Gladiator
Gladiator
USA 2000
Regie: Ridley Scott
Russell Crowe, Joaquin Phoenix, Connie Nielsen, Oliver Reed, Richard Harris, Derek Jacobi, Djimon Hounsou, David Schofield, John Shrapnel, Tomas Arana, Ralf Moeller, Spencer Treat Clark, David Hemmings, Tommy Flanagan, Sven-Ole Thorsen, Omid Djalili, Nicholas McGaughey

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OFDB
Anfang der 00er-Jahre lief GLADIATOR als ganz heißer Scheiß. Ein richtig großer Film, der die Massen ins Kino zog und Unmengen glücklicher Gesichter erzeugte. Ich habe es selbst erlebt, dass ein Kollege beim Verlassen des Kinos klar feststellte, dass dies der beste Film aller Zeiten sei. Punkt. Und was soll ich sagen, selbst 23 Jahre später hat meine Frau bei der Erstsichtung festgestellt, dass das ein richtig guter Film ist. Mit der Betonung auf
richtig.
Also hat Ridley Scott wohl alles
richtig gemacht. Die perfekten Schauspieler, die perfekte Musik, die perfekten Bilder, und vor allem die perfekte Mischung aus all diesen Dingen, gewürzt mit der ganz besonderen Magie des Ridley Scott. Ist das wirklich so?
Ich fand den Film damals im Kino ganz gut, aber nicht gut genug, als dass ich ihn mir jemals wieder hätte ansehen wollen. Kürzlich lief er werbefrei im Fernsehen, und ich blieb mit bleiernem Arsch und großem Widerwillen davor sitzen, gewappnet mit dem stählernen Willen, diesen Film schlecht zu finden. Aber ach, die Bilder haben mich dann doch schneller als gedacht in ihren Bann gezogen, gerade Russell Crowe hat so eine ganz spezielle Underdog-Attitüde, die einen unglaublichen Reiz ausübt. Joaquin Phoenix ist ein psychopathischer Imperator wie er im Buche steht (Wenngleich er sich mit Malcom McDowells CALIGULA nicht wirklich messen kann), und spätestens die Undurchsichtigkeit und Ambivalenz Connie Nielsens fesselt den Zuschauer an den Bildschirm. Dass GLADIATOR die letzte Rolle des großartigen Oliver Reed war, ist dann nur noch das I-Tüpfelchen auf einem wie magnetisch wirkenden Bilderrausch, der die einfach und doch effektiv gestrickte Geschichte perfekt (da ist das Wort wieder) präsentiert. Die klassische Story Gut gegen Böse funktioniert halt immer noch am besten, und wenn sie dann auch noch so simpel gestrickt wie hier dargestellt wird (der einzige Charakter, dessen Stand nicht auf Anhieb bestimmt werden kann, ist Connie Nielsens Lucilla, alle anderen sind von Beginn an dasjenige, als was sie dargestellt werden), dann ist der Mega-Blockbuster-Erfolg bereits beim Brainstorming des Exposés definiert, ein Misserfolg wird in das Reich der Phantasie verwiesen. Um die letzten Zweifler zu überzeugen wird die Musik von Hans Zimmer komponiert (mit der wunderbaren Lisa Gerrard von DEAD CAN DANCE als Sängerin), die Geschichte mit ein klein wenig Philosophie, ganz viel Pathos und noch viel mehr Tragik übergossen, und wenn nicht ein Jahr später Peter Jackson mit DER HERR DER RINGE die knackigere, realistischere und weniger pathostriefende Version vom Schwertkampf gegen das ultimativ Böse ins Kino gebracht hätte, dann wäre GLADIATOR der Weg in die Triumphhalle der großartigsten Filme aller Zeiten kaum verwehrt geblieben.
Das klingt jetzt alles so furchtbar gehässig, aber sind wir doch mal ehrlich: Weder die aufgesetzte Tragik noch das aufdringliche Pathos machen so richtig glücklich. Glücklich machen die extrem starken Actionszenen wie der erste Gladiatorenkampf im Kolosseum, der als Reminiszenz an BEN HUR mit richtig eindrucksvollen Aufnahmen und tollen Stunts glänzt, und große strahlende Cineastenaugen hinterlässt. Dagegen kann das ganze Gefasel von Rom und Heimat und Gerechtigkeit und wasauchimmer nicht anstinken. Die Action ist es, die diesen Film vor dem Schmalztopf rettet. Die Action und die tollen Bilder. Ja, als grafischer Erzähler hat der Ridley Scott wirklich was drauf, das muss man ihm lassen. Aber narrativ waren seine Filme meistens sehr rudimentär gehalten, da muss man sich nur mal Glanzstücke wie DIE AKTE JANE oder THE COUNSELOR anschauen. PROMETHEUS anyone? Oder KÖNIGREICH DER HIMMEL? Nein, Scotts Metier sind die Bilder und die Action, und das macht er auch in GLADIATOR wie kaum ein Zweiter. Wir schwitzen mit den Gladiatoren in den Arenen, wir fürchten gemeinsam mit Lucilla um das Leben, und wir kriechen entsetzt in unseren Sessel, wenn der kühne Plan Maximus‘, zusammen mit seinen Leuten den pösen Kaiser zu stürzen, an die Wand klatscht. Die Bilder sind es, und die großartigen Schauspieler, die einer wie der andere ihre platten Rollen mit großer Tiefe füllen und den Figuren Leben einhauchen, sie zu Charakteren ausbilden. Die gleiche Geschichte von einem weniger begabten Regisseur und mit weniger begabten Schauspielern wäre ein Rohrkrepierer vor dem Herrn, da können wir uns glaube ich einig sein.
GLADIATOR ist eindrucksvolles Historienkino, nicht mehr und nicht weniger. Aber eine Sternstunde des Films kann ich hier beim besten Willen nicht erkennen, dafür tropft mir dann doch zu viel Pathos aus den Löchern in der Storyline …
7/10