Seite 1 von 1

Die letzte Verführung - John Dahl (1994)

Verfasst: Di 9. Mai 2023, 23:11
von CamperVan.Helsing
Bild

USA 1994

OT: The last seduction

D: Linda Fiorentino, Bill Pullman, Peter Berg

Bridget Gregory (Linda Fiorentino) ist eine äußerst verführerische, intelligente Schönheit, die mit Clay (Bill Pullman) – einem Doktor – verheiratet ist. Doch sie bekommt einfach nie genug, wie ihr Ehemann mit der Zeit feststellen muss. Nachdem sie ihn dazu überreden konnte, Kokain, welches ursprünglich medizinischen Zwecken diente, an Drogendealer zu verkaufen, brennt sie kurz darauf mit dem eingenommenen Geld (beinahe eine Million Dollar) durch und taucht in einer amerikanischen Kleinstadt unter. Clay braucht die Million allerdings dringend, da er damit einen Kredithai abbezahlen möchte, der schnell ungemütlich wird. Also lässt er Detektive nach seiner verschwundenen Frau suchen, um so an das verlorengegangene Vermögen heranzukommen. Bridget überlegt indes, wie sie ihren Mann ein für allemal loswerden kann... (Filmstarts.de)


...und da gibt es ja durchaus einige Möglichkeiten, wenn Frau attraktiv, kreativ und skrupelllos ist. Eigenschaften, die Bridget Gergory allesamt beherrscht. Tatsächlich dürfte selten eine Femme fatale so unsympathisch bereits in den Film eingeführt worden sein: Sie befehligt in einer Firma eine Gruppe von Telefonverkäufern, die bei "cold calls" ihren Kunden mehr oder weniger wertvolle Sammlermünzen andrehen sollen.Gut, das ist noch nicht die Kategorie eines Jordan Belfort, aber wir sollen ja auch noch einen ersten Eindruck von ihr erhalten.

Als sie in dem Kaff Breston eigentlich nur einen Tankstopp vorhat, versucht der kürzlich dorthin zurückgekehrte Mike sie in einer Bar aufzureißen. Bridget ist einem One-Night-Stand nicht abgeneigt, doch auf Rat ihres Anwalts bleibt sie im Ort. Neuer Name, neuer Job, Mike als Sexobjekt. Das Leben könnte schön sein, wenn nicht ihr Gatte auf der Suche nach ihr wäre, dessen Gesundheit akut von großen Fischen gefährdet ist. Wie gut, dass Mike nicht von ihr lassen kann - und dass es etwas gibt, von dem Mike auf gar keinen Fall möchte, dass jemand in seiner Heimatstadt davon weiß. Und um dies verhindern, würde Mike zur Not auch einen Mord begehen...

John Dahl wurde in der ersten Hälfte der 90er als DIE Hoffnung des Neo-Noir abgefeiert, und das lässt sich anhand dieses Films absolut nachvollziehen. Zu einem jazzigen Soundtrack liefert Linda Fiorentino eine grandiose Leistung ab. Wie heisst es bei Matthias Merkelbach: "Beim Casting sagte Linda Fiorentino zu Regisseur John Dahl: Zwei Schauspielerinnen gäbe es nach ihrer Meinung, die die Rolle der Bridget spielen könnten. Die eine sei Film-Noir-Ikone Barbara Stanwyck. Und die andere sei sie selbst. Nun sei Barbara Stanwyck schon gestorben. Folglich…" (www.der-film-noir.de)

In der Tat: Bridget ist manipulativ, eiskalt, geldgeil und sexbesessen. Und doch gelingt es, sie so darzustellen, dass man mir ihr mitfiebert. Wenn es je eine Femme fatale gegeben hat, ist es diese...



"Ich bin ein verdammtes verficktes Miststück" (Selbsteinschätzung Bridget Gregory)

Re: Die letzte Verführung - John Dahl (1994)

Verfasst: Mi 10. Mai 2023, 08:57
von buxtebrawler
Sehr interessante Filme, die du gestern so vorgestellt hast, ugo. Dieser hier ist definitiv einer davon.

Re: Die letzte Verführung - John Dahl (1994)

Verfasst: Di 24. Feb 2026, 07:18
von jogiwan
Überzogen wirkender Neo-Noir-Streifen mit Figuren frisch aus der Klischeekiste und Entwicklungen, die an der Mündigkeit der Macher zweifeln lassen. Eine resolute, völlig skrupellose und unfreundliche Ego-Bitch aus New York kommt mit einem Koffer voll gestohlenem Geld und einen durchtriebenen Plan in die ein Kaff, bezirzt einen jungen Mann mit großem Schwanz, der daraufhin als Testosteron-gesteuerter Gockel bereitwillig in sein Verderben läuft. Soweit so gut bietet „Die letzte Verführung“ eigentlich nur völlig seltsam erscheinende Menschen, die dann auch vorwiegend sehr unvernünftige Dinge tun, die dann in weiterer Folge auf ein dramatisches Finale hinauslaufen, dass weit besser funktionieren könnte, würden die eindreiviertel Stunden davor nicht eher in Richtung Kleinstadt-Befindlichkeits-Komödie tendieren. John Dahl schafft es nicht seine unterschiedlichen Richtungen harmonisch zu kombinieren und herausgekommen ist ein Film, der eher irritiert, als begeistert, wenn hier die weibliche Hauptdarstellerin ihr völlig manipulatives Programm durchzieht und alle herum stets so bereitwillig mitmachen, ohne auch nur ansatzweise irgendwas zu hinterfragen. Die längere Fassung bietet zwanzig Minuten mehr Material, dass man getrost in die Tonne kippen kann und den Film imho eher noch schlechter erscheinen lassen, als er meines Erachtens ohnehin schon ist und auch sonst ist „Die letzte Verführung“ eher kein Noir-Geheimtipp, sondern ein Paradebeispiel einer völlig falschen Vorstellung von Feminismus aus männlicher Sicht und eine Kleinstadt-Groteske, die man mit seinem völlig unreflektierten Menschenbild und seinem haarsträubend-konstruierten Verlauf getrost in den Neunzigern hätte belassen können.

Re: Die letzte Verführung - John Dahl (1994)

Verfasst: Di 24. Feb 2026, 08:00
von karlAbundzu
Ich finde deinen 90er Run sehr spannend, meines Erachtens gab es da einige spannende, kleiner budgetvierte Thriller aus den USA. Die Dahl Trilogie, und auch ein paar spätere Filme mochte ich sehr. Muss aber auch zugeben, an diesen kaum eine Erinnerung zu haben, an Red Rock West schon mehr.
John Dahl ist inzwischen ja ein viel beschäftigter TV bzw Streaming Regisseur.

Re: Die letzte Verführung - John Dahl (1994)

Verfasst: Di 24. Feb 2026, 08:57
von jogiwan
karlAbundzu hat geschrieben: Di 24. Feb 2026, 08:00 Ich finde deinen 90er Run sehr spannend, meines Erachtens gab es da einige spannende, kleiner budgetvierte Thriller aus den USA.
Danke und über entsprechende Tipps bin ich natürlich jederzeit dankbar. :popcorn: :prost:

:arrow: viewtopic.php?t=16476