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Sieben Jahre in Tibet - Jean-Jacques Annaud (1997)

Verfasst: Fr 3. Apr 2026, 06:37
von Maulwurf
 
Sieben Jahre in Tibet
Seven years in Tibet
USA / Großbritannien / Kanada 1997
Regie: Jean-Jacques Annaud
Brad Pitt, David Thewlis, BD Wong, Mako, Danny Denzongpa, Victor Wong, Ingeborga Dapkunaite, Jamyang Jamtsho Wangchuk, Lhakpa Tsamchoe, Ric Young, Ngawang Chojor, Jetsun Pema, Ama Ashe Dongtse, Sonam Wangchuk, Dorjee Tsering, Duncan Fraser, Benedick Blythe


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Heinrich Harrer mag ein schwieriger Mensch gewesen sein, ein fragwürdiger Charakter und ein viel zu ehrgeiziger Bergsteiger. Er mag viele negative Seiten an sich gehabt haben, aber eines hatte er sicher: Ein aufregendes Leben!

Schon als Jugendlicher begeisterter Skifahrer und Kletterer, geprüfter Skilehrer und Bergführer, größter bergsteigerischer Triumph natürlich die Erstdurchsteigung der Eiger-Nordwand (unter der Führung von Anderl Heckmair, aber dies nur so ganz nebenbei), österreichischer Golfmeister, Erstbesteiger der Carstensz-Pyramide, des höchsten Bergs Ozeaniens, erfolgreich auf vielen vielen Expeditionen vor allem in den Himalaya, aber auch nach Ozeanien … Und natürlich persönlicher Freund des Dalai Lama.

Der Film konzentriert sich auf die Jahre in Tibet, nachdem Harrer als Mitglied einer deutsch-österreichischen Expedition im Himalaya 1939 als „Feind“ von der britischen Besatzungsmacht in Indien interniert wurde, und gemeinsam mit seinem Kameraden Peter Aufschnaiter flüchten konnte (was zugegeben sehr vereinfacht beschrieben ist, sich aber am Film orientiert und damit der groben Linie der Realität durchaus entspricht). Nach über 2000 Kilometern zu Fuß und einer strapaziösen und unglaublichen Reise durch Indien und Tibet erreichten die beiden irgendwann Lhasa, die Hauptstadt Tibets, wo sie Aufenthaltsrecht und Arbeit bekamen, und Harrer als Lehrer des Dalai Lama auch dessen Freund wurde. Eine Freundschaft, die tatsächlich bis zu Harrers Tod im Jahr 2006 hielt. SIEBEN JAHRE IN TIBET zeigt diese Freundschaft, er zeigt, wie Harrer sich unter dem Einfluss des Buddhismus im Allgemeinen und des Dalai Lamas im Besonderen vom egoistischen Arschloch allmählich zu einem (mit-) fühlenden Menschen wandelte, und er zeigt vor allem eines: Eine Welt, die auf Frieden und auf Achtung vor jedem anderen Lebewesen fußt. Eine Achtung die so tief ist, dass die Mönche, die das Fundament für ein Kino ausschachten sollen, sich weigern dies zu tun, weil sie dabei unabsichtlich Regenwürmer töten könnten. Die, so lehrt die Reinkarnationslehre des Buddhismus, immerhin ihre Vorfahren sein könnten. Und der Film zeigt auch, wie eine brutal-imperialistische Kriegsmacht diesen Frieden zerstört und die Bevölkerung in eine mittlerweile seit über 70 Jahren dauernde Knechtschaft schickt.

SIEBEN JAHRE IN TIBET schmerzt, weil man hilflos zuschauen muss, wie ein kleines Paradies unwiederbringlich zerstört und dem Götzen Macht geopfert wird. Aber trotzdem ist der Zuschauer nach dem Film nicht traurig oder am Boden zerstört. Die Botschaft, die Regisseur Jean-Jacques Annaud mit auf den Weg gibt, ist positiv konnotiert und von einer tiefen Liebe an Menschen und Leben durchdrungen. SIEBEN JAHRE IN TIBET gibt einem die Kraft, die nächste Arbeitswoche zu bestehen, die Ungerechtigkeiten des Alltags vielleicht ein wenig stoischer zu ertragen, und den eigenen Geist einfach ein klein wenig zu entspannen. Der Film ist somit ein bisschen wie eine buddhistische Entspannungsübung – Man hält den Atem an (während des ersten, spannenden, Drittels), und lässt ihn dann allmählich durch den geöffneten Mund fließen, um damit Druck und Anspannung abzubauen. Sich in den wunderschönen Bildern der tibetischen Natur zu verlieren (gedreht wurde in Argentinien, es gibt aber auch Naturaufnahmen die inkognito tatsächlich in Tibet entstanden sind). Und ein klein wenig ruhiger und gelassener zu werden.

Ein schöner Film, trotz der stellenweise schrecklichen Bilder des letzten Drittels. Ein Film, der Kraft gibt. Richtig schön!

7/10