Sündiger Sommer- Jack Deerson & Barbara Peeters (1970)
Verfasst: Fr 6. Mai 2022, 00:15

USA 1970
OT: The dark side of tomorrow
R: Jack Deerson, Barbara Peeters
D: Alisa Courtney, Elisabeth Plumb, John Aprea
Es ist Montag morgen und die Nachbarinnen Denise und Adria bringen wie immer ihre Ehemänner zum Flughafen. Als sie in der Stadt ein lesbisches Paar beobachten, kommen die beiden vernachlässigten Hausfrauen auf die Idee, sich miteinander zu trösten. Doch nur für eine von beiden ist das ein Schritt in eine selbstbestimmte Freiheit – für die andereist diese lesbische Episode nur eine kurze Ablenkung.
Dieser Film ist eine echte Rarität. B-Film-Regisseurin Barbara Peters, die für das New World Pictures Studio von Roger Corman u.a. den Klassiker HUMANOIDS FROM THE DEEP gedreht hat, wagte sich mit dieser Geschichte über zwei gelangweilte Hausfrauen, die die lesbische Liebe entdecken, auf das Feld des 'Lesploitation Films' - mit viel Gefühl, hintergründigem Humor, Sunshine-Pop-Klassikern und Hippie-Ideen... (Backcover)
"Sexploitation goes Lesbo!" titelte der Salzgeber-Verleih, den ich mit Gay-Thematik sehr wohl in Verbindung bringe, doch kaum mit -ploitation. In den USA wurde der Film 1970 von Exploitation-Mogul Harry Novak und seiner "Boxoffice Films" wohl durch die Grindhouses geschleift. In reaktionären Kreisen zwischen Utah und South Carolina dürfte das Werk auch 50 Jahre später noch Schluckauf verursachen, während die Freigabe ab 12 angemessen ist.
Es ist natürlich schwierig, sich vorzustellen, wie dieser Film zu seiner Zeit gewirkt haben mag. Es dürfte schon außergewöhnlich gewesen sein, dass Homosexualität von den Macher*innen nicht abwertend dargestellt wurde, was der Verdienst von Barbara Peeters gewesen sein dürfte. Zunächst sieht man nur das lesbische Paar im Café beim Händchenhalten, dann dürfen sich Adria und Denise küssen, und auch Nacktheit gibt es zu sehen. Gleichwohl ist der Film zurückhaltend gemacht, was vielleicht den einen oder anderen Redneck, jene Typen, die davon faseln, dass mann es diesen Lesben nur mal richtig besorgen müsste, erst recht in Rage gebracht haben dürfte.
Denn auch wenn Adria sich einem neuen Mann in die Arme wirft (und enttäuscht wird), und Denise darüber eifersüchtig wird, dann aber zu einer Party eingeladen wird, wo die Modefotografin Mona sie zu verführen versucht, und Denise erkennt, dass sie dafür (noch?) nicht bereit ist, und der Film nach 75 Minuten quasi in einem Ende ausläuft, das wirkt, als hätte man kein wirkliches Ende gefunden (oder einfach kein Geld mehr gehabt), so atmet das Werk doch den "free spirit" jener Zeit an der US-Westküste. Das Leben wird irgendwie weitergehen.
Richtung rund läuft der Film nicht, aber ein sympathisches Werk ist es allemal. Das Budget dürfte ziemlich niedrig gewesen, und es hat mich ziemlich verwundert, dass er nach fast 40 Jahren dann (in OmU) hierzulande rauskam. Das verwendete Material sieht aus, als hätte zu lange auf einem Atomgelände in der Wüste von Nevada gelagert. Vielleicht hat aber Harry Novak darauf bestanden, der hat schließlich einen schlechten Ruf zu verlieren.