Schulzeit in den Achtzigern eher auf Ska à la Madness. Nachdem sie damals ein Konzert der Band verpasst hatten, gibt es jetzt die Gelegenheit: Madness treten auf dem „Family. For. Fun.“ - Festival im fränkischen Land auf, und man beschließt, dort auf einem Campingplatz ein gemeinsames Wochenende inklusive Konzertbesuch zu verbringen. Dazu kauft Paul extra einen knallgelben Golf I, stilecht, denn Alexander fuhr auch so einen. Aber schon die Anreise verläuft nicht ohne Probleme. Alexanders Koffer, von Ole auf dem Parkplatz vergessen, wird als herrenloser verdächtiger Gegenstand von der Polizei gesprengt, es gibt Ärger mit einem Bikertrio, dass auf AC/DC steht und auf dem Campingplatz schnappen diese den Dreien auch noch den Stellplatz weg, weil man zu spät ankommt. Nachdem allerdings Alexander nach einem Besuch in einem Bierlokal das Angebot der Kellnerin Babette (Alessija Lause) zu einer Liebesnacht ausschlägt, vermasselt er damit auch dem jahrelang sexuell unfreiwillig abstinenten Ole die Tour bei Babettes Freundin und Countrysängerin Stephanie (Pegah Ferydoni). Nun hängt der Haussegen bei den Dreien erst richtig schief...
Re: Der Sommer nach dem Abitur - Eoin Moore (2019)
Verfasst: Do 30. Apr 2026, 15:54
von buxtebrawler
„Madness forever!“
Komödiant Bastian Pastewka tritt immer mal wieder als Hauptdarsteller von Spielfilmen in Erscheinung, so beispielsweise im von Marc Terjung geschriebenen „Mutter muss weg“ aus dem Jahre 2012. Terjung schrieb auch „Der Sommer nach dem Abitur“, in dem Pastewka Teil eines Hauptrollen-Trios ist. Die von Eoin Moore (Rostocker „Polizeiruf 110“) inszenierte TV-Roadmovie-Dramödie feierte ihr Debüt am 4. Juli 2019 auf dem Internationalen Film Festival München, die Fernseherstausstrahlung folgte am 28. Februar 2020 auf Arte.
„Weißt du, wie lange ich keinen Sex mehr hatte?!“
Paul (Hans Löw, „Toni Erdmann“), Alexander (Bastian Pastewka, „Pastewka“) und Ole (Fabian Busch, „Er ist wieder da“) waren in ihrer Schulzeit große Fans der britischen Two-tone-Ska-Band Madness, verpassten aber leider deren damaliges Reunion-Konzert. Als sie erfahren, dass Madness auf dem fränkischen „Family. For. Fun.“-Festival auftreten, reanimieren sie ihre alte Freundschaft und planen ein gemeinsames Camping-Wochenende mit Festivalbesuch. Paul erwirbt dafür eigens einen 1er-Golf, wie ihn Alex einst fuhr. Doch mit dem Beginn der Reise beginnen auch die Probleme: Dass Alexanders versehentlich auf dem Parkplatz stehengelassener Koffer mit seinen Medikamenten in die Luft gesprengt wird, ist nur eines. Schwerer wiegt, dass alte Geschichten und Konflikte wieder hochkochen und sich Lebenslügen offenbaren…
„Wie ist das eigentlich, wenn man so alt ist?“
Dass ein deutscher Fernsehfilm der britischen Musiklegende Madness huldigt, ist schon Grund genug, sich ihn anzusehen. Eingebettet in ein humoriges Drama um drei verdammt „erwachsen“ gewordene alte Schulfreunde, denen ihr Alter nicht unbedingt zum Vorteil gereicht, entspinnt sich ein mit Madness-Hits gespicktes Roadmovie der deutschen Prä-Covid-19-Gegenwart. Alex ist ein Lobbyist und ziemlicher Spießer geworden, der eine Medikamentenabhängigkeit entwickelt hat, Ole verdingt sich als nicht sonderlich erfolgreicher Autor von Ratgeber-Büchern und Paul entpuppt sich als kriminelles Charakterschwein. Auf ihrer Reise treffen sie auf verschiedene gealterte Vertreter unterschiedlicher Subkulturen, unter anderem Hardrocker (die sich als Zahnärzte und Steuerberater herausstellen) und einen Robert-Smith-Verschnitt, außerdem auf Charly Hübner als schmierigen Supermarktleiter und Anneke Kim Sarnau als Apothekerin – aufs Rostocker „Polizeiruf 110“-Ensemble also und somit für Regisseur Moore vertraute Gesichter.
„Wir waren Freunde, das hat mit Mögen nicht so viel zu tun!“
Es kommt zu sinnlosen, provinziell und alles andere als alterskonform anmutenden Musik- bzw. vielmehr Image-Diskussionen à la AC/DC versus Madness; Zeitkolorit findet sich, wenn erwähnt wird, dass Erstgenannte gerade mit Axl Rose unterwegs sind. Und auf dem Campingplatz läuft plötzlich Heino, ironisch gehört von Jugendlichen – was zum Anlass für einen großartigen Dialog wird. In Ermangelung seiner Medikamente beginnt Alex zu kiffen und zu philosophieren, veranschaulichend gefilmt mit wankender Kamera. Dass das Trio zwei Mädels – Kellnerin Babette (Alessija Lause, „Heiter bis tödlich – Koslowski & Haferkamp“) und Sängerin Stephanie (Pegah Ferydoni, „Türkisch für Anfänger“) – und somit Love oder zumindest Sex Interests kennenlernt, verkompliziert naturgemäß alles und führt zu Missmut untereinander. Ein spontaner Umweg über Schweinfurt wird angetreten, da Paul seinen unehelichen Sohn kennenlernen will, dessen Mutter er einst sitzenließ. Ein Verkehrsunfall gerät zum weiteren Baustein eines katastrophalen Ausgangs des gar nicht mehr so nostalgischen Spaßtrips.
„So was kann man einfach nicht wiederholen!“
Um dies dem eine Komödie erwartenden Publikum nicht einfach vor den Latz zu knallen, folgen zumindest noch eine alles etwas abfedernde, Perspektiven aufzeigende Wendung und ein halboffenes Ende. Und tatsächlich funktioniert der komödiantische Teil mit seiner Situationskomik und eher subtilem Humor inklusive vieler Überraschungen recht gut, wenngleich man keinen Pastewka erwarten darf, wie man ihn aus seiner Serie und seinen Shows kennt. Er ordnet sich hier Drehbuch und Inszenierung unter. Schön auch, wie das Trio in einem ausgelassenen Moment „One Step Beyond“ im Auto choreographiert und das Phänomen Madness in Dialogform erläutert wird – wer Madness bisher eventuell gar nicht kannte, dürfte nach diesem Film eine Vorstellung davon haben, worum es geht. Die unnötig despektierlichen Äußerungen über Whitney Houston hätte man sich hingegen kneifen können.
„Der Sommer nach dem Abitur“ erzählt auf ansprechende und vergnügliche Weise davon, wie schlecht sich Jugend konservieren lässt und wie unwirtlich das Erwachsenenleben sein kann – was umso bitterer wirkt, wenn dieses selbstgemacht ist. Ein gewagter, mit der Wohlfühlfilm-Publikumserwartung brechender Spagat zwischen Komödie und Drama also, der aller karikierenden und dramaturgischen Übertreibung zum Trotz viel Wahres enthält, aus dem man aber sicher auch noch mehr hätte herausholen können: Zuweilen wirkt der Film dann eben doch auch wie eine etwas schaumgebremste TV-Produktion.
Re: Der Sommer nach dem Abitur - Eoin Moore (2019)
Verfasst: Do 30. Apr 2026, 17:29
von Reinifilm
Die unnötig despektierlichen Äußerungen über Whitney Houston hätte man sich hingegen kneifen können.
Ich fand gerade schön, dass die nicht schaumgebremst waren.
Re: Der Sommer nach dem Abitur - Eoin Moore (2019)
Verfasst: Do 30. Apr 2026, 18:12
von buxtebrawler
Reinifilm hat geschrieben: ↑Do 30. Apr 2026, 17:29
Ich fand gerade schön, dass die nicht schaumgebremst waren.